Archiv der Kategorie: Zeit im Bild
Nicht ieck

Über diese Fotografie ließe sich einiges erzählen, zum Beispiel über die Person links im Bild (wie es im Leben von dem rechts im Bild weiterging, ist mir hingegen vollkommen entgangen), oder über den nicht auf Anhieb erkennbaren Zusammenhang mit Hut-Film oder über die Bedeutung der seltsam klingenden Überschrift.
Heute soll nur festhalten sein, daß dieses Foto auf den Tag genau vor 50 Jahren aufgenommen wurde: am 9. September 1966.
Auwm Schullow.
Fünfzigstel Sekunde.
Gelungener Witz
Epigonen
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Epigonen.

Kaum hat man auf ein Kunst-Phänomen aufmerksam gemacht, greift das auch prompt um sich.
Kann mir das mal einer erklären?
Decollage
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Decollage.

Über Collage muß ich nicht viel sagen. Man fügt scheinbar beziehungslose Bild-, Text, oder Klangelemente zusammen, etwa in der Absicht, Zusammenhänge zu veranschaulichen (z.B. Macht und Dummheit, oder: Lust und Erkenntnis, Illusion und Realität, oder was Ihnen sonst noch so einfällt).
Die umgekehrte Methode wäre also das Decollagieren, das Herausreißen eines Elements aus dem Zusammenhang. Comic-Elemente wurden häufig sowohl in der Pop-Art als auch in der Underground-Presse ihres Zusammenhangs beraubt.
In dem hier vorgeführten Beispiel (aus dem seit 86 Jahren erscheinenden Comic, den Sie bestimmt kennen – von mir durch Umrahmung des Rahmens und Farbgebung creativiert) kann man sehen, daß durch die Methode noch tiefere Einblicke in das Welträtsel sich auftun:
Auf das freundliche Angebot, das aus der Küche herüberklingt, antwortet der kleine Angestellte mit Bescheidenheit und zustimmend, geht aber hoch wie das HB-Männchen.
Was soll man dazu sagen?
Street art
Allgemeine Karikaturenkunde: Schöner wohnen
„Für deine Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung“, sagte meine verehrte Freundin Marita beim Betrachten meiner Karikaturen. „Also, Helmut, für DEINE Art von Humor braucht man eine Gebrauchsanleitung.“
Darum erfolgt in diesem Weblog in zwangloser Serie (heute: Teil soundsoviel) die Handhabbarmachung meiner Witzzeichnungen.
Na ja. Gut. Kann man nichts gegen sagen. Wenn das Unpraktische zum alleinigen Gestaltungsprinzip wird (Telefon auf dem Kleiderschrank, Kleiderschrank vor dem Fenster, Kommode vor der Zimmertür, das verkehrtrume Bild an der Wand), ist das an sich schon lustig. Was aber noch fehlt, ist die eigentliche Pointe:
Die Schuppkarre im Wohnzimmer.
Da können Sie dann richtig drüber lachen.
Segui il tuo corso
Auf dem Kalkweg:
Nach Dortmund
Encore:
So sinnlos diese bildliche Mitteilung auch erscheinen mag, offenbart sich doch ein tieferer Sinn!
Daß der eine von den drei (sic!) Tenören nicht nur den Nutzen, sondern auch die Schönheit einer Heizung zu preisen versteht, müssen wir in diesem Fall nicht beachten. Der andere von den dreien (sic!) bekundet, daß er zu Fuß nach Dortmund gehen möchte.
Aber bestimmt nicht irgendwann und einfach nur so, sondern an mindestens einem der drei Tage vom 1. bis zum 3. Juli 2016, wenn in Dortmund, Revierpark Wischlingen, das UZ-Pressefest der DKP stattfindet.
Man gerät nicht in die Verlegenheit, den Weg dorthin zu Fuß zurücklegen zu müssen. Man kann sich den Öffentlichen Personen-Nahverkehr zunutze machen. S-Bahn-Station Wischlingen.
Nachtrag, wie versprochen. Auflösung, wie erhofft.
Schon am Ersten dieses Monats hätte ich Anlaß gehabt, an eines meiner 1.-Juni-Jubiläen zu erinnern: Vor 40 Jahren (1. Juni 1976) nach Neudorf gezogen (da wollte ich immer hin).
Noch ein 2016-Jahrestag: Seit 30 Jahren Mitglied der DKP (denn Deutschland hat Strafe verdient).
Übernächstes Jahr (2018) ist dann 50 Jahre DER METZGER. Und somit auch: 50 Jahre Situationspresse mit allen Verzweigungen.
Dazwischen, 2017, ist „30 Jahre Eschhaus zu“. Darauf werde ich auch nochmal zurückkommen. Und somit auch: 30 Jahre unter dem Namen „Weltbühne“ auf der Gneisenaustraße.
Erinnern Sie sich an das Jubiläums-Notat vom 1. Mai 2014: 50 Jahre Kunst und Politik. Meine künstlerische Tätigkeit begann am 1. Mai 1964 mit Musik. Dann, knapp zehn Jahre später, ereignete sich wieder eine aktive Musik-Periode.
Ich schrieb: „Darum wollte ich eigentlich an dieser Stelle das einzige vollständige Gruppenfoto der Bröselmaschine hier hineinstellen. Aber zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß ich das Foto verkramt habe.“ Ich versprach: „Wenn ich es wiederfinde, zeige ich es.“ Ersatzweise durften Sie schwarz sehen:

Jetzt habe ich das Foto wiedergefunden (und zwar genau da, wo es hingehört und wo ich doch gleich hätte nachsehen können), womit sich auch das Bilder-Rätsel von gestern auflöst:

Die Original-Besetzung kurz vor der Auflösung, Herbst 1972.
Obere Reihe v.l.n.r: Lutz Ringer, dito, Michael (damals: Mike) Hellbach, dito, Michael Schmidt, dito, Peter Bursch, dito. Untere Reihe: Jenny Schücker, dito, und Helmut Loeven, also ich, dito.
Eine Doppelbelichtung von Eckhard Graefen, Knubbel Afa.
Grund zur Freude
Ready-Made
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Ready-Made

Ein „Ready-Made“ ist ein Kunstwerk, das der Künstler gar nicht schaffen muß, weil es schon fertig ist. (Anderes Wort: Objet touvé).
Beim Vorhaben, einen als Datei gespeicherten Text mittels Laserdrucker auf Papier sichtbar zu machen, kam DAS.
Wieso? Keine Ahnung.
Alle Versuche, einen solchen Zeichen-Salat ABSICHTLICH zustande zu bringen, brachten nichts.
Kann man / darf man an einem Ready-Made noch herumbasteln? Zum Beispiel: Färben:
Oder es negativieren und horizontal spiegeln?
Man könnte dieses elaborierte Werk der europäischen Kunst auch als Demonstrationsstück des Lettrismus vorzeigen, bei dem der Buchstabe seine hauptsächliche Funktion, als Laut-Zeichen mit seinesgleichen zu Silben, Wörtern, Begriffen, Sätzen, Absätzen, Texten, verbalen Mitteilungen zusammengefügt zu werden, verliert und eine Funktion einnimmt, von der wir bisher nichts geahnt hatten Ausrufezeichen!
Jedenfalls ist mir abermals der Coup gelungen Komma, die Grenze zwischen der Literatur zur Bildenden Kunst zu überwinden.
In the morning, when we rise
Ursprünglich vorgesehen für:
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Pop-Art.
Der große Vorsitzende und Steuerberater Mao Tse-tung bei der Besichtigung der Johannisbeer-Ernte.
Das Zentralkomitee beschloß daraufhin nach eingehender Diskussion einstimmig die Erhöhung der Rote-Grütze-Zuteilung (eine siegreiche Himbeerernte vorausgesetzt).
Allgemeine Karikaturenkunde

Der Signatur ist zu entnehmen, daß diese Zeichnung der frühen Periode meines Schaffens als Karikaturenzeichner zuzuordnen ist, nämlich (gerade noch) den 70er Jahren.
Man kann also leicht drauf kommen, daß hier eine polemische Abrechnung mit dem „positiven Denken“ stattfindet.
Immer wieder hat man den Klügeren im Lande, nämlich uns Intellellen, vorgeworfen, wir würden alles ins Negative ziehen (Kritisches Denken). Es bildete sich eine Gegenbewegung: alles ins Positive ziehen: Warum Probleme lösen, wenn man sie ignorieren kann? Warum etwas verbessern, wenn man alles schönreden kann? Mit einem Wort: „Positives Denken“.
Dem im Bild dargestellten hemdsärmligen (wenn auch cravattierten) Vertreter positiver Ignoranz ist die latente Aggressivität dieser Ideologie ins Gesicht geschrieben. Und es wird auch deutlich: die unsinnige Botschaft ist für die Mitmenschen nicht nur unverständlich. Sie ist ihnen auch nicht dienlich.
Lettrismus
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): Lettrismus
In der Lettristischen Internationale (Vorläufer der Situationistischen I.) beschäftigte man sich mit dem Thema, daß die Lautzeichen, aus denen Wörter und Begriffe kombiniert werden, diese Funktion verlieren. Die aus Zeichen kombinierten Begriffe müssen decodiert werden.
Das kann man anhand dieses Bildes veranschaulichen.
Was soll mit der Wandparole „Märklin“ mitgeteilt werden?
Nicht das, was sie früher mal bedeutet haben mag.
Wer an der Wand „Märklin“ liest, erfährt auf diese Weise, daß es in diesen Geschäftsräumen kein Märklin gibt!
L‘art pour l‘art
Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): L‘art pour l‘art

