„Meine Nummer sehen Sie.“ – „Ja, wo denn?“

Eine gute Erfindung ist der Anrufbeantworter – sofern sich das Gerät bei jemandem befindet, den ich anrufen will. Ich werde meine Mitteilung los (z.B. wenn ein bestelltes Buch eingetroffen ist) und brauche nicht tagelang hinter den Leuten hinterherzutelefonieren.
Weniger praktisch ist zuweilen der eigene Anrufbeantworter, etwa, wenn jemand mir seine Mitteilung draufnuschelt. Das ist doch keine Stereo-Box, die das genuschelte Wort erklingen läßt, sondern ein kleiner krächzender Lautsprecher.
Ärgerlich fand ich eine Anruferin, die mir einen langen Sermon aufs Band sprach, um Rückruf bat und dann, ganz karriereorientiert, eine zehnziffrige Telefonnummer innerhalb einer halben Sekunde runterrasselte. Mitschreiben war nicht möglich. Ich mußte mir den ganzen Sermon nochmal anhören, um dann wenigstens schon mal die erste oder die ersten beiden Ziffern notieren zu können. Nach dreimaligem Abhören hatte ich gerade vier Ziffern notiert und gab auf. War sowieso nichts Wichtiges.
Vorschlag zur Güte: Wenn Sie jemanden anrufen, und es meldet sich der Anrufbeantworter, legen Sie am besten erstmal auf, legen sich die Worte zurecht und wählen die Nummer nochmal, um dann kurz und knapp UND DEUTLICH Ihre Mitteilung zu hinterlassen. Telefonnummern bitte langsam UND DEUTLICH aufsagen, damit sie mitgeschrieben werden können.
Letzten Freitag sprach eine Dame auf den AB, die sich als „Doktor Öckel“ (oder Eckel oder so ähnlich) vorstellte und nach den Öffnungszeiten fragte. Dann sagte sie: „Meine Nummer sehen Sie ja.“
JA, WO DENN?
Als Flammenschrift an der Wand? Vor meinem „geistigen Auge“? Im Kaffeesatz?
„Sie werden sich ja dann melden.“
Habe ich nicht, weil ich es nicht konnte. Und die Anruferin ist jetzt bestimmt beleidigt – und wäre es noch mehr, wenn man ihr glaubhaft versichern würde, daß dieser Umstand nicht meiner Nachlässigkeit, sondern eigenem Ungeschick zu verdanken ist.
Wahrscheinlich vermutete die Anruferin, daß ihre Telefonnummer auf dem Display erscheint. Das setzt allerdings das Vorhandensein eines solchen voraus. Ich habe es in meinem langen Leben immerhin schon zu einem Tastentelefon gebracht. Aber das gehört zu den ca. 90 Prozent aller im Einsatz befindlichen Festnetz-Geräten, die kein Display haben. Das hätte die Anruferin in Betracht ziehen müssen.

Auf dem Telefon in der Buchhandöung Weltbühne sind nur die Nummern auf den Tasten zu lesen.

Auf dem Telefon in der Buchhandöung Weltbühne sind nur die Nummern auf den Tasten zu lesen.

Es gibt Leute, die besitzen einen Lastwagen. Aber aus der Tatsache, daß einige Leute einen Lastwagen besitzen, zu schlußfolgern, daß ich auch einen habe, das ist – ich nenne es mal: unakademisch.
Die Frage nach den Öffnungszeiten ist übrigens berechtigt. Denn in der heute beginnenden Woche wird an den meisten Tagen nicht erst, wie üblich, um halbsieben geschlossen, sondern schon um halbsechs. Denn bei den Veranstaltungen der Antifaschistischen Woche im Dokumentationszentrum der VVN ist die Buchhandlung Weltbühne mit einem Büchertisch präsent. Wie gern hätte ich das der Frau Dr. Eckel/Öckel mitgeteilt!

LIEBE LEUTE, LEST, was die waz geschrieben hat

In der WAZ erschien gestern ein Artikel von Thomas Becker über das neue Buch von Lütfiye Güzel. Bitte lesen Sie (anklicken zum Vergrößern):
waz-du-2013-01-24-funkelde-sterneWie Sie wissen, sind die Bücher von Lütfiye Güzel in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich (auch im Versand).
Immer und immer und nicht ohne Grund wiederhole ich:
„Liebe LEUTE bestellt BÜCHER in DER buchhandlung WELTBÜHNE und SONST nirgends.“
Weltbühne muß bleiben.

Neu in der Weltbühne: Das zweite Buch von Lütfiye Güzel

luetfiye2Ich empfehle: Lütfiye Güzel: Let’s Go Güzel. Kurzgeschichten und Gedichte. Dialog Edition Gesellschaft für Deutsch-Türkischen Dialog 2013. 88 S. 10 €
LetsGoGuezel
Gerrit Wustmann schrieb auf Poetenladen.de:
„Glaubt man den Massenmedien, dann ist Duisburg-Marxloh ein Fanal für all das, wovor Sarrazin und artverwandte Überfremdungsapokalyptiker sich fürchten, in aller Regel ohne je persönlich dort gewesen zu sein. Und da die braune Suppe Auflage bringt, wird sie in großen Kellen immer wieder ausgekippt. Ein paar Meter Luftlinie von Marxloh entfernt liegt Hamborn, Geburtsort von Lütfiye Güzel, um ihre offizielle Vita zu zitieren: „1972 als Poetin auf die Welt gekommen & so weiter“. Dieses & so weiter findet sich in ihren Gedichten und kurzen Prosatexten, die nach ihrem fulminanten Debüt ‚Herzterroristin‘ nun auch ihren zweiten Band „Let’s Go Güzel!“ (Dialog Edition, Duisburg 2013) füllen. Güzel, das ist Türkisch und bedeutet Schön. Von einer ganz besonders melancholisch-bukowskihaften Schönheit sind auch diese Texte. […] ‚Let’s Go Güzel‘ ist so hintersinnig wie der Titel, ein Spiel mit der eigenen Biografie und zugleich mit dem allseits akzeptierten Weltelend, das uns alle angeht – in Form von Gedichten, die wie eine Katze daherkommen, die ganz genau weiß, wann sie die Krallen ausfahren muss.“

Dieses Bild erinnert an die Verse von Brecht:

Die Schlechten fürchten deine Klaue.
Die Guten freuen sich deiner Grazie.
Derlei hörte ich gern
Von meinem Vers.

Und daran erinnert eine andere, ebenfalls von mir geschätzte Schriftstellerin, die Brecht dialektisch variierte:

Mögen die Guten sich an meiner Kralle erfreuen
und die Schlechten meine Grazie fürchten.

Wenn Sie bestellen wollen, dann hier.
Dieses Buch ist, wie alle unsere Angebote, auch im Versand erhältlich.
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
Weltbühne muß bleiben.

Jetzt ist es raus!

Das neue Buch aus der Situationspresse.
Eine Ankündigung (21. Dezember) wird wahr:
Das Buch „Die schöne Verwirrung des Lebens – Gedichte & Cut-Ups“ von Marvin Chlada ist vor zwei Tagen aus der Druckerei gekommen und ab jetzt erhältlich.

Mit diesen Worten wird das Buch vorgestellt:

Die Legende von Jack Daniel, Sleaze Rock Poetry, Cut-Ups, Collagen, Epitaphe auf Johnny Thunders, Allen Ginsberg und Charles Bukowski sowie eine kurze Antwort auf die rätselhafte Frage, was DIE ÄRZTE mit der süßen Gwendoline tatsächlich getrieben haben.
Das alles und noch viel mehr findet sich in:

chlada-verwirrung-coverVerstreutes und Vergessenes aus 25 Jahren Wortarbeit in einem Band, erschienen in einem der dienstältesten Verlage der deutschen Alternativ- und Undergroundpresse. Dazu ein Strauß frischer Notizen zur Läuterung und Orientierung: Was nutzt der beste Film in Worten, wenn man im falschen Kino hockt?
Marvin Chlada, Sozialwissenschaftler, Autor und Musiker, Pendler zwischen Schwaben, Kalabrien und Ruhrgebiet, wo er u. a. im Umfeld des „Fliegenden Koffers“ agiert, einem „Kartell Duisburger Schriftsteller und Künstler, die irgendwie mit dem Satiremagazin DER METZGER was zu tun haben.“ Zahlreiche Publikationen zur Popkritik, Medien- und Gesellschaftstheorie. Aktuell arbeitet er an einer Monographie zu Leben und Werk von Charles Fourier. Weitere Infos:
http://www.chlada.de

80 Seiten, einige Abbildungen. Paperback. 12,50 Euro. ISBN 978-3-935673-34-1
Verlag: Situationspresse. Gedruckt bei Maro.
Erhältlich in allen Buchhandlungen oder via Amazon oder direkt (auch im Versand) bei:
Buchhandlung Weltbühne. Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg. Tel 0203-375121
situationspresse@gmx.de

Das Jahr beginnt mit einem Schock

Meine Karikatur aus dem Jahr 1989 mit dem Titel „Emanzenschocker“ behandelt die Diskrepanz, die sich zwischen den Begriffen „Emanzipation“ und „Emanze“ auftut.

