Dahinter kam ich (2)

wald-15-04-13wald-15-04-14Der „Heilige Brunnen“ (so heißt das immer noch).
Regenwasser, das durch die Sandschichten versickerte und auf eine wasserundurchlässige Lehmschicht traf, so daß es am Südhang dieser Anhöhe wieder zutage trat. Also kein Wasser aus tieferen Schichten (sog. Mineralwasser) mit eventuell heilender Wirkung. Zur Kultstätte (in natursteinerner Monumentalität) wurde diese Stelle erst in den 30er Jahren erhoben.
Da hat man dann Kurzbehoste hingeleitet, damit die hier andächtig herumstehen und lauthals irgendwas schwören.
„Kein Trinkwasser“ steht in Stein gemeißelt da drüber.

wald-15-04-16Das Rinnsal hat ein richtiges Tal in die Landschaft geschnitten. (Nimm dir Zeit).

wald-15-04-17wald-15-04-18Dort, fern des Weges, entstand damals (1978) der legendäre 360-Grad-Schwenk zum Ende des Films „Le Onze Mai“ (Hut-Filmproduktion, auf DVD erhältlich).
Wer nicht weiß, daß damals die Kamera hier sich drehte, würde heute es nicht erkennen. Der halbzerfallene Hochsitz ist jetzt ganz zerfallen.

wald-15-04-19Mir fällt ein: Meine liebe Freundin Lina hat über einen Spaziergang auf diesen Wegen eine ihrer Kurzgeschichten geschrieben. Eine hochprickelnde, tieferregende Geschichte! Ist sowas möglich, über einen Waldspaziergang eine Erotik-Story zu schreiben? Ja. Die kann sowas.

Wird fortgesetzt.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Alles war, nix is mehr (3)

Im vorigen Jahr bin ich nur einmal im Wald gewesen. Dann kam ein Sturm, und in den folgenden Monaten wurde wegen der Gefahr durch herunterstürzende Äste vom Betreten des Waldes (mehr oder weniger administrativ) dringend abgeraten. Erst im Spätherbst wurde der Wald wieder „freigegeben“, aber dann gehe ich kaum in den Wald, weil es dann so früh dunkel wird.
In diesem Jahr kam der Frühling wieder mit einem Sturm, der Äste zerbrach. Wieder hieß es: Meiden Sie erstmal den Wald.
Also verlegte ich meine Erkundungsgänge vollends in die besiedelten Teile meiner Heimatregion – ohne Bedauern, weil für mich seit je das Erkunden zwischen Mauern dem Erkunden zwischen Bäumen mindestens gleichrangig ist.
Allerdings birgt auch die Großstadt Ast-Gefahren (erinnern Sie sich an Ödön von Horváth).

nixis11Hohe Straße, also in „bester City-Lage“: Hinter den gelben Klinkersteinen war der erste (und eigentlich auch einzige jemalige) Head Shop, gegründet 1971 von Lutz Ringer (Bröselmaschine). Monatsmiete: 500 Mark. Zwei Räume. In den hinteren Raum drang nur die informelle Tee-Gesellschaft vor. Der Laden hieß „Knubbels Garten“, weil er Teil des Törn-Projekts „Knubbel Afa“ war. In der Zeit seines Bestehens an dieser Stelle (!) war Knubbels Garten einer meiner Lieblings-Aufenthaltsorte.

nixis12Gegenüber davon: Damals war das ein Pommes-Restaurant: Nix als eine Pommes-Bude, aber groß wie ein Restaurant. Hieß: „Pferdestall“ (wohl wegen der rustikalen Holz-Innenarchitektur) und war ein „Szene-Treff“ (wie man heute sagen würde). Ja: die „Freaks“ ernährten sich teilweise auch von Pommes Frites und Curry-Freakadellen und derlei. Da war man noch ganz unverkrampft.
Später war da drin dann ein Französisches Restaurant. Die hatten sogar einen Michelin-Stern.
Und jetzt ist das da. Kurz nachdem ich das Foto aufgenommen hatte, ging da so’n Kerl rein mit Kampfhund. Wenn der ohne den Hund gewesen wäre, hätte ich gedacht: Jetzt fehlt nur noch der Kampfhund.

