Graffiti

Begrifflichkeiten der Kunst(-geschichte): Graffiti.

Graffiti – von art brut und – in diesem Fall zumindest – von Lettrismus nicht ganz abgetrennt. Auch das Konzept der Sozialen Plastik (kommen wir auch noch zu) hat Pate gestanden bei der Entstehung dieses Werks der Kunst (die Schwerkraft entwickelt das Bild weiter, in Gestalt all dieser hübschen ein-Stück-runterrinnender Farbtropfen). Das Bild veranschaulicht zudem die Geringaussicht des Vorhabens, das Privatgrundstück gegen Widerrechtlichkeit mittels Schild und Abschleppandrohung zu schützen
Der Autofahrer, Zworadfahrer oder Fußgänger, der hier entlanggeht/fährt (Sternbuschweg Richtung Mülleimerstraße) hält inne und sagt: „Was ist das denn? Das muß ich mir ansehen!“ In den nächsten 30 Minuten bemüht er sich, die Botschaft zu verstehen.
Die Kunst vollendet sich in der Vergeblichkeit dieses Bemühens.


So kann man’s auch sehen.

Noch mehr neue Postkarten

Wie gesagt: Die Serie der Situationspostkarten wurde dieser Tage beträchtlich erweitert. Und heute bekommen Sie die neuen Foto-Postkarten von Heinrich Hafenstaedter zu sehen: Mauern mit Spuren und Orte der Hinterlassenheit (habe ich das nicht schön gesagt?).

Die Philosophie – nein, nicht im Boudoir, sondern im Güterbahnhof. Wo immer man hinkommt: Adorno ist immer gut.

Ich das nicht herrlich? Energiye, Power, Acktion, Affe(e) für Versager.
Pow-Erup nur gegen Pfand.

Hochfelder Fresko? Ausgerechnet Sedanstraße. Durch Verschicken von Situationspostkarten lösen Sie immer Situationen aus.

Das Verschwinden des Gewächshauses im Hamborner Botanischen Garten muß man nur noch halb bedauern, weil im Duisburger Güterbahnhof für Ersatz gesorgt wurde.

Postkarten sammeln ist gut.
Postkarten verschicken ist auch gut, sogar noch besser.
Wollen Sie Situationspostkarten live erleben? Dann kommen Sie am 20. August 2017 (Sonntag) zum Ruhrorter Kunstmarkt, am Stand der Buchhandlung Weltbühne gibt es sie (1 Stück für 1 €).

Wir bieten dort viel. Nicht nur Postkarten.

Ruhrorter Kunstmarkt auch 2017

Wie lange schon quälen Sie sich mit der Frage: Was machen wir am 20. August?
Hier kommt der erlösende Hinweis:


Da können Sie hingehen. Wie Sie sehen, sind wir auch wieder da und stellen aus.
Dann zeigen wir voller Stolz auch die neuen Situations-Postkarten, diese zum Beispiel:

Hafenstaedter-Foto

Der 20. August ist übrigens ein Sonntag.

Art brut

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): L’art brut.

Als Art brut („rohe Kunst“) wird gemeinhin eine Kunst bezeichnet, die gar keine Kunst sein soll und sein will, zum Beispiel das Gekritzel, das auf dem Notizblock beim Telefonieren „entsteht“. Oder, wie in diesem Fall, Kreidestriche von Kindern auf dem Bürgersteig. Oder das, was „Narrenhände“ auf Tisch und Wänden hinterlassen. Auch frühkindliche Zeichnungen werden dazu gezählt. Es ist eine „Kunst“, die sich ihre Gänsefüßchen selbst verleiht, Fragen veranlaßt, deren Antworten in die verschiedensten, divergierenden Richtungen gehen.
Oft wird der Begriff „Art brut“ auf Kunst von Geisteskranken bzw. geistig Behinderten eingeengt. Damit ist zumindest angedeutet, daß die „Behinderung“ zugleich eine Befähigung zu erweiterter Kreativität ist.
Durch die Epochen war es das Anliegen einer der Durchschnittlichkeit verpflichteten sogenannten Pädagogik, derartige Veränderungen am öffentlichen Raum zu unterbinden und die Impulse zu einer solchen Abweichung zu ersticken. Die allseitig reduzierten Charaktertypen, die ordnungsliebenden Sofakissenknicker: hier im Inneren des Landes da leeeben sie noch. Sie sind zur „geistig-moralischen Wende“, zur Rache des kleinen Geistes allzeit bereit. Denn es gilt denen als ungehörig, etwas zu tun, was keinem schadet.
Und so ist die unbewußte Kunst zugleich ein unbewußter Widerstand, dessen Kraft in seinem Un-Bewußten liegt.

