Elefantös!

SimbaDaß die Fortsetzung folgt, versprach ich am 5. September.
Denn kurz zuvor, am Samstag, 1. August 2015, bin ich in den Zoo gegangen (zum ersten Mal wieder seit über 15 Jahren). Mit der Reportage habe ich erstmal gewartet, denn ich kann mir vorstellen, daß Ihnen jetzt im Februar ein sommerlicher Bericht gefällt.
zoo15-25Vom Zoo wohne ich nur ein paar Minuten entfernt.
Vor ein paar Jahren entnahm ich dem Aushang, daß eine gewöhnliche Eintrittskarte 10 Euro kostete. Rentner bezahlten zwei Euro weniger. Na gut, dachte ich: Sobald ich im Besitz eines Rentnerausweises bin, gehe ich in den Zoo, um zwei Euro zu sparen.
Jetzt habe ich 14 statt 16 Euro bezahlt. Hab ich jetzt überhaupt etwas gespart?

zoo15-01zoo15-02zoo15-03In den 15 Jahren meiner Zoo-Besuch-Abstinenz hat sich dieser Zoo sehr verändert. Das „Affenhaus“, das 1962 gebaute „Äquatorium“ galt damals als das größte und modernste Gehege für Affen und andere Bewohner der Äquatorregion, mit ungewöhnlich weitläufigen Außengehegen (siehe unten). Doch es ist schon geplant, es durch ein neueres zu ersetzen.

zoo15-04zoo15-05Über die Bedrohung der Tierwelt wird im Zoo heute mehr denn je informiert.

zoo15-06Einst ein Relikt des Kolonialismus, in dem Tiere wie Beutestücke vorgeführt wurden, hat der moderne Zoo seinen Charakter geändert.

zoo15-07Der Chinesische Garten, 1988 zur Feier der Städtepartnerschaft mit Wuhan von chinesischen Facharbeitern mit aus China mitgebrachten Materialien angelegt.

zoo15-08zoo15-09Die Gehege sind beträchtlich vergrößert worden, so daß für viele Tierarten kein Platz mehr ist: Keine Eisbären, keine Wildschweine, Keine Krokodile, keine Dachse, keine Waschbären, keine Leoparden mehr zu sehen.
Wenn man genau hinschaut, ist da hinten irgendwo ein Bär zu sehen. Wenn man noch genauer hinschaut, sieht man einen zweiten.

zoo15-10Nasenbär!

zoo15-11Erdmännchen muß ein Zoo heutzutage schon bringen – und entsprechend Erde bereitstellen.

zoo15-12Zebramanguste.

zoo15-13zoo15-14zoo15-15Auf Abstand gehalten. Auch Zebras sehen Menschen am liebsten von weitem.

zoo15-16Am Rand des Zoogeländes ein Kinderspielplatz.
Links im Bild: „alko“ deutet auf „Sinalco“ hin.
Ob mit dem Markennamen „Sinalco“ ausgedrückt werden sollte, daß es sich um ein Getränk ohne Alkohol handelt? Oder ist dem Erfinder des Namens ein altphilologischer Geniestreich ganz unbewußt gelungen?

zoo15-17Robben leisten in jedem Zoo ihren Beitrag zur atonalen Musikunterhaltung.

zoo15-18zoo15-19zoo15-20Tapir. 2001 Weltraum-Odyssee, Sie erinnern sich. Rechts hinten: Kamel.

zoo15-21In der Eifel gefundene verwaiste Wildkatzenkinder begründeten die Wildkatzenzucht in Duisburger Zoo. Durch die guten Zuchterfolge konnten viele Wildkatzen ausgewildert werden in Gebieten, in denen sie fast ausgestorben waren.
In dem neuen vergrößerten Gehege können sie sich wie gewohnt von Menschen fernhalten.

zoo15-22Simba (siehe erstes Bild) hat nur noch eine Gefährtin? Und die tut auch am liebsten nichts.

zoo15-23Typisch Katze! Die hat doch bestimmt schon tausende Menschen gesehen, aber guckt mich an, als wäre ich der erste.

zoo15-24Elefantös!

