Bewegungstag (11-15)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Das also ist das Portal des Bahnhofs Duisburg-Wedau, DES (ich wiederhole mich gern) BIS ZU SEINER STILLLEGUNG GRÖSSTEN RANGIERBAHNHOFS DER WELT.
Was dieses Bild offenbart über den Untergang (des Industriezeitalters oder von was auch immer) überlasse ich den Reden von denen, die gern darüber reden, und begebe mich weiter fort:

Das ist nämlich die Trinkhalle (Ruhrdeutsch: Bude), wo mein Opa eine Rolle Pfefferminz kaufte. Der nahm mich auf seinen Fahrradtouren sonntags vormittags manchmal mit, und hier kaufte er an der Bude eine Rolle Pfefferminz.
Also doch nicht immer: Alles war nix is mehr.
Es gibt Orte, an denen Ereignisse erlebt wurden, die nicht gerade zu den Wendepunkten des Lebens gehören, die aber immer wieder im Traum erscheinen, wie diese Bude, wo mein Opa Pfefferminz kaufte (von der scharfen Sorte).

Denn hier betreten wir Bissingheim, einst als Eisenbahnersiedlung angelegt, wo der Menschheitstraum in Erfüllung ging, die Zeit anzuhalten. Getröstet blickt man auf die Oberleitungsmasten und den Wedauer Wasserturm, der stets mehr Symbolik enthielt als Wasser.
Mein Opa hatte in Bissingheim eine (jüngere) Schwester (und einen Schwager), mit denen wir sonst nie was zu tun hatten. Die hatten einen Sohn im Halbstarkenalter. Mein Opa meinte, man sollte über die Jugend von heute nicht immer so schlecht sprechen, und man sollte sie nicht „Halbstarke“ nennen. Kann sein, daß der Soldat im Ersten Weltkrieg, den die Kriegsgräuel zum Kirchenaustritt veranlaßten, sich in der aufstehenden Jugend wiedererkennte.

Abfahrt von der Wedauer Brücke. Eine Ampel (zeigt rot). Keine Kreuzung, kein Querverkehr, nix. Aber: rot.

Da halten auch Autos an. Weil: rot.
Keine Kreutung, kein Querverkehr, nix. Aber: ein Fußgängerübergang, falls mal just an dieser Stelle ein Fußgänger auf die Idee kommt, die Straßenseite wechseln zu wollen.

Wird fortgesetzt.

Neu in der Weltbühne: Schwarz sein in einer rassistischen Welt

Ijeoma Oluo: Schwarz sein in einer rassistischen Welt. Warum ich darüber immer noch mit Weißen spreche. aus dem amerikanischen Englisch von Carolin Burmester. Unrast-Verlag 240 S. Klappenbroschur. 16,00 €

Ijeoma Oluo hat mit Schwarz sein in einer rassistischen Welt einen New York Times-Bestseller geschrieben. Teils biografisch, teils anekdotisch, aber immer analytisch, behandelt sie in zugänglicher Sprache, mit Humor und Verstand Fragen, die sich viele nicht zu stellen trauen. Warum darf ich das ‚N-Wort‘ nicht benutzen? Warum darf ich deine Haare nicht anfassen? Hat Polizeigewalt wirklich etwas mit ‚Race‘ zu tun?
Oluo schreibt über das Gefühl, das sie hatte, als ihr Sohn seine Hand auf ihre legte und sagte: „Unsere Haut hat ja den gleichen Braunton“ – und über die Diskriminierung gegenüber Schwarzen jungen Männern. Darüber, dass eben diese so oft direkt oder indirekt von der Schule ins Gefängnis kommen, dass es schon eine eigene wissenschaftliche Bezeichnung dafür gibt: school-to-prison-pipeline. Über die Polizeigewalt in den USA und über Massenverhaftungen von Afro-Amerikaner*innen. Gleichzeitig schafft es Oluo, Diskurse über die Vor- und Nachteile identitätspolitischer Kämpfe verständlich und den Begriff der Intersektionalität einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Ein Buch, das sehr hart und sehr einfühlsam zugleich ist, Diskurse voranbringt und Verständnis schafft. Geschrieben für Menschen jeder Hautfarbe, um in allen Lebensbereichen eine gerechtere und antirassistische Gesellschaft zu schaffen.

