Dialektik im Countdown

Der Trikont Verlag hat mit der Herausgabe einer siebenbÀndigen Dialektik-Reihe begonnen. In dieser Reihe werden Quellentexte zur Dialektik erscheinen: von Hegel, Engels, Lukåcs usw.
Als erster ist nicht etwa der erste, sondern der siebte Band erschienen. Es wird uns also eine numerische Dialektik vorgefĂŒhrt:
trikdialeksitint
Marvin Chlada und Bernd Kalus (Hg.): Texte der Situationistischen Internationale
Dialog-Edition und Trikont Duisburg 2016. 132 Seiten. 10 Euro.

Liebe Leute, bestellt dieses Buch in der Buchhandlung WeltbĂŒhne. Dialektik muß bleiben.

WeltbĂŒhne und Trikont verabreden sich in Libertatia

Seit gestern in der WeltbĂŒhne ist dieses Buch:
Larry Law: Die wahre Geschiche von Captain Misson und der Republik Libertatia

„Es wĂ€re ja auch ein Witz, wenn wir Untertanen von Leuten wĂŒrden, die noch grĂ¶ĂŸere Schurken als wir selbst sind!“

Dieses BĂŒchlein ĂŒber Captain Misson wurde erstmals 1980 vom inzwischen verstorbenen britischen Situationisten Larry Law in seiner Reihe „Spectacular Times“ (kleine „booklets“ im A6-Format) veröffentlicht. Seitdem sind immer wieder verschiedene Nachdrucke erschienen und hier nun auch erstmals die vorliegende deutsche Übersetzung.
Die Geschichte von Captain Misson, seiner Mannschaft und ihrer freien Republik Libertatia soll kein Modell fĂŒr ein Utopia bieten, und auch nicht aufzeigen, wie eine libertĂ€re Gesellschaft heutzutage funktionieren könnte. Sie ist vielmehr ein Bericht ĂŒber einen frĂŒhen Versuch einer Gruppe von Menschen, eine wirklich libertĂ€re und egalitĂ€re Gemeinschaft aufzubauen. Eine Gemeinschaft, die fast einhundert Jahre vor der Französischen Revolution versucht hat, nach der Maxime Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit zu leben.

TrikontMissonDie wahre Geschichte von Captain Misson und der Republik Libertatia. NacherzĂ€hlt von Larry Law. Übersetzt aus dem Englischen von Axel Monte und mit einem Nachwort versehen von Marvin Chlada ĂŒber die Situationisten. 50 Seiten mit vielen Illustrationen, 6 Euro, Trikont Duisburg

Dazu ein paar Bemerkungen von mir:
Man mag mir meine Vorliebe fĂŒr ganz dicke BĂŒcher nachsagen. Die ganz dĂŒnnen mag ich auch. Die Tradition der „BĂŒchlein“, von denen es frĂŒher (frĂŒher! Ja! FrĂŒher!) so viele gab, und die das Hauptverbreitungsmedium fĂŒr C(o)urioses waren, ist fast ganz untergegangen. Das sollte nicht sein!
Ein veritables Buch (mit RĂŒcken) steht eine Stufe höher als die (rĂŒckendrahtgeheftete) BroschĂŒre (die man allerdings auch nicht verachten sollte). Dieses Medium hat auch 50 Seiten immer noch Platz fĂŒr ein Nachwort und viele Illustrationen, ohne daß es eng wird.
Schön ist auch, wenn ein Buch auf den ersten Blick den Anschein einer Reise in vergangene Zeiten erweckt, es bei diesem Anschein aber durchaus nicht belĂ€ĂŸt.
Schön ist auch, daß der Trikont-Verlag, so lange und so weit schon unterwegs, einfach nicht kaputtzukriegen ist.
Froh sollte man immer sein, wenn eine Idee oder ein Vorhaben nicht gleich als Modell feilgehalten wird, was das Epigonale wachsen lassen wĂŒrde.
Schummrig wird mir allerdings zumute bei dem Begriff „libertĂ€r“. Der wird (mittlerweile) von sehr verschiedenen Leuten in sehr verschiedenem Sinne gebraucht.

Aller langen Reden klarer Sinn: Bestellt dieses Buch, wenn ihr es bestellt, nirgendswoanders als in der Buchhandlung WeltbĂŒhne. WeltbĂŒhne muß bleiben.

Daß ich Euch gesagt habe, daß ihr am Donnerstag (3. September), also ĂŒbermorgen um 19 Uhr ins Babasu kommen sollt, habt ihr nicht vergessen?

Samstag. Neudorf. November.

Letzten Samstag war schönes Novemberwetter. Da bin ich hier mal rumgelaufen und habe mir das alles mal angesehen.

November8-01Finden Sie das schön (Oststraße von hinten). Ich finde das schön. Kein Haus Ă€hnelt dem anderen.

