Keine Lösung? Keine Lösung.

Vorwort: Welches Thema wäre besser geeignet für das 3.000. (dreitausendste) Notat im Blog amore e rabbia?
Eigentlich jedes andere auch.

Erinnern Sie sich an den 17. Juni – nein nicht an den vor einem Jahr, sondern – sagen wir mal – an den vor 50 Jahren: 1973? Ein schöner Tag: Freibadbesuch, Ausflug, mindestens: ausschlafen. Denn das war ein Feiertag. Dessen offizieller Anlaß war eigentlich ein bierernster und lag gerade mal 20 weitere Jahre zurück. Aber das trübte die Freude an einem freien Frühsommertag nicht.
Am 17. Juni 1953 hatte es in Berlin-Ost und anderen Städten der DDR Straßenkämpfe gegeben, in denen sich massive Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Staatsmacht entlud. Panzereinheiten der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte verhinderten Schlimmeres. (Das muß ich so formulieren, damit Klopsman alias Linksman wieder einen Grund hat, sich aufzuregen. Und: Die Sowjetunion gibt es nicht mehr).
Der Volkssturm von 1953 wird derzeit wieder hervorgehoben. Er fügt sich in die Strömung aktueller Machtpolitik: Wiederbelebung des Kalten Krieges, Feindschaftspflege nach außen und im Inneren.
Zum 50. Jahrestag, 2003, erschien in DER METZGER Nr. 67 mein kritischer Kommentar, geeignet, Sympathien zu verscherzen ohne neue zu gewinnen. Die Überschrift „Keine Lösung“ mag mehrdeutig sein. Das Heft kann immer noch bestellt werden.
Hier die ersten beiden Seiten
Hier der ganze Artikel, auf dem Bildschirm leichter zu lesen.

Maggy macht mobil

Auf Maggy ist Verlass. Wenn das Asylrecht ausgehebelt ist, ist sie auf dem Plan:

Liebe Freund:innen der Menschenrechte!
Seebrücke Duisburg steht gemeinsam mit vielen Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen unserer Stadt für die Einhaltung der Menschenrechte. Das haben wir alle in den vergangenen Jahren durch kreative, ausdrucksstarke und inhaltlich perspektivreiche Veranstaltungen deutlich gemacht. Mit der gerade von den europäischen Innenminister:innen beschlossenen Asylrechtreform werden Menschenrechte auf der Grundlage von Gesetz ausgehebelt. Das ist eine Tragödie.
Die massive Ausweitung der Gewalt an den Außengrenzen, Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen, Kriminalisierung der Seenotrettung und humanitären Helfer:innen und der Bau riesiger Internierungslager ohne Zugang zu Bürger:innenrechten stellen aus unserer Sicht einen weiteren zivilisatorischen Bruch dar. Dieses Gesetz ist ein politischer Kipppunkt auf dem Weg in ein Europa ohne Menschenrechte, dem wir uns entschieden entgegen stellen.
Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Sie wurden für die Ewigkeit erkämpft. Das Asylrecht ist eine Lehre aus dem Holokaust. Demokratien haben die Aufgabe die Menschenrechte zu bewahren; nur Diktaturen schaffen sie per Gesetz ab.
Wir fordern die Regierungsparteien dazu auf, die menschenverachtende Entrechtung von Geflüchteten zu stoppen.

Seebrücke Duisburg informiert über stattfindende Protestaktionen in unserer Region. Wer eine Protestaktion plant, bitte Bescheid geben. Wir veröffentlichen und machen Werbung. Wir sind auf der Seite der Menschenrechte.

Staffellauf des Protests
am 17.06.2023 . Demo „Rettungskette für Menschenrechte“ . um 11.55 Uhr . Marktstraße / Ecke Elsässer Straße in Oberhausen . Seebrücke Oberhausen u.a.
am 17.06.2023 . Stand für Demokratie und Kultur . ab 13.30 Uhr . Fest der Vielfalt . Flachsmarkt 5 in Duisburg . Syrische Koordination für Demokratie und Seebrücke Duisburg
am 19.06.2023 . Kundgebung „Nein zur Asylverschärfung“ . 17.30 Uhr . König-Heinrich-Platz in Duisburger Innenstadt . Grüne Jugend und weitere Jugendorganisationen
am 24.06.2023 . Demo „Gegen die Einschränkung des Asylrechts“ . 13.00 Uhr . Hauptbahnhof in Duisburg . Stapeltor, Zentrum für Kultur, Seebrücke Duisburg u.a.
ab 20.06.2023 . Aktionen, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit . KinderNotHilfe . https://www.kindernothilfe-aktiv.de

