Neu in der WeltbĂŒhne: Die Wiglaf-Droste-Biografie

Neu in der WeltbĂŒhne:
Christof Meueler: Die Welt in Schach halten. Das Leben des Wiglaf Droste.
Edition Tiamat 2024. 304 S. Hc. Mit zahlreichen Fotos. 30 €
Das sagt der Verlag:
Wiglaf Droste war ein Genie der kurzen Form. Als Autor, SĂ€nger und Vorleser fĂŒhrte er ein wildes Leben auf LesebĂŒhnen, in Zeitungen und im Radio, auf der Suche nach Wahrheit und Liebe. Geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen, wollte er Rockmusiker werden und wurde dann »der Kurt Tucholsky unserer Tage« (Willi Winkler). Wiglaf Droste wurde als Satiriker gefĂŒrchtet und gefeiert, doch er nannte sich selbst »einen einfachen Jungen vom Land«. Er wollte sich nie daran gewöhnen, »dass die Welt sich oft weigert, sich mir von ihrer schönsten Seite zu zeigen«. Meueler hat mit seinen Freunden und Verwandten gesprochen, mit Zeitzeugen und WeggefĂ€hrten, mit Vincent Klink, mit Bela B, Max Goldt u.a. Es ist eine berĂŒhrende Geschichte von Mut und Angst und eine Entdeckungsreise in eine untergegangene Welt, als im kulturellen Leben alles möglich schien.
»Zu Lebzeiten wurde Wiglaf Droste immer wieder mit Kurt Tucholsky verglichen. Seine grĂ¶ĂŸte Zeit waren die 90er Jahre. Er schrieb an gegen alles, was platt ist, moralistisch, gegen jede selbstgerechte Zufriedenheit. Gegen DDR-Nostalgie, Kirche und Bundeswehr, gegen Nazis, selbstgerechte Linke und Feministinnen.« (Wilm HĂŒffer, swr)

In der Tat: FĂŒr diese „selbstgerechte Linke“ (dogmatisch, fanatisch, im Denken eingeengst) war Wiglaf Droste ein „rotes Tuch“. Daß die Buchhandlung WeltbĂŒhne, mit dem Komplex „Mißbrauch mit dem Mißbrauch“ konfrontiert, ohne es je zu bereuen die BĂŒcher von Wiglaf Droste und Katharina Rutschky im Angebot offensiv prĂ€sentierte, hat sicherlich auch zum negativen Image beigetragen, das der Buchhandlung WeltbĂŒhne in den Kreisen der Bewegungs-Linken, der „Debatten“-Linken, der Reflex-Linken, der Frust-Linken anhaftet.

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Neu in der WeltbĂŒhne: Wiglaf Droste

Wiglaf Droste: Die WĂŒrde des Menschen ist ein Konjunktiv. Neue Sprachglossen. Edition Tiamat (Critica Diabolis). 240 S. Klappenbroschur. 14 Euro
DrosteWĂŒrdeDer Verlag stellt sein Buch so vor:
Mit Schwung, Grazie und Eleganz seziert Wiglaf Droste die sprachlichen Entgleisungen der Deutschen, den Neusprech aus „Nachhaltigkeit“ und „Transparenz“, in dem „Teamplayer“ und „Goods Flow Mitarbeiter“ gefragt sind, „Apps zum Entdecken von Apps“ aufwendig „kuratiert“ werden und den das Lied eines halbalphabetischen SĂ€ngers quasi „im Paket“ zusammenfasst: „Wenn Worte meine Sprache wĂ€ren“. Droste spĂŒrt der „gefĂŒhlten Unsportlichkeit“ nach, analysiert die „cremige FĂŒlle“ eines Weins, die „Menschenrechte“ aus dem Hause Hoeneß und einen „sich nach allen Seiten absichernden Mehrzweckjournalimus“, der mit „Jogi“ immer nur Joachim Löw und niemals Jogi Gauck meint.
Im Sprachschlamassel entdeckt Droste aber auch jede Menge Kleinode wie „betropetzt“; wenn Sie wissen wollen, was das zu bedeuten hat, bestellen Sie das Buch…

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Neu in der WeltbĂŒhne: Freunde erinnern an Franz Josef Degenhardt

Eine Neuerscheinung, die ich mit Stolz vorstelle, ist die Doppel-CD „Franz Josef Degenhardt: Freunde feiern sein Werk“ – Ausschnitte aus dem Konzert im Schiffbauerdamm-Theater in Berlin, das fĂŒr den 80. Geburtstags von Franz Josef Degenhardt vorgesehen war, dann aber zu einem Gedenkkonzert wurde.


