Da sollen die Engländer ruhig mal gucken

KrummeGurkeWie Sie diesem Bild entnehmen können, sind wir hier für Lebensgenüsse empfänglich. Dafür lassen wir die Fünfe gerade und die Gurke krumm sein. Wir widersetzen uns der (in Wirklichkeit gar nicht existierenden) EU-Gurkengeradheitsverordnung. Also auch nix mit Brexit (Plexit, Knexit, Quexit, Trexit). Auch die Stachelbeeren sind uns willkommen.
Die Gurke (ja, das ist wirklich eine) spendete noch am selben Tag ihre Freude kombiniert mit Schafskäse, Oliven und Tomaten. Also auch für Grexit sind wir nicht zu haben. Und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die für diesen Salato das Innere der Gurke entfernen. Der Salato hat dadurch wohl mehr Flüssigkeit, aber „schließlich warum nicht“? Die wird mit dem schönen Französischen Landbrot aufgetunkt.
Was fängt man an mit solchen kratzsauren Stachelbeeren?
Da überlegt man sich was. Rezept wird vielleicht mal in einer neuen METZGER-Rubrik bekanntgegeben.

Bild: Merkfoto

Decollage

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Decollage.
DankwartEgalWas
Über Collage muß ich nicht viel sagen. Man fügt scheinbar beziehungslose Bild-, Text, oder Klangelemente zusammen, etwa in der Absicht, Zusammenhänge zu veranschaulichen (z.B. Macht und Dummheit, oder: Lust und Erkenntnis, Illusion und Realität, oder was Ihnen sonst noch so einfällt).
Die umgekehrte Methode wäre also das Decollagieren, das Herausreißen eines Elements aus dem Zusammenhang. Comic-Elemente wurden häufig sowohl in der Pop-Art als auch in der Underground-Presse ihres Zusammenhangs beraubt.
In dem hier vorgeführten Beispiel (aus dem seit 86 Jahren erscheinenden Comic, den Sie bestimmt kennen – von mir durch Umrahmung des Rahmens und Farbgebung creativiert) kann man sehen, daß durch die Methode noch tiefere Einblicke in das Welträtsel sich auftun:
Auf das freundliche Angebot, das aus der Küche herüberklingt, antwortet der kleine Angestellte mit Bescheidenheit und zustimmend, geht aber hoch wie das HB-Männchen.
Was soll man dazu sagen?

Am FKK-Strand ganz köstlich amüsiert

Fünf junge Männer (ca. 20 bis 25 Jahre) wollten mal eine richtige Sause erleben und fuhren nach Xanten, wo es einen FKK-Strand gibt. Dort pöbelten sie die Badegäste an, und zwar, folgt man den Darstellungen in der Tagespresse, in besonders heftiger Weise. Laut Zeugenaussagen sollen in besonders heftiger Weise Frauen angegangen worden sein. In der WAZ las ich:
„Eine Gruppe von jungen Männern beleidigte die Gäste aufs übelste, beschimpfte vor allem Frauen. ‚Sie haben uns beleidigt, beschimpft und sogar bespuckt‘, sagt eine Leserin […]. „Wir Frauen seien alle Schlampen, und sie würden uns alle ausrotten‘.“
Daß sich die Störer des Wochenendvergnügens durch den Ruf „Allahu akbar“ (auf Deutsch: „Gott ist groß“) als Vertreter einer der abrahamitischen Religionen zu erkennen geben wollten, ist für diese Situation nicht untypisch. Das schaurig-schöne Amüsemang über den Verfall der Sitten rechtfertigt sich durch den Gestus vorgeschobener Empörung.
„Willst du nackte Weiber sehen?“ Dann mußt du sie aber beschimpfen – dann darfst du gucken. (Und dann regt sich das, was im seelisch verkorksten, religiös pervertierten Untertan durch sexuellen Reiz zum Vorschein kommt: Haß, Aggression, Bereitschaft zur Gewalt).
Ein großer Teil der pornographischen Literatur der letzten 1000 Jahre ergeht sich in bigotter Entrüstung über die Schweinigeleien der Wilden, der Juden, der Jesuiten, der schamlosen Weiber, der Kommunarden, der Grünen Witwen, der Zarin Katharina II., der langhaarigen Marihuana-Raucher, der Studentinnen, der Ungläubigen, der Mittelmeeranrainer, der Unterschicht et cetera pepé, wobei die eigene Weste unbefleckt bleibt. Das Auftreten der Gottesverkünder in Xanten dürfte dem fidelen Entrüstungs-Tourismus zuzurechnen sein. Denen, die diese Republik schon in ihrer gerontokratischen Anfangsphase kennenlernen durften, kommt das alles bekannt vor. „Ausrotten“ war nach 1945 keineswegs zum Tabuwort geworden.
Integration gelungen? Die fidelen Entrüster stehen wohl so etwa auf dem Stand von 1960.
Und genau das ist es ja, wohin die Pegida-Idioten alles wieder hinbringen wollen.

