SPD: Das Ende ist nah
Die Parteien scheinen zu glauben, daß sie ewig leben. Die sollen mal nach Italien oder Frankreich gucken.
Daß die SPD jetzt auf Andrea Nahles verfallen ist, zeigt doch, wie es um sie bestellt ist. Anstatt sich in ihrer Lage gegenseitig „Pssst!“ zuzuflüstern, setzen die ihre Krawallschachtel an die Spitze.
Die mit ihrer ganzen vorlauten Art, mit ihrem hämischen Dauergrinsen, mit ihren manchmal ordinären Sprüchen ohne Scheu vor Infantilität.
Gewiß, eine Partei braucht so jemand, der ab und zu im unpassenden Moment etwas Unpassendes sagt, peinliche Auftritte hinlegt, sorgfältig gehütete Tabus bricht, dem Ehrenvorsitzenden auf den Schlips tritt, ein Liedchen singt und mal bei diesem, mal bei jenem Parteiflügel die Haare zu Berge stehen läßt. Als Integrationsfigur, als „Hoffnungsträger“, als Retter taugen die doch nicht! Die hält man sich als enfant terrible.
SPD: Das Ende ist Nah – les.
Noch mehr aktive Passivität
Ich wollte sagen: immer mehr fatale Dekoration beziehungsweise phantastische Aktivität (läßt sich beliebig bis nach Manchester knüpfen).
Die Büro-Vorsteherin (vormals übrigens zeitweise Mitglied der Emma-Redaktion) war so frei. Als ich ihr mein Bild von ihr zeigte, war ihr Kommentar: „Ein Po, auf den man gerne draufhaut.“
Auch als Situationspostkarte Nr. 110 ventilierbar.
Is klar, ne?
Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern

Das Bild „Hylas und die Nymphen“ (1896) von John William Waterhouse (1849-1917) hängt nicht mehr in der Manchester Art Gallery. Es wurde zwar noch nicht verbrannt (so weit, immerhin, sind wir jetzt noch nicht), aber dem öffentlichen Anblick entzogen.. Die Kunstpostkarten mit der Abbildung wurden aus dem Museums-Laden ebenfalls entfernt.
Warum? Warum wohl.
Es handle sich um eine „erotische Phantasie“ aus der „victorianischen Zeit“, in der der „weibliche Körper“ als „passiv-dekorativ“ oder als „femme fatale“ dargestellt werde.
Weder aus dem Bild selbst, noch aus der griechischen Argonauten-Sage, die in diesem Bild aufgegriffen wird, ergibt sich „passive“ Dargestelltheit. Aber weibliche Nacktheit läßt die Saubermänner und Sauberfrauen der bigotten Sittlichkeit eingehämmerte Klischees runterrasseln.
„Femme fatale“ (präziser: „femmes fatales“) würde dem Thema des Bildes mehr entsprechen. Es ist zwar schon vorgekommen, daß die Begegnung mit einer Frau (oder mehreren) fatale Folgen nach sich zog. Aber es darf nicht geduldet werden, daß soetwas schon mal vorgekommen ist. Daß die Frau einen erfreulichen Anblick bietet, darf erst recht nicht wahr sein.
Woher kommt diese erneute Stimmung im Westen?
Sie wollen uns weismachen, daß sie gegen den „Sexismus“ vorgehen. Aber sie meinen den Sex, besonders in seiner schlimmsten, unberechenbarsten, teuflischsten Form, der erotischen Phantasie.
Phantasie ist des Teufels. Phantasie ist Anarchie. Phantasie ist der Untergang ihres ganz speziellen Abendlandes. Wo die Phantasie zugrunde geht, wird die Frau in der Wächtersprache zum „weiblichen Körper“ reduziert.
Natürlich handeln die Aufpasser (nebst -*_Innen) auf der Schleimspur des Vulgär-Feminismus nicht aus Überzeugung (das ist sowieso keine Überzeugung, das ist Saublödheit), sondern aus vorauseilendem Gehorsam, damit sie mit dabei sein dürfen, wenn mit dem Finger auf andere gezeigt wird.
Was nützt das den Frauen, die mit ihrem Leiden unter sexualisierter Demütigung sich an die Öffentlichkeit wandten? Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern.
Daß das Bild des Malers, dessen Verbrechen es war, an die Phantasie zu appellieren, nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dafür habe ich gesorgt in diesem Weblog.
Fortsetzung (contraire) Montag.
