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Dieter Süverkrüp
Vor ein paar Monaten (anläßlich des 90. Geburtstages) schrieb die Junge Welt in einem Vergleich mit dem – oft in ein- und demselben Satz genannten Franz Joseh Degenhardt: Degenhardt sei ein Lyriker gewesen, der zum Liedermacher wurde. Süverkrüp sei von der Musik ausgehend zum Text gekommen.
In der Tat: Unter den „Liedermachern“ war er der „musikalischste“. Am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn stand die Jazzband Feetwarmers (zusammen u.a, mit Klaus Doldinger). Jazz in Deutschland von Deutschen gespielt in den 50er Jahren! Das war ja – wie kultureller Landesverrat!
Die Auseinandersetzung um die Remilitarisierung forderte ihn heraus, sich politisch zu positionieren.
Er hatte nicht die Poesie eines Degenhardt oder Wader, nicht die Beobachtungsgabe eines Hüsch. Sein Markenzeichen war der ironische Sprachwitz und der beißende Spott – und seine Vortragskunst. Er konnte die Stimme wie ein Instrument einsetzen – und sein virtuoses Gitarrenspiel.
Und seine Vielseitigkeit: mit Sprache und Musik – und als bildender Künstler. Er schrieb und sang auch Kinderlieder. Seine Bühne warenm oft Demonstrationen und Kundgebungen, zum Beispiel beim Ostermarsch, der damals noch eine Aufbruch-Bewegung war.
Zusammen mit Gerd Semmer, Arno Klönne und Frank Werkmeister gründete Dieter Süverkrüp den Pläne-Verlag, ursprünglich ein Verlag für Liederbücher und Liederhefte. Später erschienen dort die Schallplatten, so auch Süverkrüps eigene Lieder, ebenso die Lieder der 48er-Revolution. Süverkrüp macht Erich Mühsam wieder bekannt, er sang und spielte auch die von Gerd Semmer übersetzten Lieder der Französischen Revolution.
Dieses kulturelle Erbe zu bewahren und überhaupt erst wiederzuentdecken ist von großem Wert – so wie Geschichtslosigkeit eine große Last wäre. Kampf für den Fortschritt muß immer auch ein Kampf sein gegen kollektive Gedächtnisschwäche.
Die schönsten Europäischen Einfahrten (37)
Helft Kuba!

Ich gebe nicht auf, für die Internationale Solidarität zu werben.
In Zeiten, in denen die Weltpolitik in Turbulenzen gerät (was folgerichtig ist und absehbar war), sollte man der Solidarität mit Kuba einen neuen Anschub geben.
Auch im Wirtschaftskrieg gegen die Menschenwürde den Kriegsdienst verweigern!
Ein Hinweis:
In der Buchhandlung Weltbühne steht eine Sammeldose für Kuba auf dem Ladentisch.
Noch ein Hinweis:
In Kooperation mit der DFG-VK (Gruppe Duisburg) bietet die Buchhandlung Weltbühne Kaffee aus Kuba an – auch per Post erhältlich.
Good old everlasting Sternbuschweg. März 2025.

Manche Dinge sieht man schon von Weitem. Man geht auf sie zu und ist nicht unzufrieden über das, was ever lastet.