Verboten W

VerbotReparatur1Ist ein Fahrzeug kaputt, muß es auch kaputt bleiben, entschied der Oberstadtdirektor.
Gilt das immer noch, nachdem vor etwa 20 Jahren nach der neuen Kommunalverfassung in Nordrhein-Westfalen das Amt des Ober-Gestatt-Direktors abgeschafft wurde?
VerbotReparatur2Wenn man das Schild vollständig zitiert, geht der Witz ein bißchen flöten.

VerbotenW2..

Das sagt alles

VerbotenWenn das mittels Verbot Verbotene nicht mehr in der Mitteilung erkennbar ist (sich ent-konkretisiert), dann wird das Verbot abstrakt (ein abstrakter Universalautomatismus) ad infinitum. Vulgo: Dann ist alles verboten. Oder anders gesagt: Wenn das Verbotsschild nur noch halb ist, ist das Verbot total. Die Welt ist erst dann völlig in Ordnung, wenn es gar nichts mehr gibt.
Da soll mal einer sagen, die Nation findet nicht mehr zu sich selbst!

Ein Mitmensch hat ja dann auch folgerichtig mit Kreide druntergeschrieben: Alles.

Wie ist das eigentlich rechtlich?
Fast alle, die ihre Gartenzäune mit Verbotshinweisen komplettieren, sind weder Gesetzgeber, noch Polizei, noch (Bevollmächtigte einer) Ordnungsbehörde. Kann eigentlich jeder Hinz und Kunz, jeder Privatspießer etwas verbieten? Oder kann der sich nur etwas verbitten?
Fahrräder abstellen verbeten – not forbidden, pas interdit, sondern non grata.
Man könnte doch so ein Schild aufstellen: „Daß hier immer Fahrräder abgestellt werden, finde ich nicht gut“.

Wer (wahlweise) entweder für die DFG-VK Duisburg oder für Kuba einen Euro (oder mehr) spendet, dem zeige ich die Mauer in Neudorf mit diesem Verbotsschild und zeige mit dem Finger drauf – beziehungsweise auf die Stelle, wo es hing, falls es inzwischen ganz kaputtgegangen ist.

VerbotenW1..

Neu in der Weltbühne: Der deutsche Nachkrieg in 16 Episoden

Zu den erfreulichsten Neuerscheinungen gehören oft die Neu-Ausgaben, Bücher also, die es längst nicht mehr gibt und die wieder aufgelegt wurden, wie dieses:
KoehlerSieBliebenOtto Köhler: Hitler ging – sie blieben: Der deutsche Nachkrieg in 16 Exempeln
Edition Berolina. 192 S. 9,99 Euro.
Klappentext:
„Otto Köhler skizziert 16 schaurige biographische Porträts zum Thema NS-Kontinuität in der BRD. Seine hier versammelten Schriften zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Bundesrepublik hat sich als Rechtsnachfolgerin des NS-Staates nie eindeutig mit dem faschistischen Erbe auseinandergesetzt oder sich ideell wie personell distanziert. Nach wie vor ungeheuerliche Lektüre zu einem immer noch aktuellen Problem.“
Wer die im Konkret-Literaturverlag 1996 erschienene Erstausgabe verpaßt hat – und auch übersehen hat, daß diese – gut bevorratet – immer noch im Regal der Buchhandlung Weltbühne steht, dem empfehle ich, zuzugreifen. Denn die Erfahrung lehrt uns, daß Bücher schnell wieder aus den Angeboten verschwinden und immer kürzere Lebensdauer haben.
Bestellen Sie bitte dieses Buch (und überhaupt: alle Bücher) in der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand). Weltbühne muß bleiben.

ognoaRstemn cselngsehos?