EmanzenschockerDie Zeichnung vervielfältigte ich im Din-A-3-Format, und ich brachte die Plakate auf allen möglichen Schwarzen Brettern in der Duisburger Universität an. Ich hielt es für meine Pflicht als Künstler, auf subversive Weise das Publikum mit jenen Impulsen zu konfrontieren, die es in sich niederzuringen versucht (beziehungsweise in sich niederringen soll).
So weit so gut.
Ein paar Jahre vergingen, und ich empfing mal wieder die Verlagsvertreterin von Konkret in der Weltbühne. Das war die Frau Gaby Klinski, die ich immer gern empfing. Sie kam schon lachend herein. Ich kann mir vorstellen, daß es (namentlich für Vertreter progressiver Verlage) ein hartes Brot ist, sich tagein tagaus von morgens bis abends mit den Herrschaften in den bürgerlichen Buchhandlungen herumzuschlagen. Aber in der Buchhandlung Weltbühne, da ist man Mensch, da darf man‘s sein.
Es war halbfünf. „Um sechs Uhr muß ich in Köln sein, eine Wohnung besichtigen“, sagte sie. Aber um sieben saßen wir immer noch herum und lachten uns kaputt.
Als sie aufbrach, entdeckte sie den METZGER Nr. 54, dessen Cover von eben jener Karikatur verziert wurde.

M054Und wie lautete der Kommentar der Frau, die auch den Verlag Frauenoffensive und Frauen-Dies und Frauen-Jenes vertrat?
„Emanzenschocker? Hahaha! Emanzenschocker! Hihi! Was hast du denn da gemacht? Emanzenschocker! Hahaha! Das Heft nehm‘ ich mit.“
Sehen Sie, es ist doch alles halb so wild.

Die Bühne braucht eine Welt

Eine ganze Seite in der (wöchentlichen!) Studentenzeitung ak[due]ll:

akduell-2012-07-s6-weltbuehneAnmerkungen:
1. Wenn (in der Mitte der ersten Spalte) von „Lieferanten“ die Rede ist, die sich über zu viel Kleinabnehmer beschweren, dann sind damit speziell die Marktführer unter den Barsortimenten gemeint.
2. Im nächsten Absatz wird der Weltbühne-Slogan „Gegen alles, was langweilig, spießig und prüde ist“ aufgegriffen. Ich sprach davon, daß es in der „linken Bewegung“ (zurecht in Gänsefüßchen) Auflösungstendenzen gibt, die die Schwierigkeiten für eine (ohne Gänsefüßchen) linke Buchhandlung nicht gerade verringern, und ich ließ der Stoßseufzer erklingen: „Die Linken, die können manchmal sehr langweilig, spießig und prüde sein…“ Ich wollte nicht die Kundschaft in die Pfanne hauen, sondern die Linken.
3. Mit den Postkarten, die Marvin Chlada „auf Anhieb sympathisch“ waren, sind speziell solche gemeint, die – na sagen wir mal – ganz bestimmt nicht prüde sind.
4. Die eigentümliche Schreibweise „ak[due]ll“ kommt daher, daß nach der Zwangsvereinigung der Universitäten Duisburg und Essen die Abkürzung „due“ verwendet wird.

Alles in allem:
Das ist doch ein sehr informativer und sorgfältiger Bericht, den die Studentenzeitungsredakteurin Natalie Kajzer da verfaßt hat!
Auch der Fernsehbericht von Monika Krahl vor drei Jahren im WDR war sehr ordentlich. ICH SOLLTE MICH VIELLEICHT MEHR MIT JUNGEN JOURNALISTINNEN UMGEBEN.

P.S.: Aber auch Thomas Becker (WAZ) und Ulrich Sander (UZ) schrieben nicht nur positiv, sondern auch gut. Siehe dort.

Einladung zur Subskription: Marvin Chlada: Die schöne Verwirrung des Lebens

Das Buch von Marvin Chlada „Die schöne Verwirrung des Lebens. Gedichte & Cut-Ups“ ist in Druck gegangen. Das Buch mit Texten und Bildern auf 80 Seiten erscheint in der Situationspresse und kostet 12,50 Euro.

cover-abbild-chlada-buch

In der Einleitung („Wörterflucht“) steht:
„Es gibt Leute, die Dichtung generell für eine ausgesprochen kitschige Angelegenheit halten & es darum ablehnen, sich mit ihr zu beschäftigen. Ich nicht. Ich steh auf Kitsch. Das ganze Leben ist Kitsch. Wohl deshalb sind Gedichte, die das Leben schrieb, besonders kitschig. Whitmans LEAVES OF GRASS, Ginsbergs HOWL, Pasolinis WHO IS ME oder DAS LANGE GEDICHT von Salzinger triefen geradezu vor Kitsch. Das macht sie großartig. Wenn es stimmt, dass die besten Songs mitunter die kitschigsten sind, warum sollte dies bei Gedichten dann anders sein? Viele reimen sich. Einige haben Melodie. Andere folgen bestimmten Rhythmen. Nicht wenige handeln von Verlust & Schmerz. Oder erzählen vom Glück & von der Liebe. Gedichte & Songs müssen all das nicht tun, sie dürfen.“

Zitat:
„Das gewöhnliche Leben, das bisher durch das Problem der Unterhaltsbeschaffung bedingt war, kann rationell beherrscht werden – diese Möglichkeit steht im Mittelpunkt aller Konflikte unserer Zeit – & das Spiel muss in das gesamte Leben eindringen, indem es mit seinem bornierten Raum & seiner bornierten Zeit radikal bricht. Die Vollkommenheit kann nicht sein Ziel sein, wenigstens nicht in dem Maße, wie sie eine statische, dem Leben entgegengesetzte Konstruktion bedeutet. Man kann sich aber vornehmen, die schöne Verwirrung des Lebens bis zur Vollkommenheit zu treiben.“  (S. I. – Numéro 1, Juni 1958)

Das Buch wird ab Januar überall im Buchhandel oder auch via Amazon erhältlich sein (ISBN 978-3-935673-34-1).
Vorbestellungen bitte an die Buchhandlung Weltbühne
situationspresse@gmx.de

Da kann man hingehen: Lütfiye liest

E-mail empfangen:

„lieber helmut..
..bitte notieren:)
ich lese am:
06. JANUAR 2013(sonntag) um 19h im:
– BABA SU –
BISMARCKSTR.12O
47057 DUISBURG
(neudorf/nähe universität)
alles liebe..
lütfiye“

Notiert und mit Empfehlung weitergegeben.

LuetfiyeGuezel
Das Baba Su befindet sich in einem dieser Glaspaläste, die der Foster da hingeplant hat.
Wo das Buch der Herzterroristin Lütfiye Güzel für Sie bereit liegt, wissen Sie ja.

herz-terroristin-1
Ein neues Buch – mit Kurzgeschichten und Gedichten – ist angekündigt. Bitte auf den baldigen Hinweis achten.

Neu in der Weltbühne: Jutta Ditfurth „Zeit des Zorns“

Ich empfehle:
Jutta  Ditfurth: Zeit des Zorns. Warum wir uns vom Kapitalismus befreien müssen
Westend Verlag 2012. 302 S. Klappenbroschur. 16,99 Euro
DitfurthZeitDesZorns
Der Verlag stellt das Buch vor:
„Eine große Wut durchzieht das Land. Denn wer tritt heute noch für Gerechtigkeit ein? Wer setzt dem außer Rand und Band geratenen Kapitalismus Grenzen? Wer tut etwas gegen Armut und Naturzerstörung? Jutta Ditfurth rechnet ab: mit denen, die das Ideal einer humanen Gesellschaft verraten haben. Vor allem aber: Sie zeigt Wege aus der Resignation und macht den Mutlosen Mut.“
Aus dem Vorwort:
„Unser Ziel ist, dass Menschen ein Leben ohne Ausbeutung, Diskriminierung, Hunger und Krieg führen können. Dafür sind energischere Maßnahmen als Mahnwachen und Kundgebungen nötig. (…) Unser Ziel ist eine Gesellschaft, die auf Solidarität aufbaut und auf sozialer Gerechtigkeit, in der es keine Ausbeutung und keine Herrschaft von Menschen über Menschen mehr gibt, eine Gesellschaft, in der wir basisdemokratisch entscheiden, wie wir leben und arbeiten wollen. Das ist ein tollkühner Plan. Und wir müssen alles selbst machen. Die Mittel, durch die wir dieses Ziel erreichen könnten, werden manche eine soziale Revolution nennen. Einverstanden.“

Von Zeit zu Zeit werden Sie an dieser Stelle über Neueingänge in der Buchhandlung Weltbühne informiert – nicht immer das Neueste, aber immer empfehlenswert.
Wenn Sie bestellen wollen, dann hier. Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„Liebe LEUTE bestellt BÜCHER in DER buchhandlung WELTBÜHNE und SONST nirgends.“
Weltbühne muß bleiben.