Sinnbild dafür: Das Gebäude, dem man sich nähert, wenn man den sxchönen Sternbuschweg in südnördlicher Richtung entlanggeht.
Es wurde genbaut, weil es da hinmußte, um die Menschheit nicht vergessen zu lassen, daß auch der Sternbuschweg einmal endet …
Dieses Backsteinrot! Da hat man sich doch was bei gedacht!
Ob das Gebäude auch bewohnt ist, habe ich noch nicht in Erfahrung gebracht.
März 1945
Informel des Monats
Peggy Parnass 1927 – 2025
Noch gestern – zufällig – hatte ich ein altes Konkret-Heft aus den frühen 70er Jahren in der Hand. Darin eine Gerichts-Reportage über eine Frau, die ihr neugeborenes Kind getötet hatte. Die Gerichtsreporterin Peggy Parnass veruteilte diese Frau nicht, sondern fragte: was müssen das für Lebensumstände, was muß das für ein tragischer Lebenslauf sein, der einen Menschen so tief in den Abgrund stößt!
Noch vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Freundin über Peggy Parnass, an die wir uns gut erinnerten und von der wir so lange nichts gehört hatten.
Peggy Parnass – der Name sagte vielen etwas, die nach und nach, vielleicht auch gar nicht von ihrem ungewöhnlichen Lebenslauf erfuhren.
Sie war jüdischer Herkunft. Ihre Eltern wurden 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Sie selbst entkam als Kind dem Mörder-Regime nach England, lebte später in Schweden, dann wieder in Deutschland, in ihrer Geburtsstadt Hamburg, arbeitete als Sprachlehrerin, Dolmetscherin und schließlich als Schauspielerin. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gehörte sie auch mit Peter Rühmkorf und Klaus Rainer Röhl zum Studentenkabarett „Die Pestbeule“, aus dem 1955 die Zeitschrift Konkret hervorging.
Als Schauspielerin hatte sie kleinere Rollen in Episoden der Krimi-Serie „Stahlnetz“.
Zum ersten Mal sah ich sie in einer Sendung der Serie „Das Fernsehgericht tagt“. Es handelte sich um improvisierte Gerichtsverhandlungen. Richter und Anwälte waren Juristen, Zeugen und Angeklagte wurden von Schauspielern dargestellt. Peggy Parnass spielte die Nebenklägerin in einem Prozess gegen ein älteres Ehepaar, von dem sie beleidigt und verleumdet worden war. Wie alt war ich damals? Wohl 15 oder 16 Jahre alt. Das Thema: als „Außenseiter“ der Niedertracht der bigotten Spießer ausgesetzt zu sein, interessierte mich lebhaft.
Als der Staatsanwalt eine Haftstrafe forderte, intervenierte die „Nebenklägerin“ und appellierte an das Gericht: „Bitte keine Gefängnisstrafe.“
Die meisten der Beiträge, die Peggy Parnass über Jahre für Konkret schrieb, waren Gerichtsreportagen, über spektakuläre, ebenso über „alltägliche“ Fälle. Artikel von ihr erschienen in Sammelbänden im Konkret-Literaturverlag.
Ich sah Paggy Parnass in einer Fernseh-Diskussion, gemeinsam mit dem – ich darf sagen: legendären – Gerichtsreporter des Spiegel Gerhard Mauz. Sie hatte nicht das selbe juristische Fachwissen wie er. Aber den hohen Respekt vor seiner Kollegin merkte man ihm an.
Was Peggy Parnass über Prozesse in deutschen Gerichtssälen schrieb, waren Plädoyers für die Menschlichkeit.
Hoch-Zeit in Hoch-Feld

