Erster Teil: Tünnes un Schäl gingen übber de Rheinbrück.
In Erinnerung an den alten Hell.
Dieser Witz wurde erzählt:
Ein Lehrer trifft einen ehemaligen Schüler wieder und erfährt, daß dieser Schüler es als Geschäftsmann zu was gebracht hat. Darüber ist er verwundert.
„Daß Sie es zu so viel Geld gebracht haben, wo Sie doch im Rechnen der Schwächste in der Klasse waren.“
„Och, das ist ganz einfach. Ich kaufe Kisten ein für fünf Mark, und die verkauf ich dann für acht Mark. Und von die drei Prozent leb ich.“
Der Witz ist einfach erklärt: Diesem ehemaligen Schüler gereicht seine Rechenschwäche im Erwerbsleben nicht etwa, wie man vermuten könnte, zum Nachteil, sondern zum Vorteil, indem er – haha! – die Prozentrechnung mit der Subtraktion durcheinanderbringt und er sich zwar verrechnet, aber zu seinen Gunsten. Man könnte, ganz witz-analytisch, hinzufügen, daß der Lehrer die verblüffende Erfahrung macht, daß die Erfolgsgeschichte seines ehemaligen Schutzbefohlenen gerade im Mißerfolg seiner unterrichtlichen Bemühungen begründet ist. Man könnte dies als Beispiel dafür anführen, daß der Witz ein Element der Auflehnung gegen Autorität und Zwang enthält, auch gegen den Zwang der mathematischen Logik. So hätte man den Witz erklärt, und man wäre dabei davon ausgegangen, daß die Komik dieses Witzes in seiner Pointe liegt. Ich finde aber, daß dieser Witz sich auch als Beispiel dafür eignet, daß die Komik gerade nicht in der Pointe kulminieren muß. Im Gegenteil. Die Pointe ist zwar nett, aber der Witz würde viel von seiner Komik verlieren, ließe man das Detail außer Acht, daß der Satz, der die Pointe enthält, offenbart, daß der ehemalige Schüler nicht nur im Rechnen, sondern offensichtlich auch in Grammatik schwach war.
Ähnlich verhält es sich mit dem Witz, der durch Jürgen von Manger überliefert wurde. In „Der Unteroffiziersunterricht“ kommt dieser Dialog vor:
„Womit wäscht sich der Soldat?“
„Mit Seife, Herr Unteroffizier.“
„Nein. Mit nackten Oberkörper.“
Der Witz-Analytiker wäre mit der Erklärung bei der Hand, daß hier in der Umstandsbestimmung zwei Sprachebenen aneinanderschrammen, was immer einen komischen Effekt hat. Und wieder ist eine Person im Spiel, die Autorität verkörpert, der Unteroffizier, der, ebenso wie der Lehrer, keine allzu hohe Autorität darstellt. Er ist kein wirklicher Herrscher, sondern einer, dem ein bißchen Autorität von oben runterdelegiert wurde. Ein ordentlicher Witz also. Aber richtig in Schieflage gerät des Geschehen doch erst dadurch, daß auch hier mal wieder der Akkusativ schon den Platz besetzt hatte, der dem Dativ zusteht. Wer diesen Witz in grammatikalisch korrektem Wortlaut erzählen würde, würde die Komik glatt halbieren.
Ich bin mir sicher, daß Jürgen von Manger diese Geschichte nicht erfunden hat. Das sind die Witze, die das Leben erzählt. Die Komik der Pointe repräsentiert (oder: erhellt) lediglich Weiterlesen






