Muß das wirklich sein, jeden Monat eine neue Mensa?

Gestern in der WAZ gelesen: Es gibt schon wieder eine neue Mensa. Zwar hat die Duisburger Universität schon drei Mensas (Mensen? Mensae?). – In der WAZ stand: zwei: Die „Mensa Bibliothek“ und die im Rundbau an der Lotharstraße. Die an der Bismarckstraße haben sie vergessen mitzuzählen.
Die „Mensa Bibliothek“ heißt „Mensa Bibliothek“, weil es von da aus nur noch ein paar hundert Meter bis zur Bibliothek ist. Die wurde 1968 gebaut. Na und? Das Haus, in dem ich wohne, ist aus dem 19. Jahrhundert.
Über die Rundbau- (vulgo: Keksdosen-) Mensa steht in der WAZ: „Der Plan, Ersatz zu schaffen […], ist bereits 15 Jahre alt.“ Was? Da war die neue Mensa doch gerade mal eröffnet! Und da hat man schon über Ersatz nachgedacht? Genauso wird es auch mit der nächsten Mensa gehen: noch bevor die überhaupt fertig ist, ist die schon in der Abwicklungsphase.
Ein Neubau ist darum unbedingt vonnöten, weil die Ansprüche sich ändern: Vegan, vegetarisch, Wok, Salat-Büffet etc. Ach! Zu meiner Zeit, als die Universität noch akademisch war, da gelang auch schon ein Extramanü für die Schweinefleisch-Nichtwoller. Das ging. Heutzutage muß um jede Suppe und um jedes Schnitzel ein neues Gebäude drumrumgebaut werden.

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Hier, wo es so schön ist, soll ein überflüssiges Gebäude hin

Es ist ja nicht so, daß eine neue Mensa wirklich gebraucht wird. Der wahre Grund ist, daß die Planer keine leeren Flächen ertragen. Wenn die eine unbebaute Fläche sehen, dann kriegen die ihren Rappel. Und wenn dann doch mal eine Fläche von Gras bedeckt sein darf, dann muß es ein nach Plan angelegter Offizial-Rasen sein. Die freie Ausbreitung des wilden Grases und des Un-Krautes würde vielleicht auch den Menschen seiner Natur näher bringen, und das ist von Nachteil für die Beherrschung (jetzt sind wir schon bei Rousseau).

Der Wald, der gleich dahinter liegt, ist der Bebauungs-Wut entzogen. Aber da läßt man sich auch noch was einfallen.

Auch der Sören Link hat was gesagt: „Hervorragende Leistungen in Forschung, Lehre und Studium benötigen auch ein attraktives infrastrukturelles Umfeld“, sagte der Oberbürgermeister. Und: „Der Mensaneubau wird ebenso wie das neue Hörsaalzentrum die Attraktivität des Campus Duisburg weiter streigern.“
Das läßt Böses ahnen. Bei dem Hörsaalzentrum an der Lotharstraße hat man die Fenster vergessen.

Der Kessel des Monats beziehungsweise Anstoßes

Als ich nach Neudorf zog (vor 39 Jahren), war bei der Wahl der Adresse auch von Bedeutung der freie Platz gegenüber.

HFPFiStrAuf diesem Bild aus meinem Film „Nummer 4“ (Hut-Film 1978) ist der Ausblick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers zu sehen. Nicht nur ein weiter Blick, sondern auch weniger Geräusch als etwa in einer „Straßenschlucht“. Rechts, nicht mehr im Bild zu sehen, standen Behelfsbaracken für den Lehrbetrieb der nahegelegenen Universität.
Später wurde dann gegenüber das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme hingebaut (und ein paar Jahre später bis zur Lotharstraße erweitert), und der Blick aus meinem Fenster sieht jetzt so aus:

FrauenInstitutDadurch hat sich an der „ruhigen Wohnlage“ nichts geändert. Anders als anderswo parken hier am Abend weniger Autos als tagsüber und am Wochenende weniger als werktags. Gerade am Wochenende (kein Uni-Betrieb) ist das hier eine der ruhigsten Gegenden mitten in der Stadt.