(Nur der Regen darf sie löschen).

Narrenhände (2): Allgemeingenerelle Universalgesamtheit

Oh, wie sie mir aus tiefster Seele verhaßt sind, diese süffisanten Besserwisser und Nichtsversteher, diese hochnäsigen Über-allem-Steher. Die haben alles durchschaut (ohne jemals hingeguckt zu haben) und finden sich originell, bloß weil es ihnen gelingt, die Mitwelt mit ihrer Eindimensionalität anzuöden.
Indem er aller Kreatur den Segen erteilt, verweigert er sich aller Kreatur. Indem er sagt, daß alle recht haben, sagt er, daß keiner recht hat (und umgekehrt). Indem er die Weltformel verkündet, sagt er garnichts. Indem er es allen recht macht, wendet er sich – von der Welt angeekelt – von allen ab. Seine Huld für alles trifft sich mit seiner Verachtung für alles. Diese gesamtgenerelle Allgemeinuniversalität ist keine Geistestat, sondern ein Geisteszustand eines pinseligen Schaumschlägers, der in seiner Arroganz die verachtet, denen es nicht gleichgültig ist, wenn Menschen in Not sind.
Dumme Menschen geben sich dadurch zu erkennen, daß sie zu viel von sich geben, daß sie viel reden und nichts sagen.
Dumme Menschen erkennt man daran, daß sie immer sofort bescheidwissen.
Was ist das jetzt? Ein Gemütsnazi, der sich wohl noch für einen Anarchisten hält.

(Gemeint ist der, der die ursprüngliche Wandparole nachträglich verallgemeinern zu müssen glaubte. Das muß man wohl vorsichtshalber dabeisagen).

Narrenhände


Oh, wie sie mir aus tiefster Seele verhaßt sind, diese süffisanten Besserwisser und Nichtsversteher, die sich originell finden, bloß weil es ihnen gelingt, die Mitwelt mit ihrer Eindimensionalität anzuöden.
Das einzige, was diesem regressiven Spießbürger im Leben gelungen ist: der Verlust seiner Lebendigkeit. Drum wähnt er sich der Welterkenntnis nahe, die verkünden zu müssen er glaubt, dieser Trottel.
Nein, er lobpreist nicht den Müßiggang, diesen eigentlich recht angenehmen Zustand, von dem der bewußt lebende Mensch sich in der Arbeit erholt. Er lobpreist einen Zustand, der einen unangenehmen Geruch hinterläßt.
Das muß man sich so vorstellen:
Er (bölkt): „Äh mach doch ma wat zu essen äh!“
Sie (kreischt): „Äh mach dir doch selber wat zu essen!“
Das Leben ist voller Höhepunkte.
Was ist das jetzt? Ein Gemütsnazi, der sich wohl noch für einen Anarchisten hält?
Früher hätte ich gesagt: Einer, der vom KBW kommt oder dorthin unterwegs ist.

CARPE DIEM!
oder:
„Kick out the devil’s sin, pick up pick up a good good book now!“

P.S.: Zu der Brückengeländerparole da drunter „Wer will findet Wege. Wer nicht will findet Gründe“. Tut mir leid, lieber Aphorist, daß Sie mich heute in sarkastischer Stimmung vorfinden. Aber was mir dazu einfällt ist das:
Freiheit heißt nicht, tun zu können was man will, sondern nicht tun zu müssen was man nicht will.

Dafür muß ich keine Gründe suchen.

Die schönsten Postkarten machen wir

Die Produktion von Postkarten in der Situationspresse wird fortgesetzt. In diesem Herbst wurden 32 neue Motive veröffentlicht. Einige davon wurden hier schon vorgestellt. Hier die nächsten.

Die Postkarte ist ein stringentes Medium. Das einheitliche Format Din-A 6 (Seitenverhältnis eins zu Wurzel aus zwei) erlaubt nur zwei formale Varianten: Hochformat und Querformat. Innerhalb dieses Rahmens gibt es inhaltlich keine Grenzen. Es gibt: Kitschpostkarten, Urlaubspostkarten, Erotikpostkarten, Glückwunschpostkarten, Kunstpostkarten (Postkarten, die Kunstwerke abbilden oder Kunstwerke sind oder beides). Et cetera. Da liegt es doch auf der Hand, die Postkarte als subversives Medium der Aufklärung zu nutzen. Das machen wir. Machen Sie mit.

pk97-tolstoigorkiSituationspostkarte (SPK) 97: Leo Tolstoi und Maxim Gorki 1900

pk-104-charlieSPK 104: Je suis Charlie

pk99-cheSPK 99: Che Guevara

pk83-dankeSPK 83: Stadtzerstörung (Mercatorstraße)

pk-100-antifakalkwegSPK 100: Antifa Kalkweg

pk-103-werdeniesoldatSPK 103: Werde nie Soldaten

pk-101-kunstdersatireSPK 101: Kunst der Satire

pk-102-ueberwachungSPK 102: Überwachung

Motive von: Merkfoto, Hafenstaedter, DFG-VK, Projektgruppe Pudding und gestern usw.

