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Schlagwort-Archiv: Kalter Krieg
6. August: Hiroshima-Tag. Zwei Bekanntmachungen
Das Duisburger Friedensforum (www.friedensforum-duisburg.de) veranstaltet anlÀsslich des Internationalen Hiroshima-Tages am 6. August eine Mahnwache im Innenhafen am Joh.-Corpitius-Platz und sandte folgende Pressemitteilung:
Pressemitteilung des Friedensforums Duisburg zu den Nuklearbomben-AbwĂŒrfen auf Japanische StĂ€dte
Hiroshima und Nagasaki mahnen: Atomwaffen Àchten!
Mit dem Abwurf von Atombomben ĂŒber die japanischen StĂ€dte HIROSHIMA und NAGASAKI am 6. August und 9. August 1945 verwandelten zwei Atombomben zwei japanische StĂ€dte zu atomaren Höllen. Zehntausende Menschen waren sofort tot. Bei Menschen, die sich im innersten Stadtkern aufhielten, verdampften die obersten Hautschichten. Der gleiĂende Blitz der Explosion brannte Schattenrisse von Personen in stehengebliebene HauswĂ€nde ein, ehe die Menschen von der Druckwelle fortgerissen wurden. Die ĂŒberwiegend unmittelbar bei der Explosion freigesetzte nukleare Strahlung tötete in den Wochen darauf zahlreiche weitere Einwohner, die zwar nicht der unmittelbaren Druck- und Hitzewelle zum Opfer gefallen waren, jedoch tödliche Strahlendosen erhalten hatten. Insgesamt starben bei den Angriffen samt den SpĂ€tfolgen bis 1946 unterschiedlichen SchĂ€tzungen zufolge 90.000 bis 166.000 Menschen.
Am 8. Juli 1996 stellte der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Rechtsgut-achten einstimmig fest, dass sowohl der Einsatz von Atomwaffen als auch die
Drohung mit dem Einsatz dieser Waffen generell völkerrechtswidrig ist. Die Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen ist aber ein Kernelement der Atomwaffendoktrin der NATO und damit auch Deutschlands, das ĂŒberdies aktiv an der »nuklearen Teilhabe« mitwirkt und bis heute die Stationierung von US-Atomwaffen in BĂŒchel zulĂ€sst. Aktuell wurden PlĂ€ne aus dem Bundesverteidigungsministerium vorgelegt, die Tornado-Kampfflugzeuge der Bundeswehr ab 2025, durch bis zu 93 Eurofighter-Jets zu ersetzen sowie 45 F-18-Kampflugzeugen von Boeing. Das US-Modell soll fĂŒr den elektronischen Luftkampf sowie fĂŒr die âNukleare Teilhabeâ Deutschlands an US-Nuklearwaffen beschafft werden. Bewaffnete Drohnen stehen dem MilitĂ€r in Aussicht.
Wir appellieren an die Bundesregierung, die katastrophalen und inhumanen Folgen eines Nuklearwaffeneinsatzes anzuerkennen und dem Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen (UN) beizutreten.
Das Friedensforum Duisburg ruft zur Teilnahme an einer Mahnwache im Gedenken an die Atombomben-Opfer am 6. August auf dem Joh.-Corpitius-Platz im Innenhafen zwischen 18:00 und 21:00 Uhr in der Duisburger Innenstadt, auf.
Nie wieder Krieg! â Keine AuslandseinsĂ€tze der Bundeswehr! â Keine US-Nuklearsprengköpfe auf deutschem Boden weder in BĂŒchel oder anderswo! Dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beitreten! â Atomwaffen Ă€chten und abschaffen!
Die ErklÀrung der DFG-VK-Gruppe Duisburg (August 2007):
Das Zeitalter der Atombombe ist noch nicht beendet
Am 6. August 1945 zerstörte eine amerikanische Atombombe die japanische Stadt Hiroshima. Am 9. August 1945 wurde die zweite Atombombe ĂŒber der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen. Durch die beiden Atomexplosionen kamen mehr als 100.000 Menschen ums Leben. In den Jahren danach â bis heute â haben die radioaktiven SpĂ€tfolgen vielen Menschen Krankheit und Leid gebracht, noch tausenden das Leben gekostet.
Mit dem Einsatz dieser fĂŒrchterlichen Waffe endete der Zweite Weltkrieg, und es begann ein neues Zeitalter. In den Jahrzehnten nach 1945 schwebte die Gefahr eines Atomkriegs als ein Damoklesschwert ĂŒber der Menschheit.
