North by north-west

Gestern begab ich mich rechtzeitig auf die Überlandfahrt, weil ich zu einer Lesung auf der anderen Rheinseite eingeladen war. Die Rhein-Überquerung ist eine Art Vorform der Atlantiküberquerung (man muß unbedingt rechtzeitig abbremsen).
Der Autobus verließ Rheinhausen und hatte Krefeld noch lange nicht erreicht. Ich stieg dann aus, und glauben Sie mir: In nördlicher, südlicher, westlicher und östlicher Richtung war weit & breit nicht ein einziges Gebäude zu sehen. Spuren menschlicher Besiedlung waren allerdings sichtbar: Weite, bis an den Horizont reichende Felder. Ein Weizenfeld mit noch halbhohen, grünen Halmen, und ein frisch umgepflügtes Feld, richtig mit Saatkrähen. Das war wie in dem Hitchcock-Film „North by northwest“ („Der unsichtbare Dritte“). Es fehlte nur noch das Insektengift-Flugzeug.
Mit mir war ein freundlicher, weißhaariger „älterer Herr“ aus dem Bus gestiegen, der mich nach dem Weg zum Stellwerkhof fragte, wo ich ja auch hin wollte. Das war dann später einer der Zuhörer meiner Lesung.
Eine wirklich schöne Landschaft. Leider hatte ich meine Fotokamera nicht eingesteckt.

Gestern, heute, morgen

Gestern: der Himmel über Neudorf:
NeudorfHimmelNein: vorgestern!
Morgen habe ich eine Lesung in Rheinhausen.
Nein: nicht in Rheinhausen, sondern hinter Rheinhausen, Richtung Uerdingen.
Das ist eine geschlossene Gesellschaft. Ich muß mir also gar nicht die Mühe machen, den Weg zu beschreiben. Die Mühe besteht stattdessen darin, den Weg zu finden.
Wenn man Google Maps / Google Earth folgt, dann scheint das eine völlig unbewohnte Gegend zu sein. Ich weiß, daß zwischen Rheinhausen und Krefeld auch irgendwo ein paar Gebäude stehen – zumindest standen. Wie soll ich mich da zurechtfinden – wo das ja auch noch auf der anderen Rheinseite ist!
Wie gesagt: Das ist eine geschlossene Gesellschaft. Für die Öffentlichkeit ist darum nur von Interesse, daß morgen, Freitag, 8. Mai 2015, der Buchladen am Nachmittag geschlossen ist – um wenigstens darauf hin zu orientieren.
Allgemein gilt: Der Autor steht für Lesungen zur Verfügung – auch im „privatem“ Rahmen („Salon“) in besiedelten Gegenden.

Dahinter kam ich (3)

wald-15-04-20Ich erinnere mich, daß man, diesen Weg gehend, freien Blick ins Nachtigallental hatte.

wald-15-04-21Wenn ich hierhin gelangt bin, war ich schon lange unterwegs. Da hinten ist eine Bank, und dort dachte ich immer: „Ach, wäre das schön, wenn man jetzt eine Zigaretten rauchen könnte.“ Aber das wäre vielleicht ein Genuß nicht ohne Reue (und sowieso ein schlechtes Vorbild) und unterblieb auch schon zu Zeiten, als ich noch Tabakgenießer war (ist gar nicht so lange her).

wald-15-04-22Und so ist, zurückgelehnt, die Perspektive, speziell im Frühling, wenn das Laub-Dach noch erst entsteht, der Blick in den Himmel noch frei und der Waldboden noch nicht laubbeschattet ist.

wald-15-04-23Die Fichte fiel um. Sie soll liegen bleiben!

wald-15-04-24Auch eine Kastanie steht hier.

wald-15-04-25Dieser Weg ist die Grenze zwischen Duisburg (rechts) und Mülheim (links, wir gehen also in südliche Richtung).

wald-15-04-26Ein Stück weiter. Hier zerschneidet eine Bahnlinie den Wald.
Oft argwöhnte man, ob der Wald die Industrie überleben kann. Inzwischen liegt es näher zu argwöhnen, ob die Industrie (wie wir sie kennen) überleben wird.
Wir überqueren aber (diesmal) nicht die Bahngleise, sondern gehen rechts runter durch das Nachigallental.

wald-15-04-27Die Kiefern und Fichten, die von hier aus zu sehen sind, stehen in einem unzugänglichen Bereich. Aus keiner Richtung führt ein Weg dort hin. Sowas müßte es mehr geben.

wald-15-04-28Die Bäume stehen noch nicht im vollen Laub und lassen noch viel Sonnenlicht hindurch. Der Bach glitzert silbern. Ein Naturschapiel, das hier nur im Frühling zu sehen ist.

wald-15-04-29Man erreicht den „Forellenteich“, und damit der Wanderer nicht da reinfällt, hat man einen Zaun hingestellt – zum Glück nicht in der Zaun-Architektur der 80er Jahre!

wald-15-04-30Der Forellenteich besteht aus zwei Teichen, dem oberen und dem unteren.
In den Jahren seitdem ich hier gern unterwegs bin habe ich beobachtet, wie der Bach, der in den Teich fließt, Sand dort hineingeschoben und eine Halbinsel geformt hat, auf der nicht nur Schilf und Gräser, sondern auch Bäume wachsen.
Ob in dem Forellenteich Forellen sind oder jemals waren, weiß ich nicht.

wald-15-04-31In den unteren Forellenteich springen gern Hunde hinein.

wald-15-04-32Nicht nur in den Wäldern will ich sein, auch hinter ihnen.
Ich wollte immer schon dahinterkommen.

