sie wittern den Frieden

An dieser Stelle wird ein Notat wiederholt, das schon am 30. Mai 2015 aus aktuellem Anlaß hier erschien. Anlaß ist diesmal, daß der Schriftsteller Hand Bender dieser Tage 100 Jahre alt geworden wĂ€re.

Hans Bender […] hat lange gelebt. Man könnte fast sagen: So bringen vergangene Zeiten sich wieder in Erinnerung. Hans Bender, GrĂŒnder und lange Zeit Herausgeber der akzente (Hanser). Es ist wohl nicht zu despektierlich, wenn ich sage, er war einer von denen, die dafĂŒr zustĂ€ndig waren, daß es nach 1945 eine offizielle Literatur in (West-)Deutschland gab – im Deutschunterricht durchzunehmen. Bender gehörte, wie Höllerer, wie Richter, zu den Schriftstellern, von denen man sagen mußte: sie haben auch selbst geschrieben.
„Die Wölfe kehren zurĂŒck“ nahmen wir in der Untertertia durch. Die Schriftsteller, die das „Tendenziöse“ zu fĂŒrchten gelernt hatten und zu fĂŒrchten lehrten, schrieben ĂŒber den Krieg als ein böses und den Frieden ĂŒber ein gutes Schicksal. Bin ich ungerecht? Böll war da anders.

„Die Wölfe kehren zurĂŒck. Sie wittern den Frieden.“ So endet die Geschichte.
Wir sollten dann fĂŒr die nĂ€chste Deutschstunde eine Inhaltsangabe schreiben. Ich schrieb einen zehn Seiten langen Aufsatz.
Das wurde aber beanstandet. Es wurde eine Inhaltsangabe verlangt, und die hÀtte als gelungen gegolten, wenn sie kurz gewesen wÀre, je knapper desto besser.
Aber:
In dem inoffiziellen Wettbewerb „Der lĂ€ngste Aufsatz der Klasse“ hatte ich mit einem sieben Seiten langen Aufsatz lange den Rekord gehalten. Der war gebrochen worden. Jemand hatte acht Seiten gefĂŒllt, um zu zeigen: „Ich hab‘ den lĂ€ngeren“! Den mußte ich ĂŒbertreffen! Es ging doch nicht um die gute Note in Deutsch, sondern um die Verwirklichung einer Vorstellung, die sich jeder fremdbestimmenden Bewertung entzieht.
Ich hatte zwar durchaus noch nicht den Vorsatz gefaßt, aber vielleicht schon eine Ahnung davon, Schriftsteller zu werden. Denn der Schriftsteller unterscheidet sich von anderen Leuten darin, daß er mehr schreibt als von ihm verlangt wird, und im Idealfall sich beim Schreiben mehr amĂŒsiert als der Leser beim Lesen. Wobei die Kriterien, wonach ein Aufsatz als ein guter solcher erkannt wird, brachial außer acht gelassen werden. Sie erleben es in diesem Moment: meine unausrottbare Angewohnheit, vom Thema abzuschweifen.
Meine Freundin Lina hat mal zu mir gesagt: „Das Abschweifen vom Thema ist eine der ergiebigsten Erkenntnisquellen.“ Oder habe ich das zu ihr gesagt?
Nicht gut angekommen bin ich mal mit einem Aufsatz, der vier Seiten lang war, von denen dreidreiviertel Seiten Einleitung waren. Heute wĂŒrde man doch sagen: eine Meisterleistung!

Wer hĂ€tte mir zugestimmt, wenn ich den Gedanken geĂ€ußert hĂ€tte, daß ein Aufsatz in Deutsch das Publikum gut unterhalten sollte.
Wenn ich mal einen Aufsatz vor der Klasse vorlesen mußte/durfte, wurde immer sehr viel gelacht. So auch bei dem genannten Sieben-Seiten-Aufsatz in der Untertertia: die erfundene Geschichte ĂŒber einen gescheiterten Überfall auf die Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg.

Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg

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Sinngebung

sinngebung1Ready Made: Das Zeichen-Orakel, das Sie ĂŒber und unter diesen Zeilen sehen, erschien auf dem Bildschirm beim Versuch, eine uralte TXT-Datei zu öffnen. Letztlich gelang es ohne viel MĂŒhe, den TXT-Text odt-mĂ€ĂŸig lesbar zu machen. Der digitale Versuch einer nachtrĂ€glichen Sinngebung sollte aber nicht ungewĂŒrdigt bleiben.
Sinngebung2Konkrete Poesie oder Ist die experimentelle Literatur reine Maschinenkunst?
Dieses Thema können Sie im Literaturseminar aufwerfen, wenn Ihnen sonst nichts einfÀllt.

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 115.

M115Sowas steht drin:

Intro: Schöner Wohnen. Wie man durch unpraktisches Einrichten fĂŒr Komik sorgt.

