Wußtest Du schon, daß …

… es früher in vielen Zeitungen und Zeitschriften eine Rubrik mit dem Titel „Wußtest Du schon, daß …“ (respective „Wußten Sie schon, daß …“) gab? Nein? Dann wissen Sie es jetzt.
Das gab – in Schülerzeitungen etwa – der Verlegenheit eine Gelegenheit zu krampfhaftem Nonsense („…daß sonntags schulfrei ist“), aber auch in Kundenzeitungen von Bäcker und Metzger und in der Lotto-Totto-Zeitung stand sowas („…daß der Killimann Scharo der högste Berg von Dingenskirchen ist“).

Und darum gibt es das von jetzt an auch hier. Und das hat einen aktuellen Anlaß.

Wußten Sie schon, daß auch Doris Lessing, Elfriede Jelinek und Harold Pinter nicht nach Stockholm kamen, um den Nobelpreis entgegenzunehmen?
Pinter war wohl schon von Krankheit beeinträchtigt. Aber die Jelinek soll sinngemaß geäußert haben, unter so viel Leuten fühle sie sich nicht wohl.
Da wurde noch nicht ein solcher Anstoß genommen wie in diesen Tagen an der Abwesenheit des Nobelpreisträgers bei der Preisübergabe.
Was sagt man dazu?

Dies ist übrigens Notat Nümero 1212. Wußten Sie schon, daß das keine Schnapszahl ist und ich kein’n ausgeben muß? Die letzte Schnapszahl fand hier am 21. Juli statt.

Hohes C

Zwei traurige Nachrichten.

Es stand heute noch nicht in der Zeitung, gestern hörte ich es im Radio: Leonard Cohen ist am 7. November, am vorigen Montag gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. Keine vier Wochen vor seinem Tod erschien sein letztes Album „You want it darker“.

LEONARD COHEN . CHANTEUR CANADIEN . FOLK . TOURNAGE D UN CLIP . AVEC DOMINIQUE ISSERMANN . PHOTOGRAPHE . PLAGE DE TROUVILLE . 26 JANVIER 1988 .

LEONARD COHEN . CHANTEUR CANADIEN . FOLK . TOURNAGE D UN CLIP . AVEC DOMINIQUE ISSERMANN . PHOTOGRAPHE . PLAGE DE TROUVILLE . 26 JANVIER 1988 .

Wikimedia Commons

Als die Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylan bekanntgegeben wurde, wurde vielfach erörtert, ob der Preis nicht eher oder ebensogut dem kanadischen Songschreiber hätte zuerkannt werden können. Leonard Cohen war als Lyriker im nordamerikanischen Sprachraum schon bekannt, als er sich musikalischer Arbeit zuwandte.
Daß er hierzulande als Schriftsteller nicht hinter dem Musiker verschwand, ist dem März-Verlag zu verdanken, der seine frühen Titel („Schöne Verlierer“, „Blumen für Hitler“) herausbrachte. Cohens melancholisch klingenden Songs ist es zu verdanken, daß er nie von der Schaumfabrik eines sich fortwährend banalisierenden Show-Business aufgefressen wurde. In dem Album „The Future“ (1992) bezieht er sich äußerst skeptisch auf die weltpolitischen Entwicklungen jener Jahre: „I’ve seen the future, it is murder“. Von der tumben Bedusseltheit nach dem „Fall der Mauer“ ließ er sich nicht anstecken.
Joni Mitchell hat in einigen ihrer Songs ihre Beziehung mit Leonard Cohen reflektiert (z.B. „Chelsea Morning“).

Am Dienstag, 8. November starb Raoul Coutard im Alter von 92 Jahren.
Der Name dürfte selbst unter interessierten Kinogängern nicht vielen bekannt sein. Umso nachdrücklicher wird hier an ihn erinnert.
Raoul Coutard war Kameramann des französischen Films von den 50er bis zu dem 90er Jahren. Für die meisten Filme von Jean-Luc Gorard bediente er die Kamera. Er arbeitete auch für Francois Truffaut und Costa-Gavras. Der fortschrittlichen Stellung des französischen Films verpflichtete er sich auch als Regisseur: in dem Vietnam-Drama Hoa Binh (1969) und in „S.A.S. – Terreur à San Salvador“ (1983), einem Film über die Todesschwadronen und die Ermordung des Bischofs Oscar Romero durch die Faschisten.
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Die Autoren der Nouvelle Vague erweiterten die Bildsprache des Kinos, das der Essayistik filmische Möglichkeiten verschaffen sollte. Die Stilrichtung des progressiven, emanzipatorischen, kritisch-analytischen Films wurde von Raoul Coutard nicht weniger geprägt als von den Theoretikern und Regisseuren, mit denen er zusammenarbeitete.

alphavilleAlphaville von Jean-Luc Godard (1965) ist einer der erstaunlichsten, gewagtesten und am schönsten fotografierten politischen Filme. Anna Karina, Eddie Constantine.

Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase

Die meisten Kommentatoren, auch die meisten wohlwollenden, haben keine Ahnung, mit wem sie es zu tun haben. Die halten den diesjährigen Nobelpreisträger für Literatur für irgendeinen Show-Star und finden es entweder völlig unpassend oder richtig nett, daß das Nobelpreiskomitee sich auch mal des einfachen Publikums annimmt. Wenn die sich mal ein Bob-Dylan-Konzert angehört hätten, dann wäre ihnen aufgegangen, wie deutlich sich diese kargen Vorträge von den Erlebnis-Events mit Zu-ga-bee und herumgeschwenkten Einwegfeuerzeugen unterscheiden. Gelesen haben die auch noch nie was, weil die meinen: Das muß man nicht kennen.
Das muß man auch nicht kennen. Aber dann soll man auch nicht darüber schreiben.

Nicht weniger unangenehm die Kommentierungen der Hu-äh!-Befinder.
In der Jungle World (42/2016) kommentiert ein Uli Krug. Einen Uli Krug gab es schon bei den Bahamas. Ist das etwa derselbe? Die sind wohl für gar nix fies. Zitat:
„Dylan hat seinem Publikum bislang nicht einen Roman vorgelegt sein unmittelbar literarisches Schaffen beschränkt sich auf die Autobiographie ‚Chronicles, Volume one‘.“
Nix mit Tarantula? Aber wozu Sachkenntnis, wenn man so öffentlichkeitswirksam die Nase verziehen kann.

Ein ganz brauchbarer, sachkundiger Kommentar stand diese Woche übrigens in der UZ. Öfter mal UZ lesen!

P.S.:
Gucken Sie mal bei uns ins Fenster:

Gute Umgebung!

Gute Umgebung!

Buchhandlung Weltbühne Gneisenaustraße 226 47057 Duisburg (Neudorf) Tel. 0203-375121, www.buchhandlung-weltbuehne.de

Auswahl:

Georg Stein: Bob Dylan – Temples In Flames.
Vorwort von Wolfgang Niedecken
Text von Martin Schäfer
Palmyra Verlag. 96 Seiten · 70 Farb- und Schwarzweißfotos. Hardcover Kunstdruckpapier.
12 Euro
Verlagstext:
„Der Bildband vermittelt ein fotografisches Porträt von Bob Dylan. Die Fotos entstanden auf fünfzehn Konzerten von Dylans 1987er Tournee ‚Temples In Flames‘. Der Begleittext von Martin Schäfer gibt einen Überblick über Dylans vielseitige Entwicklung.“

Christian Williams (Hg.): Bob Dylan – In eigenen Worten.
Vorwort von Bono
170 Seiten ·24 Schwarzweißfotos
17,90 Euro
Verlagstext:
„In diesem Buch erzählt Dylan ‚In eigenen Worten‘ über sein Leben und seine Musik. Als einzige Publikation von und über Bob Dylan enthält es seine wichtigsten Äußerungen aus Interviews, Pressekonferenzen und Talkshows. Das sich daraus ergebende beeindruckende Portrait umfaßt alle wichtigen Dylan-Themen: seine private Herkunft, die musikalischen Vorbilder und der Karrierebeginn in New York, Erläuterungen zu einzelnen Songs, Platten und Tourneen, Dylans Filmprojekte, das Musikbusiness, die Haltung zu Fans und Musikerkollegen, sein Wandel vom Folk zum Rock sowie seine politische Rolle und permanente religiöse Suche. Ausführlich geht Dylan, der bereits mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, auch auf sein Songwriting und die Schattenseiten seines Ruhms ein.“

Paul Williams: Forever Young. Die Musik von Bob Dylan, 1974-1986.
Vorwort von Günter Amendt
520 Seiten, 16 Schwarzweißfotos
17,90 Euro
Verlagstext:
„Was macht die Musik dieses Künstlers so faszinierend? Was ist das Besondere, das Einzigartige an Dylans Musik? Diesen Fragen geht Paul Williams in Forever Young nach. Er befasst sich – anders als alle anderen Dylan-Autoren – nicht nur mit Dylans Leben, seinen Texten oder seiner gesellschaftlichen Rolle, sondern vor allem mit seinem künstlerischen Werk als Interpret und Live-Musiker. In Ergänzung zu Like A Rolling Stone – Die Musik von Bob Dylan 1960-1973,
umfasst Forever Young die Jahre 1974-1986. Es ist der zweite Band einer Trilogie.“

Bob Dylan und die Stasi

Einige Hüter des Elfenbeinturms sind tatsächlich überrascht, oder sie tun so. Als ob es aus heiterem Himmel gekommen wäre. Bildungsbürger erkennbar als Banausen wissen gar nicht, mit wem sie es überhaupt zu tun haben.