nixis13Rudi Kalamees zog mit seinem einträglichen Schallplattenladen „Disc“ auch auf die Hohe Straße, in den Eck-Laden am Buchenbaum. Der hatte mehr Platz als er brauchte und einen zweiten Eingang. Also zog Knubbels Garten ein paar Häuser weiter als Rudis Untermieter (Monatsmiete jetzt 300 Mark). Knubbels Garten war, wo jetzt „Sun Express“ drüber steht.
Niedrigere Miete klang verführerisch. Und von dem viel frequentierten Plattenladen (nur Freak-Musik) kam man direkt in den Head Shop, ohne trennende Tür dazwischen. Aber so gut war das nicht. Man kam sich plötzlich vor wie in einer Kneipe, in der aber nichts richtig funktioniert. Außerdem: Nachbar zur Rechten war das berüchtigte Prosesse (was ein Anagramm von „Espresso“ ist) für Hardcore-Freaks. Da war es mit der Ruhe vorbei.
Und: Rudi Kalamees war ein Katastrophen-Mensch. Katastrophen Menschen leben nicht nur in der Katastrophe, sondern ventilieren sie auch.
Den Plattenladen machte er zu und stattdessen dort eine Kneipe auf mit dem phantasievollen Namen „Pub“. Da wurde er aber bald ausgebootet, nachdem er den Lutz und seinen Head Shop ausgebootet hatte. Die Frühgeschichte enthält nicht nur Ruhmestaten.
Der wohnte da auch nicht mehr über dem Laden. Da wohnte dann der Karl Hellbach (Bruder von dem Bröselmaschine-Schlagzeug-Tushita-Mike Hellbach). Der hatte sein Zimmer (Fenster über der Kneipentür) ganz schwarz tapeziert. Das machte nichts, denn ich mußte da ja nicht länger bleiben als ab und zu mal zu Besuch.

Knubbels Garten ging kaputt durch zu viel Kollektivität (jawohl!). Außerdem hatte Inhaber Lutz sich auf den Weg gemacht zu einem längeren Auslandsaufenthalt, ohne die Vertretung zu regeln. Ich war damals mit meinem Zivildienst noch nicht zu Ende und hatte tagsüber keine Gelegenheit, den Laden unter eigener strenger Regie zu leiten. Ich hätte erstmal die ganzen Schnorrer rausgeschmissen, die immer die Einnahmen des Vortages verfrühstückten.
Exkurs: Den Eschhaus-Buchladen habe ich als eine Chance gesehen, die kurze Tradition von Knubbels Garten wieder aufzugreifen. Aber da haben wir (Magda und ich) gesagt: Da lassen wir uns von keinem reinreden! Hier herrscht die Autokratie der Künstler! Das haben manche uns übelgenommen.

SpiegelAnneDer Spiegel berichtete sogar über das ins Chaos abgleitende Projekt. Aber darüber habe ich hier ja schon mal berichtet (ja! Klicken Sie!). Der türkise Pfeil zeigt auf Anne.

nixis14An der Ecke war ein Espressomaschinen-Café. Und was ist da heute drin? Ein Friseurladen. Natürlich.

nixis15In der Galerie Kugel sind Originale von Uecker ausgestellt. Echte Ueckere!

nixis16Wenn ein Flachdach-Gebäude im Kantpark steht, wird Karl Kraus zitiert.
Ganz früher war hier die Stadtbibliothek drin, später das „Heimatmuseum“ (heute: Stadt- und Kulturhistorisches Museum). Jetzt sind da Räume für die Bildende Kunst.

nixis17Gegenüber: Was ist jetzt eigentlich da drin, wo früher das Shalom drin war? Natüüürlich! Ein Friseurladen. Was sonst!

nixis18Eine Tür weiter. Das ist die Kneipe, in der im November 1972 die Eschhaus-Initiative gegründet wurde. Warum die Tür, die ursprünglich weiter rechts war, zugemauert wurde und eine neue Tür an der jetzigen Stelle eingerichtet wurde, verstehe ich nicht.

nixis19Alles war, nix is mehr. Man kann kaum noch schnell genug fotografieren, wo blinde Zerstörungswut tobt.
Oberbürgermeister Sören Link ist ein Gauch.
Da hätten wir den Sauerland ja gleich behalten können.

