Pudding & gestern

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Aus der Werkstatt der Projektgruppe Pudding & gestern (PGPG).
Seit Jahren belästigt die Projektgruppe Pudding und gestern (PGPG) das Volk mit schönen Aussagen, die in Hausbriefkästen gesteckt oder unter die Scheibenwischer herumparkender Autos geklemmt werden.
Kunst, die nix einbringt?
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Allgemeine Karikaturenkunde

Auch heute will ich Sie wieder dem Geheimnis der guten Karikatur ein Stück näher bringen.
verrückteZwei Verrückte! Wie wahr!
Der eine (links, trägt zu Hause eine Baskenmütze) hat die Tasse an den Haken gehängt und schüttet den Kaffee in den Hut.
Der andere schüttet den Kaffee gleich aus dem Fenster hinaus.
Das ist doch wirklich komisch.
Wenn ich das Bild sehe, könnt‘ ich mich jedesmal kaputtlachen.

Das Jahr beginnt mit einem Schock

Meine Karikatur aus dem Jahr 1989 mit dem Titel „Emanzenschocker“ behandelt die Diskrepanz, die sich zwischen den Begriffen „Emanzipation“ und „Emanze“ auftut.

EmanzenschockerDie Zeichnung vervielfältigte ich im Din-A-3-Format, und ich brachte die Plakate auf allen möglichen Schwarzen Brettern in der Duisburger Universität an. Ich hielt es für meine Pflicht als Künstler, auf subversive Weise das Publikum mit jenen Impulsen zu konfrontieren, die es in sich niederzuringen versucht (beziehungsweise in sich niederringen soll).
So weit so gut.
Ein paar Jahre vergingen, und ich empfing mal wieder die Verlagsvertreterin von Konkret in der Weltbühne. Das war die Frau Gaby Klinski, die ich immer gern empfing. Sie kam schon lachend herein. Ich kann mir vorstellen, daß es (namentlich für Vertreter progressiver Verlage) ein hartes Brot ist, sich tagein tagaus von morgens bis abends mit den Herrschaften in den bürgerlichen Buchhandlungen herumzuschlagen. Aber in der Buchhandlung Weltbühne, da ist man Mensch, da darf man‘s sein.
Es war halbfünf. „Um sechs Uhr muß ich in Köln sein, eine Wohnung besichtigen“, sagte sie. Aber um sieben saßen wir immer noch herum und lachten uns kaputt.
Als sie aufbrach, entdeckte sie den METZGER Nr. 54, dessen Cover von eben jener Karikatur verziert wurde.

M054Und wie lautete der Kommentar der Frau, die auch den Verlag Frauenoffensive und Frauen-Dies und Frauen-Jenes vertrat?
„Emanzenschocker? Hahaha! Emanzenschocker! Hihi! Was hast du denn da gemacht? Emanzenschocker! Hahaha! Das Heft nehm‘ ich mit.“
Sehen Sie, es ist doch alles halb so wild.

Allgemeine Karikaturenkunde

Was will der Künstler denn jetzt schon wieder damit sagen?


DA DAS PROJEKT AUFKLÄRUNG GESCHEITERT IST, MÜSSEN WIR UNS JETZT DEM PROJEKT VERWIRRUNG ZUWENDEN.
Nein, nehmen Sie den einleitenden Nebensatz nicht ernst!
D.h.: Nehmen Sie ihn zwar ernst, aber nehmen Sie ihn nicht so, wie er nicht verstanden werden sollte.
„Verwirrung als Methode der Aufklärung“. Das käme schon eher hin.

P.S.: Es handelt sich bei der Aussage des Herrn links um ein wörtliches Zitat aus einer US-TV-Serie. Aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen und in einen neuen gestellt, entfaltet sie subversive Kraft.