Protestaktionen zum selbermachen
Schilder, Plakate, Banner malen. Hier einige Parolen
Menschenrechte sind unteilbar! – NEIN zur Verschärfung des Asylrechts.
Flüchtlingsrechte sind Menschenrechte! – NEIN zur Verschärfung des Asylrechts.
Flüchtlings- und Menschenrechte bewahren! – NEIN zur Verschärfung des Asylrechts.
#Asylrecht retten. – NEIN zu der Asylrechtsverschärfung!
Aktion „Schreib deinen Abgeordneten“ ASYLRECHT RETTEN! – #LeaveNoOneBehind (lnob.net)
Petition von Pro Asyl unterschreiben Keine Haftlager für Flüchtlinge! – PRO ASYL – Aktionen

Wir sagen NEIN ZU DER REFORM DES ASYLRECHTS!

Mit solidarischen Grüßen und einem herzlichen Dank an alle AkteurInnen, die dabei sind.

eure Maggy Wösthoff
für Seebrücke Duisburg
Mobil 0177 . 80 49 326

Was lange währt wird endlich Buch

Das Manuskript ging schon im Oktober ein, und der Satz war auch längst fertig. Nach einigen Verzögerungen wurde die Datei dann endlich an den Maro-Verlag übermittelt, wo die Bücher der Situationspresse gedruckt werden.
Nun kann das Buch von Lothar Röse „Spiel ohne Grenzen – Beiträge zum Problem der Freiheit“ in der Hand gehalten werden. Von den 280 Seiten sind 70 Seiten Anmerkungen. Auch aus dem „Apparat“ läßt sich mehr machen als eine Formsache. Die einzelnen Kapitel standen, bevor sie für die Buchausgabe durchgesehen wurden, über mehrere METZGER-Ausgaben verteilt. Jetzt erscheinen sie praktischerweise zusammen in einem Buch. Preis: 28 €, die sich für alle lohnen.
Lothar Röse: Spiel ohne Grenzen. Beiträge zum Problem der Freiheit. Situationspresse 2023.
280 S. Pb. 28 €
ISBN 978-3-935673-51-8
Die „Nachspielzeit zur regulären Neuzeit“ ist inzwischen abgelaufen; wir leben im „Zeitalter des Epilogs“ mit der vorherrschenden „Haltung von Endverbrauchern“. Die Moderne war schon längst nicht mehr modern, und Fragen zur Postmoderne oder zur Globalisierung sind unterdessen – auch von der Realität – so überholt, daß es fast müßig erscheint, sich von ihrer Beantwortung noch etwas zu versprechen. Wenn auch prinzipiell noch offen ist, was nach dem ›Theater der Moderne‹ in der nächsten Saison auf dem Spielplan stehen wird, so sprechen doch unverkennbare Anzeichen dafür, daß einige Aufführungen, sofern sie sich denn auf die »geistige Situation der Zeit« einlassen, einen großen Zorn auf die (Welt-)Bühne bringen, während andere den Rückzug in eine neue Innerlichkeit, gleichsam ein digitales Biedermeier inszenieren werden.

Das ist er, der Briefkasten!

Der Briefkasten zu Ihrem Glück.

Durch diesen Briefkasten gehen immer wieder (so auch wieder dieser Tage) die METZGER-Hefte auf die Reise zu denen, die das Magazin im Abonnement beziehen.
Durch kaum einen anderen Briefkasten in Mitteleuropa wurde so viel Erkenntnis beschleunigt wie durch diesen.
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Abonnement rückwärts: Die noch erhältlichen Ausgaben Nr. 18-148 können Sie einzeln bestellen
oder alle zusammen im Sammelpaket für 400 €.
Die zehn letzten Ausgaben (Nr. 139-148) en bloc: 25 €.
Die zehn vorletzten Ausgaben (Nr. 129-138) en bloc: 25 €.
Die zehn drittletzten Ausgaben (Nr. 119-128) en bloc für 25 €.
Kommentierte Inhaltsangabe aller lieferbaren Hefte: www.buchhandlung-weltbuehne.de

Besteladresse:
situationspresse(at)gmx.de

Sahra Wagenknechts Vernichtungsfeldzug gegen die Linkspartei. Die Linkspartei reagiert.