Das Festival-Büro hat uns eingeladen, einen Programm-Beitrag für die 46. Duisburger Akzente beizusteuern.
Und WIR laden EUCH ein:
Donnerstag, 27. März 2025, 19 Uhr im SYNTOPIA in Duisburg-Hochfeld
(Hohe Zeit im Hohen Feld, Gerokstraße Ecke Eigenstraße, Bus-/Straßenbahnhaltestelle Pauluskirche).
Eintritt-frei-ein-Hut-geht-rum.
Glücklich ist, wer’s nicht vergisst.
Friedensbewegung unter Einfluss
Der Ostermarsch rückt näher, neue Raketenstationierungen und der allgegenwärtige Ruf nach „Kriegstüchtigkeit“ machen ihn umso dringlicher, aber die Friedensbewegung ist gespalten und geschwächt.
Anlass genug, sich mit diesem Thema näher zu befassen und mit dem Referenten darüber zu diskutieren.
Die Friedensbewegung war ja nie eine einheitliche Gruppe, sondern eher ein Netzwerk unterschiedlicher Strömungen.
Was hat sich verändert? Wie ist es rechten und verschwörungsideologischen Akteur*innen gelungen, gezielt Einfluss auf das Netzwerk zu nehmen?
Welche Akteur*innen versuchen, ihre nationalistischen Ideologien zu verbreiten und welche „Querfronten für den Frieden“ gibt es?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Studie „Versuche rechter und verschwörungsideologischer Einflussnahme auf die Friedensbewegung“ von Lucius Teidelbaum*, der als freier Journalist, Publizist und Rechercheur zum Thema extreme Rechte arbeitet.
Es stellt sich die Frage: Wie sollen antifaschistisch eingestellte Friedensaktivist*innen handeln, welche Einfallstore für rechte Akteur*innen gibt es und wie ist eine klare Abgrenzung möglich?
Darüber wollen wir mit allen Interessierten diskutieren
Hrsg. von Attac Deutschland, DFG/VK, VVN/BdA und Bertha- von-Suttner-Stiftung
Das ist doch ein Dingen! Oder ist das kein Dingen?
Da wächst ja mal was zusammen:

Die (selbstverständlich eine einzige) trotzkistische Partei Deutschlands (und hinter ihr die gesamte Vierte-Internationale – sofern sie davon weiß) ruft auf zur Wahl der stalintreuen MLPD.

Nach Zeiten, in denen jemand schon dadurch schwerste Schuld auf sich geladen hatte, daß er von irgendjemand ihn verdächtigt wurde (und sei es zu Unrecht), Trotzkist zu sein, darf ein Trotzkist auf der offenen (internationalen – nein: „internationalistischen“) Liste der MLPD eine echte Alternative für die Arbeiter bieten.
Wenn das die Arbeiters gewußt hätten!
Das bestärkt mich in meiner These: Ich halte grundsätzlich alles für möglich.
Jetzt fehlt nur noch, daß die beiden Parteien sich vereinigen, wie einst KPD/ML und GIM.
Wenn zwei linke Parteien sich zu einer vereinigen, wie viel hat man dann? Drei.
Zeitung lesen am Internationalen Frauentag
Am „Weltfrauentag“ (wie er genannt wird von Leuten, die von seiner Herkunft nichts wissen wollen) wird der Frage erörtert „Was muss passieren, dass Frauen Karriere machen können“.
Bloß ein Irrtum? Oder ein absichtliches Täuschungsmanöver? Wer EMANZIPATION kennt, erkennt auch die Bedeutungslosigkeit von KARRIEREN.
Erst ein paar Seiten weiter, im Lokalteil nämlich, ist zu lesen: „Frauenhäuser dramatisch überlastet. Die Einrichtungen müssen Hunderten Gewaltopfern absagen“.
Was sind das für Zustände!
Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind – oft unter Lebensgefahr – stehen monatelang auf einer Warteliste!
Man stelle sich vor: Das Haus brennt, man ruft die Feuerwehr – und bekommt die Antwort: In drei bis vier Wochen kommen wir mal gucken.
Auf der Kommentarseite der WAZ von heute kritisiert Peter Schink das „Schneckentempo“ bei der Gleichberechtigung: „Gleichberechtigung braucht emanzipierte Männer.“
Ja!
Emanzipierte Männer erkennt man daran, dass sie emanzipierte Frauen wünschen.
Wie heißt der Tag?
Original und Fälschung.
Achtet mal drauf:
Wer den 8. März „Weltfrauentag“ nennt, hat keine Ahnung.
Es muss heißen:
INTERNATIONALER FRAUENTAG.
Lebenslauf in unseren Reihen
„Eigentlich wollte Tilman Fichter noch seine Autobiografie schreiben. „Widerständig“ sollte sie heißen.“
In der taz (6.3.2025) erinnerte Ute Scheub an Tilman Fichter.
Wie? Diesmal keine gefälschte Bundesliga?
Jetzt sagen Sie nicht, dass Sie diesen Quatsch vermissen !
Demnächst in der Weltbühne: Über den Postliberalen Kapitalismus