Mit den AtombombenabwĂŒrfen â so wird gesagt â sollte der Zweite Weltkrieg zu einem schnelleren Ende gefĂŒhrt werden, und es sollte das Risiko einer verlustreichen US-Invasion in Japan vermieden werden. Doch der eigentliche Grund verbirgt sich dahinter: Nach dem Sieg ĂŒber Nazi-Deutschland fiel die Anti-Hitler-Koalition, in der die GroĂmĂ€chte USA und Sowjetunion verbĂŒndet waren, auseinander. Die beiden LĂ€nder, die gegensĂ€tzliche Gesellschaftssysteme verkörperten, wurden zu Gegnern. Mit der Atombombe wollten die USA ihre Ăberlegenheit signalisieren. In Hiroshima und Nagasaki begann der Kalte Krieg.
Der Glaube, mit der Bombe ein politisches und militĂ€risches Druck- und Drohmittel zur Durchsetzung ihrer weltpolitischen Ziele in der Hand zu haben, lieĂ die US-Administration eine Politik der Friedenssicherung durch Verhandlungen zugunsten einer âPolitik der StĂ€rkeâ zurĂŒckstellen. Mit der oft beschworenen âsowjetischen Gefahrâ war immer die Infragestellung des Hegemonialanspruchs der USA und der Zukunftsperspektiven des kapitalistischen Gesellschaftssystems gemeint. Die US-Strategie der âEindĂ€mmungâ, des âRoll Backâ und der âMassiven Vergeltungâ basierte auf dem Atomwaffenmonopol der USA. Sie grĂŒndete sich auf die Voraussetzung, daĂ ein termonuklearer Krieg möglich, vorstellbar und vertretbar ist und daĂ er im klassischen Sinn gewonnen und verloren werden kann. Zu diesem Zweck wurde, erst recht nachdem die USA nicht mehr allein ĂŒber Atomwaffen verfĂŒgten, die Atomwaffentechnologie weiterentwickelt: durch Atombomben-Flugzeuge mit groĂer Reichweite, durch mit Atomwaffen ausgerĂŒstete U-Boote, durch MilitĂ€rstĂŒtzpunkte, Mittelstreckenraketen, Marschflugkörper, Interkontinentalraketen und schlieĂlich durch das Programm der WeltraumrĂŒstung SDI.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde zum Vorposten der US-amerikanischen Atomstrategie. Allein die in der BRD stationierten Atomwaffen hĂ€tten ausgereicht, die gesamte Menschheit auszulöschen. Einigen Politikern reichte das nicht. Sie wollten die BRD selbst zur Atommacht machen. 1957 wurde die Frage der AusrĂŒstung der Bundeswehr mit Atomwaffen von der Bundesregierung aufs Tapet gebracht. Der seinerzeitige Verteidigungsminister Franz-Josef StrauĂ damals: âEin Verzicht auf Kernwaffen unter den gegebenen UmstĂ€nden … wĂŒrde militĂ€risch eine Preisgabe Europas an die Sowjetunion bedeuten.â
1958 heiĂt es in einer EntschlieĂung des Deutschen Bundestages, es sei notwendig, âdaĂ die StreitkrĂ€fte der Bundesrepublik mit den modernsten Waffen so ausgerĂŒstet werden, daĂ sie den von der Bundesrepublik ĂŒbernommen Verpflichtungen im Rahmen der NATO zu genĂŒgen vermögen.â Als 1968 der Atomwaffensperrvertrag abgeschlossen wurde, weigerte sich die Bundesregierung lange, diesem Abkommen, das die Weiterverbreitung von Atomwaffen einschrĂ€nken sollte, beizutreten.
Der Kampf gegen die atomare AufrĂŒstung in den 50er und 60er Jahren war der Ausgangspunkt der Ostermarschbewegung, der Friedensbewegung, der AuĂerparlamentarischen Opposition und der systemkritischen Linken in unserem Land.
Mit dem Ende der Systemauseinandersetzung ist die Gefahr eines Atomkrieges keineswegs beseitigt. Heute verfĂŒgen mehr LĂ€nder ĂŒber Atomwaffen als je zuvor, einige weitere LĂ€nder streben danach. Im Dauerkonflikt im Nahen Osten könnten Atomwaffen schon bald eine Rolle spielen.
In den sechs Jahrzehnten des âAtomzeitaltersâ haben sich die USA stets geweigert, einem Abkommen beizutreten, das die Atombombe Ă€chtet. Sie haben sich stets geweigert, sich zu verpflichten, Atomwaffen nicht als erste einzusetzen und nicht gegen LĂ€nder einzusetzen, die ihrerseits nicht ĂŒber Atomwaffen verfĂŒgen und die USA nicht mit Atomwaffen bedrohen. Die USA beanspruchen fĂŒr sich, Atomwaffen wann und gegen wen einzusetzen, wie es ihnen opportun erscheint. Der US-KongreĂ beschloĂ, âdas Sicherheitsdispositiv im gesamten Nuklearwaffenprogramm neu zu beleben und das Bekenntnis der Nation zur Aufrechterhaltung der nuklearen AbschreckungsfĂ€higkeiten der Vereinigten Staaten zu erneuernâ.
