Demnächst in der Weltbühne: Das DISS-Buch über den Ukraine-Krieg

„Der Ukrainekrieg ist ein Weltordnungskrieg, der von Politik und Medien überwiegend offensiv legitimiert wird.“
Helmut Kellershohn, Wolfgang Kastrup (Hg.): Der Krieg in der Ukraine. Weltordnungskrieg und »Zeitenwende«
Edition DISS im Unrast-Verlag. ca. 240 Seiten, ca. 19,80 €.
Erscheinungsdatum 30. November 2023.
Der Krieg in der Ukraine evoziert binäre Deutungsstrategien, die in Schwarz/Weiß- bzw. Gut/Schlecht-Zuweisungen münden. Vor allem die ›westlich‹ orientierten Länder betrachten ihr Wertesystem als angegriffen. Auch wenn sie offiziell nicht Kriegspartei sein wollen, de facto sind sie es: Sie haben den Krieg zu ihrer Sache gemacht. Die Ziele der ehemals betriebenen Entspannungs- und Friedenspolitik lösen sich in einer weitreichenden ›Zeitenwende‹ auf. Doch kritische Analysen zu diesem Krieg und dem diesbezüglich herrschenden Diskurs sind bisher wenig präsent und vielfach unerwünscht.
Mit dieser Problematik setzt sich der jüngste Band des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) kritisch auseinander: Die Beiträge unterschiedlicher Provenienz analysieren den Einmarsch Russlands in die Ukraine vor dem Hintergrund hegemonialer Weltordnungspositionen und untersuchen, inwieweit er tatsächlich als weltpolitische Zäsur gesehen werden muss. Neben der Rolle und Verantwortlichkeit der drei Kriegsparteien wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund des eskalierenden Konkurrenzkampfes zwischen den USA und China darüber hinaus untersucht, welche Rolle China im Ukraine-Krieg einnimmt und wie sie von westlicher Politik und westlichen Medien gedeutet wird.

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Finissage?


Nachdem in der Cubus-Kunsthalle die Heinrich-Strunk-Ausstellung stattgefunden hat, folgt am kommenden Samstag (12. August) eine Nachlese im ehemaligen Atelier.
Kann man „Finissage“ dazu sagen? Ich nenne es einfach mal so.
Und ich empfehle der Aufmerksamkeit die Spuren, die Heinrich Strunk hinterlassen hat, zum Beispiel in seinen Arbeiten für das DISS.

Immer noch und immer wieder aktuell: „Rechte Diskurspiraterien“

Da redet man sich den Mund fusselig: Gegen Rechtstendenzen bei den Linken, gegen Rechtsoffenheit in der Friedensbewegung, gegen Wahllosigkeit in der „Bündnis“-Politik – lauter Anzeichen von Verwirrtheit und Realitätsverlust. Es steckt viel „Rechts“ im „Links“.
Was macht man da? Es gibt nur eins: Nicht aufgeben.
Nicht zum ersten Mal empfehle ich dieses Buch zum Thema:


Regina Wamper / Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. 19.80 Euro
Der Verlag hat das Wort: Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten ‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ – allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden. Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus – Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens: Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des Rechtsextremismusbegriffs.

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle über Standardtitel in der Buchhandlung Weltbühne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
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Neu in der Weltbühne: (Post-)Pandemische Normalitäten – Zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise

»Nicht die Viren sind ungerecht, sondern die Strukturen, auf die sie treffen« (Christa Wichterich)
Guido Arnold, Helmut Kellershohn, Margarete Jäger: (Post-)Pandemische Normalitäten. Zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise.
Edition DISS im Unrast-Verlag 2022. 160 Seiten. 19,80 €
Einhergehend mit rassistischen und nationalistischen Entsolidarisierungsprozessen, veränderten Gerechtigkeitsvorstellungen und einer zunehmenden Entwicklung sozialer Ungleichheitsverhältnisse – nicht zuletzt aufgrund eines technokratisch geleiteten ›Solutionismus‹ im automatisierten Bevölkerungsmanagement – hat die Corona-Krise ›neue Normalitäten‹ generiert, die gesellschaftsverändernde Wirkung auf die post-pandemische Zukunft haben.
In 13 lesenswerten Beiträgen geht dieser Sammelband des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) der Frage nach, welchen Einfluss die Krise auf die Geschlechterverhältnisse hatte (und immer noch hat), auf den desolat ausgehöhlten Gesundheitssektor, auf die Digitalisierung im Bildungs- und Arbeitsbereich oder die zunehmende Bedeutung von Verschwörungsmythen.
Doch die Autor:innen sezieren nicht nur die spezifischen Merkmale der Pandemie. Sie nehmen auch möglicherweise kausale Zusammenhänge zwischen der pandemischen und der sich parallel zuspitzenden ökologische Krise in den Blick und analysieren die gesellschaftlichen Auswirkungen im Hinblick auf eine sich möglicherweise katastrophisch verschärfende Krisendynamik.

Das Buch ist im Programm der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand zu beziehen).
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Emil-Adresse: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
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Neu in der Weltbühne: Über (Post-)Pandemische Normalitäten

Neu in der Weltbühne: Guido Arnold, Helmut Kellershohn, Margarete Jäger: (Post-)Pandemische Normalitäten. Zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise.
Eduition DISS im Unrast Verlag. 160 Seiten, 19,80 €
»Nicht die Viren sind ungerecht, sondern die Strukturen, auf die sie treffen« (Christa Wichterich)

Einhergehend mit rassistischen und nationalistischen Entsolidarisierungsprozessen, veränderten Gerechtigkeitsvorstellungen und einer zunehmenden Entwicklung sozialer Ungleichheitsverhältnisse – nicht zuletzt aufgrund eines technokratisch geleiteten ›Solutionismus‹ im automatisierten Bevölkerungsmanagement – hat die Corona-Krise ›neue Normalitäten‹ generiert, die gesellschaftsverändernde Wirkung auf die post-pandemische Zukunft haben.
In 13 lesenswerten Beiträgen geht dieser Sammelband des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) der Frage nach, welchen Einfluss die Krise auf die Geschlechterverhältnisse hatte (und immer noch hat), auf den desolat ausgehöhlten Gesundheitssektor, auf die Digitalisierung im Bildungs- und Arbeitsbereich oder die zunehmende Bedeutung von Verschwörungsmythen.
Doch die Autor:innen sezieren nicht nur die spezifischen Merkmale der Pandemie. Sie nehmen auch möglicherweise kausale Zusammenhänge zwischen der pandemischen und der sich parallel zuspitzenden ökologische Krise in den Blick und analysieren die gesellschaftlichen Auswirkungen im Hinblick auf eine sich möglicherweise katastrophisch verschärfende Krisendynamik.

Das Buch ist in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich (auch im Versand)
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Neu in der Weltbühne: BREXITANNIA

BREXITANNIA. Großbritanniens Weg aus der EU, Great Britains Exit from the EU
2-sprachig englisch/deutsch
Unrast Verlag Edition DISS. 160 Seiten, 19,80 €

1973 trat Großbritannien der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei. In einem Referendum zwei Jahre später stimmten 68% der Brit*innen für den Verbleib in der EWG. Am 31. Januar 2020 trat Großbritannien schließlich aus der Europäischen Union (EU) aus. Was war in der Zwischenzeit passiert?
Um die britische Sicht der Dinge zu verstehen, reisten die Autoren – der deutsch-britische Politikwissenschaftler Robert Tonks und der Medienproduzent Zakaria Rahmani – im Sommer 2020 quer über die Insel. Aus ihren Recherchen entstand der WDR-Podcast Brexitannia, der inzwischen sogar im Schulunterricht verwendet wird. Tonks und Rahmani sprachen mit zahlreichen Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen, Schichten und Berufen und mit dem Professor, der als ›Erfinder des Brexit‹ gilt.
Warum traf der rote Bus der Brexit-Kampagne mit dem Versprechen, die EU-Millionen direkt in den nationalen Gesundheitsdienst NHS zu investieren, den Nerv so vieler Brit*innen? Warum hatten so viele ehemalige Bergarbeiter für den Brexit gestimmt? Der Brexit habe sich in den abgehängten und armen Gebieten des Landes entschieden, hieß es 2016. Doch stellte sich heraus, dass die Befürwortenden auch woanders saßen: in Middle England. Das Problem nur: Dieser Ort ist auf keiner Karte zu finden. »Die Briten wollten eigentlich nie wirklich Mitglied der EU sein!«, hört man oft. Was ist dran, an dieser Aussage? Und welche Rolle spielte dabei die nostalgische Sehnsucht nach dem Empire? Last but not least stellt sich die Frage: Was bedeutet der Brexit für die Zukunft der Insel?