Die Formel „l‘art pour l‘art“ brachte einst (60er Jahre, 70er Jahre) die Leute zur Weißglut, die eine politische, eine engagierte, eine eingreifende Kunst forderten. Sie hielten diesen Slogan für eine Absage an diesen Anspruch, für den Slogan einer „reinen“, „unpolitischen“ Kunst.
Dies aber war und ist ein Mißverständnis. In dieser Formel ist nämlich vielmehr die Autonomie, die Unabhängigkeit der Kunst proklamiert.
Seit dem Mittelalter war die (bildende) Kunst als Handwerk stringenten Zunftregeln unterworfen. Später wurde sie akademisch gelehrt. Im Zuge der Bürgerlichen Revolution strebte die Kunst nach Unabhängigkeit von feudalen und klerikalen Auftraggebern, nach Selbstbestimmung. Das kommt in dem Slogan zum Ausdruck. Für die Kunst sollen die Maßstäbe von den Künstlern festgelegt werden.
Das oben gezeigte Bild (eine Collage aus dem Jahre 1995, erstmals zu sehen als Illustration in DER METZGER Nr. 48), aus diesem Umfeld decollagiert, Laserdruck im Din A-4 Format, gestempelt, in Klarsichtfolie, ist ein Paradebeispiel für diese fortschrittliche und emanzipatorische Kunst-Produktion. Es wird (in geringer Stückzahl) auf dem Stand der Buchhandlung Weltbühne beim diesjährigen Ruhrorter Kunstmarkt (Sonntag, 5. Juni) angeboten und bei Verkauf von mir signiert (aber nicht nummeriert).
Die Käufer sollen sich überlegen, was sie damit machen: Aus der Klarsichtfolie rausnehmen oder drinlassen, einrahmen (lassen), zu Hause oder sonstwo aufhängen (tunlichst an Orten, wo diese Mitteilung Irritation, Rätselraten, Volkszorn, Trost, (Un-)Gewißheit auslösen könnte).
Mit dem Zitat unten sind die Leute, die vom Kunstwerk ein politisches Bekenntnis fordern, ruhiggstellt.
Das Werk wird für mindestens1 Euro erhältlich sein. Mit diesem für den Käufer zumutbaren, für den Künstler immer noch einträglichen Tarif wird die Kontinuität progressiver Kunst-Produktion in unserem Hause gefördert und gesichert. Darum darf der Käufer (resp. Die Käuferin) auch den Preis erhöhen.
P.S.: Als kommunistischer Künstler möchte ich mal anmerken, daß die Kunst ihren Autonomieanspruch auch gegenüber den Linken aufrechterhalten sollte, bei denen es so eine Mentalität gibt, die Künstler am liebsten zu Pausenclowns zu degradieren.
Genau!
Albrecht Dürer: Der Sündenfall (1504)

Albrecht Dürer: Der Sündenfall. Kupferstich von 1504.
Auf den ersten Blick:
In den scholastischen Streit, ob Adam einen Bauchnabel hatte oder nicht, hat Albrecht Dürer Partei ergriffen.
(Die einen sagten: Adam hatte keinen Bauchnabel, weil er nicht geboren, folglich auch nicht abgenabelt wurde. Wer behauptet, Gott hätte etwas Sinnloses erschaffen, ist ein Ketzer. Die anderen sagten: Ein Mann ohne Bauchnabel ist unvollkommen. Wer behauptet, die Schöpfung Gottes sei unvollkommen, ist ein Ketzer. Ob ein scholastischer Streit darüber gefochten wurde, ob Eva einen Bauchnabel hatte, weiß ich nicht. Die war ja immerhin auch nicht geboten worden, sondern aus einer Rippe geformt, worauf man bei Betrachtung der weiblichen Anatomie nie käme).
Immerhin: Es scheint nach Dürers Auffassung im Paradies schon einen Rasierpinsel gegeben zu haben.
Auf dem Bild ist der Moment abgebildet, in dem Eva dem Adam eine Frucht überreicht. Der Betrachter sieht etwas, was weder Adam noch Eva gesehen haben kann, nämlich, daß die Schlange (Gestalt des Teufels) an dem Vorgehen beteiligt war, und man könnte meinen, daß die Schlange die Frucht am liebsten selber an sich genommen hätte. Noch hat Adam die Frucht nicht übernommen, noch muß die Maus sich vor der Katze nicht fürchten.
Adam und Eva sind mit Blättern bekleidet. Daß sie ihre Blöße bedeckten war allerdings Folge des Sündenfalls, der hier noch gar nicht beendet ist. Bei genauem Hinsehen merkt man, daß Dürer einen Trick anwandte: Die Blätter befinden sich noch an den Gewächsen und ragen dort hin, wo sie anschließend getragen werden sollten.
Dürer hat, als Vertreter einer fortschrittlichen Kunst, als Avantgardist in einer in Bewegung geratenen Zeit, auf diesem Bild ein GESCHEHEN dargestellt: Anfang und Ende, Ursache und Wirkung, Sichtbares und Verborgenes, in EINEM Bild. Es ist – salopp gesagt – ein Comic-Strip, der nur aus einem Bild besteht.









