Alles war, nix is mehr (6)

nixis36Wer hier reinfährt, fällt auf die SPD rein.
Nein, ich wollte sagen:
Wer hier reinfährt, fährt bei der SPD rein.
Handelt es sich hier vielleicht um so ein berühmtes „schwarzes Loch“? Wo immer nur was reingeht, aber nie was rauskommt?

nixis37In diesem schönen Haus Mercatorstraße 100 wohnte der Pfarrer Essen.
Der Name wird kaum einem von Ihnen geläufig sein. Darum wird hier bei späterer Gelegenheit bestimmt nochmal davon die Rede sein müssen.
Ich bin froh, diese Generation noch erlebt zu haben.

nixis38Ja, was ist das denn? Auf der Mercatorstraße (hier: südlicher Abschnitt) stehen noch Bäume?! Die muß der Oberbürgermeister Sören Link (SPD) wohl übersehen haben. Was sollen die Investoren dazu sagen?
Gucken Sie mal rechts:
Man befindet sich hier ziemlich genau in der Mitte des Territoriums der Stadt Duisburg. Und hier, mitten in der Stadt (und nicht etwa dort, wo man in die Stadt hineintritt) stellen die ein Schild auf: „Herzlich willkommen in Duisburg“.

nixis39Die Forma Eller Montan gibt es wohl nicht mehr. Aber das Eller-Montan-Haus (rechts im Bild) steht treu & fest.
Hingegen: Die Deutsche Bahn AG gibt es noch. Aber ihr Gebäude in der Mitte des Bildes (alter Güterbahnhof) verfällt so vor sich hin.

nixis40Finden Sie, daß das hier jetzt besser aussieht als vorher?
Zu dem Ende der Mercatorstraße (da, wo jetzt der gläserne Hut nicht mehr ist – but: the investor was here) gehe ich schon gar nicht mehr hin. Ich will das nicht mehr sehen!

Als Heimatdichter, als einer, der sich immer zu seiner Liebe zur Heimat bekannt hat, bekenne ich heute:
Daß ich – bis auf eine zehnmonatige Unterbrechung – mein ganzen Leben in dieser Stadt verbracht habe, bereue ich nicht.
Wenn ich aber vor 30 Jahren diese Stadt verlassen hätte und nun wieder käme und all diese Verwüstungen sehen würde, die hier mutwillig angerichtet wurden, dann würde ich es auch nicht bereuen, hier weggegangen zu sein.

FORTSETZUNG FOLGT.

Alles war, nix is mehr (5)

„Ich will doch auch den Frühling genießen“, sagte ich. Und was tu ich in so einem Fall? Ich gehe am Samstag/Sonntag durch die Stadt spazieren. (Das ist, wie ich schon sagte und zu wiederholen nicht müde werde, nicht die einzige Genuß-Variante. Aber auch heute ist von DIESER die Rede).

nixis30Beim Lehmbruck-Museum ins Fenster geschaut. Das sind doch lauter sorgfältig ins Regal gestellte Aktenordner, nicht? Schau ich da ins Büro? Oder ist das eine auf Büro-Ordnung bezugnehmende Skulptur?
Man hat ja schon erlebt, daß eine Putzfrau den Joseph-Beuys-Fleck wegwischte (wodurch es leichter fiel, zu erklären, was „Fluxus“ bedeutet). Hat hier vielleicht ein Kurator das Büro auf den Sockel gestellt?
Das Schöne an der Kunst ist ja, daß man es nie so genau weiß (soll heißen: daß man immer auch auf die andere Möglichkeit zurückgreifen kann).

nixis31Neue Marktstraße. Im ersten Stock wohnte Willi Kissmer. Den habe ich dort nur einmal besucht, obwohl ich nur zwei Straßen weiter wohnte (Goildstraße). Unten in dem Laden war eine Bäckerei. Der Willi Kissmer sagte, der Bäcker wäre ein „konservativer Anarchist“. Wer weiß!
Die Rolläden öffnen sich schon lange nicht mehr (weil keiner sie öffnet).
Und wie immer, wenn man was fotografieren will, hat jemand ein Auto davor gestellt.