Das Atomzeitalter ist nicht beendet. Der Kampf gegen die Atombombe kann daher auch nicht beendet sein.
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner
Gruppe Duisburg
c/o Buchhandlung „WeltbĂŒhne“
Gneisenaustr. 226
47057 Duisburg
E-Mail: info@dfg-vk-duisburg.de
Verantwortlich: Helmut Loeven
Dokument (im Netz gefunden): 1914 oder 1939? Historische Analogien als schwere Waffen im Diskurskrieg
Ein Text (von JĂŒrgen Link). So fĂ€ngt er an:
Im folgenden soll es um ein mediales Verfahren gehen, das uns tĂ€glich im Krieg begleitet. Die Medien sprechen von âVergleichenâ und protestieren hĂ€ufig gegen bestimmte âVergleicheâ, was aber sehr irrefĂŒhrend ist. Durfte AuĂenminister Fischer 1999 das Vorgehen von Milosevic im Kosovo nicht mit Auschwitz âvergleichenâ? Warum nicht, könnte man fragen: Er hĂ€tte dann feststellen sollen, dass man beides absolut nicht gleichsetzen konnte.
Es geht also gar nicht um âVergleichâ, sondern um Gleichsetzung. Und da niemals zwei verschiedene historische Ereignisse völlig gleich sein können, kann sich eine solche Gleichsetzung allenfalls auf bestimmte Aspekte beziehen. FĂŒr eine solche bloĂ eingeschrĂ€nkte Gleichsetzung heiĂt der korrekte Begriff also âAnalogieâ â es geht um historische Analogien. Als im aktuellen Krieg auch PrĂ€sident Selenskij wieder die Auschwitz-Analogie formulierte und damit in Israel Empörung auslöste, erwies sich: Ganz offensichtlich handelt es sich bei historischen Analogien um so etwas wie diskursive Waffen, darunter schwere.
Weil es im Folgenden um die Funktion und Wirkungsweise historischer Analogien bezĂŒglich des Ukrainekrieges gehen soll, beginne ich mit einer solchen Analogie, die meines Wissens bisher mindestens im deutschen Kriegsdiskurs, wenn nicht in dem des gesamten âWestensâ, fehlt [âŠ]
Et gippt nix, wat et nich gippt
Die Zeitung vom Tag davor oder Gegen die Objektiven
Die Zeitung von vorgestern (Mittwoch vor dem Donnerstag).
GroĂe Teile der (traditionellen) Linken halten Putin fĂŒr einen (potentiellen, objektiven) VerbĂŒndeten. Zugleich fördert der scharfe Antikommunist rechtspopulistische und rechtsextreme Organisationen und Publikationen in Westeuropa (zum Beispiel Le Pen in Frankreich).
Putin gibt fĂŒr die gegenwĂ€rtige Ukraine-Krise Lenin und den Bolschewisten die Schuld. Putin will nicht zurĂŒck zur Sowjetunion, sondern zum GroĂrussischen Reich. Im Westen setzt Putin auf die Rechten.
Kurz und bĂŒndig
Siehe auch hier.
Die Mauer als Chance
Heute wird wieder ĂŒber die Berliner Mauer geredet, weil sie heute vor 60 Jahren gebaut wurde.
Heute vor 10 Jahren wurde auch ĂŒber die Berliner Macher geredet, weil sie damals vor 50 Jahren gebaut wurde.
Vor 10 Jahren, im MĂ€rz 2011 erschien in DER METZGER Nr. 94 eine vorweggenommene Antwort auf die Festreden.
Lesen Sie den ganzen Artikel.
WuĂten Sie?
Nach diesem Wochenende: Auch ich erinnere an 1989
Heute ist mal wieder so ein dreizehnter August
Drei Zitate aus einem Aufsatz von 2011:
„Am 6. Oktober 1961, vor 50 Jahren, war in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen: âNoch in ihrem bisher krĂ€ftigsten Unternehmen haben diese Schriftsteller nachdrĂŒcklich bewiesen, daĂ fĂŒr viele von ihnen die BeschĂ€ftigung mit dem Zustand unserer Republik nichts anderes ist als der Drang, um sich zu schlagen und den Krieg ZustĂ€nden zu erklĂ€ren, die sie selber so dĂ€monisieren, daĂ man sich fragt, was fĂŒr Vorteile diese Republik gegenĂŒber der Ulbrichts noch habe. Wir sehen bei ihnen unsere Republik nicht mit den Augen der Kritik, sondern mit denen des Hasses betrachtet.â
Was war das bis dahin krĂ€ftigste Unternehmen dieser Schriftsteller gewesen, wodurch hatten sie sich das Attest eingehandelt, âunsere Republikâ mit den Augen des Hasses zu betrachten?
