Wo waren Sie gestern Abend?

Wo Sie gestern Abend waren, spielt hier jetzt keine Rolle.
Wahrscheinlich WÄREN Sie gestern Abend im Syntopia gewesen bei der Veranstaltung der DFG-VK im Rahmen der Duisburger Akzente zum Thema „Mauern“.
Unsere Veranstaltung HÄTTE den Titel „Die Mauer als Chance“ gehabt und wurde auch vom FestivalbĂŒro angenommen. Aber dann sind – Sie wissen es – die ganzen Akzente Krohna-bedingt abgesagt worden.
Um Sie nicht ganz leer ausgehen zu lassen, und damit Sie sich ungefĂ€hr vorstellen können, was gestern zu sehen/hören gewesen WÄRE, hier nochmal ein paar Ausschnitte der Syntopia-Lesung vom 17. September 2015.

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Lesungen fallen aus

Lesungen fallen aus, darĂŒber bin ich nicht froh.
Aber, so höre ich im Radio, die Pop-Stars geben Solokonzerte im Internet.
Dann will ich es denen mal gleichtun.
Ausschnitte aus meinen VortrÀgen im Panama.
Klicken Sie mal an, das mĂŒĂŸte funktionieren:

 

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Die FĂŒĂŸe der Gans oder Koch doch selber Kaffee

Nehmen Sie es mir nicht ĂŒbel, sondern freuen Sie sich. Im Fernsehen kommen ja auch oft Wiederholungen, und das ist gut und nicht schlecht.

Die FĂŒĂŸe der Gans oder Koch doch selber Kaffee, Veröffentlicht am 16. November 2013 von hl [und hier geringfĂŒgig ĂŒberarbeitet]

Konkret berichtet ĂŒber die wechselvolle Beziehung der Alice Schwarzer zu GĂŒnter Amendt.
Ihr Klang von 1980: „Ich rief ihn an. Er kam nach Köln. Wir sprachen bis in den spĂ€ten Abend. In diesem GesprĂ€ch wird deutlich, daß Amendt und mich noch viel mehr verband, als wir vermutet hatten.“
1988, nachdem sie in einer TV-Diskussion mit Amendt ĂŒber Pornographie schlecht ausgesehen hatte: „Der Journalist GĂŒnter Amendt prĂ€sentiert sich, nur weil er vor Jahren zwei BĂŒcher ĂŒber Jugendsex geschrieben hat, im Fernsehen auch gerne als ‚Sexualwissenschaftler‘.“ In GĂ€nsefĂŒĂŸchen!
2013, zwei Jahre nach Amendts Tod: „Ich bin mit Emma mal wieder verdammt allein. Und kein GĂŒnter Amendt ist in Sicht.“

GĂŒnter Amendt…

 

…Tongtong…

Die Gemeinsamkeits-Feier 1980 fand keineswegs in allerbester Stimmung statt. Eine 22jĂ€hrige Emma-Redaktionsfrau, die damals nicht mehr und noch nicht wieder meine Freundin (und noch nicht METZGER-Autorin) war, erhielt von Alice Schwarzer im ĂŒblichen Kasernenhofton den Befehl: „Koch mal Kaffee!“ Sie darauf: „Ich bin doch nicht zum Kaffeekochen eingestellt! Koch doch selber Kaffee!“ Frau Schwarzer war darĂŒber sehr verĂ€rgert, wĂ€hrend GĂŒnter Amendt sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

…and the Girl

GĂŒnter Amendt, Sexualwissenschaftler, Journalist (hauptsĂ€chlich fĂŒr Konkret), kundig in Drogenpolitik und im Lebenswerk von Bob Dylan, SDS-Mitglied, Kommunist, 2011 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, wĂ€re heute 80 Jahre alt geworden.

Zeichen der Zeit

Fiesbuck mal wieder.
Doch das ist nicht einfach ein Versehen,
das ist ein Zeit-Zeichen.

Weil in unserer Zeit die Vertuer die Richtlinien bestimmen.
Kann man das so sagen? Ja, das kann man so sagen.

Was halten Sie ĂŒbrigens von der Wortschöpfung „barbusig“?

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Noch mehr aktive PassivitÀt

Ich wollte sagen: immer mehr fatale Dekoration beziehungsweise phantastische AktivitĂ€t (lĂ€ĂŸt sich beliebig bis nach Manchester knĂŒpfen).