Das erfreulichste aber ist, daß der häßliche Herr Biermann sich kaputtärgert, weil die Stasi schon wieder verhindern konnte, daß ER den Nobelpreis kriegt.

Easy Rider

EINLEITUNG
Das Sprichwort „Wie die Zeit vergeht…“ (Variante „Kinder, wie die Zeit vergeht…“) ist allgemeingültig. Es handelt davon, daß das Physische das Psychische zu überfordern scheint, vulgo: daß das Leben mehr Fakten präsentiert als man reflektieren und einordnen kann.
Das Sprichwort (dann:leise, mehr zu sich selbst gesprochen und dann stets ohne „Kinder“) gehört zu den Formeln, mit denen mit zunehmendem Alter das Dasein in einem Satz zusammenfassend kommentiert wird.
Zu mir besser passen würde wohl die Formel „Wat et nich all jiff“.
Warten wir‘s ab.

HAUPTTEIL
Heute lese ich in der Zeitung: Juliane Werding ist 60 Jahre alt geworden. Kennen Sie nicht? Brauchen Sie nicht zu kennen. Ich kannte sie. Da war sie 14 (in Wirklichkeit wohl eher 15) Jahre alt. Das war in den Tagen der Kommune, auf der Goldstraße, oben unterm Dach. Die Plattenfirma hatte sie zu uns geschickt, damit sie bei Peter Bursch Gitarrenunterricht erhält. So geschah es.
Sie war hübsch, sie war kontaktfreudig, aber durchaus nicht aufdringlich. Sie war eigentlich ein ganz nettes Mädchen. Sie beschränkte sich auf Kurzaufeinthalte, d.h. wenn die Gitarrenlektion zu Ende war, ging sie, was kein unsympathischer Zug war. Denn Kommune in den 70er Jahren bedeutete: tagsüber waren die eigentlichen Kommunarden in der Minderheit.
Das einzige Zwiegespräch, das ich mit ihr führte, dauerte nicht länger als zwei Minuten. Ich hatte die LP mit dem Original Soundtrack von Easy Rider. Sie bat mich, ihr diese Platte zu leihen.
Sie war uns als „Schlagersängerin“ angekündigt worden. Vielleicht rührte daher eine gewisse Skepsis, die ich gegen sie hegte. Tatsächlich fand ich ihren ein Jahr später veröffentlichen Hit „Der Tag als Konrad Kramer starb“ ärgerlich. Das war die Zeit, als viel Unwahrheiten und Halbwahrheiten über „Rauschgift“ ventiliert wurden.

SCHLUSS
Die LP Easy Rider hat sie mir nie zurückgebracht. Das bedauerte ich sehr. „Easy Rider“ hatte sowohl in der Musik-, als auch in der Filmgeschichte eine gewisse Bedeutung.
Anstatt mich bei Plattenfirma, Konzertagentur, Management etc. nach ihrem Aufenthalt zu erkundigen (und gar noch für einen Verehrer gehalten zu werden), zog ich es vor, mir die LP nochmal zu besorgen.
Wenn Sie Juliane Werding mal treffen sollten, können Sie ihr ruhig bestellen, daß sie mir meine LP ruhig hätte zurückgeben sollen. („Was? Welche LP? Wie heißt der Mann? Kenne ich nicht.“).
Und heute ist die Frau 60 Jahre alt geworden?
Wat et nich all jiff.

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 118.
M118Und das steht drin:

Intro: Die bekloppte Schlagersängerin Retätnetta Tsoredab.

Ulrich Sander: Nun auch alle Kraft gegen die AfD. Erfahrungen aus 50 Jahren Kampf gegen die NPD. Die AfD-Führung wies nach den jüngsten Landtagswahlen vieldeutig darauf hin, daß es wieder eine bürgerliche Mehrheit gäbe.

