Duisburger Jahrbuch 2017

Gestern habe ich zum ersten Mal seit 40 Jahren eine Buchhandlung betreten (— die mir nicht gehört). (Ich trank auch ein Glas Sekt).
Warum, steht hier:

waz20161125-jahrbuch
Wer eine Heimat-Festschrift argwöhnt, wie sie von der IHK oder von der Fremdenverkehrswerbung stammen könnte, kann also erleichtert sein. In dem solide erarbeiteten Jahrbuch kann man z.B. auch lesen: „Duispunkt punktet gegen Pegida„.
Auch das ist drin:

jahrbucheschhaus
Wer das Duisburger Jahrbuch 2017 haben will, kann zu dem Behufe eine Buchhandlung betreten, die mir gehört (oder es sich auch schicken lassen. Geht auch).

Bilder anklicken zum Vergrößern.

Is the Sternbuschweg immer noch everlasting?

sternwegbau5Den Sternbuschweg hielt man mal für eine Hauptverkehrsstraße. Mittlerweile stellt sich raus, daß es sich um eine Dauerbaustelle handelt, die zwischendurch auch mal als Straße benutzt werden kann.
Farblich scheint das Arrangement ja eine akzeptable Lösung zu sein. Aber wenn man an der Ecke Holteistraße den Sternbuschweg überqueren will, hat man einen kilometerweiten Umweg vor sich, trotz Verkehrsinsel in der Mitte. Das ist doch nicht der Sinn der Sache.

sternwegbau6Ja, wenn der Sternbuschweg wenigstens verbessert würde! Aber davon kann gar nicht die Rede sein.
Von Verschönerung schon mal gar nicht.

sternwegbau7Da! Gucken Sie mal: Das kommt dabei raus.
Wo früher mal Bundesstraße 8 war, ist demnächst eine Slalomstrecke. Was soll das?
Erst wurden hier die Bäume abgeholzt, und jetzt werden mitten auf der Straße wieder welche eingepflanzt, wa?
Da könnt‘ ich mich kaputtärgern, wenn ich sowas seh‘.

sternwegbau8Da!
Da hinten nennt einer sein Geschäft „Immobilien Management“. Und würden Sie in eine Kneipe gehen, die schwarzweißgold beflaggt ist und „Flotte Theke“ heißt? Natürlich nicht.
Und darum ist dieses Verkehrshindernis da vorne auch völlig überflüssig.

sternwegbau9Soll das eine Verheißung sein?
Gelb durchgestrichen, was stark war und gut.

sternwegbau90Ne Dampfwalze. Naja, gut. Muß es auch geben.
Aber wollen die damit die Goldene Palme gewinnen?

Neue Serie: Die schönsten europäischen Einfahrten 1, 1a

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Beginnen möchte ich die Serie von Betrachtungen schöner europäischer Einfahrten mit dieser Kuriosität, fotografiert am 10. April dieses Jahres im Duisburger Stadtzentrum (abgewandte Seite).
Was man auf diesem Bild gar nicht unbedingt erkennt: Man kann da gar nicht erhobenen Hauptes durchgehen, ohne sich den Kopf zu stoßen, bei mindestens durchschnittlicher Körpergröße.
Auch die Verbindung zwischen den Hauptgebäude (rechts) und dem Anbau (links) ist nur in gebeugter Haltung möglich. Das ist doch komisch, oder?
Da bin ich am 3. Oktober nochmal gucken gegangen, und jetzt sieht das da so aus:

eureinf-001aWer weiß, was die damit noch vorhaben; vielleicht das Projekt „Der Dschungel holt sich die Stadt zurück“, beginnend in der katholischen Ecke hinter dem Dellplatz, hier: hinter dem Kettelerheim.

Als ich das zum ersten Mal hörte, habe ich „Kletterheim“ verstanden.

Zum Wohnsystem

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Bei der GEBAG, der stadteigenen „Gemeinnützigen (!) Baugesellschaft“ trägt man sich mit dem Einfall, die Strauß-Siedlung abzureißen, damit da etwas Neues hingebaut werden kann.
Die Strauß-Siedlung ist eine kleine, hübsche Ruhe-Oase am südlichen Ende von Neudorf. Den Leuten gefällt das, die wohnen da gern. Das wird der Grund sein, sie dort wegzuplanen.

Die Sache wäre ganz einfach zu entscheiden:
Ein Blick auf das, was Architrekten in den letzten 30 Jahren hingestellt haben, müßte zu der zwingenden Entscheidung führen, daß gar nichts mehr abgerissen wird, was älter als 30 Jahre ist.
So.