Ich habe die mit der Industrialisierung entschwundene Bezeichnung „Gauch“ genutzt. Ich wollte durchaus nicht „Gauck“ schreiben. Ich will ja niemanden beleidigen.

nixis20Ach! Sieh an!

Alles war, nix is mehr (2)

Früher war ich ja einer von denen, die von der Zukunft künden. Jetzt krame ich vor Ihnen im Vergangenheit herum. Ich nehme also inzwischen eine radikalere Haltung ein.

nixis05Der Mike Hellbach (Ex-Bröselmaschine-Schlagzeug) hatte seinen Kunstdruck- und Postkartenladen zuerst nicht an der Ecke, sondern ein paar Häuser weiter hier auf der Lenzmannstraße. Da ist jetzt ein Friseur drin.

nixis06In dem spitzwinkligen Laden an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße ist jetzt auch ein Friseur drin.

nixis07Daß die Friedrich-Wilhelm-Straße mal ein prachtvoller Boulevard war (Boulevardvard / Boulewarwar), daran erinnern sich vielleicht noch ein paar Alteingesessene – allerdings eher bei besserem Wetter. Auf der einen Seite Juweliere, Pelzhändler, BMW-Händler, lauter vornehm, und gegenüber (rechts neben dem Foto) der schöne Kant-Park mit dem schönen Lehmbruck-Museum. Ein Hauch von Urbanität ist übriggeblieben (oder, für Pessimisten: von Urbanität nichts als ein Hauch).

nixis08Das grünliche Haus da vorn paßt sich von weitem betrachtet in die Vorstellung eines urbanen Boulevardvard (Boulewarwar) an. Aus der Nähe betrachtet wirtschaftet da ein Altrötscher mit Elektronikschrott.

nixis09An dieser Stelle stehend am Nachmittag eines trüben Samstages (ein paar Wochen ist das übrigens schon her) nahm gegenüber anderen möglichen Präferenzen in mir der Entschluß, nach Hause zu gehen, Überhand. Überhaupt möchte ich sagen: Glücklich ist, wer sich nichts besseres vornehmen kann als nach Hause zu gehen. Da gehe ich am liebsten hin.

nixis10Das alles ist, wie gesagt, vor ein paar Wochen gesehen und fotografisch dokumentiert worden. Inzwischen fühlt man ja schon wieder anders (Fortsetzung folgt gleichwohl). In der Zeit dazwischen, bei besserem Wetter und hellerem Sonneneinstrahl sah das so aus. Wolkenkratzerimitate (linker Bildrand) werfen Schatten! Das ist aber nicht der Goldene Anker, von dem so oft die Rede ist. Der ist woanders. Merke; Zwei göldene Ankere bedeuten nicht immer dasselbe.

Junge Frauen beim Bücherlesen

In der Straßenbahn sehe ich immer junge Frauen, die Bücher lesen. Ich versuche immer, herauszufinden, welches Buch sie lesen. Aber ich finde das nie raus. Die halten das Buch nicht still, daß ich den Titel entziffern könnte.
Mir gegenüber sitzt ein kleines Mädchen. Sie stellt ihrem Vater viele Fragen. Sie sieht etwas, und sie fragt ihren Vater, was es damit auf sich hat. Der Vater beantwortet alle Fragen seiner kleinen Tochter.
Warum die Schienen da herumliegen? Weil die alten Schienen weggemacht werden und dafür die neuen Schienen verlegt werden. Warum? Weil die neuen Schienen besser sind als die alten, erklärt der Vater geduldig.
Das Mädchen sieht ein Kaninchen über die Böschung hoppeln, zeigt mit dem Finger dahin und sagt: „Da ist ein Tier gelaufen.“ Die ganze Welt muß begriffen werden.
Aber ich verstehe die Frauen nicht, die zum Lesen in eine Straßenbahn einsteigen. Ich gehe doch auch nicht zum Lesen ins Kino.

Samstag. Neudorf. November.

Letzten Samstag war schönes Novemberwetter. Da bin ich hier mal rumgelaufen und habe mir das alles mal angesehen.