Zwanzig Autoren hatten in einem gemeinsamen Aufruf den BĂŒrgern der Bundesrepublik empfohlen, bei der Bundestagswahl am 17. September ihre Stimme fĂŒr die SPD abzugeben. Das war ein krĂ€ftiges Unternehmen. Ein starkes StĂŒck! Sie konnten sich einen besseren âZustand unserer Republikâ vorstellen als Adenauer Bundeskanzler bleibt. Ein Jahrzehnt nach der EinfĂŒhrung der zweiten bĂŒrgerlich-demokratischen Verfassung hatte diese Demokratie gerade das Niveau erreicht, daĂ die Aufforderung, eine nicht regierende Partei zu wĂ€hlen, als Symptom des Hasses auf âunsere Republikâ gewertet wurde.
TatsĂ€chlich ist dieser Kommentar der FAZ ein Symptom dafĂŒr, daĂ die Bundesrepublik sich in keinem normalen Zustand befand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche ZustĂ€nde jemals das PrĂ€dikat der NormalitĂ€t verdient haben.“
„Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-BĂŒrger: âWas ist denn mit eurer Politik der StĂ€rke? Warum habt ihr denn aufgerĂŒstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.â Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.“
„Darf man, kann man, soll man, muĂ man Leute daran hindern, das UnvernĂŒnftige zu tun, etwa: Menschen an den Markt zu verraten? Darf man, muĂ man im Atomzeitalter der Unvernunft Freiheit gewĂ€hren? Dazu möge jeder sein Gewissen befragen. Ob das gewaltsamste Jahrhundert der Geschichte vielleicht schon das beste war, muĂ sich erst noch herausstellen.“
Den ganzen Text (aus DER METZGER Nr. 94, MÀrz 2011) können Sie lesen, wenn Sie HIER KLICKEN.
See you later!
WENN DIE STILLEN TAGE VORBEI SIND,
DANN WIRD ES AUCH WIEDER RUHIGER.
Das sagte Karl Valentin.
Die Tage zwischen Weihnachten und dem Jahresende sind mir besonders lieb. So war es auch schon in Kindertagen weihnachtsferienmĂ€Ăig.
Jetzt ist Privatissimum. Ein biĂchen rumspazieren. Termine mit mir? Jetzt aussichtslos. Leerer Terminkalender. Idealzustand (in manchen Perioden).
70er Jahre, als ich noch nicht allein lebte, war das Hochfest des Jahres (neben dem 1. Juni) Silvester, immer nur zu zweit (beziehungsweise zu dritt, die Katze mitgezĂ€hlt). Wir haben aus Apfelsaft und Mineralwasser einen Sekt-Ersatz gemischt und Jahresbilanz gezogen: „Wir haben sie mal wieder alle ĂŒberlistet“. Manchmal haben wir mit Malzbier angestoĂen.
Prinzipien soll man wahren, aber nicht drauf reiten. So sind wir auch mal zu einer Silvester-Party gegangen, die als Festessen stattfand. Ich muĂte fĂŒr alle kochen.
Ich sagte: „Wenn wir das nĂ€chste Jahrzehnt bestehen ohne Schaden zu nehmen an Leib und Seele, dann können wir froh sein.“ Das war nĂ€mlich der letzte Tag der 80er Jahre, man erinnere sich.
Ganz unten
13. August
Heute ist der 17. Juni
1
„Die sozialistische Demokratie sollte die bĂŒrgerliche Demokratie ĂŒbertreffen. Wo die bĂŒrgerliche Demokratie aufhört, geht die sozialistische Demokratie weiter. Sie darf also hinter die bĂŒrgerliche Demokratie nicht zurĂŒckfallen. Zu den Standards der Demokratie gehört, daĂ die Regierung vom Volk gewĂ€hlt wird, dem Volk Rechenschaft schuldet, um das Vertrauen des Volkes bemĂŒht sein muĂ und dann, wenn sie dieses Vertrauen nicht verdient, abgelöst und durch eine andere Regierung ersetzt werden kann. Das ist der normale Fall. Es fragt sich allerdings, ob dieses Volk, das deutsche, ein normaler Fall ist. Der Gedanke, daĂ ein Volk, das erst wenige Jahre zuvor zu zwei bis drei Dritteln hinter Hitler hergelaufen ist, miĂtrauisch macht und durch nĂŒtzliches Handeln wenigstens einen Teil des Schadens, den es angerichtet hat, wieder gutmachen sollte, erscheint mir nicht ganz abwegig. Vertrauen ist gut. Aber Kontrolle ist besser. Das hat Lenin zwar nie gesagt, aber es ist richtig, angesichts der Bilanz von 1945. Zu einem solchen EingestĂ€ndnis war auch die SED nicht in der Lage. Sie hatte – glaubte sie – dem Faschismus in Deutschland (Ost) die politisch-ökonomische Grundlage entzogen.“
2
