Alexandra Kollontai 150. Geburtstag

Neu in der Weltbühne über Alexandra Kollontai:
Katharina Volk (Hrsg.): Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben. Dietz Verlag Berlin. 176 S. Mit 6 Abb. 12 €
Mit ihren Vorstellungen von einer »neuen Moral« und »freier Liebe« war Alexandra Kollontai (1872–1952) ihrer Zeit voraus. Sie selbst bezeichnete sich als sexuell emanzipierte Kommunistin, die das Schicksal von Frauen zum Sozialismus geführt habe. Alexandra Kollontai kämpfte in der Russischen Oktoberrevolution und wurde 1917 Volkskommissarin für soziale Fürsorge. Weltweit war sie die erste Frau im diplomatischen Dienst, als sie 1922 die junge Sowjetunion im Ausland vertrat.
Kollontai war überzeugt, eine Revolution könne nur erfolgreich sein, wenn sie das gesamte Leben revolutioniert. Sie übte nicht nur scharfe Kritik an der monogamen, lebenslangen Ehe, sondern auch am bürgerlichen Verständnis von Elternschaft. Damit machte sie sich nicht nur Freunde unter den Genossinnen und Genossen. Sie forderte ein neues Verständnis von Liebe, das dem der Solidarität ähnelt, und neue Formen des Zusammenlebens, die Zusammenhalt und Gemeinschaft fördern. Ihre Ideen sind noch immer Utopie, aber noch immer aktuell in einer Zeit, in der Kollektivität im Sinne von Solidarität und Gemeinsamkeit über Gren-zen hinweg dringender denn je ist.
Zur Herausgeberin:
Katharina Volk, geb. 1981, Politikwissenschaftlerin, promovierte am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und arbeitet als politische Sekretärin bei der IG Metall. In ihrer 2018 erschienenen Dissertation »Von der Gesellschaftsanalyse zur Utopie« setzt sie sich mit Theorien aus der Arbeiter- und der Frauenbewegung auseinander und analysiert den Widerspruch zwischen Erwerbs- und Familienarbeit und die daraus entwickelten utopischen Ideen zur Überwindung dieses Widerspruchs. Zuletzt erschienen ist ihr Beitrag »Was die Kybernetik vom Feminismus lernen kann. Oder: Warum wir der Technik nicht das Feld überlassen dürfen« (in: Timo Daum/Sabine Nuss (Hrsg.): Die unsichtbare Hand des Plans, Berlin 2020).

Neu in der Weltbühne von Alexandra Kollontai:
Alexandra Kollontai: Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung. Vierzehn Vorlesungen vor Arbeiterinnen und Bäuerinnen an der Swerdlow-Universität 1921. Manifest Verlag. 240 S. 12,90 €
In den 14 Vorlesungen, die Alexandra Kollontai an der Swerdlow-Universität gehalten hat, verfolgt sie die verschiedenen Perioden der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und untersucht, wie sich auf dieser Grundlage die Stellung der Frau änderte. Sie beginnt beim Urkommunismus und geht über die Antike, den Feudalismus, die kapitalistische Epoche bis hin zur Zeit nach der Oktoberrevolution. Dabei analysiert sie ebenfalls die bürgerliche Frauenbewegung, die ab dem 19. Jahrhundert entstand.
Im letzten Drittel erläutert sie, wie sich die Stellung der Frau durch die Oktoberrevolution und die Politik der Bolschewiki änderte. An letzterer hatte sie als erste Ministerin der Weltgeschichte – als Kommissarin für Wohlfahrt im Rat der Volkskommissare – selbst prägenden Anteil.
Sie hielt diese Vorträge mit der Perspektive, dass der Aufbau der sozialistischen Wirtschaft die materiellen Grundlagen dafür legt, der Unterdrückung der Frau ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.
Alexandra Arnsburg ordnet in ihrem Vorwort einige Aussagen Kollontais, die möglicherweise wenig oder sogar missverständlich sind, in den Kontext der heutigen Bewegungen ein.
Steve Hollasky gibt mit seinem biographischen Abriss zu Beginn des Buches einen Überblick über die Lebensstationen und das Wirken der Autorin selbst.
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Alexandra Kollontai war früher eine in linken Kreisen sehr gefragte Autorin. In unseren Altbeständen / Antiquariat findet man noch was von früher.
Zum Beispiel:
Wege der Liebe
und
Autobiografie einer sexuell emanzipierten Kommunistin
Fragen Sie nach.

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Neu in der Weltbühne: Die Black Panther Party. Eine Graphic Novel.