nixis32Den Goldenen Anker gibt es auch schon nicht mehr (stattdessen jetzt: „Pianobar“). Dabei war der Goldene Anker eine Goldgrube: ein landesweit gerühmtes Striptease-Lokal – auch mal Schimanski-Location. Wenn man früher, was ich oft war, nachts auf Duisburger Straßen unterwegs war, wurde man oft von Leuten in Autos mit auswärtigen Kennzeichen gefragt, wo es hier zum Goldenen Anker geht. In den Sankt-Pauli-Nachrichten war über das Lokal mal ein großer Bericht. Es konnte passieren, daß man, wenn man sagte, daß man aus Duisburg kommt, erfuhr, daß man aus einer ganuz verruchten Stadt kommt (Goldener Anker).
Und jetzt?

nixis33Na ja.

nixis34Und jetzt alle:
„Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!“
(Musik: Norbert Schultze, Text: Fritz Grasshoff).
Die Reise geht Richtung Basel oder Richtung Rotterdam. Oder: Rhein-Herne-Kanal.

nixis35Von Florida Table Dance verspreche ich mir gar nichts.

FORTSETZUNG FOLGT.

Alles war, nix is mehr (4)

Mal so gesehen:

nixis21Oder mal so:

nixis22„Ich will doch auch den Frühling genießen“, sagte ich. Und was tu ich in so einem Fall? Ich gehe am Samstag/Sonntag durch die Stadt spazieren. (Das ist nicht die einzige Genuß-Variante. Aber heute ist von DIESER die Rede).

nixis23Da wohnt einer.

nixis24Die Volksbank (früher: Vereinsbank – was ist der Unterschied?) ist umgezogen. Links daneben: das Gebäude, aus dem die Stadtbibliothek ausgezogen ist. Was geschieht mit Gebäuden, aus denen Banken und Bibliotheken ausgezogen sind? Richtig!
Schnell noch hin und ein Erinnerungsfoto machen, bevor die Birne kommt. Ich kann mir zu gut vorstellen, wie das demnächst aussehen wird – in Zeiten, in denen der Beruf des Architekten nur noch von Knallköppen ergriffen wird (siehe: Mercatorhalle einst und heute. Oder: Karstadt einst und heute. Et cetera pepé).

nixis25Hier auch!
Von der Steinschen Gasse der Blick in die Altstadt hinein wird als Schandfleck bezeichnet. Na und? Die Schandflecken sind mir allesamt lieber als alles, was bei den Versuchen, sie zu beseitigen, von ihnen übrigbleibt.
(Komisch: „Schandflecke“ wäre richtig gewesen. Aber dagegen sträubt sich die Rechtschreibprüfung. Gegen „Schandflecken“ wird kein Einwand erhoben).

nixis26Der Stadtwerketurm wird als Fabrikschornstein seit 2012 nicht mehr benötigt. Die Demontage ist geplant, aber der Turm steht unter Denkmalschutz. Man erwägt, die Rohre zu demontieren und nur das Gerüst als „Landmarke“ stehen zu lassen.
Der 200 Meter hohe Turm ist von fast jeder Stelle in der Stadt aus zu sehen. Ich hatte – in den 70er Jahren war‘s – die kühne Künstler-Idee, den Turm aus allen möglichen Perspektiven zu fotografieren – ein Turm mit variierenden Vordergründen. Dazu komme ich jetzt wohl nicht mehr.

nixis27Oder ich fang doch noch damit an.
Vordergrund: Das Lehmbruck-Museum. In der Mitte: „Liegende Figur zweiteilig“ von Henry Moore. Die haben wir uns im Kunstunterricht angeguckt (Untertertia).

nixis28Früher waren oben auf dem Turm zwei rote Lampen, die nachts rhythmisch aufleuchteten.
Ich war mal mit dem Bott nachts in Hochfeld unterwegs. Der Bott sagte: „Guck mal. Da oben sitzen zwei und schmoken Chillums.“
Direkt an den Stadtwerken liegt das Puff-Viertel (sinniger Name: Vulkanstraße). Da sollte man nicht so offensichtlich mit einem Fotoapparat hantieren, das könnten manche Leute in den falschen Hals kriegen.

nixis29Aber gucken Sie noch mal eben schnell die Technik am Fuße des Turmes! Ist das nicht bombastisch?
An der Fassade da drunter das Puff-Emblem.