Dahinter kam ich (2)

wald-15-04-13wald-15-04-14Der „Heilige Brunnen“ (so heißt das immer noch).
Regenwasser, das durch die Sandschichten versickerte und auf eine wasserundurchlässige Lehmschicht traf, so daß es am Südhang dieser Anhöhe wieder zutage trat. Also kein Wasser aus tieferen Schichten (sog. Mineralwasser) mit eventuell heilender Wirkung. Zur Kultstätte (in natursteinerner Monumentalität) wurde diese Stelle erst in den 30er Jahren erhoben.
Da hat man dann Kurzbehoste hingeleitet, damit die hier andächtig herumstehen und lauthals irgendwas schwören.
„Kein Trinkwasser“ steht in Stein gemeißelt da drüber.

wald-15-04-16Das Rinnsal hat ein richtiges Tal in die Landschaft geschnitten. (Nimm dir Zeit).

wald-15-04-17wald-15-04-18Dort, fern des Weges, entstand damals (1978) der legendäre 360-Grad-Schwenk zum Ende des Films „Le Onze Mai“ (Hut-Filmproduktion, auf DVD erhältlich).
Wer nicht weiß, daß damals die Kamera hier sich drehte, würde heute es nicht erkennen. Der halbzerfallene Hochsitz ist jetzt ganz zerfallen.

wald-15-04-19Mir fällt ein: Meine liebe Freundin Lina hat über einen Spaziergang auf diesen Wegen eine ihrer Kurzgeschichten geschrieben. Eine hochprickelnde, tieferregende Geschichte! Ist sowas möglich, über einen Waldspaziergang eine Erotik-Story zu schreiben? Ja. Die kann sowas.

Wird fortgesetzt.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Alles war, nix is mehr (3)

Im vorigen Jahr bin ich nur einmal im Wald gewesen. Dann kam ein Sturm, und in den folgenden Monaten wurde wegen der Gefahr durch herunterstürzende Äste vom Betreten des Waldes (mehr oder weniger administrativ) dringend abgeraten. Erst im Spätherbst wurde der Wald wieder „freigegeben“, aber dann gehe ich kaum in den Wald, weil es dann so früh dunkel wird.
In diesem Jahr kam der Frühling wieder mit einem Sturm, der Äste zerbrach. Wieder hieß es: Meiden Sie erstmal den Wald.
Also verlegte ich meine Erkundungsgänge vollends in die besiedelten Teile meiner Heimatregion – ohne Bedauern, weil für mich seit je das Erkunden zwischen Mauern dem Erkunden zwischen Bäumen mindestens gleichrangig ist.
Allerdings birgt auch die Großstadt Ast-Gefahren (erinnern Sie sich an Ödön von Horváth).

nixis11Hohe Straße, also in „bester City-Lage“: Hinter den gelben Klinkersteinen war der erste (und eigentlich auch einzige jemalige) Head Shop, gegründet 1971 von Lutz Ringer (Bröselmaschine). Monatsmiete: 500 Mark. Zwei Räume. In den hinteren Raum drang nur die informelle Tee-Gesellschaft vor. Der Laden hieß „Knubbels Garten“, weil er Teil des Törn-Projekts „Knubbel Afa“ war. In der Zeit seines Bestehens an dieser Stelle (!) war Knubbels Garten einer meiner Lieblings-Aufenthaltsorte.

nixis12Gegenüber davon: Damals war das ein Pommes-Restaurant: Nix als eine Pommes-Bude, aber groß wie ein Restaurant. Hieß: „Pferdestall“ (wohl wegen der rustikalen Holz-Innenarchitektur) und war ein „Szene-Treff“ (wie man heute sagen würde). Ja: die „Freaks“ ernährten sich teilweise auch von Pommes Frites und Curry-Freakadellen und derlei. Da war man noch ganz unverkrampft.
Später war da drin dann ein Französisches Restaurant. Die hatten sogar einen Michelin-Stern.
Und jetzt ist das da. Kurz nachdem ich das Foto aufgenommen hatte, ging da so’n Kerl rein mit Kampfhund. Wenn der ohne den Hund gewesen wäre, hätte ich gedacht: Jetzt fehlt nur noch der Kampfhund.

nixis13Rudi Kalamees zog mit seinem einträglichen Schallplattenladen „Disc“ auch auf die Hohe Straße, in den Eck-Laden am Buchenbaum. Der hatte mehr Platz als er brauchte und einen zweiten Eingang. Also zog Knubbels Garten ein paar Häuser weiter als Rudis Untermieter (Monatsmiete jetzt 300 Mark). Knubbels Garten war, wo jetzt „Sun Express“ drüber steht.
Niedrigere Miete klang verführerisch. Und von dem viel frequentierten Plattenladen (nur Freak-Musik) kam man direkt in den Head Shop, ohne trennende Tür dazwischen. Aber so gut war das nicht. Man kam sich plötzlich vor wie in einer Kneipe, in der aber nichts richtig funktioniert. Außerdem: Nachbar zur Rechten war das berüchtigte Prosesse (was ein Anagramm von „Espresso“ ist) für Hardcore-Freaks. Da war es mit der Ruhe vorbei.
Und: Rudi Kalamees war ein Katastrophen-Mensch. Katastrophen Menschen leben nicht nur in der Katastrophe, sondern ventilieren sie auch.
Den Plattenladen machte er zu und stattdessen dort eine Kneipe auf mit dem phantasievollen Namen „Pub“. Da wurde er aber bald ausgebootet, nachdem er den Lutz und seinen Head Shop ausgebootet hatte. Die Frühgeschichte enthält nicht nur Ruhmestaten.
Der wohnte da auch nicht mehr über dem Laden. Da wohnte dann der Karl Hellbach (Bruder von dem Bröselmaschine-Schlagzeug-Tushita-Mike Hellbach). Der hatte sein Zimmer (Fenster über der Kneipentür) ganz schwarz tapeziert. Das machte nichts, denn ich mußte da ja nicht länger bleiben als ab und zu mal zu Besuch.