Jakop Heinn: Mann vom Rand. Unvorhergesehener Zwischenfall: Die britische Labour Party hat einen Linken zum Vorsitzenden gewÀhlt!

Lina Ganowski: Verweigern Sie die Aussage! Schlechte Zeiten fĂŒr Moralisten: Rauschgift soll legal und Sex-Arbeit („Prostitution“) nicht mehr pfuibĂ€h sein. Wer keine Ahnung hat ist dagegen, und wer dagegen ist hat keine Ahnung. Was haben die Moralisten mit ihren Verboten denn je erreicht? Was wollen sie ĂŒberhaupt erreichen?

Helmut Loeven: Die FlĂŒchtlinge und unsere Aktien. Was nutzen uns die FlĂŒchtlinge? Kosten sie vielleicht mehr als sie einbringen? Gegenfrage: Wieso mĂŒssen Menschen, die in Not sdind und Hilfe brauchen und das Mittelmeer im Schlauchboot ĂŒberlebt haben, ihren Nutzen nachweisen?

Nachrichten. (ElsÀsser-Schote darf nicht fehlen).

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Meine Erlebnisse mit Merkel; MĂŒssen Pazifistinnen doof sein?; Cooler Kaffee; Keine Demo ist auch’ne Demo; Stadtverschleiß; Kaiserberg. Und immer wieder: Komische HĂ€user, komische Schilder.

Die VĂ€ter der Libelle. Diesmal: Captain Misson, und der Trikont-Verlag is nicht kaputt zu kriegen.

LĂŒtfiye GĂŒzel: „er zeigt mir die bĂŒhne…“ Aus dem Leben einer Poetin oder Wieviel Einsicht sollte man von Publikum und Veranstaltern doch eigentlich erwarten dĂŒrfen?

Lothar Röse: Plus ultra. Von Empyreum zum Empire. Was hat die Astronomie zum Kapitalismus beigetragen?

Mac Duff: Richter Azdak in Rom. Diesmal muß sich der kaukasische Kreisekreisrichter mit einer Vaterschaftsklage von Annette Schawan beschĂ€ftigen.

Max Reinhardt: Unser tĂ€glich HĂŒhnerbein gib uns heute. Schocking in sĂŒdlicher Gegend.

Jiddische Weltmusik aus NĂŒrnberg. Thomas RĂŒger ĂŒber die Global Shtetl Band.

Tagebuch. Hier tut sich einiges.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung WeltbĂŒhne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Renate Rasp

Ich wußte gar nicht, daß die Schriftstellerin Renate Rasp (1935-2015) die Tochter des Schauspielers Fritz Rasp war. Ihr letztes Buch erschien 1979. Da könnte man meinen, es wĂ€re nicht verwunderlich, daß man sie, sofern man sie erwĂ€hnt, bei den „Vergessenen“ einordnet.
Mitte der 60er Jahre als DebĂŒtantin erregte sie Aufsehen durch ein Erscheinen, das bis dahin als „nicht damenhaft“ angesehen wurde. Ihr Auftritt 1967 bei der Gruppe 47 war furios. Vielleicht erinnert sich noch jemand an ihren Auftritt bei der Buchmesse 1968 („ach, die war das?“), wo sie „ihre Lesung barbusig abhielt“, was von manchen von denen, die immer alles schon gewußt haben, als „billiger PR-Gag“ abgetan wurde. („Barbusig“ – was fĂŒr ein Wort! Von „busig“ abgeleitet).
RaspSpiegelRenate Rasps Lyrik und Prosa war von einer brillanten AggressivitÀt. Darin war sie ihrer rasierklingenscharfen Kollegin Gisela Elsner (1937-1992) Àhnlich.
Renate Rasps wohl am meisten verstörendes Buch war „Chinchilla“ (1973), das als Leitfaden zur praktischen AusĂŒbung der Prostitution gelesen werden kann und eine völlig der Verwertung unterworfene SexualitĂ€t vorfĂŒhrt.
„Vergessen“ ist nicht nur eine psychische (Fehl?-)Funktion, sondern auch ein gesellschaftlicher Abwehrmechanismus.
VLBRaspFehlanzeigeDieses Bildschirmfoto zeigt die Trefferquote fĂŒr die Suche nach „Renate Rasp“ in Verzeichnis lieferbarer BĂŒcher (VLB).
Renate Rasp war mit dem Schriftsteller und Kabarett-Exporten und -Historiker Klaus Budzinski (geb. 1921) verheiratet. Auch von seinen Standardwerken ĂŒber das Kabarett ist keines mehr lieferbar.
RaspChinchillaAls ich „Chinchilla“ las, hatte ich das meiste noch vor mir.