Das Foto zum Zwanzigsten

Mich hat mal einer auf der Grabenstraße nach dem Weg zur Bismarckstraße gefragt. Ich hätte sagen können: „Nächste Straße rechts, dann die nächste Querstraße ist die Bismarckstraße.“ Das wäre richtig gewesen. Der hatte aber einen Franz-Josef-Strauß-Aufkleber auf der Heckscheibe und noch weitere Aufkleber mit unappetitlicher Botschaft (z.B. „Atomkraft ja bitte“). Also hab ich ihn zum Entenfang geschickt („Bis zur Ampel, dann links, und dann immer geradeaus“).
Das ist schon lange her. Aber letztens fragte mich einer auf der Königstraße (Ecke Sonnenwall), wo die Post ist:
„Gibt es hier irgendwo ‘ne Post? Gibt es überhaupt eine Post in diesem Kaff hier?“
Dem habe ich gesagt: „Gehen Sie hier die Straße entlang, immer geradeaus. Auf der linken Seite ist dann die Post.“
Auf der linken Seite ist gar nicht die Post, sondern die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Sparkasse, das Landgericht, der König-Heinrich-Platz und dann am Ende das Call-Center der Targobank. Aber ich habe ihm gesagt, er soll nach links schauen. Denn wenn er nach rechts geguckt hätte, hätte er gesehen, daß auf dem Sonnenwall, keine 50 Meter entfernt, die Post ist.

2016-08Wer zur Bismarck-Straße will und dann zum Entenfang geschickt wird, soll sich bloß nicht beschweren. Dort ist es doch schön!

Noch 5 Tage

„Was wir heute bauen sind die Slums von morgen.“
(Alexander Mitscherlich)

Liebe Weblogleser in Duisburg,
und liebe Weblogleser aus der Umgebung (der näheren, der weiteren),

schon mehrmals habe ich hier auf planvolle (planungsvolle) Landschaftszerstörung im Duisburger Süden aufmerksam gemacht, insbesondere die beabsichtigte Bebauung des Alten Angerbogens, einer der letzten Freiflächen in Huckingen.

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HuckingenFeld

Hier sollen 200 Häuser hin für all die vielen Wohnungssuchenden, die es gar nicht gibt. Die Einwohnerzahl ist weiterhin rückläufig. Dafür am Flächenverbrauch festzuhalten ist nicht gerade ein Zeichen von Rationalität.

Siehe hier
und siehe hier.

Ich habe auch auf die Petition des Huckinger Bürgervereins aufmerksam gemacht

hier anklicken

Die Frist läuft in 5 Tagen ab.
Für das Quorum zählen die Stimmen von Bürgern der Stadt Duisburg. Aber auch Auswärtige können der Petition Gewicht geben. Es geht nämlich nicht nur um eine bestimmte Fläche,
sondern,
Einspruch einzulegen gegen die Mentalität der neofeudalen Fachidioten der Raumplanung, die meinen, man könnte einfach so dahergehen und die Eindimensionalität ihres Bewußtseins an unserer Lebenswelt austoben.

Streif Nummer drei

Die Duisburger Kunst- und Künstlerzeitschrift Streif erscheint einmal im Jahr. Die dritte Ausgabe ist soeben erschienen.
Streif3(Faksimile anklicken zum Vergrößern).
„Bei fast allen Buchhandlungen“. Geht das nicht ein bißchen deutlicher?
Kaufen oder bestellen Sie diese Zeitschrift in der Buchhandlung Weltbühne. Gemessen am Umfang und Aufwand und der Druckqualität ist der Preis 7 Euro geradezu unanständig niedrig. (Im Versand 1 Euro Versandkostenanteil zusätzlich).

Gegen Landschaftszerstörung

Die unaufhaltsam scheinende Landschaftszerstörung im Duisburger Süden wurde hier schon öfter thematisiert, zum Beispiel am 15. Juni vorigen Jahres oder vor einem Monat.
Es ist ja schön, wenn man mit seiner Sorge nicht allein steht und sich versichern kann, daß die Auffassung geteilt wird, daß man nicht jeden Wahnsinn widerspruchslos hinnehmen muß:
PetitionAngerbogen
Ja, dann klickt mal schön dieses bit.ly/1sr8fH2 und petitiert mal schön, damit die Petition keine Petitesse bleibt!
Die in der Zeitungsmeldung angegebe Zahl ist in der Zwischenzeit gestiegen. Mitlerweile haben 1263 unterschrieben, davon 1178 aus Duisburg. Mögen es heute Abend schon ein paar mehr sein!

Das Weite suchen (12-20)

weitesuchen12Das ist nicht der Kessel des Monats, sondern der Hochofen des Tages.
Aber am Hochofen habe ich ja nicht gearbeitet, …

weitesuchen13… sondern im Stahlwerk.

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weitesuchen15Hier ist was los, wa?

weitesuchen16Was mich an dieser Landschaft so fasziniert: Hier sollte nichts Schönes geschaffen werden. Niemand hat überlegt, wie hier von Menschenhand etwas Schönes geschaffen werden könnte. Und das ist das Schöne.
Das werden viele nicht verstehen, namentlich die, für die die Industrie ein Moloch ist (und die sich nicht klar darüber sind, was sie der Industrialisierung verdanken).
Als ehemaliger Mannesmann-Arbeiter darf ich das sagen (und drauf pochen).
Wie es bei Tucholsky heißt:
„Ich war Stahlarbeiter, ich darf alles.“
(Sowas Ähnliches hat er gesagt).

weitesuchen17Aber auch der Auenlandschaften wegen war ich ja hier …

weitesuchen18weitesuchen19… wo die Bebauung sich an den Horizonz zurückzieht.
Es geht hier nicht um die „unberührte Natur“, sondern um das Unglück des von der Natur unberührten Menschen.