Knubbels Garten ging kaputt durch zu viel Kollektivität (jawohl!). Außerdem hatte Inhaber Lutz sich auf den Weg gemacht zu einem längeren Auslandsaufenthalt, ohne die Vertretung zu regeln. Ich war damals mit meinem Zivildienst noch nicht zu Ende und hatte tagsüber keine Gelegenheit, den Laden unter eigener strenger Regie zu leiten. Ich hätte erstmal die ganzen Schnorrer rausgeschmissen, die immer die Einnahmen des Vortages verfrühstückten.
Exkurs: Den Eschhaus-Buchladen habe ich als eine Chance gesehen, die kurze Tradition von Knubbels Garten wieder aufzugreifen. Aber da haben wir (Magda und ich) gesagt: Da lassen wir uns von keinem reinreden! Hier herrscht die Autokratie der Künstler! Das haben manche uns übelgenommen.

SpiegelAnneDer Spiegel berichtete sogar über das ins Chaos abgleitende Projekt. Aber darüber habe ich hier ja schon mal berichtet (ja! Klicken Sie!). Der türkise Pfeil zeigt auf Anne.

nixis14An der Ecke war ein Espressomaschinen-Café. Und was ist da heute drin? Ein Friseurladen. Natürlich.

nixis15In der Galerie Kugel sind Originale von Uecker ausgestellt. Echte Ueckere!

nixis16Wenn ein Flachdach-Gebäude im Kantpark steht, wird Karl Kraus zitiert.
Ganz früher war hier die Stadtbibliothek drin, später das „Heimatmuseum“ (heute: Stadt- und Kulturhistorisches Museum). Jetzt sind da Räume für die Bildende Kunst.

nixis17Gegenüber: Was ist jetzt eigentlich da drin, wo früher das Shalom drin war? Natüüürlich! Ein Friseurladen. Was sonst!

nixis18Eine Tür weiter. Das ist die Kneipe, in der im November 1972 die Eschhaus-Initiative gegründet wurde. Warum die Tür, die ursprünglich weiter rechts war, zugemauert wurde und eine neue Tür an der jetzigen Stelle eingerichtet wurde, verstehe ich nicht.

nixis19Alles war, nix is mehr. Man kann kaum noch schnell genug fotografieren, wo blinde Zerstörungswut tobt.
Oberbürgermeister Sören Link ist ein Gauch.
Da hätten wir den Sauerland ja gleich behalten können.

Ich habe die mit der Industrialisierung entschwundene Bezeichnung „Gauch“ genutzt. Ich wollte durchaus nicht „Gauck“ schreiben. Ich will ja niemanden beleidigen.

nixis20Ach! Sieh an!

Encore: Unfrieden in Stein gemeißelt

Der Vortrag über Kriegsdenkmäler wird wiederholt. Wer vorige Woche nicht ins Syntopia kommen konnte, schafft es vielleicht am Freitag, 17. April um 18 Uhr zur VVN (Wrangelstraße/Waldemarstraße in Duisburg-Kaßlerfeld).
Eine Veranstaltung der Partei DIE LINKE.
Kriegsdenkmaeler2Kriegsdenkmaeler3Ich hatte zwar vor, für diese Analphabeten-Partei keinen Finger mehr zu rühren, so wie die sich mir gegenüber benehmen. Aber manchmal muß man sich eben überwinden.

Alles war, nix is mehr (2)

Früher war ich ja einer von denen, die von der Zukunft künden. Jetzt krame ich vor Ihnen im Vergangenheit herum. Ich nehme also inzwischen eine radikalere Haltung ein.

nixis05Der Mike Hellbach (Ex-Bröselmaschine-Schlagzeug) hatte seinen Kunstdruck- und Postkartenladen zuerst nicht an der Ecke, sondern ein paar Häuser weiter hier auf der Lenzmannstraße. Da ist jetzt ein Friseur drin.

nixis06In dem spitzwinkligen Laden an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße ist jetzt auch ein Friseur drin.

nixis07Daß die Friedrich-Wilhelm-Straße mal ein prachtvoller Boulevard war (Boulevardvard / Boulewarwar), daran erinnern sich vielleicht noch ein paar Alteingesessene – allerdings eher bei besserem Wetter. Auf der einen Seite Juweliere, Pelzhändler, BMW-Händler, lauter vornehm, und gegenüber (rechts neben dem Foto) der schöne Kant-Park mit dem schönen Lehmbruck-Museum. Ein Hauch von Urbanität ist übriggeblieben (oder, für Pessimisten: von Urbanität nichts als ein Hauch).

nixis08Das grünliche Haus da vorn paßt sich von weitem betrachtet in die Vorstellung eines urbanen Boulevardvard (Boulewarwar) an. Aus der Nähe betrachtet wirtschaftet da ein Altrötscher mit Elektronikschrott.

