Heim ins Reich

„An diesem Abend (12. März 1938) brach die Hölle los. Die Unterwelt hatte ihre Pforten aufgetan und ihre niedrigsten, scheußlichsten, unreinsten Geister losgelassen. Die Stadt verwandelte sich in ein Alptraumgemälde des Hieronymus Bosch: Lemuren und Halbdämonen schienen aus Schmutzeiern gekrochen und aus versumpften Erdlöchern gestiegen. Die Luft war von einem unablässig gellenden, wüsten, hysterischen Gekreische erfüllt, aus Männer- und Weiberkehlen, das tage- und nächtelang weiterschrillte. Und alle Menschen verloren ihr Gesicht, glichen verzerrten Fratzen; die einen in Angst, die anderen in Lüge, die anderen in wildem, haßerfülltem Triumph. […] Was hier entfesselt wurde, hatte mit der ‚Machtergreifung‘ in Deutschland, die nach außen hin scheinbar legal vor sich ging und von einem Teil der Bevölkerung mit Befremden, mit Skepsis oder mit einem ahnungslosen, nationalen Idealismus aufgenommen wurde, nichts mehr zu tun. Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Mißgunst, der Verbitterung, der blinden böswilligen Rachsucht – und alle anderen Stimmen waren zum Schweigen verurteilt. […] Hier war nichts losgelassen als die dumpfe Masse, die blinde Zerstörungswut, und ihr Haß richtete sich gegen alles durch Natur oder Geist Veredelte. Es war ein Hexensabbat des Pöbels und ein Begräbnis aller menschlichen Würde.“
(Carl Zuckmayer in „Als wär’s ein Stück von mir“)

Es wird in diesem Jahr erstaunlich wenig daran erinnert, daß 1938, vor 80 Jahren, Österreich sich im Taumel von Nazideutschland einverleiben ließ.

Ein gutes Buch? Einladung zur Subskription

Ein neues Buch ist geschrieben, gestaltet und für den Druck vorbereitet:

Helmut Loeven: Lies mal ein gutes Buch. Tagebuchnotizen im Dienste der Bedeutung.
Trikont Verlag 2018. 172 Seiten. ISBN 978-3-945634-38-7. Subskriptionspreis: 12 Euro.

— Eine Ärztin findet das Wetter nicht schön — Meine Erlebnisse mit Merkel — Was ist ein Groko? — Mein „68“ — Heinrich Böll 100 Jahre — Das Hallenbad im Elysee-Palast — Anleitung für Verschwörungstheoretiker — Die beste Idee vom lieben Gott — Warum können die Leute mich eigentlich nicht leiden? — Von der Nutzlosigkeit nützlicher Erfindungen — Die Füße der Gans oder Koch doch selber Kaffee — Gleichung mit einer Unbekannten — Kuhler Kaffee — SPD wählen muß nicht sein — Keine Demo ist auch ‘ne Demo — Der Krieg soll verflucht sein! — Müssen Pazifistinnen doof sein? — Ungeheuerliches aus dem Tatsachen-Universum — Frau am Steuer, Mann daneben — Fernsehgucken als Kunst — Bob Dylan und die Stasi — Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase — Historische Haltestelle — Was wir heute bauen sind die Slums von morgen — Ein komisches Haus — Deutsches Sprache! — Die Märchentante greift zum Wort — Tongtong und der allerhöchte Ruhm des Sozialismus — Der Chor der Kassiererinnen — Über das Machen von Spaß — Deutsche als Ausländer — Die Flüchtlinge und unsere Aktien — Und solche Leute dürfen wählen — Die Dreifaltigkeit des Schreckens: Die Frau, der Fremde, der Eros — Die Überflüssigkeit der Väter — Und der Söder hat uns auch gerade noch gefehlt — Wenn Frauen hassen — Der Busen in der Leistungsgesellschaft — Erinnerung an einen Striptease — Meine Probleme mit der Menschheit — Der Pudding im Wandel der Zeiten —

Sobald das Buch auf dem Tisch liegt, ist es unter der oben genannten ISBN überall im Buchhandel und auch am Amazonas erhältlich. Sie können es jetzt schon vorbestellen in der Buchhandlung Weltbühne (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg, Tel. 0203 – 375121, bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de). Sie können das Buch abholen oder sich mit der Post schicken lassen, wie Sie wünschen.
Wer will, der kann es sich signieren lassen.

