Paradise lost

„Das Dorf Hollywood ist entworfen nach Vorstellungen
Die man hierorts vom Himmel hat. Hierorts
Hat man ausgerechnet, daß Gott
Himmel und Hölle benötigend, nicht zwei
Etablissements zu entwerfen brauchte, sondern
Nur ein einziges, nämlich den Himmel. Dieser
Dient für die Unbemittelten, Erfolglosen
Als Hölle.“
Bertolt Brecht in Hollywoodelegien.

In Kalifornien brennen die Wälder, die Villen, die Dörfer, die Kleinstädte. Das Inferno holt den Himmel ein. Das Städtchen Paradise ist abgebrannt.
Daß es gar nicht der Klimawandel sei, sondern schlechtes Wald-Management, tönt es aus dem Präsidenten Trump, der immer anderen die Schuld gibt.
Das ist gar nicht mal so ganz völlig falsch.
Der Trump hat nie recht. Er hat allerhöchstens mal nicht so völlig ganz unrecht.
Zum Klimawandel kommt zum Beispiel eine falsche (neoliberale) Raumordnungspolitik hinzu.
Daß der Präsident nicht der einzige Idiot in Amerika ist, das wußten wir aber schon.

Odyssee im Weltraum?


Die Skulptur „Rheinorgange“ des Kölner Bildhauers Lutz Fritsch, 25 Meter hoch und 7 Meter Breit, aus Stahl, angestrichen mit der Farbe Reinorgange (Farbton RAL 2004) steht am Rhein in Duisburg Kasslerfeld bei Rheinkilometer 780, genau an der Mündung der Ruhr.

Das Gebilde erinnert an die Monolithen aus dem Film „2001: A Space Odyssey“ von Stanley Kubrick (GB, USA 1968).

Ich erinnere mich an den Fernsehbericht. Der Reporter fragte die Thyssen-Arbeiter, wie sie es denn fanden, ein solches Kunstwerk von 83 Tonnen Gewicht mit dieser Farbe dort aufzustellen.
Antwort: „Ja, wenn der dat so haben will …“

Ich finde, das ist die richtige Einstellung zur Kunst.

Die schönsten europäischen Einfahrten (13)


Wilhelmshöhe, am Kaiserberg. Berühmtes Lokal für Familienausflüge, Betriebsfeiern, Gesellschaften etc.
Wie oft bin ich in der Gegend spazierengegangen und wurde aus herankommenden Autos gefragt, wie man zur Wilhelmshöhe kommt.
Und was ist geblieben? Die Einfahrt.
Und daß man erfährt, wie es nach 21 und wie es nach 23 geht.
Und daß die Anlieger ihre Freiheit immer behalten.

Tri tra Trulla la

Lena Meyer-Landrut, kennen Sie die noch? Die Trilla-Trulla, die nicht singen kann.

Ach! Daß man so gern ein längere Zeit in die Natur will, fern von … und so weiter, ist die deutscheste aller deutschen Ideologien (oder, wenn’s sein muß, der westliche aller westlichen Einflüsse).
Ach! Man müßte mal wegfahren! Einfach mal weg von hier! Den ganzen Alltag! Die großen Städte mit den vielen Apotheken! Und das alles!

Professor Freud müßte heute nicht mehr „Das Unbehagen in der Kultur“, sondern „Das Unbehagen an der Zivilisation“ schreiben, oder einfach: „Die regressiven Sehnsüchte des arrivierten Kleinbürgers“. Als das Bürgertum sich vor Augen führte, was es geschafft hatte, meinte es, etwas angerichtet zu haben, und sehnt sich nach der Scholle.

Die (arg geschwundene) Fangemeinde wird gerührt sein: „Sie spricht mir aus der Seele.“

Neu in der Weltbühne: Das heimliche Auge römisch XXXIII


Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotk XXXIII (33). Herausgegeben von Claudia Gehrke und Uve Schmidt. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke 2018. 320 S. mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. 16,80 Euro
Schlagworte im VLB: Männer, Frauen, Lust, Beziehungen, Liebe, BDSM
Verlagstext: Erotisch, ehrlich, direkt und nah am Leben. Kurzgeschichten, Gedichte, Sachtexte, Gespräche und viele Bilder: Zart, hart, heiter, anregend, erregend, leidenschaftlich und romantisch. Lust wie sie wirklich ist, auch mit Peinlichkeiten und Hängern, störendem Alltag und mit außerirdischen Höhenflügen. Kurze heiße Momente und langjährige Lieben, Verabredungen. Weibliche und männliche Lust und alles dazwischen, intensive Orgasmen, Schmerzlust und Beziehungs-Spiele. Schubladengrenzen überschreitende Begegnungen. Sehnsucht.

Erotik muß störend wirken, um sich zu befreien. (Ich könnte, etwas schonender, auch „überraschend“ sagen). Wünschenswert ist eine Erotik, die nicht vom störenden Alltag beengt wird, sondern diesen Alltag stört.
In der sex-positiven Buchhandlung Weltbühne sind die meisten der 33 Bände ab Nr. 1 noch vorrätig oder können noch besorgt werden. Fragen Sie mal nach, wenn Ihnen einzelne Bände fehlen. In einem der 33 Bände bin ich ja auch drin mit einem Text und einem Bild. Aber in welchem Band müssen Sie schon selbst rausfinden.

Kaufen und bestellen Sie alle Bücher, die sie brauchen und wollen in der Buchhandlung Weltbühne, wo man sich auch heute noch was traut.
Weltbühne muß bleiben.