Das Buch ist in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich (auch im Versand)
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Greatest

The Greatest, sagt die WAZ.

Das stand in der WAZ am Samstag.
In der Rheinischen Post stand ein ausführlicher Bericht.
Über das 30jährige Jubiläum hatte ich die Ehre, im Duisburger Jahrbuch (Mercator-Verlag) einen Bericht zu schreiben. Ist das schon fünf Jahre her? Von diesem Jahrbuch 2018 (beim Verlag vergriffen) gibt es noch Rest-Exemplare in der Buchhandlung Weltbühne.
Das DISS hat in den Jahrzehnten seiner Arbeit eine Fülle von Veröffentlichungen vorgelegt, die als wegweisend auf dem Gebiet der modernen Faschismusforschung und ihren Randgebieten klassifiziert werden dürfen. In der Buchhandlung Weltbühne stehen ein paar Meter Bücher vom DISS. Viele davon wurden in diesem Blog ausführlicher vorgestellt (Stichwort anklicken).
Fragt hier nach den DISS-Büchern. Sie sind gut für euch, erkundigt euch nach ihnen.

Offenes Atelier

Auch in diesem Jahr wieder: Offene Ateliers.
Duisburger Künstler öffnen wieder ein Wochenende lang ihre Ateliers für Interessierte.
Auf eine besondere Veranstaltung mache ich aufmerksam:
Angela Großpietsch (lütt huis) erläutert:
„Gehandarbeitet hab ich immer schon gern, am liebsten gleich drauf los. Diesem Impuls geb ich nun nach, die Arbeiten entstehen weitgehend ohne Plan, Figuren und Gegenstände entwickeln sich beim Tun, dabei bleiben sie oft mehrdeutig und schemenhaft. Die akkurat handwerkliche Fertigkeit tritt dabei in den Hintergrund, Strukturen, Muster und Farbwahl ergeben sich aus dem experimentiellen Umgang mit dem Sujet.“
Einige Arbeiten von lütt huis erschienen als Postkarten in der Serie Situationspostkarten (s.o.). Und einfach mal auf das Schlagwort klicken.

Das DISS ist ein Ort, an dem sich Kunst und Wissenschaft nicht im Weg stehen. Darum darf man auf die künstlerischen Arbeiten des beachteten Wissenschaftlers Jobst Paul gespannt sein.

Ich gehe da auch hin, und zwar am Samstag. (Am Sonntag bin ich anderweitig in Anspruch genommen).

