Freitag, 25. September FOR FUTURE

Fridays for Future Duisburg bittet mich, folgende Bekanntmachung weiterzugeben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
im September letzten Jahres sind weltweit Millionen Menschen auf die Straße gegangen um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Auch hier in Duisburg waren wir an diesem Tag mit 3.000 Menschen auf der Straße. Einige von Ihnen haben uns an diesem Tag unterstützt und mit uns zusammen protestiert.
Seitdem ist ein Jahr vergangen. Von einer Erreichung des 1,5-Grad-Ziels sind wir jedoch so weit entfernt wie eh und je. Das öffentliche Leben des letzten halben Jahres wurde überwiegenden von der Corona-Pandemie bestimmt. Die Klimakrise ist dabei aus dem Blickfeld verschwunden. Aber auch in diesem Jahr brennen die Regenwälder Brasiliens, das arktische Meereis erreicht Negativrekorde, die Eisschmelze des Grönland-Eisschildes hat seinen Kipppunkt womöglich bereits erreicht.
Was in Deutschland nötig wäre um die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 einzuhalten und die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, hat FridaysForFuture bereits im April 2019 in einem Forderungskatalog dargelegt. Ein Teil dieser Forderungen war der Kohleausstieg bis 2030. Das Kohleausstiegsgesetz sieht lediglich einen Ausstieg bis spätestens 2038 vor und kommt somit unseren Forderungen nicht nach. Ursprünglich bis zum Ende letzten Jahres gefordert waren zudem das Ende von Subventionen für fossile Energieträger, das Abschalten eines Viertels der Kohlekraft sowie eine folgenkostengerechte CO2-Steuer – laut Umweltbundesamt entsprechen liegen die Folgenkosten pro Tonne CO2 bei 180 Euro. Trotz Druck von der Straße sind diese Punkte bisher nicht umgesetzt worden.
Am 25. September gehen wir daher wieder weltweit auf die Straße und bitten dabei auch um Ihre Unterstützung. Der Duisburger Demozug soll um 14 Uhr am Hauptbahnhof starten, die Abschlusskundgebung ist vor dem Stadttheater geplant.
Es ist uns besonders wichtig, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Dazu haben wir ein entsprechendes Hygienekonzept ausgearbeitet, welches unter anderem das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorsieht. Darüber hinaus soll der Demozug in Blöcke zu je 20 Personen eingeteilt werden. Bei Bekanntwerden eines positiven Coronatests werden wir die Nummer des betroffenen Blocks veröffentlichen, sodass sich potentielle Kontaktpersonen testen lassen können. Wir bitten dennoch auch innerhalb der Blöcke um die Einhaltung von 1,5 Metern Abstand.
Wir würden uns freuen, wenn Sie unser Anliegen unterstützen, sich klar für den Klimaschutz positionieren und aktiv auf unsere Klimademo aufmerksam machen.
Bei Fragen oder darüber hinausgehendem Kooperationsinteresse, melden Sie sich gerne unter info@fff-du.de!
Mit freundlichen Grüßen,
FridaysForFuture Duisburg

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Was der Bauer nicht frißt, das kennt er nicht

Kommunalwahl. In Duisburg: 10 Prozent für AfD. Und am Sonntag war hier Pegida aufgetreten. Ein paar Anmerkungen:

[…] Auch ich bin vaterlos aufgewachsen. Darin unterschied ich mich von den meisten meines Jahrgangs. Ich gehöre nicht zu den Jahrgängen, deren Väter nach dem Zeugungsakt einem Marschbefehl zu folgen hatten und dann vielleicht gar nicht mehr zurückkamen oder, wenn sie Glück hatten, in Gefangenschaft gerieten und dann für ein paar Jahre davon abgehalten wurden, in die Entwicklung ihrer Kinder störend einzugreifen. Auch war in den Jahren meiner Kindheit die Scheidungsrate leider noch sehr niedrig. Die anderen hatten fast alle einen Vater, ich nicht. Ich wurde deswegen bedauert.
Wenn andere Kinder meines Alters mal ihren Vater erwähnten, dachte ich: Mensch, hab‘ ich ein Glück! Und wie man sieht ist aus mir das geworden, was ich werden wollte – was kaum einem der Väter meiner Generation in den Kram gepaßt haben dürfte.
Diese Väter waren Versager auf der ganzen Linie, jedoch fest entschlossen, ihre Idiotie an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Sie hatten nur gelernt, zu tun, was von ihnen erwartet wurde, also: sie hatten eigentlich gar nichts Vernünftiges gelernt. Es hatte nicht viel Mühe gemacht, ihnen jeden Rest von Mitgefühl auszutreiben, und nur zu gern sind sie der Maxime gefolgt, daß das Starke sich nur durchsetzen kann, wenn das Schwache ausgemerzt wird. (Das ist übrigens ein Zitat von Joseph Goebbels). Den Hitler haßten sie, weil er sie um den Endsieg betrogen hatte und sie in Verlegenheit brachte. Also hielten sie umso hartnäckiger an den Verhaltensmustern des Untertanen fest. Daß sie den Krieg verloren hatten, nahmen sie ihren Kindern übel. Für all den Dreck, durch den sie gekrochen waren und den sie gefressen hatten, wollten sie sich an ihren Familien schadlos halten. Der Krieg ruft nicht nach den Kriegern, sondern: umgekehrt! Der Krieg jedoch benötigt nicht so sehr Helden, sondern Feiglinge: Strammsteher, Befehlsempfänger, kaltherzige Hosenscheißer, zu keinem Mitgefühl fähig, außer für sich selbst. Die, für die der einzige Ort, an dem sie Orientierung finden, der Kasernenhof ist, machen das Wohnzimmer zu einem solchen. Die deutschen Väter meiner Zeit waren Duckmäuser, die im trauten Heim ein Feldwebelgebahren an den Tag legten.
Sie waren keine Vorbilder, sie wußten keinen Rat, sie konnten keine Frage beantworten, weil sie selbst nicht verstanden, was sie taten, und glaubten, nichts verstehen zu müssen. Wat der Bauer nich kennt, dat fritt der nich, und was der Vater nicht versteht, das duldet er nicht – und er verstand eigentlich gar nichts, mischte sich aber in alles ein. Alles, was dem Leben Sinn und Inhalt gab oder es auch nur angenehmer und leichter machte, mußte gegen die stupide Ignoranz deutscher Familienväter durchgesetzt werden. Solche Leute darf man nicht fragen warum. „Warum? Befehl ist Befehl.“
Die Erfahrung der Überflüssigkeit blieb ihnen auf die Dauer dann doch nicht erspart. Denn wer nichts versteht, aber sich in alles einmischt, ist nutzlos. Und so wurde der deutsche Familienvater zum Trottel, der alles als Letzter erfährt und der den Lauf der unverstandenen Welt letztlich dann doch nicht aufhalten kann.

[…] Unsere Nachbarn auf derselben Etage waren noch eine richtige Bilderbuchfamilie. So um das Jahr 1960 wurde ein zweites Fernsehprogramm eingeführt, was in vielen Familien zu argumentlosen Streitereien führte. Aber da wurde das so geregelt: Der Vater entscheidet, welches Programm gesehen wird! Die Mutter und die drei Kinder waren glücklich, weil sie nicht gucken mußten, was sie wollten, sondern jemand für sie entschied.
Sehen Sie mich an! Vaterlos! Kinderlos! Also ein Vorbild für jeden.

Wenn ein deutscher Befehlsempfänger (Typ: Familienvater) 900 Juden ermordet hatte, dann hatte er ein schlechtes Gewissen. Warum? Weil ihm befohlen worden war, 1000 Juden zu ermorden. Nicht wegen der 900 ermordeten Juden schämte er sich, sondern wegen der 100, die ihm entwischt sind.
Weil wir (die rot-grün-schwul-alternativ-versifften Intellellen) ihm die 900 zur Last legten, fühlt er sich ungerecht behandelt. Und darum tut er sich selber leid. Er hält sich für unschuldig. Denn er hat nur getan, was ihm gesagt wurde (was von ihm erwartet wurde).
Ein Sprichwort lautet: Auschwitz – das werden die Deutschen den Juden nie verzeihen.
Ein Sprichwort lautet: Man kann einen Juden aus dem KZ holen. Aber man kann nicht das KZ aus dem Juden holen.
Ein Sprichwort könnte lauten:
Nicht alle Deutschen Familienväter waren in der SS. Aber die SS war in den Deutschen Familienvätern.
Und das gilt auch – glauben Sie es mir – für einen großen Teil der nachfolgenden Generationen.
Und die paar, auf die das alles wirklich nicht zutrifft, waren und sind eben undeutsch.