nixis09An dieser Stelle stehend am Nachmittag eines trüben Samstages (ein paar Wochen ist das übrigens schon her) nahm gegenüber anderen möglichen Präferenzen in mir der Entschluß, nach Hause zu gehen, Überhand. Überhaupt möchte ich sagen: Glücklich ist, wer sich nichts besseres vornehmen kann als nach Hause zu gehen. Da gehe ich am liebsten hin.

nixis10Das alles ist, wie gesagt, vor ein paar Wochen gesehen und fotografisch dokumentiert worden. Inzwischen fühlt man ja schon wieder anders (Fortsetzung folgt gleichwohl). In der Zeit dazwischen, bei besserem Wetter und hellerem Sonneneinstrahl sah das so aus. Wolkenkratzerimitate (linker Bildrand) werfen Schatten! Das ist aber nicht der Goldene Anker, von dem so oft die Rede ist. Der ist woanders. Merke; Zwei göldene Ankere bedeuten nicht immer dasselbe.

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Ausgabe Nr. 113.
M113Und das steht drin (Überblick):

Renate König: Sogar im braven Bayern. „Besorgte Eltern“ machen sich Sorgen, weil ihre Kinder in der Schule zu viel über Sexualität erfahren (also zum Beispiel auch über Gefahren und wie man sich davor schützt). Da darf der Elsässer natürlich nicht fehlen.

Jakop Heinn: Wer war das? Farbschmierereien auf Schaufenstern von Büros der Linkspartei. Dabei sind die Parolen von Israelrettern und Antisemiten kaum voneinander zu unterscheiden.

Lieber nie als jetzt. Westeuropäische Faschisten entdecken ihr Herz für Rußland.

„Flüchtlinge aufnehmen und willkommen heißen“ sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Eine Stimme aus der VVN.

Jakop Heinn: Mahnwachen machen Wahn oder Breit sein ist alles. Der Sündenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: im „Friedenswinter“ ließ sie sich mit rechten Pseudo-Kriegsgegnern ein. Einige verspüren jetzt den großen Katrzenjammer, andere merken immer noch nichts.

Helmut Loeven: Ostermarsch auf Abwegen? Der Sündenfall der guten alten deutschen Friedensbewegung: In Duisburg, der Hauptstadt der politischen Verrücktheiten, wird es noch toller getrieben als sowieso. Muß man als Antimilitarist eigentlich wirklich der Friedensbewegung angehören? Oder kann man sich nicht selbständig machen?

Helmut Loeven: Haste Töne? Das Neue Deutschland rief an: Was ist da los in Duisburg? Ist das wahr, daß das Duisburger Friedensforum die Querfront-Kapelle „Bandbreite“ auftreten lassen will? Nicht zu glauben, aber: wahr.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett: Komische Häuser, komische Schilder, historische Haltestellen. Außerdem: Die Vertreibung aus dem Paradies war eine gute Idee; Genosse Stalin als der Tongtong; Blöde Lißfaßsäulenwerbung.

Helmut Loeven und Lina Ganowski: „Die vernichtende Gewalt des Redlichen“. Ein paar abweichende Bemerkungen zur Ponro-Affäre um Edathy.

Herbert Laschet-Toussaint (HEL): ISIS waren doch die Guten als sie wider Assad zogen… Ein Gedicht, das den Staatsmännern und -Frauen wahrscheinlich nicht gefällt.

Werner Muth: Europas Bande. Counter-Script zu Günter Grass: „Europas Schande“.

Max Reinhardt: Teestunde. „Wenn sie verhaftet wurden, dann muß das einen Grund haben“, sagte der Mann und wurde verhaftet.

Konrad Knurrhahn: Vorsatz und Station. Glossen.

DER METZGER Nr. 113 kann für 3 Euro in der Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226 in 47057 Duisburg) mitgenommen werden. Wer zu weit weg wohnt, kann das Heft zur portofreien Lieferung dort bestellen. Postkarte genügt.
Oder:
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

Die Liste aller noch lieferbaren Ausgaben findet man unter
http://www.buchhandlung-weltbuehne.de/mindex.htm

WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

Quod erat demonstrandum

Am 2. März 2015 wurde in diesem Weblog vorhergesagt, daß es am Samstag, dem 4. April (Ostersamstag) vormittags in Duisburg, Königstraße heftig regnen wird.
Und? Was ist passiert? Kein Regen!
KeineChemtrailsChemtrails? Von wegen!
Was zeigt uns das? Daß das ganze Gerede über Chemtrails alles Quatsch ist.
Quod erat demonstrandum.
(Deutsch: Quatsch irrt auf Demonstration).

Before the Flood oder It’s a Hard Rain

In Zwei Tagen wird der Ostermarsch beginnen. Unterdessen ist die Friedensbewegung in eine so hoffnungslos desolate Lage gekommen wie nie zuvor.
Jedoch: Während man allerorten bloß noch den Kopf schütteln kann, gibt es in Duisburg noch Grund zum Lachen.
Ein aktueller Nachtrag zur Berichterstattung in DER METZGER 113:

Schauen wir uns mal ein paar Dokumente an:

Das Bochumer Friedensplenum appellierte, sicherlich sich im Klaren darüber, daß es bei diesem Adressaten vergebliche Liebesmüh‘ ist:

„Das Duisburger Friedensforum will die Querfront-Band ‚Bandbreite‘ beim Ostermarsch auftreten lassen.
Das Bochumer Friedensplenum fordert das Duisburger Friedensforum auf, den antifaschistischen Konsens der Friedensbewegung nicht zu verlassen und der Musikgruppe ‚Die Bandbreite‘ keine Bühne auf dem Ostermarsch zu bieten. Die Bandbreite behauptet von sich links und antifaschistisch orientiert zu sein. Diese Behauptung steht in krassem Widerspruch zu dem Umfeld, in dem die Bandbreite immer wieder auftritt. Seit Marcel Wojnarowicz als Kopf der Bandbreite vor acht Jahren ein Interview mit der Jungen Freiheit gab, werden seine Kontakte zur äußersten Rechten kritisch beobachtet. Obwohl die Bandbreite das weiß, sucht sie immer wieder die Nähe zu rechten Gruppierungen. 2011 trat sie z. B. zusammen mit Funktionären der rechtspopulistischen ‚Schweizerischen Volkspartei‘ auf der Konferenz gegen das Bilderberger-Treffen in St. Moritz (Schweiz) auf.
Seit Jahren kooperiert die Bandbreite mit verschiedenen ‚Querfront-Projekten‘ insbesondere mit Jürgen Elsässer und der Redaktion seiner inzwischen ultra rechten Zeitschrift ‚Compact‘. Die Bandbreite hat für den Gründungskongress der ‚Reichsbürger‘ massiv geworben und ist dort aufgetreten.
Seit kurzem tritt die Bandbreite bei Kundgebungen der […] Gruppierung „Endgame“ auf.“

Das Bochumer Friedensplenum verweist auf eine Erklärung der DFG/VK vom 1. 3. 2015:

„Pegida, Hagida, Pegada, Endgame – es ist die gleiche Ideologie. Die DFG-VK stellt sich den Versuchen entgegen, Friedenspolitik als Vehikel für rassistische sowie rechtsradikale Forderungen und das Schüren von Hass auf ‚das Andere‘ zu nutzen. Der Einsatz für Frieden ist immer transnational, antifaschistisch und solidarisch. Die DFG-VK unterstützt die Proteste gegen die Demonstrationen der sogenannten ‚Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes‘. […]
Die Bandbreite als fester Bestandteil dieses politischen Spektrums hat auf dem Ostermarsch nichts zu suchen.“

Spät kommt sie, doch immerhin: sie kommt: die Absage an die Leute, die Friedenspolitik als Vehikel für rechte Forderungen nutzen wollen. Ach, wäre der Gesamtverband von Anfang an so konsequent gewesen wie seine Duisburger Gruppe, sich auf den lechts/rinken bzw. rinks/lechten „Friedenswinter“ gar nicht erst einzulassen. Das Problem liegt nämlich keineswegs bloß in der typischen Duisburger Verwirrung. Der einzige Unterschied ist doch, daß man es in Duisburg nur noch etwas toller treibt als anderswo.

Auf Telepolis war zu lesen:
„Weil die Aktivisten [der traditionellen Friedensbewegung] immer wieder registrierten, dass ihre Aktionen nur wenig Zuspruch vor allem bei jungen Leuten fanden, versuchten sie eine neue Bündnispolitik. Schließlich hatten sich die sogenannten Friedensmahnwachen gebildet, die offiziell weder rechts noch links und ideologiefrei sein wollten und damit viele Verschwörungstheoretiker aller Couleur geradezu anzogen. Anfangs hatten noch viele Aktivisten der alten Friedensbewegung den Charakter dieser rechtsoffenen Friedensmahnwachen richtig erkannt und sind auf Distanz gegangen. Doch dann scheint bei den Friedensfunktionären die Verlockung, wieder Massen anführen zu können, zu groß geworden sein[,] und man kreierte den sogenannten Friedenswinter, das Bündnis zwischen alter Friedensbewegung und Mahnwachen und riskierte damit sogar, wichtige antimilitaristische Organisationen wie die VVN/BdA oder die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor dem Kopf zu stoßen“

Es war sicherlich nicht bloß Verlockung, die auf die mit Schmierseife eingeriebene schiefe Ebene führte, sondern vor allem: Uninformiertheit und Orientierungslosigkeit: Lauter Leute, die den METZGER nicht lesen.
Doch nun die erlösende Nachricht:

„Die DFG-VK zieht ihre Unterstützung des ‚Friedenswinters‘ zurück.“

Was war der Anlaß dazu: Darüber Telepolis:

„Der unmittelbare Anlass für den Rückzug der DFG-VK [war] ein verbaler Ausfall des Mahnwachen-Aktivisten Ken Jebsen gegen den politischen Geschäftsführer der DFG-VK Monty Schädel. Auf einer Kundgebung bezeichnete der wegen seiner regressiven Israelkritik von einem Radiosender geschasste Moderator Schädel als Feind, der von der Nato gekauft ist. Damit reagierte Jebsen auf ein Interview, in dem Schädel eine kritische Bilanz des Friedenswinters zog und zu dem Fazit kam, dass dieser die Friedensbewegung nicht etwa voranbringt, sondern kaputt macht. Dabei äußerte Schädel auch Selbstkritik über seine Einschätzung der Abgrenzung der Mahnwachen nach rechts.“

Ja, so ist das mit diesen Verschwörungstrotteln: Kritiker werden zu von der Nato gekauften Feinden.