Ich sage: Das ist erweiterte Wissenschaft

Wer die WISSENSCHAFTLICHEN FACHZEITSCHRIFTEN kultuRRevolution und DISS-Journal zur Hand nimmt, muß nicht trockene Materie fürchten, sondern kann etwas von ERWEITERTER WISSENSCHAFT ahnen.
Das DISS-Journal ist die Zeitschrift des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung.
kultuRRevolution ist die von Jürgen Link gegründete Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie.
Von beiden Zeitschriften ist ein gemeinsames SONDERHEFT für eine andere Zeitenwende als GEMEINSAME DISKURSINTERVENTION erschienen.
Es erschienen darin Beiträge von Wolfgang Kastrup, Jürgen Link, Clemens Knobloch, Margarete Jäger, Iris Tonks, Anna-Maria Mayer, Benno Nothardt, Carmen Perna, Guido Arnold, Lina Ganowski, Felix Tripps, Friedemann Vogel und weiteren Autorinnen und Autoren.
Das Heft (68 Seten) ist für 4 € in der/durch die Buchhandlung Weltbühne erhältlich.
Im Vorwort heißt es:
Eine wiedererstarkende antimilitaristische Bewegung in Deutschland (und Europa) ist notwendiger denn je. Angesichts einer mit 100 Milliarden Euro geförderten Rüstungsindustrie können wir uns ein Überwintern in Schockstarre (vergleichbar mit dem Bewegungstief während des ersten Jahres der Covid-Pandemie) nicht erlauben. Eine für den 28. August geplante Blockade der beiden deutschen Rüstungskonzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann in Kassel könnte ein Auftakt sein.
Die Zeitschriften kultuRRevolution und DISS-Journal wollen mit diesem gemeinsamen Sonderheft auf die (Kriegs-)Gefahren binaristischer Sichtweisen und ihre verheerenden gesellschaftspolitischen und ökologischen Konsequenzen aufmerksam machen. Das Heft wendet sich an die politische und zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit und damit explizit auch an soziale Bewegungen. Es will als Denkanstoß für eine ›andere Zeitenwende‹ gelesen werden.

Die besten Kommentare zum Ukraine-Krieg erschienen im METZGER. Und so wurde der Kommentar „In der Hitze der Schlacht – Wenn Imperialisten Imperialisten Imperialisten nennen“ von Lina Ganowski aus DER METZGER Nr. 144 in dieses Sonderheft aufgenommen

Weitersagen!

Diese Nachricht gebe ich weiter:

Ahoi!
Hier die Einladung für Sonntag, kurz und fluffig zum teilen:
Ihr Lieben,
nach der wundervollen Premiere und den zwei Vorstellungen von „der Koffer meines Großvaters ZEKO“ von und mit Mustafa Zekirov im schönen Lokal Harmonie im letzten Jahr, war das Monodrama in diesem Jahr auf Tour durchs Ruhrgebiet (und darüber hinaus). Am Sonntag nun ist Mustafa wieder in Duisburg zu sehen!

WANN: Sonntag, 15.05.2022 // 17h
WO: Petershof Marxloh, Mittelstr. 2, 47169 Duisburg

Hier findet ihr alle Infos zum Stück:

https://www.lokal-harmonie.de/mustafa-zekirov-der-koffer-meines-grossvaters-zeko

Und hier mehr Infos zum Projekt KlischeeKlatsche- kein Platz für Antiziganismus:

https://www.lokal-harmonie.de/das-projekt <https://www.lokal-harmonie.de/das-projekt>

Wir freuen uns auf Euch!
Herzlichst- das KlischeeKlatschen-Team

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Neu in der Weltbühne: Neuer DISS-Titel

Neu in der Weltbühne:
Judith Friede, Louis Kalchschmidt, Fabian Marx, Anna-Maria Mayer u.a.: Deutsche Rettung? Eine Kritische Diskursanalyse des Fluchtdiskurses um Carola Rackete und Moria.
Edition DISS im Unrast Verlag. 310 Seiten. 24 Euro