Diese Karten sind zum Stückpreis von 1 Euro erhältlich (bei Versand bitte 1 Euro hinzurechnen, nicht pro Stück, sondern pro Auftrag). Bestelladresse ist:
Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
situationspresse@gmx.de

Wenn Sie in der Kategorienspalte links die Kategorie „Situationspostkarten“ anklicken, wird ein Postkartenkatalog in Fortsetzungen sichtbar.

Es gibt kein Halten mehr: Weitere Postkarten werden in den kommenden Wochen vorgestellt.

Die Denkanstifter von Neudorf

DenkenBitteDen Handschriften nach zu urteilen waren hier zwei Mauerbeschrifter am Werk.
So optimistisch kann keiner sein. Also vermute ich, daß es sich um ein Sarkasten-Duo handelte.
Denn wer rechnet damit, daß auf eine Bitte hin mit dem Denken begonnen wird?
Daß der Krieg dadurch vermieden werden könnte, daß man ihn dankend ablehnt, würde auch nicht viel nutzen. In dem Zustand, in dem die Gesellschaft jetzt ist, würde sie sich einen Krieg leichtfertig aufschwatzen lassen.
Was hingegen zu Hoffnung Anlaß gibt:
Schauen Sie mal genau hin:
Seit dem letzten saisonalen Kiefernnadel-Abwurf ist der Hof nicht mehr gefegt worden.

Samstag. Neudorf. November.

Letzten Samstag war schönes Novemberwetter. Da bin ich hier mal rumgelaufen und habe mir das alles mal angesehen.

November8-01Finden Sie das schön (Oststraße von hinten). Ich finde das schön. Kein Haus ähnelt dem anderen.

November8-02Hier auch. (Lotharstraße von hinten).

November8-03Good old everlasting Lotharstraße.

November8-04Die zwei Miniläden auf der Grabenstraße. Der Laden rechts gehörte früher zwei alten Damen, bei denen man Zeitungen kaufen und Lottoscheine abgeben konnte. Den Laden links hatte jemand gemietet, um ihn mit Pappkartons vollstellen zu können. Jetzt hat er auch den anderen Laden übernommen und vollgestellt. Jahrzehntelang hat sich da nichts verändert.

November8-05Detailansicht.

November8-06In der Glastür spiegele ich mich in meiner Eigenschaft als Fotograf.
Das ist die Bundesgeschäftsstelle von „Solidarität International“, einer – wie sagt man – „Vorfeldorganisation“ der MLPD. War das nicht früher das Geschäft Erbslöh, wo man Vogelfutter, Hamsterkäfige, Mausefallen (Lebendfallen!) etc. kriegen konnte?

November8-07Und was ist das? Wo jetzt das Fenster mit runtergelassenem Rolladen ist, war früher ein Schaufenster, links daneben – inzwischen zugemauert – die Ladentür. In dem Laden war das legendäre Tonträgergeschäft „Garageland“ von Lothar Röse und Rolf Menrath. Ausgesprochen wurde das „Gärretsch-Länd“. Ich habe aber immer „Garageland“ gesagt. Das wurde mißbilligt.
In den hinteren Räumen war der Trikont-Verlag. Den gibt es zwar noch, aber der ist jetzt woanders.
Neudorf ist auch nicht mehr das, was es mal war.

November8-08Ich verstehe: OTR OTR OTR OTR OTR OTR OTR
„Scum“ (engl. etwa: Abschaum) mal positiv (rechts), mal negativ (Pfeil) konnotiert?
November8-09Mitteilungen grundsätzlich in Englisch zu formulieren ist eine schlechte Angewohnheit, eine Modetorheit. Wer drei Ausrufezeichen benötigt, mißtraut der Kraft seiner eigenen Aussage.

November8-10Hier, am Lieferanteneingang von Edeka, bat ich die zigarettenpäuskenmachende Edeka-Dame: „Könnten Sie mal einen Schritt zur Seite gehen, damit ich diese eigentümliche Mitteilung dokumentieren kann?“
„Esst die Reichen“. Da kann einem aber schon der Appetit vergehen!
(Für Veganer gibt es eine Ausnahmegenehmigung).

