Gestern wäre Peter-Paul Zahl 75 Jahre alt geworden


Mit Peter-Paul Zahl stand ich während seiner zehnjährigen Haft (1972-1982) in ständigem Briefkontakt. Der Briefwechsel umfaßt wohl ein paar hundert Seiten. In den METZGER-Ausgaben Nr. 22 bis 36 (1974-1983) erschienen regelmäßig Beiträge (und dann in Nr. 56 – 1999 noch ein weiterer). Insgesamt waren es 19 Beiträge: Gedichte und Gedichtzyklen und Artikel.
Bei den beiden Gerichtsverhandlungen in Düsseldorf 1974 und 1976 war ich im Auftrag der Roten Hilfe als Prozeßbeobachter anwesend. Über die Verhandlung 1976 schrieb ich eine Gerichtsreportage für den Ulcus-Molle-Info.
Persönlich begegnet sind wir uns nur ein einziges Mal, bei einer Lesung im Eschhaus. Die mußte an einem Vormittag stattfinden, weil er bis zum Abend in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurückkehren mußte.
Telefoniert haben wir nur ein paar mal. Durch seine Übersiedlung nach Jamaika war der Kontakt nur noch sporadisch.
In dem Luftpostbrief von 2006 ging es um eine gemeinsame Lesung, die in der Fabrik Grabenstraße stattfinden sollte, aber dann doch nie zustande kam.
Die Bücher erschienen verteilt in vielen Verlagen, u.a. Rotbuch, Neue Kritik, Das Neue Berlin, Trotzdem, Trikont, Karin Kramer, Nautilus, auch bei Fischer und dtv. Heute sind sie nur noch antiquarisch erhältlich, was über den Zustand linker Kultur einiges sagt. Hier in der Weltbühne finden sich noch ein paar Restexemplare. Ich hätte beizeiten mehr Stücke bunkern sollen.

Törn

Kennt man:

To everything turn, turn, turn
There is a season turn, turn, turn
And a time to every purpose
Under heaven

A time to cast away stones
A time to gather stones together

A time for peace
I swear it’s not too late

Pete Seeger (1950), The Byrds (1965)

„Turn on tune in drop out“
kennt man auch
(Timothy Leary 1967).

Ist es das mit Sahras Aufstands-Bewegung jetzt gewesen?

Die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ mit der populären Sahra Wagenknecht an der Spitze wird sicherlich noch lange bestehen bleiben, aber nicht mehr viel auf die Beine stellen. So recht populär ist sie eigentlich nur außerhalb ihrer Partei. Innerhalb ihres Wirkungsfeldes wurde ihre Kampagne eher beargwöhnt als unterstützt.
Hier wurde ja auch mild bespöttelt.
In der FR wurde gestern (noch nicht wissend, daß sie auch in der Partei ins zweite/dritte Glied zurücktritt) kommentiert, nach der mäßigen Resonanz ihrer Bewegung hätte sie ihre Anhängerschaft einfach fallenlassen (ihr Hinweis auf gesundheitliche Gründe wurde wohl nicht ernstgenommen). Es wurde auch – wie ich finde zurecht – eingeschätzt, diese Kampagne hätte an Linke UND Rechte appelliert und sei darum zum Scheitern verurteilt gewesen. In der Tat: Dem Rechts-Populismus einen Links-Populismus entgegensetzen zu wollen, muß – und sollte auch scheitern. Massenhafter Protest in der Konsum- und Leistungsgesellschaft ist stets zu einem großen Teil der Protest unzufriedener Egoisten.
Im Kommentar von Georg Fülberth in der gestrigen jungen Welt ein schöner Satz: „Man sah sich in der Vermutung bestätigt, in der Partei Die Linke hätten sich Leute zusammengefunden, die einander ohnehin noch nie leiden konnten und sich mit ihr einen Ort gesucht haben, wo sie das unter politischem Vorwand ausleben können.“
Er findet die Einschätzung zutreffend, man könne „Bewegungen nicht von oben nach unten gründen“.
Doch, kann man ruhig. Weil „unten“ seit je die passenden „Von-unten-Gründer“ bereit stehen.
Die waren unter dem Motto „Jetzt aber!“ schon bei Hansens Demokratischen Sozialisten dabei. Sie waren dabei, als die PDS sich in den Westen ausdehnte, und dann bei der WASG, und jetzt sind sie wieder dabei. Die fangen ständig an, schon seit Jahrzehnten.