Bild (C) wikimedia commons
Foucault läßt uns denken
Foucault gibt uns zu denken.
Ein (zumindest mir) unbekannter Künstler nutzte einen Verteilerkasten auf der Friedrich-Wilhelm-Straße (vor dem Lehmbruck-Museum), um die Aufmerksamkeit auf den französischen Philosophen zu lenken.
Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, was der Künstler mit seiner Collage mitteilen wollte: daß er den Foucault nicht verstanden hat?
Das ist übrigens nicht die einzige Mitteilung zu diesem Thema an öffentlichen Duisburg-Flächen. Gucken Sie mal hier.
Jutta Ditfurth über Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof
Daß es eine „68er-Generation“ überhaupt gegeben hat, habe ich wiederholt bestritten. Allein schon vom Begrifflichen: Der Zeitraum einer „Generation“ ist immer länger als vom 1. Januar bis zum 31. Dezember eines einzigen Jahres. Wer Interessen folgend die Achsenzeit auf eine Saison reduzieren will, dem kommt die Mystifizierung der Ziffernfolge „68“ recht.
Wem man in der Reflexion des Themas vertrauen kann ist Jutta Ditfurth. Von ihr soll in diesem Monat ihr Buch über die politische Freundschaft von Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof erscheinen.

Aus dem Vorwort:


Um „weiterzumachen“ (wozu, das weiß ich, nicht ich allein entschlossen bin) muß man nicht nur Ideen im Kopf behalten, sondern Strukturen erhalten. Früher hätte man eher gesagt „Strukturen stärken“. Heute muß man sagen „Strukturen retten“.
Um Vorbestellungen wird gebeten.
Das Buch ist nirgendwo besser zu kaufen als in der Buchhandlung Weltbühne. (Auch im Versand).
Bestelladresse: Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg.
Oder: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
Apo muß bleiben.
Weltbühne muß bleiben.
Kann mir das mal einer erklären?
Das Wirtshaus in Dingens
Weniger in ein Büro, eher in ein mit viel Kunstlicht beleuchtetes Wirtshaus in Hochfeld fühlte man sich versetzt, wenn man sich auf die von Günter Ackermann gestaltete Internetseite „kommunisten-online“ einließ. Manche Leute meinten, „kommunisten-am-rande-des-nervenzusammenbruchs“ hätte besser gepaßt.
Ich hatte das Vergnügen, Günter Ackermann persönlich zu kennen, seit 1970. Er war damals in der KPD/ML das enfant terrible, unbeherrscht, streitsüchtig.
1940 in Erfurt geboren, in der DDR Angehöriger der Volkspolizei, wechselte er unter Mitnahme seines thüringischen Akzents in die BRD. Seit Mitte der 60er Jahre wirkte er im maoistischen Zirkelwesen am Rande der kommunistischen Bewegung. In der Dauer-Farce des Sektierertums war er eine feste Größe. Bei der Gründung der KPD/ML 1968 war er dabei und gehörte dem Zentralkomitee an (sagt man). Bei den diversen Spaltungen wechselte er gelegentlich die Seiten. Dann ließ er sich in Duisburg nieder.
Im Rotbuch-Verlag erschien ein Buch über den Mannesmann-Streik von 1973. Autor: Gerd Höhne. Das war, wie ich später erfuhr, Ackermanns Pseudonym. In dem Spielfilm „Huckinger März“ (über nämlichen Streik) spielte er eine Nebenrolle. Er tauchte dann auch gelegentlich im Eschhaus auf. Auf der Wanheimer Straße hatte er ein Schreib-Büro, wo Studenten ihre Diplomarbeiten ins Reine tippen lassen konnten.
Als die PDS in Duisburg ihren Kreisverband gründete, war er dessen Geschäftsführer (nicht, wie die Rote Fahne behauptet, Vorsitzender). Die üblichen, unvermeidlichen Streitereien führten zu seinem Rücktritt. Er zog sich auf sein Refugium „kommunisten-online“ zurück.
Ich habe Ackermann als einen durchaus freundlichen, umgänglichen Menschen in Erinnerung, erlebte ihn bei zahlreichen Veranstaltungen. Er konnte zuhören, argumentierte vernünftig und kenntnisreich. Aber wehe, wenn er in die Tasten griff! Dann wurde er mitunter vulgär bis zur Unflätigkeit.
