Auf den Spuren des Terrors – Antifaschistische Woche in Duisburg

Am 30. Januar jährt sich zum 80. Mal die Machtübertragung an Hitler. Einige werden sich zu Worte melden, um dann so schnell wie möglich „zur Tagesordnung überzugehen“: die ewigen Ablenker, die ewigen Beschwichtiger.
Doch auch die Antifaschisten melden sich zu Wort. Ich bitte um Aufmerksamkeit für die ANTIFASCHISTISCHE WOCHE in Duisburg – von Sonntag, 27. Januar bis Samstag, 2. Februar. 14 Einzelveranstaltungen sind geplant. Die Antifaschistische Woche steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister a.D. Josef Krings.
Die Antifaschistische Woche wird vorbereitet unter Federführung des Duisburger Kreisverbandes der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Es wird sehr viel Arbeit hineingesteckt – ebenso Erfahrung und Können. Ich bitte darum, diese Anstrengungen mit Aufmerksamkeit und Teilnahme an den Veranstaltungen zu belohnen. (Bitte beachtet das Programm – Anklicken zum Vergrößern).
antifa-woche-du-2013-aantifa-woche-du-2013-bDer Faschismus in Deutschland ist nicht nur ein geschichtliches, sondern ein aktuelles Thema. Faschismus verschwindet nicht von selbst.

Die Buchhandlung Weltbühne beteiligt sich an der Antifaschistischen Woche mit Büchertischen bei den Veranstaltungen im Dokumentationszentrum in Kaßlerfeld:
Montag, 28.1. – 19 Uhr
Dienstag, 29.1. – 19 Uhr
Donnerstag, 31.1.- 19 Uhr
Freitag, 1.2.- 19 Uhr
Samstag, 2.2. – 13.30 Uhr
Ich bitte zu beachten, daß an diesen Tagen die Buchhandlung früher geschlossen sein wird.

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus

Zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus lädt die VVN-BdA ein: Am Volkstrauertag, Sonntag, den 18. November 2012, um 15 Uhr in der Trauerhalle auf dem Waldfriedhof in Duisburg-Wanheimerort:
„Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe Freundinnen und Freunde,
auch heute noch, fast 80 Jahre nach dem Beginn der bislang größten Tragödie der
Menschheit ist das Gedankengut, das den Faschismus an der Macht in Deutschland
möglich gemacht hat immer noch nicht aus allen Köpfen verbannt.
Der Kamerad Falk Mikosch wird in der Gedenkansprache unserer Veranstaltung den
Ursachen für die Zählebigkeit rechten Gedankenguts nachspüren.“
Die Gedenkveranstaltung der VVN-BdA hat eine lange Tradition. In all den Jahren hatte diese Veranstaltung weitaus mehr Besucher als die „offizielle“ Veranstaltung des Volksbundes, die an gleicher Stelle am Vormittag stattfindet. Und in jedem Jahr werden bei der VVN deutlichere Worte gesprochen.
Auch in diesem Jahr wird der Statt-Chor mitwirken.
Es folgt der Gang zum Ehrenmal. Mit dem Moorsoldatenlied endet die Gedenkveranstaltung.

Die VVN bittet auch um Spenden für die antifaschistische Arbeit.

VVN -BdA Kreisvereinigung Duisburg e.V., c/o Hans-Peter Speer, Karl-Jarres-Str. 13, 47053 Duisburg
Telefon (0203) 664371, E-Mail: vvn-bdaduisburg@t-online.de
Bankverbindung: Sparkasse Duisburg, Konto – Nr. 237 002 282, BLZ 350 500 00

Neu in der Weltbühne: „Von Arisierung bis Zwangsarbeit“

Ich empfehle:
Ulrich Sander (Hg.): Von Arisierung bis Zwangsarbeit. Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945. PapyRossa Verlag 2012. 348 S. mit zahlreichen s/w-Abbildungen. 16,90 Euro


Verlagstext: „Zum Beispiel Krupp. Der Konzern habe sich stets um einen humanen Kapitalismus bemüht, berichtete das Fernsehen zum 200jährigen Firmenjubiläum. Ob da auch an die zwölf Jahre nach 1933 gedacht war? Das letzte Tabu sei gebrochen, hatte es mit Blick auf die verdienstvolle Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ geheißen. Aber „blinde Flecken“ blieben trotzdem. So in einem Bereich, der weniger lautstark diskutiert wird, jedoch mindestens ebenso wichtig war für die Funktionsweise der faschistischen Herrschaft in Deutschland wie die Wehrmacht: Die Rolle von Wirtschaftsführern und Unternehmen bei faschistischen Planungen für Krieg und Massenmord, als Akteure und insbesondere als Profiteure. Das Buch stützt sich auf selbstrecherchiertes Material von Geschichtswerkstätten und VVN-BdA, um an Verbrechen der wirtschaftlichen Eliten an Rhein und Ruhr zu erinnern: Von Abs bis Zangen, von Flick bis Quandt, von IG Farben bis Oetker-Pudding, von Arisierung bis Zwangsarbeit. Und auch Krupp wird nicht vergessen.“
Ulrich Sander ist METZGER-Autor.
Die Abkürzung VVN-BdA steht für Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten.
Eine ausführliche Buchbesprechung folgt in einer der nächsten METZGER-Ausgaben.

