Internationale Solidarität kann auch heißen: sich für den richtigen Kaffee entscheiden.

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In nächster Zeit – und auch danach noch – wird die Rote Hilfe viel zu tun haben. Viele werden die Rote Hilfe brauchen.
Helft der Roten Hilfe.
Rote Hilfe e.V.
IBAN: DE25 2605 0001 0056 0362 39
https://www.rote-hilfe.de/aktiv-werden/mitglied-werden
Rote-Hilfe-Gruppen – damals noch ohne Zentrale und Dachverband – bildeten sich seit etwa Anfang der 70er Jahre. Eine Rote-Hilfe-Gruppe gab es auch in Duisburg. Ich habe sie gegründet.
Diese Geschichte müßte auch mal geschrieben werden.
Die VVN-BdA in Kassel erklärt:
Zum Urteil im Dresdener Antifa-Prozess
2. Juni 2023
Die VVN-BdA ist empört über das Urteil des Dresdener Oberlandesgerichts im Fall der angeklagten Antifaschistin Lina E und ihrer Mitangeklagten. Über fünf Jahre Haft für sie als „Rädelsführerin“ einer „kriminellen Vereinigung“ ist ein Urteil, das nicht nur bezogen auf die Vorwürfe überzogen ist, sondern angesichts des Prozessverlaufs nur als skandalös zu bezeichnen ist.
Es ist ungeheuerlich, dass der Senat um Richter Hans Schlüter-Staats ein solch drastisches Urteil auf der Basis von Indizien, haltloser Aussagen militanter Neonazis und eines dubiosen Kronzeugen fällte. Vor Gericht kamen immer wieder grundlegende Zweifel an der Arbeit der Bundesanwaltschaft auf, die den Fall an sich gezogen hatte. Falsche Interpretationen von vorgelegten Materialien, widersprüchliche Aussagen und fehlende Beweise prägten das Verfahren. Es gab lediglich ein Konvolut an Indizien, die als »Belege« für die Täterschaft von Lina E. angeführt wurden: Nicht einmal DNA-Spuren konnten eindeutig zugeordnet werden, ein Foto vom Tatort bei Lina E. wurde als Beleg ihrer Anwesenheit gerechnet. Auch der Kronzeuge Johannes Domhöver konnte nichts Substanzielles beitragen. Vielmehr ist es erkennbar, dass er seinen Freispruch erkauft hat mit einer Aussage, die die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft stützen sollten. Aussagen militanter Neonazis wurde Glauben geschenkt – „Zeugen“, die in einem eigenen Prozess in Eisenach wegen krimineller Handlungen verurteilt wurden.
Selbst die Bundesanwaltschaft musste eingestehen, »nicht den einen, erdrückenden Beweis« zu haben. Trotzdem forderte sie acht Jahre Haft. Für sie sei es »die Gesamtschau«, die die Vorwürfe erhärtete. Die Verteidigung hat vollkommen zurecht das Vorgehen der Dresdner Justiz als politisch motiviert beschrieben. Es ist ein Gesinnungsurteil, dass ein Exempel gegen (militanten) Antifaschismus statuieren soll.
Dieses Urteil weckt unliebsame Erinnerungen an die Justiz in der Endphase der Weimarer Republik, als bei Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Nazigegnern in aller Regel die Antifaschisten mit schweren Verurteilungen rechnen mussten, während die SA und andere gewalttätige Nazis mit Milde der Richter rechnen konnten.
Wenn Innenministerin Nancy Faeser angesichts des Urteils betont, dass es auch im Handeln gegen Neonazis keine Selbstjustiz geben dürfe, da solch ein Verhalten das Vertrauen in den Rechtstaat beschädige, dann betonen wir, dass dieses Urteil in noch viel größerem Maße das Vertrauen in die Justiz und die Regeln des Rechtstaates beschädigt. Wir erwarten, dass bei einer rechtlichen Prüfung dieses Urteil aufgehoben wird.
Nachdem der Westerwelle fertig hatte, gab es nichts mehr zu halten (kein Halten mehr), und so kam Lindner. Zu dem würde das Amt des Bundesverkehrsminister gut passen. Oder: Lindner spielt Peter Sellers in dem Remake von „Der Partyschreck“. Er wäre die Idealbesetzung für den Mann, bei dem man sich fragt: Was will der eigentlich hier? Wer hat den reingelassen?
