Bilder einer Vergewisserung (8-15)

pf2015-08pf2015-09pf2015-10Das andere Fachwerkhaus, „die Monning“, war schon zur Kaiserzeit ein Ausflugslkokal, wo sich sonntags nachmittags die paarungswillige Jugend zum Tanz traf. Ich lernte als Kind diese Generation noch kennen zu Zeiten, als sie das Rentenalter erreicht hatte, und ich mußte mich anstrengen, mir diese Großonkel und Großtanten als jung und paarungswillig vorzustellen. Ich dachte: Sich sonntags nachmittags zum Tanz in der Monning zu treffen – das kann’s doch nicht sein! Da war es ein guter Rat, Kraft zu sammeln, um die Lebensabläufe nach ganz anderen Absichten zu gestalten! Folge dürfte auch sein, daß der Nachdruck, mit dem zum Einordnen aufgefordert wird, sehr nachlassen zu haben scheint.
Das Haus passierend verläßt man das Duisburger Stadtgebiet und befindet sich in Mülheim. Darum heißt die Straße ab hier nicht mehr Mülheimer Straße, sondern Duisburger Straße.

pf2015-11Das Fachwerkhaus ist nur der Eingangsbereich zu einem Komplex, in dem jetzt allerlei Firmen und Studios untergebracht sind. Zu dem Freizeitvergnügungs-Komplex gehörte dereinst der „Tanzpalast Okay“, den niemals zu betreten mein fester Vorsatz ist, an dem ich auch jetzt noch, da es ihn nicht mehr gibt, eisern festhalte.

pf2015-12DEN gibt’s aber eine Tür weiter immer noch: den „Ball“, der früher „Ball der einsamen Herzen“ hieß und nicht ohne Diskretion und Selbstironie als „Tanz für die reifere Jugend“ tituliert wird. Das ist ein Ort, an dem man sich mit einem der größten Übel aller Zeiten, der Einsamkeit, nicht abfinden will. Eine Schule des Verständnisses. Eine Subkultur gewissermaßen? Es sollte uns allen fernliegen, etwas Mokantes daran zu finden.

pf2015-13Was wäre Ihnen lieber: In diesem Hause zu wohnen oder dieses Haus zu besitzen. Wenn ich zu einer Entscheidung GEZWUNGEN WÄRE, würde ist sagen: beides.
Mir würden (für mich allein) die beiden oberen Stockwerke und der Dachboden reichen.

pf2015-14In diesem Haus war ich mal zu Besuch. Das war Anfang 1969. Das „Katholische Jugendamt“ (das man aber nicht für eine Behörde halten darf) hatte die Idee, in der Aula des Steinbart-Gymnasiums eine Podiumsdiskussion über das Thema „Kriegsdienstverweigerung“ zu veranstalten. Das war nämlich die Zeit, in der die Zahl der Kriegsdienstverweigerer rapide zunahm. Eine Podiumsdiskussion also mit einem Bundestagsabgeordneten der CDU, einem Bundestagsabgeordneten der SPD, einem Katholiken, einem Protestanten und einem Origanal-Kriegsdienstverweigerer. Das war ich, 19 Jahre, aktiv im Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK – später Bestandteil der DFG-VK) und last but not least Professor Nikolaus Koch.
In diesem Haus fand eine Art „Vorbesprechung“ statt, aber nicht mit einem Pastor und auch nicht mit einer Ordensschwester, sondern mit einer netten jungen Frau, die beim „Katholischen Jugendamt“ wohl einen Bürojob hatte, und mit der unterhielt ich mich den ganzen Abend über das Thema „Was denkt die APO?“.
Die Katholen haben mir ein großzügiges Honorar gezahlt.
Ein paar Monate später habe ich bei den Evangelen in Neudorf auch wieder einen Vortrag über Kriegsdienstverweigerung halten dürfen. Da war das Honorar ein bißchen bescheidener. Über diese etwas kuriose Veranstaltung berichtete ich in meinem Buch „Der Gartenoffizier“ auf Seite 82.

pf2015-15..

Der Kessel des Monats beziehungsweise Anstoßes

Als ich nach Neudorf zog (vor 39 Jahren), war bei der Wahl der Adresse auch von Bedeutung der freie Platz gegenüber.