 sie wittern den Frieden

in memoriam Hans Bender
1919-2015

Hans Bender ist am vergangenen Donnerstag gestorben. Er hat lange gelebt.
Man könnte fast sagen: So bringen vergangene Zeiten sich wieder in Erinnerung. Hans Bender, GrĂŒnder und lange Zeit Herausgeber der akzente (Hanser). Es ist wohl nicht zu despektierlich, wenn ich sage, er war einer von denen, die dafĂŒr zustĂ€ndig waren, daß es nach 1945 eine offizielle Literatur in (West-)Deutschland gab – im Deutschunterricht durchzunehmen.
Bender gehörte, wie Höllerer, wie Richter, zu den Schriftstellern, von denen man sagen mußte: sie haben auch selbst geschrieben.
„Die Wölfe kehren zurĂŒck“ nahmen wir in der Untertertia durch. Die Schriftsteller, die das „Tendenziöse“ zu fĂŒrchten gelernt hatten und zu fĂŒrchten lehrten, schrieben ĂŒber den Krieg als ein böses und den Frieden ĂŒber ein gutes Schicksal. Bin ich ungerecht? Böll war da anders.

„Die Wölfe kehren zurĂŒck. Sie wittern den Frieden.“ So endet die Geschichte.
Wir sollten dann fĂŒr die nĂ€chste Deutschstunde eine Inhaltsangabe schreiben. Ich schrieb einen zehn Seiten langen Aufsatz.
Das wurde aber beanstandet. Es wurde eine Inhaltsangabe verlangt, und die hÀtte als gelungen gegolten, wenn sie kurz gewesen wÀre, je knapper desto besser.
Aber:

In dem inoffiziellen Wettbewerb „Der lĂ€ngste Aufsatz der Klasse“ hatte ich mit einem sieben Seiten langen Aufsatz lange den Rekord gehalten. Der war gebrochen worden. Jemand hatte acht Seiten gefĂŒllt, um zu zeigen: „Ich hab‘ den lĂ€ngeren“! Den mußte ich ĂŒbertreffen! Es ging doch nicht um die gute Note in Deutsch, sondern um die Verwirklichung einer Vorstellung, die sich jeder fremdbestimmenden Bewertung entzieht.
Ich hatte zwar durchaus noch nicht den Vorsatz gefaßt, aber vielleicht schon eine Ahnung davon, Schriftsteller zu werden. Denn der Schriftsteller unterscheidet sich von anderen Leuten darin, daß er mehr schreibt als von ihm verlangt wird, und im Idealfall sich beim Schreiben mehr amĂŒsiert als der Leser beim Lesen. Wobei die Kriterien, wonach ein Aufsatz als ein guter solcher erkannt wird, brachial außer acht gelassen werden. Sie erleben es in diesem Moment: meine unausrottbare Angewohnheit, vom Thema abzuschweifen.
Meine Freundin Lina hat mal zu mir gesagt: „Das Abschweifen vom Thema ist eine der ergiebigsten Erkenntnisquellen.“ Oder habe ich das zu ihr gesagt?
Nicht gut angekommen bin ich mal mit einem Aufsatz, der vier Seiten lang war, von denen dreidreiviertel Seiten Einleitung waren. Heute wĂŒrde man doch sagen: eine Meisterleistung!

Wer hĂ€tte mir zugestimmt, wenn ich den Gedanken geĂ€ußert hĂ€tte, daß ein Aufsatz in Deutsch das Publikum gut unterhalten sollte.
Wenn ich mal einen Aufsatz vor der Klasse vorlesen mußte/durfte, wurde immer sehr viel gelacht. So auch bei dem genannten Sieben-Seiten-Aufsatz in der Untertertia: die erfundene Geschichte ĂŒber einen gescheiterten Überfall auf die Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg.

Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg

Sparkassen-Zweigstelle am Sittardsberg

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Noch ein JubilÀum: 50 Jahre Kunst & Politik