„Am 16. und 17. Juni 1953 haben AufstĂ€ndische in (Ost-)Berlin und anderen Orten der DDR GeschĂ€fte geplĂŒndert und BrĂ€nde gelegt. Unbeteiligte Passanten – oder auch Mitdemonstranten – wurden grundlos als âSpitzelâ angegriffen – nur, um irgendjemanden zusammenzuschlagen. Es gab Tote und Schwerverletzte. Es wurden – wieder einmal in Deutschland – BĂŒcher verbrannt, BĂŒcher, die von den Brandstiftern nicht verstanden, aber als Werke der AufklĂ€rung sicher identifiziert wurden. BĂŒros der SED gingen in Flammen auf. Dabei kamen Menschen ums Leben, Menschen, die in den Hitler-Tyrannei knapp mit dem Leben davongekommen waren, fielen den TotschlĂ€gern des 17. Juni in die HĂ€nde. Aus GefĂ€ngnissen wurden âpolitische Gefangeneâ befreit: SS-Leute, die wegen schwerster Verbrechen verurteilt worden waren. Ein Polizist wurde, mit einem Seil an einem Auto festgebunden, durch die StraĂen zu Tode geschleift. Wer es wagte, sich der wĂŒtenden Menge entgegenzustellen, sei es, um zu verhindern, daĂ LĂ€den geplĂŒndert und – wieder einmal in Deutschland – Schaufensterscheiben zerschlagen wurden, hatte GlĂŒck, wenn er mit dem Leben davonkam.“
3
„Der 17. Juni steht, wie jedes politische Datum, im Kontext mit anderen politischen Stichtagen der deutschen Zeitgeschichte, der 17. Juni mit dem 8. Mai, der 13. August mit dem 30. Januar, der 9. November mit dem 9. November.
Man sollte nicht vergessen, daà es in der DDR (als sie schon keine DDR mehr war) einen zweiten 17. Juni gegeben hat: Das war, als in Rostock das AuslÀnderwohnheim brannte, eine johlende Menschenmenge die Brandstifter anfeuerte, die Feuerwehr hinderte, einzugreifen, und die Polizei sich mit den AufstÀndischen tatenlos solidarisierte.
Am 8. Mai 1945 ist im Berlin das Deutsche Reich in den Flammen verbrannt, die deutsche Kriegsverbrecher entzĂŒndet hatten. Am 17. Juni 1953 loderten die Flammen wieder auf. Und wieder waren es die Soldaten der Roten Armee, die die Flammen ersticken muĂten. Als die T-34-Panzer rollten, waren die Normenerhöhungen lĂ€ngst zurĂŒckgezogen. Als die T-34-Panzer rollten, spielte die berechtigte Unzufriedenheit von Bauarbeitern schon keine Rolle mehr. Sondern: Das Volk war aufgestanden, der Sturm losgebrochen. Die Panzer der Roten Armee drĂŒckten nieder, was nach 1945 bis in den letzten Winkel der Welt Alarm auslösen muĂ: einen deutschen Volksaufstand! (Man hĂ€tte gewĂŒnscht, die Panzer wĂ€ren auch schon am 9. November 1938 dagewesen). Die Zerschlagung des Umsturzversuchs durch die Soldaten der Roten Armee gehört zu den GroĂtaten der Weltgeschichte!“
Drei Zitate aus dem Aufsatz „Keine Lösung“, geschrieben 2003 und gedruckt in DER METZGER Nr. 67, anlĂ€Ălich des 50. Jahrestages des „Volksaufstandes“ am 17. Juni 1953 in der DDR.
Auch heute, am 65. Jahrestags, lassen die Krokodile wieder ihre TrÀnen kullern.
Der komplette Text ist dort zu lesen:
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Neu in der WeltbĂŒhne: Ăber den Fall Ethel und Julius Rosenberg

Sina Arnold, Olaf Kistenmacher: Der Fall Ethel und Julius Rosenberg. Antikommunismus, Antisemitismus und Sexismus in den USA zu Beginn des Kalten Krieges. Edition Assemblage 2016. 96 S. 12,80 Euro
Am 19. Juni 1953 wurden Ethel und Julius Rosenberg in New York auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Das Gericht hatte sie wegen Atomspionage fĂŒr die Sowjetunion verurteilt. Der Fall erregte zu dieser Zeit weltweit Aufsehen. Viele Linke sahen in dem Ehepaar unschuldige Opfer des entfesselten Antikommunismus, der die McCarthy-Ăra in den USA zu Beginn des Kalten Krieges prĂ€gte. Doch die Stimmung gegen die Rosenbergs und die beiden Mitangeklagten wurde auch durch antisemitische Vorstellungen ĂŒber âjĂŒdische VerrĂ€terâ angeheizt. Zugleich zeigt die Darstellung der beiden in den Medien, dass das Ehepaar Rosenberg als Gegenbild zu den herrschenden Geschlechterbildern entworfen wurde. Der Prozess wirft bis heute grundlegende Fragen auf. Das Buch erinnert an das Gerichtsverfahren, betrachtet seine Rezeption in Literatur und Film und zeichnet die VerschrĂ€nkung von antikommunistischen, antisemitischen und sexistischen Vorstellungen nach.