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VVN: „Gegen verschwörungsideologische Massenversammlungen!“

Die VVN hat diese Erklärung veröffentlicht (geschrieben von Florian Gutsche):

Seit einigen Wochen tummelt sich eine Mischung aus Verschwörungsideologen, Wissenschaftsleugnern, Hooligans, Neonazis, Identitären, Evangelikalen, Impfgegnern, Esoterikern und Reichsbürgern im gesamten Bundesgebiet auf den Plätzen und Straßen, um gegen die Einschränkungen demokratischer Grundrechte im Zuge der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu protestieren.

Organisiert werden diese von der Initiative „Querdenken 711“, verantwortet vom Unternehmer Michael Ballweg, von der angeblichen Partei „Widerstand 2020“, der pseudolinken „Kommunikationsstelle demokratischer Widerstand“, aber auch von Organisationsgliederungen der AfD.

Mit ihren Demonstrationen zielen Michael Ballweg und Co. besonders auf Menschen, die mit den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie unzufrieden oder nicht mehr einverstanden sind, wirtschaftliche Schäden erleiden und Existenzängste haben. Damit erreichen sie offensichtlich auch viele politisch unbedarfte Bürger*innen.

Auf diesen sogenannten „Hygienedemos“ werden populistische, antisemitische, rassistische und sozialdarwinistische Parolen und Parolen verbreitet. Organisierte Neonazis dürfen sich eingeladen fühlen, denn mitmachen „dürfe jeder“. Darüber hinaus werden oft genug Neofaschisten in die Organisationsstruktur der „Hygienedemos“ eingebunden und werden so als normaler Teil des „Protestes“ dargestellt.

Abhängig von der jeweiligen Ausrichtung der Organisatoren wird bei den „Hygienedemos“ unbewusst oder bewusst gegen gebotene Abstands- und Hygienemaßnahmen verstoßen. Wichtig ist den Organisatoren mit aller Gewalt den öffentlichen Raum zu besetzen und damit die Hegemonie auf der Straße zu erringen. Eine wahrscheinliche Verstärkung der Pandemie, eine damit verbundene Überlastung des Gesundheitssystems und damit der Tod vieler Menschen werden in Kauf genommen. Gleichzeitig wittert die AfD wieder Morgenluft. Hatte diese in den letzten Monaten in den Umfragen deutliche Einbußen zu verzeichnen, versucht sie sich jetzt als parlamentarischer Arm der Corona-Proteste zu gerieren. Damit verleiht sie den „Hygienedemos“ Legitimität und zeigt einmal mehr ihre menschenverachtende Fratze.

Wie bereits beim sogenannten Friedenswinter 2014 versucht die extreme Rechte eine Querfront von „ganz links nach ganz rechts“ aufzubauen. Das zeigt sich bereits daran, dass sich unter den Protagonisten dieser Demonstrationen die gleichen Akteure finden wie schon 2014. Eine zentrale Rolle spielt hier der sogenannte Journalist Ken Jebsen. Er erreicht mit seinen verschwörungsideologischen Youtube-Videos eine große Anzahl von Personen. Aktivisten wie Jebsen sind Wortführer in der populistischen Informationsblase in der vorgefertigte Meinungen und „einfache Antworten“ auf komplizierte Probleme transportiert werden.

Schaut man sich die Forderungen von „Widerstand 2020“, „Querdenken 711“ und der „Kommunikationsstelle demokratischer Widerstand“ an, wird klar, dass es nicht um die Wahrung des Grundgesetzes oder eine solidarische Gesellschaft geht. Sie streben nach Selbstdarstellung, ihren persönlichen wirtschaftlichen Erfolg und politisch nach der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie.

Die auf den „Hygienedemos“ geäußerte Kritik an der vorübergehenden Einschränkung demokratischer Grundrechte dient lediglich als Feigenblatt, um antisemitische, völkische und sozialdarwinistische Verschwörungsideologien zu verbreiten.

– Wir rufen alle Antifaschist*innen und Demokraten*innen dazu auf, sich von diesen Demonstrationen fern zu halten.

– Wir rufen dazu auf unter Beachtung der notwendigen Abstandsregeln gegen die rechten „Hygienedemos“ zu protestieren. Wir dürfen den rechten Demagogen nicht die Straßen und Plätze überlassen. Die Anmeldung eigener Kundgebungen auf den rechten Versammlungsorten in den nächsten Wochen zwingt diese zu Ortswechseln und verursacht ihnen Arbeit.