FORTSETZUNG FOLGT.

Vergesst mir die Hessenstraße nicht!

Hessen1-8.3.16Was soll das heißen? Recycling als atheistisches Gewerbe?

Hessen2Auch eine schöne Reklame.
Ich weiß zwar nicht wofür. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Sondern: Schön soll sie sein.

Hessen3Wenn man sowas sieht, könnte man glatt meinen, man wäre auf dem Land. Dabei befinden wir uns hier mitten in der Großstadt.
Die frauenfeindliche Inschrift auf der grünen Tür durch Pixelierung unkenntlich gemacht.

Hessen4Sagte ich schon, daß die Hessenstraße in Duisburg-Neudorf eine zwar bebaute, aber adressenlose Straße ist? Hier befinden sich nur Hintertüren.
Während die grüne Tür (zweite von links) nach oben gerutscht zu sein scheint, ist das Garagentor ein bißchen tief geraten. Den schmalen Streifen dazwischen würde ich auch nicht unbedingt als Bürgersteig bezeichnen.

Hessen5Mit Fenstern ist man in dieser Gegend recht sparsam.

Hessen6Und da hat man sich gedacht: Noch schöner ist das Leben, wenn man die Fenster im Parterre vergittert.
Auf dem kleinen Schildchen auf dem braunen Garagentor steht: „Garagenzufahrt freihalten“.
Als ob Leute, die Garagenzufahrten versperren, lesen könnten!
(Wenn das die Garage von dem Strähler wäre, der hätte bestimmt anläßlich der Rechtschreib-Reform da ein neues Schild hingehängt: „… frei halten“).

Hessen7Als ob ich‘s nicht immer schon gesagt hätte: Schaumbaden war noch nie so schön!

Hessen8Das hatten wir schon.

Walter Kaufmann

Auf diese Lesung muß ich nicht mehr hinweisen, sie hat schon stattgefunden. Der Zeitungsausschnitt von gestern informiert über den Autor Walter Kaufmann.
Er ist nicht einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller, wohl aber einer der interessantesten. Daß er, aus Deutschland vertrieben und nach Deutschland zurückgekehrt seine Heimat in der DDR fand, will ich hervorheben.
Daß in der Buchhandlung Weltbühne das Werk dieses Autors besonders beachtet wird, versteht sich von selbst. Auf das im Zeitungsartikel genannte neue Buch „Meine Sehnsucht ist noch unterwegs“ verweise ich (Verlag Neues Leben, 15 Euro).
Hier wird man auch noch einige vergriffene Titel finden.
Besonderer Hinweis heute:
KaufmannWalterSchadeSchade, dass du Jude bist. Kaleidoskop eines Lebens – Autobiografische Erzählungen. Prospero Verlag. 17.95 Euro.

Diese Heinis!

Ach, jetzt hab ich doch glatt die „Akzente“ vergessen!
Die 37. Duisburger Akzente, das Kulturfestival mit dem Titel „Nah und fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“ ist vorbeigegangen, und ich habe auf gar keine der Veranstaltungen hier hingewiesen.
Als vor einem Jahr die 36. Duisburger Akzente (Titel: Heimat) beginnen sollten, sagte einer, der für den Literatur-Sektor zuständig war: „Jetzt ist alles schon vorbereitet, die Programme sind gedruckt, und jetzt haben wir gemerkt: Wir haben den Loeven vergessen.“
Ich sagte: Nächstes Jahr werden die mich wieder vergessen.
Und?
Jetzt hab ich doch glatt die „Akzente“ vergessen!

Ah! Da sind Sie ja, Herr Schröder!

SuelzkoppSchroederDieser „Kasten“, enthaltend Zitate aus Dialogen in dem Tatort-Film „Moltke“ von 1988 (mit Götz George als Schimanski, Grimmepreis) erschien in DER METZGER Nr. 56 (Februar 1999) auf Seite 3 (als sogenanntes Intro).
In diesem überaus gelungenen und komikgeladenen Schimanski-Film fand ich den running gag lustig. Daß der geniale Überblicker Schimanski sich den Allerwelts-Namen „Schröder“ partout nicht merken kann, daß Hänschen wie immer sanft-korrigierend eingreifen muß, und daß sogar auf den stets korrekten Königsberg Schimanskis brachiale Namensgebung abfärbt – zum Lachen.
Schimanskis Fähigkeit, einen Menschen sehr schnell einschätzen zu können, versagt in diesem Fall ebenso wie sein Namensgedächtnis. Denn dieser „Sülzkopp“ genannte Schröder „hängt“ keineswegs „da mit drin“, sondern ist bloß irgendson Lackaffe, der da rumsteht.