Am 1. Mai 1964, also vor 50 Jahren, begann meine kĂŒnstlerische Arbeit. Ich war 14 Jahre alt und im Begriff, KĂŒnstler zu werden. Man kann das Datum als Stichtag und damit das heutige Datum als 50jĂ€hriges JubilĂ€um werten. Ich werte dieses Datum als den Beginn der kĂŒnstlerischen und politischen Arbeit, weil ich zwischen beidem keinen Unterschied mache. Damals ahnte ich allerdings noch nicht, daß kĂŒnstlerisches und politisches Eingreifen eine unauflösliche Einheit bilden wĂŒrden.
Es begann nicht, wie angenommen werden kann, mit Schreiben (obwohl mir sowas auch schon vorschwebte), sondern mit: Musik. (SpÀter habe ich es zu meinem Grundsatz gemacht, mich nicht auf ein einzelnes Ausdrucksmedium zu beschrÀnken).
Gemeinsam mit zwei Schulkameraden wurde eine Band gegrĂŒndet. Wir versuchten vorerst, Beatles-Songs nachzuspielen. Ich hatte im Februar 1964 zum ersten Mal Musik von den Beatles gehört, und mir war dabei klar geworden, daß das Leben anders gestaltet werden könnte als es den Erwartungen an mich entsprechen wĂŒrde – und daß man dabei nicht tatenlos bleiben kann!
Die beiden anderen waren besser als ich auf der Gitarre. Ich konnte nur auf der E-Saite Bass-LĂ€ufe spielen. Aber ich war der SĂ€nger („I shoult habe known better with a girl like you 
 what a kiss could be. This could only happen to me“, oder so Ă€hnlich).
Mit der Instrumentierung unserer Band mußten wir uns in Bescheidenheit ĂŒben. Einer von denen beiden hat aus Pappkartons maßstabsgetreu ein Schlagzeug und mit dem MĂ€rklin-Baukasten ein funktionsfĂ€higes Pedal fĂŒr die Bass-Drum gebastelt. Man konnte darauf wirklich Schlagzeug spielen, aber ohne Becken. Wenigstens ein Becken zu kaufen war zu teuer fĂŒr uns. Das machte aber nichts. Wir hatten und fanden sowieso keinen Schlagzeuger.
Elektrische Gitarren hatten wir natĂŒrlich auch nicht. Aber auf allen möglichen KleiderschrĂ€nken verstaubten noch irgendwelche Klampfen aus der Wandervogelzeit. Aus dieser Not, die viele junge Musikmacher betraf, ist vielleicht die Entwicklung der Folkmusik begĂŒnstigt worden. TatsĂ€chlich haben wir LiederbĂŒcher nach englischen und amerikanischen Traditionals durchsucht.
Unsere Band bestand ein knappes Jahr, in dem wir wirklich sehr ernsthaft gearbeitet haben. Aufgetreten sind wir nie. Darum brauchte die Band auch keinen Namen. Wir hatten allerdings nicht den geringsten Zweifel daran, daß man sich – ob Beat oder Folk – als Musiker die Haare lang wachsen lassen muß.
Es ist eine Ironie der Kulturgeschichte, daß die beiden anderen Bandmitglieder, die viel besser Musik machen konnten als ich, als Musiker danach keine Rolle mehr spielten, wĂ€hrend ich ein knappes Jahrzehnt spĂ€ter einer der erfolgreichsten Folkrock-Bands des Landes angehörte.
Darum wollte ich eigentlich an dieser Stelle das einzige vollstĂ€ndige Gruppenfoto der Bröselmaschine hier hineinstellen. Aber zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß ich das Foto verkramt habe.
Wenn ich es wiederfinde, zeige ich es.
Schwarz..

Huuuuuuuh, ’ne Schnaps – Zahl!

Drei drei drei – nein, nicht bei Issos Keilerei,
sondern:
Ruhetag bei Amore e Rabbia.

Nehmen wir die Mitteilung Nr. 333 (durch 3 und durch 9 ohne Rest teilbar) doch mal zum Anlaß, der 332 vorangegangenen eingedenk zu sein.
Gestern oder vorgestern oder vor ein paar Wochen hier Land in Sicht gewesen? Neuland der Liebe und des Zorns betreten? Dann passiert hier am Strand des Zorns, am Ufer der Liebe heute mal ganix, damit man auch mal durchs Hinterland streifen kann.
Wie wĂ€re es, einfach mal zu besichtigen, was hier vor einem Jahr los war? (Monatsliste links mit Monatslinks). Der Orkus stellt dem Internet nach? Das wollen wir doch nicht dulden. (Erinnern ist wie wichtigste FĂ€higkeit des Menschen). Und meine MĂŒhe von vor einem Jahr soll sich doch auch heute noch lohnen.

Morgen komm ich gucken, wie oft „Juli 2012“ angeklickt wurde. Und wenn nicht, gibt es hier demnĂ€chst nur noch Wiederholungen.

Hoffentlich habe ich mich nicht verzÀhlt.

Schleudertrauma

Leser „Mopperkopp“ fĂŒhlt sich falsch verstanden, weil er in dem Beitrag vom 10. Dezember Ziel meines ErzĂŒrnens geworden war (siehe dort).
Leser „Mopperkopp“ hat recht. Zu viel des von mir ventilierten MißvergnĂŒgens hat seinen Ärmel getroffen.
Meine liebe Freundin und Kollegin Lina sagte mir mal:
„Das ist der Trick: Wenn ich schreibe, rege ich mich nicht auf. Und wenn ich mich aufrege, schreibe ich nicht.“ Und sie fĂŒgte lĂ€chelnd hinzu: „Das habe ich von dir gelernt.“
Schön, daß man von mir was lernen kann.
Noch schöner wĂ€re es, wenn ich das, was man von mir lernen kann, selber konsequenter beherzigen wĂŒrde.