Das ethische Motiv des Grames (Nachtrag)

„Jugendgefährdende Schriften“
Neben Druckwerken, deren Inhalt strafbar ist, gibt es „jugendgefährdende Schriften“. Ihre Verbreitung ist nicht strafbar und widerrechtlich, sondern ihre Weitergabe an Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Über ihre Indizierung entscheidet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Zu Indizierungsanträgen sind Jugendbehörden (Jugendämter, zuständige Landesministerien) berechtigt.
Ihre Verbreitung ist de jure lediglich beschränkt, de facto aber bedeutet eine Indizierung so viel wie ein Verbot. Indizierte Druckwerke dürfen nur in geschlossenen Räumen verkauft werden, also in Ladengeschäften, nicht an einem Stand oder Kiosk. Sie dürfen in Bereichen des Geschäfts, die für den freien Kundenverkehr zugänglich sind, nicht sichtbar sein. Für sie darf nicht öffentlich geworben werden. Auch darf man Erwachsene nicht mit dem Hinweis auf die Indizierung auf solche Titel aufmerksam machen.
Jugendgefährdende Druckwerke dürfen nicht in offenen Sendungen zu ermäßigtem Porto (Büchersendung, Warensendung) verschickt werden. Für jugendgefährdende Druckwerke gilt nicht der übliche ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 %, sondern der volle Mehrwertsteuersatz von 19 %.

Guido Crepax
(1933-2003), eigentlich Dr. Guido Crepas hat die Entwicklung des europäischen Comics in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark beeinflußt. Er begann als Illustrator  von Buchumschlägen, Schallplattencovern, Zeitschriftentiteln und Werbeplakaten.
Ab 1965, zuerst in Fortsetzungen in dem Mailänder Magazin Linus, erschien die Comic-Serie Valentina, als emanzipierte Heldinnen-Figur. Der Comic war von der Ästhetik der Mode von Yves Saint-Laurent inspiriert. 1968 schuf er die Figur der Bianca. Crepax entwickelte neuartige, vom Film beeinflußte Montagetechniken, die das Zusammenwirken von Realität, Traum und Erinnerung zeigen. Ab 1973 widmete sich Crepax der Umsetzung literarischer Vorlagen wie Geschichte der O, Justine, Emmanuelle und anderen. In dem Band Lanterna Magica verzichtete Crepax 1979 vollständig auf beschreibenden Text und Dialoge.

Die Buchhandlung Weltbühne kann zur Abwehr juristischer Angriffe unterstützt werden durch Aufträge und durch Spenden.
Spendenkonto: SSB e.V. Kto.-Nr. 403956432 Postbank Essen BLZ 360 100 43. Kennwort: Weltbühne
WELTBÜHNE MUSS BLEIBEN.

Das ethische Motiv des Grames (Dritter Teil)

„Kunstwerke sind asketisch und schamlos, Kulturindustrie ist pornographisch und prüde.“
Horkheimer, Adorno

Der Buchhandlung Weltbühne liegt die Liste nun doch vor. Geht man sie durch, lernt man das Staunen. Erstaunlich ist, was alles darauf steht und was alles nicht darauf steht. Irgendeine Systematik, wonach man herleiten könnte, was indiziert sein könnte und was nicht, ist nur in unscharfen Umrissen zu erkennen. Das mag vielleicht daran liegen, daß die Indizierungen zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Zeit-Geistern erfolgten.
Die Liste der jugendgefährdenden Schriften ist weißgott keine Ehrenliste freigeistiger Literatur. Eher ähnelt sie einem großen Mistkübel, in den man auch ein paar Perlen hineingeworfen hat.
Nazi-Klamotten bilden einen nicht unerheblichen Anteil. Es ist nicht zu bedauern, daß die oft gescholtene Bundesprüfstelle auf ihrem Tätigkeitsfeld tut, was Gerichte und Gesetzgeber versäumen, nämlich den Nazis mit administrativen Maßnahmen in die Parade zu fahren. Einen weiteren Anteil bilden Zeugnisse regressiver Entsublimierung, die den „guten Geschmack“ nicht etwa kritisch-provokativ konterkarieren, sondern ambitionslos auf Ekelhaftigkeit spekulieren.
Inmitten des Ganzen findet man Kuriosa, Erotica, erotische Kuriositäten und kuriose Erotik und nicht wenig höchst anspruchsvolle Werke von hohem künstlerischem und literarischem Wert, solche, die man Jugendlichen nicht vorenthalten muß, und solche, die man Jugendlichen nicht vorenthalten sollte.
Auf dem Index jugendgefährdender Schriften (Stand: November 2007) stehen Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler wie Marqis d‘Argens, Lonnie Barbach, Regine Deforges, Joy Laurey, Milo Manara, Anne-Marie Villefranche, Jane Way, auch Felix Rexhausen und ein so seriöser Sachbuchautor wie Joachim S. Hohmann. Bücher aus dem März-Verlag und von Rowohlt stehen auf der Liste, auch solche Klassiker wie John Willies „Gwendoline“ – und fast das gesamte Lebenswerk von Guido Crepax.
Einige der noch im November 2007 rechtsverbindlich als „obszön“ klassifizierte Autorinnen und Autoren verdienen es, mit ihren Vorgängern genannt zu werden: Flaubert, Baudelaire, Arthur Schnitzler, Wedekind, Henry Miller, D.H. Lawrence, Oscar Wilde.
Wieso Laterna Magica von Guido Crepax, ein Meisterwerk, Kinder und Jugendliche einem verrohenden und gewaltverherrlichenden Einfluß aussetzt, sie über die Grenzen des Selbstbestimmungsrechts täuscht und sie darin beeinträchtigt, sich gegen ungenehme Übergriffe zu wehren, und inwieweit dieses Werk überhaupt Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, ist ein Geheimnis der Bundesprüfstelle, das die Rechtsanwältin weder aufklären kann noch will, weil Klein- und Kleinst-Unternehmer in den Ruin zu treiben ein hohes sittliches Anliegen ist.
Man mag sich auf den Standpunkt stellen, daß „die Jugend“ vor dem „Obszönen“ geschützt werden muß – und man wird feststellen und zugeben müssen, daß dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. „Obszön ist, wer oder was irgendwo irgendwann irgendwen aus irgendwelchem Grund zur Entrüstung getrieben hat. Nur im Ereignis der Entrüstung ist das Obszöne mehr als ein Gespenst“, schreibt Ludwig Marcuse. Der jahrhundertelange Abwehrkampf gegen die Obszönität hat keine Definition hervorgebracht, wohl aber immer wieder Heerscharen mit Flammenschwertern ausgerüstet. „Und weil dies Obszöne“, so Ludwig Marcuse weiter, „eine Gleichung mit mindestens sechs Unbekannten ist, seufzen die Juristen noch heute, daß es keine Definition gibt, mit der man Gesetze machen kann – und machen sie dennoch… Die stärksten jener Abwertungen sind die Erstaunlichsten: ,tierisch‘, ,schweinisch‘. Übernehmen sich Tiere sexuell? Haben Schweine das große Reich sexueller Vergröberungen und Verfeinerungen … entdeckt? Wie man auch die Früchte menschlicher Phantasie und phantasievoller Praxis einschätzen mag, die Tiere im allgemeinen und die Schweine im besonderen pflegen nicht ihre Einbildungskraft in den Dienst von Steigerung und Differenzierung der Lüste zu stellen; das ist ein Privileg der menschlichen Kultur.“
Was die Rechtsanwältin aus Overath bewogen haben mag, sich auf Titel zu verlegen, deren Indizierung in Kürze abläuft oder zwischenzeitlich schon abgelaufen ist, kann nur vermutet werden. Der Effekt dieser anscheinend durch Geldgier motivierten Kampagne gegen die Antiquariate ist unversehens, daß der behördlich sanktionierte gesellschaftliche Umgang mit dem Sexuellen Komplex in den Blick gerät. Es geht um Werke, deren Indizierung vor 25 Jahren schon ein Anachronismus war, so als wollte die Behörde eine Auffassung von Sexualität perpetuieren, die durch die kulturrevolutionären Entwicklungen der 60er und 70er Jahre („sexuelle Revolution“) konterkariert worden war. In Mißkredit geraten war eine Auffassung von Sexualität, wonach diese der menschlichen Kultur entgegenstehe, eigentlich ein animalischer Fremdkörper sei. Der „Schutz der Jugend“ fand Gestalt in der Wahnvorstellung, daß es eine in der Kindheit beginnende sexuelle Entwicklung gar nicht gibt und daß man von solchem Wirken der menschlichen Natur ablenken könnte und müßte. In der Phantasie, die sich in den Dienst der Lust stellt, ihrer Differenzierung und Steigerung – kurzum in der Ästhetisierung des sexuellen Antriebs wurde eine Gefahr gesehen. Die Verbannung der Sexualität aus der Kunst führt zur Verbannung der Ästhetik aus der Sexualität, zu ihrer Enterotisierung.

Nein, das ist nicht Schwester Irene Graves.

Nein, das ist nicht Schwester Irene Graves.