Kurz vor Ausgabe Nr. 56 hatte eine Bundestagswahl stattgefunden, aufgrund derer Helmut K. als Bundeskanzler von Gerhard S. abgelöst wurde.
Hansjürgen Bott wunderete sich, daß in dem Heft die neue Regierung gar nicht kommentiert wurde.
Ich sagte: „Doch! Guck ma Seite 3.“
Aber das war nur eine Ausrede.

Schon gehört? Freerock!

Ich habe ja am nächsten Samstag (übermorgen) schon was anderes vor.
Aber wenn Sie noch nichts vorhaben, überlegen Sie mal, da hin zu gehen:

LuckyGrammEhre, wem Ehre gebührt: den Wegbereitern.
Das Echo des Eschhauses ist noch längst nicht verklungen.
Und da fällt mir ein, daß ich ja für das nächste Duisburg-Jahrbuch einen Artikel über das Eschhaus schreiben soll. Gut, daß mir das jetzt wieder eingefallen ist.
P.S.: Sprich: „Lucky“, nicht „Lacky“.

Elefantös!

SimbaDaß die Fortsetzung folgt, versprach ich am 5. September.
Denn kurz zuvor, am Samstag, 1. August 2015, bin ich in den Zoo gegangen (zum ersten Mal wieder seit über 15 Jahren). Mit der Reportage habe ich erstmal gewartet, denn ich kann mir vorstellen, daß Ihnen jetzt im Februar ein sommerlicher Bericht gefällt.
zoo15-25Vom Zoo wohne ich nur ein paar Minuten entfernt.
Vor ein paar Jahren entnahm ich dem Aushang, daß eine gewöhnliche Eintrittskarte 10 Euro kostete. Rentner bezahlten zwei Euro weniger. Na gut, dachte ich: Sobald ich im Besitz eines Rentnerausweises bin, gehe ich in den Zoo, um zwei Euro zu sparen.
Jetzt habe ich 14 statt 16 Euro bezahlt. Hab ich jetzt überhaupt etwas gespart?

zoo15-01zoo15-02zoo15-03In den 15 Jahren meiner Zoo-Besuch-Abstinenz hat sich dieser Zoo sehr verändert. Das „Affenhaus“, das 1962 gebaute „Äquatorium“ galt damals als das größte und modernste Gehege für Affen und andere Bewohner der Äquatorregion, mit ungewöhnlich weitläufigen Außengehegen (siehe unten). Doch es ist schon geplant, es durch ein neueres zu ersetzen.

zoo15-04zoo15-05Über die Bedrohung der Tierwelt wird im Zoo heute mehr denn je informiert.

zoo15-06Einst ein Relikt des Kolonialismus, in dem Tiere wie Beutestücke vorgeführt wurden, hat der moderne Zoo seinen Charakter geändert.

zoo15-07Der Chinesische Garten, 1988 zur Feier der Städtepartnerschaft mit Wuhan von chinesischen Facharbeitern mit aus China mitgebrachten Materialien angelegt.

zoo15-08zoo15-09Die Gehege sind beträchtlich vergrößert worden, so daß für viele Tierarten kein Platz mehr ist: Keine Eisbären, keine Wildschweine, Keine Krokodile, keine Dachse, keine Waschbären, keine Leoparden mehr zu sehen.
Wenn man genau hinschaut, ist da hinten irgendwo ein Bär zu sehen. Wenn man noch genauer hinschaut, sieht man einen zweiten.

zoo15-10Nasenbär!

zoo15-11Erdmännchen muß ein Zoo heutzutage schon bringen – und entsprechend Erde bereitstellen.

zoo15-12Zebramanguste.

zoo15-13zoo15-14zoo15-15Auf Abstand gehalten. Auch Zebras sehen Menschen am liebsten von weitem.