Rosenmontag2016Eigentlich soll hier ja nur den Kundinnen und Kunden mitgeteilt werden, daß die so gern von ihnen aufgesuchte Buchhandlung am „Rosenmontag“ (wie jedes Jahr aus nämlichem Anlaß) geschlossen ist.
Damit verbinden sich allerdings Überlegungen.
In frühen Zeiten, die ich noch erlebt habe, war in dieser Region die Sache völlig klar: Rosenmontag ruht jedes geschäftliche Tun. Da geht nichts. Also: Alle Geschäfte, Behörden, Ämter, Verwaltungen, Supermärkte, Werkstätten und Werkshallen außer Betrieb.
Mir war der Rosenmontag immer sehr sympathisch. Ich freute mich auf diesen Tag. Er verlängerte das Wochenende! Jeglicher karnevalistischen Anwandlung abgeneigt pflegte ich diesen Tag in kontemplativer Zurückgezogenheit zu begehen. Aber als aufmerksamer Leser wissen Sie das ja längst. (Sie ahnen, was das Foto am Ende dieses Notats an dieser Stelle bedeutet).
Jedoch:
Mit der allgemeinen Individualisierung (oder soll ich besser sagen: Atomisierung? Dummböse Menschen würden sagen: Achtundsechzigerisierung) ist das Dogma, daß an R.-Montag alle Geschäfte, Behörden, Ämter, Verwaltungen, Supermärkte, Werkstätten und Werkshallen außer Betrieb geraten, etwas ins Wackeln geraten. Und in diesem Jahr war es soweit: In Duissern warb ein Supermarkt mit dem Aushang: „Rosenmontag ganztägig geöffnet“.
Wo führt das hin? Steht uns die Schleswigholsteinisierung des Rheinlandes bevor? Werde ich durch den Wirkungsverlust des Karnevals aus meiner Kontemplation gerissen?
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
ChristinaLHOOQ-2..

Up Against …

Paul Kantner 2006

Paul Kantner 2006


In order to survive we steal cheat lie forge fred hide and deal
We are obscene lawless hideous dangerous dirty violent and young …
Come on all you people standing around
Our life’s too fine to let it die …
All your private property is
Target for your enemy
And your enemy is
We
We are forces of chaos and anarchy
Everything they say we are we are
And we are very
Proud of ourselves …
(Paul Kantner 1969 – Jefferson Airplane „Volunteers“).

Jefferson_Airplane-1966Anders als immer wieder behauptet (und vor ein paar Tagen in einer Zeitung zu lesen) war Grace Slick NICHT Mitbegründerin der 1964 gegründeten Band JEFFERSON AIRPLANE. Ihre Vorgängerin war Signe Toly Anderson (bis 1966). Auf dem Debüt-Album „Takes off“ ist sie zu hören.
Auf dem Foto von 1966: Jorma Kaukonen, Paul Kantner, Jack Casady, Marty Balin, Signe Toly Anderson, Spencer Dryden.
Heute las ich: Signe Toly Anderson starb am 28. Januar, am selben Tag wie Paul Kantner.

Fotos: Wikimedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kantner#/media/File:PaulKantnerPerforming.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1966_Early_Jefferson_Airplane.JPG