Eine Sexualmoral, die die Steigerung und Differenzierung der Lust fürchtet und zu verbannen versucht, ist nicht das Gegenstück, sondern die andere Seite einer entsublimierten, zotigen, primitiv-gewaltförmigen Sexualität, die nicht mehr Quelle der Lust und des Glückes ist, sondern Instrument zerstörerischer Macht. Prüderie ist nicht die Abwehr gegen gewaltförmige Sexualität, sondern sie bedingt sie. Die Verbannung der Erotik aus der Öffentlichkeit ist von reaktionären Antrieben, Untertanengeist, Muckertum, Spießigkeit, Heuchelei und Bigotterie nicht loszulösen und kann in justizförmige Erpressung ausarten. Will man Anregungen finden, um jungen Menschen ein Rüstzeug in die Hand zu geben, das ihnen hilft, eine Sexualität zu entwickeln und zu gestalten, in der sie sich verwirklichen und über sich selbst bestimmen können, der sollte sich bei den Büchern umsehen, die mal als jugendgefährdend galten oder immer noch gelten.
Die Rechtsanwältin Christine Ehrhardt aus Overath bei Köln hat, als ihr die geforderte Unterlassungserklärung verweigert wurde, ihre Klageandrohung kleinlaut zurückgezogen, so auch bei den anderen Antiquariaten, die sich wehrten. Da aus dem Fall Jugendgefährdung der Fall Ehrhardt geworden war, wurde sie ihren Job als Geschäftsführerin ihres FDP-Kreisverbandes los.
(Nachtrag folgt).

Der in drei Folgen dokumentierte Text aus DER MEZGER 81 wurde von Lina Ganowski mitverfaßt.
Die Buchhandlung Weltbühne kann zur Abwehr juristischer Angriffe unterstützt werden durch Aufträge und durch Spenden.
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WELTBÜHNE MUSS BLEIBEN.

Das ethische Motiv des Grames (Zweiter Teil)

An dem Vorgehen der Overather Rechtsanwältin gibt es einige Auffälligkeiten:
Die Rechtsanwältin verschickte innerhalb weniger Tage gleichlautende Schreiben (mit Einsetzung eines jeweils entdeckten indizierten Titels) an zahlreiche Anbieter antiquarischer Bücher. Wie viele, ist nicht festzustellen, aber es dürften ein paar Hundert gewesen sein. Unabhängig davon, wie viele indizierte Titel sie bei den jeweilige Anbietern aufgespürt haben mochte, wurde immer nur ein einziger Titel genannt. Betroffen waren nur solche Anbieter, die über die Internetplattform booklooker.de anboten, und zwar sowohl Unternehmer als auch Privatpersonen. Nun gelten die gesetzlichen Wettbewerbsbestimmungen, an die Unternehmer sich halten müssen, nicht für Privatanbieter, die ihre ollen Bücher via Internetplattform verscherbeln wollen. Doch ob man als Privatperson oder Unternehmer eingestuft wird, wird allein nach der Aktivität am Markt entschieden. Die Rechtsprechung dazu ist uneinheitlich. Unabhängig davon hätte sich ein Privatanbieter, der ohne dazu verpflichtet zu sein die tückische Unterlassungserklärung abgegeben hätte, ausgeliefert.
Es gab keinen Hinweis darauf, daß die Mandantin der Rechtsanwältin überhaupt eine Buchhandlung betreibt und somit als Mitbewerber tätig ist und als solcher geschädigt werden könnte. Unter der Adresse der „Buchhandlung“ (Lotharstraße 155 in Bonn) ist nichts zu finden, was auf Handel mit Büchern schließen läßt, sondern eine andere Rechtsanwaltskanzlei.
Bei den jeweils aufgeführten Titeln handelt es sich um solche, die – ebenso wie Crepax‘ Laterna Magica – vor knapp 25 Jahren indiziert wurden. Eine Indizierung dauert 25 Jahre und endet dann. Sie kann verlängert werden.
Die Rechtsanwältin verwendet den Begriff „Kinderpornographie“ und definiert ihn neu. Sie bezeichnet damit nicht pornografische Darstellungen von (Handlungen mit) Kindern, sondern (vermeintlich) pornografische Darstellungen, die in die Hände von Kindern geraten könnten. Hat ein Kind ein pornographisches Buch angefaßt oder im Bücherregal stehen sehen, hat sich dieses damit automatisch in Kinderpornografie verwandelt. Entweder sie tut es, weil sie von dieser Reizvokabel selbst gereizt ist, oder weil sie darauf spekuliert, daß bei dem Zusammenhang von Kind & Sexualität jegliche Rationalität flöten geht.
Ungewöhnlich ist, daß mit an Anschreiben an die Buchhändler keine Gebührenrechnung verbunden war. Was für bescheidene Zurückhaltung der Rechtsanwältin gehalten werden könnte, ist wohl vielmehr der Versuch, das Attest einer rechtsmißbräuchlichen Massenabmahnung zu unterlaufen. „Wo bitte ist hier das von der Gegenseite stets behauptete Gebührenerzielungsinteresse einer sogenannten Massenabmahnung?“ sprach die Rechtsanwältin auf Anfrage von Spiegel-online. Doch daß der Abmahnung keine Kostennote beiliegt, bedeutet nichts. Anwalt Christian Solmecke erklärt: „Unterschreibt der Abgemahnte die Unterlassungserklärung, kann man die Gebührennote einfach später nachschicken. Bei dem angesetzten Streitwert von 15.000 Euro dürften die Gebühren bei ungefähr 800 Euro liegen.“ Und wer einmal unterschrieben hat, so Solmecke, „kann später schlecht begründen, warum er plötzlich nicht die möglicherweise nachkommende Gebührennote bezahlen will“.
Die Rechtsanwältin hat (vorerst?) auf einpaarmarkachzig Gebühren verzichtet und pro Anschreiben via Obergerichtsvollzieher 8,95 Euro ausgelegt, weil sie und ihre „Mandantin“ wohl auf das „große Geld“ spekuliert haben dürften: für jeden „Fall der Zuwiderhandlung“ 5.100 Euro. Das Risiko einer „Zuwiderhandlung“ ist erheblich. Es ist nicht auszuschließen, daß die Rechtsanwältin solchen Anbietern, die sich per Unterlassungserklärung ihr ausgeliefert haben, per vorbereiteter Liste sogleich ein zweites, drittes und viertes indiziertes Buch aus dem Angebot vorhält und dann jedesmal 5.100 Euro einstreicht.

Das ist die Buchhandlung Weltbühne. Nein, das ist nicht Fräulein Über.

Das Risiko der Zuwiderhandlung ist dadurch unkalkulierbar, daß die Bundesprüfstelle die Liste der indizierten Medien nicht ins Netz stellt und in gedruckter Form nicht gern herausrückt. Der Buchhändler müßte bei der Bundesprüfstelle anfragen, ob ein Titel, den er anbieten will, indiziert ist oder nicht. Es wäre zu erwägen, die Bundesprüfstelle mit ein paar tausend Anfragen zuzudecken und anzufragen, ob etwa Pippi Langstrumpf jugendgefährdend ist. Die Bundesprüfstelle verweist die Buchhändler auch auf das Jugendamt und die nächstliegende Polizeidienststelle, wo man die Liste einsehen kann. Als Antiquar hat man ja auch nichts besseres zu tun als zweimal pro Woche zur Polizei zu gehen und um Einblick in den Index zu bitten.
(Fortsetzung folgt).

Würde der Freitag das drucken? oder Tünnes un Schäl gingen übber de Rheinbrück‘

Das war ja nun wirklich ein Fehltritt! Ein kalkulierter? Ich behaupte: Ja. (Glauben Sie es. Oder glauben Sie es nicht).
Das Notat von gestern („Der Witz am Sonntag“) erregte Unwillen, der sogleich bestätigt wurde. Aber nicht in der zur Verfügung gestellten Rubrik („Leave a reply“), sondern im Online-Auftritt der Wochenzeitung Freitag.
Dort äußert sich „Mopperkopp“:

„Tierischer Sexismus
Herrenwitz Das Internet ist eine Fundgrube für alles Mögliche, auch schrägen Humor. Gibt es einen Unterschied zwischen Witzen, gedruckt in Zeitschriften oder offen im Internet?“
Gewiß. Der Unterschied besteht darin, daß die einen in Zeitschriften gedruckt werden, die anderen im Internet offen sind. Aber „Mopperkopp“ ist sich nicht sicher:
„Ich bin mir nicht sicher. Manche Witze, besonders Witze aus dem so beliebten Genderbereich, lesen sich in kleinen gedruckten Zeitschriften anders, als wenn sie für jeden öffentlich im Internet stehen. Ist das so, oder bilde ich es mir nur ein?“
Das wäre nur dann keine Einbildung, wenn man unterstellen würde, daß eine Zeitschrift im Vergleich zum Internet geradezu ein Medium der Geheimhaltung ist. Weiter:
„Zur Verdeutlichung führe ich ein konkretes Beispiel an, entnommen aus dem Blog Amore e rabbia von Helmut Loeven, dem Betreiber der winzigen Buchhandlung Weltbühne und Herausgeber von DER METZGER, Das satirische Magazin.“
Verdienstvollerweise, wenn auch wahrscheinlich nicht mit dem unethischen Motiv des Empfehlens, sondern mit einem anderen, hat „Mopperkopp“ drei Links zu mir hin gelegt. Wieso beschleicht mich das Gefühl, daß der Verfasser meint, es würde gegen die Buchhandlung Weltbühne sprechen, daß sie „winzig“ ist? Woher will der die räumlichen Ausmaße meines Geschäfts kennen? Weiter:
„Da momentan Satire auch im Freitag ein Thema ist, […] man außerdem wohl über ein Satire-Ressort nachdenkt, […]stellte sich mir bei der Lektüre des erwähnten Beispiels, abgesehen vom Niveau (Nivea würde hier auch passen), gleich die Frage:
Ist das Sati(e)re oder Humor und würde der Freitag das drucken?
Ein Mann kommt in das Schlafzimmer seiner Frau. Er trägt ein Schaf auf dem Arm. Er sagt: „Das ist…“
Et cetrera – siehe dort.

