Luisa Neubauer bittet um unsere Aufmerksamkeit

Vorgestern erhielt ich eine E-mail von Luisa Neubauer. Viele andere werden dieselbe Nachricht erhalten haben. Du nicht? Hier kannst Du sie lesen:

Hallo Helmut Loeven,
ich bin Luisa Neubauer, 26 Jahre alt und Fridays-for-Future-Aktivistin. Ich möchte Sie ganz direkt um etwas bitten: Kommen Sie mit uns auf die Straße. Heute in einer Woche, am Freitag, den 23. September, bei der Fridays-for-Future-Demo in Ihrer Region.
Denn die Situation ist dramatisch: Die Energiepreise explodieren, die Klimakrise eskaliert. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das Ende des Monats nicht gegen das Ende des Jahrzehnts ausgespielt wird. Dass die Regierung Menschen entlastet und konsequente Maßnahmenpakete beschließt, die gleichzeitig Klima- und Energiepreis-Krise lösen. Dafür gehen wir am nächsten Freitag auf die Straßen. Ich hoffe sehr, mit Ihnen zusammen!
Diese Zeit ist entscheidend. Stellen Sie sich nur vor, vielleicht werden wir in zehn Jahren auf diesen Moment zurückschauen und sagen: Da haben wir gerade noch rechtzeitig eingelenkt. Wir haben uns unabhängig gemacht von fossilen Energien und Despoten und sind in nie erlebter Geschwindigkeit umgesattelt auf Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz.
Wenn jetzt aber unser Druck ausbleibt, dann kann es auch ganz anders ausgehen. Dann werden wir womöglich feststellen, dass 2022 der Punkt war, an dem die fossilen Energien ihr Comeback feierten. An dem die Energiekonzerne wieder auf Braunkohle setzten und noch mehr Öl, Gas und Steinkohle von überall her importierten. Und wir den Kampf um eine gerechte Energiewende vorerst verloren haben.
Wie diese brenzlige Zeit ausgeht, wie die Geschichte weiter geschrieben wird – das entscheiden wir mit. Das entscheiden Sie, das entscheiden wir alle. Und am nächsten Freitag wollen wir im ganzen Land und der ganzen Welt dafür sorgen, dass wir gemeinsam den Weg mit Erneuerbaren und Energieeffizienz gehen.
Wir müssen alles dafür tun, dass sich die Allianz aus FDP, CDU/CSU und AfD nicht durchsetzt. Sie wollen dafür sorgen, dass die Regierung wieder dauerhaft auf Atom- und Kohlekraft setzt und neue Quellen für Gas und Öl erschließt. Wenn die Ampel das kurzfristig macht, dann muss dies der letzte Winter sein. Aber FDP, CDU/CSU und AfD wollen das dauerhaft – und setzen in diesen Tagen die Regierung unter Druck.
Jetzt braucht es uns in Massen auf den Straßen. Jetzt sind wir gefragt, denen in der Regierung den Rücken zu stärken, die mehr Klimaschutz wollen. Und sie anzutreiben, damit wir in einer ganz anderen Dimension als bisher den Ausbau der erneuerbaren Energien, sowie eine grundlegende Verkehrs- und Agrarwende voranbringen.
An über 200 Orten haben wir für nächsten Freitag Klimastreiks organisiert. Unfassbar viel ist vorbereitet. Überall sind die Bühnen und Lautsprecheranlagen schon gebucht, Transparente und Schilder gemalt, Sprechchöre getextet. Jetzt kommt es darauf an, dass ganz viele Menschen aus allen Generationen mit uns auf die Straße gehen. Und Sie, Helmut Loeven, mit dabei sind!
Kann ich auf Sie setzen?
Endlich aus der Krisenspirale ausbrechen, die Energiepreis- und Klimakrise gemeinsam lösen – dafür haben wir in dieser Woche schon einen ganz konkreten Vorschlag gemacht. Zusammen mit Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung habe ich am Dienstag in Berlin unsere Forderung nach einem 100-Milliarden-Paket vorgestellt. Mit dem Geld wollen wir den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen und den öffentlichen Nahverkehr massiv ausbauen. Gegenfinanzieren wollen wir das mit einer Übergewinnsteuer, Krediten und dem Abbau klimaschädlicher Subventionen.
Marcel hat wunderbar auf den Punkt gebracht, warum wir das brauchen: „Deutschland wird seine vielen guten Arbeitsplätze und die hohe Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen nur dann schützen können, wenn wir die ökologische Transformation stark beschleunigen.” Wenn die Regierung 100 Milliarden für das Militär aufwendet, dann muss sie doch genauso viel Geld aufbringen können, wenn es darum geht, dass unser aller Zukunft lebenswert bleibt.
Darum habe ich die große Bitte an Sie: Gehen Sie am Freitag in einer Woche mit uns auf die Straße! Sind Sie dabei?
Mit großer Zuversicht
Ihre Luisa Neubauer

PS: Wir alle haben noch die Bilder aus diesem Sommer vor Augen – der fast ausgetrocknete Rhein, die entsetzliche Flutkatastrophe in Pakistan, die brennenden Wälder rund ums Mittelmeer. Die Klimakrise wird real. Wenn wir verhindern wollen, dass solche Extremwetterereignisse künftig die Lebensweisen überall diktieren werden, müssen wir jetzt handeln. Dieses Jahrzehnt ist das letzte, in dem uns dies noch gelingen kann. Dafür gehen wir mit Menschen aus allen Generationen am 23. September weltweit auf die Straßen. Demonstrieren Sie mit?

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