Beim Ostermarsch sprach er mich mal an: „Du sympathisierst ja mit den Antideutschen.“ Das mußte und konnte ich richtigstellen. Seine Antwort überraschte mich: „Dann bin ich ja falsch informiert. Dann muß ich ja meine Meinung ändern.“
Ich habe daraufhin nicht mehr gegen ihn polemisiert, stattdessen es aber dem Kollegen Jakop Heinn überlassen, die Ackermann-Schoten zu protokollieren. Denn nicht allen gegenüber hat Ackermann sich so ehrenmännisch verhalten. Seine Lieblingsfeinde waren Siegfried Jäger (DISS, siehe DER METZGER 81) und Ulrich Sander (VVN, siehe DER METZGER 83 und 114). Dem, was dort darüber zu lesen war, ist nichts hinzuzufügen, und es ist nichts zurückzunehmen.
Am 26. April 2017 ist Günter Ackermann 76jähig in Mülheim gestorben.
Der Mann war unmöglich, aber auch irgendwie originell. Als Werber für die kommunistische Bewegung war er wenig von Nutzen. Aber ihre unfreiwillige Parodie ist ihm gelungen.
Mit Stolz und Kühnheit im Bureau
So alle zwei-drei Monate kommt mit der Post ein Stapel von Zirkularen mit dem Titel „Gegen die Strömung“. Für ein Flugblatt zu lang, für eine Zeitung zu dünn. In den Überschriften (siehe Faksimile oben) da leben Geist & Gestus der Peking-Rundschau weiter. Da wird mal klare Kante geredet. Hauptfeind. Bekämpfen. Ausrufezeichen.
Die kämpfende Arbeiterklasse bekommt ihre Orientierung per Runderlass. Der Führer der revolutionären Massen als Bürovorsteher.
Der Verfasser dieser Direktive hat in seiner Eigenschaft als Zentralkomitee ausgegeben, wer der Hauptfeind ist, der bekämpft werden muß, damit das klar ist.
Aber wer soll das am Ende tun?
Man hat die Misere stets bildhaft so beschrieben: Zu viele Häuptlinge, zu wenig Indianer. Im vorliegenden Fall gibt es aber eine gute Nachricht: In diesem Büro gibt es wohl nur einen Häuptling. Die schlechte Nachricht: Das sind immer noch mehr Häuptlinge als Indianer.
Die schönsten europäischen Einfahrten (9)
Bog of Cats
In der vornehmen Privat-Etagere darf nur mit gedämpfter Stimme gesprochen werden
Was lese ich da in der Zeitung? Das Millowitsch-Theater wird geschlossen?
Uns bleiben die Erinnerungen:

Fällt jemand zu diesem Werk der Kunst eine (un-)passende Geschichte ein? Dann bitte die Antwort/Kommentar-Taste anklicken und es mich wissen lassen.
Wer dieses Bild nicht erklären kann, kann es sich erklären lassen, nämlich HIER KLICKEN.
Kunst-Geschichte ohne Millowitsch? Da mach ich nicht mit.
Heinz Kiwitz
Eine Ärztin findet das Wetter nicht schön
Ostermarsch 1990, dritter Tag, Bochum. Es regnete, und es hörte nicht auf zu regnen. Es war ungemütlich an diesem grauen Vormittag. Da stand eine, die ich aus Duisburg kannte, Ärztin. Der sagte ich: „Ein Glück, daß wir wenigstens schönes Wetter haben!“
Darüber regte sie sich auf. Sie hat meine sarkastische Bemerkung nicht nur nicht verstanden, sie war darüber empört. Sie war davon überzeugt, daß ich doch nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte, und was mir denn einfiele, das wäre ja, also!
Und sie hielt sich dran. Anstatt in einer kurzen Stellungnahme zu erklären, daß es unpassend sei, beim Ostermarsch im Regen Freude über das Wetter zu äußern, konnte die sich überhaupt nicht mehr einkriegen.
Es sollten noch Jahrzehnte vergehen, bis die Friedensbewegung, wie wir sie kannten, mit Friedenswinter, Jebsen, Putin, Öffnung nach rechts etc. sich selbst reinlegte, so daß sie, die dereinst die Bonner Hofgartenwiese mit Menschenmassen zu füllen verstand, heute vor lauter neuen Bündnispartnern kaum noch eine Menschenkette um eine Litfaßsäule zustande bringen könnte. Die Wurzeln des Übels traten aber schon in den 90er Jahren im Regen in Bochum zu Tage. Es fehlte ihr völlig der Sinn für den Unsinn.
Wie kommt man eigentlich auf „Üsüsd Np,nrmeozu ö#ddz Itösindüösm üöszurm“?