Marcus Kwame Anderson, David F. Walker: Die Black Panther Party. Eine Graphic Novel
aus dem Englischen übersetzt von Michael Schiffmann
Unrast Verlag. 184 Seiten, Großformat B5, durchgängig farbig illustriert. 18,00 €

Die Black Panther Party (BPP) wurde 1966 von Bobby Seale und Huey P. Newton gegründet. Sie setzte sich für die Befreiung Schwarzer Menschen und eine sozialistische Gesellschaft ein. Bereits drei Jahre nach der Gründung erklärte FBI-Direktor J. Edgar Hoover sie zur größten Gefahr für die nationale Sicherheit der USA. Die BPP sollte eliminiert werden, was den Herrschenden in den USA am Ende auch gelang. Mit allen Mitteln wurde sie vom Staat bekämpft, das reichte vom Schüren interner Zwistigkeiten über brutale Unterdrückung bis hin zur Ermordung führender Panther wie z.B. Fred Hampton und Mark Clark in Chicago. Die Black Panther verbanden einen militanten Ansatz der Selbstverteidigung gegen Polizeigewalt mit einem massenkompatiblen Programm, das auf Selbsthilfe und Selbstorganisierung der Schwarzen Bevölkerung ausgerichtet war. Lange bevor der Begriff der Intersektionalität aufkam, strebte die BPP eine Koalition aller Unterdrückten an: ethnische Minderheiten, Frauen, Arbeiter*innen, Erwerbslose, Schwule, Lesben … Die BPP betrieb eine Bündnispolitik mit allen unterdrückten Gruppen der Gesellschaft, für die eine sozialistische Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdrückung ein vereinigendes Kampfziel war.
Die Graphic Novel zeichnet die Geschichte dieses bedeutenden Versuchs Schwarzer Selbstbefreiung in den 1960er und 1970er Jahren auf eindrucksvolle Weise nach, ohne in oberflächliche Klischees oder Heldenverehrung zu verfallen.

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Neu in der Weltbühne: Sittenbild der Weimarer Republik in einem Kriminalroman

Leonhard F. Seidl: Vom Untergang. Kriminalroman. Edition Nautilus. 248 S. 18 €

Ein packendes Sittenbild der Weimarer Republik, das auf realen Geschehnissen beruht
Bayern, 1922. Der rechtskonservative Erfolgsautor Oswald Spengler schmiedet geheime Pläne für eine Lenkung der deutschen Presse. Gemeinsam mit Forstrat Escherich, dem Gründer einer militanten Bürgerwehr, und Gumbrecht, einem mächtigen Fürther Spiegelfabrikanten, will er die öffentliche Meinung in der jungen Republik beeinflussen.
Emma, Gumbrechts Sekretärin und Geliebte, ist die Tochter des Anarchosyndikalisten Fritz Oerter. Eigentlich hat sie genug von Politik und auch von ihrem Freund, dem Sozialdemokraten Max Schmidtill. Doch dann liest sie einen Brief, der nicht für ihre Augen bestimmt war …
Hundert Jahre nach den Mordanschlägen auf Walther Rathenau und Philipp Scheidemann zeichnet Leonhard F. Seidl ein packendes Sittenbild der Weimarer Republik. Spenglers Komplott, der Mord an Schmidttill und diverse Figuren wie Fritz Oerter sind historisch belegt; der Roman basiert auf intensiven Recherchen und enthält zahlreiche Originalzitate aus Zeitungen, Sitzungsprotokollen und Briefen.

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Neu in der Weltbühne: Das neue Buch von Laurie Penny

Laurie Penny: Sexuelle Revolution. Rechter Backlash und feministische Zukunft. Aus dem Englischen von Anne Emmert. Nautilus Flugschrift. 384 Seiten.
Der Verlag stellt das Buch vor:
Mitreißend und scharf schreibt Laurie Penny über Sex und Macht, Trauma und Widerstand. Über die Krise der Demokratie, die Krise weißer Männlichkeit und die Rückzugsgefechte derer, die Angst vor Machtverlust haben.
Sie fordert eine Kultur des Consent, die weit über Sex hinausgeht: Auch in Arbeitsverhältnissen, in Systemen der politischen Repräsentation, im Miteinander müssen wir zu einer Logik des fortlaufend ausgehandelten Einvernehmens finden, um individuelle und kollektive Traumata zu heilen und zukünftige zu verhindern.

Das Buch erscheint zum Internationalen Frauentag.
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Neu in der Weltbühne: Das Buch von Frank Baier ist endlich erschienen !

Frank Baier – Leben–Kämpfen–Solidarisieren Ruhrgebiet. Trikont-Verlag 2022. 192 S. Mit zahlreichen Abbildungen und einem Vorwort von Eckart Pressler. 15 €
Leben–Kämpfen–Solidarisieren; Kohlengräberland Zeitmaschine; Lieder aus dem Ruhrgebiet 1889–1920–1967–2003; Lieder und Leute vor Ort; Arbeitsweisen mit alten und neuen Liedern im Ruhrgebiet; Konzert in der DDR – Akademie der Künste; Die Faust „NDAO“