Der will, daß die Atomkraftwerke weiterlaufen, denn, so meint er, es geht um jede Kilowattstunde (drei Ausrufezeichen).
Tempolimit auf der Autobahn? Da ist er dagegen. Er meint: Das bißchen Energie-Ersparnis —
Als Verkehrsmister – pardon, ich wollte sagen: als Verkehrtminister – hatten wir den von der CSU, den B. Scheuert (oder so ähnlich hieß er). Bei dem dachte man: Muß denn eigentlich einer, bloß weil er nichts kann, Minister werden?
Sein Vorgänger war der Dobrindt. Der hatte regelmäßig seinen Rappel.
Und dessen Vorgänger war der Ramsauer. Der war auch in der CSU.
Man kennt das ja noch aus der Schulzeit: Jede Klasse hatte ihren Klassen-Clown.
Und jede Bundesregierung hat ihren Kabinetts-Flabes.
Und das ist jetzt der Lindner.
Seit 11 Jahren das schönste Weblog von der ganzen Welt.
Heute ist der erste Jahrestag des zehnten Jahrestags.
Neu in der Weltbühne: Conrad Schuhler: Deutschland im Wirtschaftskrieg. Eskalation um jeden Preis. PapyRossa Verlag 2023. 158 S. 14,90 €

»Es kommen härtere Jahre, raue Jahre auf uns zu«, so Bundespräsident Steinmeier. Ein »Epochenbruch« habe stattgefunden, und die »Friedensdividende« sei »aufgebraucht«, die Welt sei »jetzt auf dem Weg in eine Phase der Konfrontation«. Die Deutschen müssten deshalb »konfliktfähig werden«. Dazu gehöre »zu allererst« eine starke Bundeswehr. Von der Bevölkerung verlangte Steinmeier »die Kraft zur Selbstbeschränkung«.
Conrad Schuhler setzt sich mit der Logik auseinander, einen Krieg – geführt womöglich mit Atomwaffen, deren Übernahme von den USA die Bundeswehr jetzt schon übt – und materielle Opfer in Kauf zu nehmen. So soll der »systemische Konflikt« mit Russland und China geführt werden. Schuhler macht die Formel »Demokratie gegen Autokratie« als Ausdruck des globalen Hegemonieanspruchs des Westens kenntlich. Der Westen, allen voran die USA und Deutschland, hat der Koexistenz eine kategorische Absage erteilt. Nach innen ist dieses Programm mit seinen unsozialen Folgen in demokratischen Formen nur schwer durchzusetzen. Eine friedliche, soziale und demokratische Zukunft müsste erstritten werden von Menschen, die politisch gegen ihre Eliten aktiv werden.
Conrad Schuhler, Diplom-Volkswirt. Studium an den Universitäten München und Manchester, Yale und Berkeley/USA. Langjähriger Vorsitzender des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) in München und lange Zeit Chefredakteur der UZ.
Das Buch ist im Programm der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand zu beziehen).
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Emil-Adresse: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !
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???


Gartengestaltung, die mir zusagt. (Es gibt natürlich auch andere Arten, einen Garten zu gestalten).

Eine „meiner“ Lesebänke (wenn sie mal nicht besetzt ist)
„… so why not take a look now? Kick out the devil’s sin, pick up, pick up a good good book now.“
Die Zeit der hyperaktiven Studentenschaft ist ja wohl vorbei. Schaut nur diese völlig unbeklebten Garagen (war früher anders).
Aber den instandbesetzten Garten (neben der Bibliothek) gibt es immer noch. Hier wird die Wildheit gehegt.
Berührte Natur.
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Pfingsten sind die Geschenke am geringsten,
während Geburtstag, Ostern und Weihnachten
etwas einbrachten.
Von wem ist das?
Das ist leicht herauszufinden, wenn man auch das Kleingedruckte liest.
Das kenne ich auch: Man wird geprüft, ob einem Namen von Fußballspielerinnen geläufig sind. Mir fallen da nur zwei oder drei Namen ein.
Ich kenne noch Mannschaftsaufstellungen der 50er und 60er Jahre auswendig. Aber wer heute in der Bundesliga spielt – da kenne ich niemanden. Bei Bayern München soll einer spielen, der Müller heißt. Müller paßt immer.
Bei dem „Verein“ Bauern München (hach! Jetzt hab ich mich vertippt!) herrscht – gelinde formuliert – Krisenstimmung. Bei Bayern München „müssen Köpfe rollen“, „müssen die Ursachen auf den Tisch, gnadenlos“ „wird an Stuhlbeinen gesägt“ etc. Wieso?