E.B. fotografiert von H.L. im BĂŒro

Die BĂŒro-Vorsteherin (vormals ĂŒbrigens zeitweise Mitglied der Emma-Redaktion) war so frei. Als ich ihr mein Bild von ihr zeigte, war ihr Kommentar: „Ein Po, auf den man gerne draufhaut.“

Auch als Situationspostkarte Nr. 110 ventilierbar.

Weihnachts-Botschaften

Soll heißen: ich nehme diplomatische ImmunitĂ€t in Anspruch.
Weihnachten ist ja bekanntlich die Gelegenheit fĂŒr Erinnerungen, RĂŒckblicke und Wiederholungen. Ist es nicht so? Glauben Sie es mir einfach.
WÀhrend ich mir ein paar Tage Privatissimum gönne, mache ich es Ihnen möglich, die UniversalitÀt zu wiederholen, und zwar durch diese Verlinkungen:
24. Dezember 2012
24. Dezember 2013
24. Dezember 2014
24. Dezember 2015
24. Dezember 2016

Wie sagte schon Karl Valentin:
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.

Itzo: GĂ€nge unter dem Himmel (8-14)

Das habe ich Ihnen doch schon mal gezeigt.

Wer behauptet eigentlich stĂ€ndig, daß die BĂ€ume nicht in den Himmel wachsen?

Brennesseln und Brombeeren. Die können uns Freude bringen.
Brombeeren? Klar. Gelee und so. Aber Brenn(n)esseln auch?
Dann lesen Sie doch mal: Maud Sacquard de Belleroche: GestĂ€ndnisse, Memoiren einer Frau von vierzig Jahren (1968), das Kapitel ĂŒber die Französischlehrerin, ziemlich am Anfang.

Hier, mitten im Walde, hat irgendson Klöckner oder Thyssen oder Stinnes oder Thynnes ein Waldschloß errichten lassen.

Man muß schon eine LĂŒcke finden, um eine Vorstellung von der Dimension des ReprĂ€sentations-Wochenendhauses zu bekommen. Vorn im Bild ist ja wohl das „Gesindehaus“.
Es wird ringend mit HĂ€nden nach neuen Benutzern der Immobilie gesucht. Die Thynnesse wohnen heute nicht mehr so klassizistisch.

Das ist nicht etwa, wie Sie glauben, das Eschhaus, sondern die Akademie Wolfsburg. Nicht Anarchie, sondern Katholie.

Dahinter, auf MĂŒlheimer Gebiet schon, haben die Wichtigleute von heute sowas fĂŒr sich hinplanen lassen.
Das Haus vorn: Nach einem Besuch kann die Gattin sagen: „Hast du gesehen? DIE haben eine runde Wand. Und was haben wir?“
Das Haus dahinter: DIE haben immerhin ein Dach (fast) bis auf die Erd‘.
Hoffentlich gibt es da auch mal leckeren Nudelsalat.

FĂŒrtsetzöng fĂŒlgt.

Ne? Is klar.

Ist Ihnen auch klar, daß der Rosenmontag, beziehungsweise das ganze durch ihn verlĂ€ngerte Wochenende, mancherorts als Zeit der Kontemplation gefeiert wird, zum Beispiel dort, wo die fast vollendete METZGER-Ausgabe Numero 121 ganz vollendet werden soll.
Ich will Ihnen gern zu ein paar (prĂ€zise gesagt: fĂŒnf) kontemplativen Inspirationen verhelfen – durch Recurse auf die ersten fĂŒnf Monate dieses Weblogs. Denn wisse: wer auf der Suche nach der Zukunft ist, muß in alten Papieren wĂŒhlen (hier: in alten Notaten herumstöbern).

Drum klicken Sie mal hier,
und klicken Sie mal hier,
und klicken Sie mal hier,
und klicken Sie mal hier,
und klicken Sie mal hier.

Viel Freude (ohne Uniform, ohne Blaskapelle).

