Bekenntnis ohne Kenntnis?

AnzProNatStattDemLiebe Leute, dieses Inserat erschien mehrmals im METZGER (in welchen Ausgaben weiß ich jetzt nicht, mĂŒĂŸte ich nachgucken – es wurde ĂŒbrigens unentgeltlich abgedruckt, was selten genug gedankt wird). Und jetzt mache ich es hier sichtbar, und zwar aus aktuellem Anlaß.

Der Vormarsch rechts-populistischer (und, auf geebneten Wegen folgend) rechts-extremer KrĂ€fte hat einige Leute sehr ĂŒberrascht. Frage: Wieso? Das kam nicht ĂŒberraschend.
Sich gegen Rechts zu stellen ist, soll es wirksam sein, nicht eine Sache von Bekenntnissen, sondern von Kenntnissen.
Es ist fĂŒr die Rechten gut, wenn die Linke nicht weiß, was die Rechte tut – und es auch gar nicht so genau wissen will. Was man darĂŒber zu wissen glaubt sind jahrzehntealte ErklĂ€rungsformeln. Entwicklungen wie das Entstehen einer Neuen Rechten wurden ignoriert.
Die Neue Rechte profitiert von den Dummheiten der Linken. Neuestes (aber nicht erstes und sicherlich nicht letztes) Beispiel: Als bei der Friedensbewegung von rechts angeklopft wurde, wurde fröhlich „Herein!“ gerufen – trotz aller Warnungen. Nicht nur das. Auf Warnungen vor „Friedenswinter“ und Montagswahnmachen und Verschwörungsparanoia, auf Warnungen davor, sich zu Deppen neurechter Querfronttaktik zu machen, wurde geradezu hysterisch reagiert.
Also: Augen auf!
(Das Buch, was oben empfohlen wird, steht nur als EIN Beispiel fĂŒr einige andere).
Und weil es eben nicht nur darauf ankommt, worĂŒber und wie und mit welche Mitteln man sich informiert, sondern auch, welche Strukturen vonnöten sind und wen man nicht im Stich lassen darf, folgt hier noch ein Inserat – in der Hoffnung auf einen Rest von Bewußtsein, daß es ein bißchen von einem selber abhĂ€ngt, ob das ganze Land in Haß und Verblödung versinkt.
WBAngewohnheitAnz..

PgPg zum Montag

DreckPegidaDie Nation hat einen breiten Rand. Der reicht bis zur Mitte.
Mit schönem Gruß von der Projektgruppe Pudding und gestern (PgPg).
PgPg-Sprecherin Chantal Könkels fĂ€nde eine Spende fĂŒr die Zettelkes-Guerilla nett von Ihnen.
Konto:

SSB e.V.
IBAN DE76 3601 0043 0403 9564 32
BIC PBNKDEFF
Verwendungszweck: PgPg

60 Cent wÀre doch schon mal was.
70 Cent wÀre auch schon mal was.

Hier im Inneren des Landes

BallspielenDen wollte ich auch nochmal in Erinnerung rufen, diesen Schild-BĂŒrger, diesen in Schieflage geratenen Nichtgestatter.
Durch das Schiefschild gibt sich keine AutoritĂ€t zu erkennen, kein Amt, kein EigentĂŒmer. Wer Ă€ußert sich hier? Der preußische Staat? Der im preußischen Staat zu sich selbst gefundene Weltgeist? Wohl eher der Weltgeiz.
Hier maßt sich einer nicht nur an, Verbote auszusprechen. Hier maßt sich einer an, Gnade zu entziehen: „Nicht gestattet“.
Hier im Inneren des Landes, da leben sie noch, und hassen und wĂŒrden gern befehlen, aber noch lieber wĂŒrden sie gehorchen, und sie wĂŒrden auch schießen, auf FlĂŒchtlinge, auf spielende Kinder, wenn nur der Befehl dazu kĂ€me.
VerbotenW3..