Am 31. März teilt die Partei „Die Linke“, Kreisverband Duisburg, ihren Mitgliedern mit:

„Liebe Genossinnen und Genossen,
DIE LINKE. Duisburg ruft dazu auf, am kommenden Samstag in Duisburg ein Zeichen gegen Krieg zu setzen.
Wir rufen anders als gewohnt NICHT zur Teilnahme an der Auftaktkundgebung auf. Dort wird die Band ‚Die Bandbreite‘ auftreten. Die Mehrheit der Organisatoren des Ostermarschs Ruhr-Ruhr distanziert sich ebenfalls von dieser Veranstaltung. Ebenso distanzieren sich die VVN-BdA NRW und DFG-VK NRW.
Die Bandbreite zeigte in der Vergangenheit große Nähe zu Verschwörungstheorien […]. Ebenso bezeichnen sie die Staatsformen der Bundesrepublik Deutschland und der V. Republik (die aktuelle) Frankreich als Faschismus. Dies macht es für den Kreisvorstand unmöglich zu einer Veranstaltung mit dieser Band auf zu rufen.
Wir sehen dennoch die enorme Notwendigkeit sich auch dieses Jahr wieder für den Frieden an Ostern zu engagieren. Deshalb bieten wir an, zu unserer Kundgebung um 11:30 Uhr am Averdunkplatz zu kommen. Dort wollen wir den Ostermarsch empfangen, an seiner Zwischenkundgebung teilnehmen und gemeinsam nach Düsseldorf fahren.
Mit friedlichen Grüßen
Euer Kreisvorstand“

Da wird ja mal so richtig mit dem Hämmerchen auf den Tisch gehauen. Bloß, daß in der Pressemitteilung und in dem Flugblatt zu dieser Parallel-Kundgebung die brisanten Gründe nicht genannt werden.

Schließlich hat sich auch noch das erstaunliche Duisburger Friedensforum zu Wort gemeldet. Mit Datum 1. März gibt es bekannt, was es am 25. März beschlossen hat. Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit:

„Warum wir die Band ‚Die Bandbreite‘ beim Ostermarsch 2015 in Duisburg auftreten lassen
‚Unser Marsch ist eine gute Sache, weil er für eine gute Sache geht…‘, mit diesem Lied sind Ostermarschierer jahrelang für den Frieden durch die Bundesrepublik gezogen. Differenzen gab es in der Bewegung immer, doch das gemeinsame Ziel einte in der Aktion, und es gab mächtige Demonstrationen.
Dass es weiter eine starke einheitliche Friedensbewegung gibt, die in der Öffentlichkeit Gehör findet, ist unser wichtigstes Anliegen auch heute. Die Boykottkampagne gegen die Band ‚Die Bandbreite‘ und die damit verbundenen ausufernden verletzenden Diskussionen arbeitet diesem Ziel entgegen. Wir haben die Band bei Auftritten über die Jahre hinweg als eindeutig antifaschistisch, antirassistisch, Gewalt ablehnend und den Frieden in der Welt fordernd erlebt. Sie prangern an, welche Kräfte immer wieder Kriege provozieren. Wir haben trotzdem reiflich überlegt, bevor wir sie baten, bei uns in diesem Jahr wieder aufzutreten.
Die Intrigen, die gegen ‚Die Bandbreite‘ betrieben werden, beruhen in höchstem Maße auf unzutreffenden Anschuldigungen. Wir wollen mit dem Auftritt dem großen Unrecht, das der Band geschieht, entgegen wirken. Dieser ständig betriebene Rufmord betrifft nicht die Band allein. Die Friedensbewegung insgesamt soll durch diese haltlosen Vorwürfe – auch gegen andere Einzelpersonen – getroffen und geschwächt werden. Wozu?
Dazu nur ein Beispiel: Ca. 80 Prozent der Bevölkerung in unserem Land lehnen Einsätze der Bundeswehr in der Ukraine ab. Artikuliert wird diese Ablehnung durch die weit verzweigte Friedensbewegung, und sie soll diskreditiert und mundtot gemacht werden. […]
Im Sinne einer Stärkung der Friedensbewegung ‚plädieren wir für verbale Abrüstung‘.“

Eine einseitige Abrüstung, für die hier plädiert wird: die Kritiker sollen still sein, während das Friedensforum die Unverfrorenheit besitzt, über mich wiederholt zu behaupten, ich hätte nichts in den Händen, und den Kritikern Absichten zu unterstellen! Der Verschwörungsglaube hat die Urteilsfähigkeit aufgefressen, und übriggeblieben ist der spießbürgerliche Abwehrreflex gegen Information und besseres Wissen.

„Nicht die Wirrköpfe, sondern die Kritiker schaden der guten Sache“, sagten die Wirrköpfe.
Ich fürchte, das wird uns noch lange beschäftigen.

Alles war, nix is mehr (1)

Ach! Sieh an!