Der in Zeitungen und Nachrichten genannte Beschluß der Linkspartei in der Sache Wagenknecht. Hier im Wortlaut:

10. Juni 20232023/450
Unserer Verantwortung gerecht werden: DIE LINKE als plurale sozialistische Partei erhalten!
Beschluss der Parteivorstandsberatung vom 10. Juni 2023
DIE LINKE als plurale sozialistische Partei ist eine historische Errungenschaft. Wir wollen sie als plurale Partei erhalten, Differenzen demokratisch unter dem Dach unserer Partei diskutieren und sie als moderne Gerechtigkeitspartei gemeinsam weiterentwickeln. Dafür brauchen wir Geschlossenheit, Solidarität und ein klares Profil.
Die öffentlichen Ankündigungen seitens unserer Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht, die Gründung einer konkurrierenden Partei zu prüfen, stellen die Einheit der LINKEN in Frage und schaden uns seit geraumer Zeit massiv. Diese Äußerungen verunsichern unsere Wählerinnen und Wähler und sind respektlos gegenüber unseren Mitgliedern, die sich jeden Tag in den Kreis- und Basisorganisationen und in den kommunalen Vertretungen für eine starke LINKE einsetzen. Unterdessen häufen sich parteiintern Berichte, dass bereits Vorbereitungen zur Gründung eines konkurrierenden Parteiprojektes getroffen werden.
Dagegen stellen wir klar: Demokratisch gefasste Beschlüsse sind die verbindliche Richtschnur für das Handeln der gesamten Partei, ihrer Fraktionen und öffentlichen Repräsentant*innen. Wir respektieren Minderheitsmeinungen innerhalb unserer Partei. Der Weg zur Änderung von Beschlüssen ist die Debatte in der Partei, in ihren demokratischen Organen und die Gewinnung von Mehrheiten für Entscheidungen. Wir laden alle dazu ein, mit uns auf Parteitagen, in den entsprechenden Gremien und Verfahren um demokratische Mehrheiten zu ringen. Wenn einzelne sich aber systematisch über diese Mehrheiten hinwegsetzen und versuchen, der LINKEN durch öffentliche Einlassungen über die Medien sowie durch die Drohung mit der Gründung einer konkurrierenden Partei, einen anderen Kurs aufzuzwingen, sind das schlicht Erpressungsversuche.
Der Geschäftsführende Parteivorstand hat wiederholt, zuletzt am 25. Mai, das Gespräch mit Sahra Wagenknecht gesucht und schließlich von ihr gefordert, dass sie zeitnah und öffentlich von der Gründung eines konkurrierenden Parteiprojektes Abstand nimmt und entsprechende Vorbereitungen umgehend einstellt. Sahra Wagenknecht hat wiederholt erklärt, dass sie keine Perspektive mehr für die LINKE sieht. Sie ist der Aufforderung, eindeutig von einem konkurrierenden Parteiprojekt Abstand zu nehmen, bis heute nicht nachgekommen. Damit ist offensichtlich, dass sie nicht bereit ist, gemeinsam mit allen Genossinnen und Genossen in der Partei für eine starke LINKE zu kämpfen und ihre demokratischen Verfahren zu respektieren. Klar ist daher: Die Zukunft der LINKEN ist eine Zukunft ohne Sahra Wagenknecht.
Alle Abgeordneten wurden auf Wahlvorschlag der LINKEN in die Parlamente gewählt. Sie wurden von den Mitgliedern in den Wahlkreisen und bei Listenaufstellungen in demokratischen Verfahren aufgestellt. Die Mitglieder der LINKEN haben den Wahlkampf geführt in dem Vertrauen, dass unsere Abgeordneten das Programm der LINKEN vertreten und sich ihm verpflichtet fühlen. Es ist ein Gebot des politischen Anstandes und der Fairness gegenüber den Mitgliedern unserer Partei, wenn diejenigen, die sich am Projekt einer konkurrierenden Partei beteiligen, konsequent sind und ihre Mandate zurückgeben. Es ist nicht akzeptabel, dass Ressourcen aus für DIE LINKE gewonnenen Mandaten für den Aufbau eines Konkurrenzprojektes genutzt werden. Denn wir alle stehen bei unseren Wähler*innen im Wort, uns in ihrem Sinne auch für das einzusetzen, was wir ihnen zur Wahl versprochen haben.
Unsere Partei wie die gesellschaftliche Linke insgesamt steht angesichts von sozialer Spaltung, Klimakatastrophe, Inflation und Krieg vor riesigen Herausforderungen. Viele sagen, es sei nicht mehr erkennbar, wofür die DIE LINKE steht. Diesen Eindruck werden wir ändern. Wir ergreifen klar Partei für die lohnabhängige Bevölkerung und wenden uns dagegen, unterschiedliche Milieus gegeneinander auszuspielen. Wir stellen die gemeinsamen Interessen und die gemeinsame Mobilisierung für soziale Ziele in den Mittelpunkt. Der Marktgläubigkeit der herrschenden Politik setzen wir unsere Forderung nach Stärkung von öffentlichen Investitionen und öffentlichem Eigentum entgegen – für uns ist der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte. Wir verbinden konsequenten Klimaschutz mit sozialen Garantien. Der Umbau der Wirtschaft muss mit den Beschäftigten und in ihrem Interesse erfolgen – deshalb streiten wir für eine Stärkung der Gewerkschaftsrechte, für mehr Mitbestimmung und Wirtschaftsdemokratie. Wir stellen uns überall gegen Imperialismus und Krieg, gegen die völkerrechtswidrige russische Invasion der Ukraine wie gegen völkerrechtswidrige Interventionen der NATO und ihrer Verbündeten. Wir wenden uns gegen Aufrüstung und Rüstungsexporte und kämpfen für Abrüstung, Deeskalation und zivile Alternativen zum militärischen Tunnelblick. Und wir stehen für die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten, für den Schutz von Geflüchteten und Grundrechten – und eine klare Kante gegen rechts, gegen Rassismus, Sexismus, Transfeindlichkeit und Faschismus.
Die Ampelkoalition ist zerstritten und blockiert sich selbst. Im Ergebnis droht eine massive Verschiebung des gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses nach rechts. Umso wichtiger ist es, dass wir der Bedrohung von rechts eine klare linke Alternative entgegenstellen. Wir haben dieses Jahr noch zwei Landtagswahlen in Hessen und Bayern und nächstes Jahr die Europawahl, die Kommunalwahlen und die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen, vor uns. Diese bereiten wir mit aller Kraft vor. Darauf wollen wir uns gemeinsam konzentrieren. Es gilt das lähmende Gegeneinander, die öffentlichen Diffamierungen und politischen Blockaden zu überwinden. Damit aus unserer LINKEN in all ihrer Verschiedenheit wieder eine geeinte LINKE werden kann. Das gebietet der Respekt gegenüber unseren Mitgliedern, das sind wir unseren Wählerinnen und Wählern schuldig. Wir brauchen eine starke LINKE in den sozialen Auseinandersetzungen. Stark sind wir aber nur, wenn sich niemand in der Partei schwach fühlt. Das nehmen wir ernst, nur so werden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung als sozialistische Partei in Zeiten schwerer Krisen gerecht.