Bitte bestellen Sie das Buch nicht am Amazonas, sondern in der Buchhandlung WeltbĂŒhne, Duisburg, GneisenaustraĂe 226, 47057 Duisburg (Neudorf). Telefon 0203-375121.
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Zum Einheiztag (morgen)

Das ist eine Karikatur, die den morgigen Einheiztag aufs Korn nimmt.
Bei genauem Betrachten stellt man fest, daĂ ich sie am letzten Tag der segensreichen deutschen Zweistaatlichkeit gezeichnet habe.
Zwischen dem 9. November 1989, als das Tor der Pandora geöffnet wurde, und dem 3. Oktober 1990, als wir dann den Salat hatten, waren wir oft nachts unterwegs, um antinationalistische, wehrkraftzersetzende Plakate auf Mauern und ZÀune zu kleben. Hier nur zwei von vielen Beispielen:


In der Nacht vom zwoten auf den dritten Octobre, als die letzten Plakate geklebt waren, waren unsere HĂ€nde voll mit Tapetenkleister. Sowas hat man nicht gern, weil es nicht angenehm ist.
Uns kamen zwei MĂ€nner in dunklen AnzĂŒgen entgegen. Ich schlug vor: âSollen wir nicht einfach unsere HĂ€nde an denen ihren AnzĂŒgen abwischen? Besondere historische Situationen erfordern besondere Vorgehensweisen.â
Die beiden MĂ€nner waren Japaner, und ich dachte, denen könnte man es bestimmt weismachen, daĂ das Anschmieren mit Kleister eine hohe Tradition deutscher Art sei, damit wĂŒrde der Wille zur Verbundenheit symbolisiert.
Das haben wir natĂŒrlich nicht getan.
Aber ich hab an dem Abend noch dieses Bild gezeichnet und könntâ mich immer noch dadrĂŒber kaputtlachen.
Erdenwunder
Heute, am 13. August, wurden in Berlin wieder KrĂ€nze niedergelegt und lange Gesichter gezogen: âIm Gedenkenâ.
Gedenken ist ja gut. Gedanken wÀren besser.
2011, vor 5 Jahren, anlĂ€Ălich des 50. Jahrestages ihrer Grundsteinlegung, erschien in DER METZGER Nr. 94 der Aufsatz ĂŒber die Berliner Mauer âDer Erdenwunder schönstesâ.
Die Bundesrepublik befand sich in keinem normalen Zustand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche ZustÀnde jemals das PrÀdikat der NormalitÀt verdient haben.
Die Brandredner wollten (…) die âOstgebieteâ zurĂŒck, sie wollten die Grenzen verschieben. Sie wollten Vertreibung. Sie wollten das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges revidieren. Sie wollten Atomwaffen fĂŒr die Bundeswehr. Sie hatten keine Skrupel, die Flammen, die von deutschen Kriegsverbrechern angezĂŒndet worden waren und in denen das Deutsche Reich verbrannt war, wieder auflodern zu lassen. Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug gar vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-BĂŒrger: âWas ist denn mit eurer Politik der StĂ€rke? Warum habt ihr denn aufgerĂŒstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.â Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.
Wer sich erinnert, wird nicht ruhigen GemĂŒtes von der Hand weisen können, daĂ im Sommer 1961 der Frieden in Europa in Gefahr war.