Am FKK-Strand ganz köstlich amĂŒsiert

FĂŒnf junge MĂ€nner (ca. 20 bis 25 Jahre) wollten mal eine richtige Sause erleben und fuhren nach Xanten, wo es einen FKK-Strand gibt. Dort pöbelten sie die BadegĂ€ste an, und zwar, folgt man den Darstellungen in der Tagespresse, in besonders heftiger Weise. Laut Zeugenaussagen sollen in besonders heftiger Weise Frauen angegangen worden sein. In der WAZ las ich:
„Eine Gruppe von jungen MĂ€nnern beleidigte die GĂ€ste aufs ĂŒbelste, beschimpfte vor allem Frauen. ‚Sie haben uns beleidigt, beschimpft und sogar bespuckt‘, sagt eine Leserin […]. „Wir Frauen seien alle Schlampen, und sie wĂŒrden uns alle ausrotten‘.“
Daß sich die Störer des WochenendvergnĂŒgens durch den Ruf „Allahu akbar“ (auf Deutsch: „Gott ist groß“) als Vertreter einer der abrahamitischen Religionen zu erkennen geben wollten, ist fĂŒr diese Situation nicht untypisch. Das schaurig-schöne AmĂŒsemang ĂŒber den Verfall der Sitten rechtfertigt sich durch den Gestus vorgeschobener Empörung.
„Willst du nackte Weiber sehen?“ Dann mußt du sie aber beschimpfen – dann darfst du gucken. (Und dann regt sich das, was im seelisch verkorksten, religiös pervertierten Untertan durch sexuellen Reiz zum Vorschein kommt: Haß, Aggression, Bereitschaft zur Gewalt).
Ein großer Teil der pornographischen Literatur der letzten 1000 Jahre ergeht sich in bigotter EntrĂŒstung ĂŒber die Schweinigeleien der Wilden, der Juden, der Jesuiten, der schamlosen Weiber, der Kommunarden, der GrĂŒnen Witwen, der Zarin Katharina II., der langhaarigen Marihuana-Raucher, der Studentinnen, der UnglĂ€ubigen, der Mittelmeeranrainer, der Unterschicht et cetera pepĂ©, wobei die eigene Weste unbefleckt bleibt. Das Auftreten der GottesverkĂŒnder in Xanten dĂŒrfte dem fidelen EntrĂŒstungs-Tourismus zuzurechnen sein. Denen, die diese Republik schon in ihrer gerontokratischen Anfangsphase kennenlernen durften, kommt das alles bekannt vor. „Ausrotten“ war nach 1945 keineswegs zum Tabuwort geworden.
Integration gelungen? Die fidelen EntrĂŒster stehen wohl so etwa auf dem Stand von 1960.
Und genau das ist es ja, wohin die Pegida-Idioten alles wieder hinbringen wollen.

Ja, was ist denn DAS?

NeuProgrammCoverJa, was ist das denn, möchte man wieder fragen.
Also: Es handelt sich um eine BroschĂŒre (36 Seiten), urgehoben von meiner Kollegin und mir 1991, lange Zeit vergriffen, jetzt (nach 25 Jahren) in zweiter, nur leicht verĂ€nderter Auflage fĂŒr 5 Euro wieder erhĂ€ltlich (ISBN 978-3-935673-06-8).

Man sollte als KĂŒnstler / als Schriftsteller mit ErlĂ€uterungen zum Werk sich zurĂŒckhalten. Wird eine Pointe erklĂ€rt, ist sie hin.
Nur mal so viel:
Vor 25 Jahren wollte die geltungssĂŒchtige Generalaufpasserin Alieze Schwarzer (auch „Frollein Lohmeier“ genannt) Porno gesetzlich verbieten lassen.
Das war der Anlaß fĂŒr diese Kampfschrift, deren Text allerdings nicht von den Verfassern verfaßt, sondern zusammengeklebt und mit aufschlußrerichen Bildern zu einem montiert wurde. Es sollte dem Ansinnen der penetranten Anstandsdame nicht mit Argumenten begegnet, sondern Tatsachen geschaffen werden. Wo (kalkuliert oder unkalkuliert) mit Reizvokabeln IrrationalitĂ€t geschĂŒrt wird, helfen keine Pillen und keine essigsaure Tonerde, wohl aber die Satire, die sich die „normative Kraft des Faktischen“ zunutze macht.
„Schwarzers Begabung war nie die Analyse, eher die action im Einklang mit einem gesunden Volksempfinden“, meinte Katharina Rutschky.

Mit Fleiß verbringe ich meine Zeit damit, die SpießbĂŒrgerlichkeit und PrĂŒderie, eben jenes „Volksempfinden“ in Mißkredit zu bringen. Froh war ich stets, wenn ich zu solchem Behufe einfallsreiche Partnerinnen fand.
Hier geht es um: die Ästhetisierung des Sexuellen. Oder man könnte auch poetisch sagen: Es geht um die Erotisierung der SexualitĂ€t.
Im Verzeichnis lieferbarer BĂŒcher (VLB) steht unter der Rubrik „Hauptbeschreibung“: „Text-Bild-Collage ĂŒber die VerschlĂŒsselung von SexualitĂ€t, Macht, BedĂŒrfnis, Manipulation.“ Irgendwas muß man ja reinschreiben, damit der moderne Mensch „aha“ sagen kann.
Mit dem wieder erhĂ€ltlichen Heftchen wird auf dem Stand der Situationspresse / Buchhandlung WeltbĂŒhne auf dem Ruhrorter Kunstmarkt erstmals die Öffentlichgkeit konfrontiert.
GEGEN ALLES, WAS LANGWEILIG, SPIESSIG UND PRÜDE IST.