Ich zitiere den Text, mit dem der Schallplattenverlag diese Aufnahme vorstellt:
Ein Geburtstagskonzert sollte es eigentlich werden. Ein großer, auch bunter Abend fĂŒr den wohl wichtigsten deutschen Liedermacher. Aber dann konnte Franz Josef Degenhardt sein 80. Lebensjahr doch leider nicht mehr vollenden, nachdem er am 14. November 2011 verstorben war. Und so standen sie am 19. Dezember fast vier Stunden lang zum Abschied auf der BĂŒhne am Schiffbauerdamm vor ausverkauftem Haus. Die Tickets waren im Nu vergriffen – und die, die keins mehr abbekommen hatten, konnten in NebenrĂ€umen auf LeinwĂ€nden mitverfolgen, wie 25 Kollegen unterschiedlichster Provenienz sowie Musiker und Mitglieder des Berliner Ensembles den Komponisten, Texter und Schriftsteller Degenhardt zelebrierten. Warum das Publikum danach nicht anders konnte, als mit stehendem Applaus zu danken, lĂ€sst sich nun auch auf einer Doppel-CD nachhören, welche die schönsten Momente dieser etwas anderen Tribute-Veranstaltung dokumentiert.
Der nun posthum Geehrte war zunĂ€chst wenig begeistert von der Idee, sich einen Abend lang groß feiern zu lassen. Doch das Konzept ĂŒberzeugte ihn denn doch. Denn die Beteiligten verneigten sich nicht nur mit einem persönlich gewĂ€hlten Degenhardt-StĂŒck vor „dem Meister“, wie ihn sein alter WeggefĂ€hrte und Freund Hannes Wader nennt, sondern gaben auch eigene Lieder zum Besten, aus denen nicht selten ganz viel „Karratsch“ (so nannten ihn die Freunde) spricht. Beeindruckend und berĂŒhrend ist die Nachlese dieses gelungenen Abends am Bertolt-Brecht-Platz aber nicht nur, weil der Geist des Mannes aus Schwelm in Westfalen im Schaffen vieler anderer weiterlebt, sondern weil er dabei auch lĂ€ngst in der ĂŒbernĂ€chsten Generation angekommen ist.
So wird dieser Konzertmitschnitt gleich mal von Max Prosa eröffnet, der mit gerade mal 22 Jahren schon zu den gewichtigsten, neuen Stimmen dieses Landes gehört und mit kraftvoller Poesie „Die AbgrĂŒnde der Stadt“ besingt. Oder spĂ€ter der amerikanische Wahl-Berliner Daniel Kahn, der Degenhardt’s „Die alten Lieder“ mit seinem eigenen „The Good Old Bad Old Days“ in der Tradition des jiddischen Protest-Songs auch mal hĂŒbsch konterkariert. Doch ist natĂŒrlich auch die Degenhardt-Generation prominent vertreten. Etwa mit Gisela May, die – von Konstantin Wecker im Publikum entdeckt – mal eben ganz spontan auf die BĂŒhne kam und selbst mit einem kurz improvisierten „Lied von der UnzulĂ€nglichkeit des menschlichen Strebens“ ihrem Ruf als herausragende Weill / Brecht-Interpretin gerecht wird. Oder auch mit Zeremonienmeister Wecker, der Degenhardt’s „Weiter im Text!“ singt, um dann gemeinsam mit Prince Chaos II die Parole „Empört Euch!“ auszugeben.
Und irgendwo dazwischen steht dann Wiglaf Droste, der große, lustvolle Provokateur, der mit der ungebrochen aktuellen Faschismus-Parabel „Wölfe mitten im Mai“ eben auch ganz persönliche Erinnerungen verbindet, an einen 1. Mai in Kreuzberg Ende der 1980er, samt folgendem U-Haft-Aufenthalt. Der aber auch gern gleich an den scheinbar anderen Franz Josef Degenhardt erinnert, der „die Liebenden steigen in den gleichen Fluß und kĂŒssen sich in den Fluten“ textete. Die Poesie dieses außergewöhnlichen Mannes drehe sich, so Droste, „in aller politischen Entschiedenheit, um die Lebenssaftigkeit im Hier und Jetzt, um die Feier des Daseins an jenem ‚Tisch unter PflaumenbĂ€umen‘, den er besang. Von der Aussicht auf ein besseres Leben irgendwann einmal lĂ€ĂŸt sich schließlich nicht leben, das muß man gleich tun.“ Franz Josef Degenhardt tat es. Bis zum letzten Atemzug kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Max Prosa, Gisela May, Barbara Thalheim, Wiglaf Droste, Götz Widmann, Dota Kehr, Goetz Steeger, Kai Degenhardt, Frank Viehweg, Joana, Daniel Kahn, Konstantin Wecker, Prinz Chaos II., Jan Degenhardt, Hannes Wader.