November8-01Finden Sie das schön (Oststraße von hinten). Ich finde das schön. Kein Haus ähnelt dem anderen.

November8-02Hier auch. (Lotharstraße von hinten).

November8-03Good old everlasting Lotharstraße.

November8-04Die zwei Miniläden auf der Grabenstraße. Der Laden rechts gehörte früher zwei alten Damen, bei denen man Zeitungen kaufen und Lottoscheine abgeben konnte. Den Laden links hatte jemand gemietet, um ihn mit Pappkartons vollstellen zu können. Jetzt hat er auch den anderen Laden übernommen und vollgestellt. Jahrzehntelang hat sich da nichts verändert.

November8-05Detailansicht.

November8-06In der Glastür spiegele ich mich in meiner Eigenschaft als Fotograf.
Das ist die Bundesgeschäftsstelle von „Solidarität International“, einer – wie sagt man – „Vorfeldorganisation“ der MLPD. War das nicht früher das Geschäft Erbslöh, wo man Vogelfutter, Hamsterkäfige, Mausefallen (Lebendfallen!) etc. kriegen konnte?

November8-07Und was ist das? Wo jetzt das Fenster mit runtergelassenem Rolladen ist, war früher ein Schaufenster, links daneben – inzwischen zugemauert – die Ladentür. In dem Laden war das legendäre Tonträgergeschäft „Garageland“ von Lothar Röse und Rolf Menrath. Ausgesprochen wurde das „Gärretsch-Länd“. Ich habe aber immer „Garageland“ gesagt. Das wurde mißbilligt.
In den hinteren Räumen war der Trikont-Verlag. Den gibt es zwar noch, aber der ist jetzt woanders.
Neudorf ist auch nicht mehr das, was es mal war.

November8-08Ich verstehe: OTR OTR OTR OTR OTR OTR OTR
„Scum“ (engl. etwa: Abschaum) mal positiv (rechts), mal negativ (Pfeil) konnotiert?
November8-09Mitteilungen grundsätzlich in Englisch zu formulieren ist eine schlechte Angewohnheit, eine Modetorheit. Wer drei Ausrufezeichen benötigt, mißtraut der Kraft seiner eigenen Aussage.

November8-10Hier, am Lieferanteneingang von Edeka, bat ich die zigarettenpäuskenmachende Edeka-Dame: „Könnten Sie mal einen Schritt zur Seite gehen, damit ich diese eigentümliche Mitteilung dokumentieren kann?“
„Esst die Reichen“. Da kann einem aber schon der Appetit vergehen!
(Für Veganer gibt es eine Ausnahmegenehmigung).

November8-11Ahh! Da ist jemand aufs Dach gestiegen, um sich unverständlich zu machen.
Die Trinkhalle gibt es immer noch – bloß, daß sie seit Jahren nicht mehr geöffnet wurde.
Oben: Eine Werbung, die auf einem Zeichensetzungsfehler beruht. Richtig müßte es doch heißen:
„Mediamarkt? Ich bin doch nicht blöd!“
„Kostenlose Finanzierung“ heißt auf deutsch: Mehr bezahlen.

November8-12Enthauptete Schaufensterfiguren!
Französische Revolution? Sanson était ici?
Das ist doch Horror! Wer denkt sich sowas aus?
Wasserpumpe im Schaufenster? Warum hat sich die Firma nicht um einen Anschluß an das Wasserversorgungsnetz bemüht? Da ist – im Vergleich – die Buchhandlung Weltbühne doch moderner ausgestattet.

November8-13Völlig kopfloses Verhalten! Die Schaufensterpuppen von Sport Hildebrandt haben das Schaufenster verlassen und irren auf dem Sternbuschweg umher!

November8-14Was folgt daraus?

Kann mir das mal einer erklären?

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat.
Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“
Brecht

Vor einem Jahr wurde hier die Desolation eines Kriegsdenkmals thematisiert. Eine Schande fällt in sich zusammen. Erinnern Sie sich? Klicken Sie auf den Link.
Kaiserberg03Doch in der Zwischenzeit hat sich in der Denkmalpflege was getan.
Schauen Sie:
kaiserberg10

Gucken Sie mal genauer hin:
kaiserberg11

Lauter Stofftiere nehmen den Platz der Heldentumsschaustellung für sich in Anspruch. Komisch!
Dem verlogenen Heldentum einen Tort, scheint mir die Erklärung zu sein.