NeuProgrammImmerDabeiHier zwei Seiten, auf denen man erkennt, daß wir es wirklich ernst meinen, selbst dann, wenn wir nicht ernst bleiben können.

lg3Die Mit-Autorin Lina Ganowski war an der (zurĂŒckhaltenden) Überarbeitung nicht beteiligt. Sie sagte (am Telefon): „Jaja, du machst das schon, ich verlaß mich auf dich“, und auf ausdrĂŒckliche Nachfrage: „Jaja, mach ruhig!“
Die Verbrecher (in diesem Fall: die Verbrecherin) zieht es an den Ort des Verbrechens. Die Essenerin, die lĂ€ngere Zeit in Erfurt, und dann fĂŒr einige Zeit in den Niederlanden ansĂ€ssig war, wohnt jetzt wieder in Essen.
Ich fragte sie: „Bleibst du denn jetzt da fĂŒr immer?“ Daraufhin sie: „Ja, was soll ich denn darauf antworten???“

Ja, was ist das denn?

NeuProgrammWasIstDasDenn
Der Bundesjustizminister beabsichtigt, gesetzliche Mittel gegen „sexualisierte Werbung“ einzufĂŒhren.
FĂŒr meine Produktionen und Leistungen setze ich gelegentlich Werbung ein, die durch ein solches Gesetz tangiert wĂŒrde.
Ich werde mich in zivilem Ungehorsam ĂŒber solcherlei BeschrĂ€nkungen hinwegsetzen. Ich verweise darauf, daß Werbung sich nicht auf einen kommerziellen Zweck beschrĂ€nken muß, sondern auch eine sozialhygienische Funktion erfĂŒllen kann.
Gesetze und sonstige Normen, mit denen die Enterotisierung privater und öffentlicher Lebensbereiche betrieben wird, mĂŒssen verhindert, notfalls verletzt werden.

Die obige Abbildung (anklicken zum VergrĂ¶ĂŸern) ist eine Doppelseite aus „Das neue Programm der Opposition – eine Polit-Pornografie von Helmut Loeven und Lina Ganowski“, Situationspresse 1991. Bei dieser Collage handelte es sich um eine satirisch-polemische Antwort auf Tante Emmas Anti-Porno-Hysterie-Kampagne. Zum 25jĂ€hrigen JubilĂ€um erscheint in diesem Jahr eine (nur wenig geĂ€nderte) Neuauflage (36 Seiten). Um Vorbestellungen (5 Euro einschließlich Versand) wird gebeten:
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

http://www.buchhandlung-weltbuehne.de/boudoir.htm

Ein juristisches Vorgehen gegen die Buchhandlung WeltbĂŒhne wegen Verbreitung angeblich jugendgefĂ€hrdender Schriften im Jahre 2007 konnte mit juristischen Mitteln abgewehrt werden (siehe DER METZGER 81). Um besser auf Angriffe vorbereitet zu sein, empfehle ich die „Programm“-BroschĂŒre. Auch Spenden wĂ€ren hilfreich:
SSB e.V.
IBAN DE76 3601 0043 0403 9564 32
BIC PBNKDEFF
Verwendungszweck: Gegen alles

GEGEN ANGRIFFE DER BUNDESREGIERUNG AUF DIE MEINUNGS- UND KUNSTFREIHEIT.
GEGEN VERDÄCHTIGUNG DES EROS.
GEGEN ALLES, WAS LANGWEILIG, SPIESSIG UND PRÜDE IST.

Nicht jeder findet das gut: LSD ins Trinkwasser.

Einige Passagen meiner Lesung im Syntopia am 17. September 2015 wurden gefilmt. Heute zeige ich euch: LSD ins Trinkwasser.


Über den Besuch eines Beamten ist ebenfalls was zu erfahren.

Dies ist das Notat Nr. 888. Das kann doch kein Zufall sein.