Wenn Sie bestellen wollen, dann hier.
Diese CD ist, wie alle unsere Angebote, auch im Versand erhÀltlich.
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bĂŒcher IN der BUCHHANDLUNG weltbĂŒhne UND sonst NIRGENDS.“
WeltbĂŒhne muß bleiben.

Empfehlung aus der WeltbĂŒhne: Alles Pop?

Ich empfehle:
Marvin Chlada / Gerd Dembowski / Deniz ÜnlĂŒ: Alles Pop? Kapitalismus und Subversion. Alibri Verlag 2003. 356 S. (NB1222) 19 Euro

Wie funktioniert Pop in der Warengesellschaft? Mit ihrer zentralen These, daß Pop Ă€hnlich wie der kapitalistische Markt Subversion integriert, stellen die Autoren die Auffassung in Frage, daß innerhalb des Massenkonsums so etwas wie Widerstandspotential aufrechterhalten werden kann. Anhand von Interviews mit bekannten Musik- und LiteraturgrĂ¶ĂŸen wie Jim Avignon, Schorsch Kamerun (Goldene Zitronen), Tomas D oder F.M. Einheit (ehem. EinstĂŒrzende Neubauten), die ĂŒber ihre Stellung (oder Nische) im Pop-Markt, ĂŒber den eigenen Anspruch und entgegenstehende ZwĂ€nge Auskunft geben, können die theoretischen Aussagen an der Pop-RealitĂ€t gewissermaßen abgeglichen werden.
Mit BeitrĂ€gen von Marvin Chlada, Gerd Dembowski, Deniz ÜnlĂŒ, Simon GĂŒntner und Romuald Leonhardt, Wiglaf Droste, Thomas D, Ira Cohen, Ralf Bentz, Klaus Walter und Marcus S. Kleiner.
„Gut, daß wir darĂŒber geredet haben, noch besser, daß es trotz allem noch KĂŒnstler zu geben scheint, die ĂŒberhaupt ĂŒber Politik nachdenken.“ (Susann Sax in Scheinschlag, September 2003)
„Eine politische Linie verfolgen die Herausgeber nicht wirklich. Schlaglichtartig lassen sie unterschiedliche Autorinnen zu unterschiedlichsten Kulturfeldem Gedanken entwickeln. Das hat den Vorteil, daß die AufsĂ€tze auch fĂŒr sich allein zur Kenntnis genommen werden können, daß vielfaltige Betrachtungsweisen geboten werden. Allerdings bekommt das ganze damit auch eine ziemliche Beliebigkeit. Aber wenn einem die Sonne ohnehin das Hirn wegbrennt, ist das vielleicht auch nicht schlimm. Alles Pop?“ (Analyse und Kritik, August 2003)

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle ĂŒber Standardtitel in der Buchhandlung WeltbĂŒhne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
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DER METZGER wird 100: Ist die Alternative eine Alternative?