Äpfel, Pflaumen, Birnen (Zweiter Teil)

Sie hat mich in das Zimmer gefĂŒhrt, das einstmals das Wohnzimmer ihrer Eltern war. Die ganzen alten Möbel stehen noch hier, nur jeglicher Zierrat ist entfernt. In der Vitrine des Wohnzimmerschranks liegen Stapel von Zeitungen. Ich sitze auf einem durchgesessenen Sofa, sie sitzt mir gegenĂŒber auf einem Sessel mit durchgewetzten Armlehnen.
Sie hat zwei GlĂ€ser auf den Tisch gestellt und gießt aus einer Flasche ohne Etikett ein.
„Das ist unser klassischer Birnenwein. Der ganze Keller ist davon voll, und jedes Jahr kommen neue Flaschen hinzu.“
„Du machst immer noch Wein aus Birnen?“
„Ich hab‘s mir von meinem Vater zeigen lassen. Nur das Schnapsbrennen hab ich nicht kapiert. Der Schnaps geht irgendwann zur Neige. Aber alles andere, die Gelees, den Kompott mache ich immer noch selbst. Das habe ich an den Wochenenden gemacht. Jetzt hab ich mehr Zeit dafĂŒr, seitdem ich arbeitslos bin.“
„Ach!“
„Ja. Komm, laß uns anstoßen! Auf die neue Zeit! Und auf die gute alte!“
Kling!
Kling!