Bitte lesen Sie im DISSkursiv:
http://www.disskursiv.de/2014/07/28/netzfundstuecke-teddys-gegen-kriegsverherrlichung/
und:
http://www.disskursiv.de/2014/07/28/netzfundstuecke-denk-mal/

Und ich erinnere auch nochmal an die Siegfried-Uminterpretation.

BerndUndFreundeDie werden nicht auf dem Kaiserberg der Witterung und der Willkür ausgesetzt, das ist versprochen. Stets gern für die gute Sache verfügbar genießen Sie den Schutz meines Daches.

Bilder einer Wanderung bei schlechter Laune

Wo soll man am gesetzlichen Juni-Feiertag denn hingehen, wenn
a) an einem der freien Tage schon wieder Trübsinns-Wetter ist,
b) das Betreten der Wälder wegen der Schäden durch das Unwetter sogar amtlich verboten ist (einleuchtend),
und zudem noch entgegen dem WDR-Wetterbericht, daß es nicht regnet, es dann doch regnet?
Schlechtes Wetter trübt meine Stimmung nie – außer an solchen Tagen wie letzten Donnerstag.
Also; nicht durch die Wälder, nicht durch die Auen, sondern durch die Stadtteile.

Froh14-01Die Schule an der Gneisenaustraße gefällt mir heute nicht. Diese imperialistische Bombastik! Diese Naturstein-Festung rund um den Fahrradkeller! Diese Strategie der hohen Decken, damit die Stimme des Lehrers größeren Hall bekommt! Das ist keine Stätte fröhlicher Wissenschaft, das ist eine Anstalt.

Froh14-02Da stellt man folgerichtig einen Luftschutzbunker daneben.

Froh14-03Das sieht doch gar nicht schlecht aus. Im Spätsommer werden dann am Rande der Eisenbahnlinie Pflaumen geerntet.

Froh14-04Bei der Industrialisierung ist für Wanheimerort ein Viadukt abgefallen (für die Abzweigung der Bahn, mit der man nach Hochfeld fährt).

Froh14-05Wenn man unter diesen Unterführungen hindurchgeht, verläßt man Wanheimerort und ist dann in Hochfeld.

Froh14-06Umgekehrt betrachtet: Wenn man unter diesen Unterführungen hindurchgegangen ist usw.
Unter der ersten Unterführung wurden allerhand Kirmeswagen abgestellt.

Froh14-07Fundstück für die METZGER-Serie „Komische Häuser“ (Krummenhakstraße).
Die Dachgaube scheint sich nach rechts verdreht zu haben. Die Dachrinne wird von Birkengewächsen beansprucht. Der Letzte hat nicht nur das Licht ausgemacht, sondern auch die Rolläden runtergelassen.

Froh14-08Alles hat einmal ein Ende, auch die Krummenhakstraße. Angefangen hat hier der Regen. Ich: ohne Schirm!

Froh14-09Es gibt Stellen, die sehen fast noch so aus wie vor 40 Jahren. Nur wurde hier das Hochfelder Standard-Dunkelgrau durch abblätternden Fassadenanstrich ersetzt. Auch die Euphemisierung von einem Büdeken als „Halle“ erinnert an früher.

Froh14-10Über die Königgräzer Straße könnte ich auch noch was erzählen. Später vielleicht.

Froh14-11Rudolf-Schönstedt-Straße. Bemerkenswert. Finden Sie in diesen Tagen mal eine Straße, wo nicht aus jeden Fenster ’ne Fahne raushängt.

Froh14-12Klar! Wenn man auf der Graustraß‘ wohnt, müssen die Häuser natürlich orange-rosa sein.

Froh14-13Sagt alles.

Froh14-14Nicht „Le Quai des Brumes“ von Marcel Carné 1938, sondern: Hafen unter grauem Himmel vorgestern.
Da stand ich und sagte: „Ich geh‘ jetzt nach Hause.“

Bilder einer Wanderung (3)

Wanderung-2014-15Viel Farbe auf glatter strukturierter Fläche. Großartig! Hat das Zeug zum Klassiker!
Ob der Effekt beabsichtigt war?
Wo der Inhalt fehlt, kommt es nur noch auf die Form an.