Einladung zur Subskription: Neu in der Situationspresse

Morgen soll es in Druck gehen, und in diesem Monat soll es erscheinen: Das neue Buch in der Situationspresse:
Lothar Röse: Prisoner of War Post. Helmuts Briefe aus der Kriegsgefangenschaft 1947/48.
100 S. ISBN 978-3-935673-39-6. 10 Euro.
LRPOWPostCoverDer Briefeschreiber war nach der Lehre als einfacher Wehrmachtssoldat in den Zweiten Weltkrieg und von 1944 bis 1948 in englische Kriegsgefangenschaft. Dort hatte er dann Zeit zum Nachdenken und machte sich auch durchaus seine Gedanken – über seine Zukunft, denn er war immerhin schon 26 Jahre alt. Und so bemühte er sich brieflich um Kontakt zu einer jungen Frau, die er vor dem Krieg zu Hause einmal kurz gesehen hatte.
Die vorliegende Arbeit sichtet seine Brautwerbebriefe und leistet damit einen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Deutschen sowohl der Zwischenkriegszeit als auch des Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschlands, wie sie sich so nur selten als schriftliche Überlieferung erhält. Der Aussagewert dieser Briefe mag gerade darin liegen, daß sie weitab von einer distanzierten Reflexion des Geschehenen einem bestimmten und privaten Zweck dienten. Umso bemerkenswerter gerät, was manchmal zwischen den Zeilen en passant über die Vorstellungen von der Ordnung der Dinge und vom Leben darin zum Ausdruck kommt.
Der Herausgeber kommentiert die Briefe sie informativ, aber zurückhaltend.
Das kleine Werk, das nebenbei auch einen Einblick in die Popkultur bzw. „Kulturindustrie“ der Zeit bietet, kann auch als deutscher Beitrag zur Comédie Humaine zwischen Great Expectations und Illusions perdues gelesen werden.
Die Deutschen empfanden den Zweiten Weltkrieg als ein Schicksal, das über sie kam – und danach „gelang“ ihnen – fast so, als wäre gar nichts geschehen (jedenfalls nichts Erwähnenswertes) die Rückkehr in eine (dann doch etwas seltsame) „Normalität“.

Diese Veröffentlichung wird aufopferungsvoll unterstützt von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Gruppe Duisburg. Auch wenn dieses Buch nach Erscheinen in allen Buchhandlungen (und sogar via Amazon) bestellt werden kann, wäre es ein Akt der Solidarität, das Buch bei der DFG-VK zu bestellen, damit ein Teil des Zuschusses wieder reinkommt:
DFG-VK c/o Buchh. Weltbühne, Gneisenaustr. 226, 47057 Duisburg
info (at) dfg-vk-duisburg (punkt) de
Es wird auch niemand getadelt, der den Rechnungsbetrag um ein paar Cent als Spende aufrundet.

Barbara ist in der Stadt

Barbara ist in der Stadt, habe ich erfahren, von einem, den ich flüchtig kenne. Ich weiß noch nicht einmal genau, wie er heißt. Er hat es mir gesagt, als ich ihn zufällig auf der Straße traf. Zufälle gibt’s.
BarbaraStadt1Er steht gerade am Bahnhof, Ostausgang, wo er auf sie wartet. Seltsam, daß er sie nicht auf dem Bahnsteig empfängt, sondern auf der Straße, die am Ostausgang des Bahnhofs entlangführt. Was er mit ihr zu schaffen hat, erfahre ich nicht. Es scheint, da bahnt sich was an zwischen den beiden.
Und da kommt sie! Sie kommt über die Straße auf uns zu! Da steht der Mann, mit dem sie verabredet ist, und neben dem stehe ich, und das ist für sie natürlich die große Überraschung.
Wie lange haben wir uns nicht gesehen! Nach unserer Trennung nur zwei, drei mal, zuletzt, als sie eine Tramp-Tour durch Deutschland machte und für zwei Nächte bei uns auf dem Immendal Station machte. Damals haben wir kaum ein Wort miteinander gesprochen, sind uns regelrecht aus dem Weg gegangen. Von meinen Ex-Freundinnen ist sie die einzige, die ich vollkommen aus den Augen verloren habe.
Sie hat sich verändert, wirkt sehr damenhaft. Aber sie sieht immer noch sehr jung aus.
Wir reden miteinander. Mensch, ist das eine Freude! Der Mann neben uns sagt gar nichts. Eigentlich ist der jetzt auch überflüssig hier. Er schaut ein wenig verärgert.
Wir können uns doch mal treffen und dann ausführlich miteinander reden, schlägt sie vor. Ja, heute abend, warum nicht heute abend. Wir verabreden uns für heute abend.

Foto (C) Hut-Film

Foto (C) Hut-Film

Den ganzen Nachmittag fahre ich mit Zügen und Straßenbahnen durch die Gegend, und zwischendurch stehe ich auf Bahnsteigen und an Haltestellen. Ich orientiere mich mühsam. Wohin fährt der Zug, in dem ich gerade sitze?
Zuletzt bin ich in einem Bus. Der fährt durch Neudorf. Ich steige aus an der Ecke Karl-Lehr-Straße/Sternbuschweg, dort, wo alle Busse einmal halten.
BarbaraStadt2Ob ich es geschafft habe, noch rechtzeitig zu meiner Verabredung zu kommen, habe ich vergessen.