Aus dem Vorwort von Eckart Pressler:
Schnell drehen sich die Räder dieser Tage. Eh man sich’s versieht ist Bewahrenswertes zu Geschichte geworden und in Vergessenheit geraten. Es sind kaum fünfzig Jahre her, dass die großen sozialen Themen der Gefährdung des Friedens, der Umwelt und der Arbeitsplätze unser Land und Leben an der Ruhr in vorher nicht gekannter Weise in Bewegung brachten. Mitten drin blühte eine neue Kultur auf: Musiker, Autoren, Singer-Songwriter spürten früh und besonders empfindsam die Erosion der ökonomischen Strukturen und der politischen und sozialen Verhältnisse. Sie machten die Sorgen, Nöte und Hoffnungen der Menschen zu ihrem eigenen, künstlerischen Anliegen. Einer von ihnen war der „Songpoet an der Ruhr“ Frank Baier, Duisburger mit Essener Wurzeln, streitbar, liebevoll und mit seinen Liedern im- mer am aktuellen Puls dieser kämpferischen Zeit. Mit den hier vorliegenden drei Essays erfasste er mit genauem Verständnis und viel Herz diese Hinwendung der Literaten und Musiker zu den Menschen an der Ruhr und ihrem Leben in den Betrieben, ihren Nachbarschaften und in ihrer Freizeit- kultur. Seine ganz persönliche, oft humorvolle Kreativität und seine entschiedene Parteilichkeit für ‚uns da unten’ machen ihn zu einem wertvollen Chronisten und beispielhaft engagierten Künstler. Seine vor 30, 40 Jahren bereits veröffentlichten Beobachtungen verdienen es neu vorgelegt zu werden, um sie vor dem drohenden Vergessen zu bewahren. Es ist anzunehmen, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft noch mal gebraucht werden könnten.

Frank Baier (r.) und Klaus der Geiger.
DIESES BUCH ist NOCH NICHT, sondern erst in ein paar Tagen im Buchhandel erhältlich, aber wir haben schon einen kleinen Stapel ergattert. Also: in der BUCHHANDLUNG WELTBÜHNE gibt es das Buch schon.
Darum:
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Hundert Jahre Ulysses

Am 2. Februar vor hundert Jahren, am 2. Februar 1922, feierte James Joyce seinen 40. Geburtstag. Und an diesem Tag, vor hundert Jahren, erschien sein Roman Ulysses. Möglich wurde das, weil die junge Pariser Buchhändlerin Sylvia Beach das von mehreren Verlagen abgelehnte Werk verlegte.
Der Roman beschreibt einen Tag im Leben des Anzeigenwerbers Leopold Bloom, und zwar den 16. Juni 1904 in Dublin. Jedes Jahr wird in Dublin der 16. Juni als Bloom’s Day gefeiert. James Joyce ging ein in die Liste der berühmtesten Schriftsteller, die nicht den Nobelpreis erhielten.
„Ulysses“ muß der im Sinn gehabt haben, der mir, dem jungen Mann, der Schriftsteller werden wollte, lapidar riet: Geh einmal um den Häuserblock, da ist genug Stoff vorhanden für einen Tausend-Seiten-Roman.
Ulysses gehört zu den Romanen, die als unverfilmbar galten und verfilmt wurden (1967 von Joseph Strick, mit Milo O’Shea in der Hauptrolle).
Ulysses gehört zu den Romanen, die als unübersetzbar galten. Die (Neu-)Übersetzung von Hans Wollschläger von 1975 gilt zurecht als kongenial.
Der Suhrkamp-Verlag hat eine Jubiläums-Ausgabe herausgebracht in der Reihe Suhrkamp Taschenbücher, 1000 Seiten für 18 Euro.

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Es wird erklärt (in Wikipedia): „Joyce schildert nicht nur die äußeren Geschehnisse, sondern auch die Gedanken seiner Protagonisten mit allen ihren Assoziationen, Erinnerungsfetzen und Vorstellungen. Die Sprache wird dabei ungeordnet und bruchstückhaft verwendet, ‚wie es der Person gerade durch den Kopf geht‘. Dieses von Verfassern wie Arthur Schnitzler bekannte Stilelement, der sogenannte Bewusstseinsstrom, wird hier erstmals zentrales Gestaltungselement eines Romans.“
In der Zeit, in der dieser Roman entstand, am 7. November 1917, hielt Max Weber einen Vortrag zum Thema „Wissenschaft als Beruf“. Er sprach von der „Entzauberung der Welt“. Es gebe „keine geheimnisvollen, unberechenbaren Mächte“ mehr. Man sei vielmehr so weit, alle Dinge durch Berechnen beherrschen zu können.
Dazu kommentiert Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau: „Der Ulysses ist kein werk der Aufklärung, kein Beitrag zur Ent-, sondern zur Verzauberung der Welt.“ James Joyce selbst: „Ich habe so viel Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, daß es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe.“
Zur gleichen Zeit hat ein Wiener Professor in die tiefsten Abgründe des Unbewußten hineingeleuchtet, die größten Rätsel der Gedankenfetzen und der rätselhaften Assoziationen gelöst und die Träume wissenschaftlich gedeutet.
Und jetzt: Übersetzen Sie mal den Namen Joyce ins Deutsche.