Renate Rasp

Ich wußte gar nicht, daß die Schriftstellerin Renate Rasp (1935-2015) die Tochter des Schauspielers Fritz Rasp war. Ihr letztes Buch erschien 1979. Da könnte man meinen, es wĂ€re nicht verwunderlich, daß man sie, sofern man sie erwĂ€hnt, bei den „Vergessenen“ einordnet.
Mitte der 60er Jahre als DebĂŒtantin erregte sie Aufsehen durch ein Erscheinen, das bis dahin als „nicht damenhaft“ angesehen wurde. Ihr Auftritt 1967 bei der Gruppe 47 war furios. Vielleicht erinnert sich noch jemand an ihren Auftritt bei der Buchmesse 1968 („ach, die war das?“), wo sie „ihre Lesung barbusig abhielt“, was von manchen von denen, die immer alles schon gewußt haben, als „billiger PR-Gag“ abgetan wurde. („Barbusig“ – was fĂŒr ein Wort! Von „busig“ abgeleitet).
RaspSpiegelRenate Rasps Lyrik und Prosa war von einer brillanten AggressivitÀt. Darin war sie ihrer rasierklingenscharfen Kollegin Gisela Elsner (1937-1992) Àhnlich.
Renate Rasps wohl am meisten verstörendes Buch war „Chinchilla“ (1973), das als Leitfaden zur praktischen AusĂŒbung der Prostitution gelesen werden kann und eine völlig der Verwertung unterworfene SexualitĂ€t vorfĂŒhrt.
„Vergessen“ ist nicht nur eine psychische (Fehl?-)Funktion, sondern auch ein gesellschaftlicher Abwehrmechanismus.
VLBRaspFehlanzeigeDieses Bildschirmfoto zeigt die Trefferquote fĂŒr die Suche nach „Renate Rasp“ in Verzeichnis lieferbarer BĂŒcher (VLB).
Renate Rasp war mit dem Schriftsteller und Kabarett-Exporten und -Historiker Klaus Budzinski (geb. 1921) verheiratet. Auch von seinen Standardwerken ĂŒber das Kabarett ist keines mehr lieferbar.
RaspChinchillaAls ich „Chinchilla“ las, hatte ich das meiste noch vor mir.

Pornpositiv

„Da hilft
nur noch eine
pornographische
Offensive.“
Magda Gorny

Neu, besser gesagt: Schon lĂ€ngt in der WeltbĂŒhne:
FemPornBookThe Feminist Porn Book. Strategien der Lusterzeugung, Band 1. Verlag Louisoder. 280 S. 14,95 Euro
Der Verlag ĂŒber das Buch:
„The Feminist Porn Book“ vereint zum ersten Mal Schriften von FeministInnen aus der Erotikbranche und Forschung feministischer Pornowissenschaftler. Das Buch geht nicht nur der Frage nach, wie FeministInnen Pornographie verstehen, sondern auch wie FeministInnen Pornographie „machen“ – also in einer der lukrativsten Industriezweige der Welt Regie fĂŒhren oder als Darsteller, Produzenten und Konsumenten agieren. „The Feminist Porn Book“ aktualisiert die Debatten der Pornokriege in den 1980er-Jahren, welche die Frauenbewegung tief gespalten haben, und stellt die Pornografie als eine Form des Ausdrucks und der BerufstĂ€tigkeit dar, in der auch Frauen und andere Minderheiten Macht und Lust produzieren.

Ich dachte: Den zweiten Band gibt es doch auch schon, dann muß ich auch den hier anpreisen! Und dann merkte ich, daß ich den ersten Band hier auch noch nicht erwĂ€hnt hatte.
Also:

The Feminist Porn Book. Die Kunst, Lust zu vermitteln, Band 2. Verlag Louisoder 2014. 230 S. 14,95 Euro
„The Feminist Porn Book“ versammelt Produzentinnen, Darstellerinnen, Sex-Aktivistinnen und Kritikerinnen, die sich als Autorinnen zum Thema Ă€ußern. Die Autorinnen agieren oder agierten vor der Kamera, hinter der Kamera oder beides. Sie plĂ€dieren fĂŒr eine „echte“ Darstellung von Lust in erotischen Filmen und das Recht sexueller Entfaltung, ganz gleich welcher Ausrichtung in Bezug auf Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder Vorlieben. Sie werfen einen kritischen Blick auf die extrem vielseitige Unterhaltungsbranche fĂŒr Erwachsene, bereichern sie um die Bilder, die sie selbst sehen wollen, und verĂ€ndern sie dadurch nachhaltig.
Das Buch erschien gleichnamig 2013 bei „The Feminist Press“ in den USA und sorgte dort fĂŒr rege öffentliche Diskussionen. Das Vorwort zur deutschen Ausgabe in Band 1 steuerte Laura MĂ©ritt bei, die mit ihrer PorYes-Bewegung seit vielen Jahren das Thema behandelt und sich öffentlich fĂŒr das Recht auf Pornografie und erfĂŒllte SexualitĂ€t von Frauen stark macht.