Nichts für mich

Die Rote Armee Fraktion (RAF) ist also wieder in Erscheinung getreten. So weit ist es schon, daß selbst die Scharfmacher beschwichtigen: Die beiden gescheiterten Versuche, Geldtransporte zu überfallen, hätten nicht dem Zweck dienen sollen, weitere Terror-Taten zu finanzieren, sondern der Sicherung des Lebensunterhalts von drei ehemaligen Mitgliedern der ehemaligen Organisation.
1999, so wird berichtet, hätte dieses RAF-Kommando (kann man diesen Ausdruck verwenden?) in Duisburg (!) beim Überfall auf einen Geldtransport mehr als eine Million Mark erbeutet. Das Geld ist jetzt wohl verbraucht; das Leben im Untergrund, sofern auch noch nach einem gefahndet wird, ist teuer.
Mit Ablauf des Jahres 2019, also in nicht allzu ferner Zeit, wäre diese Straftat verjährt gewesen.
Wieso hat die RAF eigentlich keinen Pensionsfonds eingerichtet?
RAF-Logo.svgUnd wieso haben die Leute sich nicht in all den Jahren mal Gedanken darüber gemacht, wie man auf ganz unspektakuläre, gar legale Art an Geld rankommt, ohne viel Risiko, so janz höösch, wie der Düsseldorfer sagt: irgendwas mit Ebay, oder irgendwas mit Flohmärkten.
Aber auf sowas kommen die gar nicht. Die denken wahrscheinlich: Wir, als deutsche Terror-Typen, wenden standesgemäß Karacho-Methoden an. Die denken wahrscheinlich: Auf ganz legale Art sich Geld zu verschaffen ist zu unauffällig. Die hatten es nämlich schon immer mit ihren Fanalen. Wenn die RAF mal eine Bank überfallen hatte, wurde das auch überall herumposaunt: „Wir waren das!“ Da kann man ja gleich beim Generalbundesanwalt anrufen, damit der auch wirklich alle Heldentaten in die Anklageschrift hineinschreibt. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, die Aktionen der RAF waren weniger von dem Motiv angetrieben, die kapitalistische Herrschaft zu zerbrechen, sondern mehr von dem Bedürfnis nach Selbstbestätigung.
Bei Markus Wolf habe ich gelesen: Eine Geheimdienstaktion ist dann wirklich erfolgreich gewesen, wenn die Gegenseite überhaupt nichts davon merkt. Könnte das nicht auch für Untergrundorganisationen gelten? Ich meine: Eine Untergrundarmee veranstalten kann man ja ruhig. Aber muß der Staat (das BKA, die Bundesanwaltschaft, der Verfassungsschutz) und müssen die Medien das mitkriegen? Man stelle sich vor: Die RAF agiert jahrelang im Geheimen, und zwar wirklich im Geheimen. Dann hätte es irgendwann mal geheißen: „Huch! Wo ist denn der Arbeitgeberpräsident geblieben? Der ist auf einmal weg, und wir wissen nicht wieso.“ Dann wäre auch leichter gewesen, an Geld ranzukommen. (Man hätte beim BKA anrufen können: Herr Herold, wir sind die kalabrische Mafia. Für hundert Mark lassen wir den Schleyer wieder frei. Das hätte weniger Kollateralschaden angerichtet als die Aktion in der Weise, wie sie durchgeführt wurde).
Alles in allem kann ich sagen: Mein Entschluß, mich der RAF nicht anzuschließen, war richtig. Nicht moralische Bedenken haben mich abgehalten. Der Einwand, daß gegen das Leninsche Prinzip verstoßen wurde, wonach der erste Schuß erst abgegeben werden darf, wenn die Revolution beginnt, hätte zwar schon gereicht. Aber ausschlaggebend war: Das wäre mir alles doch viel zu stressig.
Alte Freunde treffen, auf vertrauten Wegen gehen, Lieblingsorte – alles das hätte ich aufgeben müssen. Stattdessen: die Einengung des Bekanntenkreises auf eine – sagen wir mal – kleine Zahl von unter ständigem Verfolgungsdruck stehenden Mitmenschen aus einer sehr einseitig orientierten Kategorie, die Aufgabe von Betätigungsfeldern, auf denen ich mich nicht nur wohlfühle, sondern auch nützlich machen kann, die Preisgabe von Fertigkeiten, die als Beitrag zur Überwindung der herrschenden Verhältnisse nicht unterschätzt werden sollten, die Einschränkung der Kommunikation – das wäre nichts für mich gewesen – von den Auswirkungen auf das Liebesleben gar nicht zu reden.
Und: Geldtransporte überfallen – aus dem Alter bin ich doch nun wirklich raus.