Der Sahra Wagenknecht wünsche ich, daß es ihr gut geht. Gesundheit ist das Wichtigste, glauben Sie mir.

Der Kessel des Monats

Dieser Monat soll zu den Monaten gehören, die nicht vorbeigehen sollen ohne einen imponierenden Kessel.


Der Imponierkessel steht am Bethesda-Krankenhaus in Hochfeld. Es ist dafür gesorgt, daß es an Sauerstoff (O2) nicht mangelt.
Nicht rauchen! (Jedenfalls nicht hier).
Man dachte wohl: Denen muß man alles zweimal sagen.

Große Akzente werfen ihre Bekanntmachungen voraus

Bei den Duisburger Akzenten (Thema in diesem Jahr: Utopien) weiß man gar nicht, wo man mit dem Empfehlen anfangen soll.
Da ich aber schon mit dem Empfehlen angefangen habe, fällt mir der nächste Hinweis leicht:

Ich betrete dieses Haus erst dann wieder, wenn ich auch was erzählen soll.
Aber Ihr könnt ruhig da hin gegen.

Mit Werner Muth habe ich heute Vormittag telefoniert. Wir bereiten schon die nächste Poesie-Attacke vor. Man darf gespannt sein.
Aber jetzt erstmal: Akzente.

Der 8. März ist nicht der Weltfrauentag

An ihren Irrtümern könnt ihr sie erkennen.
Wer von „Weltfrauentag“ spricht, hat was aufgeschnappt und ist aufs Trittbrett gesprungen.
Den ganzen Tag dann im Radio:
Dieser CDU-kompatible Führungskräfte-Feminismus
– bis hin dazu, das Augenbrauenzupfen mit anschließendem Nachmalen mit’m Stift als letztes Refugium echter Weiblichkeit zu betucken.

Wenn wir vom INTERNATIONALEN FRAUENTAG sprechen, dann meinen wir etwas anderes.

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Neu in der Weltbühne: Erich Mühsam Liebe und Revolte

Erich Mühsam: Liebe und Revolte. Ausgewählte Gedichte. Verlag Trikont 2019. 100 S. 10 Euro
Mit einem Anhang: autobiografische Dokumente und Lebensdaten. Erschienen in der Reihe Sozialistische Klassiker, herausgegeben von Marvin Chlada, Tayfun Demir und Bernd Kalus.


Bitte bestellen Sie dieses Buch (auch im Versand) in der
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Gneisenaustraße 226
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WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN

Der Talkshow-Schreck

Manche dieser salbungsvollen Nachrufe hätte man gern längst hinter sich gebracht.
Arnulf Baring.
Sie wissen:

Im Staat zu viel Regulierung,
Atomkraft ja bitte,
Sarrazin hurra,
Junge Freiheit lebe hoch,
Sozialstaat muß weg,
wir leben über unsere Verhältnisse
und was es an Ekelhaftigkeiten sonst noch so aus seinem Gesicht kam.

Aber mit letzterem hatte er ja recht.
Ein volles Professoren-Gehalt für diesen Scharlatan – das war wirklich zum Fenster hinausgeworfenes Geld.
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Bohnen in die Ohr’n, Bohnen in die Ohr’n, Bohnen in die Ohr’n

„Donald Edgar „Gus“ Backus (* 12. September 1937 in Southampton, Long Island, New York; † 21. Februar 2019 in Germering) war ein US-amerikanischer Musiker und Schlagersänger. Mit Titeln wie Sauerkraut-Polka verzeichnete er im Deutschland der 1960er Jahre große Erfolge.“

Krautrock stammt in direkter Linie von Gus Backus ab.