Unsere Volksschule

Unsere Volksschule

„Hmm!“
„Schmeckt dir, was? Ja, die haben mich wegrationalisiert. Ich war bei Bayer, erst in Uedringen, dann in Wuppertal. Ich hab ja Betriebswirtschaft studiert mit Doktor.“
„Frau Doktor Ulmer!“
„Hör auf! Ich bin froh, daß ich nicht mehr jeden Morgen nach Wuppertal brausen muß und nicht mehr jeden Nachmittag im Stau stehen muß.“
Jetzt reden wir ĂŒber unsere LebenslĂ€ufe. Wir beide sind fast auf den Tag genau aus unseren KPD/MLen rausgeflogen. „Ausgeschlossen! Um mich loszuwerden, mußten die mich rausschmeißen.“ (Gilt fĂŒr sie und fĂŒr mich). „Schade um die vergeudeten anderthalb Jahre! HĂ€tten wir mehr draus machen können.“
„Die BĂŒcher da draußen“, sagt sie, „habe ich fĂŒr dich da hingestellt.“
„Ach was!“
„Dochdochdoch! Ich wußte, daß du irgendwann mal kommst, daß du dich irgendwann mal traust.“
„Und was bedeutet das? RĂ€umst du auf mit deiner revolutionĂ€ren Vergangenheit?“
„Beleidige mich nicht! FĂŒr was hĂ€ltst du mich? Neinnein. Das sind die BĂŒcher, die ich doppelt habe.“
„BĂŒcher doppelt?“
„Sowas passiert. Einmal hab ich zum Geburtstag drei mal das gleiche Buch geschenkt gekriegt. Neenee, ich bin nicht vom Glauben abgefallen, falls du das meinst. Besser gesagt: Ich bin nicht ĂŒbergelaufen. Aber ich bin in keinem Verein mehr drin. In keinem. Nie wieder! Nach der ML war ich beim Sozialistischen BĂŒro. Aber das hat sich ja auch in Wohlgefallen aufgelöst. Immerhin war ich zehn Jahre lang im Betriebsrat, bis die von der IG Chemie mich nicht mehr sehen wollten.“
Sie erzĂ€hlt, daß sie kaum ein Konzert verpaßt, ob Rockkonzerte oder Jazz oder Chanson. Sie erzĂ€hlt von ihrer Plattensammlung (fast tausend LPs), von ihren BĂŒchern, ihren LektĂŒren und ihren Zeitungen: „Die Taz hab ich abbestellt, das KĂ€seblatt. Stattdessen lese ich die SĂŒddeutsche. Die Junge Welt kaufe ich nur einmal im Monat, obwohl ich in der Genossenschaft bin – eine Genossenschaft ist ja kein Verein. Die UZ vergesse ich immer abzubestellen. Aber man braucht ja auch was, um den Rhabarber darin einzuwickeln.“
Sie erzĂ€hlt von ihren Jobs. „Ich habe immer in diesem Haus gewohnt, nie woanders. Ich habe immer gependelt, zur Uni nach Bochum, dann zu meinen Jobs zuerst in Köln, zuletzt in Wuppertal. Jetzt habe ich mein Auto verkauft, weil ich niiie mehr pendeln will. Hier in Buchholz kann man ganz gut einkaufen, ich brauche kaum raus aus dem Viertel. Es gibt ja auch noch die Straßenbahn.“
„Du kriegst jetzt ALG 1?“
„Ja.“
„Und wenn du ALG 2 bekommen willst, nehmen die dir dann nicht das Haus weg und verfrachten dich nach Marxloh oder Bruckhausen?“
„Mich kriegt hier keiner weg. Dann sollen die doch ihr ALG Hartz einszwodreivier behalten und mich am Arsch lecken. Ich hab gut verdient, sehr gut verdient und gespart. Und viel brauch ich nicht. Das Haus gehört mir, ich bezahle keine Miete. Und einiges hole ich mir aus dem Garten. GemĂŒse, sogar Kartoffeln, und Obst natĂŒrlich. Ich hab noch nie Marmelade gekauft. Und ‘n HĂŒhnerstall hab ich auch noch.“
Sie erzĂ€hlt: „Ich hab nie mit einem Mann zusammengelebt. Ich war immer Single.“ Sie erzĂ€hlt: „Einige Zeit habe ich – wie soll ich sagen – die MĂ€nner verschlissen. Aber sei mir nicht böse. UnglĂŒcklich gemacht hab ich sie nicht. Schon deshalb nicht, weil ich nie mit einem zusammengezogen bin. FrĂŒher hatte ich öfter was mit Frauen, mit MĂ€dchen besser gesagt. Das hat mir mehr Spaß gemacht.“
„Ein bißchen bi schadet nie.“
„Ein bißchen bi, hihihi! FĂŒnf Jahre war ich mit einer Frau zusammen, hier unter diesem Dach, mit allem drum und dran – wenn du weißt, was ich meine. Bis die sich ein anderes Modell gesucht hat“, sagt sie mit etwas Wehmut und etwas Zorn. „Wir sind gerade mal einen Monat auseinander. Prost!“
Sie erzĂ€hlt, daß sie frĂŒher ein- oder zweimal in der Woche im Finkenkrug war.
„Im Finkenkrug? Das ist keine hundert Meter von meiner Wohnung entfernt.“
„Du wohnst in Neudorf?“
„Ja, auf der Finkenstraße. Das war immer mein Traum. Neudorf!“
„Das Intellektuellenviertel.“
„Ist auch nicht mehr das, was es mal war.“
„Aber Neudorf paßt zu dir.“
Sie hat, nun schon zum dritten Mal, von dem Birnenwein nachgeschenkt.
„Du mußt doch nicht noch gleich fahren, oder?“
„Neinnein. Ich bin auch ein Straßenbahnbenutzer. Aber transportiert die DVG auch Besoffene?“
„Soweit muß es ja nicht kommen. Hör mal, ich erzĂ€hl dir alles von mir, jetzt red du mal, du Rechtsabweichler oder Linksabweichler! Ich weiß gar nicht mehr, was fĂŒr‘n Abweichler wir dich damals genannt haben. Bist du noch bei der Fahne? Bist du in einem Verein? Los! Rechenschaftsbericht! ErzĂ€hle!“
„Jaaa. Ich bin in einem Verein. Ich bin in der DKP.“
„Waas? Duu? In der DekapĂ©e? Hahaha! Nee, is‘n Scherz, oder?“
„Kein Scherz.“
„In‘ner DekapĂ©e! Ausgerechnet du! Du bist wohl auch nicht aus Schaden klug geworden. Aber beruhig dich. Ich hab euch immer gewĂ€hlt. Die UZ werde ich jetzt doch nicht abbestellen, versprochen. Vielleicht lese ich die sogar mal dir zuliebe, du – Abweichler du!“
Sie hat wieder nachgegossen und hebt ihr Glas: „Auf die Genossen! Auf die Standhaften und ihre Gesichter!“
Kling!
Kling!
„Aber deine Party, deine Par! Tei! ist doch nicht dein ganzes Leben.“
„Also: Ich habe mir einiges vorgenommen: Einmal im Leben…“
„…Einmal im Leben ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und einen Mann erschießen?“
„…Und in ein fremdes Land einmarschieren? Nichts davon! Einmal im Leben ein Buch schreiben. Einmal im Leben eine Schallplatte machen. Einmal im Leben einen Beitrag in Konkret unterbringen. Einmal im Leben in einer Rock-and-Roll-Band sein. Einmal im Leben einen Film machen. Einmal im Leben als Kabarettist vor Publikum auftreten. Das hab ich alles gemacht. Ich mußte es einmal machen und durfte es öfter machen. Ich habe ein paar BĂŒcher geschrieben, ein paar Schallplatten gemacht – CDs, ein paar Filme gemacht – DVDs, bin unzĂ€hlige Male als Kabarettist aufgetreten.“
„Hör mal, du hast doch auch mal so ein BlĂ€ttchen herausgegeben mit so einem komischen Namen: Fritz oder Karl oder Otto.“
„Nein: ‚Der Metzger‘ heißt das.“
„Ach ja! ‚Der Metzger‘! So hieß das.“
„Das mache ich immer noch.“
„Immer noch? Immer noch ‚Der Metzger‘?“ Sie beugt sich zu mir vor und tippt mir auf die Nase. „Ich habe dich unterschĂ€tzt!“ Sie plumpst wieder in ihren Sessel. „Und du schreibst?“
„FrĂŒher schrieb ich lange AufsĂ€tze. Heute schreibe ich eher Glossen und Geschichten.“
„Zum Beispiel ĂŒber sowas wie die Begegnung mit einer alten Freundin?“
„Jjjjjjja, das könnte ich mir vorstellen, so eine Geschichte zu schreiben.“
Sie will einiges mehr wissen ĂŒber meine Arbeit, und auch ĂŒber meine Ökonomie.
„Wir haben beide diese Stadt nicht verlassen“, sage ich, „da wundert es mich, daß wir uns nie begegnet sind. Warst du eigentlich nie im Eschhaus?“
„Doch, ein paar mal.“
„Und wir sind uns nie begegnet?“
„Da war so‘n kleiner Buchladen drin. Hattest du damit was zu tun?“
„Das kann man wohl sagen. Das war mein Laden.“
„Ach! Da hab ich mir ab und zu mal einen Arm voll BĂŒcher gekauft.“
„Dann verdanke ich also dir meinen Reichtum.“
„Da war immer so‘n großer Dicker in den Laden.“
„Das war der Eppler.“
„Eppler. Aha.“
„Und jetzt habe ich immer noch einen Buchladen. In Neudorf auf der Gneisenaustraße.“
„Ach, davon habe ich gehört. Das ist dein Laden? Ich muß wohl mal vorbeikommen.“
„Es wird die höchste Zeit.“
„Na hör mal! Du hast dir auch nicht wenig Zeit gelassen, du Abweichler!“