Kommt und holt euch den neuen METZGER, oder laßt ihn euch schicken

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 116.
MTitel116Und das steht drin:

Jakop Heinn: Randfront. Stell dir vor, es ist Friedensbewegung, und kaum noch einer geht hin. Dann fällt auf, daß dort Querfrontler und Paranoiker immer mehr den Ton angeben. Beispiel: die Verirrungen und Verwirrungen in der „Arbeiterfotografie“.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Die Dreifaltigkeit des Schreckens (die Frau, der Fremde, der Eros) oder Was ist der Akif Pirincci eigentlich für einer?; „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“; „Da geht euch der Bart hoch, da geht euch der Hut ab“: Musik im Radio; Kamele & Elefanten; Deutsches Sprache: wenn Journalisten ebenso wie Linguisten in Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik versagen, was dann?

Die Annäherung zwischen den USA und Kuba vom ästhetischen Aspekt her betrachtet.

Switch on Summer / Sehreise. 30 von 100 Stills. Hut-Film ist nicht kaputtzukriegen.

Tagebuch. Darin: Die Frankfurter Allgemeine beim Umgang mit der Medienguerilla erwischt.

Lütfiye Güzel: Freiheit & Fabrik & mehr.

Weltnachrichten: Intelligence is enormously sexy.

Lothar Röse: Hochverrat ist eine Frage des Datums.

Marvin Chlada, A.S.H. Pelikan: Schnuller und Schiller, Julius und Filius. Wenn Schriftsteller Kinder haben, werden Kollegen gleich mit einbezogen.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Auch Pandola Brake meint, daß man den METZGER abonnieren sollte!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Wieso denn Grabenstraße?

WAZ 20.1.2016

WAZ 20.1.2016

Jetzt muß ich die Grabenstraße entlanggehen (von der Mülleimer Straße bis zur Karl-Lehr-Straße und wieder zurück) und jeden ansprechen:
„Wenn Sie zu mir wollen, sind Sie hier falsch. Gehen Sie mal zwei Straßen weiter, da ist die GNEISENAUSTRASSE, da sind Sie richtig.
hadihugs..

SoS (90-100)

SoS090

SoS091Heute endet die Revue einiger (willkürlich?) ausgewählter Standfotos aus dem Film „Sehreise“.
SoS092

SoS093Der Film (die Primärquelle: der Super-8-Film) wurde, wie hier mehrmals erwähnt, vor 40 Jahren im Eschhaus uraufgeführt.
Die einzelnen Bilder hier auf dem Bildschirm sind eine 330-fache Vergrößerung des Original-Bildes. Auf der Leinwand dürfte das Bild 10.000-fach vergrößert gewesen sein. Man kann sich kaum vorstellen, auf diese Weise halbwegs scharfe Bilder projizieren zu können, auch wenn das Filmmaterial sehr feinkörnig war – darum aber auch wenig lichtempfindlich. Man mußte günstiges Wetter nutzen. Für Innenaufnahmen wurden Filmleuchten gebraucht. So entstand eine ganz eigenartige Super-8-Ästhetik. Die durch Optik und Photochemie gesetzten Grenzen nahm man hin. Folge war eine durchaus nützliche Verfremdung.
Früher hat man versucht, Bilder in Bewegung zu setzen. Hier könnte man meinen, daß sie schöner werden, wenn man sie anhält …
SoS094