PorYes! Vorlieben! Recht auf Pornografie! Das Wagnis, erotische Erfahrung und Sehnsucht zum Gegenstand gestalterischer Phantasie zu machen – und das alles in einem Atemzug mit „Feminist“! Das klingt so schrĂ€g, so ungeheuerlich, wenn man das bĂŒrgerliche Heldenleben der letzten Jahrzehnte beobachtet hat.
Wie oft schon hat man angesichts des Moral-Kartells des bĂŒrgerlich-proletarisch-feministisch-patriarchal-progressivkonservativen, alternativen Mainstreams einsehen mĂŒssen: da helfen keine Argumente, da trĂŒgt die Hoffnung auf Einsicht, da helfen auch keine Pillen und keine Essigsaure Tonerde. Da hilft nur ein Rotes Tuch. Da hilft nur der erotische Ungehorsam!
FeministPorno! Der Widerspruch in sich als Deus ex Machina!
So wie die Spaßguerilla nur eine unvollkommene Vorform der Quatschguerilla ist, so ist der sexpositive Feminismus nur ein Vorstadium des pornopositiven Feminismus.

Bestellen Sie diese beiden BĂŒcher (oder eines davon) in der sex-positiven Buchhandlung WeltbĂŒhne. WeltbĂŒhne muß bleiben.

Da ich weniger als Konsument, sondern vielmehr als Produzent von Pornographie Befriedigung finde, weise ich auch noch auf folgendes hin:

Ist Der Metzger ein Pornoblatt?

Dahinter kam ich (2)

wald-15-04-13wald-15-04-14Der „Heilige Brunnen“ (so heißt das immer noch).
Regenwasser, das durch die Sandschichten versickerte und auf eine wasserundurchlĂ€ssige Lehmschicht traf, so daß es am SĂŒdhang dieser Anhöhe wieder zutage trat. Also kein Wasser aus tieferen Schichten (sog. Mineralwasser) mit eventuell heilender Wirkung. Zur KultstĂ€tte (in natursteinerner MonumentalitĂ€t) wurde diese Stelle erst in den 30er Jahren erhoben.
Da hat man dann Kurzbehoste hingeleitet, damit die hier andÀchtig herumstehen und lauthals irgendwas schwören.
„Kein Trinkwasser“ steht in Stein gemeißelt da drĂŒber.

wald-15-04-16Das Rinnsal hat ein richtiges Tal in die Landschaft geschnitten. (Nimm dir Zeit).

wald-15-04-17wald-15-04-18Dort, fern des Weges, entstand damals (1978) der legendĂ€re 360-Grad-Schwenk zum Ende des Films „Le Onze Mai“ (Hut-Filmproduktion, auf DVD erhĂ€ltlich).
Wer nicht weiß, daß damals die Kamera hier sich drehte, wĂŒrde heute es nicht erkennen. Der halbzerfallene Hochsitz ist jetzt ganz zerfallen.

wald-15-04-19Mir fĂ€llt ein: Meine liebe Freundin Lina hat ĂŒber einen Spaziergang auf diesen Wegen eine ihrer Kurzgeschichten geschrieben. Eine hochprickelnde, tieferregende Geschichte! Ist sowas möglich, ĂŒber einen Waldspaziergang eine Erotik-Story zu schreiben? Ja. Die kann sowas.

Wird fortgesetzt.

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Ausgabe Nr. 113.
M113Und das steht drin (Überblick):

Renate König: Sogar im braven Bayern. „Besorgte Eltern“ machen sich Sorgen, weil ihre Kinder in der Schule zu viel ĂŒber SexualitĂ€t erfahren (also zum Beispiel auch ĂŒber Gefahren und wie man sich davor schĂŒtzt). Da darf der ElsĂ€sser natĂŒrlich nicht fehlen.

Jakop Heinn: Wer war das? Farbschmierereien auf Schaufenstern von BĂŒros der Linkspartei. Dabei sind die Parolen von Israelrettern und Antisemiten kaum voneinander zu unterscheiden.

Lieber nie als jetzt. WesteuropĂ€ische Faschisten entdecken ihr Herz fĂŒr Rußland.

„FlĂŒchtlinge aufnehmen und willkommen heißen“ sollte eine SelbstverstĂ€ndlichkeit sein. Eine Stimme aus der VVN.