Früher und heute falsch und richtig


Eine alte Postkarte von der edition sehStern (so geschrieben) ohne Jahresangabe, aber mit vierstelliger Postleitzahl (1000 Berlin).
Die SehStern-Editoren können nichts dagegen haben, wenn ihre Produktion hier wieder zum Vorschein kommt. Die Postkarte steht (wahrscheinlich als letztes Exemplar) in einem der Postkartenständer in der Buchhandlung Weltbühne, wo nichts verramscht, nichts remittiert und nichts ausrangiert wird, weil von den Beständen, die sich seit Ende der 60er Jahre hier sammeln, nichts unaktuell wurde.

SPD. Wie man’s macht

Morgen – nein, heute ist Freitag – übermorgen wird in Hessen gewählt. Das Ergebnis ist von der Tendenz her vorhersehbar.
Was wird der METZGER-Kommentator Jakop Heinn dazu sagen?
Herr Jakop Heinn sagt schon mal:

Die CDU wird über ihren Niedergang hinweggetröstet damit, daß sie dann immer noch die größte bleibt (knapp vor den Grünen), und daß der Niedergang der SPD noch dramatischer ist (demnächst knapp über 5 Prozent).
Früher war das Schlimmste für die SPD, Zwoter zu werden. In Hessen wird sie wohl nicht nur der CDU und den Grünen, sondern vielleicht auch der Partei von Alexander-Vogelscheiße Gauland den Vortritt lassen.
Dann wackelt in Bonn (ach nein, das ist ja jetzt Berlin) die Groko („Große“ Koalition traut sich ja keiner mehr zu sagen). Denn in der SPD wird gemurrt: Sich für die Groko zu entscheiden war falsch. Die Groko macht uns klein, die Groko macht uns kaputt.
Das stimmt ja auch.
Aber jetzt aus der Groko auszusteigen würde Neuwahlen bedeuten. In der Groko wären für die SPD ihre 20,5 Prozent der letzten Bundestagswahl 2017 bis zum Ende der Wahlperiode noch gültig, um dann 2021 weiter dezimiert zu werden. Bei Neuwahlen würde das dicke Ende für sie jetzt schon kommen.
Früher wurden in der SPD Entscheidungen immer von oben angeordnet. Aber sie sind inzwischen so, daß sie darüber die Basis abstimmen lassen. Und dann würde das passieren, was der alten Tante gerade noch gefehlt hat: Ein klares und eindeutiges Ergebnis von 51 Prozent für den Ausstieg aus der Groko, wobei sehr viele dieser 51 Prozent insgeheim hoffen, daß die anderen die Mehrheit sind. Der ewige Sozialdemokrat hat Angst vor der eigenen Courage.
Der Niedergang der SPD ist unverdient, weil er nicht auf Analyse und Kritik beruht, sondern auf Unverstand.
Der Niedergang der Volksparteien ist darum nicht so gut, weil der so entstehende Hohlraum von denen, na Sie wissen schon aufgefüllt wird.
Wie also Schaden begrenzen?
Die SPD nicht zu wählen ist in dieser Lage verkehrt.
Aber die SPD zu wählen ist sowieso verkehrt.

So also der Kommentar von Jakop Heinn.
Chantal Könkels von der Projektgruppe Pudding und gestern (PgPg) faßt es zusammen:
Diese Typo-Graphie ausdrucken (Din A 6), kopieren und unter die Scheibenwischer parkender Autos klemmen. Oder sollte man das lieber nicht tun?

Neu in der Situationspresse: Werner Muths neue CD „Lollar“


Notes on Lollar
Warum nimmt ein Autor von bisher vier “Hörrevuen”, bei denen er begleitet von Musikern
eigene Texte rezitierte, wie aus heiterem Himmel eine CD mit Songs in englischer Sprache auf? Kaum jemand weiß jedoch, dass Werner Muth vor 25 Jahren Sänger der John Silver Band war, die mittlerweile im Duisburger Norden einen gewissen Kultstatus genießt.
In den neunziger Jahren verließ Werner Muth die Band und widmete sich beeinflusst von seinem Freund und damaligen Nachbarn Tom Liwa dem Schreiben von Songs und Gedichten in deutscher Sprache.
Seit mehr als zehn Jahren besteht nun die Zusammenarbeit mit Peter Herrman, einem exzellenten Bassisten, Tontechniker und Produzenten in dessen Studio im hessischen Lollar. Und dabei ergab es sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren, dass vor der eigentlichen Arbeit an deutschen Sprechtexten altes und neues Songmaterial zu stimmlichen “Lockerungsübungen” mit Gesang verwendet wurde.
Und irgendwann waren sich Peter Herrmann und Werner Muth einig, dass sich da etwas “CD-Taugliches” angesammelt hatte. Die gespeicherten Aufnahmen, zumeist First Take Recordings wurden überarbeitet und jetzt unter dem Titel “Lollar” in Helmut Loevens Situationspresse herausgebracht. Auf der CD befindet sich auch der Titel “Eleftheria”, der 1993 zusammen mit Ralf Chmarowski komponiert wurde und als erster Song von Werner Muth gilt. Aus neuerer Zeit stammen Referenzen an den Photografen Jean Paul Gatz und den von Werner Muth verehrten Lou Reed. Zwei Vertonungen von Gedichten der Duisburger Lyrikerin Lütfiye Güzel erweitern dabei die Vielfalt dieses neuen Albums.

Ab sofort in allen guten Buchhandlungen (ISBN 978-3-935673-43-3)
auch am Amazonas
oder direkt in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand) zum Preis von 16 Euro (Versand Inland) oder 15 Euro (im Laden).