November8-02Hier auch. (Lotharstraße von hinten).

November8-03Good old everlasting Lotharstraße.

November8-04Die zwei MinilĂ€den auf der Grabenstraße. Der Laden rechts gehörte frĂŒher zwei alten Damen, bei denen man Zeitungen kaufen und Lottoscheine abgeben konnte. Den Laden links hatte jemand gemietet, um ihn mit Pappkartons vollstellen zu können. Jetzt hat er auch den anderen Laden ĂŒbernommen und vollgestellt. Jahrzehntelang hat sich da nichts verĂ€ndert.

November8-05Detailansicht.

November8-06In der GlastĂŒr spiegele ich mich in meiner Eigenschaft als Fotograf.
Das ist die BundesgeschĂ€ftsstelle von „SolidaritĂ€t International“, einer – wie sagt man – „Vorfeldorganisation“ der MLPD. War das nicht frĂŒher das GeschĂ€ft Erbslöh, wo man Vogelfutter, HamsterkĂ€fige, Mausefallen (Lebendfallen!) etc. kriegen konnte?

November8-07Und was ist das? Wo jetzt das Fenster mit runtergelassenem Rolladen ist, war frĂŒher ein Schaufenster, links daneben – inzwischen zugemauert – die LadentĂŒr. In dem Laden war das legendĂ€re TontrĂ€gergeschĂ€ft „Garageland“ von Lothar Röse und Rolf Menrath. Ausgesprochen wurde das „GĂ€rretsch-LĂ€nd“. Ich habe aber immer „Garageland“ gesagt. Das wurde mißbilligt.
In den hinteren RĂ€umen war der Trikont-Verlag. Den gibt es zwar noch, aber der ist jetzt woanders.
Neudorf ist auch nicht mehr das, was es mal war.

November8-08Ich verstehe: OTR OTR OTR OTR OTR OTR OTR
„Scum“ (engl. etwa: Abschaum) mal positiv (rechts), mal negativ (Pfeil) konnotiert?
November8-09Mitteilungen grundsĂ€tzlich in Englisch zu formulieren ist eine schlechte Angewohnheit, eine Modetorheit. Wer drei Ausrufezeichen benötigt, mißtraut der Kraft seiner eigenen Aussage.

November8-10Hier, am Lieferanteneingang von Edeka, bat ich die zigarettenpĂ€uskenmachende Edeka-Dame: „Könnten Sie mal einen Schritt zur Seite gehen, damit ich diese eigentĂŒmliche Mitteilung dokumentieren kann?“
„Esst die Reichen“. Da kann einem aber schon der Appetit vergehen!
(FĂŒr Veganer gibt es eine Ausnahmegenehmigung).

November8-11Ahh! Da ist jemand aufs Dach gestiegen, um sich unverstÀndlich zu machen.
Die Trinkhalle gibt es immer noch – bloß, daß sie seit Jahren nicht mehr geöffnet wurde.
Oben: Eine Werbung, die auf einem Zeichensetzungsfehler beruht. Richtig mĂŒĂŸte es doch heißen:
„Mediamarkt? Ich bin doch nicht blöd!“
„Kostenlose Finanzierung“ heißt auf deutsch: Mehr bezahlen.

November8-12Enthauptete Schaufensterfiguren!
Französische Revolution? Sanson était ici?
Das ist doch Horror! Wer denkt sich sowas aus?
Wasserpumpe im Schaufenster? Warum hat sich die Firma nicht um einen Anschluß an das Wasserversorgungsnetz bemĂŒht? Da ist – im Vergleich – die Buchhandlung WeltbĂŒhne doch moderner ausgestattet.

November8-13Völlig kopfloses Verhalten! Die Schaufensterpuppen von Sport Hildebrandt haben das Schaufenster verlassen und irren auf dem Sternbuschweg umher!

November8-14Was folgt daraus?

Jawohl: Trikont.

Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen: Es gibt noch VerrĂŒckte. Die Poems & Songs von Marvin Chlada erscheinen im Trikont-Verlag als Kassette!
Chlada-MC-Cover1Aufgenommen von Jochen Zimmer im Lokal Harmonie in Duisburg-Ruhrort, mit Jörg Berendsen (Gitarre), Juan Espinosa (Akkordeon), André Meisner (Saxophon), Wolfgang van Ackeren (Elektronik & Samples).
Chlada-MC-Cover2Jetzt kommt der Spruch, auf den Sie warten:
Bestellen Sie diese MC in der Buchhandlung WeltbĂŒhne.
Liebe LEUTE bestellt MCs in DER buchhandlung WELTBÜHNE und SONST nirgends
WeltbĂŒhne muß bleiben.
Buchhandlung WeltbĂŒhne, eine gute Angewohnheit.