„Kannte ich den?“

Im vorigen Notat erinnerte ich an den Friedenskämpfer Aloys Stoff.
Anruf eines Lesers heute: „Kannte ich den?“
Wer viele Jahre bei den Ostermärschen dabei war, als Lebens-Pazifist (und nicht nur Lebensabschnitts-Pazifist), hat viele Gesichter gesehen, immer wieder gesehen, so daß er sich erinnern wird.
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Ich nahm gern die Einladung an zur Feier seines 90. Geburtstags im letzten Dezember – ach ja, das ist ja auch schon wieder länger als ein halbes Jahr her. Das war eine beschwerliche Reise, wenn auch ja gar nicht weit, aber in überfüllten Zügen und Bahnen. Einige waren da, die eine viel weitere Anreise auf sich genommen hatten. Bei solch einem Treffen erfährt man immer wieder, daß ein Leben gegen Militarismus, gegen die Entwertung des Menschen auch ein anekdotenreiches Leben ist.

AloysStoff3http://www.nrw.dfg-vk.de/themen/Alois.html

Neu in der Weltbühne: Die enthemmte Mitte

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Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler (Hg.): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Die Leipziger „Mitte“-Studie 2016.
Buchreihe Forschung Psychosozial im Psychosozial-Verlag 2016. 250 S. EUR 19,90

Seit 2002 untersucht die Leipziger Arbeitsgruppe um Brähler und Decker die rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Die gewonnenen Daten und sozialpsychologischen Analysen der „Mitte“-Studien der Universität Leipzig sind zur bundesweiten Grundlage der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus geworden.
Die rechtsextreme Einstellung ist kein Randphänomen. Insbesondere autoritäre Aggressionen gegen Migranten sind weit verbreitet. Die globale Wanderungsbewegung stellt die Bundesrepublik deshalb zunehmend vor besondere Herausforderungen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass antidemokratische Ideologien seit einigen Jahren verstärkt artikuliert werden und sich das politische Klima in der Bundesrepublik verschiebt. Im Langzeitverlauf lassen sich so verschiedene politische Milieus, ihre Polarisierung und der Legitimationsverlust demokratischer Institutionen beschreiben.

Bitte bestellen Sie dieses Buch (und überhaupt: alle Bücher die Sie brauchen) in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand). Weltbühne muß bleiben.
Die Leute, die ihre Bücher in der Buchhandlung Weltbühne bestellen, wissen, warum sie das tun.
Und die Leute, die um die Buchhandlung Weltbühne lieber einen großen Bogen machen, werden sicherlich auch wissen, warum.

Easy Rider

EINLEITUNG
Das Sprichwort „Wie die Zeit vergeht…“ (Variante „Kinder, wie die Zeit vergeht…“) ist allgemeingültig. Es handelt davon, daß das Physische das Psychische zu überfordern scheint, vulgo: daß das Leben mehr Fakten präsentiert als man reflektieren und einordnen kann.
Das Sprichwort (dann:leise, mehr zu sich selbst gesprochen und dann stets ohne „Kinder“) gehört zu den Formeln, mit denen mit zunehmendem Alter das Dasein in einem Satz zusammenfassend kommentiert wird.
Zu mir besser passen würde wohl die Formel „Wat et nich all jiff“.
Warten wir‘s ab.