Russland, China und der Westen

Neu in der Weltbühne: Im April erscheint
Jörg Kronauer: Der Aufmarsch. Russland, China und der Westen.
PapyRossa Verlag, ca. 180 S. ca. 14,90 €
Der Westen rüstet für zwei Großkonflikte. Einmal gegen Russland, das sich nach seinem dramatischen Niedergang in den 1990er Jahren stabilisiert hat und nun auf einer eigenständigen Rolle in der Weltpolitik beharrt. Die wollen ihm weder die USA noch die Staaten der EU zugestehen. Zum zweiten gegen China, das seinen rasanten Aufstieg fortsetzt und dabei ist, zur Weltmacht zu werden. Dies suchen die transatlantischen Staaten, gegen den eigenen Abstieg kämpfend, zu verhindern. Der Machtkampf gegen Russland wie gegen China wird politisch, wirtschaftlich und propagandistisch geführt. In wachsendem Maß kommt aber auch ein militärischer Aufmarsch hinzu, gegen Russland in Ost- und Südosteuropa sowie in der Arktis, gegen China im Indischen und im Pazifischen Ozean und ganz besonders im Süd- und im Ostchinesischen Meer. Bei dieser Konfrontation arbeiten Russland und China immer enger zusammen. Das Szenario eines allumfassenden Weltkriegs scheint bedrohlich am Horizont auf – und wird mittlerweile auch in Manövern geübt.

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In den nächsten Tagen in der Weltbühne: Buch über einen Mörder als Richter

In diesen Tagen erscheint:
Helmut Ortner: Der Hinrichter. Roland Freisler – Mörder im Dienste Hitlers. Nomen Verlag. 360 S. Klappenbroschur. 20 €
20,00 €
Kategorien: Gesellschaft, Kultur, Politik
Schlagwörter: Bonhoeffer, Goebbels, Hitler, Justiz, Nationalsozialismus, Recht, Rudolf Heß, Stauffenberg, Volksgerichtshof, Wannseekonferenz

„Ortner zeigt das düstere Kapitel der NS-Justiz und die ungebrochenen Karrieren der NS-Juristen nach 1945“, schreibt die Westdeutsche Allgemeine

Der Volksgerichtshof gehört zu den düstersten Kapiteln der deutschen Rechtsgeschichte. Kein NS-Gericht fällte mehr Todesurteile. Helmut Ortner beschreibt anhand zahlreicher erstmals veröffentlichter Dokumente und Gerichtsakten die Entstehung, Entwicklung und Urteilspraxis dieses NS-Tribunals, das nur eine Funktion hatte: die Liquidierung jeglicher Opposition gegen das Hitler-Regime, darunter die Attentäter des 20. Juli 1944 und die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Im Mittelpunkt des Buches steht einer der fanatischsten NS-Richter: der Volksgerichtshofpräsident Roland Freisler. Das Buch erzählt seine Karriere, sein Wirken, seinen Tod. Es ist die Geschichte eines gnadenlosen Blutrichters in einer gnadenlosen Zeit.
Über Helmut Ortner
Helmut Ortner, Jahrgang 1950, hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten zum Dritten Reich und zu dessen juristischer und gesellschaftlicher Aufarbeitung. Dazu gehören seine erzählenden Sachbücher „Der einsame Attentäter – Georg Elser, der Mann der Hitler töten wollte“ und „Der Hinrichter – Roland Freisler, Mörder im Dienste Hitlers“ sowie „Hitlers Schatten – Deutsche Reportagen“, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt veröffentlichte er den Essayband „Der Zorn – Eine Hommage“ (2012) sowie „Das Buch vom Töten – Über die Todesstrafe“, (2013).

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Neu in der Weltbühne: Gold, Öl und Avocados. Die neuen offenen Adern Lateinamerikas

Andy Robinson: Gold, Öl und Avocados. Die neuen offenen Adern Lateinamerikas.
Aus dem Spanischen von Alix Arnold & Gabriele Schwab. Unrast-Verlag. 320 S. Klappenbroschur. 19,80 €

In seinem Klassiker Die offenen Adern Lateinamerikas stellte Eduardo Galeano bereits 1972 fest: »Wir Lateinamerikaner sind arm, weil der Boden, auf dem wir stehen, reich ist.« Galeanos Buch war ein Standardwerk für eine ganze Generation von Linken, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts in vielen Ländern Lateinamerikas die Macht übernahm, darunter Lula da Silva, Evo Morales, Rafael Correa oder Hugo Chávez.
Was ist seither in diesen Ländern geschehen? Andy Robinson folgte einigen der Reiserouten, die Galeano vor 50 Jahren genommen hat, und ist mit einer Sammlung persönlicher Reportagen voller Humor und klarer Worte zurückgekehrt. Jede Geschichte nimmt einen Rohstoff in den Blick, etwa Eisen, Gold, Öl, Soja, Rindfleisch oder – neuerdings – Avocados. Die Ausbeutung dieser Ressourcen veranschaulicht das Dilemma, mit dem der Kontinent konfrontiert ist: Wie kann man gerechtes Wachstum erreichen und Armut mindern, ohne dem Fluch der Abhängigkeit vom Rohstoffexport zu erliegen?
Robinson blickt in die noch immer offenen Adern Lateinamerikas und beschreibt schonungslos, was er vorfindet: sowohl ökologische als auch menschliche Katastrophen, die durch den Kampf um Ressourcen im frühen 21. Jahrhundert verursacht werden.
»Mit Soja aus dem entwaldeten brasilianischen Cerrado werden die Hühner in der Massentierhaltung gefüttert, aus denen die allgegenwärtigen McNuggets von McDonald’s produziert werden. Die traurigen Rinder, die, nachdem Motorsägen und Feuer ihre Arbeit getan haben, auf dem Großgrundbesitz im Amazonasgebiet weiden, versorgen Burger King mit Fleisch. Aus den Kartoffeln, dem Nahrungsmittel der großen präkolumbianischen Zivilisationen des andinen Altiplano, werden jetzt die süchtig machenden Potato Chips von Frito Lay (PepsiCo), die die Epidemie der Fettleibigkeit in Lateinamerika fördern. Die weltweit in Mode gekommene Guacamole zwingt der mexikanischen Region von Michoacán, der Wiege des Reichs der Purépecha, eine Avocado-Monokultur auf, die vom organisierten Verbrechen gemanagt wird.«