zoo15-16Am Rand des Zoogeländes ein Kinderspielplatz.
Links im Bild: „alko“ deutet auf „Sinalco“ hin.
Ob mit dem Markennamen „Sinalco“ ausgedrückt werden sollte, daß es sich um ein Getränk ohne Alkohol handelt? Oder ist dem Erfinder des Namens ein altphilologischer Geniestreich ganz unbewußt gelungen?

zoo15-17Robben leisten in jedem Zoo ihren Beitrag zur atonalen Musikunterhaltung.

zoo15-18zoo15-19zoo15-20Tapir. 2001 Weltraum-Odyssee, Sie erinnern sich. Rechts hinten: Kamel.

zoo15-21In der Eifel gefundene verwaiste Wildkatzenkinder begründeten die Wildkatzenzucht in Duisburger Zoo. Durch die guten Zuchterfolge konnten viele Wildkatzen ausgewildert werden in Gebieten, in denen sie fast ausgestorben waren.
In dem neuen vergrößerten Gehege können sie sich wie gewohnt von Menschen fernhalten.

zoo15-22Simba (siehe erstes Bild) hat nur noch eine Gefährtin? Und die tut auch am liebsten nichts.

zoo15-23Typisch Katze! Die hat doch bestimmt schon tausende Menschen gesehen, aber guckt mich an, als wäre ich der erste.

zoo15-24Elefantös!

Barbara ist in der Stadt

Barbara ist in der Stadt, habe ich erfahren, von einem, den ich flüchtig kenne. Ich weiß noch nicht einmal genau, wie er heißt. Er hat es mir gesagt, als ich ihn zufällig auf der Straße traf. Zufälle gibt’s.
BarbaraStadt1Er steht gerade am Bahnhof, Ostausgang, wo er auf sie wartet. Seltsam, daß er sie nicht auf dem Bahnsteig empfängt, sondern auf der Straße, die am Ostausgang des Bahnhofs entlangführt. Was er mit ihr zu schaffen hat, erfahre ich nicht. Es scheint, da bahnt sich was an zwischen den beiden.
Und da kommt sie! Sie kommt über die Straße auf uns zu! Da steht der Mann, mit dem sie verabredet ist, und neben dem stehe ich, und das ist für sie natürlich die große Überraschung.
Wie lange haben wir uns nicht gesehen! Nach unserer Trennung nur zwei, drei mal, zuletzt, als sie eine Tramp-Tour durch Deutschland machte und für zwei Nächte bei uns auf dem Immendal Station machte. Damals haben wir kaum ein Wort miteinander gesprochen, sind uns regelrecht aus dem Weg gegangen. Von meinen Ex-Freundinnen ist sie die einzige, die ich vollkommen aus den Augen verloren habe.
Sie hat sich verändert, wirkt sehr damenhaft. Aber sie sieht immer noch sehr jung aus.
Wir reden miteinander. Mensch, ist das eine Freude! Der Mann neben uns sagt gar nichts. Eigentlich ist der jetzt auch überflüssig hier. Er schaut ein wenig verärgert.
Wir können uns doch mal treffen und dann ausführlich miteinander reden, schlägt sie vor. Ja, heute abend, warum nicht heute abend. Wir verabreden uns für heute abend.

Foto (C) Hut-Film

Foto (C) Hut-Film

Den ganzen Nachmittag fahre ich mit Zügen und Straßenbahnen durch die Gegend, und zwischendurch stehe ich auf Bahnsteigen und an Haltestellen. Ich orientiere mich mühsam. Wohin fährt der Zug, in dem ich gerade sitze?
Zuletzt bin ich in einem Bus. Der fährt durch Neudorf. Ich steige aus an der Ecke Karl-Lehr-Straße/Sternbuschweg, dort, wo alle Busse einmal halten.
BarbaraStadt2Ob ich es geschafft habe, noch rechtzeitig zu meiner Verabredung zu kommen, habe ich vergessen.