SoS095Die Primärquelle ist ein Film mit tausenden Schnittstellen. Eine Kopie war nicht möglich, sie hätte ein Vielfaches des eingesetzten Rohmaterials gekostet. Die Digitalisierung war die „letzte Rettung“.
SoS096

SoS097Diese Bildrevue hat tatsächlich das Interesse am Kauf der (Doppel-)DVD geweckt, so daß das Problem erwächst, für die weitere Vervielfältigung Doppel-DVD-Hüllen aufzutreiben.
Die Medien der Zukunft, die Träger digitaler Inhalte, die silberglitzernden Schreiben sind nämlich auch schon ein Auslaufmodell. Die DVD-Epoche wird die Lebensdauer der Super-8-Epoche nicht erreichen.
Vielleicht hat jemand einen Tip, wo man (Doppel-)DVD-Hüllen kriegt.
SoS098SoS099SoS100..

Summer in the City (5)

Aus gegebenem Anlaß wird die Serie „Summer in the City“ heute fortgesetzt.
SummerCity15-11Diese Burg urbanen Selbstwertgefühls mit ausgeprägtem Fassadenbewußtsein enthält (immer noch?) Praxen, Niederlassungen, Agenturen, Notariate et cetera pepé in großer Zahl. Einmal war ich da bei einem Notar und erlebte den nervösesten Bürovorsteher der deutschen Rechtsgeschichte. Dort kaufte ich auch bei der Firma Walter König die Letrasetbuchstaben für die METZGER-Überschriften. Die Firma gibt’s nicht mehr, und ich benötige ja auch nicht mehr Letrasetbuchstaben. Ich könnte also wieder „Alles war, nix is mehr“ drüberschreiben.
Ich begann dann mal, aus den übriggebliebenen Letrasetbuchstaben ein Gedicht zu schreiben: „Unbeat Poem to be continued“. Der erste Teil erschien in DER METZGER Nr. 54 (August 1998). Wird mal Zeit für die nächste Fortsetzung!

SummerCity15-12Na, dann laßt es euch mal gutgehen auf der Königstraße!

SummerCity15-13Mit der Krönung der „Brunnenmeile“, dem „Lifesaver“ von Niki de Saint Phalle konnten sich so schnell nicht alle anfreunden, wie das mit Denkmälern in öffentlichen Raume nun mal so ist. Sockel von Jean Tinguely.

SummerCity15-14Die Persil-Danke-Tour. Verstehe ich nicht. Wer bedankt sich bei wem für was? „Deutschland sagt danke mit Persil“. Wer nimmt Deutschlands Dank in Gestalt von Persil in Empfang? Oder spricht Henkel im Namen Deutschlands? Und bedankt sich bei sich selbst mit sich selbst? Für was? Für sich?
Früher hieß es „Persil bleibt Persil“. Dabei hätte man es belassen können.
Wolfgang Borchert wollte einen Roman schreiben, der den Titel „Persil bleibt Persil“ haben sollte.
Später: Willy Brandt holte tief Luft und preßte hervor: „Berlin bleibt Berlin!“
Als ich mir das anschaute wurde ich von einem jungen Mann angesprochen: „Du bist doch der Genosse aus der Weltbühne, ne?“
Ja. Bin ich.
„Genosse aus der Weltbühne“!
Es gibt noch Menschen, die an mich glauben.

SummerCity15-15Über das Lehnkering-Gebäude muß ich auch noch eine Geschichte erzählen (kommt in der METZGER-Serie „Komische Häuser“).

SummerCity15-16Und dann ham’se gesagt: Die Schwanentorbrücke (Hubbrücke) muß auch noch in’n Schimanski rein. Und so geschah es. (Ich weiß nicht mehr in welchen).
Die Haltestelle heißt jetzt nicht mehr „Schwanentor“, sondern „Landesarchiv NRW“.
Ja welches Landesarchiv denn sonst? Es wird ja wohl kaum jemand annehmen, daß in Duisburg das Landesarchiv von Schleswig-Holstein untergebracht ist.