Belästigt wird man hier höchstens von solchen Leuten, die sich belästigt fühlen, wenn sie nicht belästigt werden. Die Stille und Ruhe, die das Fraunhofer Institut um sich verbreitet, ist einigen Gequältgeistern ein Dorn im Ohr.
Schon vor ein paar Jahren kriegte ich mit, daß ein paar Leute die Nachbarschaft alarmierten, weil sie glaubten, üble Gerüche wahrgenommen zu haben, die von dem wissenschaftlichen Institut ausgehen sollen. Auch die Augen würden davon brennen.
Ich habe niemals in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen. Stattdessen sind mir öfter Nachbarn über den Weg gelaufen, die mich ungläubig fragten: „Haben Sie in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen?“ – „Nein.“ – „Ich auch nicht.“

Jetzt haben 53 Unterzeichner eine „Bürgereingabe“ unterzeichnet, in der sie sich über Geruch, Geräusche und Licht beschweren. Und zwar, nachdem schon 2012 eine Klage vor dem Verwaltungsgericht und 2013 vor dem Oberverwaltungsgericht gescheitert war.
Auch das Umweltamt hat jetzt nochmal alles nachgemessen und festgestellt, daß kein Grenzwert von gar nichts niemals überschritten wurde, und daß dies auch dann nicht geschehen würde, wenn die Grenzwerte halbiert würden.
In dem Institut werden – als Abfallprodukt der Forschungsarbeit – Mikrochips hergestellt, die in der Autoindustrie Verwendung finden. Deren Herstellung geschieht anscheinend, ohne daß Geräusche durch die Mauern und Fenster nach außen dringen. Was das Umweltamt da gemessen hat, war wohl das Grundrauschen der Zivilisation.
Bei der Chip-Herstellung wird als Rohstoff Stickstoff verwendet. Aha. Das ist in den beiden Kesseln, die hinter dem Institut stehen.
Stickstoff – das ist doch das farblose und geruchlose Gas, aus dem zu knapp 80 Prozent die Luft besteht.

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Besonders komisch finde ich, daß sich die 53 Bürger über das Licht aus dem Institut beschweren. Ja, auch nachts brennt hinter ein paar Fenstern des Instituts noch Licht.
Als Mensch des 21. Jahrhunderts bestreite ich gar nicht grundsätzlich, daß dieses wissenschaftliche Institut – wie alles Gebilde von Menschenhand – „die Umwelt belastet“: Aber nicht mehr, als es durch jede andere Nutzung des Grundstücks – zum Beispiel „Wohnbebauung“ auch der Fall wäre. Die 53 Bürgereingabeneingeber kommen mir vor wie Leute, die verlangen, die Fahrräder durch Motorräder zu ersetzen, weil die Fahrräder eine viel zu laute Fahrradklingel haben.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Sosoo! Jajaa! 37 Jahre Esoterik für die Allerdööfsten

Ein Buchverlag (spezialisiert auf Pop-Musik-Themen) hat mir eine dieser E-mails geschickt. Mir wird mitgeteilt, daß Nina Hagen 60 Jahre alt geworden ist.
Aha.
Und?
Ja, in dem Verlag ist ein Buch erschienen, von oder über Udo Lindenberg. Irgenzone Sammlung von Udo-Lindenberg-Aussprüchen oder sowas. Und Nina Hagen hat dazu ein Vorwort geschrieben.
Soso.
Ich schau im VLB nach. Das Buch ist 1998 erschienen. Der 60. Geburtstag von Nina Hagen ist also der herausragende Anlaß, an den 17. Jahrestag des Erscheinens eines Buches zu erinnern, zu dem Nina Hagen so eine Art Vorwort geschrieben haben soll. (Das erinnert mich an Nordkorea. Dort gibt es einen Staatsakt anläßlich des 23. Jahrestages einer Rede von Kim Il Sung bei einem Bankett in der Rumänischen Botschaft).
Und was hat sie geschrieben? Einen zusammenhängenden Text? Das nun gerade nicht, sondern allerhand über „göttliche Abstammung – Hohepriester – prophetische Antennen“, das übliche Gequassel.