Was sagt man dazu?
Die Linkspartei – zu wenig links, zu viel Partei.
Partei – das heißt ja auch immer: Flügekämpfe oder -kompromisse, Fraktionen, Absprachen, Seilschaften, Gerangel um Listenplätze etc., wo Ziele und Inhalte in den Hintergrund treten oder gar, wie in diesem Fall, zur Belastung werden. Das erinnert an Geschäftsleute, denen nur noch der Absatz, nicht die Qualität ihrer Ware wichtig ist.
Das ist die Welt der Sahra Wagenknecht – wobei man bei ihr sagen muß: sie hat – spätstens mit ihrem Bestseller – ein Programm gegen alles vorgelegt, was den Titel „links“ verdient: Eine „populistische“ Linke ohne Progressivität, ohne Emanzipation, antiintellektuell, feindselig gegen Minderheiten und gegen Menschen am Rande der Gesellschaft, dem „Volk“ nach dem Munde redend, den Kampf um die (Lebens-)Kultur dem Weg nach oben opfernd, sich gerade noch auf Umverteilung konzentrierend, was bei ungenauem Hinsehen für „irgendwie“ links gehalten werden kann.
Links sein heißt in dieser Gesellschaft: gegen den Strom schwimmen, unpopulär sein und zur Minderheit zu gehören.
Linkspopulismus ist ein Widerspruch in sich. Populismus ist immer Rechtspopulismus.
Den Niedergang der Linkspartei und der Linken hat Sahra Wagenknecht nicht verursacht, aber rapide beschleunigt. Wenn sie mit der geplanten rot angestrichenen Rechtspartei am Ende Erfolg hat, wäre die Katastrophe komplett.

Neu: DER METZGER Nr. 149

So sieht die Zeitung aus:
Und das wird Sie interessieren:

Ulrich Sander: Zur Frage „Wie halten es die Rechten mit den USA und Russland, mit NATO und Krieg?“ Die „Querfront“ von „rechten und linken“ „Friedenskräften“ ist und bleibt ein Ding der Unmöglichkeit. Eine genaue Betrachtung.

Die Paranoia-Union hat einen Vorsitzenden. Ist der ehemalige Verfassungsschutz-Präsident ein harmloser Irrer? Harmlos ist er nicht.

Matti in: Beschreibungen. Comic-Strip von Timo Stoffregen.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Die seltsamen Reden des Herrn Präsidenten Wolodymyr Selenskyj; Das vorlaute Geplapper der Außenministerin Baerbock; Die Sprache der Tiere; Immer mehr Männer verstehen die Welt nicht mehr; Antworten.

Marvin Chlada: Sieben Gedichte aus dem neuen Gedichtband „Hunger und Liebe“ (Trikont Verlag).