Jakop Heinn: Mahnwachen machen Wahn oder Breit sein ist alles. Der SĂŒndenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: im „Friedenswinter“ ließ sie sich mit rechten Pseudo-Kriegsgegnern ein. Einige verspĂŒren jetzt den großen Katrzenjammer, andere merken immer noch nichts.

Helmut Loeven: Ostermarsch auf Abwegen? Der SĂŒndenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: In Duisburg, der Hauptstadt der politischen VerrĂŒcktheiten, wird es noch toller getrieben als sowieso. Muß man als Antimilitarist eigentlich wirklich der Friedensbewegung angehören? Oder kann man sich nicht selbstĂ€ndig machen?

Helmut Loeven: Haste Töne? Das Neue Deutschland rief an: Was ist da los in Duisburg? Ist das wahr, daß das Duisburger Friedensforum die Querfront-Kapelle „Bandbreite“ auftreten lassen will? Nicht zu glauben, aber: wahr.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett: Komische HĂ€user, komische Schilder, historische Haltestellen. Außerdem: Die Vertreibung aus dem Paradies war eine gute Idee; Genosse Stalin als der Tongtong; Blöde LißfaßsĂ€ulenwerbung.

Helmut Loeven und Lina Ganowski: „Die vernichtende Gewalt des Redlichen“. Ein paar abweichende Bemerkungen zur Ponro-AffĂ€re um Edathy.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): ISIS waren doch die Guten als sie wider Assad zogen… Ein Gedicht, das den StaatsmĂ€nnern und -Frauen wahrscheinlich nicht gefĂ€llt.

Werner Muth: Europas Bande. Counter-Script zu GĂŒnter Grass: „Europas Schande“.

Max Reinhardt: Teestunde. „Wenn sie verhaftet wurden, dann muß das einen Grund haben“, sagte der Mann und wurde verhaftet.

Konrad Knurrhahn: Vorsatz und Station. Glossen.

DER METZGER Nr. 113 kann fĂŒr 3 Euro in der Buchhandlung WeltbĂŒhne (Gneisenaustraße 226 in 47057 Duisburg) mitgenommen werden. Wer zu weit weg wohnt, kann das Heft zur portofreien Lieferung dort bestellen. Postkarte genĂŒgt.
Oder:
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

Die Liste aller noch lieferbaren Ausgaben findet man unter
http://www.buchhandlung-weltbuehne.de/mindex.htm

WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

FĂŒr eine glĂŒcklichere Zukunft!

Sie hat mir manchmal Notizen geschickt wie diese hier:

„Extra fĂŒr Dich
Kurz vor Ladenschluß.
Ich möchte unbedingt was vor seinem Laden machen. Etwas, weas er so schnell nicht vergißt. Auf der gegenĂŒberliegenden Straßenseite. Mit einem großen Transparent. – Gegen Hakenkreuze. So etwas. Gegen deutsche SuppenschĂŒsseln, ha!
!!! Erregung öffentlichen Ärgernisses !!! !!! Vor allen Leuten !!!
Schamlos. UnĂŒbersehbar. Vielleicht mit einer Gerte oder einem Lederremen. Was Nacktes. WEas Nacktes vor seinem Laden. Meine BĂŒhne ist die Straße. DO IT ON THE ROAD.
Es geht also los. Als ich mich kurz umdrehe, sehe ich ihn am Fenster stehen. Ich installiere seelenruhig die Leiter und fange schon mal mit dem Ausziehen an. Mit dem RĂŒcken zu ihm. Aber er guckt immer noch und faßt es nicht. „Was macht die denn jetzt???“ Endlich begreift er, was sich da abspielt.
WĂ€hrend ich also mit dem Ausziehen beschĂ€ftigt bin – ein paar Leute bleben schon stehen – kommt er wie ein Pfeil rausgerannt. Ich schĂŒttel seine HĂ€nde ab: „Laß mich doch!“ Dann nimmt er mich kurzentschlossen auf den Arm und trĂ€gt mich schnell ĂŒber die Straße. So, schnell rein da, TĂŒr zu. Abschließen, „damit se nich abhaut.“
„Also, was denkst du dir eigentlich?“
Er rennt auf und ab, es ist herrlich zuzuhören. Es macht mir immer mehr Spaß.
„Na warte.“ ——-………—–…..———-…….?—-!!!§“!“——…………?……………..
Danach kann ich nicht mehr sitzen. Deinen Tisch habe ich nĂ€mlich abgebaut. Extra fĂŒr Dich.