Irgendwann, von einem Tag auf den anderen, wurde im Eschhaus fast nur noch Nina Hagen gespielt. Man konnte an einem beliebigen Tag sich eine halbe Stunde lang im Eschhaus aufhalten und hatte mindestens drei mal „Unbeschreiplisch!! Weiplisch!!“ gehört bzw. „Ich glotz TV“.
Soll ich Ihnen mal was sagen? Ich habe kein Wort davon geglaubt. Das war doch nicht echt! Das war doch vor dem Spiegel eingeübte Pose. Das war doch was für Doowe. Das war doch was für Leute, denen man alles andrehen kann. Das war: Schlagerindustrie entdeckt Punk. Als (einer der) Erschaffer des Eschhauses schämte ich mich wegen der Anspruchslosigkeit, die hier manifest wurde. Das war Punk für Spießer (damit die Spießer, wenn man „Punk“ sagte, „aha!“ sagen konnten). Merkt denn keiner, daß das Tinnef ist?
Da stimmte doch gar nichts. Oder doch?
Was Kleinfritzchen sich unter „Punk“ vorstellt: Genau das ist es auch.

Irgendwann, an einem Samstag Nachmittag, erreichte mich ein Anruf von Ernst Meibeck. Ernst Meibeck war der langjährige Geschäftsführer des Eschhauses. Der hat, aus Gründen, die ich nie erfahren werde, mir dauernd Schwierigkeiten gemacht. Und nun war er auch wieder im Begriff, mir Ärger zu bereiten.
Er wußte leider, daß ich ca. 50 Meter entfernt vom Universitätsgelände wohne. Und an diesem Samstag sollte im Audimax Nina Hagen auftreten. Er bat mich, ich solle doch mal rübergehen und der Nina Hagen ausrichten, daß sie den Meibeck im Eschhaus anrufen soll.
Und was tat ich? Ich ging tatsächlich rüber, sah vor dem Gebäude LA einen Möbelwagen rumstehen, und sonst rührte sich nichts.
Ich ging wieder nach Hause, rief den Meibeck an und sagte, die Türen zum Gebäude LA wären geschlossen gewesen, kein Reinkommen, nichts. Den Möbelwagen verschwieg ich. Ich hatte nicht ausprobiert, ob die Eingänge offen oder abgeschlossen waren. Ich bin nur hin und zurück gegangen, um im richtigen Zeitabstand den Meibeck anzurufen. Ich wäre doch nie da reingegangen, um irgendeinen Rodi auch mal Chef sein zu lassen!
Warum ist der Meibeck da nicht selbst hingegangen? Der hätte es fertig gebracht, bis in Nina Hagens Künstlergarderobe vorzudringen. Der wäre auch bis zu Mick Jagger vorgedrungen.

„Allein! Die Welt hat mich vergessen!“ Leider nicht!
Nina Hagen hat in der Skala der hoffnungslos überschätzten Personen (Henryk M. Broder, Alice Schwarzer, Wolf Biermann, Barbara Schöneberger) den Spitzenplatz inne. Sie ist das seltene Beispiel eines Stars, der noch bekloppter ist als seine Fans. Den zur Schau gestellten Seelenzustand als „regressiv“ zu bezeichnen ist schon ebenso untertrieben wie ihr Auftreten als „overstyled“ zu bezeichnen. Noch’n Vogelkäfig als Ohrring, und kein Blick in die viel zu oft eingeschaltete Kamera ohne dieses Fratzenschneiden. Kindsköpfe, denen es peinlich ist, einfach so zu sein wie sie sind, erkennt man an der Grimasse und an ihrem aufdringlichen Herumgehampel. Und ein Gerede, das allen, denen sie ihre Fürsprache spendiert, peinlich sein müßte! Esoterik für Doowe. Aliens für Saudoowe. Dieser ganze Humbug! Jahrzehntelang nur Scheiße reden: Das ist keine Leistung, die Anerkennung verdient.
Bei irgendeiner Kundgebung der Friedensbewegung (wo war’s? In Büchel glaub ich) durfte auch Nina Hagen auftreten. Ich dachte: Ist es schon so weit? Und ich dachte: Jetzt kann es eigentlich nur noch schlimmer kommen.
Und das ist es ja auch.

Bilder einer Wanderung (3)

Wanderung-2014-15Viel Farbe auf glatter strukturierter Fläche. Großartig! Hat das Zeug zum Klassiker!
Ob der Effekt beabsichtigt war?
Wo der Inhalt fehlt, kommt es nur noch auf die Form an.