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Demnächst in der Weltbühne: Karl Heinz Roth: Blinde Passagiere

Ich kündige ein wichtiges Buch an:
Karl Heinz Roth: Blinde Passagiere. Die Corona-Krise und ihre Folgen.
Antje Kunstmann Verlag. Ca. 480 Seiten. Ca. 30 €
Erscheint Ende Januar. UM VORBESTELLUNGEN WIRD GEBETEN.

Wie tief die weltumspannende Pandemie in unsere Gesellschaften und den Alltag der Menschen hineinwirkt, zeigt Karl Heinz Roth in diesem hervorragend recherchierten und elegant geschriebenen Buch – ein Grundlagenwerk für die kritische Aufarbeitung dieser Krise, zur Vermeidung kommender.
Seit zwei Jahren dominiert die durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöste Pandemie die Welt. Sie hat alle Kontinente und Regionen erfasst, sich in mehreren Wellen ausgebreitet und immer neue Epizentren gebildet. Sie hat das Alltagsleben der Menschen durchdrungen, soziale Beziehungen verändert, die Medien beherrscht, das politische Establishment herausgefordert und zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen auf die Probe gestellt.
Der Mediziner und Historiker Karl Heinz Roth stellt das Geschehen aus einer globalen Perspektive dar, berichtet über die Vorgeschichte, die bis in die 2000er Jahre zurückreicht, analysiert die Ausbreitung und die Dynamik von Covid-19 und erörtert die Eigenschaften und Auswirkungen der Pandemie auf den Menschen. Er thematisiert die Gegenmaßnahmen, die dabei zutage getretenen Versäumnisse und die mentalen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Lockdowns.
Zum ersten Mal werden in diesem Buch die einzelnen Aspekte einer weltumspannenden Pandemie fachübergreifend betrachtet, aufeinander bezogen und kontextualisiert, wodurch sich auch strittige Fragen – wie etwa nach dem Virus als Laborflüchtling, nach der Rolle der internationalen Großstiftungen oder nach den Effekten und Kollateralschäden – diskutieren und klären lassen.
Karl Heinz Roth, geboren 1942, promovierte in Medizin und Geschichtswissenschaft und war bis 1997 in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis tätig. 1986 gründete er mit anderen die Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts und ist seither Vorstandsmitglied. Er hat zahlreiche Publikationen zur Arbeits-, Medizin-, Sozial-, Wirtschafts- und Wissenschaftsgeschichte des 20. und frühen 21. Jahrhunderts veröffentlicht.

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Neu in der Weltbühne: Kaiserstraße


Gerd Schumann: Kaiserstraße. Der deutsche Kolonialismus und seine Geschichte. PapyRossa Verlag. 240 Seiten. 16,90 €
Das deutsche Kolonialimperium war ein Spätstarter, der früh scheiterte. Ab 1884 etablierte sich das Kaiserreich in Afrika, Nordostchina und im Pazifik, im Ersten Weltkrieg verlor es sämtliche Kolonien wieder. Doch gab es ein Davor und ein Danach. Seine Kolonialverbrechen sind nicht vergessen in Namibia und Kiautschou, Kamerun und Tansania, auf Samoa und Neuguinea. Die koloniale Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen. Bis 1914 brach der deutsche Kolonialismus drei Kriege vom Zaun. Sein Völkermord in Südwestafrika ist inzwischen wieder präsent, der in Südostafrika wird weiterhin verdrängt. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand zwar der Kaiser, aber nicht die Kaiserstraße. Deutscher Kolonialismus? Das Thema wurde hundert Jahre lang verdrängt. Gerd Schumann erzählt seine Geschichte.
Gerd Schumann, Jg.1951, lebt und arbeitet als Autor in Berlin und in Mecklenburg. Reportagen und Hintergründe vom afrikanischen Kontinent, aus der Karibik, vom Balkan. Zahlreiche Buchpublikationen.

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Das fanden wir richtig


7. November 1968. Beate Klarsfeld ohrfeigt in aller Öffentlichkeit den deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und bezeichnet ihn als „Nazi“. Diese Ohrfeige ist der Beginn ihres jahrzehntelangen Engagements im Kampf gegen alte und neue Nazis. Zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld hat sie sich der Jagd nach Kriegsverbrechern verschrieben, die sie über Kontinente hinweg aufspüren und vor Gericht bringen. Aber für die beiden geht es um mehr: Sie geben den Opfern der Shoah ein Gesicht und haben den ewigen Kampf gegen das Vergessen aufgenommen.

