Landschaft im zweiten Futur (6-13)

LandschaftKultur06Hat man das Gut Kesselsberg passiert, kommt man an eine Weggabelung. Ich bin immer linksrum gegangen und dachte jedesmal: irgendwann gehe ich rechtsrum. Das wurde also eine lange Wanderung, weil ich mir die Landkarte dieser Gegend wohlweislich erst danach angeschaut habe.

LandschaftKultur07Immer gut, wenn der Autofahrer weiß, wie er nach Duisburg und nach Düsseldorf kommt. Wie man nach Dinslaken kommt, muß er nicht wissen. Da fährt nie jemand hin.

LandschaftKultur08Solange es solche Wege gibt und solche Zäune, und solche Pöhle und solche Kabel, … (vervollständigen Sie den Satz bitte selber).

LandschaftKultur09Ja, gewiß: Ich möchte gern als Landschafts-Fotograf bei Ihnen Ruhm ernten. Aber ich will Sie auch daran erinnern, daß es ein Profit-Interesse an Landschafts-Zerstörung gibt.

LandschaftKultur10Hier könnte man doch zum Beispiel 40 Karriere-Apartments draus machen mit Wirl-Zone und Wellness-Pool. Will jeder, braucht keiner.

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WIRD FORTGESETZT.

Landschaft im zweiten Futur (1-5)

Die katholischen Hochfeste, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind („Christi Himmelfahrt“, Pfingstsonntag, „Fronleichnam“) nutze ich für ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, Felder und Siedlungen – ich sagte es bereits, daß ich es bereits sagte.
Den Himmelfahrtstag habe ich nicht für eine Fahrt zum Himmel genutzt, sondern an den Teil der Stadt, der an Düsseldorf angrenzt.

LandschaftFutur01Wenn die Anger (dieser Bach da) Stolz empfinden könnte, dann wäre sie stolz darauf, nicht in einen Nebenfluß oder in einen anderen Bach zu münden, sondern in den Rhein höchstpersönlich.

LandschaftFutur02Haben Sie diese Landschaft wiedererkannt? Von der war hier schon mal die Rede. Ich bin hier, um Erinnerungen zu sichern, die das einzige sind, was hiervon übrigbleibt, solange man Idioten, die sich „Stadtplaner“ nennen, nicht in sehr enge Schranken weist.
In einer Stadt, deren Einwohnerzahl in den letzten 40 Jahren um mehr als 100.000 zurückgegangen ist, weiterhin Fläche zu verbrauchen, ist eine imponierende Leistung in der Kunst des Nichtskönnens.
„Zweites Futur“ oder „Futur zwei“ oder „Vollendete Zukunft“ ist das, was in der Zukunft vorbei sein wird. Oder so.

LandschaftFutur03Man komme mir nur nicht mit „Überkapazitäten der Landwirtschaft“. Auf solchen Flächen könnte erneuerbare Energie angebaut werden. Aber dazu holzt man lieber den Amazonas-Urwald ab! Eine kapitalistische Lösung des Energie-Problems ist keine!

LandschaftKultur04Was sehen wir hier? Gut Kesselsberg (steht bestimmt inzwischen unter Denkmalschutz, was wenig bedeutet). Eine Kulturlandschaft. Der Mensch kann sehr wohl in eine Landschaft eingreifen, ohne sie zu vernichten: Landschaftskultur.

LandschaftKultur05Kann mir das mal jemand botanisch erklären?
Es handelt sich keineswegs um Vogelnester.

WIRD FORTGESETZT.

Alles war, nix is mehr (6)

nixis36Wer hier reinfährt, fällt auf die SPD rein.
Nein, ich wollte sagen:
Wer hier reinfährt, fährt bei der SPD rein.
Handelt es sich hier vielleicht um so ein berühmtes „schwarzes Loch“? Wo immer nur was reingeht, aber nie was rauskommt?

nixis37In diesem schönen Haus Mercatorstraße 100 wohnte der Pfarrer Essen.
Der Name wird kaum einem von Ihnen geläufig sein. Darum wird hier bei späterer Gelegenheit bestimmt nochmal davon die Rede sein müssen.
Ich bin froh, diese Generation noch erlebt zu haben.