Allgemeine Karikaturenkunde: „Genosse Stalin“

Ich bin auf die Idee gekommen, diese Karikatur zu zeichnen, nachdem ich die Homepage „kommunisten-am-rande-des-nervenzusammenbruchs.de“ besucht hatte.
Dort stand: Die Revisionisten erkennt man daran, daß die immer gegen den Revisionismus predigen – zum Schein! Die tarnen sich ganz raffiniert! Nämlich, indem sie sagen, sie kämpfen gegen den Revisionismus, um auf diese Weise den Revisionismus in Schutz zu nehmen.
Davon unterscheiden sich solche tapferen Recken der Arbeiterbewegung wie der Genosse Stalin. Die sind ja die Echten.
Wenn dann Stalin zitiert wird, dann heißt es, Stalin hätte „ausgeführt“.
Wenn die anderen, die zum Schein etwas Korrektes sagen, aber was Unkorrektes meinen, wodurch wir ja alle getäuscht werden sollen, zitiert werden, dann heißt es immer, sie haben „gefaselt“.
Dadurch ist es eigentlich ganz einfach, die Echten von den Falschen zu unterscheiden. Man muß nur darauf achten, ob die ausführen, oder ob die faseln.
Stalin jedenfalls führt aus.
Wuff.

Karikatur richtig verstanden. Eine Gebrauchsanleitung.

„Für deine Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung“, sagte Marita Bursch, als die diese Karikatur auf dem Tisch liegen sah (das Intro von DER METZGER Nr. 70). Sie warf einen kurzen Blick darauf und bemerkte lapidar: „Also, Helmut, für DEINE Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung.“

Damit sich die Komik, die in dieser Karikatur enthalten ist, nicht nur der mit meiner Art von Humor seit langem vertrauten Freundin, sondern auch anderen Personen erschließt, wird hiermit eine Gebrauchsanleitung nachgeliefert:
Man vergleiche zunächst die Darstellung mit der Überschrift. Da steht „drei Tenöre“, gezeigt werden aber nur zwei. Das ist ein Widerspruch, der dem Betrachter komisch vorkommen muß (drei Tenöre wurden angekündigt, aber nur zwei sind da).
Es fällt auf, daß sie zwar gleichzeitig singen, aber verschiedene Stücke. Wenn zwei verschiedene Lieder gleichzeitig gesungen werden, hört sich das komisch an. Man muß sich das Dargestellte akustisch vorstellen.
Dann muß man darauf achten, was sie singen.
Der eine singt „Isch möösch zefoos no Dortmund jonn“. (Ich möchte zu Fuß nach Dortmund gehen). Der Sänger greift ein bekanntes Lied von Willi Ostermann (1876-1936) auf, in dem es heißt „Isch möösch zefoos no Kölle jonn“. Aber hier steht vor uns einer, der nit no Kölle, sondern no Dortmund jonn möösch. Der Betrachter ist mit einer unerwarteten Wendung konfrontiert.
Woran denken wir, wenn jemand zu Fuß nach Dortmund geht? Richtig! An den Ostermarsch, der traditionsgemäß in Duisburg beginnt und in Dortmund endet. Ich habe schon mit Willi Hoffmeister und Felix Oekentorp gesprochen: Dieses Bild wird das offizielle Plakat für den Ostermarsch Ruhr 2013.
Der andere Sänger hat den Schlager „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist“ aus der Operette „Im weißen Rößl“ von Ralph Benatzky verändert. Er singt: „Was kann der Sigismund dafür, daß die Heizung so schön ist“. Hat man es je erlebt, daß eine Heizung wegen ihrer Schönheit gepriesen wird?
Also, wenn ich dieses Bild sehe, könnte ich mich kaputtlachen.

Was sagt uns die Kunst in unserer heutigen Zeit?

Diese Frage wird immer wieder gestellt::
„Was will der Künstler damit sagen?“


Die Frage ist eigentlich unsinnig.
Wenn Sie auf der Straße einen Mann fragen: „Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“, und er antwortet: „Drei Uhr“, dann fragen Sie sich doch auch nicht: „Was will der Mann mir damit sagen?“ Sie haben ihm eine einfache Frage gestellt, und er hat Ihnen eine klare Auskunft gegeben.
Genau das ist auch von der Kunst zu erwarten: Daß sie uns mit klaren Auskünften versorgt! Der Künstler soll seine Aussagen nicht verklausulieren, sondern klipp und klar zu verstehen geben, was er sagen will.
Hier haben wir ein gutes Beispiel:


Der Künstler hat Klarheit geschaffen und eindeutig zu verstehen gegeben, was er der Welt mitteilen will.
Weiter so!