Helfen Sie mir auf die Tube

ChladasNeudorf-1„Mein Neudorf-Film ist fertig“, schrieb mir Marvin Chlada. Der „Neudorf-Film“ mit dem Titel „Neudorf“ ist Teil 1 einer Materialienreihe für eine Psychogeographie von Duisburg.
Das Anliegen, daß hier darüber informiert wird, ist legitim.
Ebenso legitim ist das Eingeständnis, darüber gar nichts sagen zu können. Damit ist dem Künstler kein Tort angetan. Ich stelle mir vor, ich würde so angesprochen. Ich würde doch erfreut ausrufen: „Endlich mal einer, der mich nicht versteht!“

Gucken Sie sich das einfach mal selber an:

Während in luftigen Höhen ein Handtuch im Wind flattert (oder ein Teppich) geht einer durch Neudorf (Gneisenaustraße, Sternbuschweg, Oststraße) und hat dabei fast ununterbrochen den Blick zum Boden gerichtet. Wir folgen jemandem, der meint, es käme im Leben am meisten darauf an, zu wissen, wo man hintritt. Dabei wird allerdings das Spezifische des Stadtteils Neudorf aus dem Blick verloren.
Ich gehöre nicht zu den Blödmännern, die die blödsinnige Phrase loslassen, daß man „nach vorn schauen soll“. Nein, ich meine, man soll in alle Richtungen schauen, nach vorn, nach hinten, zur Seite, zur anderen Seite, nach oben, und auch nach unten. Aber doch nicht nur nach unten! Das Spezielle, ich möchte sagen: die Seele Neudorfs erschließt sich durch den Wechsel der Perspektive.
Ich stelle mit Bedauern fest: Der Film-Autor hat die Schönheit unseres gemeinsamen Heimat-Stadtteils, der seit Jahrzehnten Künstler, Dichter, Intellektuelle anzieht, nicht wirklich herausgearbeitet. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das überhaupt seine Absicht war.

ChladasNeudorf-2Der doppelte Chlada macht mich ratlos.

ChladasNeudorf-3Aber es bleibt dabei: Wer den Metzger liest, kann eigentlich nichts falsch machen.

5 Gedanken zu „Helfen Sie mir auf die Tube

  1. Lieber Helmut,
    von den Künstlern, Dichtern und Intellektuellen, die seit Jahrzehnten von Neudorf angezogen werden – kannste mir da bitte zehn von nennen, ein paar davon würde ich gerne, sofern sie noch leben, in einem der weiteren Teile portraitieren und dabei auch zur „Seele“ und „Anziehungskraft“ Neudorfs befragen.
    Liebe Grüße!
    Marvin

    • Das mache ich mir einfacher.
      Kann man sich vorstellen, daß die Buchhandlung Weltbühne nicht in Neudorf, sondern – etwa – in Huckingen oder Meiderich existieren und gedeihen könnte?
      Noch einfacher: die Empfehlung, das Schlagwort „Neudorf“ anklicken.
      Beste Grüße von Helmut Loeven, an den man sich dereinst als „Heimatdichter“ erinnern wird.

      • Was „man“ sich vorstellen kann, weiß ich nicht. Ich jedenfalls kann mir die Weltbühne so gut wie überall vorstellen. Klingt so, als ob Neudorf in dieser Hinsicht „was besseres“ sei. Was die „Heimat“ angeht, da kann ich leider nicht mitreden, da bin ich wohl bei Bloch hängengeblieben und inzwischen auch nicht mehr lernfähig (siehe dazu auch meinen Beitrag über meine „Heimatstadt“ Esslingen im zweiten Band von „Öde Orte“ (Reclam), ein Sammelband, worin auch Kluges und Treffendes über Duisburg geschrieben steht, auch wenn die Stadtteile nicht extra aufgeführt werden.)
        Unter dem Schlagwort „Neudorf“ finde ich übrigens kaum Namen, die was hergeben für ne Befragung, wäre lieb, es mir nicht schwerer zu machen, wenn Du es Dir einfacher machst.
        Liebe Grüße!
        Marvin

        PS: https://www.youtube.com/watch?v=YX-j97Um3D4

        • Aber Neudorf IST „was besseres“: der bessere Standort. Neudorf hat sogar vor der ökonomischen Rationalität Bestand.
          Unter dem Schlagwort „Neudorf“ findest Du MEINEN Neudorf-Film.
          Namen? Namen? Viele Namen sind mir entfallen. Von denen, an die ich mich erinnere, sind einige nicht mehr am Leben. Viele sind mit unbekanntem Ziel abgereist. Manche dieser Trennungen sind sehr schmerzhaft und bleiben es.
          Als meine Jugendliebe Anne (die ich kennenlernte, als sie 14 war – ich liebe sie immer noch, das Biest) aus Wanheimerort für ein paar Monate nach Neudorf zog, sagte sie: „Das alte Künstler- und Intellektuellenviertel ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war.“ Das ist es: Es hat erst dann einen Sinn, über das „Künstler- und Intellektuellenviertel“ zu reden, wenn es nicht mehr das ist, was es mal war. Vorher mußte man darüber nicht reden, denn es war einfach so. Ich muß ja auch nicht ein internationales Symposium veranstalten, damit nach reiflicher Erörterung am Ende festgestellt wird, daß auf den Mai der Juni folgt.

          • Ich fasse zusammen: Neudorf ist (warum auch immer) der „bessere Standort“ und trotzt zugleilch oder darüber hinaus der ökonomischen Rationalisierung. Die Namen der Künstler oder Intellektuellen, die Neudorf seit Jahrzehnten anzieht, haste bis auf ein paar entweder vergessen. Viele haben Neudorf verlassen (die wurden hoffentlich nicht abgestoßen?), mitunter gab es schwerzhafte Trennungen. Das Künstler und Intellektuellenmilieu ist nich mehr das was einst gewesen ist, darum macht es Sinn, dass man (Ich nicht! Du?) darüber redet, was man früher (sinnvollerweise?) nicht musste.
            Und auf den Mai folgt der Juni. Ich füge einfach mal hinzu: Das war auch nicht immer der Fall. Tausend Gründe, gelegentlich auch mal mit gesenktem Haupte durch Neudorf zu schlendern …

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