Neu in der Weltbühne: Der achte Rodin

Siegmar Wyrwich: Der achte Rodin. 196 S. 11,80 Euro.
Zwei alte Freunde auf der Jagd nach einem verschollenen Kunstwerk, durch dessen Fund sich für jeden von ihnen ein Traum erfüllen könnte. Wenn nur nicht immer alles mögliche schiefgehen würde. Ein Abenteuer zwischen Ruhrpott und Paris.
Stahlbaron August Thyssen war begeisterter Sammler der Skulpturen des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Sieben Skulpturen hatte er nachweislich in Auftrag gegeben. Doch, gab es vielleicht noch eine achte Skulptur, wie eine bislang unentdeckte Tagebucheintragung vermuten lässt? Gästeführer Paul Werner und sein Freund, der Bildhauer Manni Baumann, wollen der Sache auf den Grund gehen. Die Geschichte einer Freundschaft.
Peter Klucken in der Rheinischen Post:
Seine Geschichte entwickelt Wyrwich mit leichter Feder: Der Duisburger Gästeführer Paul Werner, ein studierter Halbverweigerer von möglichen „besseren“ Berufskarrieren, erfährt davon, dass der Stahlbaron August Thyssen nicht nur, wie überall zu lesen ist, sieben Skulpturen des Bildhauers August Rodin besaß, sondern sogar acht. Wer diese achte Skulptur findet, hat finanziell für sein Leben natürlich ausgesorgt, meint Paul Werners alter Freund Manni Baumann, ein Bildhauer. Und die beiden machen sich auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Skulptur eines Künstlers, dessen Werke heutzutage millionenschwer gehandelt werden. […] Nach der Lektüre möchte man sich einige Fortsetzungen mit diesem Romanpersonal wünschen. Ein Gästeführer mit juristischem Hintergrundwissen und eine lebenspraktische Juristin als Lebenspartnerin sowie ein Künstler, der einen Sprinter fährt und der gelegentlich sein Brot als Entrümpler verdienen muss, und die vielen möglichen Gäste und Kunden: all das sollte Siegmar Wyrwich nach einem solch gelungenen Erstling zum weiteren Schreiben ermutigen.
Thomas Becker in der WAZ:
Der 1926 auf Schloss Landsberg verstorbene Stahl-Baron August Thyssen bewies als steinreiches und zutiefst geiziges Unternehmer-Genie durchaus Ähnlichkeiten mit der Comic-Figur Dagobert Duck. Doch dass der König der Hochöfen noch einmal in einem Roman auftauchen sollte, damit war nun nicht zu rechnen. Der in Hamborn aufgewachsene Autor Siegmar Wyrwich hat jetzt mit „Der achte Rodin“ eine spannende kleine Geschichte veröffentlicht, die ideenreich und mit einem kumpelhaften Tonfall mit den historischen Fakten spielt. Dazu gibt es Begegnungen und Orte wie etwa der Landschaftspark Nord, die dem Duisburger Leser sehr bekannt sind. […] Wie die Suche nach dem achten Rodin dann zuletzt ausgeht, soll hier selbstverständlich nicht verraten werden. Die Leser können sich auf jeden Fall über eine originelle und gut erzählte Geschichte freuen.

Siegmar Wyrwich? Da war doch noch was!
Richtig! Sie erinnern sich richtig. Karikaturen in DER METZGER Nr. 34 und 35. Ein zusätzlicher Grund, das Buch zu empfehlen? Warum nicht!

Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand möglich).
Weltbühne muß bleiben.

Willi Kissmer

Willi Kissmer kannte ich seit 1969, d.h. da sind wir uns erstmals begegnet. In der kleinen, überschaubaren Szene progressiver Poeten, Künstler und Musiker des „Underground“ in unserer Stadt kannte man wohl schon die Namen. Er spielte eine Zeitlang mit der 16jährigen Sängerin Jenny in einem Duo, das sich mit der Folk-Band „Les Autres“ (gegründet 1966) vereinigte, woraus die Folkrock-Band „Bröselmaschine“ hervorging (umbenannt 1969). Als die Band sich 1972 auflöste, hatte Willi sie aber schon verlassen (in der Band wurde er ersetzt durch Michael Schmidt, auch einer von denen, deren Namen nicht mehr genannt werden). Willi meinte, sich entscheiden zu müssen zwischen Musik und Malerei, beides zusammen meinte er nicht zu verkraften. Daß er sich für die Bildende Kunst und ein Studium an der Folkwang-Hochschule entschied, war zunächst verwunderlich. Als Gitarrenspieler gehörte er zu den Besten, und er war mit der Band auf gutem Wege, auch zu den erfolgreichsten Gitarrenspielern zu gehören. Die ausschließliche Hinwendung zur Bildenden Kunst barg ein größeres Risiko. – Er wurde ein sehr erfolgreicher und geachteter Maler.