Es gibt in diesem Lande tausende Fußballmannschaften, zigtausende Fußballspieler, die davon träumen, in die Landesliga aufzusteigen. Und dann gibt es ein Kartell stets wechselweise prahlender oder übelgelaunter Männer, die jetzt den Weltuntergang proklamieren, weil sie unter tausend Fußballclubs bloß Zweiter sind (oder erst auf den letzten Drücker doch noch Erster werden). Da stimmt doch was nicht. Da wird der Sport falsch verstanden.
„Sport?“ fragt der Hoeneß. „Haben Sie ‚Sport‘ gesagt?“
Es gibt übrigens ein Buch bei PapyRossa mit dem wohlklingenden Titel „Friede den Kurven – Krieg den Verbänden“.
Fragen Sie mich mal. Ich wüßte nicht, wen ich jemals um was beneiden sollte. Ich gönne jedem, der sich anstrengt, der sich was erhofft und dabei fair bleibt, seinen Erfolg. Nur dem Bayernmünchen inclusive Management wünsche ich eine Niederlage. Das würde denen vielleicht (vielleicht!) guttun, damit sie eine Ahnung davon gewinnen, wo der Boden ist, auf dem man stehen kann. Diesen Gedanken brauchen Sie nicht zu Ende zu führen.
An ein Kapitel deutscher Fußballgeschichte möchte ich Sie gern erinnern. Dazu müßten Sie hier klicken.
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Der Schauspieler Horst Tappert soll bei der Waffen-SS gewesen sein. Da war er nicht der einzige.
Als Schauspieler war er nicht schlecht, geeignet für Nebenrollen in Komödien. Als Posträuber Bruce Raynolds hat er ein Kabinettstückchen abgeliefert. Aber in der Rolle als Kriminalbeamter Derrick, für die er sich ein Toupet aufsetzen mußte, wurde er zu einer nationalen Institution: Identifikationsfigur des Spießers als fieser Bulle, als Rächer der Langweiler an der ganzen materialistisch-hippyesken Verworfenheit der modernen Zeit, wo die Schulkinder nicht mehr aufspringen und im Chor „Guten Morgen, Herr Lehrer“ erschallen lassen. Wohin das führt, sieht man ja. Da muß doch endlich mal einer der Moral zur Geltung verhelfen.
Derrik hatte einen Vorgänger, das war „Der Kommissar“ Keller (Erik Ode). Der deutsche Briefmarkensammler hat den Durchblick, assistiert von einer Schar deutscher Schwiegersöhne. Diese Filme hatten einen großen Vorteil: Man konnte den Nachgeborenen erklären: „Nein, der Fernsehapparat ist nicht kaputt, das ist ein Schwarzweißfilm.“
Kommissar Keller minus Gemüt ist gleich Derrick.
Diese Filme waren gar keine Kriminalfilme. Sie waren nicht spannend. Sie waren nicht realistisch. Die Dialoge waren hölzern. Die Charaktere waren künstlich. Die Schauspieler spielten nicht, sondern standen oder liefen herum und sagten Texte auf. Da waren keine Detektive am Werk, um Licht in die Sache zu bringen. Licht kam hier nur von den Beleuchtern. Was im wahren Leben die Ermittlungstätigkeit der Polizei wäre, das war in diesen Filmen die Privatangelegenheit von einem Berufspessimisten und seinem Lakaien.
Ich habe ein paar Derrick-Filme gesehen, und mir ist aufgefallen: Keiner der von Derrick & Harri zur Strecke gebrachten „Täter“ würde von einem deutschen Gericht verurteilt. Bei dermaßen schlampiger Ermittlungsarbeit hätten sie alle wegen Mangel an Beweisen freigesprochen werden müssen. Der einzige Beweis, den die Anklage dem Gericht hätte vorlegen können, war das Drehbuch: „Da steht es doch schwarz auf weiß!“
Neinnein! Die einzigen, die von Derrick überführt wurden, das waren wir alle, und sonst niemand.
Horst Tappert war bei der SS? Das konnte man nicht wissen.
Von Stefan Derrik hätte man es wissen müssen.
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Wer hat den Tappert als SS-Mann bekanntgemacht und damit an der Nation gekratzt? Die Bildzeitung!