Heinrich Hafenstaedter: Weltherrschaft. Mein Dialog mit der Künstlichen Intelligenz.

A.S.H. Pelikan: Abenteuer im Silberwald. Ereignisse an einem Mittwoch zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und Napoleons Rußlandfeldzug.

Die Plümmelsmütz der Luisa Neubauer. Ein Grundsatz. Jakop Heinn, Der Scharffmacher, Ottokar Grobe, Verschwoerungskenner, Kornkammer, Magirus Bögge, Jürgen Gaslor, Renate Scheutin, Jupp von Schmitz, Marina, Nobert Wielen, Madame Lupo diskutieren.

HEL (Herbert Laschet-Toussaint): Italienbrüder. „Stellt euch vor Deutschland im Krieg Nr. 3 / und ihr seid nicht mal dabei“.

Konrad Knurrhahn: Das letzte Mal.

Rainer Dittrich: Petitessen.

Vor fremder Not nicht gefeit. Erinnerung an Inge Holzinger 1933-2023.

Oskar Maria Graf an Goebbels: Verbrennt meine Bücher! Wie ein Verfemter sich mit Sarkasmus wehrte. „Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein, wie eure Schmach!“

Das Heft kostet 4 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Die 10 nächsten Ausgaben: 40 € – alle zukünftigen Ausgaben: 60 €.

Nochmal Jazz-SÄULE

Ich erhielt diese E-mail von Eckart Pressler:

„Liebe Musikfreunde – männlich wie weiblich und anders –
eine sommerliche musikalische Reise zur TERRA ANATOLIA spielen Ergün Aktoprak (voc, perc) und Jürgen Dahmen (p) am Samstag, 17. Juni 2023 Beginn 20.00 Uhr in der SÄULE am Dellplatz, Goldstr. 15 in 47051 Duisburg-Zentrum.
Seid herzlich eingeladen zu einem besonderen Abend mit neu aufgespürten und bearbeiteten anatolischen Liedern voller Leben, Liebe und Poesie.
Tickets gibt’s bei mir telefonisch zu 12 €, erm. 8 € / unter www.platzhirsch-duisburg.org / bei der Tourist Information, Königstr. oder auch noch an der Abendkasse.
Die Veranstaltung wird gefördert durch den Kulturbeirat der Stadt.“

Aber dann der Wermutstropfen:

„Ich verabschiede mich mit diesem Konzert vom SÄULE-Jazz mit einem lachenden und weinenden Auge. Kommt und lacht mit, denn künftig wird der Platzhirsch in der Säule röhren.
Eckart Pressler/ SÄULE-Jazz“

Zu der Veranstaltung in einer Woche werde ich nicht kommen können, empfehle sie aber weiter und sage DANKE dafür, daß Eckart Pressler engagiert, kenntnisreich und gekonnt so viel – fortschrittliche! – Kultur in dieser Stadt auf die Bühnen brachte.
..

In Neudorf Bi*

* guten sagt er, Morgen sagt sie.

Wir erreichen den Frühsommer, die Jasminsträucher sind erblüht.
Ich freue mich auf meinem täglichen Weg über diesen Kontrast von den weißen Blüten und den dunkelgrünen Blättern, und über den giftigsüßen, bittersüßen Duft!
Was bedeutet diese Überschrift?
Es erinnert mich an Bertolt Brecht, seine Jugendfreundin, sie hieß Paula Banholzer, er nannte sie „Bittersweet“, oder einfach „Bi“. (Sich selbst gab er den Namen Bidi).
Jahrzehnte später erinnerte Brecht sich in einem Gedicht an seine junge Liebe:
„Bidi in Peking
Im Allgäu Bi
Guten sagt er
Morgen sagt sie.“
..

Das „Friedensbündnis NRW“ – „Querfront“-Bestrebungen in Düsseldorf?

„Die Friedensbewegung ist in keiner guten Verfassung“, sagte ich in meiner „Ungehaltenen Rede zum Ostermarsch“. Und zum Schluß fragte ich: Wird es diese Friedensbewegung in 5 Jahren noch geben?
Es könnte sogar noch schneller gehen. Eine Bestandsaufnahme aus Düsseldorf, erschienen in der Stadtzeitung TERZ.

https://terz.org/2023/06/friedensbuendnis-nrw.html

Liest man diesen Artikel zu Ende, dann stellt man entsetzt fest, daß sogar die VVN nicht mehr überall eine unüberwindliche Brandmauer gegen Übernahmeversuche darstellt!

Achtet auf die Rote Hilfe

In nächster Zeit – und auch danach noch – wird die Rote Hilfe viel zu tun haben. Viele werden die Rote Hilfe brauchen.
Helft der Roten Hilfe.