Aus DER METZGER

Letztes Wochenende: Eine Dämmo nach der andren

Eine halbe Stunde vorher wußte ich noch gar nicht, daß ich eine halbe Stunde später Demonstrant sein würde. Von der Demonstration gegen Rechts, anläßlich der Kommunalwahl in NRW, erfuhr ich im letzten Moment und dachte mir: Da geh ich auch hin. Wetter war gut, und der Ludgeri-Platz, wo alles anfing, ist sowieso ein schöner Platz (auch Schimanski und Thanner waren mal hier).
Die Demonstration ging durch Neudorf/Duissern und Wasserviertel zum König-Heinrich-Platz (Foto). Teilnehmer und Veranstalter überwiegend sehr jung. Sehr gute Organisation, sehr klares und gestrafftes Programm, und sehr gute Redebeiträge. Zu Wort kam zum Beispiel eine Sprecherin von Fridays for Future und drei Vertreter des entstehenden Soziokulturellen Zentrums am Stapeltor. Da wurden Zusammenhänge deutlich formuliert: Soziokultur als praktische Abwehr gegen Rassenhaß und Frauenverachtung. Und: Wer sich gegen Klimazerstörung wehrt, muß sich auch gegen Rechts wehren. Das wurde nicht nur proklamiert, sondern erklärt.
Zum Schluß wurde auf die am Sonntag geplante Veranstaltung gegen die Pegida-Zusammenrottung am Duisburger Bahnhof aufmerksam gemacht.
Am Sonntag, am frühen Nachmittag ging es also richtig los. Duisburg-stellt-sich-quer und die Kulturinitiative DuisPunkt hatten auf dem Bahnhofsvorplatz zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die aber EINE war.
Alte Liebe rostet nicht. DKP mußte mit aufs Bild.
Noch ‘ne Partei: DIE PARTEI mit dem am Sonntag meistgezeigten Plakat. Die haben ihre Schilder wie Flugblätter verteilt.
Bühne mit Schello und Schlachzeuch. Und Sahra über allem. (Die war ein paar Tage vorher wahlkämpfend hier in der Gegend gewesen).
Laut Zeitung kamen auf einen von den Pegida-Fritzen zehn von uns!
Musik einer von fern angereisten Band (ihren Namen habe ich nicht mitgekriegt).
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Neu in der Weltbühne: Umberto Eco: Der ewige Faschismus


Umberto Eco: Der ewige Faschismus. Mit einem Vorwort von Roberto Saviano, aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Hanser Verlag. 80 S. Fester Einband. 10 €

Integration und Intoleranz, Migration und Europa, Identität, das Eigene und das Fremde – die zentralen Begriffe in Umberto Ecos fünf Essays könnten kaum aktueller sein. Gerade in ihrer zeitlichen Distanz zeigt sich die Stärke von Ecos Gedanken: Losgelöst vom tagesaktuellen Geschehen, scheinen in ihnen die überzeitlichen Strukturen auf, die unserem Denken und Handeln zugrunde liegen. Präzise, wortgewandt und gespickt mit persönlichen Erinnerungen rufen seine Texte die komplexe Geschichte der Herausforderungen wach, vor denen wir heute stehen.

Bitte kaufen Sie dieses Buch in der Buchhandlung Weltbühne – oder lassen Sie es sich von uns schicken.

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Wir besorgen jedes lieferbare Buch. Wir liefern jedes Buch an jeden Ort. Wir forschen für Sie nach vergriffenen (antiquarischen) Büchern.
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WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN.