HFPFiStrAuf diesem Bild aus meinem Film „Nummer 4“ (Hut-Film 1978) ist der Ausblick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers zu sehen. Nicht nur ein weiter Blick, sondern auch weniger Geräusch als etwa in einer „Straßenschlucht“. Rechts, nicht mehr im Bild zu sehen, standen Behelfsbaracken für den Lehrbetrieb der nahegelegenen Universität.
Später wurde dann gegenüber das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme hingebaut (und ein paar Jahre später bis zur Lotharstraße erweitert), und der Blick aus meinem Fenster sieht jetzt so aus:

FrauenInstitutDadurch hat sich an der „ruhigen Wohnlage“ nichts geändert. Anders als anderswo parken hier am Abend weniger Autos als tagsüber und am Wochenende weniger als werktags. Gerade am Wochenende (kein Uni-Betrieb) ist das hier eine der ruhigsten Gegenden mitten in der Stadt.

Belästigt wird man hier höchstens von solchen Leuten, die sich belästigt fühlen, wenn sie nicht belästigt werden. Die Stille und Ruhe, die das Fraunhofer Institut um sich verbreitet, ist einigen Gequältgeistern ein Dorn im Ohr.
Schon vor ein paar Jahren kriegte ich mit, daß ein paar Leute die Nachbarschaft alarmierten, weil sie glaubten, üble Gerüche wahrgenommen zu haben, die von dem wissenschaftlichen Institut ausgehen sollen. Auch die Augen würden davon brennen.
Ich habe niemals in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen. Stattdessen sind mir öfter Nachbarn über den Weg gelaufen, die mich ungläubig fragten: „Haben Sie in der Nähe des Instituts irgendeinen signifikanten Geruch oder eine Augenreizung wahrgenommen?“ – „Nein.“ – „Ich auch nicht.“

Jetzt haben 53 Unterzeichner eine „Bürgereingabe“ unterzeichnet, in der sie sich über Geruch, Geräusche und Licht beschweren. Und zwar, nachdem schon 2012 eine Klage vor dem Verwaltungsgericht und 2013 vor dem Oberverwaltungsgericht gescheitert war.
Auch das Umweltamt hat jetzt nochmal alles nachgemessen und festgestellt, daß kein Grenzwert von gar nichts niemals überschritten wurde, und daß dies auch dann nicht geschehen würde, wenn die Grenzwerte halbiert würden.
In dem Institut werden – als Abfallprodukt der Forschungsarbeit – Mikrochips hergestellt, die in der Autoindustrie Verwendung finden. Deren Herstellung geschieht anscheinend, ohne daß Geräusche durch die Mauern und Fenster nach außen dringen. Was das Umweltamt da gemessen hat, war wohl das Grundrauschen der Zivilisation.
Bei der Chip-Herstellung wird als Rohstoff Stickstoff verwendet. Aha. Das ist in den beiden Kesseln, die hinter dem Institut stehen.
Stickstoff – das ist doch das farblose und geruchlose Gas, aus dem zu knapp 80 Prozent die Luft besteht.

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Die braucht man doch nicht hinter dem Institut zu verstecken

Besonders komisch finde ich, daß sich die 53 Bürger über das Licht aus dem Institut beschweren. Ja, auch nachts brennt hinter ein paar Fenstern des Instituts noch Licht.
Als Mensch des 21. Jahrhunderts bestreite ich gar nicht grundsätzlich, daß dieses wissenschaftliche Institut – wie alles Gebilde von Menschenhand – „die Umwelt belastet“: Aber nicht mehr, als es durch jede andere Nutzung des Grundstücks – zum Beispiel „Wohnbebauung“ auch der Fall wäre. Die 53 Bürgereingabeneingeber kommen mir vor wie Leute, die verlangen, die Fahrräder durch Motorräder zu ersetzen, weil die Fahrräder eine viel zu laute Fahrradklingel haben.