Wanderung-2014-16Ja, was ist denn hier so schlimm, daß kein Mensch „das“ gewollt haben kann? Man sollte doch froh sein, wenn die Häuser, die gestern hier standen, heute immer noch hier stehen, denn sonst wüßte man nicht, wo man ist, und wer will das?
Ich mag es, wenn sich jemand klar ausdrückt und verständlich macht, was er will und was er nicht will. Ich mag es nicht, wenn jemand mich mit seinem Weltschmerz herausfordert.
Allerdings wird die Menschheitsfrage durch die Feststellung „GWTR SAHL“ konterkariert.
Es sollte sich mal herumsprechen: Unter dem Pflaster liegt nicht der Strand. Unter dem Pflaster liegt der Schotter.
Gewittersaal?
Da die Frage an die Außenmauer meines Geburtshauses geschrieben wurde, will ich sie beantworten: Ja! Das ist es, was ich will. Ein Mensch zu werden ist das beste, was mir passieren konnte.

Wanderung-2014-17Die Vegetation hat sich etwas herausgenommen. Roter Klatschmohn, Erikas Lieblingsblume. „Roter Klatschmohn!“ – Jaja, ich habe verstanden: Klatsch-Mohn! Rot!
Ich könnte ja froh sein, ihre Stimmungen & Launen nicht mehr ertragen zu müssen. Aber manchmal vermisse ich sie doch noch ein kleines bißchen.

Wanderung-2014-18Eine Idee greift um sich.

Wanderung-2014-19Auf dem Haus der Verbindung Rheno-Germania „zu“ Düsseldorf-Duisburg (die behauptet, älter zu sein als die beiden Universitäten) dürft Ihr rumschmieren so viel wie ihr wollt.
Die Mitteilung den Zusammenhang fallender Kinder und Aktien betreffend hat Emcewenilez Nopniks durchgestrichen, weil er sie nicht verstanden hat. Die anderen Mitteilungen hat er nicht durchgestrichen, weil er glaubt, sie verstanden zu haben.
Oben rechts: Werbung für Werbung.

Wanderung-2014-20Das umkreiste A hätte man als geschütztes Warenzeichen eintragen lassen sollen!
Nicht, um Geld damit zu machen, sondern um seine beliebige Verwendung für alles Mögliche und Unmögliche zu verhindern.
Hier wird es als Symbol der Mitteilung des zum Haß gesteigerten Unbehagens an der Gesellschaft hinzugefügt. Abgelehnt wird anscheinend nicht die gegenwärtige Gesellschaftsordnung, sondern Gesellschaft an sich. Rousseau hätte dem zugestimmt.
Aber was würde Rousseau heute sagen?
„Ja, so habe ich auch mal gedacht. Aber das war falsch.“

Bilder einer Wanderung (2)

Wanderung-2014-08Dieses Haus hat man da hingestellt, und dann hat man überlegt: Was machen wir damit?
Aber mir gefällt das. Warum? Es stand schon da, als ich hier hinkam.
Darin untergebracht ist das Kulturamt der Stadt Duisburg (bestimmt nicht nur).
Das wäre doch mal eine Überlegung wert:
Wäre das was gewesen, da einen Job zu haben, vormittags und nachmittags als Kulturbürokrat getarnt, hinter dem ein Feierabendanarchist sich verbirgt?
Oder lieber nicht?
Immerhin: Man hätte jeden Monat ein Gehalt kassiert, davon aber kaum was ausgegeben und den Rest heimlich auf einem Sparkonto gesammelt. Und dann mit 67500 Euro auf dem Konto dem Chef gesagt: „Du Arschloch!“
Oder:
Den Locher aus dem Fenster schmeißen und zum Chef sagen: „Raten Sie mal, warum ich das gemacht habe.“
Das rät der nie.

wanderung-2014-09Auch an die, die sich im engen Raum wohlfühlen, soll gedacht sein.
Das Künstleratelier da vorn wird wohl immer noch als solches genutzt (winzig).
Auf dem Balkon in der obersten Etage stößt man sich den Kopp.

Wanderung-2014-10Aha. Aha. Aha. Aha. AHA. Aha. Aha.

Wanderung-2014-11Straße der Aktien.
Für CJZZ / IDNA… (falls ich das richtig verstanden habe) hatte der Sprüher eine Leiter dabei.
Das Hinschreiben eines Substantivs, mit dem man eine Genitalie bezeichnen kann, hat den Blauschreiber in Heiterkeit versetzt: „Glied Hihihi…“. Oder wollte er „Hinihi“ sagen?
Das eingekreiste E verkündet eine Hoffnung. Ich weiß bloß noch nicht, welche.
Was ist noch zu erfahren?
HSCDCV, DjSU, CASZZ, SWU.
Der Balkon wurde mit Uhu an das Haus geklebt.