November8-11Ahh! Da ist jemand aufs Dach gestiegen, um sich unverständlich zu machen.
Die Trinkhalle gibt es immer noch – bloß, daß sie seit Jahren nicht mehr geöffnet wurde.
Oben: Eine Werbung, die auf einem Zeichensetzungsfehler beruht. Richtig müßte es doch heißen:
„Mediamarkt? Ich bin doch nicht blöd!“
„Kostenlose Finanzierung“ heißt auf deutsch: Mehr bezahlen.

November8-12Enthauptete Schaufensterfiguren!
Französische Revolution? Sanson était ici?
Das ist doch Horror! Wer denkt sich sowas aus?
Wasserpumpe im Schaufenster? Warum hat sich die Firma nicht um einen Anschluß an das Wasserversorgungsnetz bemüht? Da ist – im Vergleich – die Buchhandlung Weltbühne doch moderner ausgestattet.

November8-13Völlig kopfloses Verhalten! Die Schaufensterpuppen von Sport Hildebrandt haben das Schaufenster verlassen und irren auf dem Sternbuschweg umher!

November8-14Was folgt daraus?

Schauen Sie mal Musik!

Donnerwetter!
ImAlive01ImAlive02ImAlive02aImAlive02bImAlive07ImAlive10ImAlive11ImAlive12ImAlive14ImAlive16ImAlive17ImAlive18ImAlive19ImAlive2025 Jahre Musik, die auf der Bühne zu betrachten ist, ist nicht weniger be- und gedenkenswert als die 28 Monate Amore e Rabbia, die sich heute mit dem 666. Eintrag vollenden.
Geduld trägt Video-Früchte: Nach den Aufnahmen in dieser Lokation haben wir sieben Monate lang alive sein müssen.

Der ganze Clip in bewegten Bildern ist anzuschauen: dort.

Übrigens ist mir immer noch nicht klar, was das Stimulierende daran sein soll, wenn eine nur wenig umhüllte Frau sich um eine Feuerwehrstange dreht. Aber das liegt sicherlich an meiner Perversität.

Keine Antwort ist auch ’ne Antwort. Keine Demo ist auch ’ne Demo.

Vor einem Monat wurde ich per E-mail darüber informiert, daß für den 18. Juli in Essen eine Demonstration gegen die Bombardierung Gazas durch Israel geplant sei, und ich wurde gebeten, diese Information weiterzuleiten.
Das habe ich nicht getan. Weder bin ich zu der Demonstration hingegangen, noch habe ich die Information weitergegeben. Es mag angemessen sein, gegen den israelischen Kriegsterror Einspruch zu erheben. Aber ich konnte mir an fünf Fingern abzählen, daß scharenweise auch Antisemiten, Haßprediger, islamistische Fanatiker, Holocaustleugner und -verharmloser, Rechtsradikale und Verschwörungsbeschwörer angezogen werden. Und so ist es ja auch gekommen.
Ich gehe auch nicht zu Demonstrationen gegen Antisemitismus. Es mag angemessen, es mag sogar bitter nötig sein, gegen den grassierenden Antisemitismus ein deutliches Zeichen zu setzen. Aber ich weiß nur zu gut, welches Pack sich da ebenfalls anlocken läßt.

FreiheitFuerDie Botschaft in Dunkelrot: Freiheit für Palästina. Nagut. Warum nicht. Freiheit ist immer gut.
Die hellroten Widersacher sind gegenteiliger Ansicht. Freiheit für wen auch immer. Aber „Palästina“ ist durchgestrichen.
Für die Sicherheit Israels („Save“) kann die Unfreiheit Palästinas ja wohl kaum Voraussetzung sein. Eher ist das Gegenteil der Fall. Das müßten die Israel-„Freunde“ doch wissen. Aber darum geht es denen ja gar nicht. Sondern: Daß Menschen zum allerhöchsten Ruhm von irgendwas unterdrückt und abgeschlachtet werden. Daran geilen die sich auf. Den scheinbaren Widersachern gemeinsam ist das Bedürfnis nach einem Großen Bruder.
Hier üben sich die Weltstrategen in der Fortsetzung des Krieges mit farbpsychologischen Mitteln. Wenigstens an Duisburger Mauern herrscht Waffengleichheit.

Richtich!

RichtichRichtich! Anarchie muß her! Damit entlich widder Ortnung herrschd!
(Ich hab‘s befürchtet).

P.S.: Englisch à la Lübke?
Der Blau-Schreiber, der die Mitteilung „Ich BIN nie aufgewachsen“ unbedingt in Englisch hinschreiben mußte, hätte dann aber auch wissen müssen, daß es dann korrekterweise „I have (bzw. I’ve) never grown up“ heißen müßte.