Ein weiterer Auszug aus „‚Über sowas könnte ich mich kaputtlachen.‘ 33 1/3 Fragen an den METZGER-Herausgeber Helmut Loeven, ersonnen von A.S.H. Pelikan und Heinrich Hafenstaedter“ in DER METZGER Nr. 100 (Mai 2012):

Hafenstaedter: In den frĂŒhen Ausgaben des METZGER sieht man sehr viele Anzeigen aus der Alternativszene. Wie war das VerhĂ€ltnis des METZGER zu anderen BlĂ€ttern und alternativen Projekten. Wie hat er sich damals schon von diesen unterschieden?

Die unterschieden sich alle voneinander. Da war keiner wie der andere. Wenn man sich die Underground-Zeitungen dieser frĂŒhen Phase ansieht. Die waren alle gleichweit voneinander entfernt, und waren aber doch in einem regen Austausch miteinander, und auch sehr praktisch. Man hat sich gegenseitig geholfen, eben z.B. durch Austausch von Anzeigen. Das war eine sehr wirksame Werbung, und man hatte auf diese Weise auch selber Werbung in der Zeitung drin. Denn ich finde: In eine Zeitung gehört auch Werbung rein, das muß man den Lesern schon bieten.
Es gab auch mehrere Konferenzen, wo man sich getroffen hat, und weil die Leute so verschieden waren, haben sie sich auch ganz gut vertragen. Das kann man heute vielleicht sich nicht so vorstellen, daß Individualisten, die ganz verschiedene AnsĂ€tze hatten, gut miteinander auskamen. Aber in Wirklichkeit ist es ja auch so: Je Ă€hnlicher die Leute sich sind, je Ă€hnlicher ihre Ansichten, desto zerstrittener sind sie miteinander. Die Zerstrittenheit der Gleichförmigen.


Aber ĂŒber welche Zeit reden wir? Es kam danach, und zwar sehr bald, eine Zeit, wo die Alternativ-Bewegung ihren Charakter verĂ€nderte. Ich mag dieses Wort auch nicht mehr hören, weil man damit heute etwas anderes assoziiert. „Alternativ“ – das heißt „anders geboren“ wörtlich ĂŒbersetzt. Das verflachte zu so einer Art moralischer Erneuerungsbewegung. Kommunen verflachten zu Wohngemeinschaften, und die verflachten dann sogar noch weiter zur WG. Ich hab in zwei Kommunen gelebt. […]
Trotzdem sage ich mit Stolz, daß ich nie in einer Wohngemeinschaft gelebt habe.
Dann kam auch noch so etwas hinzu: Das Postulat der KollektivitĂ€t. Das, was Wiglaf Droste mal bezeichnet hat als den „Mief der Gruppe“. Dem Individuum wurde mißtraut. Das wurde geradezu unterdrĂŒckt. Wenn mal jemand was auf eigene Faust tat, fĂŒr eine Sache allein verantwortlich war, das KONNTE ja nichts sein. Das ging gar nicht. Man wurde auch immer als Gruppe angesprochen. Wenn ich einen Brief kriegte, wurde ich in der zweiten Person im Plural angesprochen. Wenn ich beschimpft wurde, wurde ich auch in der zweiten Person Plural beschimpft.
Also dann wurde der Unterschied doch schon sehr groß.

Pelikan: Aber die haben sich nicht so sehr als Konkurrenten verstanden?

Nee, ganz und gar nicht.

Das ganze GesprÀch ist auf Papier nachzulesen in DER METZGER Nr. 100,
und im Netz bei Gasolin Connection.
Ein Abonnement von DER METZGER kostet 30 Euro fĂŒr die nĂ€chsten 10 Ausgaben oder 50 Euro fĂŒr alle zukĂŒnftigen Ausgaben.
Die Ausgaben ab Nr. 18 (1972) sind noch erhÀltlich. Die Ausgaben Nr. 1-17 (1968-1972) sind vergriffen.