Früchte am Freitag

Letztens hatten sie bei Aldi Feigen. Ich habe sofort eine gekauft.
Das kommt selten vor, daß Feigen in einem Supermarkt angeboten werden. Sowas gab’s früher höchstens mal bei Kunefke auf der Oststraße.
Feigen sind auch eine sensible Ware. Sie sind druck- und stoßempfindlich, und sie müssen am selben Tag verzehrt werden.
Am nächsten Tag gab es dann nochmal Feigen. Auch diesmal kaufte und genoß ich eine.
Aber seither gab es dort keine Feigen mehr und auch sonst nirgendwo, wo ich einkaufe. So wurde es also, versäumt, eine von den raren Früchten abzubilden für die Rebrik der Freitags-Früchte.

Die Feige soll zu Ehren kommen in Gestalt der Confiture. Umgebung: Paßt.
Damit wäre auch das geklärt.

Good old everlasting Sternbuschweg. Oktober 2020


Rechts im Bild: Da stand früher die geheimnisvolle Auto-Zubehör-Fabrik – wie hieß die noch? Das wußte ich mal. Die hätte man ruhig stehen lassen und verfallen lassen können, geeignet als Spuk-Fabrik (es müssen ja nicht immer Spuk-Schlösser sein).
Der anstelle aufgestellte Supermarkt ist bekannt für hohe Preise.
Wissen Sie, wie die Fabrik hieß? Dann sagen Sie es mir, zur Vervollständigung meiner Erinnerungen.

Plastic People

Das war abzusehen, da hätte man Gift drauf nehmen können, darauf hätte man wetten können. Die „Wohlfühl-Empörer“, die „besorgten Bürger“, die wachsamen Nachbarn, die Aufpasser, die Emanzen und die ihnen hörigen Musterknaben, die Amokläufer der Moral, die Heuchler sind immer bereit, Entrüstung abzuliefern – und von ihren Mitmenschen Mit-Entrüstung einzufordern. Beim Verteufeln des Eros müssen und wollen sie alle (und sollen wir) nicht abseits stehen.
Denen werde ich nicht den kleinen Finger reichen. Tun Sie es auch nicht.

Die Reklame der Netto-Supermarktkette ist von einer geradezu rührenden Harmlosigkeit. Die könnte man, wenn es ein Film wäre, doch ab 6 Jahre freigeben. Aber alles, was irgendwie an Sex erinnert, führt zu reflexhaften Abwehr-Reaktionen. Alles, was irgendwie an Sex erinnert, ist „sexistisch“. Unterschiede werden nicht gemacht; jedes Maß für Verhältnismäßigkeit geht verloren.

Plastic People – oh Baby now you‘re such a Drag.

Good old everlasting Sternbuschweg. Juni 2019


Das ist ja eigentlich kein sehr schönes Bild. Es ist ein Bild von einem eigentlich nicht sehr schönen Haus, das am Sternbuschweg steht (Ecke Nettelbeckstraße). Wenn ein Supermarkt nicht der einzige Teil eines Gebäudes ist, kommen derlei Wohnungen zustande.
Im Parterre befand sich nämlich mal ein Supermarkt, nämlich Schätzlein. Später hieß das „Extra“, aber man sagte immer noch Schätzlein. Das war etwa hundert Meter Luftlinie vom Buchladen entfernt, da konnte ich immer in der Mittagspause schnell einkaufen gehen.
Eines Tages machte ich mich auf den Weg nach Schätzlein/Extra und sah dort eine Menschenmenge! Durch einen Aushang wurde bekanntgegeben: Der Laden wird geschlossen, darum wird alles (außer Tabakwaren) zum halben Preis verkauft. Ich also hinein, und ich kaufte mehr, als ich ursprünglich kaufen wollte: Confitüren, Gewörze, Piccolöchen, alles Sachen, die sich lange halten, zum halben Preis! Konserven, Nudeln (nur nicht Penne, die kosteten bei Aldi weniger als die Hälfte). Ich wollte die Sachen in Sicherheit bringen, um dann gleich nochmal hier einzukaufen, nochmal so viel wie ich an haltbaren Lebensmitteln tragen konnte. Aber an der Kasse mußte ich lange warten, es war eine lange Schlange.
Bei meiner zweiten Annäherung traf ich den Chlada. Der fragte: „Was ist denn hier los?“ Ich sagte: „Wir spielen hier DDR. Lange Schlangen, leere Regale.“ Wir dürfen uns sowas erzählen, weil wir ja Kommunisten sind. Andere sollen sich hüten!
Das alles ereignete sich in dem Monat, als Obama zum Präsidenten der USA gewählt wurde, 2008, vor über 10 Jahren. Seitdem steht das große Ladenlokal leer. Wenn Sie mal jemanden erklären müssen, was „Marktwirtschaft“ ist, dann zeigen Sie dem dieses Bild.