– Wir müssen auf Gruppen und Organisationen zugehen, die schon vor der Krise autoritäre staatliche Maßnahmen kritisiert haben. Dazu gehören beispielsweise Fußballfans oder Geflüchtete.

– Zusammen mit Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen müssen tatsächliche solidarische Perspektiven in der Krise verbreitet und vertreten werden. Das bedeutet auch, dass berechtigte Kritik an den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung geäußert werden muss, insbesondere wenn diese zur weiteren Spaltung der Gesellschaft beitragen, wie sie bereits am 8. April von der VVN-BdA formuliert wurde (https://vvn-bda.de/demokratisch-durch-die-pandemie/). Eigene Kundgebungen und Demonstrationen sind hierfür notwendig.

Bewegungstag (6-10)

Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig geschritten.
Bildreportage von einem traditionellen Tag (Fortsetzung).

Nicht alle wissen, daß die Lotharstraße da, wo sie meinen, daß das ihr Ende ist, in Wirklichkeit noch weiter geht, nämlich hier. Sozusagen die Lotharstraße für Insider.

Gut, wenn man rechtzeitig auf Hindernisse aufmerksam gemacht wird.

Die Stadt im Grünen. Früher hätte drunter gestanden: Regierungsbezirk Düsseldorf. (Weil man das bei der Einfahrt in die geschlossene Ortschaft wissen mußte). So ändern sich die politischen Verhältnisse.

Hinaus in die Berge! (Soll heißen: Der Horizont erhebt sich).

Melancholie im Mai (Erklärung folgt später oder nie).

Wird fortgesetzt.

Bewegungstag (1-5)

Vom ursprünglichen Plan, an dem Gesetzlichen Feiertag (gestern) mich an den Schreibtisch zurückzuziehen, habe ich mich auf die Tradition der Feiertagswanderungen besonnen und bin dem Befehl meiner Ärztin gefolgt, angesichts aktueller Laborwerte für mehr Bewegung zu sorgen.
Auf Wanderschaft geh‘ nie ohne Fotoapparat.

Was fällt Ihnen hierzu ein?
Alles Mögliche, bloß nicht Mozart.
Duiburg-Neudorf, Mozartstraße.

Natur korrigiert Landschaft. Dem Rost folgt bald der Wucher. Mauer ist in Ordnung.

Ähnliches gilt hier.

Ein Symbol!
Worfür?
Wird sich finden.

Denkmal zur Erinnerung an den Erfinder der Treppe.

Wird fortgesetzt.

Graffito forever? Oder Antipoteto 2 und 3

Firma hinter der Fassade:
Schon vor einem halben Jahr äußerte ich hier Gedanken und Betrachtungen zu dem Ihnen zugefügten Graffito:
Und was hat sich seither getan? Nix.
Wie wär‘s mit einer Variation?
Etwa so:
Ich könnte mal einem Anstreicher bescheidsagen, der das gern für Sie erledigt.

Aber wie ich sehe, wurde eine bessere Lösung gefunden:
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50 Jahre Baader-Befreiung

