Die Zeitschrift Emma stellt ihr Erscheinen ein. Eine Ausgabe wird noch kommen und danach – nach dem Stand der Dinge – keine mehr.
In der WAZ von gestern kommentierte Birgitta Stauber unter der Überschrift „Alice Schwarzer, alte weiße Frau“:
„Es ist nicht (nur) die sinkende Auflage. Es steckt offenbar eine gewisse Unlust dahinter. (…) Alice Schwarzer schwang mit einer pauschalisierenden Keule um sich. (…) Das Leid von Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen können in der zweigeschlechtlichen Welt, spielt in ihren Kampagnen keine Rolle. Dass ihr Bild von Feminismus überholt ist, dass auch der Blick auf andere diskriminierte Gruppen dazugehört, ist an Schwarzer vorbeigegangen. Spätestens als Rechtsextreme ihr applaudierten, hätte sie von ihrem Kurs abbiegen müssen. Doch sie lief mit ihrem Beton-Feminismus aus den 70er Jahren direkt in die Sackgasse. Damit ist das einstige Idol gescheitert, am Starrsinn einer alten weißen Frau.“
Dazu das „Zitat des Tages“: „Meine Gegnerinnen waren und sind linke Feministinnen“. Alice schwarzer im interview mit der „Zeit“.
Im heutigen Leserbriefteil: Der Kommentar von Birgitta Stauber trifft auf viel Zustimmung und auf viel Empörung.
Leserinnen distanzieren sich scharf von Alice Schwarzer. Hingegen schütten Herren, die schon gelegentich mit konservativen Statements aufgefallen sind wie der Herr B(r)atkowski und der unsägliche Martin W. Achtel Lobeshymnen über die Verkünderin des stressigen 70er-Jahre-Feminismus aus.
Eine „gewisse Unlust“ war von Anfang an Treibkraft für das Presseorgan Emma, besser gesagt: Unlust zu verkünden und zu verbreiten. Darauf aufmerksam zu machen habe ich beizeiten als Aufgabe gesehen und mich dazu – dagegen – zu stellen, und so entstand mein erstes Buch „Jedes Schulmädchen weiß es – Gedankengänge zur Sexualität und Emanziption“, 1979 im Otz-Verlag erschienen (64 S. Paperback).
Anlass war eine von Emma angestoßene juristische Kampagne gegen Nacktbilder in Illustrierten. Es galt, herauszuarbeiten, daß der Emma-Feminismus das Rollback gegen die Liberalisierung der öffentlichen Moral betrieb und die Frauenbewegung aus dem linken Kontext, in dem sie entstanden war, herauszulösen (nach rechts umzulenken).
In einem Buch, das vor 50 Jahren erschien, stimmt manches so nicht mehr, das ist unvermeidlich. Die Optik (Erscheinungsbild) offenbart die noch nicht weitentwickelte Vervielfältigungstechnuk als auch die Phantasie, damit umzugehen. Bei allen möglichen Einwendungen: Als Zeitdokument leistet dieses Werk doch was!
Das Buch war damals wirklich ein Renner. Die Druckauflage war optimistisch. Es gibt also noch Restbestände.
Das Buch hat die ISB-Nummer 978-3-935673-01-3 und ist im Buchhanel erhältlich. Preis: 6 €.
Auch bestellbar bei Amazon (auf dieser Seite ganz unten anklicken).
Oder bei mir direkt: loeven@buchhandlung-weltbuehne.de
Lasst es Euch nicht verdießen!