Übrigens: In dem Laden war auch eine Bäckerei, die hatten gutes Brot. Eines Tages hing ein Schild im Fenster: Diese Filiale schließt. Aaaaber Sie können unsere frischen Backwaren ganz in der Nähe bekommen – in Hochfeld.
In Hochfeld! Ganz in der Nähe! Warum nicht gleich auf der anderen Rheinseite? Morgens vor dem Frühstück für frische Brötchen nach Krefeld! Oder nur mal eben die Ecke rum nach Aachen!

Der Pudding im Wandel der Zeiten

Letztens habe ich bei Edeka gesehen: Es gibt noch Puddingpulver!
Puddingpulver, kennen Sie das? Es gibt immer noch die kleinen Tüten mit dem Pulver da drin. Während der Wirtschaftswunderzeit teilten sich die Marken Reese und Doktor Oetker das Monopol. Auf der Reesepuddingtüre war ein Gutschein für einen Pfennig aufgdruckt, einzulösen gegen bar an der Ladenkasse (wenn man 50 Gutscheine beeinanderhatte – da mußte man viel Pudding essen, um zu Geld zu kommen). Auf den Tütchen mit Backpulver und denen für Vanillezucker war ein Gutschein über einen halben Pfennig.
Auwm Steinbart-Gymnsium in der Mittelstufe hatten wir einen Sportlehrer, der hieß Rehse, genannt „Pudding“ „Bei wem habt ihr Sport?“ – „Beim Pudding.“ Das war so‘n Möchtegern-Playboy. Immer wenn der über den Schulhof ging, tönte es aus allen Richtungen: „Pudding!“ „Pudding!“
1962 kam ein neues Pudding-Gefühl ins Werbefernsehen, das war der Saroma-Pudding. Das war ein Instant-Pudding. Da mußte man nur das Pulver in die Milch schütten und umrühren – und fertig war der Pudding. Der kam zur selben Zeit auf wie Nesquick.
Die Kinder mochten den Saroma-Pudding, aus Geschmacksgründen. Die Hausfrauen lehnten den Saroma-Pudding einhellig ab, aber mehr aus ethischen Gründen. Denn: einfach bloß umrühren ist doch keine Kunst, das kann ja jeder. Inzwischen kann jeder fertigen Pudding im Supermarkt kriegen. Wenn wir früher nach Holland gefahren sind, haben wir nicht nur Tabak, Tee, Kaffee, Rizla und Mascotte geholt, sondern auch Vla (in Glasflaschen!) und auch Pindakaas, chinesische Gewörtze – und überhaupt.
Für wen wird Puddingpulver noch hergestellt? Das beschränkt sich doch auf eine Generation, die noch Wert darauf legt, daß Weiterlesen

Meine Probleme mit der Menschheit

Letztens dachte ich: Ach, ich geh mal heute nicht erst am Abend nach Edeka einkaufen, sondern schon heute Mittag. Und das war eine gute Entscheidung.
Als ich meine zwei (gefundenen) Pfandflaschen in den Pfandflaschenautomaten stecken wollte, hing da ein Pfandbon aus dem Pfandbonschlitz raus. Wert: 3,10 Euro!
Wie kann das sein, daß jemand sich immerhin die Mühe macht, Leergut im Wert von 3,10 Euro nach Edeka zu bringen, es dort in den Leergutautomaten zu stecken, sich sogar noch den Pfandbon ausdrucken läßt, den aber einfach da hängen läßt. Was geht in einem Menschen vor, der sich so verhält?
Eigentlich kann mir das ja auch egal sein. An dem Tag habe ich bei Edeka günstig eingekauft.

..

