L‘art pour l‘art

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): L‘art pour l‘art
Buelles
Die Formel „l‘art pour l‘art“ brachte einst (60er Jahre, 70er Jahre) die Leute zur Weißglut, die eine politische, eine engagierte, eine eingreifende Kunst forderten. Sie hielten diesen Slogan für eine Absage an diesen Anspruch, für den Slogan einer „reinen“, „unpolitischen“ Kunst.
Dies aber war und ist ein Mißverständnis. In dieser Formel ist nämlich vielmehr die Autonomie, die Unabhängigkeit der Kunst proklamiert.
Seit dem Mittelalter war die (bildende) Kunst als Handwerk stringenten Zunftregeln unterworfen. Später wurde sie akademisch gelehrt. Im Zuge der Bürgerlichen Revolution strebte die Kunst nach Unabhängigkeit von feudalen und klerikalen Auftraggebern, nach Selbstbestimmung. Das kommt in dem Slogan zum Ausdruck. Für die Kunst sollen die Maßstäbe von den Künstlern festgelegt werden.
Das oben gezeigte Bild (eine Collage aus dem Jahre 1995, erstmals zu sehen als Illustration in DER METZGER Nr. 48), aus diesem Umfeld decollagiert, Laserdruck im Din A-4 Format, gestempelt, in Klarsichtfolie, ist ein Paradebeispiel für diese fortschrittliche und emanzipatorische Kunst-Produktion. Es wird (in geringer Stückzahl) auf dem Stand der Buchhandlung Weltbühne beim diesjährigen Ruhrorter Kunstmarkt (Sonntag, 5. Juni) angeboten und bei Verkauf von mir signiert (aber nicht nummeriert).
Die Käufer sollen sich überlegen, was sie damit machen: Aus der Klarsichtfolie rausnehmen oder drinlassen, einrahmen (lassen), zu Hause oder sonstwo aufhängen (tunlichst an Orten, wo diese Mitteilung Irritation, Rätselraten, Volkszorn, Trost, (Un-)Gewißheit auslösen könnte).
Mit dem Zitat unten sind die Leute, die vom Kunstwerk ein politisches Bekenntnis fordern, ruhiggstellt.
Das Werk wird für mindestens1 Euro erhältlich sein. Mit diesem für den Käufer zumutbaren, für den Künstler immer noch einträglichen Tarif wird die Kontinuität progressiver Kunst-Produktion in unserem Hause gefördert und gesichert. Darum darf der Käufer (resp. Die Käuferin) auch den Preis erhöhen.

P.S.: Als kommunistischer Künstler möchte ich mal anmerken, daß die Kunst ihren Autonomieanspruch auch gegenüber den Linken aufrechterhalten sollte, bei denen es so eine Mentalität gibt, die Künstler am liebsten zu Pausenclowns zu degradieren.

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