Gestern, heute, morgen

Gestern: der Himmel über Neudorf:
NeudorfHimmelNein: vorgestern!
Morgen habe ich eine Lesung in Rheinhausen.
Nein: nicht in Rheinhausen, sondern hinter Rheinhausen, Richtung Uerdingen.
Das ist eine geschlossene Gesellschaft. Ich muß mir also gar nicht die Mühe machen, den Weg zu beschreiben. Die Mühe besteht stattdessen darin, den Weg zu finden.
Wenn man Google Maps / Google Earth folgt, dann scheint das eine völlig unbewohnte Gegend zu sein. Ich weiß, daß zwischen Rheinhausen und Krefeld auch irgendwo ein paar Gebäude stehen – zumindest standen. Wie soll ich mich da zurechtfinden – wo das ja auch noch auf der anderen Rheinseite ist!
Wie gesagt: Das ist eine geschlossene Gesellschaft. Für die Öffentlichkeit ist darum nur von Interesse, daß morgen, Freitag, 8. Mai 2015, der Buchladen am Nachmittag geschlossen ist – um wenigstens darauf hin zu orientieren.
Allgemein gilt: Der Autor steht für Lesungen zur Verfügung – auch im „privatem“ Rahmen („Salon“) in besiedelten Gegenden.

Dahinter kam ich (2)

wald-15-04-13wald-15-04-14Der „Heilige Brunnen“ (so heißt das immer noch).
Regenwasser, das durch die Sandschichten versickerte und auf eine wasserundurchlässige Lehmschicht traf, so daß es am Südhang dieser Anhöhe wieder zutage trat. Also kein Wasser aus tieferen Schichten (sog. Mineralwasser) mit eventuell heilender Wirkung. Zur Kultstätte (in natursteinerner Monumentalität) wurde diese Stelle erst in den 30er Jahren erhoben.
Da hat man dann Kurzbehoste hingeleitet, damit die hier andächtig herumstehen und lauthals irgendwas schwören.
„Kein Trinkwasser“ steht in Stein gemeißelt da drüber.

wald-15-04-16Das Rinnsal hat ein richtiges Tal in die Landschaft geschnitten. (Nimm dir Zeit).

wald-15-04-17wald-15-04-18Dort, fern des Weges, entstand damals (1978) der legendäre 360-Grad-Schwenk zum Ende des Films „Le Onze Mai“ (Hut-Filmproduktion, auf DVD erhältlich).
Wer nicht weiß, daß damals die Kamera hier sich drehte, würde heute es nicht erkennen. Der halbzerfallene Hochsitz ist jetzt ganz zerfallen.

wald-15-04-19Mir fällt ein: Meine liebe Freundin Lina hat über einen Spaziergang auf diesen Wegen eine ihrer Kurzgeschichten geschrieben. Eine hochprickelnde, tieferregende Geschichte! Ist sowas möglich, über einen Waldspaziergang eine Erotik-Story zu schreiben? Ja. Die kann sowas.

Wird fortgesetzt.

Dahinter kam ich (1)

wald-15-04-01Die Route vom vorigen Samstag begann, wie so oft, mit dem Betreten des Uni-Geländes.

wald-15-04-02Das ist hinter den Uni-Gebäuden. Dort, hinter dem Kunst- und Musiktrakt, lagen wir im Gras. Aber nicht mehr lange. Dafür wurde da der schönste Uni-Parkplatz Mitteleuropas angelegt. Wenigstens das.
Im Kunst- und Musiktrakt ist glaub ich keine Kunst und Musik mehr. Alles war, nix is mehr.

wald-15-04-03Pollen-Allergiker freuen sich über was anderes.

wald-15-04-04wald-15-04-05Wenn man die Eisenbahngleise und die Autobahn hinter dem Unigelände mittels Brücke überquert hat, geht es hier nach ganz oben.
„Da rauf? Nein. Da geh‘ ich nicht“, sprach einst der schwerwiegende Hansjürgen Bott. Dem war das zu hoch. Darum sind wir an dem Tag eine andere Strecke gegangen.

wald-15-04-06wald-15-04-07Hier, und nicht, wie die Legende sagt, auf dem Kaiserberg, ist tatsächlich die höchste Punkt von Duisburg erreicht.