Diese Graphic Novel erzählt nicht nur die Geschichte der Ohrfeige, sondern auch die von Beate und Serge Klarsfeld und ihrem Streben nach Gerechtigkeit. Beate Klarsfeld ist eine mutige Frau, die vor Gefahren für sich selbst nicht zurückschreckte und die unbeirrt ihren Weg fortgesetzt hat. Gegen staatliche und persönliche Widerstände ankämpfend, hat sie nie akzeptiert, dass manche NS-Kriegsverbrecher einfach so davonkommen sollten.
Pascal Bresson, Sylvain Dorange: Beate und Serge Klarsfeld: Die Nazijäger. Eine Graphic Novel über den Kampf gegen das Vergessen.
Carlsen Verlag 2021, 208 Seiten. 28 €

Beate Klarsfeld über die berühmte Ohrfeige und ihre Folgen
Mit der Ohrfeige wollte ich die deutsche Gesellschaft von den alten Nazis befreien, die noch in der Politik aktiv waren. Es war die Ohrfeige der Tochter an ihren Vater. Erst später haben mein Mann und ich erfahren, dass die Naziverbrecher, die in Frankreich ihr Unwesen getrieben hatten, nicht in Deutschland verurteilt und auch nicht nach Frankreich ausgeliefert werden konnten. Deshalb haben wir uns ab 1971 für ein Abkommen eingesetzt, das die BRD dazu verpflichtet, die Verbrecher vor Gericht zu bringen. 1975 wurde das Gesetz, das später „Lex Klarsfeld“ genannt wurde, verabschiedet.

Der Verlag über die Hintergründe der Graphic Novel:
1968 wurde die Bundesregierung von einer Großen Koalition zwischen CDU und SPD regiert. Bundeskanzler war seit 1966 Kurt Georg Kiesiger (CDU), der dritte Bundeskanzler der jungen Republik. Bis 1968 wurde in den deutschen Medien Kiesingers frühere NSDAP-Mitgliedschaft selten thematisiert, das änderte sich am 7. November 1968, als eine junge Frau Kiesinger während eines CDU-Parteitags vor laufenden Kameras und den Augen der Welt ohrfeigte und als Nazi titulierte: Beate Klarsfeld.
Wer ist Beate Klarsfeld?
Beate Klarsfeld wurde am 17.2. 1939 in Berlin geboren. 1960 ging sie mit 21 Jahren als Au-Pair nach Paris, wo sie den angehenden Historiker und späteren Rechtsanwalt Serge Klarsfeld kennenlernte und 1963 heiratete. 1943 wurde Klarsfelds Vater bei einer SS-Razzia in Paris verhaftet und später in Auschwitz ermordet. Dieses Trauma bildete den Motor für Serge Klarsfelds gesellschaftliches Wirken. Als Serge und Beate sich kennenlernten, wusste die junge Frau noch wenig über die barbarische Zeit zwischen 1933 und 1945. Im Deutschland der 1950er wurde über die Nazi-Jahre ein Mantel des Schweigens gehüllt. Der jüdische Geschichtsstudent wurde zum politischen Mentor der jungen Deutschen. Zusammen fingen sie an, sich politisch zu engagieren.
Wie kam es zu der Ohrfeige an Kurt Georg Kiesinger?
Beate Klarsfeld, die sich in den 1960ern als Journalistin etablierte, schrieb gegen die Kanzlerschaft Kurt Georg Kiesingers an. Aber schon bald wurde dem Ehepaar bewusst, dass man gegen die politische Apathie und die Verdrängung der Nazi-Zeit aus dem öffentlichen Bewusstsein durch die Politik nur mit lauter Stimme ankommt: „Leider ist es so, dass man mit verbalen Aktionen nichts mehr erreichen kann. Um einen Skandal aufzudecken, muss man auch mit einem Skandal antworten“, sagte Beate Klarsfeld. Die Kiesinger-Ohrfeige, die Beate Klarsfeld eine – nie vollstreckte – Verurteilung zu einem Jahr Haftstrafe im Eilverfahren einbrachte, war der Auftakt ihrer politischen Kampagnen gegen ehemalige Nazi-Kader. In den Jahren, die folgten, bauen die Klarsfelds ein Netzwerk von Helfer*innen, Rechercheur*innen und Sympathisant*innen auf, die sie dabei unterstützten, ehemalige Nazi-Täter in Frankreich, Deutschland und Südamerika ausfindig zu machen und nach Deutschland ausliefern zu lassen.
Ihr Engagement brachte sie auch immer wieder in Lebensgefahr. Sie erhielten unzählige Morddrohungen, Briefbomben und 1972 entgingen sie einem Anschlag, als eine Bombe ihr Auto zerfetzte.
Für ihr Lebenswerk erhielten sie im Mai 2015 das Bundesverdienstkreuz. Im Oktober 2015 wurden sie zu UNESCO-Sonderbotschaftern für Bildung über den Holocaust und die Verhinderung von Völkermorden ernannt. 2012 wurde Beate Klarsfeld als Kandidatin der Linken für das Bundespräsidentenamt aufgestellt. 2016 verlieh Israel Beate Klarsfeld in Würdigung ihrer Verdienste die israelische Staatsbürgerschaft.

