Das Weite suchen (12-20)

weitesuchen12Das ist nicht der Kessel des Monats, sondern der Hochofen des Tages.
Aber am Hochofen habe ich ja nicht gearbeitet, …

weitesuchen13… sondern im Stahlwerk.

weitesuchen14
weitesuchen15Hier ist was los, wa?

weitesuchen16Was mich an dieser Landschaft so fasziniert: Hier sollte nichts Schönes geschaffen werden. Niemand hat überlegt, wie hier von Menschenhand etwas Schönes geschaffen werden könnte. Und das ist das Schöne.
Das werden viele nicht verstehen, namentlich die, für die die Industrie ein Moloch ist (und die sich nicht klar darüber sind, was sie der Industrialisierung verdanken).
Als ehemaliger Mannesmann-Arbeiter darf ich das sagen (und drauf pochen).
Wie es bei Tucholsky heißt:
„Ich war Stahlarbeiter, ich darf alles.“
(Sowas Ähnliches hat er gesagt).

weitesuchen17Aber auch der Auenlandschaften wegen war ich ja hier …

weitesuchen18weitesuchen19… wo die Bebauung sich an den Horizonz zurückzieht.
Es geht hier nicht um die „unberührte Natur“, sondern um das Unglück des von der Natur unberührten Menschen.

(Auch das Umformen von Erz zu Stahl gelingt durch das Erkennen und Anwenden von Naturgesetzen. Es gibt nichts Unnatürliches (nichts Übernatürliches), aber es gibt die Entfremdung von der Natur).

weitesuchen20..

Humanismus jetzt auch in Hochfeld

Der Humanistische Verband Deutschlabds (HVD) ist stolz auf sein neues Büro in Duisburg (Hochfeld) und bittet mich, auf die Veranstaltung am kommenden Dienstag aufmerksam zu machen.
Wird gemacht:
HVD-Sept-15
Den Humanistischen Verband soll man nicht verwechseln mit der Humanistischen Union.

Die beste Idee vom lieben Gott

Es gibt Atheisten, die meinen, wenn erstmal jegliche Religion verschwunden ist, dann beginnt der ewige Frieden, und wir hätten das Paradies auf Erden.

Die beste Idee, die der liebe Gott hatte, war: uns aus dem Paradies rauszuschmeißen.
Menschen im Paradies?
Das Paradies mit Menschen drin?
Nein, das kann nicht gutgehen.
Und Gott sprach:
Paradies? Okay.
Aber den Menschen kann ich das nicht zumuten.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh’ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Über falsches Denken

Das Jahr beginnt mit einem Gedicht:

ÜBER FALSCHES DENKEN

Wenn Sie denken
Da wären Tomaten
Und in Wirklichkeit
Sind da gar keine Tomaten,
Dann haben Sie
Falsch gedacht.

Nehmen Sie zum Beginn des neuen Jahres dies bitte hin als lyrische Manifestation des Materialismus. Die Überschrift könnte auch lauten: „Gegen idealistisches Denken“.
Idealisten gehen nämlich ganz anders an die Dinge heran. Der Idealist würde sagen:
„Wenn da keine Tomaten sind, dann müssen Sie nur ganz fest daran glauben, daß da doch welche sind.“
Das idealistische Denken (auch „positives Denken“ genannt) ist abzulehnen. Es suggeriert, daß die Tomate durch die Vorstellung von ihr ersetzt werden kann. Durch „positives Denken“ soll uns eingeredet werden, auch die Hungersnot und den Atomkrieg als „Chance“ zu sehen.

KEINE TOMATEN!!

KEINE TOMATEN!!

Wenn Sie glauben, da wären doch welche, sind Sie ein Idealist.

P.S.: Noch 11 Tage bis zur Lesung in der Spinatwachtel! 13. Januar! Bitte weitersagen!

Über die Natur (live)

Einige Passagen meiner Lesung in der Zeche Carl in Essen am 31. August wurden gefilmt. Heute zeige ich Euch: „Physiker“ (aus „Der Gartenoffizier – 124 komische Geschichten“).

Ton- und Bildaufzeichnung: Hafenstaedter.
Fortsetzung folgt.