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Das Buch als Wahnsinns-Tat

Oder: eine gewagte Tat – könnte man sagen.
In Zeiten kronabedingten Ausfallens von Lesungen – wo doch erfahrungsgemäß Gedichtbände am ehesten bei Lesungen an die Leserin und den Leser zu bringen sind.
Titel und Untertitel, die für eine lokal begrenzte Thematik gehalten werden können.
Und dann auch noch: lauter FARBFOTOS, wodurch die Herstellungskosten anstrengende Höhen erreichten.

DANN ABER: Die Hoffnung, daß der HELLSTE TEIL des Publikums die Schrägheiten zu schätzen weiß, die UNDERGROUND genannt werden.

Werner Muth: Alsumer Berg. Gedichte aus dem Duisburger Norden und Bilder von Jean Paul Gatz. Situationspresse 2020, 66 Seiten Pb. mit zahlreichen farbigen Abbildungen. 14 €, gedruckt von Maro.
ISBN 978-3-935673-48-8
Zu besorgen in allen Buchhandlungen.
Oder gleich in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand).

BEAT-POETRY. Und mit der Entdeckung des Ruhegebiets soll man nie aufhören.

Ein Bild aus der Serie Männer mit Bärte: Der Verleger (links) und der Autor (auch links).

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Geisterspiele

In der Krona-Krise: Mehr Geisterspiele! Nur noch Geisterspiele!
Fußballspiele ohne Zuschauer (ohne „Fans“) (Fußball vor „leeren Rängen“).
Vorschlag: Wenn schon „Geisterspiele“, dann richtig. Die Vollendung des „Geisterspiels“: nicht nur ohne Zuschauer, sondern auch ohne Spieler. Und ohne Ball. Von mir aus nur noch mit Schiedsrichter. Aber ohne Trillerpfeife.
Die Gelegenheit ist günstig. Fußball wird abgeschafft.
Das war ja vielleicht mal ganz nett. Aber das, was draus geworden ist, muß nicht erhalten werden. Zumindest der Profi-Fußball.
Amateur-Fußball, höchstens bis zur Landesliga, könnte man ja vielleicht noch zulassen.
Doch besser wär‘s, wenn nur noch Frauen Fußball spielen dürfen.

„Eine Demokratie muss solche Aktionen nicht aushalten, sie muss dagegenhalten!“

Die VVN-BdA – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten – nimmt Stellung zu Vorgängen in Berlin am letzten Wochenende:

Der „Sturm auf Berlin“
Historisch war der „Sturm auf Berlin“ der letzte Schritt der militärischen Zerschlagung des Faschismus in Europa. Am Ende stand am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands. Diesmal versammelten sich am Wochenende zehntausende Menschen zu einer Corona-Demonstration und kündigten einen „Sturm auf Berlin“ an. Neonazis und Reichsbürger riefen bereits zur „Entscheidungsschlacht“ auf und zeigten mit ihrer Gewalt gegen Polizisten und dem Angriff auf das ihnen verhasste Symbol des deutschen Parlamentarismus, den Bundestag, dass ihre Ankündigungen nicht nur leere Phrasen waren.
Es spielt keine Rolle, ob alle Corona-Protestler Faschisten sind oder nicht, denn die vollkommene Distanzlosigkeit zu Faschisten, Antisemiten, Rassisten und anderen Menschenfeinden ist das eigentliche Problem. Die vermeintliche Überparteilichkeit der Organisator:innen ist eine Farce und dient als Feigenblatt für die Medien. Inhaltlich sind sie nicht mehr weit vom „Stürmer“ entfernt. […] Wo ist die Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft, mit Obdachlosen und Geflüchteten? Weiterlesen

Ein Atlas-Film

Der Anruf (vor ein paar Tagen) hat mich überrascht. Frau Schraven von Atlas-Film bat mich herzlich, bei der Werbung für diesen Film zu helfen und ein Plakat im Schaufenster auszuhängen.

