Auch heute will ich Sie wieder dem Geheimnis der guten Karikatur ein Stück näher bringen.
Zwei Verrückte! Wie wahr!
Der eine (links, trägt zu Hause eine Baskenmütze) hat die Tasse an den Haken gehängt und schüttet den Kaffee in den Hut.
Der andere schüttet den Kaffee gleich aus dem Fenster hinaus.
Das ist doch wirklich komisch.
Wenn ich das Bild sehe, könnt‘ ich mich jedesmal kaputtlachen.
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Metaphysik des Frühstücks
Mir passiert das immer wieder, daß ich vergesse, Kaffee zu kochen.
Morgens,noch „schlaftrunken“ (blödes Wort), stoße ich in der Küche überall an und muß mir erstmal darüber klar werden, was ich hier überhaupt will. Ach ja! Frühstück machen. Und dann hab ich mir ein paar Frühstücksbrote gemacht und stelle fest: ich hab Kaffeekochen vergessen.
Besonders ärgerlich ist das, wenn ich abends mein warmes Essen zubereite und dann, wenn alles fertig ist, feststelle, daß ich schon wieder vergessen habe, Kaffee zu kochen. Also muß ich noch schnell Kaffee kochen, bevor das Essen kalt wird. Denn der Kaffee muß sich eigentlich vor dem Essen in der Warmhaltekanne befinden! Ich kann doch nicht erst nach dem Essen anfangen, Kaffee zu kochen! Nach dem Essen will ich gar nichts tun, was Konzentration und koordiniertes Handeln erfordert.
Ich kann die Leute nicht verstehen, die erst ein paar Stunden nach dem Mittagessen Kaffee trinken. Das ist doch keine Art! Ich will meinen Kaffee schon mit dem Dessert trinken. Denn das Dessert ist etwas Süßes, und zum Süßen gehört Kaffee! Kaffee schwarz ohne Milch und Zucker. Was wäre das für eine Hauptmahlzeit, der nicht sofort der Kaffee folgt!
Aber heute ist mir was ganz Ungewöhnliches passiert: ein Ereignis, dem Kant und Einstein, würden sie noch leben, größte Aufmerksamkeit widmen würden!
Ich wollte gerade anfangen zu frühstücken und dachte: Verdammt! Jetzt hab ich doch schon wieder vergessen, Kaffee zu kochen! Ich schau hin, und was seh ich? Da steht die Kanne, der Filter oben drauf, und der Kaffee ist durchgelaufen!
Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte hat der Kaffee sich selbst gekocht!
Die Farbe des Geldes (3)
Über das Geld haben wir oft nachgedacht, meistens darüber, wie man an Geld kommt.
Obelix hatte eine Idee.
Nein, ich spreche nicht von der Comic-Figur, sondern ich meine den Ripperger.
Der Ripperger hatte die Idee, auf der Königstraße einen Maggi-Ausschank zu eröffnen.
Viele Leute, die in der Innenstadt arbeiten, meinte er, essen mittags in der Kantine. Da kann es passieren, daß der Suppe die Würze fehlt. Da könnten die Leute doch mit dem Teller zu ihm kommen und sich für fünf Pfennig einen Spritzer Maggi in die Suppe tun lassen.
Um mehr Profit zu machen, überlegte er, könnte man den Maggi-Ausschank mit einem Umrühr-Service verbinden. Wenn jemand im Café Ernst (oder Kolkmann oder Dobbelstein oder Heinemann) eine Tasse Kaffee bestellt hat, sich Milch und Zucker reintut und dann merkt, daß die Kellnerin vergessen hat, einen Kaffeelöffel dazuzulegen, dann kann er mit der Tasse kommen und sich den Kaffee umrühren lassen.
Ich habe dem Ripperger von seinem Vorhaben nicht abgeraten. Denn ich dachte: Der macht das ja sowieso nicht.
Allgemeine Karikaturenkunde
Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen
16 Bilder aus dem Film von 1975.
„Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen“ war mein erster fertiggestellter Film, produziert von der „Hut Filmproduktion“, uraufgeführt im Eschhaus. Er dauert 10 Minuten.

Anlaß war, daß Friedhelm Ripperger, den alle nur unter seinem Spitznamen Obelix kennen, gerade wieder in die Freiheit entlassen worden war. Da er über ein Jahr wegen Dope eingesessen hatte, sahen wir ihn als politischen Gefangenen. Darum wurde er von der Roten Hilfe betreut (die Duisburger Rote Hilfe galt als sehr eigenwillig und „freakig“ und wurde von einigen anderen Rote-Hilfe-Gruppen beargwöhnt).
Der Film darf als ein Manifest der hedonistischen Linken aufgefaßt werden. Der Utopie einer „Gleichheit in Kargheit“ wird widersprochen.
Das gehört noch zum Vorspann: Der Regisseur trinkt Kaffee.
Magda Gorny und Wolfgang Strähler.
Friedhelm Ripperger, genannt Obelix.




Das letzte Bild ist ein Foto aus der Portugiesischen Revolution („Nelkenrevolution“), die das faschistische Regime beseitigte. Grund zum Feiern.
Das schöne rote Nachspannband ist Teil des Films! Das ist der Moment der Ruhe nach der Geschichte. Ich kann die Leute nicht leiden, die im Kino, sobald der Nachspann beginnt, aufspringen und aus dem Kino rennen, als wären sie auf der Flucht.
Über den Film ist im Internet ein Kommentar von Mario Weißenfels zu lesen. Die Folkband Ship of Ara verwendete den Film für einen Videoclip .

„Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen“ ist auf der DVD „Der 11. Mai und andere Kurzfilme von Helmut Loeven“ enthalten (für 12,50 € in der Buchhandlung Weltbühne – auch im Versand – erhältlich).
LSD ins Trinkwasser!
Auf einer Party kam ich mit einem ins Gespräch, den ich „von früher“ und „nur vom Sehen“ kannte. Er erkannte mich: „Ja, ich weiß noch, wie du uns immer geärgert hast, mit ‚LSD ins Trinkwasser!‘“.
Ja, das war Mitte der 70er Jahre an der Uni. Ich gehörte zu der kleinen, aber agilen Törn-Fraktion, von der ich mich nie (wie überhaupt noch nie von etwas) distanziert habe. Und er war im MSB-Spartakus. Und, so erfuhr ich nun, der MSB Spartakus sprang damals im Quadrat, weil ich offensiv und konsequent die Parole „LSD ins Trinkwasser!“ propagierte. Ich hängte ein Schild mit dieser Forderung über das Waschbecken. Ich schrieb die Parole mit Filzstift auf alle möglichen Plakate und auf die Wände, ich tippte die Parole mit der Schreibmaschine auf viele kleine Zettelchen und steckte die in die Manteltaschen in der Garderobe. Das wurde, so erfuhr ich nun, vom MSB Spartakus mißbilligt. Diese Forderung sei falsch. Diese Forderung wirke sich auf die Studentenschaft desorientierend aus.
Richtig schlimm wurde es, als ich einen Aushang des MSB Spartakus veränderte. Die hatten eine Erklärung zur Hochschulpolitik ausgehängt, die in einem Forderungskatalog gipfelte. Unter der Überschrift „Wir fordern:“ wurden sieben Forderungen aufgezählt, und ich schrieb mit Kugelschreiber darunter: „8. LSD ins Trinkwasser“.
Ich war für die der Chaot, der Anarchist aus‘m Eschhaus, überhaupt: der Inbegriff. Vor mir mußte gewarnt werden.
Ich möchte mal gern wissen, was aus denen später geworden ist.