âUnsere StaatsmĂ€nner in Bonn haben die Sowjets nicht fĂŒr Menschen, sondern fĂŒr entartete Teufel eingeschĂ€tzt. So waren sie nicht imstande, sich selbst in Gedanken an die Stelle des Gegners zu versetzen und sich zu fragen, was sie an seiner Stelle wohl tun wĂŒrden⊠Das erste Erfordernis aber, um richtige Politik zu machen, besteht darin, in die Haut des Feindes zu schlĂŒpfenâ, schrieb Rudolf Augstein 1961 im Spiegel, und er fĂŒgte hinzu: âSpĂ€testens 1965 wĂŒrde die Bundeswehr potent genug sein, um bei fortdauernd umstrittenen Grenzen die westliche Koalition in spontane oder provozierte Konflikte zu verwickeln⊠Die Sowjets glauben nicht daran, daĂ den Deutschen die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Atomwaffen auf Dauer vorenthalten wird. Sie glauben nicht an Beteuerungen, solange sich das Potential auf deutschem Boden hĂ€uft. Sie haben, um ehrlich zu sein, auch wenig Grund, deutschen Beteuerungen zu glauben. Es drohte also eine Situation, in der die Sowjets von den Deutschen um die FrĂŒchte ihres Sieges ĂŒber Hitler gebracht werden könnten. Es drohte eine gewaltsame Revision des Sieges von 1945, und zwar von Seiten des Besiegten.â
Durch die Berliner Mauer wurde zunĂ€chst eine brandgefĂ€hrliche Situation entschĂ€rft, auf die Dauer zwang sie zu einer MĂ€Ăigung der westlichen ZurĂŒckdrĂ€ngungspolitik. Die Phase der Entspannungspolitik war ohne die Berliner Mauer nicht denkbar. (…) Auch fĂŒr die Menschen in der Bundesrepublik verbesserte sich die Lage. Sie konnten ruhiger schlafen, weil die Gefahr, daĂ von deutschem Boden Krieg ausgeht und auf deutschem Boden Krieg beginnt, verringert war. (…) Die, denen der Frieden den Schlaf raubte, waren in ihren Möglichkeiten eingeschrĂ€nkt. Willy Brandt hĂ€tte nicht âmehr Demokratie wagenâ können, wenn die Ostlandreiter weiterhin so hĂ€tten wĂŒten können wie bis zum 13. August 1961.
Anders als die BRD hat die DDR niemals GebietsansprĂŒche gestellt, keine faschistischen Organisationen geduldet, nie versucht, ein anderes Land zu regieren und zu annektieren, nie den Frieden gefĂ€hrdet und nie Soldaten zum Kriegseinsatz in fremde LĂ€nder geschickt. Anders als die DDR hat die BRD dem Hauptfeind des Nazireiches weiterhin feindselig gegenĂŒbergestanden â die Regierung, mehr noch die Bevölkerung. Die Bundesrepublik und ihre Prokuristen hatten und haben keinen Grund, sich gegenĂŒber der repressiven DDR dicke zu tun. Die Geschichte staatlicher und nichtstaatlicher Repression in der BRD ist noch aufzuarbeiten. Die haĂerfĂŒllte, vernichtungsgierige Hysterie, mit der der deutsche Untertan auf jede ihm fremde Lebensregung reagiert, ist die Perpetuierung des deutschen Faschismus in den Alltag.
Darf man, kann man, soll man, muĂ man (…) im Atomzeitalter der Unvernunft Freiheit gewĂ€hren? Dazu möge jeder sein Gewissen befragen.
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Den ganzen Aufsatz lesen: hier klicken.
Robert Steigerwald

Vor gut einem Jahr, anlĂ€Ălich seines 90. Geburtstages, schrieb die Junge Welt:
âDen Krieg verhindern war und ist neben der Philosophie eines der Lebensthemen Steigerwalds. Er wurde 1945 Mitglied der SPD, trat aus ihr 1948 wieder aus und in die KPD ein, als ihm der Parteivorsitzende Kurt Schumacher auf eine entsprechende Frage geantwortet hatte, selbstverstĂ€ndlich werde es Krieg geben, und âwirâ wĂŒrden dann an der Seite der WestmĂ€chte gegen die Russen stehen. Steigerwald flog aus dem Hessischen Rundfunk, absolvierte ein Studium an der SED-Parteihochschule, wurde dort Verantwortlicher fĂŒr Philosophie und kehrte bald in die BRD zurĂŒck. Seine Arbeit fĂŒr die ab 1956 verbotene KPD brachte ihm insgesamt ĂŒber fĂŒnf Jahre Haft ein. Ab 1961 war er in Ostberlin und in Westdeutschland fĂŒr die illegale Partei tĂ€tig, hob die Zeitschrift Marxistische BlĂ€tter, deren Chefredakteur er spĂ€ter wurde, 1963 mit aus der Taufe und legte eine viel beachtete Dissertation ĂŒber âHerbert Marcuses dritten Wegâ vor. Seit 1967 wohnt er mit seiner Familie in Eschborn und wurde in Auseinandersetzungen mit den verschiedensten Trupps linker Antikommunisten, denen er als âGralshĂŒter des Revisionismusâ galt, ein gefĂŒrchteter Polemiker.â
Ich wiederhole, was ich am 24. MĂ€rz 2015 hier schrieb:
âDaĂ dem ‚verstockten GralshĂŒter‘ Starrheit zu Unrecht nachgesagt wird, dafĂŒr ist Robert Steigerwald ein eindrucksvolles Beispiel. Wer VortrĂ€ge von ihm gehört hat, hat einen quicklebendigen Denker, einen reaktionsschnellen WortkĂŒnstler, ja man kann sagen: einen Entertainer der Theorie erlebt. Er vermittelt den dialektischen Materialismus als fröhliche Wissenschaft (…).