nixis38Ja, was ist das denn? Auf der Mercatorstraße (hier: südlicher Abschnitt) stehen noch Bäume?! Die muß der Oberbürgermeister Sören Link (SPD) wohl übersehen haben. Was sollen die Investoren dazu sagen?
Gucken Sie mal rechts:
Man befindet sich hier ziemlich genau in der Mitte des Territoriums der Stadt Duisburg. Und hier, mitten in der Stadt (und nicht etwa dort, wo man in die Stadt hineintritt) stellen die ein Schild auf: „Herzlich willkommen in Duisburg“.

nixis39Die Forma Eller Montan gibt es wohl nicht mehr. Aber das Eller-Montan-Haus (rechts im Bild) steht treu & fest.
Hingegen: Die Deutsche Bahn AG gibt es noch. Aber ihr Gebäude in der Mitte des Bildes (alter Güterbahnhof) verfällt so vor sich hin.

nixis40Finden Sie, daß das hier jetzt besser aussieht als vorher?
Zu dem Ende der Mercatorstraße (da, wo jetzt der gläserne Hut nicht mehr ist – but: the investor was here) gehe ich schon gar nicht mehr hin. Ich will das nicht mehr sehen!

Als Heimatdichter, als einer, der sich immer zu seiner Liebe zur Heimat bekannt hat, bekenne ich heute:
Daß ich – bis auf eine zehnmonatige Unterbrechung – mein ganzen Leben in dieser Stadt verbracht habe, bereue ich nicht.
Wenn ich aber vor 30 Jahren diese Stadt verlassen hätte und nun wieder käme und all diese Verwüstungen sehen würde, die hier mutwillig angerichtet wurden, dann würde ich es auch nicht bereuen, hier weggegangen zu sein.

FORTSETZUNG FOLGT.

Alles war, nix is mehr (4)

Mal so gesehen:

nixis21Oder mal so:

nixis22„Ich will doch auch den Frühling genießen“, sagte ich. Und was tu ich in so einem Fall? Ich gehe am Samstag/Sonntag durch die Stadt spazieren. (Das ist nicht die einzige Genuß-Variante. Aber heute ist von DIESER die Rede).

nixis23Da wohnt einer.

nixis24Die Volksbank (früher: Vereinsbank – was ist der Unterschied?) ist umgezogen. Links daneben: das Gebäude, aus dem die Stadtbibliothek ausgezogen ist. Was geschieht mit Gebäuden, aus denen Banken und Bibliotheken ausgezogen sind? Richtig!
Schnell noch hin und ein Erinnerungsfoto machen, bevor die Birne kommt. Ich kann mir zu gut vorstellen, wie das demnächst aussehen wird – in Zeiten, in denen der Beruf des Architekten nur noch von Knallköppen ergriffen wird (siehe: Mercatorhalle einst und heute. Oder: Karstadt einst und heute. Et cetera pepé).

nixis25Hier auch!
Von der Steinschen Gasse der Blick in die Altstadt hinein wird als Schandfleck bezeichnet. Na und? Die Schandflecken sind mir allesamt lieber als alles, was bei den Versuchen, sie zu beseitigen, von ihnen übrigbleibt.
(Komisch: „Schandflecke“ wäre richtig gewesen. Aber dagegen sträubt sich die Rechtschreibprüfung. Gegen „Schandflecken“ wird kein Einwand erhoben).

nixis26Der Stadtwerketurm wird als Fabrikschornstein seit 2012 nicht mehr benötigt. Die Demontage ist geplant, aber der Turm steht unter Denkmalschutz. Man erwägt, die Rohre zu demontieren und nur das Gerüst als „Landmarke“ stehen zu lassen.
Der 200 Meter hohe Turm ist von fast jeder Stelle in der Stadt aus zu sehen. Ich hatte – in den 70er Jahren war‘s – die kühne Künstler-Idee, den Turm aus allen möglichen Perspektiven zu fotografieren – ein Turm mit variierenden Vordergründen. Dazu komme ich jetzt wohl nicht mehr.