HAUPTTEIL
Heute lese ich in der Zeitung: Juliane Werding ist 60 Jahre alt geworden. Kennen Sie nicht? Brauchen Sie nicht zu kennen. Ich kannte sie. Da war sie 14 (in Wirklichkeit wohl eher 15) Jahre alt. Das war in den Tagen der Kommune, auf der Goldstraße, oben unterm Dach. Die Plattenfirma hatte sie zu uns geschickt, damit sie bei Peter Bursch Gitarrenunterricht erhält. So geschah es.
Sie war hübsch, sie war kontaktfreudig, aber durchaus nicht aufdringlich. Sie war eigentlich ein ganz nettes Mädchen. Sie beschränkte sich auf Kurzaufeinthalte, d.h. wenn die Gitarrenlektion zu Ende war, ging sie, was kein unsympathischer Zug war. Denn Kommune in den 70er Jahren bedeutete: tagsüber waren die eigentlichen Kommunarden in der Minderheit.
Das einzige Zwiegespräch, das ich mit ihr führte, dauerte nicht länger als zwei Minuten. Ich hatte die LP mit dem Original Soundtrack von Easy Rider. Sie bat mich, ihr diese Platte zu leihen.
Sie war uns als „Schlagersängerin“ angekündigt worden. Vielleicht rührte daher eine gewisse Skepsis, die ich gegen sie hegte. Tatsächlich fand ich ihren ein Jahr später veröffentlichen Hit „Der Tag als Konrad Kramer starb“ ärgerlich. Das war die Zeit, als viel Unwahrheiten und Halbwahrheiten über „Rauschgift“ ventiliert wurden.

SCHLUSS
Die LP Easy Rider hat sie mir nie zurückgebracht. Das bedauerte ich sehr. „Easy Rider“ hatte sowohl in der Musik-, als auch in der Filmgeschichte eine gewisse Bedeutung.
Anstatt mich bei Plattenfirma, Konzertagentur, Management etc. nach ihrem Aufenthalt zu erkundigen (und gar noch für einen Verehrer gehalten zu werden), zog ich es vor, mir die LP nochmal zu besorgen.
Wenn Sie Juliane Werding mal treffen sollten, können Sie ihr ruhig bestellen, daß sie mir meine LP ruhig hätte zurückgeben sollen. („Was? Welche LP? Wie heißt der Mann? Kenne ich nicht.“).
Und heute ist die Frau 60 Jahre alt geworden?
Wat et nich all jiff.

NSU-Watch

NSU-Watch1Im Hausflur fand ich diese Karte. Ein einziges Exemplar dieses Druckwerks.
Wie kam es da hin? Mit welcher Absicht wurde die Mitteilung durch den Türschlitz geschoben? Wurde jedes Haus in Neudorf mit einer solchen Karte bedacht? Das wäre – schätze ich mal – eine gar ungezielte Streuung (leider).
Sei es wie es sei. Die Mitteilung ist es wert, weiterverbreitet zu werden. Bitte beachten und, wenn möglich, auf die Bitte um Unterstützung großzügig reagieren.
NSU-Watch2..

Streif Nummer drei

Die Duisburger Kunst- und Künstlerzeitschrift Streif erscheint einmal im Jahr. Die dritte Ausgabe ist soeben erschienen.
Streif3(Faksimile anklicken zum Vergrößern).
„Bei fast allen Buchhandlungen“. Geht das nicht ein bißchen deutlicher?
Kaufen oder bestellen Sie diese Zeitschrift in der Buchhandlung Weltbühne. Gemessen am Umfang und Aufwand und der Druckqualität ist der Preis 7 Euro geradezu unanständig niedrig. (Im Versand 1 Euro Versandkostenanteil zusätzlich).

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 118.
M118Und das steht drin:

Intro: Die bekloppte Schlagersängerin Retätnetta Tsoredab.