Gerechtigkeit auf Erden

Das ist ja wirklich komisch:
Am Dienstag kaufte ich bei Edeka Nektarinen. Kilopreis: 1,99. An der Kasse wurde aber der Kilopreis 2,99 berechnet (weil die Kassiererin die Nektarinen in der Tüte für Pfirsiche gehalten hat. Das merkte ich erst, als ich mir zu Hause den Kassenzettel anguckte). Darüber habe ich mich nicht gefreut.
Am Freitag kaufte ich wieder bei Edeka Nektarinen. Jetzt war als Kilopreis 2,99 angegeben. Naja. Aber auf dem Kassenzettel stand dann als Kilopreis: 1,99!
Ob da der liebe Gott seine Finger im Spiel hatte?
Nicht, um mir zu mehr Geld, sondern zum Glauben zu verhelfen?

Gestern bei Aldi…

… ein paar Sekunden vor 8.
Kasse 1 hat schon geschlossen. Kasse 3 schließt auch. Keine Kasse mehr in Betrieb! Die Kassiererinen streiten: „Ich habe geschlossen.“ – „Nein, ich.“
Die von Kasse 3 lacht: „Kommen Sie mal zu mir.“
Das wollte ich sowieso. Weil sie so fantastisch aussieht!
Als dann alles übers Band ist und kassiert und Wechselgeld zurück, da sagt sie:
„Sie sehen aus wie der Weihnachtsmann.“
Gerade kennen wir uns, und sie weiß schon, wie man mir die Laune verderben kann. Es gibt Tage, Wochen, Epochen, da ist jedes überflüssige Wort überflüssig. Aber sie ist so schön, und das weiß sie. Das goldblonde Haar, die listigen Augen, das überlegene Lächeln. Sie ist schön. Und darum sage ich:
„Ich BIN der Weihnachtsmann.“
Und dann erzähle ich noch schnell, daß Kinder mich schon mal gefragt haben, ob ich der Weihnachtsmann bin, und ich habe denen „ja“ gesagt und sie aufgeklärt: Der Weihnachtsmann ist ein ganz normaler Arbeitnehmer, „und ich habe jetzt Urlaub.“
„Und was machen Sie beruflich?“
„Ich bin Schriftsteller.“
„Ahhh!“ ruft sie, als ob das was Besonderes wäre.
Es IST was Besonderes. Ich bestreite nur, daß es was Besonderes ist.
Und wenn sie mich gefragt hätte, worüber ich schreibe – was hätte ich sagen können?
„Ich erzähle von meinen Erlebnissen an Supermarktkassen.“

DAS hat sie mir gegeben

DAS hat sie mir gegeben

Schuldenfalle

Bei Aldi. Ich will die Pfandflaschen in den Plastikflaschen-Zerknirsch-Automaten schieben. Hier steht eine Frau, blond, Haar strähnig, Alter undefinierbar. Bestimmt ist sie jünger als sie aussieht. Daß Alkohol Alter und Aussehen in ein Mißverhältnis gebracht hat, fällt auch bei flüchtigem Hinsehen auf. Sie hat einen Trolli bei sich. Es kann sein, daß der alle ihre Habseligkeiten enthält. Sie scheint, als wäre sie vor die Tür gesetzt worden.
Plötzlich schreit sie:
„Arschloch! Schulden!“
Sie hat einen Wutanfall. Sie flucht, und immer wieder kommen die Kernbegriffe „Arschloch!“, „Schulden!“ Da sie nicht weiß, wie man in eine solche Lage kommt, und auch nicht weiß, wie man aus einer solchen Lage wieder rauskommt, flucht sie – auf alles.
Sie hat sich entfernt. Aber eine Minute später höre ich von der hinteren Ecke des Ladens wieder ihr Geschrei:
„Arschloch! Schulden!“
Später sehe ich sie nochmal. Sie steht am Rand des Sternbuschwegs und schreit jedem vorbeifahrenden Auto zu: „Du verdammtes Arschloch du!“