Wanderung-2014-12Was immer hier mitgeteilt werden soll: Die Vegetation (Efeu) läßt langsam ihren Vorhang darüber sinken.

Wanderung-2014-13Ach! Das neue „Hörsaalzentrum“ hat ja doch eine Tür!
Daß da auch tagsüber das Licht brennt, soll wohl zeigen, daß für Forschung & Lehre zu wenig Geld da ist.

Wanderung-2014-14Rote Rosen.

WIRD FORTGESETZT.

1. Mai – diesmal etwas anders

FuckProNRWAm 1. Mai werden in Duisburg die Faschisten und Rechtspopulisten aufmarschieren. Sowohl die NPD als auch „Pro NRW“ haben Kundgebungen angekündigt, die als Provokation gegen die Gewerkschaftsbewegung aufgefasst werden müssen. Der DGB will sich jedoch nicht von seinem Konzept abbringen lassen, wie jedes Jahr im Landschaftspark Nord sein „Familienfest“ abzuhalten.

So ganz und gar ignorieren wird der DGB die rechten Provokationen allerdings nicht:
Am Dienstag, 29. April um 18 Uhr im Julius-Birck-Saal im DGB-Haus am Stapeltor findrt eine Veranstaltung statt:
Am 1. Mai 2014 wollen NPD und Pro NRW in Duisburg aufmarschieren. Warum haben sie sich gerade diese Stadt ausgesucht? Wie konnten extrem rechte und rechtspopulistische Parteien bei der Bundestagswahl im September 2013 überdurchschnittliche Ergebnisse in Duisburg erzielen? Und wie kommt es, dass die rechtspopulistische Splitterpartei Pro NRW im Oktober 2013 von 200 jubelnden Menschen in Duisburg-Neumühl empfangen wurde?
Alexandra Graevskaia (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung) wird in ihrem Vortrag auf die Akteure im Diskurs eingehen und aufzeigen was den Rechtspopulismus in Duisburg bestärkt hat.

Die Duisburger Studentenzeitung akduell kündigt dür den 1. Mai einen Liveticker an:
http://akduell.de/2014/04/ankuendigung-akduell-liveticker-zum-1-mai/
Für den 1. Mai hat die Weiterlesen

Auch wir haben hier so ’ne Art Apotheken-Umschau

Waren das nicht herrliche Zeiten, als man beim Bäcker noch die Bäckerblume mitnehmen konnte? Das war eine wöchentlich erscheinende Zeitung mit Lob des Bäckerhandwerks und des frischen Brotes, Kreuzworträtsel, erbaulichen Geschichten und sonstigen Alltäglichkeiten.
Oder:
Man ging in die Metzgerei. Als Vorwand kaufte man eine Knackwurst oder ein Kottlett (oder zwei), um die Berechtigung zu erlangen, Lukullus einzustecken, das Fachblatt für Bratpfannenkunde. In Lottogeschäften gab es Glück, in dem man sich an sinnlosen Statistiken berauschen konnte (z.B.: wie oft ist seit 1955 die 33 als Zusatzzahl gezogen worden).
Damals gab es in den Geschäften ja auch noch Rabattmarken, die man in ein Rabattmarkenheft klebte. War das Heft vollgeklebt, gab es beim nächsten Einkauf einzfuffzig Gutschrift.
Hier ist auch der Hauptgrund zu suchen, warum ich in der Partei bin: weil ich so gern kleine Märkskes in Heftkes reinklebe.
Vorbei die herrlichen Zeiten blühender Kundenzeitschriften. Nur die Apotheken-Umschau hat sich gehalten. Nur noch der Kauf eines Röhrchens Aspirin wird einem mit Publizistik verschönt.
Doch da wir Nostalgiker sind, die gern Traditionen aufgreifen, die uns an die Zeiten erinnern, als wir noch jung und stramm waren und alles zum Besten stand, haben wir auch bei uns eine Mitnehm-Zeitung ausliegen: Die Studentenzeitung ak[due]ll. Zwar nur 8 Seiten Umfang, aber während des Semesters wöchentlich (in den Semesterferien etwas seltener). Eine wirklich gut gemachte Zeitung, deren Professionalität sich mit der legendären Pascal-Beucker-und-Marcus-Meier-Basta durchaus messen kann.
akduell
Beim nächsten Besuch in der Weltbühne doch einfach ein Heft von ak[due]ll einstecken. Das wird gern gesehen.
akduell-2012-07-s6-weltbuehneDie Qualität dieser Zeitung ist auch erkennbar an der Qualität des Artikels der Reporterin Natalie Kajzer über unseren schönen Laden (Faksimile anklicken zum Vergrößern).
Auf dem Foto bin ich kaum wiederzuerkennen. Damals hatte ich noch kurze Haare.