(Auch das Umformen von Erz zu Stahl gelingt durch das Erkennen und Anwenden von Naturgesetzen. Es gibt nichts Unnatürliches (nichts Übernatürliches), aber es gibt die Entfremdung von der Natur).

weitesuchen20..

Das Weite suchen (1-11)

An den katholischen Hochfesten, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind (wie auch der Fronleichnamstag am letzten Donnerstag), suche ich das Weite. Die Weite mißt sich nicht an der Strecke, sondern am Radius. Und weniger die Suche nach dem Unbekannten treibt mich an als die Suche nach dem Bekannten.
Daß man „nicht zurück“, sondern „nach vorn schauen soll“ gehört zu den dummen Sprüchen. Nein, man soll in alle Richtungen schauen! Das Wieder-Finden ist eine besonders ergiebige Erkenntnisquelle: Sich mit dem Vergessen nicht abfinden!
Ich habe mich diesmal wieder in den südlichen Stadtteilen aufgehalten (von wo ich ja komme, wie Sie wissen), unterwegs mit dem Fotoapparat, der ein Gerät ist, mit dem man die Zeit anhalten kann (alter Menschheitstraum).

WeiteSuchen01Man muß sie suchen, aber man findet sie dort noch: die Auen-Landschaften, wo dem Gras erlaubt wird, erwachsen zu werden, und wo der Blick in die Weite, die man gesucht hat, nicht versperrt wird…

WeiteSuchen02… und wo sich die Bebauung an den Horizont zurückzieht.

weitesuchen03A! Das hätte ich ja nicht gedacht, daß mir eigens eine Begrüßung an die Wand gemalt wird! (Als „Wand“ lasse ich einen Verteilerkasten gern gelten).

weitesuchen04Je weiter nach Süden, desto kleiner die Häuskes (hier: Mündelheimer Straße). Irgendwann schreibe ich einen Roman, der unter solchen Dächern beginnt.
Den Roman schreibe ich vielleicht nie. Aber den Satz schreibe ich noch oft.

weitesuchen05„Butterblumen“ sagte man. Man hat uns erzählt: Aus dem Gras (das die Kühe fressen) wird Milch. Aus den Butterblumen wird Butter.
Man muß von nix ne Ahnung haben, um alles zu erklären.
(Lassen Sie sich nicht täuschen).
Recte: Gelber Hahnenfuß.

weitesuchen06Ich weiß noch (so um 1960 war‘s), wie an der Mündelheimer Straße eine katholische Kirche gebaut wurde, und die Leute sich darüber aufgeregt haben: Weil das ja gar nicht wie eine Kirche aussah, sondern irgendsowat Modernes!
Ja, über sowas regten die Leute sich furchtbar auf: über alles.

weitesuchen07Hier war ich Briefträger. In dem Haus an der Ecke war ein Lebensmittelgeschäft, und dem Ladeninhaber brachte ich jede Woche die Deutsche Volkszeitung (DVZ). Das erklärte sich von selbst. Die Mannesmann-Werkssiedlung hatte ich gerade hinter mir, wo ich einige UZ für die linken Arbeiter zugestellt hatte. Hier lieferte ich dann die Wochenzeitung für den linken Mittelständler.
Der linke Lebensmittel-Laden ist spurlos verschwunden. Aber die Deutsche Volkszeitung gibt es ja noch. Die heißt jetzt Freitag – ist aber heute ganz anders, nicht mehr so eine alte Tante.
Welche Zeitung möchte eigentlich noch eine alte Tante sein?

weitesuchen08Wenn man hier steht, dann weiß man: Hier ist Endstation (der Straßenbahnlinie 8). Und wenn man sich umdreht …

weitesuchen09… steht man vor Mannesmann Tor 2.
Als ich bei Mannesmann war, durchquerte ich das Tor kurz vor 6 Uhr (zur Frühschicht) bzw. kurz vor 2 Uhr (zur Spätschicht). Da war ich einer von 12.000.

weitesuchen10Die Lehrlinge von Mannesmann haben in Gemeinschaftsarbeit dieses Mahnmal geschaffen, das gegenüber von Tor 1 steht und an die Zwangsarbeiter erinnert, die aus den Ländern verschleppt wurden, die von der faschistischen Wehrmacht überfallen worden waren.

weitesuchen11Ein paar Schritte weiter erinnert dieser Findling an die Unterkunft, in der die italienischen Zwangsarbeiter zusammengepfercht waren.

WIRD FORTGESETZT.