Maike Hank (die wenigstens unter einem Namen firmiert) kommentiert den Kommentar:
„Es steht ja schon in der Überschrift, dass es sich um Sexismus handelt.“
Das ist ja mal eine Beweisführung, die immer gelingt. Häng ein Schild dran! Kleb einen Bonbon ans Hemd! Sie kann darum gelingen, weil mit einem Begriff hantiert wird, der alles und nichts bedeutet. Wenn dir was nicht paßt, du aber nicht ausdrücken kannst wieso, dann etikettiere es. Weiter:
„Ich vertrete die These, dass man im sehr kleinen Kreis, wo sich alle kennen und absolut klar ist, wie was aufgefasst und gemeint ist, durchaus mal einen ’schlechten‘ Witz machen kann – dann sollte er aber wenigstens gut sein.“
Das nenne ich Dialektik.
„Verstehe aber, dass auch diese Haltung nicht unproblematisch ist, da man Sexismus etc. auch auf diese Weise reproduziert und sich daran gewöhnt.
(Die Leserschaft einer linken Zeitung ist ganz gewiss nicht solch ein Kreis. Auch nicht die dazugehörige Online-Community.)“
Was man sich doch für Ausreden einfallen läßt, den METZGER nicht zu lesen! Wer die Eingrenzungen intus hat und im SEHR kleinen Kreis sagen darf, was man nicht sagen darf, kann sich auch von etwas distanzieren, was er (resp. sie) nicht kennt, und braucht nicht zu wissen, was diese eine Zeitschrift, die sich gern „links“ nennen läßt, mit anderen „linken“ Zeitschriften gemeinsam hat und was sie von denen unterscheidet. Sie unterscheidet sich, so viel sei verraten, durch meine Abneigung gegen Jargon, Umgangsformen und Konventionen, durch die das linke Milieu sich konstituiert, und durch meinen Unwillen, der dadurch erregt wird, daß in und nach einer Revolution die Revolutionäre den Revolutionswächtern den Platz freimachen müssen (gilt auch für Revolutionen, die gar nicht stattfinden).

Ich bin mir sicher, daß die Kommentatoren beim Studium dessen, worüber sie den Kopf schütteln, nicht so weit vorgedrungen sind, um die Notate zur „allgemeinen Witzkunde“ zu entdecken („Wat is eigentlich dat Komische an einem Witz?“). Nein, das verlinke ich nicht. Sollen sie es selber suchen. (Tun sie nicht).

Wer, wie Maike Hank, den in den 70er Jahren entwickelten Progressiven Alltag (nebst sehr kleinem Kreis) eingeübt hat, kennt sich doch auch mit Ausflüchten aus. Etwa: „Man wollte doch nur mal aufzeigen, wie schrecklich das alles ist.“
Ohne Ausflucht erkläre ich: Dieser Witz mag kein schöner Witz sein. Er kann auch nicht schöner sein als der Zustand, über den er Aufschluß gibt. Aufschluß gibt er über das sexuelle Elend, das uns umgibt. Dieses kommt auch dadurch zum Vorschein, daß – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – sexuelle Kontakte kein sicheres Anzeichen für Sympathie sein müssen („Idiot!“ „Sau!“).
Er stellt (wie ich finde, recht authentisch) die Zerrüttung des Geschlechterverhältnisses dar, an der auch das Milieu, in dem der „Genderbereich beliebt“ ist, mitwirkt.

Foto: Hafenstaedter

..

Das ethische Motiv des Grames (Erster Teil)

Aus der Geschichte der Buchhandlung Weltbühne. Blicken wir zurück auf eine „Affäre“, die vor fünf Jahren für Ärger sorgte. Der in drei Folgen dokumentierte Text erschien in DER METZGER Nr. 81.

„Der Skandal beginnt, wenn die Polizei ihm ein Ende macht.“
Karl Kraus

Die Buchhandlung Weltbühne erhielt Post vom Obergerichtsvollzieher. Dieser war von der Rechtsanwältin Christine Ehrhardt aus Overath bei Köln beauftragt worden, eine Postübergabeurkunde zustellen zu lassen, der ein Schreiben mit Datum 12.12.2007 angehängt war, das mit den Worten „Abmahnung wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) und Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung – Sehr geehrter Herr Loeven“ begann. Die Rechtsanwältin teilte mit, sie sei von der Gutenberg Fachbuchhandlung Renner GmbH, vertreten durch den Geschäftsführer Guido Renner, mit der Wahrnehmung ihrer rechtlichen Interessen beauftragt worden. Diese habe „nunmehr feststellen“ müssen, „daß Sie … über die Internetplattform booklooker.de das Buch von Guido Crepax mit dem Titel ,Laterna Magica‘ zum einem Preis von 31 Euro zum Kauf anboten.“ Das genannte Buch sei jedoch von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in die Liste jugendgefährdender Schriften aufgenommen worden (bekanntgegeben im Bundesanzeiger am 30.3.1983, also knapp 25 Jahre vorher). Der Verkauf jugendgefährdender Medien (worunter unhinterfragt solche Medien verstanden werden, die von der Bundesprüfstelle als solche indiziert wurden) über das Internet sei nach dem Jugendschutzgesetz verboten und strafbar, wurde dem Inhaber der Buchhandlung Weltbühne mitgeteilt, und auch, was der Sinn dieses Gesetzes sei: „Kinder und Jugendliche vor dem negativen Einfluß von pornographischen, verrohenden und gewaltverherrlichenden Medien zu schützen“ und zu verhindern, „daß Kinder und Jugendliche durch Darstellung oder Schilderung in Medien, die ein verfälschtes Bild dessen, was der Normalität im Umgang zwischen jungen Menschen und Erwachsenen entspricht, und über die Grenzen des Selbstbestimmungsrechtes der Kinder und Jugendlichen täuschen, verunsichert und … beeinträchtigt werden, sich gegenüber Übergriffen von Erwachsenen zu wehren (Stichwort Kinderpornographie).“ Gemeint ist wohl: „sich gegen Übergriffe zu wehren“.

Auf ein paar Seiten in DER METZGER 81 und auf der Titelseite (Abb.) wurden Bildzitate aus „Laterna Magica“ zur Besichtigung freigegeben.

Durch das Angebot der Buchhandlung Weltbühne fühlte sich die Mandantin der Rechtsanwältin „als Mitbewerberin“ beeinträchtigt, wodurch diese zur Abmahnung und zur Inanspruchnahme von Schadenersatz berechtigt sei. Die Rechtsanwältin forderte den Inhaber der Buchhandlung Weltbühne auf, bis zum 28.12.2007 eine Unterlassungserklärung abzugeben, in der er sich verpflichten sollte, „bei Übernahme einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung … fälligen Vertragsstrafe in Höhe von 5.100 Euro zu unterlassen, Schriften und andere Schriften gleichstehende Darstellungen, die … in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen … worden sind, öffentlich in Medien – insbesondere im Internet – zum Kauf anzubieten“. Anderenfalls würde sie bei Gericht eine einstweilige Verfügung beantragen, woraus sich – so rechnete sie vor – bei einem Streitwert von 15.000 Euro Gerichts- und Anwaltskosten von 4.141,30 Euro ergeben würden.


Man könnte glatt den Eindruck haben, die Rechtsanwältin Christine Ehrhardt aus Overath bei Köln gehöre zu jenen Winkeladvokaten, die en masse Geschäfts- und Privatleute per Abmahnung abzocken und mit erheblicher krimineller Energie die Schlafmützigkeit deutscher Gerichte ausnutzen, welche sich zu deren Begünstigern machen, indem sie derlei Verfügungen routinemäßig durchwinken. Doch „nicht um ein Geschäft zu machen, sondern aus dem ethischen Motiv des Grames“ (Karl Kraus) zu handeln gibt sich die Rechtsanwältin Christine Ehrhardt aus Overath bei Köln zu verstehen, die nicht nur die Interessen ihrer durch das Angebot der Buchhandlung Weltbühne arg ins Hintertreffen geratenen Mandantin wahrt, sondern auch die Unschuld der Kinder im Auge hat. Dennoch wollte und konnte der Inhaber der Buchhandlung Weltbühne ihren Gram nicht mindern. Er gab die geforderte Unterlassungserklärung nicht ab. Mit Schreiben vom 14.12.2007 antwortete er: „Ich weise Ihre Abmahnung – sowie sämtliche daraus resultierenden Forderungen – als unberechtigt zurück. Wie ich herausfinden konnte, haben Sie für Ihre Mandantin innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl gleichartiger Abmahnungen verschickt. Schon dies allein ist ein Indiz dafür, daß die Abmahnung rechtsmissbräuchlich ist (vgl. LG Bielefeld, Az. 15 O 53/06). Darüber hinaus war die Einschaltung eines Rechtsanwaltes für eine Vielzahl von Abmahnungen ohnehin nicht erforderlich (vgl. OLG Düsseldorf 20 U 194/00). Schließlich ist bislang nicht ersichtlich, daß Ihre Mandantin als Buchhändlerin überhaupt im einschlägigen Markt tätig geworden ist. Ich bestreite daher die Aktivlegitimation Ihrer Mandantin. Ein möglicher Verstoß gegen das JuSchG wäre hier wettbewerbsrechtlich ohnehin so unbedeutend, daß die Abmahnung schon allein aus diesem Grund nicht gerechtfertigt ist. Darüber hinaus dürfte der angesetzte Streitwert deutlich überzogen sein.“ Er folgte damit dem Rat des Rechtsanwalts Christian Solmecke aus Köln, der von der Firma Booklooker eingeschaltet worden war.
(Fortsetzung folgt).