Titelseite von DER METZGER 14, Mai 1971, entworfen von Willi Kissmer

Von 1969 bis heute, in dieser langen Zeit gab es Perioden, in denen wir uns fast täglich über den Weg liefen. Und dann sahen wir uns manchmal erst nach ein paar Jahren wieder. Der Kommunikation tat das keinen Schaden. Es war immer so, als hätten wir uns gerade ein paar Tage nicht gesehen. Fremdheit stellte sich nicht ein; die Gespräche dauerten immer recht lange und waren so amüsant wie die Themen.
Es war im Eschhaus, da berichtete er mir von dem Künstleraustausch zwischen Duisburg und Moskau. „Wir Duisburger Künstler waren in Moskau im Gästehaus der Regierung untergebracht. Die Moskauer Künstler hätte man am liebsten in Duisburg auf Luftmatratzen übernachten lassen.“ Er war in seinem Bericht auch den Ursachen des Scheiterns des realen Sozialismus auf der Spur: „In Moskau ist jedes zweite Auto ein Taxi. Aber versuch mal eins zu kriegen!“
Eine Zeitlang hat Willi an der Uni graphische Techniken unterrichtet, einmal in der Woche. Dann war er immer Gast an unserem Büchertisch, der jahrzehntelang Treffpunkt der progressiven Uni-Szene war. Ich bin immer froh, wenn man sich nicht lange aus den Augen verliert.

Jetzt rechne ich nach und stelle fest: Unsere letzte Begegnung (siehe Foto, Willi links in Bild) ist zwölf Jahre her!
Irgendjemand hat mal gesagt: „Der Willi kann an einem Tag die tollste Ansicht vertreten und am nächsten Tag das Gegenteil davon.“
Na ja! Er war eben ein Fabulierer. Gerechter wäre es, neben seinen unbezweifelbaren Qualitäten als Musiker und Maler auch die so gern unterschätzten Talente in der Lebenskunst zu würdigen: Gespräche ohne Leerlauf, Freundlichkeit, Vorbehaltlosigkeit.
Ich erinnere mich immer an ein Detail. Wir saßen im Tournee-Bus und brausten über die Autobahn, es ging nach Hause. Er saß vorn auf dem Beifahrersitz, ich hinten, und er versicherte mir: „Eines Tages werden sowieso die Insekten die Welt beherrschen.“
Das fand ich geradezu beruhigend.

Willi Kissmer ist am 27. Juli 2018 nach schwerer Krankheit 66jährig in Duisburg gestorben.

Neu in der Weltbühne: Post von Karlheinz


Hasnain Kazim: Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte. Penguin 2018. 272 S. 10 Euro
„… dann zeige ich dir, was ein ECHTER DEUTSCHER ist!!!“: Was man sich als Journalist mit fremd klingendem Namen alles anhören muss. Von einem SPIEGEL-ONLINE-Journalisten mit großer Fangemeinde im Netz. Mit Charme und Schlagfertigkeit gegen deutsche Überheblichkeit und Fremdenhass.
Wie man gekonnt auf Hassmails antwortet. Täglich bekommt Hasnain Kazim hasserfüllte Leserpost. Doch statt die Wutmails einfach wegzuklicken, hat er beschlossen, zurückzuschreiben – schlagfertig, witzig und immer wieder überraschend. Dieses ebenso unterhaltsame wie kluge Buch versammelt seine besten Schlagabtäusche mit den Karlheinzen dieser Welt und beweist, warum man den Hass, der im eigenen Postfach landet, nicht unkommentiert lassen sollte. Denn, wie Hasnain Kazim schreibt: „Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!

Bitte bestellen Sie dieses Buch (und überhaupt: alle Bücher die Sie brauchen) in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand).
Die Leute, die ihre Bücher in der Buchhandlung Weltbühne bestellen, tun es aus gutem Grund.

Bestelladresse: Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg. Tel. 0203 – 375121
Oder: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

Buchhandlung Weltbühne: Eine gute Angewohnheit.
Weltbühne muß bleiben.