Wanderung-2014-16Ja, was ist denn hier so schlimm, daß kein Mensch „das“ gewollt haben kann? Man sollte doch froh sein, wenn die Häuser, die gestern hier standen, heute immer noch hier stehen, denn sonst wüßte man nicht, wo man ist, und wer will das?
Ich mag es, wenn sich jemand klar ausdrückt und verständlich macht, was er will und was er nicht will. Ich mag es nicht, wenn jemand mich mit seinem Weltschmerz herausfordert.
Allerdings wird die Menschheitsfrage durch die Feststellung „GWTR SAHL“ konterkariert.
Es sollte sich mal herumsprechen: Unter dem Pflaster liegt nicht der Strand. Unter dem Pflaster liegt der Schotter.
Gewittersaal?
Da die Frage an die Außenmauer meines Geburtshauses geschrieben wurde, will ich sie beantworten: Ja! Das ist es, was ich will. Ein Mensch zu werden ist das beste, was mir passieren konnte.

Wanderung-2014-17Die Vegetation hat sich etwas herausgenommen. Roter Klatschmohn, Erikas Lieblingsblume. „Roter Klatschmohn!“ – Jaja, ich habe verstanden: Klatsch-Mohn! Rot!
Ich könnte ja froh sein, ihre Stimmungen & Launen nicht mehr ertragen zu müssen. Aber manchmal vermisse ich sie doch noch ein kleines bißchen.

Wanderung-2014-18Eine Idee greift um sich.

Wanderung-2014-19Auf dem Haus der Verbindung Rheno-Germania „zu“ Düsseldorf-Duisburg (die behauptet, älter zu sein als die beiden Universitäten) dürft Ihr rumschmieren so viel wie ihr wollt.
Die Mitteilung den Zusammenhang fallender Kinder und Aktien betreffend hat Emcewenilez Nopniks durchgestrichen, weil er sie nicht verstanden hat. Die anderen Mitteilungen hat er nicht durchgestrichen, weil er glaubt, sie verstanden zu haben.
Oben rechts: Werbung für Werbung.

Wanderung-2014-20Das umkreiste A hätte man als geschütztes Warenzeichen eintragen lassen sollen!
Nicht, um Geld damit zu machen, sondern um seine beliebige Verwendung für alles Mögliche und Unmögliche zu verhindern.
Hier wird es als Symbol der Mitteilung des zum Haß gesteigerten Unbehagens an der Gesellschaft hinzugefügt. Abgelehnt wird anscheinend nicht die gegenwärtige Gesellschaftsordnung, sondern Gesellschaft an sich. Rousseau hätte dem zugestimmt.
Aber was würde Rousseau heute sagen?
„Ja, so habe ich auch mal gedacht. Aber das war falsch.“

1. Juni: Zwei Jahre Liebe, zwei Jahre Zorn

Das sind nicht zusammen vier Jahre, sondern zwei Jahre Liebe und Zorn.
Und damit ist ja noch nicht alles aufgezählt. „Amore“ e „Rabbia“ bezeichnen den Radius, der einen Kreis ergibt, der mehr Elemente enthält.
Heute ist Jahrestag. Es darf gratuliert werden.
Ich gratuliere den Leserinnen und Lesern zu (bis gestern) 580 Notaten.
Wie an jedem 1. Juni spaziere ich heute auf dem Kaiserberg herum. Auch die Leserinnen und Leser sind zu einem Spaziergang eingeladen, zu einem Kreuz-und-quer-Gang durch 24 Monate, durch einen Dschungel, in dem immer wieder neue Pfade zu entdecken sind. Nur wer herumschweift, entdeckt in der Verschiedenartigkeit die Universalität.
(Wie habe ich das gesagt?).
Nun gratuliert mal schön:
„Kommentar hinterlassen“ anklicken und einen Kommentar hinterlassen.
Und wer mir nicht doof kommt, dessen Kommentar mache ich sogar sichtbar.
Bis morgen!