Jetzt mĂŒssen sich die Leute bloß noch daran erinnern, wo sie ihren Cassettenrecorder hingetan haben (oder ihren Walkman). Ich erinnere mich daran, daß ich manchmal einen Kassettenrekorder hatte, aber nie einen, der auch richtig funktionierte. Einen Walkman hatte ich nie. Hießen die Dinger eigentlich so, oder verwechsel ich da was?
Tonbandkassetten, so scheint es, sind wieder schwer im Kommen, ebenso wie Schallplatten aus Vinyl, Briefe auf Papier, Filme im Kinno, MĂŒtze richtigrum auwm Kopp, Trikontverlag, Kaffeetrinken am Tisch, Arsch ohne Geweih.

Tanz den Hanns Eisler

Wenn ich den Leuten von der MĂŒllPD erzĂ€hlen wĂŒrde, daß ich ihrem Abgott, dem Willi Dickhut, persönlich begegnet bin, fĂŒnf mal sogar, wĂŒrden sie vor Ehrfurcht erstarren und mich vielleicht sogar einladen, bei ihnen einen Vortrag als Zeitzeuge zu halten, in dessen Verlauf die Ehrfurcht aber der VerblĂŒffung weichen wĂŒrde: Wie kann aus einem, auf den das Angesicht ihres Gurus geschienen hat, so etwas werden?
Aus der KPD/ML wurde ich ausgeschlossen, weil ich eine eigene Zeitschrift herausgab und mich der Anweisung, es fortan zu unterlassen, mich auf einem Gebiet außerhalb der Partei politisch zu betĂ€tigen, widersetzte. Man hatte wohl auch mitgekriegt, daß ich heimlich fremdging, indem ich zum Beispiel Folkmusik hörte und dergleichen. NatĂŒrlich war der Anlaß nur „die Spitze des Eisbergs“, und dahinter wurde ein Abgrund linkssektiererischer, anarchistischer und trotzkistischer Verdorbenheit erkannt. Jedenfalls wurde ein Parteiausschlußverfahren gegen mich eingeleitet, und zwar wegen „Linksabweichung“, wie ich nicht ohne Stolz vermerke. Es gab allerdings eine Gegenstimme, nĂ€mlich von Bernd K., von dem der Verein dann bald ja auch nichts mehr wissen wollte und der spĂ€ter den Trikont-Verlag ĂŒbernahm.
Ich war ĂŒberrascht, als ich spĂ€ter zur Siebzig-einundsiebzig-Silvesterparty der Partei eingeladen wurde. Dahinter steckte wohl die Absicht, mich wieder fĂŒr die Partei zu gewinnen. Die Absicht wurde aber nicht von allen geteilt. Einige ließen mich ihre Abneigung spĂŒren. Aber ich wurde sowieso nicht sonderlich beachtet.
Zur Feier des neuen Jahres wurde eine Ernst-Busch-Platte abgespielt, und zwar nur ein einziges StĂŒck: „Es geht durch die Welt ein GeflĂŒster. Arbeiter, hörst du es nicht? Das sind die Stimmen der Kriegsminister. Arbeiter, hörst du es nicht?“ Neben dem Plattenspieler stand ein blonder Riese, der jedesmal, wenn das StĂŒck zu Ende war, es von neuem abspielte, und die Begeisterung steigerte sich von Mal zu Mal. Die FĂ€uste flogen durch die Luft, es wurde mit den FĂŒĂŸen getrampelt. Die Begeisterung steigerte sich zu einem ekstatischen Taumel.


Unbemerkt verließ ich den Ort, an dem man aus Erich Weinert, Hanns Eisler und Ernst Busch Tanzmusik gemacht hatte (und wenn sie sich nicht gespalten haben, dann stampfen sie jetzt immer noch). Durch die kalte Winternacht ging ich die lange, lange Bismarckstraße entlang, froh darĂŒber, daß ich lĂ€ngst auf neue Spuren gestoßen war, wovon auf diesen Seiten die Rede ist.
Bald darauf kam mir etwas zu Ohren, was bestimmt ich am allerwenigsten erfahren sollte: Der blonde Riese, der an der schrecklichen Schuld einer trotzkistischen Vergangenheit trug und darum um so vehementer auf einem unnachsichtigen Vorgehen gegen trotzkistische Abweichler bestand und der darum so vehement fĂŒr meinen Ausschluß plĂ€diert hatte, genau der ist dann mit der Parteikasse durchgebrannt.
Der Vorladung vor die Landeskontrollkommission, die ĂŒber meinen Ausschluß zu entscheiden hatte, bin ich nicht gefolgt. Ich bin einfach nicht hingegangen. Meine sechste Begegnung mit Willi Dickhut kam nicht zustande. Die Kommission wird dann ja wohl entsprechend entschieden haben. Aber ich habe davon nichts mehr gehört. Ich gehe mal davon aus, daß ich nicht mehr in der KPD/ML bin.