nixis27Oder ich fang doch noch damit an.
Vordergrund: Das Lehmbruck-Museum. In der Mitte: „Liegende Figur zweiteilig“ von Henry Moore. Die haben wir uns im Kunstunterricht angeguckt (Untertertia).

nixis28Früher waren oben auf dem Turm zwei rote Lampen, die nachts rhythmisch aufleuchteten.
Ich war mal mit dem Bott nachts in Hochfeld unterwegs. Der Bott sagte: „Guck mal. Da oben sitzen zwei und schmoken Chillums.“
Direkt an den Stadtwerken liegt das Puff-Viertel (sinniger Name: Vulkanstraße). Da sollte man nicht so offensichtlich mit einem Fotoapparat hantieren, das könnten manche Leute in den falschen Hals kriegen.

nixis29Aber gucken Sie noch mal eben schnell die Technik am Fuße des Turmes! Ist das nicht bombastisch?
An der Fassade da drunter das Puff-Emblem.

FORTSETZUNG FOLGT.

Kommt und holt euch den neuen Metzger

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 115.

M115Sowas steht drin:

Intro: Schöner Wohnen. Wie man durch unpraktisches Einrichten für Komik sorgt.

Jakop Heinn: Mann vom Rand. Unvorhergesehener Zwischenfall: Die britische Labour Party hat einen Linken zum Vorsitzenden gewählt!

Lina Ganowski: Verweigern Sie die Aussage! Schlechte Zeiten für Moralisten: Rauschgift soll legal und Sex-Arbeit („Prostitution“) nicht mehr pfuibäh sein. Wer keine Ahnung hat ist dagegen, und wer dagegen ist hat keine Ahnung. Was haben die Moralisten mit ihren Verboten denn je erreicht? Was wollen sie überhaupt erreichen?

Helmut Loeven: Die Flüchtlinge und unsere Aktien. Was nutzen uns die Flüchtlinge? Kosten sie vielleicht mehr als sie einbringen? Gegenfrage: Wieso müssen Menschen, die in Not sdind und Hilfe brauchen und das Mittelmeer im Schlauchboot überlebt haben, ihren Nutzen nachweisen?

Nachrichten. (Elsässer-Schote darf nicht fehlen).

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Meine Erlebnisse mit Merkel; Müssen Pazifistinnen doof sein?; Cooler Kaffee; Keine Demo ist auch’ne Demo; Stadtverschleiß; Kaiserberg. Und immer wieder: Komische Häuser, komische Schilder.

Die Väter der Libelle. Diesmal: Captain Misson, und der Trikont-Verlag is nicht kaputt zu kriegen.

Lütfiye Güzel: „er zeigt mir die bühne…“ Aus dem Leben einer Poetin oder Wieviel Einsicht sollte man von Publikum und Veranstaltern doch eigentlich erwarten dürfen?

Lothar Röse: Plus ultra. Von Empyreum zum Empire. Was hat die Astronomie zum Kapitalismus beigetragen?

Mac Duff: Richter Azdak in Rom. Diesmal muß sich der kaukasische Kreisekreisrichter mit einer Vaterschaftsklage von Annette Schawan beschäftigen.

Max Reinhardt: Unser täglich Hühnerbein gib uns heute. Schocking in südlicher Gegend.

Jiddische Weltmusik aus Nürnberg. Thomas Rüger über die Global Shtetl Band.

Tagebuch. Hier tut sich einiges.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

„Da hinten bauen se“

SternWegBau1Glaubt man, auf diese Weise Sternbuschwegverbesseung zu leisten?

SternWegBau2Wo man doch weiß, daß in Duisburg jeder Versuch der Verbesserung ein noch größeres Fiasko hinterläßt.

SternWegBau3Nun gut, das sieht schön aus.
Es gibt aber Schöneres.

MEHR LEBENSERKENNTNIS AM DONNERSTAG (17. September) UM 19 UHR BEI DER LESUNG IM SYNTOPIA.

Berührung oder Das Foto (die Fotos) zum Zwanzigsten

2015-07a2015-07bZwischen diesen Fotos liegen zwei Jahre (2011-2013). Ich war mir auf Anhieb nicht schlüssig, welches das schönere ist, darum erscheinen in diesem Monat am Zwanzigsten zwei Fotos.