Schöne Postkarten!

In der Verlegenheit, zu den bevorstehenden Festtagen und zum Jahreswechsel Grußkarten an liebe oder unliebe Zeitgenossen verschicken zu müssen, allerdings vom Willen beseelt, die gängigen Kitschkarten zu vermeiden?
Jetzt ist auch die Saison, in der Neujahrskarten angeboten werden, mit deren Verkaufserlös ein wohltätiger oder mildtätiger Zweck gefördert wird.
Das tu ich jetzt auch. Dieses Angebot geht allerdings über die Wohltätigkeit und Mildtätigkeit hinaus. Gefördert wird in diesem Fall ein subversiver Zweck.
Mit dem Verkauf der Postkarten der SITUATIONSPRESSE kann/soll/darf der akute Überlebenskampf der Buchhandlung Weltbühne unterstützt werden.
Drei Serien werden angeboten. Sucht Euch eine aus (oder nehmt alle drei).
Die angegebenen Preise einschließlich Versandkosten.
Bestellungen richtet bitte an:
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
Dann wird mit Rechnung geliefert.
Oder: per Brief an Buchhandlung Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg.
In diesem Fall sollte der Bestellwert als V-Scheck oder in Briefmarken (kleine Werte!!) beigelegt werden, wobei ich nichts dagegen habe, wenn der Bestellwert aufgerundet wird (jawohl, so stehen die Dinge).
(Man kann natürlich auch vorbeikommen und sich eine eigene Auswahl aus dem Kartensortiment zusammenstellen).

Einige der angebotenen Motive sind zugegebenermaßen „unanständig“, wodurch sie sich für einen Wunsch für ein glückliches neues Jahr besonders gut eignen.

Serie 1: Postkaten nach Entwürfen von Magda Gorny.
7 Postkarten: 8 Euro

Serie 2: Stadt-Mauer-Ansichten, fotografiert von Heinrich Hafenstaedter.
6 Postkarten: 7 Euro

Serie 3: Bilder aus dem Weltbühne-Universum.
6 Postkarten: 7 Euro

WELTBÜHNE MUSS BLEIBEN!

Weltbühne muß bleiben

Das war im Juni hier zu lesen:
Am 15. Juni 1987 wurde die Eröffnung der Buchhandlung Weltbühne gefeiert […]. 25 Jahre Buchhandlung Weltbühne!
Ein Jubiläum, das nun allerdings nicht mit ungetrübter Freude gefeiert werden kann. Fortsetzung folgt.

Hier ist die Fortsetzung:

Die Feierlichkeiten fanden in kleinem Kreis und ohne viel Trara statt. Denn erstens: Die lange Vorgeschichte sollte nicht abgekoppelt werden. Den 25 Jahren Weltbühne gingen 13 Jahre Buchladen im Eschhaus voraus. Eigentlich war es das Jubiläum eines Umzugs, und mit der Eröffnung des Eschhaus-Buchladens 1974 begann die Geschichte ja auch nicht erst. Der wirkliche Anfang war 1968.
Und zweitens: Just in jenen Junitagen stand die Buchhandlung am Abgrund – infolge äußerer Entwicklungen.


In der Buchhandelsbranche, vor allem in Zwischenbuchhandel vollziehen sich Konzentrationsprozesse, die die kleinen und unabhängigen Buchhandlungen an den Rand drängen. Eine Schlüsselrolle spielen die Barsortimente, die die Buchhandlungen in die Lage versetzen, lieferbare Titel im Kundenauftrag gebündelt und schnell zu besorgen. Ohne Anschluß an ein Barsortiment ist eine Buchhandlung vom Beschaffungsgeschäft praktisch abgeschnitten, dabei macht dieser Geschäftsbereich über 80 Prozent des Umsatzes aus.
Das Barsortiment Könemann, bisher spezialisiert auf die Versorgung kleiner Läden, wurde vom Branchenriesen Libri geschluckt, und der ist nicht bereit, die kleinen Klitschen zu beliefern.
Die Barsortimente wollen (oder müssen) ihren Marktanteil vergrößern und üben Druck auf die Buchhandlungen aus, ihr Auftragsvolumen zu steigern. Die Verlagsauslieferungen kontern mit günstigeren Rabatten, die die kleinen Läden aber kaum nutzen können, weil sie bei den Barsortimenten das vereinbarte Auftragsvolumen erfüllen müssen. Die Verlage wiederum stöhnen unter dem Druck der Barsortimente, weil auf diesem Vertriebsweg die Gewinnspanne für sie besonders niedrig ist.
„Strategiepapiere“ zirkulieren, in denen moniert wird, daß bei den Barsortimenten viel zu viele Männekes und Fräukes beschäftigt sind, die an Packtischen viele kleine Päckchen packen für viele kleine Buchhandlungen, wo es doch viel rentabler wäre, nur noch im Sammelverkehr Großkunden zu beliefern..
Da sind keine nüchternen Kaufleute am Werk, sondern durchgedrehte Manager („Unternehmensberater“), denen als eigentliches Unternehmensziel der Stellenabbau vorschwebt. Vom Fach haben die „Unternehmensberater“ dieser Tage keine Ahnung, und sie wissen auch gar nicht, was ein Buch ist. Mit dem modernen Manager ist die Irrationalität ins Wirtschaftsleben eingedrungen.
Die Lage für die Buchhandlung Weltbühne ist für eine Gnadenfrist entschärft, weil sie von einem der drei noch verbliebenen Barsortimente (dem kleinsten) akzeptiert wurde. Aber nach diesem streckt schon der andere Branchenriese die gierige Fusionshand aus. Und wie das vereinbarte jährliche Auftragsvolumen jemals erreicht werden soll, das weiß der liebe Himmel. EINE VERDOPPELUNG DES AUFTRAGSVOLUMENS IM BESCHAFFUNGSGESCHÄFT IST EINERSEITS KAUM ZU SCHAFFEN UND WÜRDE ANDERERSEITS NOCH NICHT EINMAL REICHEN.

Das ist noch nicht das ganze Ausmaß der Kalamität. 25 Jahre Buchhandlung Weltbühne bedeutet zugleich: 25 Jahre Boykott durch die aktive und organisierte Linke.
Aber das ist ein Kapitel für sich. SPÄTER DAZU MEHR.


Heute geht dieser Appell an alle, deren Herz links schlägt und die sich an informelle Boykottbeschlüsse, ungeschriebene Unvereinbarkeitsgesetze und unbewußte Ausgrenzungsgewohnheiten nicht gebunden fühlen: Es ist keine Zeit zu verlieren. Das Prinzip der Solidarität muß auch in linken Kreisen wieder eingeführt werden.

Sie können und sollten das vielfältige Leistungsangebot der Buchhandlung Weltbühne nutzen: Jedes lieferbare Buch wird besorgt, der Versanddienst liefert an jeden Ort in jedem Land. Wir leben nicht mehr im Postkutschenzeitalter. Man muß nicht vorsprechen und anreisen, um ein Buch zu bestellen und abzuholen. Man kann auch per Telefon oder E-mail bestellen und sich das Bestellte mit der Post schicken lassen.
Auch wir haben Internet und E-mail, sogar Telefon. Und die Post befördert sogar Päckchen, Pakete, Bücher- und Warensendungen, die von uns abgeschickt werden.
Wir forschen für Sie nach „entlegenen“ und vergriffenen Büchern.
Eines unserer Prinzipien: In der Buchhandlung Weltbühne wird nicht verramscht und remittiert. Bücher, die nicht verkauft wurden, bleiben im Angebot, auch wenn dadurch investiertes Kapital jahrelang gebunden bleibt. Wir haben die Bücher, die anderswo längst vergriffen sind.
Wir haben nicht nur Bücher. Schaut auf die Weltbühne-Homepage. Werde Stammgast im Weblog Amore e Rabbia.

ALLE AUFTRÄGE AN UNS! Mit Bestellungen für Ausbildung, Studium, Schule, Beruf, Weiterbildung wird die Leitungsfähigkeit der einzigen linken Buchhandlung der Region gesichert.
Aber es geht längst nicht nur um die Leistungsfähigkeit. In diesen Tagen und Wochen geht es um Sein oder Nichtsein.

Noch ein Hinweis: Wer bei Amazon etwas bestellen will, was sich außerhalb unseres Leistungsangebots befindet (Armbanduhr, Motorradersatzteile, Badematten, Küchengeräte, Bassverstärker etc. pp.), sollte über den Amazon-Button auf der Weltbühne-Homepage oder über den Link unten auf dieser Seite dorthin gehen. Amazon zahlt dann an uns eine Provision, was sich als sehr wirksame Hilfe erwiesen hat.