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Haltet euch fern von den Idioten – haltet die Idioten fern

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Querdenken. Protestbewegung zwischen Demokratieverachtung, Hass und Aufruhr. Herausgegeben von Wolfgang Benz.
Metropol-Verlag. 318 Seiten. 22 €

Im Gefolge der Corona-Pandemie fanden sich unter dem Anspruch „Querdenken“ Menschen zum Protest gegen den demokratisch verfassten Staat und die Mehrheit der Gesellschaft zusammen. Impfgegner, Esoteriker, Lebensreformer rebellieren gemeinsam mit Identitären, Reichsbürgern, Öko-Nazis, mit religiösen Sektierern, Heilpraktikern, Verdrossenen und Aufsässigen, Wirrköpfen und Verschwörungsphantasten. Angefeuert von rechtsextremer Agitation und cleverem Management, radikalisieren sich geängstigte Bürger in einer wenig strukturierten, aber wegen der antidemokratischen Grundstimmung gefährlichen Bewegung. Ursachen, Zusammenhänge und Ziele des „Querdenkens“ werden in den Beiträgen dargestellt und erläutert.

Siehe auch:
Herkunft der Impfgegner und Querdenker. Antimoderner Reflex mit Tradition. Die noch immer als links-alternativ geltenden Lebensreformbewegungen und die neuen „Querdenker“ haben mehr gemeinsam als gemeinhin bekannt.
Von Andreas Speit, in: taz, 27. November 2021

Buch über die Bewegung der Querdenker. Inspiriert von Narren, Identitären, Sektierern. Wut gegen die als unfähig oder diktatorisch empfundene Obrigkeit: Eine Analyse gesellschaftlicher Strömungen, die hinter der Bewegung der Querdenker stehen.
Von Wolfgang Benz, in: Tagesspiegel, 22. November 2021

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Neu in der Weltbühne: Mein heimliches Auge 36

Mein heimliches Auge 36. Das Jahrbuch der Erotik XXXVI, 2021. Herausgegeben von Claudia Gehrke. Konkursbuch Verlag. 352 S. Mit zahlreichen, zumeist farbigen Abbildungen. 16,80 €.
Verlagstext:
Das Jahrbuch der Erotik 2021/2022. Ein opulentes Lese- und Bilderbuch. Wie lieben wir, was empfinden wir als erotisch, was erregt uns, wie geht es dem Sex, der Liebe, den Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und Szenen in dieser Zeit? Solo, in Beziehungen, in heimlichen Affären und Träumen. In diesem Jahr sind viele lustvoll verfasste, fröhliche und sexuelle Beiträge angekommen. Alle möchten, und sei es in der Fantasie, wieder raus. Berührende, kluge, zum Mitdenken, Mitfühlen, Mitzittern anregende Texte und Bilder. Poetisch, humorvoll, heiß und romantisch. „Es tut gut zu sehen, dass die Auseinandersetzung rund um das Thema Sexualität auf solch einem hohen Niveau stattfindet.“ (Sybill Häusermann)
„Ein Fels in der Brandung.“ (Die Zeit)
Trauen wir uns mal einen heimliche Blick hinein:
Hübsch!
Übrigens, falls Sie an älteren Ausgaben (Band 1 bis 35) interessiert sind: in der Weltbühne sind fast alle Jahrgänge vorrätig. In einem der Bände war ich ja auch mal mit einer Abenteuergeschichte drin.
Nochmal ein Blick:
Oho! Aha!

Neu in der Weltbühne

Neu in der Weltbühne: Onur Suzan Nobrega / Matthias Quent / Jonas Zipf (Hg.): Rassismus. Macht. Vergessen. Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors.
Transcript Verlag. 432 S. 19,90 €

Wie weit und umkämpft war dieser Weg? Von der Entpolitisierung des Oktoberfestattentats 1980 über die Verdächtigungen der Opferangehörigen des sogenannten NSU in den 2000ern bis hin zur öffentlichen Wahrnehmung der Familien der Getöteten des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau 2020. Erst jetzt scheint sich eine längst überfällige gesamtgesellschaftliche Debatte in Bewegung zu setzen: über mangelnde Repräsentation, mahnende Erinnerung und sich verändernde Gedenkkultur, über strukturellen Rassismus und Behördenblindheit gegenüber Menschen, die sich längst nicht mehr als Teil einer Gesellschaft fühlen. Die Beitragenden des Bandes setzen sich mit Rassismus, Rechtsextremismus und Erinnerungskultur auseinander und gehen vor allem der Frage nach, wo der Kampf gegen rechten Terror und seinen gesellschaftlichen Nährboden heute steht.

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Neu in der Weltbühne: Über Amerikas Gotteskrieger

Neu in der Weltbühne:
Annika Brockschmidt: Amerikas Gotteskrieger. Wie die Religiöse Rechte die Demokratie gefährdet. 2021. ROWOHLT 416 S. 16 €.