Wie wieder zu sehen ist, geht es mir keineswegs um die „unberührte Natur“, sondern eher um die berührte. Besser gesagt: um die berührte Zivilisation. Wie viel Berührung erträgt sie (noch/wieder)?
Der Wald (der Deutsche) hat seine Inanspruchnahme als Stifter nationalen Sinnes („Romantik“) noch halbwegs überstanden. Wird er von seiner heutigen Funktion als Wohnumfeldverbesserung Schaden erleiden?
Das untere Foto ist das ältere.

Muß das wirklich sein, jeden Monat eine neue Mensa?

Gestern in der WAZ gelesen: Es gibt schon wieder eine neue Mensa. Zwar hat die Duisburger Universität schon drei Mensas (Mensen? Mensae?). – In der WAZ stand: zwei: Die „Mensa Bibliothek“ und die im Rundbau an der Lotharstraße. Die an der Bismarckstraße haben sie vergessen mitzuzählen.
Die „Mensa Bibliothek“ heißt „Mensa Bibliothek“, weil es von da aus nur noch ein paar hundert Meter bis zur Bibliothek ist. Die wurde 1968 gebaut. Na und? Das Haus, in dem ich wohne, ist aus dem 19. Jahrhundert.
Über die Rundbau- (vulgo: Keksdosen-) Mensa steht in der WAZ: „Der Plan, Ersatz zu schaffen […], ist bereits 15 Jahre alt.“ Was? Da war die neue Mensa doch gerade mal eröffnet! Und da hat man schon über Ersatz nachgedacht? Genauso wird es auch mit der nächsten Mensa gehen: noch bevor die überhaupt fertig ist, ist die schon in der Abwicklungsphase.
Ein Neubau ist darum unbedingt vonnöten, weil die Ansprüche sich ändern: Vegan, vegetarisch, Wok, Salat-Büffet etc. Ach! Zu meiner Zeit, als die Universität noch akademisch war, da gelang auch schon ein Extramanü für die Schweinefleisch-Nichtwoller. Das ging. Heutzutage muß um jede Suppe und um jedes Schnitzel ein neues Gebäude drumrumgebaut werden.

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Es ist ja nicht so, daß eine neue Mensa wirklich gebraucht wird. Der wahre Grund ist, daß die Planer keine leeren Flächen ertragen. Wenn die eine unbebaute Fläche sehen, dann kriegen die ihren Rappel. Und wenn dann doch mal eine Fläche von Gras bedeckt sein darf, dann muß es ein nach Plan angelegter Offizial-Rasen sein. Die freie Ausbreitung des wilden Grases und des Un-Krautes würde vielleicht auch den Menschen seiner Natur näher bringen, und das ist von Nachteil für die Beherrschung (jetzt sind wir schon bei Rousseau).

Der Wald, der gleich dahinter liegt, ist der Bebauungs-Wut entzogen. Aber da läßt man sich auch noch was einfallen.

Auch der Sören Link hat was gesagt: „Hervorragende Leistungen in Forschung, Lehre und Studium benötigen auch ein attraktives infrastrukturelles Umfeld“, sagte der Oberbürgermeister. Und: „Der Mensaneubau wird ebenso wie das neue Hörsaalzentrum die Attraktivität des Campus Duisburg weiter streigern.“
Das läßt Böses ahnen. Bei dem Hörsaalzentrum an der Lotharstraße hat man die Fenster vergessen.

Lü-gen-pres-se! Lü-gen-pres-se! Der Metzger Nr. 114!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 114.

Metzger114CoverSowas steht drin:

Ulrich Sander und Bernd Trautvetter: Der Nato-Oberbefehlshaber Philipp M. Breedlove als Einpeitscher der großen Kriege. Vom Planer in Kalkar zum obersten Kriegsherrn der USA für Europa.

Jakop Heinn: Unter Nebenfeinden. Ackermanns Enthüllungen. Von einer fixen Idee besessen ohne Substanz mit maßlosen Beschuldigungen um sich werfen („Kriegshetzer“, „Verfassungsschutzagent“) – das ist kein feiner Mann, der sowas tut.