Über Gott (live)

Einige Passagen meiner Lesung in der Zeche Carl in Essen am 31. August wurden gefilmt. Heute zeige ich Euch: „Den lieben Gott gibt es. Aber gibt es ihn auch wirklich?“ (aus „Wir bleiben im Bahnhof“).

Ton- und Bildaufzeichnung: Hafenstaedter.
Fortsetzung folgt.

Allgemeine Karikaturenkunde

dingenDiese Karikatur bedarf eigentlich keiner Gebrauchsanleitung für den Betrachter, sollte man meinen. Die Freude des Herrn Hansen teilen wir durchaus.
Man könnte aber doch noch darauf hinweisen, daß der hedonistische Zeichner (also: ich) mit dieser Arbeit Position bezieht gegen die spießbürgerlich-idealistische Vorstellung, wonach „Erlösung“ im Irrealen zu finden ist. Zur Veranschaulichung eignet sich eine Kaffeekanne mit Blümchenmuster bestens.

Der Opa von Neudorf

An der Ecke Gneisenaustraße/Finkenstraße steht der Opa von Neudorf und hält sein Fahrrad fest.
„Et rechnet“, sagt er betrübt. „Heute is doch Siebenschläfer. Wenn et an Siebenschläfer rechnet, dann rechnet et sieben Wochen lang.“
Und dann fügt er hinzu: „Dat is son alter Aberglauben. Der paßt nich mehr in unsere moderne Zeit rein.“

Der jüdische Witz am Sonntag

Ein bekannter Schriftsteller und Publizist, bekannt und geschätzt wegen seiner linksliberalen Haltung, hatte einen Mistelzweig über seiner Haustür aufgehängt. Ein Kollege fand das unverständlich.
„Warum haben Sie diesen Mistelzweig über Ihrer Haustür aufgehängt?“
„Das soll Glück bringen.“
„Sie sind bekannt als aufgeklärter, fortschrittlich denkender Mensch. Sie sind bekennender Atheist. Glauben Sie etwa an die Wirkung eines solchen Zweiges?“
„Selbstverständlich glaube ich nicht daran!“
„Und warum hängt der Zweig trotzdem da?“
„Er soll auch wirken, wenn man nicht dran glaubt.“