Nicht bekannt ist, welche Rolle [Ulrike Meinhof] bei der „Baader-Befreiung“ spielte. Der in Berlin einsitzende Kaufhausbrandstifter Andreas Baader durfte begleitet von zwei Justizbeamten im Mai 1970 das Berliner Zentralinstitut für Soziale Fragen aufsuchen, um dort mit Ulrike Meinhof für eine gemeinsame Publikation Archivalien einzusehen. Eine bewaffnete Gruppe stürmte das Institut, um Baader zu befreien. Mit ihm und den Befreiern sprang auch Ulrike Meinhof aus dem Fenster und entschwand. Es ist nicht erwiesen, daß sie in den Befreiungsplan eingeweiht war. Möglich ist auch, daß sie – spontan, also ohne Überlegung – sich erst in diesem Moment der Gruppe anschloß, deren Aktion der Beginn der Roten Armee Fraktion war, die mal als „Baader-Meinhof-Gruppe“, mal als „Baader-Meinhof-Bande“ tituliert wurde. Diese Namensgebungen sind unzutreffend, denn Ulrike Meinhof kann kaum als Anführerin dieser Organisation gelten. Sicher ist nur, daß durch diese Aktion – ob geplant oder nicht – Ulrike Meinhof von einem auf den anderen Moment ihre Existenz vernichtete.
Aber: für was? Was war so wichtig, so wertvoll, so vorrangig, daß dafür aller Verlust gerechtfertigt gewesen wäre? Andreas Baader wäre bald vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Er hätte vielleicht schon nach ein paar Monaten als freier Mann aus dem Gefängnis spazieren können. Und er hätte, wenn er partout vorgehabt hätte, aus dem Untergrund gewaltsame Aktionen gegen den Staat zu unternehmen, nach einer regulären Entlassung dafür bessere Bedingungen gehabt. Aber nein! Eine Heldentat mußte getan werden! Ein Fanal! Mit Tusch! Kurz vor der Entlassung ausbrechen – das ist so, als würde man mit einem Schießeisen in der Hand in der Bank Geld von seinem Sparbuch abheben. Sowas gibt es sonst nur in italienischen Filmkomödien. Bloß daß italienische Filmkomödien sich auf die Komik des Erstaunlichen beschränken und keiner zu Schaden kommt. Bei der kuriosen „Befreiung“ erlitten ein Archivmitarbeiter und zwei Justizbeamte Schußverletzungen.
Erstaunlich, aber nicht komisch war die Verlautbarung, die der Baader-Befreiung folgte. „Daß die Befreiung Baaders nur ein Anfang ist! Daß ein Ende der Bullenherrschaft abzusehen ist! … Was heißt: Die Konflikte auf die Spitze treiben? Das heißt: Sich nicht abschlachten lassen. Deshalb bauen wir die Rote Armee auf.“
Gewiß, das Leben im Konflikt mit der gesellschaftlichen Herrschaft ist nicht ungefährlich. Aber in der Bundesrepublik war die Gefahr, abgeschlachtet zu werden, nie so groß, daß man sie nur noch mit dem Aufbau der Roten Armee hätte abwenden können. Den Namen der Roten Armee, die Hitlers Wehrmacht zerschlagen hatte, für sich zu beanspruchen, war anmaßend; sich zudem „RAF“ zu nennen, war kurios. Bis dahin war das die Abkürzung der britischen Royal Air Force gewesen. Ein Glück, daß sie sich keinen Namen gaben, der mit „AOK“ oder „JWD“ abgekürzt worden wäre!
Ulrike Meinhof und die führenden RAF-Leute Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Holger Meins wurden 1972 binnen weniger Wochen verhaftet (sie alle starben im Gefängnis eines unnatürlichen Todes). Die RAF aber überstand in der Illegalität – das Wort von der „Zweiten Generation“ wurde geprägt. Nicht die erste, sondern die „Zweite Generation“ war es, die die schwersten, blutigsten, am meisten gewaltsamen Aktionen durchführte. Inwieweit diese „Generationen“ der RAF miteinander konform oder voneinander unterschieden waren, ist ungeklärt. Daß die Inhaftierten aus ihren Zellen mittels eines Kommunikationsnetzes durch ihre Anwälte die Aktionen lenkten, wurde propagandistisch herumposaunt, aber nie bewiesen – trotz illegaler Verteidigerüberwachung.

Auszug aus „Kritik und Kriminalität“ in „Wir bleiben im Bahnhof“, Situationspresse 2013, zuerst in DER METZGER Nr. 79 (2007)

Neu in der Weltbühne: Fakten gegen Fake News

Patrick Gensing: Fakten gegen Fake News oder Der Kampf um die Demokratie. Dudenverlag. 176 S. Hardcover mit Schutzumschlag. 18 Euro
In Europa und auch in Deutschland tobt längst eine ideologische Propagandaschlacht. Die Gefährdung unserer Demokratie durch Desinformation und Fake News ist größer als je zuvor, zielen sie doch darauf ab, die Gräben in einer polarisierten und fragmentierten Gesellschaft zu vertiefen, Glaubwürdigkeit zu zerstören und Konflikte anzuheizen. Seit 2017 leitet Patrick Gensing das Projekt ARD-faktenfinder und kennt somit die Welt der Fake News wie kaum ein anderer. In seinem Buch erklärt er das Phänomen in all seinen Facetten: Was Fake News sind, warum es keine Option ist, vor dem Problem einfach die Augen zu verschließen, und was man gegen sie tun kann. Dieses Buch ist unentbehrlich für jeden politisch Interessierten und schafft die Basis für eine dringend nötige gesellschaftliche Debatte.

