Sie hat mir manchmal Notizen geschickt wie diese hier:
âExtra fĂŒr Dich
Kurz vor LadenschluĂ.
Ich möchte unbedingt was vor seinem Laden machen. Etwas, weas er so schnell nicht vergiĂt. Auf der gegenĂŒberliegenden StraĂenseite. Mit einem groĂen Transparent. â Gegen Hakenkreuze. So etwas. Gegen deutsche SuppenschĂŒsseln, ha!
!!! Erregung öffentlichen Ărgernisses !!! !!! Vor allen Leuten !!!
Schamlos. UnĂŒbersehbar. Vielleicht mit einer Gerte oder einem Lederremen. Was Nacktes. WEas Nacktes vor seinem Laden. Meine BĂŒhne ist die StraĂe. DO IT ON THE ROAD.
Es geht also los. Als ich mich kurz umdrehe, sehe ich ihn am Fenster stehen. Ich installiere seelenruhig die Leiter und fange schon mal mit dem Ausziehen an. Mit dem RĂŒcken zu ihm. Aber er guckt immer noch und faĂt es nicht. âWas macht die denn jetzt???â Endlich begreift er, was sich da abspielt.
WĂ€hrend ich also mit dem Ausziehen beschĂ€ftigt bin â ein paar Leute bleben schon stehen â kommt er wie ein Pfeil rausgerannt. Ich schĂŒttel seine HĂ€nde ab: âLaĂ mich doch!â Dann nimmt er mich kurzentschlossen auf den Arm und trĂ€gt mich schnell ĂŒber die StraĂe. So, schnell rein da, TĂŒr zu. AbschlieĂen, âdamit se nich abhaut.â
âAlso, was denkst du dir eigentlich?â
Er rennt auf und ab, es ist herrlich zuzuhören. Es macht mir immer mehr SpaĂ.
âNa warte.â ——-………—–…..———-…….?—-!!!§â!â——…………?……………..
Danach kann ich nicht mehr sitzen. Deinen Tisch habe ich nĂ€mlich abgebaut. Extra fĂŒr Dich.
Abgesehen von einigen Eskapaden wie vorstehender, verstecke ich meine Figur lieber unter Kleidern und LILA LATZHOSEN. Ich möchte nĂ€mlich nicht von jedem Wichser âangemachtâ werden.
Wer meinen Arsch zu sehen verdient â das entscheide immer noch ich. Der gehört nĂ€mlich mir, mein Kleiner.
Freundliche GrĂŒĂe an Lina Gannofs… mein Gott, WIE heiĂt die?
Du weiĂt doch, daĂ ich schwer erziehbar bin.â
In ungeduldigem Klang gehaltene EntwĂŒrfe fĂŒllten oft die BlĂ€tter, die sie mir mit der Post zuschickte. Der Rekurs auf körperliche ZĂŒchtigung in erotischem Kontext ist bei ihr nicht selten (siehe hier und siehe da), und unvermeidlich ist ihre Weigerung, den Namen ihrer Lieblingsrivalin jemals korrekt hinzuschreiben.
Die Geschichte ist realer als man zunĂ€chst glauben mag. Ich traue Erika eine solche Aktion durchaus zu: daĂ sie sich auf der StraĂe auszieht und sich aller Welt nackt zeigt, um so gegen UnterdrĂŒckung und Ungerechtigkeit in der Welt und deutsche SuppenschĂŒsseligkeit zu protestieren. In der EinschĂ€tzung der subversiven Kraft sexueller Intervention weiĂ sie sich mit mir einig (âBesser kann manâs nicht ausdrĂŒckenâ).
Darum fand ich die Geschichte gar nicht so gut. Das habe ich ihr auch gesagt, als sie mich anrief:
âDer Mann in der Geschichte, damit kann ich ja wohl nicht gemeint sein. Ich wĂŒrde doch nicht einschreiten, wenn du, im Einklang mit unserer gemeinsamen Kunstauffassung, aus Protest gegen SpieĂertum und Untertanengeist dich öffentlich entblöĂt. Ich wĂŒrde doch in Wirklichkeit eine solche Kunst-Aktion unterstĂŒtzen.â
âNa, da bin ich mir nicht so sicherâ, sagte sie. Ich hĂ€tte ahnen können, daĂ sie noch was vorhat.
Erika besuchte mich manchmal im GeschĂ€ft. Die Zeit von eins bis drei war uns am liebsten, weil durch Umdrehen des TĂŒrschlosses der Publikumsverkehr ferngehalten wurde.
âSchau her!â sagte sie. âMein Hintern ist doch nicht schlechter als der von der Glabowski!â Und dann sagte sie plötzlich: âIch stell mich jetzt nackt ins Schaufenster.â

„Ich stell micht jetzt nackt ins Schaufenster!“
Ich hechtete ihr hinterher und hielt sie im letzten Moment zurĂŒck. Sie wehrte sich heftig. Sie wollte unbedingt im EvaskostĂŒm im Schaufenster stehen, und ich wollte das unbedingt verhindern.
âLaĂ mich los!â rief sie wĂŒtend. Denn: Wer ihren Arsch sehen soll, das will allein sie entscheiden.
Wir haben uns dann vorgenommen, doch noch ein Happening aus Unfug, Unzucht und Umsturz zu veranstalten, allerdings an einem Ort, den wir beide nach getaner Tat verlassen konnten.
NĂ€mlich im Bonner Hofgarten.

Ist was?
Die Hofgartenwiese, der historische Ort, wo einst gegen Krieg und fĂŒr AbrĂŒstung demonstriert wurde, erschien uns sehr geeignet fĂŒr eine Manifestation der Hoffnung auf eine glĂŒcklichere Zukunft. Eine einzelne Bank stand mitten auf der Wiese. Auf ihr hatten wir uns niedergelassen. Hier, am Schnittpunkt der Diagonalen, sichtbar von allen Seiten, sichtbar fĂŒr zahllose Parkbesucher, legte Erika sich quer ĂŒber meinen SchoĂ und empfing von mir energiereiche SchlĂ€ge auf den Hintern.

Auaa!
(TĂ€ter unkenntlich gemacht).
Nicht alle können in dem Moment in eine andere Richtung gesehen haben. Nicht alle können den Rhythmus der Applikationen und die Melodie der ĂuĂerungen meiner Mitstreiterin ĂŒberhört haben. Vielleicht hat ein Kind auf dem Spielplatz nebenan gefragt: âMama, was macht der Mann da mit der Frau?â
Wir sind dann auch schnell abgehauen.

Na? War was?
(Jetzt aber nix wie weg).
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