In Zeiten, in denen der Bundestrainer auch kein unantastbarer Herberger mehr ist und Bundespräsidenten abtreten, ist wohl auch ein Derrick keine indisponible Größe mehr. Aber müßte nicht gerade die Bildzeitung das Positive hochheben?
Die Bildzeitung hatte schon vor längerer Zeit eine andere Trostgestalt in Mißkredit gebracht: Sie enthüllte, daß Robert Was-bin-ich-Lembke, das Idol der Tanten, die dachten „Ach wenn doch alle Nachbarn so wären“, fremdgegangen ist. (Und das ist aus Tanten-Sicht das Schlimmste was es gibt).
Kein Wunder! Erst wenn gar kein Boden mehr unter den Füßen ist, wenn nichts mehr da ist, worauf man sich verlassen kann, ist der ideale Bild-Leser geschaffen.
Vielleicht aber wollte die Bildzeitung nur verkünden: Die SS kommt in den besten Familien vor.
Aus: Der Metzger Nr. 106 (2013)
Stefan Derrik a.k.a Horst Tappert wäre heute 100 Jahre alt geworden.
Matteo Mastragostino, Alessandro Ranghiasci: Primo Levi. Graphic Novel. Aus dem Italienischen von Georg Fingerlos. bahoe books Wien. 120 Seiten Hardcover im Großformat. 24 €.

Herbst 1986. Wenige Monate vor seinem Tod traf Primo Levi die Schüler der Volksschule Rignon in Turin. Es war die gleiche Schule, die er als Kind besuchte. So begann die lange Reise des Wissens, in dem der Schriftsteller die Kinder an der Hand nahm und sie ruhig in sein persönliches Drama begleitete und mit sanfter Festigkeit zu erklären versuchte, was der Holocaust war, und wie er es geschafft hat, die Hölle von Auschwitz zu überleben. Fragen über Fragen: Die Schüler öffneten ihre Augen und sahen die schwärzeste Seite der menschlichen Geschichte, geführt durch die Stimme und die Gesten eines ihrer maßgeblichsten Zeugen, einem Meister der Klarheit und des Widerstands, der Entschlossenheit und der Tat.
Primo Levis Biographie als berührende Graphic Novel zählt nicht nur zu den zugänglichsten Werken über die Deportation und Ermordung der Juden in Auschwitz, sondern gewinnt durch die zurückgenommene Erzählweise in Kombination mit den präzisen, unaufdringlichen Zeichnungen den Rang von Weltliteratur.
Die dritte Auflage erscheint in diesen Wochen. Um Vorbestellung wird gebeten.
Das Buch ist im Programm der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand zu beziehen).
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
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WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !
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Was höre ich da im Radio? Die SPD hat Geburtstag? Heute vor 160 Jahren wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet. Chef wurde Ferdinand Lassalle.
Na, dann sag ich mal brav: Herzlichen Glückwunsch. Und ich denke dabei vor allem an August Bebel, Wilhelm Liebknecht, an Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Otto Rühle, Clara Zeitkin, Georg Ledebour et al. (Ob die genannten sich heute meinem Glückwunsch anschließen würden – darüber mögen sich die Historiker streiten).

Häupter der Sozialdemokratie: August Bebel, Wilhelm Liebknecht – Karl Marx – Carl Wilhelm Tölcke, Ferdinand Lassalle
Dieser 23. Mai 1863 war das erste von mehreren Gründungsdaten der SPD. Am 8. August 1869 wurde in Eisenach die Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) gegründet. Diese beiden Parteien vereinigten sich 1875 in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die sich im Jahre 1890 in SPD umbenannte.
Nicht alle Mitglieder des ADAV schlossen sich der Vereinigung an. Eine „orthodox-lassalleanische“ Gruppe spaltete sich ab und konstituierte sich als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (Sitz Hamburg). Diese Vereinigung unterstützte das Sozialistengesetz und trat 1909 dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie bei.
Man kann also sagen: Vom alten ADAV ist doch noch etwas übrig geblieben, das bis in die Gegenwart hineinwirkt.

Und damit das mal klar ist:
Das russische Reich von heute und Sowjetrussland sind nicht das gleiche. Sie unterscheiden sich voneinander wie Nationalismus vom Internationalismus.
Die politischen Herrscher des Landes sind nicht die Erben Lenins, sondern die Erben des Zaren.
Ihre Streitkräfte sind nicht die Rote, sondern die Weiße Armee.