SoS (90-100)

SoS090

SoS091Heute endet die Revue einiger (willkürlich?) ausgewählter Standfotos aus dem Film „Sehreise“.
SoS092

SoS093Der Film (die Primärquelle: der Super-8-Film) wurde, wie hier mehrmals erwähnt, vor 40 Jahren im Eschhaus uraufgeführt.
Die einzelnen Bilder hier auf dem Bildschirm sind eine 330-fache Vergrößerung des Original-Bildes. Auf der Leinwand dürfte das Bild 10.000-fach vergrößert gewesen sein. Man kann sich kaum vorstellen, auf diese Weise halbwegs scharfe Bilder projizieren zu können, auch wenn das Filmmaterial sehr feinkörnig war – darum aber auch wenig lichtempfindlich. Man mußte günstiges Wetter nutzen. Für Innenaufnahmen wurden Filmleuchten gebraucht. So entstand eine ganz eigenartige Super-8-Ästhetik. Die durch Optik und Photochemie gesetzten Grenzen nahm man hin. Folge war eine durchaus nützliche Verfremdung.
Früher hat man versucht, Bilder in Bewegung zu setzen. Hier könnte man meinen, daß sie schöner werden, wenn man sie anhält …
SoS094

SoS095Die Primärquelle ist ein Film mit tausenden Schnittstellen. Eine Kopie war nicht möglich, sie hätte ein Vielfaches des eingesetzten Rohmaterials gekostet. Die Digitalisierung war die „letzte Rettung“.
SoS096

SoS097Diese Bildrevue hat tatsächlich das Interesse am Kauf der (Doppel-)DVD geweckt, so daß das Problem erwächst, für die weitere Vervielfältigung Doppel-DVD-Hüllen aufzutreiben.
Die Medien der Zukunft, die Träger digitaler Inhalte, die silberglitzernden Schreiben sind nämlich auch schon ein Auslaufmodell. Die DVD-Epoche wird die Lebensdauer der Super-8-Epoche nicht erreichen.
Vielleicht hat jemand einen Tip, wo man (Doppel-)DVD-Hüllen kriegt.
SoS098SoS099SoS100..

Summer in the City (5)

Aus gegebenem Anlaß wird die Serie „Summer in the City“ heute fortgesetzt.
SummerCity15-11Diese Burg urbanen Selbstwertgefühls mit ausgeprägtem Fassadenbewußtsein enthält (immer noch?) Praxen, Niederlassungen, Agenturen, Notariate et cetera pepé in großer Zahl. Einmal war ich da bei einem Notar und erlebte den nervösesten Bürovorsteher der deutschen Rechtsgeschichte. Dort kaufte ich auch bei der Firma Walter König die Letrasetbuchstaben für die METZGER-Überschriften. Die Firma gibt’s nicht mehr, und ich benötige ja auch nicht mehr Letrasetbuchstaben. Ich könnte also wieder „Alles war, nix is mehr“ drüberschreiben.
Ich begann dann mal, aus den übriggebliebenen Letrasetbuchstaben ein Gedicht zu schreiben: „Unbeat Poem to be continued“. Der erste Teil erschien in DER METZGER Nr. 54 (August 1998). Wird mal Zeit für die nächste Fortsetzung!

SummerCity15-12Na, dann laßt es euch mal gutgehen auf der Königstraße!

SummerCity15-13Mit der Krönung der „Brunnenmeile“, dem „Lifesaver“ von Niki de Saint Phalle konnten sich so schnell nicht alle anfreunden, wie das mit Denkmälern in öffentlichen Raume nun mal so ist. Sockel von Jean Tinguely.

SummerCity15-14Die Persil-Danke-Tour. Verstehe ich nicht. Wer bedankt sich bei wem für was? „Deutschland sagt danke mit Persil“. Wer nimmt Deutschlands Dank in Gestalt von Persil in Empfang? Oder spricht Henkel im Namen Deutschlands? Und bedankt sich bei sich selbst mit sich selbst? Für was? Für sich?
Früher hieß es „Persil bleibt Persil“. Dabei hätte man es belassen können.
Wolfgang Borchert wollte einen Roman schreiben, der den Titel „Persil bleibt Persil“ haben sollte.
Später: Willy Brandt holte tief Luft und preßte hervor: „Berlin bleibt Berlin!“
Als ich mir das anschaute wurde ich von einem jungen Mann angesprochen: „Du bist doch der Genosse aus der Weltbühne, ne?“
Ja. Bin ich.
„Genosse aus der Weltbühne“!
Es gibt noch Menschen, die an mich glauben.