Ulrich Sander: Nun auch alle Kraft gegen die AfD. Erfahrungen aus 50 Jahren Kampf gegen die NPD. Die AfD-Führung wies nach den jüngsten Landtagswahlen vieldeutig darauf hin, daß es wieder eine bürgerliche Mehrheit gäbe.

Jakop Heinn: England ohne Europa. „Brexit“: Der kleinbürgerliche Untertan hat den Mächtigen nur seine eigene Torheit entgegenzusetzen.

Lina Ganowski: Zustände wie in Deutschland. In einem arabischen Land wurde eine Frau vergewaltigt und darum vor Gericht angeklagt. Sowas ist auch in Deutschland möglich. Der eigentümliche Umgang der deutschen justiz mit dem Gewaltopfer Gina-Lisa Lohfink.

Anton Maegerle: Gefährlicher Quatsch. Der AfD-Landtagsabgeordnete Gedeon schätzt die weltweit verbreitete Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Das Machwerk, das zum Kernbestand antisemitischer Propaganda gehört, will Gedeon an Schulen verbreiten.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Können Spaltungen und Blamagen der AfD überhaupt noch schaden? Mit Aufklärung und Argumenten wird man bei der Anhängerschaft kaum etwas bewirken können, denn für das Gesunde Volksempfinden ist das Argumentative schlechthin intellektualistische Sabotage gegen die klare Ansage (wo Befehl noch Befehl ist). Außerdem: Die Reformation kam ein Jahr zu spät. Komische Häuser, komische Schilder, komische Parkplätze.

Die „Jazz-Legende“ Carla Bley hat ihren 80. Geburtstag „weitgehend ignoriert“.

Gibson Girls. Aus der Geschichte der Karikatur. Um das Jahr 1900 entdeckte der Zeichner Charles Dana Gibson einen neuen, modernen Frauentyp.

Weltnachrichten. Sexyness is enormously intelligent.

Detlef Stamm: Bleiben wie man ist. Gedicht.

In memoriam Horst Schimanski.

Tagebuch. Hier tut sich was.

Pegida und der Innere Schweinehund. Plakativ.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Sarah Gregory verleiht ihrer Auffassung, daß man den METZGER abonnieren sollte, Nachdruck!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

War schön: UZ-Pressefest (13-20). Wer war denn alles da?

UZFest2016-13Rote Fahnen sieht man besser.

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UZFest2016-15Auf dem Leninplatz war es schön. Das große Zelt der Jungen Welt war gut für den Rückzug bei Regen. Und der Himmel hängt schon wieder voller Vieldeutigkeit.

UZFest2016-16Das freut uns: Die DFG-VK, mit Felix und Rekordbart-Johannes.

UZFest2016-17Großes Papieraufgebot des Freidenkerverbandes. Das war nicht verkehrt, zum Bundesverband Arbeiterfotografie räumliche Distanz zu wahren. Viele sind gegen Ansteckung nicht immun.

UZFest2016-18Links im Bild: Die Tudeh Partei. Sie hat sich schwere Lasten aufgeladen. Daneben: Die KKE, Ackermanns Lieblings-KP.
Dahinter: Der See.

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Aha. Der Vorsitzende der DKP Patrik Köbele war auch da.

UZFest2016-20„Der Himmel ist blau, und es leuchtet ein Rot“, heißt es in einem Lied von Fasia.

Allgemeine Karikaturenkunde: Schöner wohnen

„Für deine Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung“, sagte meine verehrte Freundin Marita beim Betrachten meiner Karikaturen. „Also, Helmut, für DEINE Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung.“
Darum erfolgt in diesem Weblog in zwangloser Serie (heute: Teil soundsoviel) die Handhabbarmachung meiner Witzzeichnungen.

SchoenerWohnenNa ja. Gut. Kann man nichts gegen sagen. Wenn das Unpraktische zum alleinigen Gestaltungsprinzip wird (Telefon auf dem Kleiderschrank, Kleiderschrank vor dem Fenster, Kommode vor der Zimmertür, das verkehrtrume Bild an der Wand), ist das an sich schon lustig. Was aber noch fehlt, ist die eigentliche Pointe:
Die Schuppkarre im Wohnzimmer.
Da können Sie dann richtig drüber lachen.