Mehr Bürokratie täte uns allen gut

Im Fernsehen redet einer dieser neoliberalen Schwätzer, der als „Philosoph“ Unternehmer berät, und er beklagt sich dabei, daß wir seit Generationen von Politikern regiert werden, die den Bürgern mißtrauen.
Was für eine Erkenntnis aber auch! Als ob Regierung und Gesetzgebung jemals etwas anderes gewesen wäre und etwas anderes sein könnte!
Werfen wir doch mal einen Blick in eines der Hauptwerke der Gesetzgebung: in das Strafgesetzbuch. Das ganze Werk ist durchweht vom Geist des Mißtrauens. Der Gesetzgeber traut uns zu, daß wir die Leute betrügen (§ 263), in einer Kirche ruhestörenden Lärm verursachen (§ 167), jemandem widerrechtlich etwas wegnehmen (§ 242), Amtspersonen beleidigen (§ 196), unbefugt in Küstengewässern fischen (§ 296a) und groben Unfug anstellen (§ 360). Der Gesetzgeber hat sich in seiner Weisheit keineswegs damit begnügt, den Menschen von derlei Handlungen abzuraten, sondern diese unter Strafe gestellt. Denn der Gesetzgeber vermutet, daß die Leute sich nicht aus Freundlichkeit, Wohlerzogenheit und Einsicht an die Gesetze halten, sondern, täten sie es nicht, Nachteile auf sich ziehen würden, die sie lieber vermeiden. Im Strafgesetzbuch steht nicht: „Wenn du nicht klaust, kriegst du ein Bonbon“, sondern: „Wenn du klaust, wirst du eingesperrt“.
So kann man also annehmen, daß all die Mißstände, die die Neoliberalen beklagen, gar keine Mißstände sind, sondern nur als solche an die Wand gemalt werden. Subventionen? Wieso eigentlich nicht? Die Steuern sind zu hoch? Ach was! Die Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden? Wieso eigentlich? Straßenverkehrsordnung? Ja bitte! Die Neoliberalen wollen nämlich am liebsten die Verkehrsregeln durch die Kräfte des Marktes ersetzen, will heißen: Je dicker das Auto desto Vorfahrt. Und wenn immer wieder die „Bürokratie“ beklagt wird, dann ist damit nichts anderes gemeint als die simple Verwaltung, auf die eine hochentwickelte, diversifizierte Industriegesellschaft lieber nicht verzichten sollte.
aus DER METZGER 73 (2005)

Etikettenschwindel

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmer, der darum zu loben ist, weil für viele deutsche Menschen ein grüner Ministerpräsident sowas ist wie früher die Frau am Steuer, hat Fragen zu seiner Vergangenheit (APO, KBW) beantwortet.
Über die APO sagte er, die sei ein Anschub gewesen zu mehr Zivilisiertheit in unserer Gesellschaft. Das ist richtig.
Über den KBW sagte er, daß „kommunistische Sekten“ den Zivisisationsbemühungen eher geschadet hätten. Das ist nicht ganz richtig.
Richtig ist zwar, daß der Verein, der sich „Kommunistischer Bund Westdeutschlands“ nannte, eine Sekte war. Aber daß diese Sekte sich die Bezeichnung „kommunistisch“ anmaßte, war Etikettenschwindel. Der „Kommunistische Bund Westdeutschlands“ war nicht einmal eine Randerscheinung der kommunistischen Bewegung, hatte keinen Bezug zu ihrer Tradition. Mit der Arroganz von Ignoranten haben diese Sektierer sich eingebildet, alles besser zu wissen als die, die als Kommunisten unter Hitler im KZ waren und unter Adenauer in der Illegalität lebten.
„Kommunistischer Bund Westdeutschlands“ – das ist, als würden ein paar Meßdiener einen Gegenpapst wählen, und danach würde sich herausstellen, daß das gar keine Meßdiener waren.

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Was höre ich da gerade?
Der heißt Kretschmann, und ich habe Kretschmer gesagt?
Was denn?! Kretschmann, Kretschmer! Von mir aus kann der Quetschmann heißen! Als der Kiesinger Bundeskanzler war, habe ich auch immer ,Kiesewetter‘ gesagt. Und ich wußte lange nicht, daß ,Willybrandt‘ auseinandergeschriebenwird.

Die Nation in der Gestalt einer Leberwurst

Das berichtete die Zeitung Standard (Wien):

„Italienischstämmiger Moderator verkündete das Ausscheiden Deutschlands
aus der EURO mit einem Lächeln

Berlin/Wien – Das nächste Grinsen wird sich Ingo Antonio Zamperoni
verkneifen: Der italienischstämmige Moderator verkündete Donnerstagabend
in den ARD- Tagesthemen das Ausscheiden Deutschlands aus der EURO mit
einem Lächeln: „Und beenden möchte ich diese Tagesthemen – aus gegebenem
und persönlichem Anlass – mit Worten des italienischen Dichter-Fürsten
Dante: ,Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens.‘ Ich weiß nicht,
was Ihnen mein Gesicht jetzt verrät, aber seien Sie versichert, dass ich
innerlich ziemlich zerrissen bin. In diesem Sinne: ,che vinca il
migliore‘, möge der Bessere gewinnen.“

So weise sah es das deutsche Publikum nicht. Über Zamperoni ergoss sich
eine Welle der Empörung: Von einer „Lawine der Reaktionen“, berichtet
blog.tagesschau.de.“

„Lawine der Reaktion“ würde eher zutreffen.