Bilder einer Wanderung (2)

Wanderung-2014-08Dieses Haus hat man da hingestellt, und dann hat man überlegt: Was machen wir damit?
Aber mir gefällt das. Warum? Es stand schon da, als ich hier hinkam.
Darin untergebracht ist das Kulturamt der Stadt Duisburg (bestimmt nicht nur).
Das wäre doch mal eine Überlegung wert:
Wäre das was gewesen, da einen Job zu haben, vormittags und nachmittags als Kulturbürokrat getarnt, hinter dem ein Feierabendanarchist sich verbirgt?
Oder lieber nicht?
Immerhin: Man hätte jeden Monat ein Gehalt kassiert, davon aber kaum was ausgegeben und den Rest heimlich auf einem Sparkonto gesammelt. Und dann mit 67500 Euro auf dem Konto dem Chef gesagt: „Du Arschloch!“
Oder:
Den Locher aus dem Fenster schmeißen und zum Chef sagen: „Raten Sie mal, warum ich das gemacht habe.“
Das rät der nie.

wanderung-2014-09Auch an die, die sich im engen Raum wohlfühlen, soll gedacht sein.
Das Künstleratelier da vorn wird wohl immer noch als solches genutzt (winzig).
Auf dem Balkon in der obersten Etage stößt man sich den Kopp.

Wanderung-2014-10Aha. Aha. Aha. Aha. AHA. Aha. Aha.

Wanderung-2014-11Straße der Aktien.
Für CJZZ / IDNA… (falls ich das richtig verstanden habe) hatte der Sprüher eine Leiter dabei.
Das Hinschreiben eines Substantivs, mit dem man eine Genitalie bezeichnen kann, hat den Blauschreiber in Heiterkeit versetzt: „Glied Hihihi…“. Oder wollte er „Hinihi“ sagen?
Das eingekreiste E verkündet eine Hoffnung. Ich weiß bloß noch nicht, welche.
Was ist noch zu erfahren?
HSCDCV, DjSU, CASZZ, SWU.
Der Balkon wurde mit Uhu an das Haus geklebt.

Wanderung-2014-12Was immer hier mitgeteilt werden soll: Die Vegetation (Efeu) läßt langsam ihren Vorhang darüber sinken.

Wanderung-2014-13Ach! Das neue „Hörsaalzentrum“ hat ja doch eine Tür!
Daß da auch tagsüber das Licht brennt, soll wohl zeigen, daß für Forschung & Lehre zu wenig Geld da ist.

Wanderung-2014-14Rote Rosen.

WIRD FORTGESETZT.

Bilder einer Wanderung (1)

Wanderung-2014-01Die Feiertage in der hellen Jahreszeit gern für ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, Felder und Siedlungen nutzend, war das Wetter des gestrigen Himmelfahrtstages (auch Vattertach genannt) und die Notwendigkeit, mit einem Regenschirm ausgerüstet zu sein, nicht so einladend für eine große Runde. Ich blieb in der näheren Umgebung (also: Neudorf).

Wanderung-2014-02Das „Tectrum“, eines der Werke von Norman Foster, dessen Vorliebe es ist, Mauern durch Glasscheiben zu ersetzen, dient dem Zweck, zu demonstrieren, daß Wände nicht unbedingt vertikal sein müssen und daß zwischen Fassade und Dach eine Kante auch nicht sein muß.

Wanderung-2014-03Fast die Hälfte des Innenraums dieses Nutz-Gebäudes besteht aus einer Eingangshalle (bis zum Dach). Als ich das entdeckt hatte und weiterging, merkte ich, daß das Gebäude noch eine zweite, ebenso große Eingangshalle enthält.
Wieviel Netto-Nutzfläche in dem Gebäude enthalten ist, müßte man mal ausrechnen.
Nicht für Bewohner und Nutzer von Gebäuden bauen die Architekten, sondern für Architekten.