nixis01Ein Zeichen der Zeit! Muß nicht heißen: Zeichen der Gegenwart. Die Gegenwart ist nicht die einzige Zeit. Auch die Vergangenheit sendet Zeichen, die vergleichbar sind mit dem sprichwörtlichen Stein im Schuh.
„Oma Kohl“ war mal der INOFFIZIELLE Name dieser Kneipe auf der Börsenstraße. Offiziell hieß diese Kneipe anders, hatte irgendeinen nichtssagenden Kneipen-Namen wie Soundso-Stube oder Zum-Soundso. Die winzige Kneipe wurde von einem älteren Ehepaar betrieben. Die hießen Kohl. Darum ging man zu „Oma Kohl“.
Um die Mittagszeit, manchmal nachmittags, ging man da hin. Die antiautoritären, die radikalisierten und radikalisierenden APO-Schüler. Warum gerade da hin? Weiß ich nicht. Weiß wahrscheinlich kein Mensch. Die Kneipe hatte nicht besonderes. Sie war nicht schön, die war nicht originell, sie war nicht besonders gemütlich. Sie war einfach nur übriggeblieben. Das Wirts-Ehepaar Kohl (beide mindestens 70) müssen gedacht haben: „Wo kommen bloß die ganzen jungen Gäste her?“ Na, ihnen konnte es recht sein.
Vorne war die Theke, hinten paßten gerade mal zwei große Tische rein.
Ich ging da mal an einem Nachmittag hin, um den Dichter Willy Blassen zu treffen. Der schrieb existentialistische Gedichte, die nicht zum Lachen waren, richtig mit Reimen und Strophen. Und ich hatte mich entschlossen, eine Zeitschrift herauszugeben, und wollte Beiträge von dem kriegen. Meine Freundin Barbara begleitete mich. Die fand den Willy Blassen gar nicht gut, weil der so auf ernst und existentialistisch macht, so auf superlässig (heute würde man sagen, der „macht auf cool“). Die Barbara war eine ganz kühle, die bei jedem auf Anhieb die unangenehmen Seiten entdeckte. Aber mich liebte sie erstaunlicherweise.
Daß die Wirtsleute, die vielleicht gar nicht wußten, wie ihre Kneipe wirklich hieß, diese Nachfolgern überließen, habe ich nicht mehr mitgekriegt. Aber der Name hat sich anscheinend erhalten. Irgendwann haben sie da das Schild drüber gehängt und fanden das lustig, und wissen nicht was ich weiß.
Wenn man genau hinguckt, sieht man: Steht leer. Nachmieter gesucht.

nixis02Das Kellerlokal, das heute Djäzz heißt, gab es auch damals schon, hieß aber anders. Ich war da nie drin. In ein Etablissement, das sich „Börsenstreet“ nennt, gehe ich nicht.

nixis03Das war in der Zeit, von der hier die Rede ist, gewissermaßen das Gegenteil von Oma Kohl. In der Gaststätte mit dem bezeichnenden Namen „Fürstenkrone“ auf der Claubergstraße trafen sich die elitären Schnösel, deren Lebensleistung darin bestand, aus besseren Kreisen zu stammen.
Ich war da auch mal drin. Wenn man da mal drin ist, ist das wichtigste, zu wissen, wo der Ausgang ist.
Das Gebäude war dem Forum-Bombastikum im Weg. Die Fassade stand unter Denkmalschutz. Also hat man das Gebäude zwar abgerissen, die Fassade aber stehenlassen. Wo einst Fürstenkrone war, ist nur noch Fassade, dahinter Karstadt, C&A und das alles. Die Eliten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wenn ich die heutigen Zustände sehe, tröste ich mich mit dem, was es nicht mehr gibt.

nixis04
Ein paar Häuser weiter. Da war ich nie drin. Das war mal so eine richtige Nepp-Bar, mit Bardamen/Animierdamen. Muß auch sein. Piccolöchen für 85 Mark.
Und jetzt? „Bistro Café“ Noch nicht mal zu einen accent aigu reicht’s bei denen.
Gucken Sie mal diese Schlucht zwischen den Häusern!
Nächste Tage erzähle ich Ihnen mehr über meinen Samstags-Nachmittags-Straßen-Spaziergang von voriger Woche.
Früher war ich ja einer von denen, die von der Zukunft künden. Jetzt krame ich vor Ihnen im Vergangenheit herum. Ich nehme also inzwischen eine radikalere Haltung ein.

Das neue deutschland fragte mich, was hier los ist

Foto: DFG-VK

Foto: DFG-VK

neues deutschland vom 11. März 2015, mit diesem Artikel von Anja Krüger:

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Ein Zitat muß ich präzisieren:
Ich habe nicht gesagt, Wojnarowicz lasse sich immer wieder mit führenden Nazis fotografieren – um dann zu erklären, er habe nicht gewußt, um wen es sich handelt. Ich habe erwähnt, daß es Fotos gibt, aufgenommen bei der dubiosen „Endgame“-Kundgebung, die Wojnarowicz zeigen im Gespräch mit dem prominenten Neonazi Thomas „Steiner“ Wulff. Und ich fügte hinzu, daß sich „derartige Vorfälle“ ständig wiederholen.
In dem Sinne: „Wo der sich überall herumtreibt, ist sowas ja wohl unvermeidlich.“

Wem das Faksimile zu klein ist, der kann den Text lesen, wenn er jetzt auf „Weiterlesen“ klickt: Weiterlesen →

Und dann schrie einer: „Wir haben den Loeven vergessen!“

Vor ein paar Tagen war einer hier (den ich schon lange kenne), der erzählte mir vom Zustandekommen des literarischen Teils des Programms der Duisburger Akzente.
Als das Programm zusammengestellt und gedruckt und alles zu spät war, fiel denen ein:
„Wir haben den Loeven vergessen!“
Und jetzt ärgern die sich.
Ja, dann sollen die sich mal ruhig ärgern! Darüber freue ich mich.
Normalerweise ärgere ich mich, aber diesmal ärgern die sich. Und das freut mich.

Ausgerechnet „Heimat“ ist das Thema der 36. Duisburger Akzente – ein Thema, zu dem mir so viel schon eingefallen ist. „Mein“ Thema!

Kein Wort würde ich hier verlieren über die Duisburger Akzente 2015. Eisern verschweigen würde ich sie. Aber daß die sich wenigstens ärgern, stimmt mich versöhnlich. Und das ist auch gut so, weil es mir ermöglicht wird, Veranstaltungen mit Künstlern zu empfehlen, die ich schätze (siehe Notat vom 5. März.