SummerCity15-17Das wäre was für eine Serie „Schornsteine, die nicht mehr rauchen“.

SummerCity15-18Hier hat man verdienstvollerweise die in ihrer früheren Funktion nicht mehr benötigten Industriegebäude nicht abgerissen, sondern praktischer- und ästhetischerweise einfach einer neuen Funktion zugeführt. In den stillgelegten Hafen-Faktureien sind jetzt Büros, Ateliers, Museen und Restaurants drin. Wenn Ihnen der Sinn für die Schönheit alter Industie-Architektur fatalerweise fehlt (Sie armer Mensch), dann folgen Sie mir wenigstens insofern, daß die Architekten von heute an der Stelle ganz bestimmt nix Schöneres hingekriegt hätten.
Der nicht mehr rauchende Schornstein symbolisiert dann etwas, und zwar das, was Sie wollen.

Neu in der Weltbühne: Basiswissen über die Kubanische Revolution

Heute empfehle ich:
Volker Hermsdorf: Die Kubanische Revolution. PapyRossa Verlag 2015 (Reihe Basiswissen). 132 S. 9,90 €

HermsdorfKubanRevWie kein anderes Land der Region beeinflusst Kuba die Entwicklung ganz Lateinamerikas. Sein alternatives Gesellschaftsmodell ist auch darüber hinaus Vorbild für viele Länder des Südens und allgemein Beleg dafür, daß eine andere Welt möglich ist. Voraussetzung dafür war der Sieg der Revolution über die Diktatur Fulgencio Batistas am 1. Januar 1959. Dessen nach Miami geflüchtete Anhänger versuchen seitdem mit Unterstützung Washingtons vergeblich, einen Systemwechsel auf der sozialistischen Karibikinsel zu erzwingen. Da auch terroristische und andere subversive Methoden nicht zum Ziel geführt haben, sah sich US-Präsident Obama zu einer Kurskorrektur genötigt. Beginnend mit der Revolution und ihren Wurzeln, vermittelt Volker Hermsdorf einen Überblick über die Geschichte des Landes, bis hin zu seinen aktuellen Problemen und seiner Bedeutung für das Modell einer multipolaren Welt ein. Abschließend behandelt er das „Tauwetter“ in den Beziehungen zu den USA und zur EU.
Volker Hermsdorf, Jg. 1951, war Redakteur bei der „Hamburger Morgenpost“ und Korrespondent der Zeitschrift „Metall“, schreibt heute u.a. für „junge Welt“, „Ossietzky“ und das alternative Medienportal „Cubainformacion“ in Bilbao. Pendelt zwischen Kuba und Hamburg.
„Basiswissen“ bringt in handlicher Form leicht verständliche kritische Einführungen in Grundbegriffe aus Politik, Geschichte, Gesellschaft und Ökonomie.

Dieses Buch ist – auch im Versand – in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich.
Bitte treffen Sie eine bewußte Entscheidung für den fortschrittlichen Buchhandel.
Weltbühne muß bleiben.

Der Künstler fragt: Was will ich damit sagen?

GlasVorFassade1Vor zehn Monaten, am 18. März 2015, entstanden diese beiden Fotos von einem hochgehaltenen langstieligen Glas, einmal vor einer hellgrauen, einmal vor einer hellroten Fassade aufgenommen.
Ich brauchte ein solches Foto als Illustration für…

2 Bilder (C) Merkfoto

2 Bilder (C) Merkfoto

… ja als Illustration für was?
Meinen Sie, ich könnte mich daran erinnern, wofür ich so ein Foto mal zu benötigen glaubte, bzw. was ich mit dem Hochhalten eines Glases sagen wollte?
Ich stell die beiden Bilder mal hier ins Netz; wer weiß, wozu es gut ist.
ICH weiß es NICHT.