Wechselstrom oder Die Liebe in den Zeiten des Telefons (4)

Als ein neues Semester begann, änderte sich ihre Stimmung. Meine quirlige, temperamentvolle Freundin war plötzlich sehr zurückweisend, die personifizierte Übellaunigkeit.
Sie rief mich an: „Du wirst jetzt mal einen Monat lang nichts von mir hören, ja? Ich muß mich auf mein Studium konzentrieren. Ich kann ja nicht ständig für dich da sein. Also laß mich in Ruhe.“
Na, das war ja gottvoll! Für sie hatte ich zu jeder Tageszeit den Stift aus der Hand fallen lassen und war für sie zu jeder Nachtzeit aus dem Bett gesprungen. Um ihr einen Weg von hundert Metern zu ersparen würde ich ihr die Tasche durch die ganze Stadt nachtragen. Und jetzt tat sie so, als würde ich ihr ihre Zeit stehlen. Ich hatte ganz beiläufig und ohne Hintergedanken einen Satz gesagt, den sie noch eine Woche zuvor unterschrieben hätte: daß das Studium doch nicht das Wichtigste im Leben ist. Jetzt verstand sie das so, als ob ich ihre Befähigung zum Studium angezweifelt hätte. Sie schrie mich an. „Das hätte ich von dir nicht erwartet. Du denkst auch, eine Frau könnte nicht Elektrotechnik studieren!“
Ich hatte gar nichts derartiges gesagt. Zwar war es mir etwas seltsam vorgekommen mit ihrer Elektrotechnik. Sie hatte mir unumwunden gesagt, daß sie in Mathe eine Fünf und in den naturwissenschaftlich Fächern schwache Noten hatte, und daß sie ein technisches Fach nur deshalb studierte, um ihrem ehemaligen Mathelehrer zu beweisen, daß sie doch was drauf hat. Als ich sie mal fragte, wie Wechselstrom eigentlich funktioniert, führte sie mir vor, daß sie sich ein fundiertes technisch-naturwissenschaftliches Wissen angeeignet hatte.
Anrufen durfte ich sie jetzt auch nicht mehr. Das wertete sie als Störmanöver gegen ihr Studium.
„Und weißt du was? Ob es dir gefällt oder nicht: Ich nehme eine Stelle als Hilfskraft an. Unbezahlt!“
„Unbezahlt?“
„Jawohl! Unbezahlt!“
Meine Güte, jetzt wurde ich albern:
„Und was machst du, wenn sie dir eine Bezahlung anbieten? Ablehnen aus Prinzip?“
„Ach, halt doch die Klappe!“
„Du willst arbeiten ohne Geld? Womöglich noch dem Professor die Tasche hinterhertragen?“
„Würde ich tun. Ich würde dem auch die Schuhe putzen. Ich würde auch mit ihm schlafen, wenn es meinem Studium nutzt. Für mein Studium würde ich alles hergeben, auch meinen Stolz.“
Bezwinge sich wer kann. Zum Glück konnte ich. Ich sagte: „Darüber solltest du lieber nochmal nachdenken“ und legte den Hörer auf.
Ich war zornig, auch auf mich selbst. Ich war in einem Zustand, den ich nicht mag: Ich war eifersüchtig. Um in dem Moment darüber nachzudenken, ob ihre Schroffheit weniger dem Fortgang ihres Studiums dienen sollte, sondern vielmehr der Versuch war, sich von mir abzuschirmen und die Turbulenzen einer undefinierten Beziehung abzuwerfen, war ich zu aufgeregt. Vielleicht hätte ich mit einem solchen Gedanken meine Rolle in dem ganzen Drama überschätzt. Vielleicht überschätzte ich mich gerade dadurch, daß ich auf diesen Gedanken gar nicht kam.
Eine halbe Stunde später rief sie mich wieder an.
„Bitte entschuldige, was ich gesagt habe. Das war dumm von mir.“ Sie klang jetzt sehr kleinlaut. „Das war wirklich dumm, was ich da gesagt hab. Ich hab das gar nicht gemeint. Du hast ja recht.“
Das reichte allerdings noch nicht, um mich zu beruhigen. Das mußte ich doch noch loswerden:
1. ob die noch alle auf der Latte hätte?
2. ob sie noch ganz gescheit wäre?
3. ob sie noch alle Tassen im Schrank hätte?
4. ob ihr eigentlich klar sei, was sie dahergeredet hatte?
„Paß mal auf, Mädchen! Wem du die Tasche putzt und die Schuhe hinterherträgst, ist deine Sache. Mit wem du schläfst, ist erst recht deine Sache. Aber was du mir sagst, dafür bist du mir verantwortlich. Du gibst nicht nur deinen Stolz preis, sondern auch meinen. Meinen Stolz auf dich gibst du preis! Du verdienst eine Tracht Prügel!“
„Huch!“
„So daß du zweieinhalb Tage nicht mehr sitzen kannst auf deinem – verführerischen – – verwirrenden – – – auf deinem betörenden Hinterteil!“
„Ohhh!“
„Das willst du ja nur! Gib‘s zu!“
Sie war beindruckt. „Schlägst du denn wenigstens etwas milder zu bei einer Anfängerin?“
„Bei dir? Milder?? Ha!!!“
„Ohhh! Weißt du, was mich glücklich macht? Du willst mich deshalb versohlen, weil du mich gern hast.“
„Weshalb denn sonst??“
„Du liebst mich.“
„Ja! Ich liebe dich, du Schaf!“
„Ich liebe dich doch auch, du Blödmann!“
„Du – Biest!“
„Du – Knallkopp!“
„Du – Frauenzimmer!“
„Esel!“
„Trulla!“
„Ich hab von dir geträumt. Wir haben uns geküßt. Der Kuß war sehr leidenschaftlich. Und dann hatte ich was Großes von dir in meinem Mund – Ich werde mich jetzt nicht mehr dagegen wehren.“