Renate König: Risiko Kinderkrankheit. Die Masern sind keineswegs eine „harmlose Kinderkrankheit“. Harmlos sind darum auch nicht die militanten Impfgegner.

Helmut Loeven: Entlassen aus der Geschichte? Durch eine bündnispolitische Fehlentscheidung hat die Friedensbewegung sich selbst einen irreparablen Schaden angetan. Durch das Echo darauf wird offenbar, in welchem desolaten Geisteszustand sich die Linke in Deutschland mittlerweile befindet. Nichts mehr verstehend und von keinem verstanden? Der „Friedenswinter“ und seine Folgen.

Exkurs: „Die Idioten sind unter uns“. Das Neue Deutschland berichtete über die Kritik an der Rechtsöffnung und am Querfront-Kurs der Friedensbewegung. Daraufhin durften sich auf Wojnas Facebook-Seite die unkontrollierten Reflexe austoben. Zitate.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal u.a.: Hilf dem Reichsbürger Naidoof auf das Fahrrad; Sparkasse doof, Postbank ebenfalls doof; Wambachsee und Mercatorstraße oder Warum werden Investoren nicht einfach aus der Stadt gejagt?; Wann bezahlt Schäuble (die schwarze Null) endlich unsere Schulden an Griechenland?; Der Volksbelustiger Dieter Nuhr ist kein Kabarettist, sondern eine Tasse.

Charakter & Lage. Konkret-Herausgeber Gremliza hat mit einem historischen Vergleich daneben gegriffen. Putin ist nicht Dollfuß.

Lothar Röse: Paris mon amour. Das Entsetzen über ein Attentat auf eine Satirezeitungs-Redaktion sollte nicht von kritischer Analyse der Lage abhalten, auch wenn das Entsetzen sich dann vielleicht vergrößert. Der Kapitalismus ist nicht gut für dich, erkundige dich nach ihm!

Marvin Chlada: Es geht voran? Ein Blick in die Zukunft der internationalen Arbeiterbewegung – auch wenn von der Zukunft schon ein Stück geschehen ist! Über ein Buch aus dem VSA-Verlag.

Konrad Knurrhahn: Horizont. Glosse über denselben mit dem Rat, ihn zu erweitern.

Sinngebung: Ready made. Konkrete Poesie oder Ist die experimentelle Literatur reine Maschinenkunst? Lesen Sie selbst!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Ein hübsches Stückchen Landschaft, nicht wahr?

HuckingenFeldEin hübsches Stückchen Landschaft, nicht wahr?
Auf dem kurvigen Weg dort ist man unterwegs zwischen Großenbaum und Huckingen.
Doch jetzt habe ich in der Zeitung gelesen: Dort, genau dort soll gebaut werden (Wohnungen der Luxusklasse). Die Linken und die Grünen sind dagegen. SPD und CDU sind dafür.
Da das Angebot an Bauland im Düsseldorfer Norden die Nachfrage dort nicht befriedigt, spekuliert man darauf, daß die Leute in den Duisburger Süden gelockt werden können. Das halte ich für Quatsch. Die Leute wollen nicht in Düsseldorfer Norden wohnen, weil sie es im Düsseldorfer Norden so schön finden, sondern um nicht in Duisburg zu wohnen. Und das ist auch gut so.
Man soll an die infantilen Raff-Instinkte doch nicht appellieren („Will ich auch haben!“. In diesem Kontext: „Da will ich auch wohnen!“). Bringt den Leuten bei, daß eine Landschaft schön bleibt, wenn man sie verläßt und nach Hause geht, und nicht, wenn man sich in ihr ansässig macht und sie zu dem Behufe mit Baugeräten penetriert.
In einer Stadt, deren Einwohnerzahl in den letzten 40 Jahren um mehr als 100.000 zurückgegangen ist, weiterhin Fläche zu verbrauchen, ist eine imponierende Leistung in der Kunst des Nichtskönnens.
Die CDU ist dafür. Das wundert mich nicht. Die CDU ist immer für alles, was falsch ist.
Die SPD ist dafür. Auch das wundert mich nicht. Das liegt an der Beton-Affinität des sozialdemokratischen Kommunalpolitikers.
Der normale Politiker mißt seinen Erfolg an Direktmandaten oder Ehrendoktorhüten. Der sozialdemokratische Kommunalpolitiker mißt seinen Erfolg in Kubikmetern Betong. Sozialdemokraten tragen sogar Unterwäsche aus Beton.