METZGER-Lesern (und -Sammlern) ist Robert Steigerwald ja auch nicht unbekannt. Meinen Aufsatz âGegen die Objektivenâ (DER METZGER Nr. 84) habe ich mit Zitaten gestĂŒtzt â es ist ja nicht schlimm, wenn Zitate mitunter mehrere Seiten lang sind. Es ging damals darum, die These, derzufolge der Feind meines Feindes mein Freund sein mĂŒsse, zu widerlegen.
DaĂ auch ein Roman in der Bibliografie zu finden ist, paĂt: Das Haus im Sandweg. Eine sozialistische Familienchronik. Verlag Neue Impulse 2008.â
Robert Steigerwald ist am 30. Juni 91jÀhrig gestorben.
Alles war, nix is mehr (8) oder Auf der Suche nach der fröhlichen Wissenschaft
Die Firma gibtâs also noch. Die heiĂt auch noch so. Und die sieht ja auch noch fast genauso aus wie âzu meiner Zeitâ. Aber ob die Firma noch mit Fug als âHort der fröhlichen Wissenschaftâ aufgefaĂt werden kann, steht dahin.
Imposante Schmiede-Eisen-Architektur! Links, wo ich einst eintrat, ist jetzt geschlossen. DafĂŒr kann man jetzt durch die Mitte gehen. So Ă€ndern sich die Zeiten.
Das Ganze von der anderen Seite betrachtet (von Norden â der Norden heiĂt hier: WittekindstraĂe). Blick ĂŒber den Schullow. Die âLöbenicht-Eicheâ (hinten links) ĂŒberragt inzwischen die GebĂ€ude. Kaum einer wird wissen, daĂ die Eiche so heiĂt. Darum braucht man sie auch nicht zu fĂ€llen. Sie kann ja nichts dafĂŒr. Als ich hier als Sextaner meine Laufbahn begann, war die Eiche gerade gepflanzt worden und diente in ihrer jugendlichen Mickrigkeit als Symbol fĂŒr die DĂŒrre der heimatvertriebenverbandlichen Phrasen. Das möchte ich nĂ€mlich am heutigen Tag den Nachrufen auf die Genossin Margot Honecker entgegenstellen: Wir sollten im Kalten Krieg zu linientreuen AnhĂ€ngern des westdeutschen Revanchismus erzogen werden, was nicht so recht hinhaute.
Dort hinter dieser Skulptur, die wohl irgendwas symbolosiert oder von jemandem gestiftet wurde oder beides ist der Vordereingang, der aber nie benutzt wurde, sondern nur der Vornehmheit diente.
Ich trĂ€ume aber oft, durch diese TĂŒr ins Freie zu treten. Das ist dann eine Situation des Entkommens.
Der Park war der Pausenhof fĂŒr die Oberstufe (zu betreten durch die bescheidene TĂŒr des âNeubausâ).
Der Park ist heute eingezÀunt. Das Foto entstand zwischen zwei Zaunlatten.
Der âNeubauâ (Anbau) diente der ExklusivitĂ€t der Oberstufe. Dort hinter jenen Fenstern im ersten ObergeschoĂ strebte ich als Oberprimaner dem Finale entgegen.
Die Firma litt permanent an Raum-Mangel, woran sich nichts geĂ€ndert haben dĂŒrfte, weil heutzutage alle Eltern davon ĂŒberzeugt zu sein scheinen, daĂ ihre zehnjĂ€hrigen Kinder (mindestens: hochbegabt) unbedingt aufs Gymnasium gehen mĂŒĂten und somit das MittelmaĂ dort die GĂ€nge verstopft. Und dann auch noch: VerkĂŒrzter Bildungsgang.
Aus lauter Verzweiflung wurde dem Neubau ein Anbau (dem Anbau ein Neubau) hinzugebaut.
Ich dachte damals: Hier lernt man zu wenig. Ich erwartete mehr Leistung von dem Bildungsunternehmen. Aber als Hort der fröhlichen Wissenschaft konnte das Unternehmen durchaus gelten (nicht im Nietzscheschen, sondern im Godardschen Sinne).
Zwei wertvolle Bldungsinhalte konnte ich mir auf der Oberschule aneignen:
1. Die FĂ€higkeit, mich in miĂlichen Situationen irgendwie durchzuwurschteln und rauszuwinden,
2. Quatschmachen (auf einem gewissen intellektuellen Mindestniveau) und den Wert dieser FĂ€higkeit erkennen.
Ich könnte noch als Drittes erwĂ€hnen: Die Erkenntnis, daĂ man die wichtigsten Kenntnisse und BefĂ€higungen als Autodikakt sich selbst beibringen muĂ.