Rote Hilfe e.V.
IBAN: DE25 2605 0001 0056 0362 39

https://www.rote-hilfe.de/aktiv-werden/mitglied-werden

Rote-Hilfe-Gruppen – damals noch ohne Zentrale und Dachverband – bildeten sich seit etwa Anfang der 70er Jahre. Eine Rote-Hilfe-Gruppe gab es auch in Duisburg. Ich habe sie gegründet.
Diese Geschichte müßte auch mal geschrieben werden.

Dresdner Antifa-Prozess: VVN meldet sich zu Wort

Die VVN-BdA in Kassel erklärt:

Zum Urteil im Dresdener Antifa-Prozess
2. Juni 2023
Die VVN-BdA ist empört über das Urteil des Dresdener Oberlandesgerichts im Fall der angeklagten Antifaschistin Lina E und ihrer Mitangeklagten. Über fünf Jahre Haft für sie als „Rädelsführerin“ einer „kriminellen Vereinigung“ ist ein Urteil, das nicht nur bezogen auf die Vorwürfe überzogen ist, sondern angesichts des Prozessverlaufs nur als skandalös zu bezeichnen ist.
Es ist ungeheuerlich, dass der Senat um Richter Hans Schlüter-Staats ein solch drastisches Urteil auf der Basis von Indizien, haltloser Aussagen militanter Neonazis und eines dubiosen Kronzeugen fällte. Vor Gericht kamen immer wieder grundlegende Zweifel an der Arbeit der Bundesanwaltschaft auf, die den Fall an sich gezogen hatte. Falsche Interpretationen von vorgelegten Materialien, widersprüchliche Aussagen und fehlende Beweise prägten das Verfahren. Es gab lediglich ein Konvolut an Indizien, die als »Belege« für die Täterschaft von Lina E. angeführt wurden: Nicht einmal DNA-Spuren konnten eindeutig zugeordnet werden, ein Foto vom Tatort bei Lina E. wurde als Beleg ihrer Anwesenheit gerechnet. Auch der Kronzeuge Johannes Domhöver konnte nichts Substanzielles beitragen. Vielmehr ist es erkennbar, dass er seinen Freispruch erkauft hat mit einer Aussage, die die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft stützen sollten. Aussagen militanter Neonazis wurde Glauben geschenkt – „Zeugen“, die in einem eigenen Prozess in Eisenach wegen krimineller Handlungen verurteilt wurden.
Selbst die Bundesanwaltschaft musste eingestehen, »nicht den einen, erdrückenden Beweis« zu haben. Trotzdem forderte sie acht Jahre Haft. Für sie sei es »die Gesamtschau«, die die Vorwürfe erhärtete. Die Verteidigung hat vollkommen zurecht das Vorgehen der Dresdner Justiz als politisch motiviert beschrieben. Es ist ein Gesinnungsurteil, dass ein Exempel gegen (militanten) Antifaschismus statuieren soll.
Dieses Urteil weckt unliebsame Erinnerungen an die Justiz in der Endphase der Weimarer Republik, als bei Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Nazigegnern in aller Regel die Antifaschisten mit schweren Verurteilungen rechnen mussten, während die SA und andere gewalttätige Nazis mit Milde der Richter rechnen konnten.
Wenn Innenministerin Nancy Faeser angesichts des Urteils betont, dass es auch im Handeln gegen Neonazis keine Selbstjustiz geben dürfe, da solch ein Verhalten das Vertrauen in den Rechtstaat beschädige, dann betonen wir, dass dieses Urteil in noch viel größerem Maße das Vertrauen in die Justiz und die Regeln des Rechtstaates beschädigt. Wir erwarten, dass bei einer rechtlichen Prüfung dieses Urteil aufgehoben wird.

Was ist eigentlich der Lindner für einer?

Nachdem der Westerwelle fertig hatte, gab es nichts mehr zu halten (kein Halten mehr), und so kam Lindner. Zu dem würde das Amt des Bundesverkehrsminister gut passen. Oder: Lindner spielt Peter Sellers in dem Remake von „Der Partyschreck“. Er wäre die Idealbesetzung für den Mann, bei dem man sich fragt: Was will der eigentlich hier? Wer hat den reingelassen?
Der will, daß die Atomkraftwerke weiterlaufen, denn, so meint er, es geht um jede Kilowattstunde (drei Ausrufezeichen).
Tempolimit auf der Autobahn? Da ist er dagegen. Er meint: Das bißchen Energie-Ersparnis —
Als Verkehrsmister – pardon, ich wollte sagen: als Verkehrtminister – hatten wir den von der CSU, den B. Scheuert (oder so ähnlich hieß er). Bei dem dachte man: Muß denn eigentlich einer, bloß weil er nichts kann, Minister werden?
Sein Vorgänger war der Dobrindt. Der hatte regelmäßig seinen Rappel.
Und dessen Vorgänger war der Ramsauer. Der war auch in der CSU.
Man kennt das ja noch aus der Schulzeit: Jede Klasse hatte ihren Klassen-Clown.
Und jede Bundesregierung hat ihren Kabinetts-Flabes.
Und das ist jetzt der Lindner.