MilserHotelGewichtIch bin es leid! Jetzt greife ich auch mal in die Landschaft!
Das Milser-Hotel wird farblich von Grund auf umgestaltet. Da kann der Milser noch so viele Gewichte hochheben!

Bilder einer Vergewisserung (16-24)

pf2015-16Nachdem man die Häuser in Vordergrund passiert hat, dort hinter den sieben Platanen (oder acht. Oder neun):
Stand einst die Mülheimer Villa.
In DER METZGER Nr. 24 (Februar 1975) schrieb Rolf Menrath über das „selbstverwaltete Wohnprojekt“.
Da wohnten sie alle. Ich wohnte nicht da, war aber oft zu Besuch. (Was Kommune betrifft: Der Besucher ist stets besser dran).
Hinter dem Haus war eine große Veranda, von der aus man weit ins Tal blicken konnte. Ich erinnere mich an eine ganz große Sommernachts-Party. Mit der Zeit drang durch, daß hier die Verlobung von Che und Frauke gefeiert wurde – oder war es sogar die Hochzeitsfeier? Nein, ich spreche nicht von Che Guevara, sondern von Che Urselmann, der die Zeitschrift ZERO herausgab. Und Frauke managte die Theke im Eschhaus. Ich bewunderte sie, weil eine solche Arbeit angesichts einiger sehr schräger Vögel, die da ihre Schrägheit ventilierten, nur mit einem sehr hohen Maß an Souveränität zu bewältigen war.
Von der Mülheimer Villa – nach ihrem Abriß – ist nochmal in DER METZGER Nr. 39 die Rede. Heute steht an der Stelle irgendeine andere „Wohnbebauung“. Villen baut man stattdessen an Stellen, wo sie nicht hingehören.
Über ein etwas komisches Erlebnis in der Villa berichtete ich in meinem Buch „Der Gartenoffizier“ auf Seite 163f.

pf2015-17Die Landschaft hinter der Villa.

pf2015-18Ach, erzählen Sie ruhig, die Elektrizität wäre hier erfunden worden. Weil das so aussieht: in dem Häusken hinter den Häuskes. Das können Sie getrost erzählen, weil das sowieso keiner glaubt.
Bringen Sie die Oberleitung als Argument ins Spiel.

pf2015-19Das Haus habe ich Ihnen doch schon mal gezeigt und gesagt, daß ich Ihnen die Geschichte dazu vielleicht mal erzähle. Also:
In diesem schönen Haus wohnte eine, die ich kannte, Schülerin des Frau-Rat-Goethe-Mädchengymnasiums, die unserer kleinen und sehr agilen Radikal-Gruppe angehörte, die sich „Kommune“ nannte (und, das darf ich sagen, es besser machte als die meisten Gruppen, die sich so bezeichneten. Außer mir zwei Arbeiter, ein Lehrling, drei Schülerinnen, kein Student). Wir hatten gerade an den Weihnachtstagen (1968) auf dem Bahnhofsvorplatz einen Hungerstreik veranstaltet (wegen Vietnam). Der Vater der Villenbewohnerin, der Villenbesitzer also, zeigte Sympathie für unsere umstürzlerischen Konzepte und lud uns ein. Es ging wohl darum, uns finanziell unter die Arme zu greifen.
Die Genossin (Christiane hieß sie) hatte ein sehr großes Zimmer. Da stand auch ein Klavier, auf dem ich dann spielte – obwohl ich gar nicht klavierspielen kann. Aber mit einem Klavier funktioniert sowas, anders als – etwa – mit einer Klarinette. In einem Regal standen viele Bücher, und zwar alle aus der rororo-Taschenbuchreihe. (Vielleicht hat sie Bücher aus anderen Verlagen irgendwo verborgen aufbewahrt).
An der Wand hing ein großes pygophiles Poster, was meine Sympathie für die Zimmerbewohnerin weiter steigerte. Ich finde es gut, wenn Frauen auch einen Blick für sowas haben.
Das Gespräch mit ihrem Vater, der nach langem Zögern sein Lampenfieber überwand und sich uns Revoluzzern aussetzte, verlief eigentlich sehr harmonisch.
Viel hat er dann jedenfalls nicht springen lassen.
Nach der Rückfahrt mit der Straßenbahn nach Duisburg (Oberleitung siehe oben) brachte ich die Genossin Anne nach Hause. Es war ein Schnee gefallen. Der trockene Pulverschnee knirschte unter unseren Schritten. Wir waren schon auf dem Lith. Ich dachte: Nur noch da vorn die Ecke rum, dann ist sie zu Hause. Und ich dachte: Jetzt! Jetzt! Jetzt! werde ich sie einfach in’n Arm nehmen und küssen! Und dann stellte sich heraus, daß sie schon seit Monaten darauf gewartet hatte.
Pech für die Mädchen, die sich in so einen schüchternen Jungen verlieben. Da dauert das immer moo-naa-tee-laang.