FORTSETZUNG FOLGT.

DER METZGER wird 100: SchreibmĂŒtze? Nee, nee, nee, nee, nee, nee, nee, nee. nee!

Ein weiterer Auszug aus „‚Über sowas könnte ich mich kaputtlachen.‘ 33 1/3 Fragen an den METZGER-Herausgeber Helmut Loeven, ersonnen von A.S.H. Pelikan und Heinrich Hafenstaedter“ in DER METZGER Nr. 100 (Mai 2012):

Pelikan: Wie schreibst du? Computer? Maschine? Hand? Bleistift? FĂŒllfederhalter Marke Pelikan?

Computer.

Pelikan: Wo schreibst du? Wann schreibst du?

Ich schreibe in der Abgeschiedenheit meiner vier WÀnde, nachts, meistens samstags nachts, weil man dann Zeit hat, weil am nÀchsten Tag kein Wecker klingelt. Und so dehne ich den Samstagabend mitunter bis zum Sonntagvormittag aus.

Pelikan: Du hast doch gesagt, du hörst eh‘ keinen Wecker.

Eben. Sonntags habe ich ja meistens nichts vor und kann dann Ende offen arbeiten, brauche nicht darauf zu achten, daß ich ja dann doch mal abbrechen mĂŒĂŸte, weil ich ein bißchen Schlaf brauche. Ich kann die Samstag Nacht ausdehnen. Ich gehe dann schlafen, wenn die SpĂ€taufsteher sonntags aufstehen.

Pelikan: Du schreibst jeden Samstag?

In der Regel ja.

Pelikan: Nur fĂŒr den Metzger? Oder ĂŒberhaupt schreiben?

Überhaupt schreiben. Ich schreibe ja, was ich frĂŒher nicht fĂŒr möglich gehalten habe, auch fĂŒr die Schublade, wo ich gar keine Vorstellung davon habe, ob das jemals und wie das jemals veröffentlicht werden sollte.
Und im Schlafanzug. Ich sitze da im Schlafanzug. Ich bin mittlerweile dazu ĂŒbergegangen, den Schlafanzug nicht erst dann anzuziehen, wenn ich mich zu Bett lege, sondern sobald ich zu Hause bin und dann am Abend nichts mehr vorhabe, also nicht mehr aus dem Haus gehen muß. In meinen vier WĂ€nden bin ich ein Fanatiker der Behaglichkeit. Brecht sagte schon: Zum Lernen soll man eine bequeme Haltung einnehmen. Bequemlichkeit der Haltung macht den Kopf frei. Dann kann man denken, wenn man sich völlig entspannen kann.
Es sind immer zwei Arbeitsphasen: Die Rohfassung, und dann grĂŒndliche Überarbeitung.

Pelikan: Wenn du soweit bist, daß du glaubst, daß du das komplette Material fĂŒr einen METZGER zusammen hast? Oder nach jedem Artikel?