SummerCity15-15Über das Lehnkering-Gebäude muß ich auch noch eine Geschichte erzählen (kommt in der METZGER-Serie „Komische Häuser“).

SummerCity15-16Und dann ham’se gesagt: Die Schwanentorbrücke (Hubbrücke) muß auch noch in’n Schimanski rein. Und so geschah es. (Ich weiß nicht mehr in welchen).
Die Haltestelle heißt jetzt nicht mehr „Schwanentor“, sondern „Landesarchiv NRW“.
Ja welches Landesarchiv denn sonst? Es wird ja wohl kaum jemand annehmen, daß in Duisburg das Landesarchiv von Schleswig-Holstein untergebracht ist.

SummerCity15-17Das wäre was für eine Serie „Schornsteine, die nicht mehr rauchen“.

SummerCity15-18Hier hat man verdienstvollerweise die in ihrer früheren Funktion nicht mehr benötigten Industriegebäude nicht abgerissen, sondern praktischer- und ästhetischerweise einfach einer neuen Funktion zugeführt. In den stillgelegten Hafen-Faktureien sind jetzt Büros, Ateliers, Museen und Restaurants drin. Wenn Ihnen der Sinn für die Schönheit alter Industie-Architektur fatalerweise fehlt (Sie armer Mensch), dann folgen Sie mir wenigstens insofern, daß die Architekten von heute an der Stelle ganz bestimmt nix Schöneres hingekriegt hätten.
Der nicht mehr rauchende Schornstein symbolisiert dann etwas, und zwar das, was Sie wollen.

SoS (79-89)

SoS079SoS080Ich hätte doch damit rechnen können, daß die seit dem 24. November in Etappen erscheinende Bilderfolge von Switch-on-summer/Sehreise Kaufinteresse weckt. Gut so.
An Doppel-DVD-Hüllen ist schwer ranzukommen.
SoS081SoS082SoS083SoS084SoS085SoS086SoS087SoS088SoS089Noch elf, dann hamw’rs geschafft.

Film Stills (C) Hut Film

VorherNachher..

Vorbei…

Vorgestern erhielt ich eine E-mail von Susanne mit der lapidaren Mitteilung, daß ihre bisherige E-mail-Adresse nicht mehr gilt. Der Zusammenhang aber stimmt mich etwas traurig, wenngleich es keine Neuigkeit für mich ist, sondern an ein Schade-Ereignis erinnert.
Denn zugleich, so wurde mitgeteilt, erlischt auch die Spinatwachtel-Homepage.
Der Avantgarde-Club Spinatwachtel auf der Eigenstraße in Hochfeld mußte einem Gebäude-Umbau weichen.
Mit der Spinatwachtel konnte man die besten Hoffnungen verbinden – und sie wurden erfüllt, wenngleich leider nur für eine viel zu kurze Zeit. Wenn man unter diesem Notat das Schlagwort „Spinatwachtel“ anklickt, kann man sich ein Bild davon machen.
Daß ich drei mal (zweimal Solo, einmal zusammen mit Lütfiye Güzel und Werner Muth) da eine Lesung hatte, darauf bin ich nicht unstolz. Was die Spinat-Wächtler in die Hand nahmen, das klappte einfach. Bei Susanne und Andreas Gwisdalla hatte man es mit den freundlichsten und liebenswürdigsten Menschen zu tun.
Die Eigenstraße hätte zu einer Avantgarde-Meile werden können, und diese Hoffnung bleibt durchaus nicht vergeblich, denn schräg gegenüber gedeiht das Syntopia.
Und dann ist da auch noch ein paar Häuser weiter die trotzkistische Buchhandlung, die „Trotz alledem“ heißen sollte, aber schon vor ihrer Eröffnung geschlossen wurde, trotz alledem weiterhin in diversen Adressenlisten geführt wird. In ihrer mittlerweile jahrelangen Geschichte hatte diese Buchhandlung noch nicht eine Minute lang geöffnet. Wer Sinn hat für das Absurde, weiß auch sowas zu schätzen.
Die erlöschende Wachtel-Homepage bleibt vorerst verlinkt (linke Spalte). Klickt doch mal, vielleicht ist noch was zu sehen.

Hafenstaedter-Foto

(C) Merkfoto

Vorbei sind all die schönen Tage…