Der Verlag stellt sein Buch vor:
Als im Juni 2019 die Kapitänin Carola Rackete dem Verbot trotzte, mit dem Seenotrettungsboot „Sea-Watch 3“ im Hafen von Lampedusa anzulegen und daraufhin festgenommen wurde, brach sich eine mediale Welle der Solidarität Bahn.
Während die ZEIT noch 2018 in einem viel diskutierten Beitrag gefragt hatte, ob Seenotrettung von Geflüchteten nicht besser zu lassen sei, wurde nach der Verhaftung Racketes die Kriminalisierung humanitärer Rettungsmaßnahmen im medialen Diskurs Deutschlands unsagbar. Stattdessen rückte das Leid von Geflüchteten ins Scheinwerferlicht und Seenotretter*innen wurden als Held*innen gefeiert. Ein Jahr später geriet die Abschottungspolitik der EU in den Fokus der medialen Öffentlichkeit, als im September 2020 das Geflüchtetenlager Moria fast komplett abbrannte. Die katastrophalen Zustände im Lager wurden scharf kritisiert; sie seien, so der Vorwurf, von Griechenland gewollt, dienten zur Abschreckung und würden von den anderen EU-Staaten insgeheim gebilligt.
Die vorliegende kritische Diskursanalyse der medialen Debatte über diese beiden Ereignisse untersucht Struktur und Verschiebungen des Sagbarkeitsfeldes, widmet sich Kollektivsymbolik und Held*innenkonstruktionen und sucht Antwort auf eine Reihe von Fragen: Inwieweit bietet der Diskurs Anschlussstellen für humane Positionen? Wo lauern Gefahren? Wird auch mit Geflüchteten diskutiert oder nur über sie? Und wird in diesem Fluchtdiskurs womöglich eine moralische deutsche Rettung inszeniert, die die Mitschuld am Sterben im Mittelmeer verdecken soll? Die Struktur- und Feinanalysen zu einzelnen Zeitungen sowie zur Held*innenkonstruktion, die auch einzeln gut lesbar sind, ermöglichen einen Einblick in transportiertes Wissen und Vermittlungsweisen, die auf den ersten Blick gar nicht auffallen. So wird nicht nur deutlich, was besser nicht gesagt würde, sondern auch, welche Themen und Aussagen im Sagbarkeitsfeld fehlen.

Weiterhin erhältlich:
Carola Rackete: Handeln statt hoffen. Aufruf an die letzte Generation.
Jetzt als Taschenbuch für 12,99 €.

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Vor allem das VERSANDGESCHÄFT müßte dringend erweitert werden.

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Matthias Erzberger

Gestern, am 26. August, jährte sich zum hundertsten Mal der Mord an Matthias Erzberger.
Der Zentrumspolitiker gehörte während des Ersten Weltkriegs zu den Gegnern des Krieges und eines „Sieg-Friedens“. Er war auch Kritiker der deutschen Kolonialpolitik. Nach dem Ende des Krieges im November 1918 gehörte er zu den Politikern, die von nationalistischer, rechtsextremer Seite beschuldigt wurden, der „im Felde unbesiegten“ Reichswehr in den Rücken gefallen zu sein („Novemberverbrecher“, Dolchstoßlegende).
In den ersten Jahren der Weimarer Republik wurden noch weitere Politiker von faschistischen ermordet: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Eugen Leviné, Gustav Landauer, Hugo Haase, der Außenminister Walther Rathenau, der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner. Damit begann die Blutlinie, die dorthin führte, daß der politische Mord zum politischen Massenmord und zur Staatsdoktrin sich steigerte.
Die Taten faschistischer Mörder lasten auch auf der Gegenwart. Erinnert sei an den ermordeten Kasseler regierungspräsidenten Walter Lübcke – und an die zahllosen Opfer des Rassenhasses in diesem Land.

Im Blog DISSkursiv erschien der lesenswerte Artikel von Anton Maegerle „Rechtsterroristen: Gestern und Heute. Der Mord an Matthias Erzberger“
Bitte lesen Sie den ganzen Artikel
http://www.disskursiv.de/2021/08/23/rechtsterroristen/

Fragen Sie in der Weltbühne nach diesem Titel:
Benjamin Dürr: Erzberger. Der gehasste Versöhner. Biografie eines Weimarer Politikers. Ch. Links Verlag 2021. 312 Seiten Hardcover mit Schutzumschlag. 25 Euro.

Ein Gröl-Gesang deutscher Nationalstudenten ging so: „Schlagt tot den Walther Rathenau die gottverdammte Judensau“. Das wurde nicht nur gegrölt, das wurde auch getan.
Am Tag nach dem Mord sprach der Reichskanzler Joseph Witrh im Reichstag einen Fundamental-Satz der Demokratie:
DER FEIND STEHT RECHTS.