Sie lehnen alles Staatliche ab, propagieren „White-Supremacy“, kämpfen gegen Abtreibung, befürworten erzkonservative Geschlechterrollen und wähnen sich im Krieg gegen satanische Mächte: die Religiöse Rechte in den USA. Seit Jahrzehnten baut diese Bewegung ihre landesweite Infrastruktur aus Organisationen und Medienimperien immer weiter auf, unter der Regierung Trump konnten zahlreiche ihrer Vertreter Posten im Weißen Haus und in den Gerichten besetzen.
Annika Brockschmidt geht der Geschichte der heutigen Religiösen Rechten in den USA von den 1960er Jahren bis heute nach und entfaltet das Spektrum einer vielschichtigen Gruppierung, die mittlerweile über Sieg und Niederlage bei Präsidentschaftswahlen entscheiden kann – und den Ton in einer der beiden großen Parteien des Landes angibt. Sie deckt ihre politische Agenda auf und zeigt, wie Geschichtsrevisionismus, Nationalismus, Autoritarismus, Verschwörungsdenken, Apokalypse-Sehnsucht und Rassismus die Religiöse Rechte von Beginn an geprägt haben. Ihre Vertreter sind heute längst im Zentrum der Macht angekommen. Trumps Niederlage war nicht das Ende der Religiösen Rechten in den USA – genauso wenig, wie seine Präsidentschaft ihr Beginn war.

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Zum selben Thema:
Wer sind die Proud Boys?
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Neu in der Weltbühne: Natascha Strobl über Radikalisierten Konservatismus

Neu in der Weltbühne:
Natascha Strobl: Radikalisierter Konservatismus. Eine Analyse
Suhrkamp Verlag (edition suhrkamp) 2021. 192 S. 16 €
Von der Krise der Sozialdemokratie ist allerorten die Rede. Doch auch viele traditionsreiche Mitte-rechts-Parteien befinden sich im Niedergang oder zumindest in einer Zwickmühle: Sollen sie sich für progressive urbane Milieus öffnen? Oder lieber ihr konservatives Profil schärfen? Während Angela Merkel für das eine Modell steht, repräsentieren Politiker wie Donald Trump oder Sebastian Kurz das andere. Sie sind Vertreter eines radikalisierten Konservatismus.
Natascha Strobl analysiert ihre rhetorischen und politischen Strategien. Sie zeigt, wie sie Ressentiments bedienen, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren, oder eigene Narrative erschaffen, um »Message Control« auszuüben und Kritik als Fake News abzutun. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung suchen sie die Konfrontation. In ihren eigenen Parteien reduzieren sie die Demokratie, setzen auf kleine Beraterzirkel und Personalisierung. Dabei greifen sie, so Strobl, immer wieder auch auf die Methoden rechtsradikaler Bewegungen und Organisationen zurück.
„Es geht dem radikalisierten Konservatismus nicht mehr nur ums Klein-Klein des politischen Tagesgeschäfts, sondern darum, eine grundsätzlich andere Version der Realität zu erschaffen.

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Neu in der Weltbühne: Wer sind die „Proud Boys“?

Neu in der Weltbühne:
Carl Kinsky: Proud Boys. Trumpismus und der Aufstieg ultranationalistischer Bruderschaften
Unrast-Verlag Oktober 2021, Reihe transparent. 88 S. 7,80 €

Während der Präsidentschaft Donald Trumps nahm rechte Straßengewalt in den USA deutlich zu. Dabei stand insbesondere eine Gruppe immer wieder im Rampenlicht der medialen Berichterstattung: die ›Proud Boys‹. Die 2016 von Gavin McInnes, Mitbegründer des Online- und Print-Magazins VICE, ins Leben gerufene ›Proud Boys‹ -Bruderschaft nahm einen rasanten Aufstieg und avancierte von einem Männerstammtisch in New York zu einem bundesweit aufgestellten Netzwerk mit Kontakten ins politische Umfeld von Donald Trump.
Bei der gewalttätigen Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar 2021 spielte sie eine Schlüsselrolle. Wie keine andere Gruppe stehen die ›Proud Boys‹ seitdem für den Erfolg extrem rechter Mobilisierungen und die damit einhergehende Zunahme von rassistischer und antiemanzipatorischer Gewalt im Zuge des Aufstiegs des ›Trumpismus‹. Aber auch außerhalb der USA machen die ›Proud Boys‹ auf sich aufmerksam, im Februar stufte die kanadische Regierung die Bruderschaft offiziell als ›terroristische Vereinigung‹ ein.
Doch welche ideologischen Motive treiben sie an? Wie lässt sich ihre Politik im historischen Kontext der USA verstehen? Inwiefern ist ihre Organisationsform zukunftsweisend für extrem rechte Bewegungen, auch über die USA hinaus? Um diese Fragen zu beantworten, wird die Organisationsgeschichte der ›Proud Boys‹ und die ähnlicher neuer Bruderschaften nachgezeichnet.
Die Analyse legt einen besonderen Fokus auf deren reaktionäre Männlichkeitsideale und behandelt die (vermeintliche) Einbindung von nicht-weißen und nicht-heterosexuellen Menschen innerhalb der extremen Rechten als Stütze der Weißen Vorherrschaft.

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