Deutlicher Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen

In der Ausgabe vom 29. November der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Kommentator Volker Zastrow deutliche Worte gefunden. Überschrift seines Kommentars: „AfD Die neue völkische Bewegung“.
Auf den Demonstrationen habe „ die AnhĂ€ngerschaft dieser Partei Wut, Hass und einen nicht mehr zu ĂŒbersehenden Hunger nach Gewalt“ gezeigt. „Unterschiede zu Pegida sind kaum mehr zu erkennen.“
„Die hie und da gezeigte Deutschlandfahne wird als gegen-republikanisches Bekenntnis missverstanden“, heißt es in dem Kommentar weiter. „Auch bei Pegida wird die Deutschlandfahne so genutzt: gegen die real existierende Bundesrepublik, fĂŒr dieses dunkle ‚Deutschland‘ in den Köpfen der Demonstranten.“
FAZZastrowWeitere Zitate:
„Die AtmosphĂ€re auf den Demos ist gewaltgeladen. Wer als Feind begriffen wird, den sucht man einzuschĂŒchtern: durch aggressives Angehen, Bedrohen, Verfolgen, Geschimpfe und Geschrei. Immer hĂ€ufiger kommt es zu Angriffen: Da wird bedrĂ€ngt, geschubst, gestoßen oder gar geschlagen. Die Gewalt richtet sich insbesondere gegen Journalisten, ohne weiteres auch Frauen, erst diese Woche wieder gegen zwei Kolleginnen des ZDF.“
„Wir sind das Volk, das heißt heute: die anderen nicht. Die sind VolksschĂ€dlinge, Feinde des Volkes. [
] Alle, die nicht das Volk sind, sollen weg, erst einmal wenigstens mundtot gemacht werden. Das ist der Grund fĂŒr die Wut auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Sie wird niemals abreißen, denn man will statt der ‚LĂŒgenpresse‘ völkische Beobachter.“
„Wenn sich ein Feingeist wie Botho Strauß in schönster Sprache als der ‚letzte Deutsche‘ beweint, dessen ‚aussterbendes Volk‘, wie er schreibt, ‚mit fremden Völkern aufgemischt wird‘, ist auch das kein in Deutschland wirklich neuer Ton, nur einer, den man fĂŒr verklungen halten wollte.“
„Antisemitismus ist auch heute unter den GehĂ€ssigsten der Pegida- und AfD-AnhĂ€ngern verbreitet. DafĂŒr finden sich wieder zahlreiche Belege im Internet, etwa das gerade von der B.Z. veröffentlichte Video eines Wachmannes, der die Überstellung der Politiker und ‚Gutmenschen‘ in lĂ€ngstens zwei Jahren in ‚Ferienlager‘ unter dem Stichwort ‚Arbeit macht frei‘ ankĂŒndigt. Das aktualisierte Feindbild aber sind Muslime – und nun kommen sie zu Hunderttausenden ins Land; eine historische Herausforderung, die nur unter Aufbietung aller konstruktiven KrĂ€fte und natĂŒrlich nicht ohne Kontroversen gemeistert werden kann.“
Das bittere Fazit:
„Unter dem Druck dieser VerhĂ€ltnisse hat sich rund um Pegida und AfD der Nukleus einer BĂŒrgerkriegspartei gebildet. Ihre Gier nach Gewalt ist mit HĂ€nden zu greifen, und sie wird nicht haltmachen, sich nicht begnĂŒgen.“