pf2015-20Ich kann mir nicht helfen und ich weiß nicht warum. Immer wenn ich hier unterwegs bin, wo zwischen Radweg und Fahrbahn ein Parkstreifen angelegt ist, überkommt mich eine geheimnisvolle Melancholie. Da kann der Herr Nappenfeld noch so viel Metall gestalten.

pf2015-21pf2015-22Jetzt die Biege ins Gewerbegebiet, zur Ruhr? Nein, heute nicht.

pf2015-23In irgendeiner Nebenstraße – diese war’s wohl nicht, aber so ähnlich – bin ich mal mit dem Strähler gewesen. Das war Ende der 70er Jahre. Wir (Hut-Film) besuchten da den Dokumentar- und Experimental-Filmer Reinald Schnell. Der wohnte da mit seiner Mutter, der Frau des Schriftstellers Robert Wolfgang Schnell. Ich war froh, mal eine Wohnung zu betreten, in der es so aussah wie bei mir zu Hause. Überall Zeitungen und Bücher auf Tischen und Stühlen.
An der Wand hing ein Miró, ein Original.
Soll ich Ihnen mal was sagen: Der Schnell fand meine Filme nicht so gut. Der fand die Filme von dem Strähler besser! Aber seine Mutter war von dem, was ich sagte, sehr angetan.
Wir organisierten dann einen Filmabend mit Reinald Schnell im Eschhaus. Er hielt einen einführenden Vortrag, von dem mir ein Satz besonders in Erinnerung blieb. Ein Zitat von Mitscherlich: „Was wir heute bauen sind die Slums von morgen.“

KneipeMuelheimDer Wendepunkt eines Pfingst-Ausgangs zum Zwecke der Vergewisserung (woher kommen wir, wohin gehen wir, hier: wo machen wir kehrt).
Das Bild habe ich Ihnen doch auch schon mal gezeigt. In dem Lokal hatten wir mal Klassentreffen. Das muß im Dezember 1974 gewesen sein (kurz nachdem Sartre Baader in Stammheim besucht hatte).
Als ich nach Hause ging, Mitternacht war schon vorbei, da merkte ich, daß ich ohne Hausschlüssel unterwegs war.

Bilder einer Wanderung (9-19)

ch2015-09Quakende Enten auf dem Dickelsbach bei Großenbaum.

ch2015-10ch2015-11Eine der meistbefahrenen Eisenbahnlinien Europas, von der Großenbaumer Brücke aus gesehen..
Oben: Richtung Hauptbahnhof, Essen, Dortmund, Hannover, Berlin.
Unten: Richtung Düsseldorf, Köln, Bonn, Mainz, Karlsruhe, Freiburg, Basel.
Wie oft fuhr ich im IC unter der Brücke nach Düsseldorf, Bonn vor allem, aber auch Mainz, Karlsruhe und Freiburg (Basel nie) – der Arbeit und der Liebe wegen. In letzter Zeit immer seltener. Nach Berlin fahre ich auch nicht mehr.
Merke:
Kommt Zeit, kommt Rath, kommen Derendorf.