Der größte Chefkoch aller Zeiten! oder Et gibt nix, wat et nich gibt

Schon die alten Griechen wußten: Einen Fels kann man zerkleinern. Die geschicktesten unter ihnen nutzten diese Naturgegebenheit für die Bildhauerei. Wenn man einen Apollo oder eine Aphrodite in Stein darstellen will, muß man von dem Stein mithilfe von Hammer & Meißel alles das entfernen, was nicht Apollo bzw. Aphrodite ist, und übrig bleibt: Apollo bzw. Aphrodite und ein Haufen Steine. Den Apollo bzw. die Aphrodite stellt man auf einen Sockel. Aber was macht man mit dem Haufen Steine? Die Steine könnte man, zumindest hypothetisch, in kleinere Steine zerlegen, und die kleineren Steine in noch kleinere. Das hat zwar keinen Sinn, und darum tut man es nicht, aber man kann es sich vorstellen. Man kann sich vorstellen, aus den ganz kleinen Steinchen Sandkörner herzustellen und aus groben Sandkörnern feine Sandkörner, und aus den feinen noch feinere. Man kann aus Sandkörnern Staubkörner machen, und das kann man fortsetzen ad infinitum. Doch nein, sagte Demokrit. Irgendwann ist Schluß. Irgendwann hat man vor lauter Zerkleinerei ein Materieteil vor sich, das so klein ist, daß es nicht mehr zerkleinert werden kann. Dieses nicht mehr zerkleinerbare Materieteil nennt man Atom. Aus Atomen ist alles zusammengesetzt.
Die Idee des Demokrit war grundlegend für die Wissenschaft von der Materie. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes elementar. Die Weltanschauung, in die die Überlegung von den elementaren Bestandteilen der Materie einfloß, nennt man Materialismus.
Die Hypothese von den Atomen hat sich durch die Jahrtausende gehalten. Seit etwa hundert Jahren gibt es naturwissenschaftliche Erkenntnisse darüber, daß die kleinsten Bestandteile der Materie in sich strukturiert, d.h. aus Protonen, Neutronen und Elektronen zusammengesetzt sind. Dem Bohrschen Atommodell zufolge besteht das Atom aus einem Kern, bestehend aus einer – je nach Element – verschieden großen Zahl von Protonen und Neutronen, und einer Hülle, bestehend aus Elektronen, die den Kern umkreisen.
Eine Zeichnung dieses Atommodells hat jeder schon einmal gesehen. Aber diese Darstellung ist sehr schematisch. Sie gibt nicht die wahren Größenverhältnisse wieder. Wenn wir uns vorstellen, der Atomkern hätte die Größe einer Erbse, dann wäre die Umlaufbahn des Elektrons vielleicht zehn Meter von diesem Kern entfernt. Und dazwischen?
Tja. Das ist die Frage, von der ich bisher nicht ahnte, welch große Rolle sie für alle Angelegenheiten des Daseins spielt. Fast hätte ich gesagt: Dazwischen ist nichts. Wie leichtsinnig!
Auf den Boden der Materie zurückgeholt hat mich ein Artikel in der Roten Fahne. Das ist, wie Sie wissen, das Wochenblatt des Freizeitvereins MLPD, was soviel wie MüllPD bedeutet, aber selbst gern „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands“ genannt werden will. Diese Vereinigung fühlt sich nicht einfach bloß dem Vermächtnis der Klassiker des wissenschaftlichen Sozialismus, in aufsteigender Linie Marxengelslenin, Stalin, Mao verpflichtet, sondern vor allem dem Vermächtnis des Lehrmeisters der Klassiker. Und das ist? Sagen Sie bloß, Sie wissen es nicht! Willi Dickhut.
Der Roten Fahne verdanke ich die Einsicht, daß das Bohrsche Atommodell ein raffinierter Propagandatrick der Kapitalisten ist, die der Arbeiterklasse einreden wollen, daß die Materie größtenteils aus leerem Raum besteht. Aber wo kämen wir da hin! Der fundamentale Satz der Lebenserkenntnis, der da lautet „Et gibt nix, wat et nich gibt“ wird in der Roten Fahne auf geradezu dialektische Weise zu der These erhoben: Nichts gibt es nicht. Überall ist etwas. Also auch zwischen Atomkern und den Elektronen befindet sich Materie. Die Arbeiterklasse soll sich bloß nicht mit so’n bißchen Atomkernen und Elektronen abspeisen lassen!

Mithilfe des Bohrschen Atommodells versuchen die Kapitalisten, die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu schwächen.

Die Rote Fahne veröffentlichte einen Briefwechsel mit dem Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle. Der schrieb, sinngemäß: Es ist ja sehr schön, daß Sie in Ihrer Zeitung auch naturwissenschaftliche Themen behandeln, aber so wie Sie das darstellen, ist das falsch. Doch die Rote Fahne konnte auftrumpfen: „In den 40er Jahren wurde die Existenz dieser Materieebene von W. Dickhut umfassend aus dem damaligen Stand der Physik abgeleitet und als kontinuierliche Materie gekennzeichnet.“
Donnerwetter! Er hat also nicht nur, was wir ja schon wußten, dem Karl Marx das Kapital erklärt und auf Lenins Frage „Was tun?“ die Antwort gegeben. Mehr noch: Er hat Einstein und Newton vom Kopf auf die Füße gestellt! Wir können also neue Hoffnung schöpfen, daß auch noch die letzte Frage „Wo kommen die Löcher im Käse her?“ abschließend beantwortet wird.

aus DER METZGER 72 (2005)

Carpe diem

Der griechische Philosoph Epikur lebte wahrscheinlich von 341 bis 270 v.u.Z. Er darf als einer der Begründer des Materialismus gelten. Die Atomtheorie des Demokrit, wonach die Materie sich aus kleinsten, unteilbaren Teilen zusammensetzt, griff er auf und entwickelte sie weiter. Die Materie sei eine veränderliche Zusammensetzung unveränderlicher Atome. Auch die Seele, die im ganzen Körper vorhanden sei, auch die Götter seien Gebilde aus Atomen. Für ihn war nur die wahrnehmbare materielle Realität Quelle der Erkenntnis. Den Glauben an Schöpfung und Vorsehung, an die Lenkung des Menschenschicksals durch die Götter lehnte er ab.