wald-15-04-08In die andere Richtung geguckt: Früher hatte man von hier aus freien Blick bis nach Hochfeld. Ist jetzt zugewachsen.

wald-15-04-09Wir werden daran erinnert, daß der Wald, wie wir ihn kennen und wie er reichlich mythologisiert wird, eine Kulturlandschaft ist: bewirtschaftet oder (bestenfalls) als „Erholungsgebiet“ gestaltet (oder beides).
Der Deutsche Wald, besungen und ins Herz geschlossen, ist gerade mal 200 Jahre alt und eine Erfindung der Romantik. Soll heißen: Der Bürger eignete ihn sich an. (Später auch die Arbeiterjugend mit der Naturfreundebewegung).
Vorher hatte der Wald bei der Masse der Menschen wenig Sympathie. Er durfte als feudaler Wirtschaftsraum sowieso nicht betreten werden, noch nicht einmal, um Reisig zu sammeln – vom Sammeln von Waldfrüchten, Pilzen und vom Jagen gar nicht zu reden. Was anderes hatte mit dem Wald kein Mensch im Sinn, also schon gar nicht seelische Erbauung.
Man mied den Wald, nicht nur aus Furcht vor wilden Tieren und davor, im Dickicht und im Morast zu versinken, sondern vor allem aus Angst vor den Hexen und Kobolden, die dort ihr Unwesen trieben!
Diese Drainagerohre (oder wie nennt man das) sorgen für geordneten Abfluß, und sie entziehen so den Kobolden ihre Entfaltungsräume.

wald-15-04-10Kinder-Spiel-Bauwagen.

wald-15-04-11„Waldgottesdienst“. An schönen Sonntagen und Feiertagen wie Himmelfahrt finden hier Gottesdienste statt. Gläubige Menschen haben oft einen Sinn für Naturschönheit, der uns Materialisten auch nicht schlecht stehen würde.

wald-15-04-12Wird fortgesetzt.

Gestern bei Aldi…

… ein paar Sekunden vor 8.
Kasse 1 hat schon geschlossen. Kasse 3 schließt auch. Keine Kasse mehr in Betrieb! Die Kassiererinen streiten: „Ich habe geschlossen.“ – „Nein, ich.“
Die von Kasse 3 lacht: „Kommen Sie mal zu mir.“
Das wollte ich sowieso. Weil sie so fantastisch aussieht!
Als dann alles übers Band ist und kassiert und Wechselgeld zurück, da sagt sie:
„Sie sehen aus wie der Weihnachtsmann.“
Gerade kennen wir uns, und sie weiß schon, wie man mir die Laune verderben kann. Es gibt Tage, Wochen, Epochen, da ist jedes überflüssige Wort überflüssig. Aber sie ist so schön, und das weiß sie. Das goldblonde Haar, die listigen Augen, das überlegene Lächeln. Sie ist schön. Und darum sage ich:
„Ich BIN der Weihnachtsmann.“
Und dann erzähle ich noch schnell, daß Kinder mich schon mal gefragt haben, ob ich der Weihnachtsmann bin, und ich habe denen „ja“ gesagt und sie aufgeklärt: Der Weihnachtsmann ist ein ganz normaler Arbeitnehmer, „und ich habe jetzt Urlaub.“
„Und was machen Sie beruflich?“
„Ich bin Schriftsteller.“
„Ahhh!“ ruft sie, als ob das was Besonderes wäre.
Es IST was Besonderes. Ich bestreite nur, daß es was Besonderes ist.
Und wenn sie mich gefragt hätte, worüber ich schreibe – was hätte ich sagen können?
„Ich erzähle von meinen Erlebnissen an Supermarktkassen.“