Spenden sind in dieser Situation willkommen und wohl auch unverzichtbar.
Spendenkonto: SSB e.V. Kto.-Nr. 403956432 Postbank Essen BLZ 360 100 43

LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.
Weltbühne muß bleiben.

Neu in der Weltbühne: Freunde erinnern an Franz Josef Degenhardt

Eine Neuerscheinung, die ich mit Stolz vorstelle, ist die Doppel-CD „Franz Josef Degenhardt: Freunde feiern sein Werk“ – Ausschnitte aus dem Konzert im Schiffbauerdamm-Theater in Berlin, das für den 80. Geburtstags von Franz Josef Degenhardt vorgesehen war, dann aber zu einem Gedenkkonzert wurde.


Ich zitiere den Text, mit dem der Schallplattenverlag diese Aufnahme vorstellt:
Ein Geburtstagskonzert sollte es eigentlich werden. Ein großer, auch bunter Abend für den wohl wichtigsten deutschen Liedermacher. Aber dann konnte Franz Josef Degenhardt sein 80. Lebensjahr doch leider nicht mehr vollenden, nachdem er am 14. November 2011 verstorben war. Und so standen sie am 19. Dezember fast vier Stunden lang zum Abschied auf der Bühne am Schiffbauerdamm vor ausverkauftem Haus. Die Tickets waren im Nu vergriffen – und die, die keins mehr abbekommen hatten, konnten in Nebenräumen auf Leinwänden mitverfolgen, wie 25 Kollegen unterschiedlichster Provenienz sowie Musiker und Mitglieder des Berliner Ensembles den Komponisten, Texter und Schriftsteller Degenhardt zelebrierten. Warum das Publikum danach nicht anders konnte, als mit stehendem Applaus zu danken, lässt sich nun auch auf einer Doppel-CD nachhören, welche die schönsten Momente dieser etwas anderen Tribute-Veranstaltung dokumentiert.
Der nun posthum Geehrte war zunächst wenig begeistert von der Idee, sich einen Abend lang groß feiern zu lassen. Doch das Konzept überzeugte ihn denn doch. Denn die Beteiligten verneigten sich nicht nur mit einem persönlich gewählten Degenhardt-Stück vor „dem Meister“, wie ihn sein alter Weggefährte und Freund Hannes Wader nennt, sondern gaben auch eigene Lieder zum Besten, aus denen nicht selten ganz viel „Karratsch“ (so nannten ihn die Freunde) spricht. Beeindruckend und berührend ist die Nachlese dieses gelungenen Abends am Bertolt-Brecht-Platz aber nicht nur, weil der Geist des Mannes aus Schwelm in Westfalen im Schaffen vieler anderer weiterlebt, sondern weil er dabei auch längst in der übernächsten Generation angekommen ist.
So wird dieser Konzertmitschnitt gleich mal von Max Prosa eröffnet, der mit gerade mal 22 Jahren schon zu den gewichtigsten, neuen Stimmen dieses Landes gehört und mit kraftvoller Poesie „Die Abgründe der Stadt“ besingt. Oder später der amerikanische Wahl-Berliner Daniel Kahn, der Degenhardt’s „Die alten Lieder“ mit seinem eigenen „The Good Old Bad Old Days“ in der Tradition des jiddischen Protest-Songs auch mal hübsch konterkariert. Doch ist natürlich auch die Degenhardt-Generation prominent vertreten. Etwa mit Gisela May, die – von Konstantin Wecker im Publikum entdeckt – mal eben ganz spontan auf die Bühne kam und selbst mit einem kurz improvisierten „Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens“ ihrem Ruf als herausragende Weill / Brecht-Interpretin gerecht wird. Oder auch mit Zeremonienmeister Wecker, der Degenhardt’s „Weiter im Text!“ singt, um dann gemeinsam mit Prince Chaos II die Parole „Empört Euch!“ auszugeben.
Und irgendwo dazwischen steht dann Wiglaf Droste, der große, lustvolle Provokateur, der mit der ungebrochen aktuellen Faschismus-Parabel „Wölfe mitten im Mai“ eben auch ganz persönliche Erinnerungen verbindet, an einen 1. Mai in Kreuzberg Ende der 1980er, samt folgendem U-Haft-Aufenthalt. Der aber auch gern gleich an den scheinbar anderen Franz Josef Degenhardt erinnert, der „die Liebenden steigen in den gleichen Fluß und küssen sich in den Fluten“ textete. Die Poesie dieses außergewöhnlichen Mannes drehe sich, so Droste, „in aller politischen Entschiedenheit, um die Lebenssaftigkeit im Hier und Jetzt, um die Feier des Daseins an jenem ‚Tisch unter Pflaumenbäumen‘, den er besang. Von der Aussicht auf ein besseres Leben irgendwann einmal läßt sich schließlich nicht leben, das muß man gleich tun.“ Franz Josef Degenhardt tat es. Bis zum letzten Atemzug kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Max Prosa, Gisela May, Barbara Thalheim, Wiglaf Droste, Götz Widmann, Dota Kehr, Goetz Steeger, Kai Degenhardt, Frank Viehweg, Joana, Daniel Kahn, Konstantin Wecker, Prinz Chaos II., Jan Degenhardt, Hannes Wader.

Wenn Sie bestellen wollen, dann hier.
Diese CD ist, wie alle unsere Angebote, auch im Versand erhältlich.
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bücher IN der BUCHHANDLUNG weltbühne UND sonst NIRGENDS.“
Weltbühne muß bleiben.

Ein Verlag stellt ein Buch vor

Barbara Eder, Felix Wemheuer: Die Linke und der Sex. Klassische Texte zur wichtigsten Frage. Edition Linke Klassiker im Verlag Promedia, Wien 2011. 176 Seiten. 18,90 Euro – zu beziehen durch die (Versand-)Buchhandlung Weltbühne.


In der Verlagswerbung steht:
„Die Überwindung von autoritären Formen der Kindererziehung und monogamen, eheähnlichen Zweierbeziehungen war immer wieder integraler Bestandteil utopischer Gesellschaftsentwürfe auf Seiten der politischen Linken. Ebenso waren viele AktivistInnen“ (gemeint: Aktivistinnen und Aktivisten) „der 1968er-Bewegung“ (gemeint ist die sogenannte 68er-Bewegung) „der Überzeugung, soziale Revolution sei nicht ohne ‚befreite‘ Sexualität denkbar. Die Hoffnungen, die mit der Idee einer ’sexuellen Revolution‘ verbunden wurden, haben sich jedoch nicht erfüllt: Radikale Kommune-Projekte scheiterten […] Feministinnen kritisierten zu Recht, dass Fragen von Reproduktionsarbeit und Heterosexismus in gesellschaftsverändernden Entwürfen der Linken nur selten mitbedacht wurden.“

Was für ein Text aber auch!

Feministinnen äußern ihren Unmut darüber, daß über „Reproduktionsarbeit und Heterosexismus“ nicht genügend herumgelabert wurde. So müßte es heißen, wenn man es in Klartext übersetzt. Wer die Linken der 70er Jahre samt ihren „gesellschaftsverändernden Entwürfen“ aus nächster Nähe miterlebt hat und zudem Feministinnen „kritisieren“ gehört hat, versteht mich. Über so ein Wort-Getüm wie „Heterosexismus“ werde ich mich bei anderer Gelegenheit aufregen. Jedenfalls kann man dann, wenn Linke über Sex reden („debattieren“) nicht leicht auf die Idee kommen, daß Sex etwas mit Lust zu tun hat.
Die Hoffnungen, die mit der Idee einer „sexuellen Revolution“ verbunden wurden, haben sich nicht erfüllt? Tatsächlich nicht? Es mag sein, daß diese oder jene Hoffnung nicht in Erfüllung ging. Oft kommt es anders als man hofft. Oft sucht man etwas und findet es nicht. Dafür findet man etwas, wonach man gar nicht gesucht hat. Ist das schlecht? Die Sexuelle Revolution, die nun einmal eine Realität ist, sollte an ihren Resultaten gemessen werden, so unvollkommen sie auch geblieben sein mag. Man vergleiche bitte – bei aller Kommerzialisierung und Entfremdung, die geblieben sind – den gesellschaftlichen Umgang mit der Sexualität heute mit der Art und Weise, wie in den 50er Jahren damit umgegangen wurde. Wer darin nicht einen enormen Fortschritt zu erkennen vermag, dem kann ich auch nicht helfen. Jenen (Feministinnen), die die Sexuelle Revolution (mit unzähligen Zitaten belegbar) schlichtweg für die Wurzel allen Übels halten, attestiere ich eine Meise unterm Ponni.
(Wer lesen kann, dem empfehle ich den Aufsatz „Sie müssen nicht, was sie tun“ in DER METZGER 90, geschrieben von Lina Ganowski. Der gehört zum Besten, was in über 40 Jahren in DER METZGER erschienen ist. Dafür möchte ich sie küssen und ihr anerkennend auf den Hintern klatschen).

Hat Recht: Lina!