Nach jedem StĂŒck. Das wird erst in der Rohfassung hergestellt, und dann wird es grĂŒndlich ĂŒberarbeitet.
Das ist aber nicht alles. Das „Schreiben“ fĂ€ngt eigentlich schon vorher an, ohne den Bildschirm und die Tastatur vor mir zu haben. NĂ€mlich: Ich mache sehr gern sehr ausgedehnte SpaziergĂ€nge. Da setzen sich Assoziationsketten in Gang. Wenn ich von einem Spaziergang – die dauern manchmal einen halben Tag – zurĂŒckkomme, dann zieht es mich an den Schreibtisch, dann habe ich EinfĂ€lle gehabt. In der letzten Zeit bin ich auch viel mit dem Fotoapparat unterwegs. Ich hab mir ĂŒberlegt: Man könnte gut die Texte illustrieren mit den Bildern von den Landschaften, die ich gesehen habe, als mir das einfiel. Dann denken die Leute: Was hat denn jetzt diese Landschaftsaufnahme mit dem Thema zu tun? Das ist ein sehr enger Zusammenhang. Man sieht das, was ich gesehen habe, wĂ€hrend mir das eingefallen ist.
Ich erinnere an Friedrich Nietzsche, der mal gesagt hat: Mißtraue einem Gedanken, der nicht beim Gehen entstanden ist.
Was sich im Laufe der Zeit auch verĂ€ndert hat: frĂŒher waren meine Arbeiten immer nach Gattungen unterscheidbar. Dann habe ich eine Glosse geschrieben, dann habe ich einen Aufsatz geschrieben. Heute verbindet sich das alles. Man kann den einen oder anderen Text ebenso der erzĂ€hlenden Prosa wie der Essayistik zuordnen.
In der Nationalbibliografie habe ich ĂŒber mich gelesen: Helmut Loeven, geboren 1949, Glossenschreiber. Das ist alles, die gesamte Biografie, die in der Nationalbibliothek drinsteht. Das ist nicht ganz falsch.
Ich habe frĂŒher oft sehr lange AufsĂ€tze geschrieben, und hab dafĂŒr gesammelt und recherchiert und Notizen gemacht und alle in einen Kasten reingelegt, Zeitungsausschnitte, die dazu paßten. Heute mache ich das anders. Ich erinnere mich an ein Zitat von Karl Kraus, der mal gesagt hat: Ich achte auf das, was der Wind durchs offene Fenster hineinweht. Also das, was ich so mitkriege, ohne daß ich etwas hinterherlaufen mĂŒĂŸte. Und das, was mir so einfĂ€llt, oder woran ich mich plötzlich erinnere. Ich hab beim letzten Klassentreffen, als ĂŒber Sachen von frĂŒher erzĂ€hlt wurde, und wo ich gesagt habe: Neenee, das war gar nicht so, das war ganz anders, oder das hat der nicht so gesagt, sondern der hat das so gesagt, da sagte man mir: Mensch, du hast ja ein fotografisches GedĂ€chtnis. Da habe ich gesagt: Erinnern ist meine HauptbeschĂ€ftigung. Das ist vielleicht auch die Kunst. Es gibt allerdings auch Erinnerungstechniken. Zum Beispiel suche ich gerne Orte auf, die ich von frĂŒher kenne, manchmal nach Jahren oder nach Jahrzehnten. Das setzt Assoziationsketten und Erinnerungsketten in Gang.


Ich produziere nicht pure Texte. Das pure Schreiben wĂŒrde mich nicht interessieren. Sondern ich ĂŒberlege immer auch, wie das zu prĂ€sentieren ist. Also beim Schreiben auch an Typographie denken, wie ein Text illustriert wird, also einen Text nicht nur schreiben, sondern den auch edieren, also FlĂ€che gestalten, mit Bildern in Zusammenhang bringen. Ein Text ist auch ein Bild.
Ich zeichne auch Karikaturen, und das geht bis zum Film.
Ich mache mir auch immer Gedanken darĂŒber: Ein Text muß klingen. Wenn ich was schreibe, dann ĂŒberlege ich: Wie klingt das? Denn die ursprĂŒnglichste Form der Literatur ist ja nicht das Geschriebene und Gelesene, sondern das Gesprochene und Gehörte. Die ersten Lyriker waren die BĂ€nkelsĂ€nger, die ersten Prosaisten waren die MĂ€rchenerzĂ€hler auf dem Marktplatz. Ich finde: Auch Prosa muß einen Rhythmus haben. Man muß immer darauf achten: Wie klingt das, was ich da schreibe. Darum halte ich auch gerne VortrĂ€ge vor Publikum.

Die HĂŒttenschenke in HĂŒttenheim.
Was will der KĂŒnstler damit sagen?

Pelikan: Samstags ist dein Schlafanzug also quasi dein Schreibanzug.

Das ist meine Arbeitskleidung. Vielleicht fragt mich mal jemand, ob ich mir nicht vielleicht auch noch ‘ne SchlafmĂŒtze aufsetzen sollte. Aber ich wĂŒĂŸte nicht, inwieweit die SchlafmĂŒtze, die ZipfelmĂŒtze zur Steigerung der Behaglichkeit beitragen könnte. Eine SchlafmĂŒtze ist nicht nötig.

Pelikan: Eine SchreibmĂŒtze brauchst du nicht.

SchreibmĂŒtze? Nee, nee, nee, nee, nee, nee, nee, nee. nee.

Das ganze GesprÀch ist auf Papier nachzulesen in DER METZGER Nr. 100,
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