DAS hat sie mir gegeben

DAS hat sie mir gegeben

Besuch bei Dr. Roth

Ich fahre in einem dieser alten Doppeldecker-Busse durch Neudorf, und zwar die Oststraße entlang. Ich kann mich nicht erinnern, eingestiegen zu sein. Meines Wissens verkehren diese Doppeldecker-Busse doch schon lange nicht mehr, und die Oststraße entlang fährt auch gar keine Buslinie. Aber dieser Bus hat zwei Stockwerke und fährt die Oststraße entlang, und ich sitze drin, und zwar in dem oberen Stockwerk. Dort ist für die Fahrgäste ein Fernsehapparat aufgestellt. Zur Zeit läuft arte. Jemand wird interviewt. Er redet über die 60er Jahre und über die APO und die Neue Linke. Dieser Mann auf dem Fernsehschirm kommt mir bekannt vor. Ich kenne dieses Gesicht von früher. Aber wer ist das?
Ich frage die junge Frau neben mir: „Können Sie mir sagen, wer das ist?“
Die Frau schaut mich an, als ob sie sagen wollte: „Sagen Sie bloß, daß sie den nicht kennen!“ Und dann sagt sie: „Das ist Karl Heinz Roth.“
Ich antworte: „Nein, das kann doch nicht Karl Heinz Roth sein. Der sieht doch ganz anders aus.“
Die nächste Station meines Weges ist eine Arztpraxis auf der Düsseldorfer Straße. Ich warte unruhig auf das, was der Arzt mir sagen wird. Hat er eine schlechte Nachricht für mich?
Diese Arztpraxis ist tatsächlich die Praxis von Dr. Karl Heinz Roth. Der frühere SDS-Anführer und angesehene Sozialforscher vom Hamburger Institut für Sozialgeschichte ist ja Arzt, und das ist seine Praxis.
Im Wartezimmer sind viele Leute. Niemand, den ich kenne. Aber es tut sich eigentlich gar nichts. Ich warte schon lange, aber in der ganzen Zeit ist niemand ins Sprechzimmer gerufen worden. Ich stehe auf und gehe auf und ab. Dann, nach langer Zeit, passiert endlich etwas: Die Leute im Wartezimmer werden bewirtet. Es werden belegte Brötchen serviert, dazu Kaffee, wie bei einer Geburtstagsfeier. Es werden auch Torten aufgetragen.
Ich bin nicht in der Stimmung, um gemeinsam mit wildfremden Leuten Kaffee zu trinken und Torten und belegte Brötchen zu verspeisen. Was soll ich hier? Mir reicht’s. Ich gehe.

Samstag. Neudorf. November.

Letzten Samstag war schönes Novemberwetter. Da bin ich hier mal rumgelaufen und habe mir das alles mal angesehen.

November8-01Finden Sie das schön (Oststraße von hinten). Ich finde das schön. Kein Haus ähnelt dem anderen.

November8-02Hier auch. (Lotharstraße von hinten).

November8-03Good old everlasting Lotharstraße.

November8-04Die zwei Miniläden auf der Grabenstraße. Der Laden rechts gehörte früher zwei alten Damen, bei denen man Zeitungen kaufen und Lottoscheine abgeben konnte. Den Laden links hatte jemand gemietet, um ihn mit Pappkartons vollstellen zu können. Jetzt hat er auch den anderen Laden übernommen und vollgestellt. Jahrzehntelang hat sich da nichts verändert.

November8-05Detailansicht.

November8-06In der Glastür spiegele ich mich in meiner Eigenschaft als Fotograf.
Das ist die Bundesgeschäftsstelle von „Solidarität International“, einer – wie sagt man – „Vorfeldorganisation“ der MLPD. War das nicht früher das Geschäft Erbslöh, wo man Vogelfutter, Hamsterkäfige, Mausefallen (Lebendfallen!) etc. kriegen konnte?

November8-07Und was ist das? Wo jetzt das Fenster mit runtergelassenem Rolladen ist, war früher ein Schaufenster, links daneben – inzwischen zugemauert – die Ladentür. In dem Laden war das legendäre Tonträgergeschäft „Garageland“ von Lothar Röse und Rolf Menrath. Ausgesprochen wurde das „Gärretsch-Länd“. Ich habe aber immer „Garageland“ gesagt. Das wurde mißbilligt.
In den hinteren Räumen war der Trikont-Verlag. Den gibt es zwar noch, aber der ist jetzt woanders.
Neudorf ist auch nicht mehr das, was es mal war.