Bei den „utopischen Gesellschaftsentwürfen“ hat mich oft das Gefühl beschlichen, daß sie der Ablenkung dienen, der Täuschung, vor allem der Selbst-Täuschung. Vielleicht sollte man spaßeshalber vom anderen Ende her beginnen, indem man die eigenen Bedürfnisse erkennt und Widerstand leistet, wo Widerstand nötig ist, um das zu bekommen, was einem zusteht. Regelverletzungen begeht man dann nicht um der Regelverletzung willen, sondern man nimmt es auf sich, wenn es anders nicht möglich ist, Regeln zu verletzen, auch solche, die in den „Debatten“ von Linken beschlossen werden bzw. die ihnen von „kritisierenden“ Feministinnen aufoktroyiert werden.
(Kürzlich kaufte jemand den METZGER und lobte, das sei die einzige linke Zeitung, in der „Bilder von Titten“ zu sehen sind. Solch ein Bild ist ein Regelverstoß. Aber es erscheint nicht, WEIL es ein Regelverstoß ist, sondern um Leserinnen und Lesern eine Freude zu machen, die einen Sinn für Schönheit haben).

„Radikale Kommune-Projekte scheiterten“. Jaja, die Linken und ihr geliebtes Scheitern! Vielleicht scheitern sie deshalb so gern, weil die Verwirklichung der „utopischen Gesellschaftsentwürfe“ auch von denen gefürchtet werden muß, die sie entwerfen.
Ich habe in zwei Kommunen gelebt (1968-69 und 1970-73). Beide waren so radikal, wie sie nur sein konnten. Sie sind nicht gescheitert, sondern sie wurden beendet. Wenn der Herbst kommt, sage ich ja auch nicht „Der Sommer ist gescheitert.“

P.S.: An meiner Lust wird die Welt nicht zugrunde gehen. Im Gegenteil!
Jawohl!

Made in Germany (Nachtrag)

Zum Hype „Ikea und DDR“ empfehle ich als weiterführende Literatur:


Friedrich-Martin Balzer (Hg.): Justizunrecht im Kalten Krieg. Die Kriminalisierung der westdeutschen Friedensbewegung im Düsseldorfer Prozeß 1959/60. Mit einer Einleitung von Heinrich Hannover. Beiträge von Walther Ammann, Walter Diehl, Rudolf Hirsch, Friedrich Karl Kaul, Diether Posser und Denis Noel Pritt. PapyRossa Verlag 2006. 380 S. 24 Euro
„Staatsgefährdung“ lautete die Anklage gegen Vertreter des „Friedenskomitees der Bundesrepublik“, über die 1959/60 fünf Monate lang vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt wurde. Exemplarisch für das „Justizunrecht im Kalten Krieg“ dokumentiert das vorliegende historische Lesebuch diesen, wie Diether Posser formulierte, bis dahin „bedeutendsten politischen Strafprozeß seit Bestehen der Bundesrepublik“. Es beleuchtet das politische, juristische und gesellschaftliche Umfeld, in dem ein derartiger Prozeß überhaupt erst möglich war: Die Inkorporation der NS-Eliten in staatliche und gesellschaftliche Führungspositionen sowie die Übernahme des Antikommunismus des „Dritten Reichs“ als Staatsdoktrin in Westdeutschland. Diese richtete sich keineswegs nur gegen Kommunisten, sondern fungierte als ideologische Waffe zur Einschüchterung der gesamten Linken sowie aller gewerkschaftlichen, friedensbewegten und demokratischen Bestrebungen und beschädigte somit tiefgreifend die im Grundgesetz festgelegte Verfassungsordnung. Allein schon daraus ergeben sich die ungeschmälerte Aktualität der Plädoyers und rückblickenden Betrachtungen der Verteidiger Walther Ammann, Heinrich Hannover, Diether Posser, Friedrich Karl Kaul und N.D. Pritt. Zugleich wird damit die Notwendigkeit unterstrichen, die „vergessenen Justizopfer des Kalten Krieges“, so Heinrich Hannover, endlich zu rehabilitieren. Mit der umfangreichen Dokumentation der DDR-Sicht auf diesen Prozeß gibt das Buch darüber hinaus einen Anstoß für eine vergleichende Geschichtsschreibung beider deutscher Staaten.

Marx-Engels und die politische Justiz in der BRD. Dokumentation einer Tagung. Herausgegeben von der Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges und der Marx-Engels-Stiftung. 128 S. 10,25 Euro
Referate der Tagung am 17. März 2001 in Berlin. Beiträge von Ewald Stiefvater, Dr. Robert Steigerwald, Karl Stiffel, Gerd Deumlich, Prof. Dr. Siegfried Mechler, Prof. Dr. Erich Buchholz, Prof. Dr. Wolfgang Richter, Wolfgang Gehrke, Sepp Mayer, Dr. Rolf Gössner, Dr. Heinrich Hannover.

Heinrich Hannover: Reden vor Gericht. Plädoyers in Text und Ton. PapyRossa Verlag 2010. 276 S. mit Abb. Hardcover mit einer Audio-CD. 22 Euro
Heinrich Hannover, geboren 1925, Rechtsanwalt, tätig vorwiegend als Strafverteidiger und als Vertreter von Kriegsdienstverweigerern. Zahlreiche Sachbücher zu zeitgeschichtlichen, juristischen und politischen Themen sowie Kinderbücher. Radio Bremen stellte ihn so vor: „Im Bremen der 50er Jahre als Kommunistenanwalt verschrien, wurde er in den 60ern bundesweit bekannt durch die Verteidigung von Ulrike Meinhof, Günter Wallraff und Peter Paul Zahl, Rosalinde von Ossietzky und in jüngster Zeit Hans Modrow – die Liste von Hannovers Klienten ist lang.“ Heinrich Hannover hat als Strafverteidiger Geschichte geschrieben. Hier sind Plädoyers aus dem Bereich des politischen Strafrechts wie dem der „nichtpolitischen“ Kriminalität zusammengestellt und zeitgeschichtlich eingeordnet. Etliche Verfahren haben aufgrund der Prominenz der Beteiligten große Beachtung gefunden. So die gegen Lorenz Knorr wegen „Beleidigung“ von Hitler-Generälen als Massenmörder (1964), gegen Daniel Cohn-Bendit wegen Landfriedensbruch (1968), gegen Karl Heinz Roth (1977) und Astrid Proll (1979/80), die trotz falscher Zeugenaussagen von Polizeibeamten von der Anklage des Mordes und Mordversuches freigesprochen wurden, und gegen Hans Modrow wegen Wahlfälschung (1993). Internationales Aufsehen erregte insbesondere der Prozess gegen einen SS-Funktionär wegen Beteiligung an der Ermordung von Ernst Thälmann im KZ Buchenwald. Hier vertrat Hannover die Nebenklage (1982-1987). Die CD mit Tonaufnahmen aus dem Gerichtssaal ist eine einmalige Dokumentation bundesdeutscher Justizpraxis und macht den jeweiligen Zeitgeist unmittelbar spürbar. Auf einer Audio-CD Originaltöne u. a. aus Prozessen gegen Daniel Cohn-Bendit und Karl Heinz Roth sowie aus dem Verfahren wegen der Ermordung von Ernst Thälmann im KZ Buchenwald.

Heinrich Hannover: Die Republik vor Gericht 1954-1995. Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwalts. Aufbau Taschenbuch. 960 S. 16,90 Euro
„Die Liste von Heinrich Hannovers Mandanten spiegelt ein Stück bundesdeutscher Geschichte wieder. Die Verfahren gegen Günter Wallraff, Ulrike Meinhof, Peter-Paul Zahl, Karl Heinz Roth, Astrid Proll oder Daniel Cohn-Bendit standen symbolhaft für den Zustand unserer Bundesrepublik, an deren Rändern zudem eine Fülle jener Namenloser zu Kriminellen erklärt wurde, die in traditionellen Demokratien das Salz der Gesellschaft bilden: Kommunisten, Anarchisten, Kriegs- und Atomwaffengegner, radikale Kritiker und Unruhestifter.“ (Klappentext). Das ursprünglich zweibändige Werk in einem Band.

Die genannten Titel sind teilweise bei den Verlagen schon vergriffen, aber in der Buchhandlung Weltbühne noch erhältlich.

Man sagt: Sie sind der Beste

Es gab mal diesen Werbespot:
In einem kargen Philipp-Marlowe-Büro sitzt der Detektiv hinter dem Schreibtisch. Die Tür geht auf, und da steht eine schöne geheimnisvolle Dame.
„Man sagt – Sie sind der Beste.“
„Schon möglich“, sagt der Mann und zieht an seiner Zigarette. „Was kann ich für Sie tun, Lady?“
Da stürzt sie ins Zimmer und ruft aufgeregt: „Finden Sie einen Optiker, der billiger ist als Fielmann!!!“
Der Detektiv lehnt sich zurück, zieht an seiner Zigarette und brummt: „Vergessen Sie‘s.“


Ich ging zu meinem Buchladen. Vor dem Schaufenster stand eine junge Frau, eine rassige Schönheit, schwarzhaarig. Als ich mich näherte, lief sie mir entgegen, fragte aufgelöst, ungeduldig: „Wer ist denn eigentlich der Herausgeber dieser Zeitschrift – ‚Der Metzger‘???“
„Das bin ich.“
„Ohh! Cool!“ hauchte sie und schritt von dannen.