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Über Diskurspiraten

Das Buch ist vor zehn Jahren erschienen und gehört zu den Standard-Titeln in der Buchhandlung Weltbühne. Ich stelle es gerade heute nochmal heraus – wie es sich auf aktuelle Aufwallungen aus Verschwörungsparanoia, Rechtspopulismus, Querfronttaktik plus pure Uneinsichtigkeit (vulgo: Dummheit) bezieht, erschließt sich leicht.
Dieses Buch wird hier nicht zum ersten Mal empfohlen.
(Ich verweise auch auf den Artikel von Jakop Heinn „Wer lacht da?“ in DER METZGER 135.


Regina Wamper / Helmut Kellershohn / Martin Dietzsch (Hg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast Verlag 2010 (Edition DISS). 288 S. 19.80 Euro
Rechte Adaptionen linker Symbole und Ästhetik und was dagegen getan werden kann. In den letzten Jahren ist ein verstärktes Bemühen auf Seiten der extremen Rechten zu beobachten, Themen, politische Strategien, Aktionsformen und ästhetische Ausdrucksmittel linker Bewegungen zu adaptieren und für ihren Kampf um die kulturelle Hegemonie zu nutzen. Dabei handelt es sich keineswegs mehr nur um ein Steckenpferd der intellektuellen Neuen Rechten, vielmehr wird dies auch von NPD und militanten Neonazis praktiziert. Im Resultat hat sich die extreme Rechte eine Bandbreite kultureller und ästhetischer Ausdrucksformen angeeignet, indem sie sich am verhaßten ‚Vorbild’ der Linken abgearbeitet hat. Man könnte auch sagen: Um überzeugender zu wirken, hat sie kulturelle Praktiken und Politikformen der Linken ‚entwendet’ – allerdings nicht, ohne sie mit den eigenen Traditionen zu vermitteln. Solche Phänomene sind keineswegs neu. Auch der Nationalsozialismus bediente sich der Codes und Ästhetiken politischer Gegner und suchte Deutungskämpfe gerade verstärkt in die Themenfelder zu tragen, die als traditionell links besetzt galten. Auch in den 1970er Jahren waren solche Strategien vorhanden. Es stellt sich die Frage, warum und in welcher Form diese Diskurspiraterien heute wieder verstärkt auftreten.
Aus dem Inhalt:
Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Aktuelle Strategien der extremen Rechten in Deutschland – Sabine Kebir: Gramscismus von rechts? – Volker Weiss: Sozialismusbegriff bei Moeller van den Bruck und Oswald Spengler – Volkmar Woelk: Strasserismus und Nationalbolschewismus – Renate Bitzan: Feminismus von rechts? – Richard Gebhardt: Völkischer Antikapitalismus – Fabian Virchow: Antikriegs-Rhetorik von rechts – Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und die Konservativ-subversive Aktion – Lenard Suerman: Autonome Nationalisten – Regina Wamper, Britta Michelkens: Gegenstrategien – Jens Zimmermann: – Kritik des Rechtsextremismusbegriffs.

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle über Standardtitel in der Buchhandlung Weltbühne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
Weltbühne muß bleiben.
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Ende Efeu

ALSO:
Verwelkender Efeu im Frühling? Wie kann das sein?
Die Kletterpflanze am Hause Ecke Gneisenaustraße/Heinestraße wurde von ihrer Wurzel im Boden getrennt. Bestimmt mit Absicht.

Ich sprach gelegentlich mit dem Antiquariats-Kollegen Fäustel in Bonn. Der erwähnte, er wohne in einem über und über mit Efeu bewachsenen Hause.
Ich vermutete: „Da kommt doch bestimmt viel Ungeziefer ins Haus.
„Ja. Da krabbeln dauernd Spinnen und sowas herum.“
Ich antwortete: „Ich komm dich nie besuchen.“

Da dieses Haus an der Gneisenaustraße nicht mein Haus ist, kann doch der Efeu ruhig dranbleiben.

ERGO sowas!