Atlas-Film! Sagt Ihnen das was? Atlas hat für den Film einen ähnlichen Klang wie Suhrkamp und Wagenbach für die Literatur: Aufbruch, Erneuerung, Pioniergeist, Einbruch der Moderne in die Schlafmützenrepublik. Für die Klassiker, die Franzosen, für Bergman, Polanski, für Schlöndorff und Faßbimder mußte erstmal Terrain gewonnen werden. Da war Eckelkamp mit Atlas vorneweg.
Als ich das Eschhaus-Kino managte (mänätschte), ging ich beim Atlas-Verleih ein & aus. Der war damals in dem Haus, in dem das Europa-Kino war, im obersten Stock.

Anders als am Telefon besprochen und im Brief geschrieben, lag der Flyer-Lieferung ein Plakat gar nicht bei. Aber auf diesem Wege kann ich es ja ventilieren:

Sagt Ihnen das was? Ist das was?
Sei‘s drum. War mir eine Freude, unverdrossenen Atlanten einen Gefallen zu tun.

Siegfried Jäger 1937 – 2020

Der Artikel in der WAZ faßt auf wenigen Zeilen Wesentliches zusammen.
Über das DISS schrieb ich vor wenigen Wochen in diesem Weblog, wie nah dran diese kritische Wissenschaft an den brisantesten Themen der Gegenwart ist, und was für eine gute Idee es vor 30 Jahren war, das unabhängige Institut zu gründen! Um sich das zu vergegenwärtigen, bitte ich darum, die Stichwörter „Siegfried Jäger“ und „DISS“ am Ende dieses Notats anzuklicken.
In dem Institut war ich oft zu Besuch – es ergab sich immer wieder eine Gelegenheit dazu – ein angenehmer Aufenthaltsort! An den Wänden ist viel Kunst zu sehen. Der Blick über den Rand ist charakteristisch für die Art von Wissenschaft, die hier betrieben wird.

Siegfried Jäger war nicht nur in Fachpublikationen präsent, er schrieb auch für die taz und die Graswurzelrevolution. In DER METZGER war er zwei mal als Autor vertreten: In Nr. 78 (2007) würdigte er seinen Kollegen und Mitstreiter Alfred Schobert. In Nr. 42 (1990) erschien Entstehungsbedingungen des Rechtsextremismus heute, beginnend mit der Kernthese „Faschismus und Rechtsextremismus entstehen aus der Mitte der Gesellschaft heraus.“ Darauf antwortete, mehr ergänzend als widersprechend, Kurt Gossweiler in Nr. 48.
Aufmerksam machen will ich auch auf den Artikel von Sebastian Friedrich in Nr. 111: Werkzeug für Veränderung. Was hat es mit der Kritischen Diskursanalyse auf sich? Sebastian Friedrich stellt das Standardwerk von Professor Siegfried Jäger (DISS) vor als ein Beispiel für eingreifende Wissenschaft. „Von Foucault über Diskurs und Dispositiv zum Widerstand.“

Ich habe auch mal mit Siegfried Jäger einen Mietvertrag abgeschlossen – für das Büro der DFG-VK im Hinterhaus, umgeben von Gärten, wo ruhiges Arbeiten vonstatten gehen konnte. Das ist fast schon anekdotisch und lange her, noch bevor das DISS sein erstes Domizil bezog, aber auch das ein Stück aus der Verweigerungsgeschichte mit Folgen.

Meine letzte Begegnung ist schon drei Jahre her (da sprachen wir über Heinrich Heine). Ich war Gast beim Fest zum 30jährigen Bestehen des Instituts – und für mich war es zugleich ein Arbeitstermin. Ich recherchierte für meinen Beitrag in Duisburger Jahrbuch (Mercator-Verlag) über die „Wissenschaft gegen den Strich“.
Als Motto über der Anzeige war ein Satz von Jacques Derrida zu lesen:
„Die Spur, die ich hinterlasse, bezeichnet sowohl meinen Tod als auch die Hoffnung, dass sie mich überlebt.“ Für die Erfüllung dieser Hoffnung zu arbeiten wäre mehr als eine freundliche Geste. Man würde sich damit auch selbst einen Gefallen tun.