Die Farbe des Geldes (3)

geldschein4Über das Geld haben wir oft nachgedacht, meistens darüber, wie man an Geld kommt.
Obelix hatte eine Idee.
Nein, ich spreche nicht von der Comic-Figur, sondern ich meine den Ripperger.
Der Ripperger hatte die Idee, auf der Königstraße einen Maggi-Ausschank zu eröffnen.
Viele Leute, die in der Innenstadt arbeiten, meinte er, essen mittags in der Kantine. Da kann es passieren, daß der Suppe die Würze fehlt. Da könnten die Leute doch mit dem Teller zu ihm kommen und sich für fünf Pfennig einen Spritzer Maggi in die Suppe tun lassen.
Um mehr Profit zu machen, überlegte er, könnte man den Maggi-Ausschank mit einem Umrühr-Service verbinden. Wenn jemand im Café Ernst (oder Kolkmann oder Dobbelstein oder Heinemann) eine Tasse Kaffee bestellt hat, sich Milch und Zucker reintut und dann merkt, daß die Kellnerin vergessen hat, einen Kaffeelöffel dazuzulegen, dann kann er mit der Tasse kommen und sich den Kaffee umrühren lassen.
Ich habe dem Ripperger von seinem Vorhaben nicht abgeraten. Denn ich dachte: Der macht das ja sowieso nicht.

Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen

16 Bilder aus dem Film von 1975.
„Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen“ war mein erster fertiggestellter Film, produziert von der „Hut Filmproduktion“, uraufgeführt im Eschhaus. Er dauert 10 Minuten.

 

Anlaß war, daß Friedhelm Ripperger, den alle nur unter seinem Spitznamen Obelix kennen, gerade wieder in die Freiheit entlassen worden war. Da er über ein Jahr wegen Dope eingesessen hatte, sahen wir ihn als politischen Gefangenen. Darum wurde er von der Roten Hilfe betreut (die Duisburger Rote Hilfe galt als sehr eigenwillig und „freakig“ und wurde von einigen anderen Rote-Hilfe-Gruppen beargwöhnt).
Der Film darf als ein Manifest der hedonistischen Linken aufgefaßt werden. Der Utopie einer „Gleichheit in Kargheit“ wird widersprochen.

Das gehört noch zum Vorspann: Der Regisseur trinkt Kaffee.

Magda Gorny und Wolfgang Strähler.

Friedhelm Ripperger, genannt Obelix.

Das letzte Bild ist ein Foto aus der Portugiesischen Revolution („Nelkenrevolution“), die das faschistische Regime beseitigte. Grund zum Feiern.

Das schöne rote Nachspannband ist Teil des Films! Das ist der Moment der Ruhe nach der Geschichte. Ich kann die Leute nicht leiden, die im Kino, sobald der Nachspann beginnt, aufspringen und aus dem Kino rennen, als wären sie auf der Flucht.
Über den Film ist im Internet ein Kommentar von Mario Weißenfels zu lesen. Die Folkband Ship of Ara verwendete den Film für einen Videoclip .


„Nach der Revolution gibt es Kaffee und Kuchen“ ist auf der DVD „Der 11. Mai und andere Kurzfilme von Helmut Loeven“ enthalten (für 12,50 € in der Buchhandlung Weltbühne – auch im Versand – erhältlich).

LSD ins Trinkwasser!

Auf einer Party kam ich mit einem ins Gespräch, den ich „von früher“ und „nur vom Sehen“ kannte. Er erkannte mich: „Ja, ich weiß noch, wie du uns immer geärgert hast, mit ‚LSD ins Trinkwasser!‘“.
Ja, das war Mitte der 70er Jahre an der Uni. Ich gehörte zu der kleinen, aber agilen Törn-Fraktion, von der ich mich nie (wie überhaupt noch nie von etwas) distanziert habe. Und er war im MSB-Spartakus. Und, so erfuhr ich nun, der MSB Spartakus sprang damals im Quadrat, weil ich offensiv und konsequent die Parole „LSD ins Trinkwasser!“ propagierte. Ich hängte ein Schild mit dieser Forderung über das Waschbecken. Ich schrieb die Parole mit Filzstift auf alle möglichen Plakate und auf die Wände, ich tippte die Parole mit der Schreibmaschine auf viele kleine Zettelchen und steckte die in die Manteltaschen in der Garderobe. Das wurde, so erfuhr ich nun, vom MSB Spartakus mißbilligt. Diese Forderung sei falsch. Diese Forderung wirke sich auf die Studentenschaft desorientierend aus.
Richtig schlimm wurde es, als ich einen Aushang des MSB Spartakus veränderte. Die hatten eine Erklärung zur Hochschulpolitik ausgehängt, die in einem Forderungskatalog gipfelte. Unter der Überschrift „Wir fordern:“ wurden sieben Forderungen aufgezählt, und ich schrieb mit Kugelschreiber darunter: „8. LSD ins Trinkwasser“.
Ich war für die der Chaot, der Anarchist aus‘m Eschhaus, überhaupt: der Inbegriff. Vor mir mußte gewarnt werden.
Ich möchte mal gern wissen, was aus denen später geworden ist.