Ich habe ihr sogar meinen Regenmantel geliehen!

Ich habe ihr sogar meinen Regenmantel geliehen!

Wie sich herausstellte, ging das aber nicht einfach vonstatten. Denn sie hatte wieder eine von ihren Ideen.
„Ich will ein paar Kilo abnehmen. Ich will mein Idealgewicht von 60 Kilo erreichen.“
„Aha. Und wieviel Kilo müssen runter?“
„Sechs Kilo.“
„Aha. Und wozu das ganze?“
„Ich fühle mich dann wohler. Und dann sehe ich besser aus.“
„Du siehst phantastisch aus.“
„Du hast doch gesehen: mein dicker Hintern auf dem Foto.“
„Ach was, das Foto täuscht. Dein Hintern ist ideal! Dein Hintern ist aphroditisch! Dein Hintern ist der Traum meiner sehnsuchtsvollen Nächte!“
„Mein Hintern wird dir noch mehr gefallen, wenn ich 60 Kilo wiege. Ich mach das doch für dich, Junge! Damit du noch mehr von meinem Hintern entzückt sein kannst!“
Und dann verkündete sie mir:
„Wenn ich das geschafft habe und 60 Kilo erreicht habe, will ich eine Belohnung von dir bekommen. Dann soll es geschehen. Dann sollst du es es mit mir machen.“
Von nun an überwachte ich streng ihre Mahlzeiten. Ich ordnete an, daß der Kaffee ohne Milch und Zucker getrunken werden muß. Ich studierte Kalorientabellen. Ich ließ mir die Meßdaten ihrer Figurfortschritte durchgeben: ein Kilo geschafft, zwei Kilo geschafft, zweieinhalb Kilo geschafft, und ich fürchtete zugleich, die Selbstkasteiung der Kalorienkur könnte ihre Stimmung beeinträchtigen. Aber wenigstens in dieser Hinsicht konnte sie mich „beruhigen“:
„Ich hab‘ mir heute eine Tafel Schokolade genehmigt.“
„Was? Eine Tafel Schokolade? Du quälst mich!“

FORTSETZUNG FOLGT