Gewalt gegen Sinte:zze und Rom:nja – Der legitimierte Rassismus

Ein weiterer Veranstaltungshinweis:

Die Thematisierung von Rassismus führt immer wieder zu reflexhaften Abwehrhaltungen. So auch in Duisburg. Doch auch hier ist es unerlässlich, dass eine gesellschaftliche Sensibilisierung gegenüber den Wirkungsweisen verschiedener Rassismen stattfindet. Das bedeutet, auch den Rassismus gegen Sinte:zze und Rom:nja in den Blick zu nehmen.
Dies ist notwendig, da beispielsweise die „Wohnungsfrage“ in problematisierten Stadtteilen immer wieder als „Sicherheitsfragen“ diskutiert wird. Gleichzeitig wird Armut ethnisiert, Migration kriminalisiert und Menschen strukturell entrechtet. Dabei wird der Alltagsrassismus, der den Menschen begegnet, wenn sie eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz suchen, ebenso ausgeblendet wie die Tatsache, dass sie sich das Leben in Prekarität nicht freiwillig ausgesucht haben. Die Verstrickungen von Diskriminierung in Schulen, im Kontakt zu den Ämtern, Polizei etc. müssen hier mit einbezogen werden.
Nach der pogromartigen Belagerung und Räumung der Häuser „In den Peschen“ im Jahr 2014, der rassistischen Verdrängung von Rumän:innen und Bulgar:innen aus Marxloh 2018 und 2019 und zuletzt den Zwangsräumung der Gravelottestraße und Brückenstraße in Duisburg Hochfeld, hat sich strukturell wenig zum Besseren verändert. Neu ist allerdings, dass die zwangsgeräumten Bewohner:innen in Hochfeld öffentlich über ihren Frust und ihre Wut reden, Weiterlesen →

Neu in der Weltbühne: Entfremdung – Identität – Utopie


Neu in der Weltbühne: Marvin Chlada, Peter Höhmann, Wolfgang Kastrup, Helmut Kellershohn (Hg.): Entfremdung – Identität – Utopie. Edition DISS im Unrast-Verlag. 200 S. 19,80 €

Der Entfremdungsbegriff (bzw. ein verwandter Begriff wie Verdinglichung) hat Konjunktur. Die Debatte reflektiert zum einen das neue Interesse an der Marx-Lektüre, das seit der Jahrtausendwende Ausdruck der Krisenprozesse ist, die die kapitalistische „Welt“ durchziehen und nach Erklärungsmustern suchen lassen. In diesem Zusammenhang wird auch das Verhältnis zwischen dem „frühen“ Marx und dem Marx der „Kritik der Politischen Ökonomie“, zwischen Entfremdungskritik und der Kritik des Warenfetischismus erneut thematisiert. Zum anderen verweist der Entfremdungsdiskurs auf die individuellen Leidenserfahrungen, die den Alltag der Menschen bestimmen.
Korrespondierend zum Entfremdungsbegriff nimmt der Identitätsbegriff einen immer breiteren Raum ein in der Debatte um die Gestaltung von nichtentfremdeten Lebensverhältnissen. ‚Identität‘ (bzw. ‚kollektive Identität‘) ist zur Chiffre geworden, unter der sich unterschiedliche Gruppen formen, denen es um eine Änderung vorherrschender Lebens- und Denkweisen geht, die sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen herausgebildet haben. Die jeweiligen Gemeinschaftsvorstellungen, ihre Begründungen und Handlungsstrategien werden seit einigen Jahren breit und kontrovers erörtert, dies gerade auch in den Gesellschaftsbildern rechter und linker Identitätspolitik. Bezüglich der letzteren stellt sich die Frage, wie Identitäts- und Klassenpolitik zueinander stehen.
Besondere Beachtung verdienen rechtspopulistische und extrem rechte Bewegungen. Auch sie operieren identitätspolitisch, indem sie das „Deutsch-Sein“ (im völkischen Sinne) und das volksgemeinschaftliche Wir zum allein bestimmenden Identitätsmerkmal erheben. Identität ist aus dieser Sicht immer national- und volksbezogen. Entfremdung dagegen bedeutet stets Verlust des Nationalen und des „Volkshaften“. Auch die Vorstellungen von einer anderen, besseren Welt haben Konjunktur. Seit Karl Mannheim und Ernst Bloch wird Utopie nicht mehr primär als ein literarisches Genre, sondern als eine Denkform, als „utopisches Bewusstsein“ betrachtet, die es für kultur- und sozialwissenschaftliche Analysen fruchtbar zu machen gilt.

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