„Wie kann man Dich nur vergessen haben?“ schrieb mir meine liebe Kollegin L. gestern per E-mail und fügte kommentierend ein Wort hinzu, das im Duden irgendwo zwischen „Schein“ und „Scheitelpunkt“ zu finden sein dürfte.
Ja, wie kann man nur! Kommt allerdings öfter vor – seltener zu meiner Freude.

Meine liebe Kollegin Lütfiye Güzel liest am Donnerstag, 12. März um 20 Uhr im Cafe Alex „Anne Ecke“, Münzstraße 44 / Ecke Beekstraße (Duisburg Altstadt). (Eintritt: 5 Euro). Da sollte man hin gehen.

Der nächste empfohlene Termin: Werner Muth („The Voice“) liest am Sonntag, 15 März um 15 Uhr im Kultur- und Stadthistorischen Museum, Johannes-Corputius Platz 1, am Innenhafen in der Veranstaltunghsreihe ERZÄHLCAFÉ Lebendige Geschichte(n):
FRAG´ NICHT NACH MEINEM HEIMATORT. Literarische Reise eines Romantikers zu den Orten, an denen er sich zuhause fühlt: Vom Gartenhaus in Marxloh bis zu den schattigen Tavernen im Süden.
Eintritt: 4,50 Euro, ermäßigt 2,00 Euro. Da sollte man hin gehen.

Am Samstag schon was vor?

Im Rahmen der Duisburger Akzente (Thema dieses Jahr: Heimat) findet eine Vernissage statt, zu der ich eingeladen bin. Die Einladung gebe ich weiter:

EINBLICKE
Fotografien von Susanne Gwisdalla
Ehemaliges Möbelhaus UNI-Polster
Erdgeschoss
Beekstraße 35 – 39
47051 Duisburg
Eintritt: Eintritt frei

einblicke_foto_susanne_gwisdalla_img_5492_intDie Vernissage findet am Samstag, 7. März um 18 Uhr statt.
Danach, vom 8. März bis zum 22. März ist die Ausstellung täglich vom 10 bis 12 und von 15 bis 19.30 zu sehen.

Das Fotoprojekt „Einblicke“ zeigt private Fenster in Duisburg, die von den Bewohnern auf außergewöhnliche und skurrile Weise dekoriert und geschmückt wurden. Die Fenster treffen dabei niemals den Geschmack der Allgemeinheit sondern sind immer individueller Ausdruck des dahinter Lebenden. Gemeinsam mit der Journalistin Fabienne Piepiora hat sich die Fotografin Susanne Gwisdalla auf den Weg gemacht um auch den Menschen hinter der Scheibe zu portraitieren.

Ach! Es liegt so viel Arbeit auf meinem Schreibtisch, für die ich eigentlich nur am Wochenende Zeit habe (zum Beispiel: METZGER Nr. 113 endlich fertig kriegen). Aber zu der Vernissage will ich hingehen. Ich kann es nicht versprechen. Aber ich versuch’s.

Susanne Gwisdalla

Susanne Gwisdalla

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Zu Hause ist es doch am schönsten

Heute war einer hier, der zeigte mir ein Flugblatt, das gestern auf einer der Anti-Pegida-Demonstrationen verteilt wurde.
Lang war der Text nicht, nur ein Din-A-5-Blatt. Und da wurde über die Friedensbewegung hergezogen (genauer: über das, „was aus der Friedensbewegung geworden ist“): „Eine ‚Friedensbewegung‘, die weder Gegner noch Freunde (er)kennt – wem soll die noch nützen?“
Dann heißt es noch: „Ostermarsch-Auftakt in Duisburg am 4.4. um 10.30 Uhr am coolen Wall. Muß man da wirklich hingehen? Bleibt lieber zu Hause. Zu Hause ist es doch am schönsten.“
Unterschieben wurde das Flugblatt mit „Friedensforum Duisburg“, richtig mit der (richtigen) Internet-Adresse und dem Spendenkonto.
Ein Fake? Ein Hoax? Bestimmt!
Oder?
Es liegt nicht fern, dem Duisburger Friedensforum die Absicht zu unterstellen, mit dem Auftritt der mit der rechten Szene eng verbundenen „Bandbreite“ viele Menschen von der Teilnahme am Ostermarsch abzuschrecken.

Was übrigbleibt ist die Frage, ob ANTIMILITARISMUS, PAZIFISMUS, FRIEDENSARBEIT denn wirklich nur in der Friedensbewegung stattfinden muß (bzw. in dem, was aus ihr geworden ist).

Es ist ja nicht die Bandbreite allein, sondern z.B. auch der „Friedenswinter“ (auf den kein Friedensfrühling folgen kann).

Un et räänet wie en Biess…

…in dr Zupp un opp dr Kies!
Irgendwann wird es ja doch enthüllt. Warum es also länger abstreiten!?
Die DFG-VK Duisburg hat eine Wettermanipulation vorbereitet. Am 4. April (Ostersamstag) soll es am Vormittag in Duisburg auf der Königstraße in Strömen regnen. Wohingegen am Nachmittag in Düsseldorf für schönes Wetter gesorgt ist.
Zu diesem Verschwörungs-Zweck hat die DFG-VK schon ganze Flugzeug-Flotten gechartert für die ganzen Chemtrails. Schlimm!
Im Hotel Bilderberg fand das geheime Treffen statt.
(Und die Muusick spielt dazu).