Jakop Heinn: England ohne Europa. „Brexit“: Der kleinbürgerliche Untertan hat den Mächtigen nur seine eigene Torheit entgegenzusetzen.

Lina Ganowski: Zustände wie in Deutschland. In einem arabischen Land wurde eine Frau vergewaltigt und darum vor Gericht angeklagt. Sowas ist auch in Deutschland möglich. Der eigentümliche Umgang der deutschen justiz mit dem Gewaltopfer Gina-Lisa Lohfink.

Anton Maegerle: Gefährlicher Quatsch. Der AfD-Landtagsabgeordnete Gedeon schätzt die weltweit verbreitete Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Das Machwerk, das zum Kernbestand antisemitischer Propaganda gehört, will Gedeon an Schulen verbreiten.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Können Spaltungen und Blamagen der AfD überhaupt noch schaden? Mit Aufklärung und Argumenten wird man bei der Anhängerschaft kaum etwas bewirken können, denn für das Gesunde Volksempfinden ist das Argumentative schlechthin intellektualistische Sabotage gegen die klare Ansage (wo Befehl noch Befehl ist). Außerdem: Die Reformation kam ein Jahr zu spät. Komische Häuser, komische Schilder, komische Parkplätze.

Die „Jazz-Legende“ Carla Bley hat ihren 80. Geburtstag „weitgehend ignoriert“.

Gibson Girls. Aus der Geschichte der Karikatur. Um das Jahr 1900 entdeckte der Zeichner Charles Dana Gibson einen neuen, modernen Frauentyp.

Weltnachrichten. Sexyness is enormously intelligent.

Detlef Stamm: Bleiben wie man ist. Gedicht.

In memoriam Horst Schimanski.

Tagebuch. Hier tut sich was.

Pegida und der Innere Schweinehund. Plakativ.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Sarah Gregory verleiht ihrer Auffassung, daß man den METZGER abonnieren sollte, Nachdruck!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Was ist DAS?

KlavierFeuerwehr

Ein Feuerwehrklavier.

In Ermangelung eines „Martinshorns“ wird aus Ersparnisgründen ein im Löschzug mitfahrender Pianist das „Sondersignal“ (§ 55 StVZO) intonieren.
Tatuetatue
Witterungseinflüsse können zu Verstimmungen führen, so daß die „reine Quart“ (vorgeschrieben nach DIN 14610) sich ins Reich der Illusion verzieht.

Nach Dortmund

Encore:
hl-tenoereSo sinnlos diese bildliche Mitteilung auch erscheinen mag, offenbart sich doch ein tieferer Sinn!
Daß der eine von den drei (sic!) Tenören nicht nur den Nutzen, sondern auch die Schönheit einer Heizung zu preisen versteht, müssen wir in diesem Fall nicht beachten. Der andere von den dreien (sic!) bekundet, daß er zu Fuß nach Dortmund gehen möchte.
Aber bestimmt nicht irgendwann und einfach nur so, sondern an mindestens einem der drei Tage vom 1. bis zum 3. Juli 2016, wenn in Dortmund, Revierpark Wischlingen, das UZ-Pressefest der DKP stattfindet.
Man gerät nicht in die Verlegenheit, den Weg dorthin zu Fuß zurücklegen zu müssen. Man kann sich den Öffentlichen Personen-Nahverkehr zunutze machen. S-Bahn-Station Wischlingen.

Nachtrag, wie versprochen. Auflösung, wie erhofft.

Schon am Ersten dieses Monats hätte ich Anlaß gehabt, an eines meiner 1.-Juni-Jubiläen zu erinnern: Vor 40 Jahren (1. Juni 1976) nach Neudorf gezogen (da wollte ich immer hin).
Noch ein 2016-Jahrestag: Seit 30 Jahren Mitglied der DKP (denn Deutschland hat Strafe verdient).
Übernächstes Jahr (2018) ist dann 50 Jahre DER METZGER. Und somit auch: 50 Jahre Situationspresse mit allen Verzweigungen.
Dazwischen, 2017, ist „30 Jahre Eschhaus zu“. Darauf werde ich auch nochmal zurückkommen. Und somit auch: 30 Jahre unter dem Namen „Weltbühne“ auf der Gneisenaustraße.
Erinnern Sie sich an das Jubiläums-Notat vom 1. Mai 2014: 50 Jahre Kunst und Politik. Meine künstlerische Tätigkeit begann am 1. Mai 1964 mit Musik. Dann, knapp zehn Jahre später, ereignete sich wieder eine aktive Musik-Periode.
Ich schrieb: „Darum wollte ich eigentlich an dieser Stelle das einzige vollständige Gruppenfoto der Bröselmaschine hier hineinstellen. Aber zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß ich das Foto verkramt habe.“ Ich versprach: „Wenn ich es wiederfinde, zeige ich es.“ Ersatzweise durften Sie schwarz sehen:

Schwarz
Jetzt habe ich das Foto wiedergefunden (und zwar genau da, wo es hingehört und wo ich doch gleich hätte nachsehen können), womit sich auch das Bilder-Rätsel von gestern auflöst:

BroeselmaschineGraefen
Die Original-Besetzung kurz vor der Auflösung, Herbst 1972.
Obere Reihe v.l.n.r: Lutz Ringer, dito, Michael (damals: Mike) Hellbach, dito, Michael Schmidt, dito, Peter Bursch, dito. Untere Reihe: Jenny Schücker, dito, und Helmut Loeven, also ich, dito.
Eine Doppelbelichtung von Eckhard Graefen, Knubbel Afa.

Neu in der Weltbühne: Pott im Pop

Was Ausstellungen so an sich haben: Ausstellungskataloge.
Wie dieser hier:
RockPopPott
Heinrich Theodor Grütter (Hrsg.): Rock und Pop im Pott. Klartext Verlag 2016. 280 Seiten im Großformat, zahlreiche farbige Abbildungen, Hardcover, 24,95 Euro.
Der Klartext-Verlag läßt uns wissen:
„Das Ruhrgebiet blickt auf sechzig Jahre Rock- und Popgeschichte zurück: Mit Auftritten berühmter Gruppen wie den Beatles und den Stones (gemeint sind die Rolling Stones), mit dem Rockpalast in der Essener Grugahalle und mit bedeutenden Musikern aus der Region wie Nena und Herbert Grönemeyer. Das Katalogbuch zur Ausstellung im Ruhr Museum auf Zollverein in Essen zeigt Fotos, Plakate, Eintrittskarten, Schallplatten und Fanartikel sowie Instrumente und Bühnenoutfits und beschreibt die spektakuläre Rock- und Pop-Geschichte des Ruhrgebiets von den Anfängen bis in die Gegenwart.“
Ein Register hätte dem Werk gutgetan.
Daß eine Massenkultur, der etwas Aufrührerisches mehr oder weniger innewohnte, nach Jahrzehnten von nostalgischer Träumerei aufgesogen wird, ist niemals völlig zu vermeiden. In welchem Maße dies auf dieses zeitgeschichtliche Werk zutrifft, überprüfen Sie bitte selbst. Die Ostermärsche und UZ-Pressefeste werden erwähnt, das ist gut. Katalog-Mitgestalter Holger Krüssmann erinnerte sich an meine Folkrocker-Vergangenheit (Bröselmaschine 1970-1973) und ließ sich von mir Fotos schicken. (Die wurden nicht verwendet. Macht nichts).

Was mich da schon eher bedrückt ist der schleichende Verlust an Autonomie (i.e. das herausgenommene Recht, sich selbst seinen Namen zu geben). Wieso lassen es sich Leute gefallen, zum Beispiel als „68er“ oder „Krautrock“ oder „Hippie“ – oder eben „Pott“ bezeichnet zu werden?
Früher konnte man sich darauf verlassen, daß jemand, der die hierorts ungebräuchlichen Bezeichnungen „Pott“ oder „Ruhrpott“ oder „Kohlenpott“ verwendet, nicht von hier ist.
Noch mehr betrübt mich, daß von allerlei Regionaldirektoren, Oberbürgermeistern und sogar einer Landesministerin „Grubworte“ (statt Grußworte) beigegeben wurden.

Wollen Sie dieses Buch haben? Dann bestellen Sie es nirgendwo anders als in der Buchhandlung Weltbühne (für Sie abhol- bzw. versandbereit).
WELTBÜHNE MUSS BLEIBEN, damit gute Musik und deutsche Sprache übrigbleiben.

Achtet auf den Duis-Punkt!

Duispunkt1Duispunkt2Duispunkt3Duispunkt4
Auf die Veranstaltung gestern abend wurde bereits hingewiesen.
Ort und Termin der Duispunkt-Veranstaltungsreihe ist nicht zufällig. Denn immer montags abends treffen sich in Bahnhofsnähe die Pegida-Hohlköpfe, um sich an ihrer eigenen Primitivität zu berauschen. Aus den obligaten Gegen-Demonstrationen hat sich Duispunkt entwickelt.
Mehr Informationen über Duispunkt demnächst in diesem Weblog.