Epikur, Louvre

Epikur ist der Nachwelt am meisten dadurch bekannt, daß er die Freude am Leben für den eigentlichen Sinn des Lebens hielt. Die höchste aller Lüste ist die Lust zu leben selbst. Um sie zu entfalten, muß die Furcht überwunden werden, so auch die Furcht vor den Göttern. Die Freundschaft war für Epikur die der Daseinsfreude am meisten förderliche Art der zwischenmenschlichen Beziehung.
Um sein bescheidenes Haus in Athen legte er den Garten Kepos an, wo er seine Schüler und Anhänger empfing. Darunter waren, ganz den Konventionen der Zeit widersprechend, auch Ehepaare, Frauen (Hetären) und Sklaven.
Gerüchte über Exzesse im Garten Kepos zeigen das Unverständnis der Zeitgenossen. Denn im Garten Kepos sollten die Begierden nicht gereizt, sondern gestillt werden.
„Einen guten Koch erkennt man an den einfachen Gerichten“, lautet ein Sprichwort. Epikur meinte: Zum Lebensgenuß gelangt der an ehesten, der auch fähig ist, sich zu bescheiden. Die sinnlichen Begierden sollten sich zunächst auf die kleinen, leicht erreichbaren Freuden richten. Nach dem Unerreichbaren zu streben ist töricht. Die Gier steht der Lust im Weg. Wer zum Genießen viel braucht, dem fehlt die Fähigkeit zum Genießen. Der Genußfähige wird einem Stück Brot mehr Genuß abgewinnen als der Gierige einem üppigen Mahl. Es verlangt uns nicht nach aufwendigen Gerichten; Es verlangt uns nach guten Köchen.
Man wird leicht auf den Gedanken kommen, daß in der Hippie-Kultur des Zwanzigsten Jahrhunderts, vom Zeitenwandel nicht unberührt, der Hedonismus der Epikureer am authentischsten umgesetzt wurde, ein Hedonismus, für den der Verzicht auf materiellen Überfluß charakteristisch ist.
Die Freuden des Lebens sind in großen und kleinen Varianten zu erleben. Es gibt die Große Liebe, die erfüllende, ausschließliche zu dem oder der einen Einzigen, und die kleine, von der wir nicht alles erwarten, wohl aber das Gefühl der Leichtigkeit. Es gibt das große Glück und das kleine. Das große Glück, das ist der Olympiasieg, der Nobelpreis, der Große Wurf. Das kleine Glück, das ist die Freude des Briefmarkensammlers auf den Feierabend, das ist die Freude der Kaffeetanten bei Dobbelstein.
Ist das eine weniger wert als das andere? Man kann einem Menschen das Leben retten und erntet ewige Dankbarkeit. Man kann einer Dame den Vortritt lassen und erntet ein freundliches Lächeln.
Epikur schrieb diesen Satz: „Die Einsicht lehrt, daß es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.“
Der Akkord von Einsicht, Gerechtigkeit und Lust sollte denen etwas bedeuten, die für eine gerechtere Ordnung der Gesellschaft sich verwenden. Den Stoikern der Revolution, den Tugendpredigern, die bereit sind, jedes Opfer zu verlangen, und von denen eine Gleichheit in Kargheit zu befürchten ist, muß entgegnet werden, daß das Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit seinen Sinn hat im Streben nach Glück, dem fernen und dem nahen.
„Der göttliche Epikur und die Venus mit dem schönen Hintern müssen statt der Heiligen Marat und Chalier die Türsteher der Republik werden“, läßt Büchner den Démoulin auf der Bühne sprechen.
Die Venus mit dem schönen Hintern sieht man nicht im Goldenen Anker. Ich sehe sie in der Warteschlange an der Kasse im Supermarkt vor mir stehen. Natürlich nicht immer. Es kann ja auch sonstwer vor mir an der Kasse stehen. Aber ich lasse gern einer Dame den Vortritt.
aus DER METZGER 97 (2011)