November8-08Ich verstehe: OTR OTR OTR OTR OTR OTR OTR
„Scum“ (engl. etwa: Abschaum) mal positiv (rechts), mal negativ (Pfeil) konnotiert?
November8-09Mitteilungen grundsätzlich in Englisch zu formulieren ist eine schlechte Angewohnheit, eine Modetorheit. Wer drei Ausrufezeichen benötigt, mißtraut der Kraft seiner eigenen Aussage.

November8-10Hier, am Lieferanteneingang von Edeka, bat ich die zigarettenpäuskenmachende Edeka-Dame: „Könnten Sie mal einen Schritt zur Seite gehen, damit ich diese eigentümliche Mitteilung dokumentieren kann?“
„Esst die Reichen“. Da kann einem aber schon der Appetit vergehen!
(Für Veganer gibt es eine Ausnahmegenehmigung).

November8-11Ahh! Da ist jemand aufs Dach gestiegen, um sich unverständlich zu machen.
Die Trinkhalle gibt es immer noch – bloß, daß sie seit Jahren nicht mehr geöffnet wurde.
Oben: Eine Werbung, die auf einem Zeichensetzungsfehler beruht. Richtig müßte es doch heißen:
„Mediamarkt? Ich bin doch nicht blöd!“
„Kostenlose Finanzierung“ heißt auf deutsch: Mehr bezahlen.

November8-12Enthauptete Schaufensterfiguren!
Französische Revolution? Sanson était ici?
Das ist doch Horror! Wer denkt sich sowas aus?
Wasserpumpe im Schaufenster? Warum hat sich die Firma nicht um einen Anschluß an das Wasserversorgungsnetz bemüht? Da ist – im Vergleich – die Buchhandlung Weltbühne doch moderner ausgestattet.

November8-13Völlig kopfloses Verhalten! Die Schaufensterpuppen von Sport Hildebrandt haben das Schaufenster verlassen und irren auf dem Sternbuschweg umher!

November8-14Was folgt daraus?

Schuldenfalle

Bei Aldi. Ich will die Pfandflaschen in den Plastikflaschen-Zerknirsch-Automaten schieben. Hier steht eine Frau, blond, Haar strähnig, Alter undefinierbar. Bestimmt ist sie jünger als sie aussieht. Daß Alkohol Alter und Aussehen in ein Mißverhältnis gebracht hat, fällt auch bei flüchtigem Hinsehen auf. Sie hat einen Trolli bei sich. Es kann sein, daß der alle ihre Habseligkeiten enthält. Sie scheint, als wäre sie vor die Tür gesetzt worden.
Plötzlich schreit sie:
„Arschloch! Schulden!“
Sie hat einen Wutanfall. Sie flucht, und immer wieder kommen die Kernbegriffe „Arschloch!“, „Schulden!“ Da sie nicht weiß, wie man in eine solche Lage kommt, und auch nicht weiß, wie man aus einer solchen Lage wieder rauskommt, flucht sie – auf alles.
Sie hat sich entfernt. Aber eine Minute später höre ich von der hinteren Ecke des Ladens wieder ihr Geschrei:
„Arschloch! Schulden!“
Später sehe ich sie nochmal. Sie steht am Rand des Sternbuschwegs und schreit jedem vorbeifahrenden Auto zu: „Du verdammtes Arschloch du!“

Good old everlasting Sternbuschweg

Good old everlasting Sternbuschweg

„About the Flowers and the Trees“

Der erste Samstag im Oktober hat mit dem letzten Samstag im März zu tun. Selbe Gegend. Selbe Absicht. Selbe Hoffnung.

FlowersTrees01Good old everlasting Sternbuschweg (o., u.).

FlowersTrees02FlowersTrees03Gneisenaustraße.

FlowersTrees04FlowersTrees05FlowersTrees06FlowersTrees07FlowersTrees08Helles Grün vor hellem Blau – verändert.

FlowersTrees09So sieht das manchmal aus, wenn ich das Haus verlasse.

FlowersTrees10FlowersTrees11Schweizer Straße, Weg zum Botanischen Garten, Seitenblick.

FlowersTrees12Botanischer Garten (o., u.).

FlowersTrees13FlowersTrees14There! She! Goes!
(Prospekte verteilen).

FlowersTrees15Zauberstäbe!