Wanderung-2014-04Nachdem die Zementfabrik Carstanjen verschwunden war, bildete sich zwischen Carstanjens Garten (Park an der Mülleimer Straße) und der Bismarckstraße eine Brachfläche, auf der Kräuter und Sträucher wucherten. Zuletzt war diese Fläche von Birken, den am schnellsten wachsenden Bäumen, dominiert. Ein richtiger Birkenwald war entstanden. Warum hat man es nicht dabei belassen, der Vegetation freies Mitwirkungsrecht bei der Gestaltung der Stadtlandschaft zu überlassen? Doch es gilt das fatale Prinzip „Wo Fläche, da Planung“.
Da steht jetzt als Folge von Baulärm eine Bildungs-Fabrik (rechts), und Carstanjes Garten ist zu deren Vorgarten geworden, also vergrößert, aber nicht verschönert – besonders bei so trübem Wetter.
Im Hintergrund: Das runde Haus mit schiefem Dach ist auch von Foster.

Wanderung-2014-05Das Zentrum für Berufliche Bildung und Weiterbildung (ZBW) ist anscheinend kein Hort der fröhlichen Wissenschaft. Ein solcher müßte anders aussehen.

Wanderung-2014-06Das beste an dieser Architektur ist das Unkraut, das vor ihren Portalen wuchert.

Wanderung-2014-07Ich will ja gar nicht bestreiten, daß diese Architektur ihren eigenen ästhetischen Reiz entfaltet. Er würde sich steigern, wenn der Architekt anschließend sein Werk einpacken und wieder mitnehmen würde.

WIRD FORTGESETZT.

Gestern in der Stadt

Mai14-1Bahnhof gesperrt.
Weil am Vormittag die NPD demonstrierte (am Abend dann auch „Pro NRW“), waren die Zugänge dem Hauptbahnhof von der Polizei gesperrt. Zugreisende mußten Umwege in Kauf nehmen.
Gegen den Aufmarsch der Faschisten wurde am Vorabend und am Vormittag des 1. Mai demonstriert (s.u.). Auf dem König-Heinrich-Platz stellte Duisburg sich quer mit einem Kulturprogramm. Das Kammerorchester des Philharmoniker und zum Schluß die Bröselmaschine.

Mai14-2Ein kluger Mann hat mal in einem Interview gesagt (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „In der heutigen Zeit kann ein Musiker nicht unpolitisch sein.“
Ein interessanter Satz! Er hat nicht gesagt: „Ein Musiker muß politisch sein“. Er hat gesagt: „Ein Musiker kann nicht unpolitisch sein.“ Der Satz kann für Künstler allgemein gelten.
Der kluge Mann war Peter Bursch.

Mai14-3Menschen auf dem König-Heinrich-Platz, die lieber anderen zuhören als den Haßpredigern.

Mai14-4Mai14-5Die Parolen der Rechten sind uns zuwider. Wir haben eine andere Einstellung zum Menschen, eine andere Vorstellung vom Leben als NPD etc. Wir denken, wir fühlen, wir wollen das Gegenteil.
Das kann man deutlich hören.

„About the Flowers an the Trees“

Eigentlich will ich am ersten richtig warmen Samstag des Jahres an der Sechs-Seen-Platte herumwandeln. Aber ich hatte keine Fahrkarte. Also bin ich durch die Straßen gewandelt.

LetzterSamstagImMaerz1Eine Freundin hatte mir gegenüber ihre Verwunderung darüber geäußert, daß ihr Gatte (Kommunist) immer nur Blumen und Pflanzen fotografiert. Heute mache ich das auch, und ich bin immer noch in der Partei.

LetzterSamstagImMaerz2Lotrechter Blick. Zenith.

LetzterSamstagImMaerz3Froh kann sein, wer hinter dem Haus einen blühenden Baum stehen hat (froh das ganze Jahr über, nicht nur in der Zeit der Baumblüte).

LetzterSamstagImMaerz4Helles Grün vor hellem Blau. Das wird sich ändern.
Kondensstreifen.

LetzterSamstagImMaerz5Im Botanischen Garten ist für Narzissen gesorgt.
„Narzissus und die Tulipan / Die ziehen sich viel schöner an, /Als Salomonis Seide“
dichtete Paul Gerhardt. (Mitten im Dreißigjährigen Krieg besang er die Schönheit des Lebens).
Im Café des Botanischen Gartens haben sich (meist ältere) Leute versammelt, um es sich gut gehen zu lassen.
Aufnahme trotz Gegenlicht gelungen.