Neu in der Weltbühne: Conrad Schuhler über Deutschland im Wirtschaftskrieg

Neu in der Weltbühne: Conrad Schuhler: Deutschland im Wirtschaftskrieg. Eskalation um jeden Preis. PapyRossa Verlag 2023. 158 S. 14,90 €

»Es kommen härtere Jahre, raue Jahre auf uns zu«, so Bundespräsident Steinmeier. Ein »Epochenbruch« habe stattgefunden, und die »Friedensdividende« sei »aufgebraucht«, die Welt sei »jetzt auf dem Weg in eine Phase der Konfrontation«. Die Deutschen müssten deshalb »konfliktfähig werden«. Dazu gehöre »zu allererst« eine starke Bundeswehr. Von der Bevölkerung verlangte Steinmeier »die Kraft zur Selbstbeschränkung«.
Conrad Schuhler setzt sich mit der Logik auseinander, einen Krieg – geführt womöglich mit Atomwaffen, deren Übernahme von den USA die Bundeswehr jetzt schon übt – und materielle Opfer in Kauf zu nehmen. So soll der »systemische Konflikt« mit Russland und China geführt werden. Schuhler macht die Formel »Demokratie gegen Autokratie« als Ausdruck des globalen Hegemonieanspruchs des Westens kenntlich. Der Westen, allen voran die USA und Deutschland, hat der Koexistenz eine kategorische Absage erteilt. Nach innen ist dieses Programm mit seinen unsozialen Folgen in demokratischen Formen nur schwer durchzusetzen. Eine friedliche, soziale und demokratische Zukunft müsste erstritten werden von Menschen, die politisch gegen ihre Eliten aktiv werden.
Conrad Schuhler, Diplom-Volkswirt. Studium an den Universitäten München und Manchester, Yale und Berkeley/USA. Langjähriger Vorsitzender des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) in München und lange Zeit Chefredakteur der UZ.

Das Buch ist im Programm der Buchhandlung Weltbühne (auch im Versand zu beziehen).
Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf)
Emil-Adresse: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !

..

Bilder einer Vergewisserung

???
Gartengestaltung, die mir zusagt. (Es gibt natürlich auch andere Arten, einen Garten zu gestalten).
Eine „meiner“ Lesebänke (wenn sie mal nicht besetzt ist)
„… so why not take a look now? Kick out the devil’s sin, pick up, pick up a good good book now.“
Die Zeit der hyperaktiven Studentenschaft ist ja wohl vorbei. Schaut nur diese völlig unbeklebten Garagen (war früher anders).
Aber den instandbesetzten Garten (neben der Bibliothek) gibt es immer noch. Hier wird die Wildheit gehegt.
Berührte Natur.
..

Pfingsten sind

Pfingsten sind die Geschenke am geringsten,
während Geburtstag, Ostern und Weihnachten
etwas einbrachten.

Von wem ist das?
Das ist leicht herauszufinden, wenn man auch das Kleingedruckte liest.

Müller paßt immer

Das kenne ich auch: Man wird geprüft, ob einem Namen von Fußballspielerinnen geläufig sind. Mir fallen da nur zwei oder drei Namen ein.
Ich kenne noch Mannschaftsaufstellungen der 50er und 60er Jahre auswendig. Aber wer heute in der Bundesliga spielt – da kenne ich niemanden. Bei Bayern München soll einer spielen, der Müller heißt. Müller paßt immer.
Bei dem „Verein“ Bauern München (hach! Jetzt hab ich mich vertippt!) herrscht – gelinde formuliert – Krisenstimmung. Bei Bayern München „müssen Köpfe rollen“, „müssen die Ursachen auf den Tisch, gnadenlos“ „wird an Stuhlbeinen gesägt“ etc. Wieso?
Es gibt in diesem Lande tausende Fußballmannschaften, zigtausende Fußballspieler, die davon träumen, in die Landesliga aufzusteigen. Und dann gibt es ein Kartell stets wechselweise prahlender oder übelgelaunter Männer, die jetzt den Weltuntergang proklamieren, weil sie unter tausend Fußballclubs bloß Zweiter sind (oder erst auf den letzten Drücker doch noch Erster werden). Da stimmt doch was nicht. Da wird der Sport falsch verstanden.
„Sport?“ fragt der Hoeneß. „Haben Sie ‚Sport‘ gesagt?“
Es gibt übrigens ein Buch bei PapyRossa mit dem wohlklingenden Titel „Friede den Kurven – Krieg den Verbänden“.
Fragen Sie mich mal. Ich wüßte nicht, wen ich jemals um was beneiden sollte. Ich gönne jedem, der sich anstrengt, der sich was erhofft und dabei fair bleibt, seinen Erfolg. Nur dem Bayernmünchen inclusive Management wünsche ich eine Niederlage. Das würde denen vielleicht (vielleicht!) guttun, damit sie eine Ahnung davon gewinnen, wo der Boden ist, auf dem man stehen kann. Diesen Gedanken brauchen Sie nicht zu Ende zu führen.
An ein Kapitel deutscher Fußballgeschichte möchte ich Sie gern erinnern. Dazu müßten Sie hier klicken.
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Derrick war bei der SS