Sowas kommt zustande, indem man beim Schreiben stets die Taste links daneben drückt.
Üsüsd Np,nrmeozu ö#ddz Itösindüösm üöszurm
Überlegungen sowohl die Überflüssigkeit des „Familienvaters“ als auch die Wertlosigkeit der Reisefreiheit ehemaliger Bürger der DDR betreffend werden untermauert durch ein Vorkommnis auf dem Flughafen Erfurt in diesen Tagen.
Auf die Frage, ob er größere elektronische Geräte bei sich habe, antwortete ein Familienvater: „Eine Fernsteuerung für eine Bombe.“
Der Mann hatte diese Antwort sicherlich als eine Art Scherz gemeint. Die Fluggesellschaft reagierte durchaus mit Humor, indem sie den Familienvater nebst Familie vom Flug nach Mallorca ausschloß und ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann veranlaßte.
Die österreichische Mitteilerin Stefanie Sprengnagel, die sich nicht entblöden konnte, sich mit dem Künstlernamen „Sargnagel“ auszustatten, wird zitiert: „Immer wenn mir fad is, ruf ich in der vollen U-Bahn ‚Allahu akbar‘.“
Wäre das nicht ein Grund, sie zwangsweise nach Mallorca zu befördern, ohne Geld, ohne Rückflugticket, ohne Reisepaß, ohne Schmartfon, ohne Begründung, ohne Wörterbuch?
Diese Zeitung mußt du 50 Jahre lang lesen
Das von mir herausgegebene satirische Magazin erschien 1968 zum ersten Mal und wird in diesem Jahr 50 Jahre alt.
Der Jubiläums-Jahrgang beginnt mit der Nummer 125.

Und das steht drin:
Helmut Loeven: Lieber nicht als oder. Deutschland in der Epoche zwischen Bundestagswahl und Regierungsbildung. Der Schulz traut sich nicht, den Wählern den Marsch zu blasen. Der Schulz kann vielleicht tatsächlich Wunder vollbringen. Aber um die SPD zu retten würde ein Wunder nicht reichen.
Ulrich Sander: Versöhnung. Wenn in deutschen Militär- und Kapitalkreisen von „Versöhnung“ die Rede ist, dann ist damit Exkulpierung von der deutschen Kriegsschuld gemeint.
Jakop Heinn: Schlüsselrolle oder Müssen Photographen dooph sein? Die deutsche Linke, einst die intellektuelle Avangarte des Landes, präsentiert sich nur noch in verworrenem Zustand. Wenn die Geschichte nicht so irrsinnig wäre, könnte man sie glatt für erfunden halten: Das Alptraumpaar („Arbeiterfotografie“, „nrhz“) hat einen Preis gestiftet.
Helmut Kellershohn: Die Neue Rechte. Wo sie herkommt, was sie will, wohin sie geht. Rechtsintellektuelle versuchen seit den 60er Jahren, ihr völkisches Denken zu modernisieren.
Patrick Schreiner: Sei autonom und kreativ. Ein neuer „Geist des Kapitalismus“: Luc Boltanski und Eve Chiapello. Indem die Selbstverwirklichung zur Selbstoptimierung in einer Konsum- und Fitness-Kultur zusammenschrumpft, weitet der Neoliberalismus sein Wirkungsfeld aus.
Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Ein besonders häßlicher Hesse; Das Hallenbad im Elysee-Palast; Frau mit 30 nimmt die Pille; Komisches Haus; Komisches Schild.
Antworten
Die Idioten sind unter uns.
Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „Was werden die Leute dazu sagen?“ sagen die Leute. Freunde als Aufpasser, Klicke als Wachmannschaft.
Helmut Loeven: „Feifense ruhich!“ Heinrich Böll 100 Jahre.
Carl Korte: Angebote. Mottes Reporterkolumne.
Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.
Das Foto zum Zwanzigsten
Fernseh kaputt – alles kaputt
Der Südwestfunk (oder wie der inzwischen heißt) hat einen Tatort gesendet, vor dem die Zeitungen die Fernsehgucker schon vorher gewarnt hatten. (Ich hab den nicht gesehen, weil mein Fernsehapparat kaputt ist).
Ein „neuartiger Tatort“ soll das gewesen sein, wie man ihn vorher noch nie gesehen hatte.
Ich finde das nicht gut. Man sollte es lieber so machen, wie man es immer gemacht hat, Das wäre wenigstens originell.