Ingar Solty: Der postliberale Kapitalismus. Renationalisierung – Krise – Krieg.
PapyRossa Verlag, ca. 300 Seiten. 22,90 €
Erscheinungstermin: April 2025. Um Vorbestellung wird gebeten.
Der globale Kapitalismus befindet sich in der Dauerkrise. Globale Finanzkrise, Eurokrise, »Flüchtlingskrise«, Coronaktise krise, Krise im Ergebnis der neuen Kriege von der Ukraine bis Nahost: Kaum scheint ein Krisenherd unter Kontrolle, schlägt die Dauerkrise aus einer unerwarteten Richtung zurück. Durch die Krisen verändert sich jedoch, wie schon immer in der Geschichte, auch der Kapitalismus selbst: Neoliberale Weltordnung und unangefochtene US-Hegemonie waren einmal. In den Konflikten um Aufstieg und Abstieg von Großmächten wird der Kapitalismus postliberal: Entdemokratisierung, Autoritarismus, (Wirtschafts-)Nationalismus, Militarismus, Imperialismus und (Wirtschafts-)Krieg sind die neue Normalität. Am Horizont zeichnen sich die Konturen eines neuen Kalten Kriegs mit Aussicht auf heiße Stellvertreterkriege und Eskalation ab. Aber können die großen Menschheitsfragen wie Frieden, Sicherheit, soziale Ungleichheit, sozialer Zusammenhalt, Demokratie, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Artensterben warten? Ingar Solty zeigt Ursachen und Hintergründe der Krise auf – und Alternativen für eine bessere Zukunft für alle.
Ingar Solty ist Autor und wissenschaftlicher Referent für Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik am Zentrum für Gesellschaftsanalyse und politische Bildung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Beiträge u.a. für der Freitag, Berliner Zeitung, taz, Deutschlandfunk und ARD-Sender.
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Der Kessel des Monats

Bild aus dem Jahr 1505. Unbekannter Künstler.
Eine ungewöhnliche Darstellung.
Kein erhöhendes und überhöhendes Porträt, keine erhabene Helden- oder Bibelgestalt in statischer Pose.
Alltag als Thema, Arbeit als Thema.
Ausschnitt aus einem Vorgang, anders als es eine Sekunde vorher ausgesehen hat, anders als es eine Sekunde später aussehen würde.
Therese Giehse
Auf dem Bild zu sehen ist die Schauspielerin Therese Giehse (1898-1975) 1919, im Alter von 21 Jahren. Heute ist ihr 50. Todestag.
Therese Giehse gründete 1933 gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Erika Mann und mit Klaus Mann imd Magnus Henning das Kabarett Die Pfeffermühle. Das Kabarett mußte wenige Tage nach seiner Gründung ins Exil gehen, zuerst in die Schweiz. Therese Giehse war als Jüdin, als links orientiert und weil sie aus ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung nie ein Hehl machte, in Deutschland in großer Gefahr.
Auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses war sie mit dem Werk von Bertolt Brecht und Friedrich Dürrenmatt besonders verbunden:
Sie war für Brecht die erste Mutter Courage (1941) und die erste Schmuggler-Emma in „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ (1948).
Sie war für Dürrenmatt die erste Claire Zachanassian in „Besuch der alten Dame“ (1956) und die erste Dr. med. Mathilde von Zahnd in „Die Pysiker“ (1962).
Dürrenmatt widmete ihr das Stück. Klaus Mann widmete ihr seinen Roman „Mephisto“.
Sie war von 1949 bis 1952 Mitglied des Berliner Ensembles.
Wenn wir etwas Besseres vorhaben als dem Absinken in die Barbarei zuzusehen, müssen wichtige Namen in Erinnerung bleiben!

