Gestern (Donnerstag, 18. Juni) war Himmelfahrtstag, vulgo: Vatertag (Vattertach). Für mich ist das – ganz unchristlich und ganz un-paternalisch – jedes Jahr einer meiner Wandertage (Zitat: Mißtraue einem Gedanken, der nicht beim Gehen entstanden ist). Fotoapparat hatte ich ausnahmsweise mal nicht bei mir). Ich wollte eigentlich zum Solbad Raffelberg gehen, um dort im Park ein oder zwei Stündchen auf einer Bank mit Lektüre zu verbringen (bei dem schönen Wetter). Aber einige Wege waren wegen Baustellen nicht zu gehen.
Die Sitte, mit Gesang auf einem Bollerwagen ein von der Sonne beschienenes Bierfäßchen hinter sich her zu ziehen, wird wohl nur noch äußerst sporadisch praktiziert. Es mag ja ganz lustig sein, wenn Herren ab 40 sich eine Kreissäge (Strohhut) auf den Kopf tun, einen Spazierstock mit Fahrradklingel mit sich führen (nach der Straßenverkehrszulassungsordnung nicht statthaft) und im Gänsemarsch mit dem einen Fuß auf dem Bürgersteig, mit dem anderen auf der Fahrbahn entlanggehen. Aber der Witz hat doch einen Bart!
(Einmal habe ich gesehen, wie so eine Gruppe zur Bushaltestelle eilte, wo der Bus gerade abfahren wollte, sich dabei aber nicht von ihrer vattertäglichen Fortbewegungsart abbringen ließ. Das war in Buchholz auf der Münchener Straße. Da ist sowas möglich).
Ich sah auf der Schweizer Straße an einer Bushaltestelle eine zehnköpfige Gruppe von Männern in dunkler Freizeitkleidung herumstehen mit Bierflaschen in den Händen und Ernst in den Gesichtern. Die waren irgendwie entschlossen. Aber wozu? Das wußten sie selber nicht. Als der Bus kam, sind sie nicht eingestiegen.
Es war schon später Nachmittag, der Weg nach Hause führte am Zoo entlang. Ich wußte ja gar nicht, daß der „andere“ Zoo-Parkplatz (nicht der an der Monning samt Straßen-Strich) so riesig ist. Autos nicht zu zählen! Ich sah keins mit Duisburger Kennzeichen – die Leute hatten sich mit dem Zoo-Besuch was Großes vorgenommen). Das Parken hier kostet eine Gebühr, Jahreskarten für den Parkplatz gibt es auch.
Die Leute waren auf dem weg vom Zoo-Ausgang zum Parkplatz, und ich ging in die entgegengesetzte Richtung. Es waren nicht hunderte, sondern tausende Menschen, die mir auf ein paar hundert Metern entgegenkamen. Und es gibt anscheinend nur noch kinderreiche Familien? Nein, oft waren es mehrere Familien, die gemeinsam mit ihren Kindern hierher gefahren waren.
Es tut gut, Menschen dabei zuzusehen, wie sie einen schönen Tag genießen. Und für diese Männer und Frauen war es ein schöner Tag, das sah man in ihren Gesichtern. Und die Kinder waren ganz brav, wie Kinder sind, wenn sie sich freuen.
Ist der Vatertag zu einem Familientag geworden? Tut die bürgerliche Familie auch mal was gutes, indem sie an Stelle der Gewohnheit lauter Maskulinitätsfeierlichkeit sich was angenehmeres einfallen läßt, angenehm auch für die Kinder? Sei es wie es sei.
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Tatort am Sonntag, 14. Mai 2023. Drehbuch: Astrid Ströher. Titel: Das geheime Leben unserer Kinder.
Ich meine, durch Beobachtung und aus Erfahrung behaupten zu können:
Die „Jugend von heute“ ist beiweitem nicht so blöd wie immer behauptet wird.
Von dieser Gewißheit kann mich auch dieser Film nicht abbringen.
Oder, wenn ich es pessimistisch ausdrücken sollte:
Der Herrgott hat die Blödheit unter den Generationen wohl gleichmäßig verteilt.
Was nützt die schönste Landtagswahl, wenn die FDP über 5 Prozent kriegt?
Aber es gibt auch Lichtblicke:
Beim Juropiän ESC-Context ist „Deutschland“ mit einer verkleideten Kapelle Letzter geworden.