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ch2015-13Solche Mauern hatten früher eine sehr viel größere Bedeutung als heute, und waren auch länger. Hier eine sehr abgelegene Industrie, zu der aber auch am Himmelfahrtstag große LKWs hin fahren (habe ich gesehen).

ch2015-14Blick hinab auf den Großenbaumer See, auch als „Freibad Großenbaum“ bezeichnet. Früher sagte man: Strandbad.
Und? Nichts! Kein Strandleben im Strandbad. Ein stillgelegtes Strandbad? Scheint so.
Wasser ist aber noch drin. Der Oberbürgermeister hat den Stöpsel noch nicht gefunden.
Gucken Sie mal genau hin. Da hinten am Horizont, links neben der Baumgruppe in der Mitte: Ein Hochofen.

ch2015-15Die Brücke, die ich vorhin erwähnte. Früher sah man die schon von Weitem, wenn man sich ihr näherte. Heute erblickt man sie erst, wenn man sie fast erreicht hat.
Früher! Ja! Früher! Da konnte man den Blick über Landschaften genießen. Das war gut dafür, sich im Leben und in der Welt zu orientieren. Heute gibt es kaum noch eine Landschaft, die noch nicht zugewachsen ist.

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ch2015-17Angelangt in Huckingen. Gucken Sie mal auf die Landkarte, wie weit ich gehe!

ch2015-18Also, das sieht ja so aus, als hätte man die ganze Landschaft davongetragen und nur das Haus stehengelassen.

ch2015-19„Aufgrund eines technischen Defekt“, „weiteres außer Betrieb – “.
Hier scheint auch ein sprachlicher Defekt vorzuliegen.
Hübsche junge Dame (guckt mißtrauisch).

Bilder einer Wanderung (1-8)

Die katholischen Hochfeste, die in den Frühling fallen, wenn es lange hell bleibt, und die zudem gesetzliche Feiertage sind („Christi Himmelfahrt“, Pfingstsonntag, „Fronleichnam“) nutze ich für ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, Felder und Siedlungen – ich sagte es bereits.
Die dafür verwendete Zeit ist Arbeitszeit. Denn im weiten Horizont werden Arbeiten vorbereitet. Man erinnere sich an Nietzsche: „Mißtraue einem Gedanken, der nicht beim Gehen entstanden ist.“ Soll heißen: Einen Gedanken, der beim Gehen entstanden ist, klann man schon fast vertrauen.

ch2015-01Der Wambachsee.
Denken Sie dran: Alle Bilder kann man durch Anklicken vergrößern.

ch2015-02Der Wambachsee an anderen, schmalen Ende. Das Nordufer vom Südufer aus gesehen. Am Nordufer reihen sich Privatgrundstücke aneinander, die bis zum Seeufer reichen. Privatufer. Früher war sowas nicht nur möglich, sondern auch denkbar.
Nun soll das letzte Stückchen frei zugängliches Ufer auch noch einem Villenerbauer überlassen werden.
Warum werden die Stadtplaner nicht einfach aus der Stadt gejagt? Ist von denen jemals etwas Erfreuliches gekommen?

ch2015-03Auf der schmalen Landenge zwischen dem Wambachsee und dem Haubachsee ist ein großer Kinderspielplatz. Nähert man sich, hört man an solchen Tagen die hellstimmige Spielfreude der Kinder. Sich als einzelner Mann mit einem Fotoapparat zu nähern ist allerdings lebensgefährlich. Fotos von Kindern!
Eine unaufgeklärte Gesellschaft entsteht nicht allein durch zu geringe Verbreitung der Aufklärung, sondern mehr noch durch eine zu große Verbreitung der Dummheit. In der Warengesellschaft ist auch die Dummheit ein Produkt.

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ch2015-08Hier habe ich gearbeitet, auch an Wochenenden. Auch an Feiertagen: Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg-Buchholz. Die Last der (wirklich sehr schweren) Arbeit war dadurch halbiert, daß mein Job bis zum 31. Oktober 1971 befristet war – Und dann hatte ich noch so viel Resturlaub, daß ich schon einige Wochen vorher adieu sagen konnte.

WIRD FORTGESETZT.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.