Ruhrorter Kunstmarkt 2018: gut!

Unser Stand (Buchhandlung Weltbühne / Situationspresse) bis zur zweiten Stange von links.

Jutta Ditfurth und das Dekolleté? Geht alles bei uns.

Mit Stand-Nachbar Werner Muth. Beste Koordination. Beachten Sie die bemerkenswerten Exponate! Auf die wird noch zurückzukommen sein.

Um nicht gucken gekommen zu sein, brauchen Sie schon einen triftigen Grund.
Es hat sich für uns gelohnt. Umsatz im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Buchhandlung geht stabilisiert und potenziert aus der Aktion hervor. Beliebt waren diesmal Bücher, Eigenproduktionen und Subversives in Wort und Bild. Und natürlich wichtig: Kontakte!

Subversion und Sex-Appeal in einem unserer Postkartenständer (in dem anderen auch).
LUNG WELTBUEHN
AUSTRASSE 226
URG-NEUDORF

Beautiful Ruhrort, lovely Fassade.

Krähen kreuzen

Krähen kreuzen deinen Weg.
Alfred Hitchcock „The Raven“
Nein. Von Alfred Hitchcock ist „Die Vögel“.
„The Raven“ („Der Rabe“) ist von Edgar Allen Poe. Beziehungsweise von Roger Corman.

Die schönsten europäischen Einfahrten (11)


Universität (Komplex B).
Rechts oben: gesetzlich vorgeschriebene Kunst am Bau.
Ich höre schon die Einwände: „Aber das ist doch gar keine Einfahrt, da darf man doch gar nicht reinfahren:“ (Schild links im Bild).
Falsch!
Laut § 2 des Bundeseinfahrtengesetzes gelten auch Ausfahrten verkehrs- und haftungsrechtlich als Einfahrten.

Diesen Sonntag auf dem Ruhrorter Kunstmarkt

Mit „diesen Sonntag“ ist der 29. Juli gemeint, Duisburg-Ruhrort, Neumarkt, 11 bis 18 Uhr.
An unserem Stand: Die Postkarten der Situationspresse (Situationspostkarten).
Weil Postkarten ein subversives Medium sind, machen wir Postkarten.
Zum Beispiel die mittlerweile fünf Motive umfassende Serie Informel (1 bis 5)

Situationspostkarte (SPK) 105: Informel 1

SPK 106: Informel 2

SPK 107: Informel 3

SPK 125: Informel 4

SPK 137: Informel 5

„Wat soll dattenn sein? Da kannmanja ganix erkennen!“
Genau das ist es!
Es handelt sich hier tatsächlich um die Auflehung des Schönen gegen das Häßliche: die schöne Kunst gegen den häßlichen Deutschen. Oh, wie er mir in Erinnerung geblieben ist, der wütende Haß, die gehässige Wut gegen „abstrakte Kunst“ (auch: „moderne Kunst“), die die ersten Jahrzehnte nach dem Ende der Hitler-Herrschaft, in der man von „entarteter Kunst“ gesprochen hatte, erfüllte, wie überhaupt der wütende Haß gegen alles Fremde, Unverstandene, Schöne, Einsichtige, Lebensfreundliche.

Er war nie weg, aber er wird wieder laut, der so lange von Humanität, Toleranz, Modernität, Umweltschutz, Pädagogik, Aufklärung, Urbanität, Differenz, Internationalität gequälte Nachbar/Onkel/besorgte Bürger nebst Gattin.
Schicken Sie dem in ihrer Verwandt- und Bekanntschaft, den Sie am wenigsten leiden können, so eine Karte und schreiben Sie „Alles Gute zum Weihnachtsfest, Dein(e)/Ihr(e) …
Mehr nicht. Das reicht.

Auch wenn Sie nicht zum Kunstmarkt kommen können, müssen Sie sich die Situationspostkarten nicht versagen.
Diese Karten sind zum Stückpreis von 1 Euro erhältlich (bei Versand bitte 1 Euro hinzurechnen, nicht pro Stück, sondern pro Auftrag). Bestelladresse ist:
Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg
situationspresse@gmx.de

Wenn Sie in der Kategorienspalte links die Kategorie „Situationspostkarten“ anklicken, wird ein Postkartenkatalog in Fortsetzungen sichtbar.

Es gibt kein Halten mehr.