Abgesehen von einigen Eskapaden wie vorstehender, verstecke ich meine Figur lieber unter Kleidern und LILA LATZHOSEN. Ich möchte nĂ€mlich nicht von jedem Wichser „angemacht“ werden.
Wer meinen Arsch zu sehen verdient – das entscheide immer noch ich. Der gehört nĂ€mlich mir, mein Kleiner.
Freundliche GrĂŒĂŸe an Lina Gannofs… mein Gott, WIE heißt die?
Du weißt doch, daß ich schwer erziehbar bin.“

In ungeduldigem Klang gehaltene EntwĂŒrfe fĂŒllten oft die BlĂ€tter, die sie mir mit der Post zuschickte. Der Rekurs auf körperliche ZĂŒchtigung in erotischem Kontext ist bei ihr nicht selten (siehe hier und siehe da), und unvermeidlich ist ihre Weigerung, den Namen ihrer Lieblingsrivalin jemals korrekt hinzuschreiben.

Die Geschichte ist realer als man zunĂ€chst glauben mag. Ich traue Erika eine solche Aktion durchaus zu: daß sie sich auf der Straße auszieht und sich aller Welt nackt zeigt, um so gegen UnterdrĂŒckung und Ungerechtigkeit in der Welt und deutsche SuppenschĂŒsseligkeit zu protestieren. In der EinschĂ€tzung der subversiven Kraft sexueller Intervention weiß sie sich mit mir einig („Besser kann man‘s nicht ausdrĂŒcken“).
Darum fand ich die Geschichte gar nicht so gut. Das habe ich ihr auch gesagt, als sie mich anrief:
„Der Mann in der Geschichte, damit kann ich ja wohl nicht gemeint sein. Ich wĂŒrde doch nicht einschreiten, wenn du, im Einklang mit unserer gemeinsamen Kunstauffassung, aus Protest gegen Spießertum und Untertanengeist dich öffentlich entblĂ¶ĂŸt. Ich wĂŒrde doch in Wirklichkeit eine solche Kunst-Aktion unterstĂŒtzen.“
„Na, da bin ich mir nicht so sicher“, sagte sie. Ich hĂ€tte ahnen können, daß sie noch was vorhat.

Erika besuchte mich manchmal im GeschĂ€ft. Die Zeit von eins bis drei war uns am liebsten, weil durch Umdrehen des TĂŒrschlosses der Publikumsverkehr ferngehalten wurde.
„Schau her!“ sagte sie. „Mein Hintern ist doch nicht schlechter als der von der Glabowski!“ Und dann sagte sie plötzlich: „Ich stell mich jetzt nackt ins Schaufenster.“

"Ich stell micht jetzt nackt ins Schaufenster!"

„Ich stell micht jetzt nackt ins Schaufenster!“

Ich hechtete ihr hinterher und hielt sie im letzten Moment zurĂŒck. Sie wehrte sich heftig. Sie wollte unbedingt im EvaskostĂŒm im Schaufenster stehen, und ich wollte das unbedingt verhindern.

„Laß mich los!“ rief sie wĂŒtend. Denn: Wer ihren Arsch sehen soll, das will allein sie entscheiden.

Wir haben uns dann vorgenommen, doch noch ein Happening aus Unfug, Unzucht und Umsturz zu veranstalten, allerdings an einem Ort, den wir beide nach getaner Tat verlassen konnten.
NĂ€mlich im Bonner Hofgarten.

Ist was?

Ist was?

Die Hofgartenwiese, der historische Ort, wo einst gegen Krieg und fĂŒr AbrĂŒstung demonstriert wurde, erschien uns sehr geeignet fĂŒr eine Manifestation der Hoffnung auf eine glĂŒcklichere Zukunft. Eine einzelne Bank stand mitten auf der Wiese. Auf ihr hatten wir uns niedergelassen. Hier, am Schnittpunkt der Diagonalen, sichtbar von allen Seiten, sichtbar fĂŒr zahllose Parkbesucher, legte Erika sich quer ĂŒber meinen Schoß und empfing von mir energiereiche SchlĂ€ge auf den Hintern.

Auaa! (TĂ€ter unkenntlich gemacht).

Auaa!
(TĂ€ter unkenntlich gemacht).

Nicht alle können in dem Moment in eine andere Richtung gesehen haben. Nicht alle können den Rhythmus der Applikationen und die Melodie der Äußerungen meiner Mitstreiterin ĂŒberhört haben. Vielleicht hat ein Kind auf dem Spielplatz nebenan gefragt: „Mama, was macht der Mann da mit der Frau?“
Wir sind dann auch schnell abgehauen.

Na? War was? (Jetzt aber nix wie weg).

Na? War was?
(Jetzt aber nix wie weg).

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