Der Schauspieler Horst Tappert soll bei der Waffen-SS gewesen sein. Da war er nicht der einzige.
Als Schauspieler war er nicht schlecht, geeignet für Nebenrollen in Komödien. Als Posträuber Bruce Raynolds hat er ein Kabinettstückchen abgeliefert. Aber in der Rolle als Kriminalbeamter Derrick, für die er sich ein Toupet aufsetzen mußte, wurde er zu einer nationalen Institution: Identifikationsfigur des Spießers als fieser Bulle, als Rächer der Langweiler an der ganzen materialistisch-hippyesken Verworfenheit der modernen Zeit, wo die Schulkinder nicht mehr aufspringen und im Chor „Guten Morgen, Herr Lehrer“ erschallen lassen. Wohin das führt, sieht man ja. Da muß doch endlich mal einer der Moral zur Geltung verhelfen.
Derrik hatte einen Vorgänger, das war „Der Kommissar“ Keller (Erik Ode). Der deutsche Briefmarkensammler hat den Durchblick, assistiert von einer Schar deutscher Schwiegersöhne. Diese Filme hatten einen großen Vorteil: Man konnte den Nachgeborenen erklären: „Nein, der Fernsehapparat ist nicht kaputt, das ist ein Schwarzweißfilm.“
Kommissar Keller minus Gemüt ist gleich Derrick.
Diese Filme waren gar keine Kriminalfilme. Sie waren nicht spannend. Sie waren nicht realistisch. Die Dialoge waren hölzern. Die Charaktere waren künstlich. Die Schauspieler spielten nicht, sondern standen oder liefen herum und sagten Texte auf. Da waren keine Detektive am Werk, um Licht in die Sache zu bringen. Licht kam hier nur von den Beleuchtern. Was im wahren Leben die Ermittlungstätigkeit der Polizei wäre, das war in diesen Filmen die Privatangelegenheit von einem Berufspessimisten und seinem Lakaien.
Ich habe ein paar Derrick-Filme gesehen, und mir ist aufgefallen: Keiner der von Derrick & Harri zur Strecke gebrachten „Täter“ würde von einem deutschen Gericht verurteilt. Bei dermaßen schlampiger Ermittlungsarbeit hätten sie alle wegen Mangel an Beweisen freigesprochen werden müssen. Der einzige Beweis, den die Anklage dem Gericht hätte vorlegen können, war das Drehbuch: „Da steht es doch schwarz auf weiß!“
Neinnein! Die einzigen, die von Derrick überführt wurden, das waren wir alle, und sonst niemand.
Horst Tappert war bei der SS? Das konnte man nicht wissen.
Von Stefan Derrik hätte man es wissen müssen.

*

Wer hat den Tappert als SS-Mann bekanntgemacht und damit an der Nation gekratzt? Die Bildzeitung!
In Zeiten, in denen der Bundestrainer auch kein unantastbarer Herberger mehr ist und Bundespräsidenten abtreten, ist wohl auch ein Derrick keine indisponible Größe mehr. Aber müßte nicht gerade die Bildzeitung das Positive hochheben?
Die Bildzeitung hatte schon vor längerer Zeit eine andere Trostgestalt in Mißkredit gebracht: Sie enthüllte, daß Robert Was-bin-ich-Lembke, das Idol der Tanten, die dachten „Ach wenn doch alle Nachbarn so wären“, fremdgegangen ist. (Und das ist aus Tanten-Sicht das Schlimmste was es gibt).
Kein Wunder! Erst wenn gar kein Boden mehr unter den Füßen ist, wenn nichts mehr da ist, worauf man sich verlassen kann, ist der ideale Bild-Leser geschaffen.
Vielleicht aber wollte die Bildzeitung nur verkünden: Die SS kommt in den besten Familien vor.

Aus: Der Metzger Nr. 106 (2013)
Stefan Derrik a.k.a Horst Tappert wäre heute 100 Jahre alt geworden.