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle über Neueingänge in der Buchhandlung Weltbühne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
Weltbühne muß bleiben.

Bruno Bachler

Foto: Bruno Bachler (links) mit Oskar Rothstein

An eine komische Begebenheit erinnere ich mich. Er griff nach meinem Haarschopf und legte ihn über seine Glatze.
„Bruno, jetzt müssen wir aber nebeneinander gehen.“
„Wat sachse?“
„Jetzt müssen wir nebeneinander gehen.“
Ich erinnere mich auch nicht ohne Heiterkeit daran, daß ich in dem VVN-Büro auf dem Lith in Wanheimerort immer mit einem Schnäpsken begrüßt wurde. Zum Abschied nannte er mich immer „Liebe Jung‘“, auch als mein Haar schon grau wurde. „Tschüß, liebe Jung‘!“
*
Wir saßen im Zug nach Dortmund, zum UZ-Pressefest. Der ganze Wagen voller Genossen. Ich wurde von einer Freundin begleitet. „Wer ist der Mann, der da spricht?“ – „Das ist Bruno Bachler.“ Sie war beeindruckt, und darum ein paar Tage später Mitglied der VVN. Ob ich denn auch Mitglied der VVN sei, fragte sie ihn.
„Der Helmut ist einer von uns.“
Das hat Bruno gesagt. Alle Verdienstkreuze und Auszeichnungen können dafür stecken bleiben. Mir muß klar sein, welche Verpflichtung mir mit dieser Anerkennung aufgetragen ist.
*
Ein Bekannter von mir, ein Lehrer, erzählte mir oft, daß er auf die Linken nicht gut zu sprechen ist – aus Gründen, die ich verstehe. Ganz anders sein Urteil, als er Bruno Bachler und Karl-Heinz Winstermann (Brunos Kamerad aus dem Widerstand) kennenlernte, als sie mit der Ausstellung „Verfolgung und Widerstand in Duisburg“ auch an seine Schule kamen und vor Schulklassen sprachen. „Die beiden sind einfach echt!“
Es ist bezeugt, daß die Schülerinnen und Schüler nicht weniger beeindruckt waren – nicht nur von seinen Kenntnissen, nicht nur von seinen Argumenten, sondern von seiner Persönlichkeit.
Lehrer zu sein, sagte er mir, wäre sein Traumberuf gewesen, junge Menschen zu begleiten.
*
Bruno, aus einer kommunistischen Familie stammend, gehörte in der Nazizeit zu den Edelweißpiraten – Jugendliche, die sich von der HJ abgrenzten und mehr und mehr zum Widerstand übergingen. Wegen „Wehrkraftzersetzung“ kam Bruno in das KZ Buchenwald.
Mit dem Ende des Naziregimes begann für ihn eine neue Phase des Kampfes. Er leitete in Duisburg die FDJ, wofür er ins Gefängnis kam. 1960 wurde er als Mitglied der illegalen KPD wieder verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er war dabei, als nach 1968 die Kommunisten wieder eine legale Partei aufbauten. Er war als Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender aktiv. Sein Lebensmittelpunkt war die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten. Daß der Antifaschist auch in diesem Staat suspekt ist, mußte er erfahren. Um Anerkennung des antifaschistischen Widerstandes hat er sich erfolgreich bemüht, und er würde sofort betonen, daß sie nicht minder denen zu verdanken ist, mit denen er gemeinsam kämpfte.
Von Bundestagspräsident Thierse wurde Bruno zu einer Feierstunde des Bundestages eingeladen. Bruno lehnte die Einladung ab. Zurecht erwartete er Genugtuung für das, was dieser Staat ihm angetan hat. In Havanna wurde Bruno von Fidel Castro empfangen, der ihm für seine Lebensleistung dankte.
*
Das Alter verlangte einen hohen Tribut. Zum letzten Mal sprach ich mit ihm bei der Feier zu seinem 85. Geburtstag in den Ausstellungsräumen der VVN in Kaßlerfeld. Da kam auch der Oberbürgermeister, der damals noch ein angesehener Mann war.
*
Nun haben wir Bruno auf seinem letzten Weg begleitet. Es sind sehr viele gekommen, für die es eine Ehrensache war. Der Sauerland kam diesmal nicht. Aber Josef Krings war da. An Brunos Grab wurde noch einmal das Moosoldatenlied gesungen – ganz leise.
*
Bruno Bachler – diesen Namen haben wir immer mit Stolz und Rührung ausgesprochen. Wir haben ihn nicht nur geachtet. Wir haben ihn nicht nur verehrt.
Den Bruno haben wir geliebt.