Good old everlasting Sternbuschweg

Good old everlasting Sternbuschweg

Die geheimnisvolle Aldi-Kassiererin

Wer verrät mir das Geheimnis der geheimnisvollen Aldi-Kassiererin? Die ist mir aufgefallen, weil sie immer besonders freundlich zu mir ist.
An einem Samstagnachmittag schob ich meinen noch leeren Einkaufswagen in den Laden hinein. Sie stand im Eingangsbereich und schaute mich fröhlich und zugleich erstaunt an: „Sie kommen aber heute schon früh. Sonst kommen Sie doch immer erst später.“
Das ist doch ungewöhnlich, daß sie registriert, zu welcher Tageszeit ich für gewöhnlich einkaufe, zumal die sich darauf doch gar nicht einzurichten braucht. Seither registriere ich sie nicht mehr bloß als eine nette, hübsche junge Frau, als eine sympathische Aldi-Kassiererin, sondern als eine, die mich anscheinend kennt. Bloß woher? Muß ich die kennen? Wohnt die in der Nachbarschaft? Wohnt die vielleicht bloß ein Haus weiter? War die schon mal bei mir in der Buchhandlung? Nein, das wäre mir unvergeßlich.
Sie ist schlank, etwas kleiner als ich, hat streng zurückgestecktes Haar und einen buschigen Pferdeschwanz. Ich finde sie hübsch. Aber, verdammt nochmal, wer ist das?
AldiSternbuschwegOder bilde ich mir bloß was ein? Gewiß, es gibt junge Frauen, die was für ältere Herren übrig haben (ich weiß das). Aber ich bin doch nicht der einzige juvenile Sechziger, der hier durch den Laden zu rauschen pflegt. Ist das die Tochter von jemandem, den ich kenne? (Hoffentlich liest die das jetzt nicht. Dann denkt die vielleicht: Meingott, weiß der Trottel denn wirklich nicht, wer ich bin).
Nein, ich bilde mir das nicht bloß ein. Ich stellte mich an der Kasse an, wo sie kassierte. Sie sah mich und strahlte mich an, winkte mir zu. Vor mir standen sechs oder sieben Leute. Denen hat sie nicht von Ferne zugewunken. Ich hab ihr auf den Busen geschaut und so erfahren, wie sie heißt (da hing ein Schildchen). Der Name sagt mir nichts. Ihren Vornamen erfuhr ich, als ihre Kolleginnen mit ihr sprachen.
Sie ging festen Schrittes durch den Laden, an mir vorbei, und grüßte mich freundlich: „Hallo!“ Sie ist an zwanzig anderen vorbeigeschritten, aber nur mich hat sie gegrüßt.
Sie ist mir aufgefallen, weil sie dem Filialleiter etwas zurief. Es klang wie ein Tadel – wegen irgendeiner nicht vorhandenen Ware, und der Filialleiter rechtfertigte sich ein wenig kleinlaut vor ihr. Ist das die Tochter von Herrn Aldi? Eine gute Partie. Jedenfalls ist sie couragiert. Das liebe ich bei Frauen.
Mir fällt ein: Als in der WAZ ein größerer Artikel über mich stand und ich bald darauf vom WDR-Fernsehen interviewt wurde, wurde ich noch monatelang von wildfremden Menschen darauf angesprochen (meistens bei Aldi): „Ich hab Sie in der Zeitung gesehen.“ „Ich hab Sie im Fernsehen gesehen.“ Vielleicht darum? Bin ich ein Neudorf-Patron, der die Aldi-Filiale am Sternbuschweg beehrt?
Ich stellte mich immer an der Kasse an, wo sie kassierte. Aber einmal hauchte die Stimme aus dem Lautsprecher: „Liiebe Kunden, Kasse zwaaii schliießt. Bitte niicht mehr auflegen.“ Die wollen uns auseinanderbringen.
Doch meistens war ich schnell genug bei ihr. Sie gab mir das Wechselgeld und den Kassenbon, schaute mich an, sagte sehr betont: „Und einen schönen Tag noch!“ und kniff mir ein Äugsken. Mädchen, sag mir endlich, wer du bist!
Sie räumte flink Waren ins Regal. Ich blieb stehen und schaute ihr dabei zu, die ganze Zeit. Sie merkte das und schmunzelte vor sich hin. Einen schönen Popo hat sie auch. (Hoffentlich liest die das jetzt).
Jetzt habe ich gehört, wie eine Kassiererin zu einer anderen sagte: „Die Nadine ist auch nicht mehr hier. Die ist jetzt in der Filiale in Meiderich.“
Irgendjemand muß der vorgelogen haben, ich wäre nach Meiderich umgezogen.