Neu in der WeltbĂŒhne: Das wird man ja wohl noch sagen dĂŒrfen

Das Buch, auf das Sie bestimmt gewartet haben:
Axel Klingenberg: Das wird man ja wohl noch sagen dĂŒrfen! Wie Deutschland verblödet. Verlag Andreas Reiffer. 160 S. 9,90 Euro
KlingenbergSagenDuerfen„Deutschlands Neokonservative spielen sich als Querdenker und Tabubrecher auf – und sagen doch nur das, was schon immer falsch war und auch durch die hundertste Wiederholung nicht richtiger wird. Axel Klingenberg hat die 88 dĂŒmmsten, dĂŒrftigsten und dĂŒpierendsten Aussagen der nationalen Vor’denker‘ von Sarrazin bis Pirincci und ihrer deutschtĂŒmelnden AnhĂ€nger von der AfD bis zu Pegida gesammelt, um sie genĂŒsslich auseinanderzunehmen und so wieder zusammenzusetzen, dass klar wird, warum die lustigen schwarz-rot-gelben Sombreros der Party-Patrioten und D-Mark-Nostalgiker doch nur alte AluhĂŒte sind, die auf den MĂŒllhaufen der Geschichte gehören.
Schön, dass es in Deutschland Meinungsfreiheit gibt. Unschön, dass sie fĂŒr jeden gilt. Sogar der Paradekatholik Matthias bzw. MatthĂ€uslukasjohannes Matussek, der sich darauf spezialisiert hat, in gesellschaftlichen Diskursen die jeweils unangenehmste und abwegigste Position einzunehmen, darf hier ungestraft sein dröseliges Gedankengut verbreiten. Die grĂ¶ĂŸte Ansammlung an tabubrechenden Kreuz- und Querdenkern findet man in den tĂ€glichen Talkshows. Der Schweizer AuslĂ€nderbegrenzungsbefĂŒrwortungsredakteur, der kinderreiche Chefevangelist und der homophobste Publizist der Republik – sie alle werden in diesen Freakshows ausgestellt, damit die Zuschauer sich beruhigt in ihren Fernsehsesseln zurĂŒcklehnen und erleichtert seufzen können: ‚Gut, dass ich nicht so viel Unsinn erzĂ€hle!‘ Na klar, manche nennen das, was aus solchen Meinungsmachern ungebremst herausbröselt, den ‚gesunden Menschenverstand‘ – der aber bekanntlich in vielen FĂ€llen nicht weit vom ‚gesunden Volksempfinden‘ entfernt ist. Man sollte auch nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass nur MĂ€nner nichts Gescheites zu sagen haben. Es gibt genĂŒgend Frauen, die sich bemĂŒhen, in dieser Disziplin emanzipiert Anschluss zu halten. Zum Beispiel die Autorin Sibylle Lewitscharoff, die das ‚Onanieverbot‘ fĂŒr ‚weise‘ hĂ€lt, und Personen, die durch kĂŒnstliche Befruchtung gezeugt wurden, als ‚zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb kĂŒnstliches Weiß-nicht-was‘ bezeichnet.“

Entscheiden Sie sich gegen Neokonservative und Rechts-Populisten, indem Sie sich fĂŒr die richtige Buchhandlung entscheiden. Bestellen Sie dieses Buch (und alle anderen) in der (Versand-)Buchhandlung WeltbĂŒhne.
WeltbĂŒhne muß bleiben.

Zum Tage

1.
Zitat: „Es ist eindeutig falsch, KrĂ€fte aus dem rechten Spektrum und eine Initiative wie Endgame in einen Topf zu werfen. Die ‚Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas‘ (abgekĂŒrzt Endgame) sind eine Initiative, die als Gegenpol zu den Demagogen von Pegida (‚Patriotische EuropĂ€er gegen die Islamisierung des Abendlandes‘) entstanden ist und die den Blick statt auf die Pseudo-Bedrohung durch den Islam auf die reale Bedrohung durch den US-Imperialismus richtet.“

2.
Wenn Demagogen Demagogen Demagogen nennen!
Das Zitat (Verfasser: Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, zwei ausgewiesene Knallköppe beziehungsweise Stimmen aus der Friedensbewegung) fand ich auf www.nrhz.de (Online-Medium und Forum diverser Narreteien).
Ich zitierte das schon mal (in DER METZGER Nr. 114) und fĂŒgte an: „METZGER-Leser sind da besser informiert.“
METZGER-Leser wurden darĂŒber informiert, daß „Endgame“ eine Nazi-Vorfeldorganisation ist. Diese Information wĂŒrde aber auch bei zehnmaliger Wiederholung nicht bei denen ankommen, die das nicht wahrhaben wollen.

3.
Es war ein Zufall, daß ich gestern, am Nachmittag, beim Quellenstudium auf diese nĂ€rrische Textstelle traf, bevor ich am Abend im Radio in einer Sportsendunmg aus Paris eine Detonation hörte.
Sie haben ja gar nicht Unrecht, wenn sie die pauschale „Bedrohung durch den Islam“ in Abrede stellen. Aber so meinen die das gar nicht. In ihrer EindimensionalitĂ€t kann es fĂŒr sie außer der „Bedrohung durch den US-Imperialismus“ gar keine andere geben, auch nicht von islamistischen Terroristen. Wenn sich nicht hier und da in „linken Kreisen“ gerade jetzt klammheimliche Sympathie oder auch nur gewisses VerstĂ€ndnis fĂŒr Mordbrenner, die sich auf den Koran berufen, erneut regt, beziehungsweise von „objektiven BĂŒndnispartnern“ gefaselt wird (siehe DER METZGER 84 „Gegen die Objektiven“), dann fresse ich einen Besen.
Die Terror-Miliz „Islamischer Staat“ hat sich zu den Attentaten in Paris bekannt, ohne „TĂ€terwissen“ offenbart zu haben. Das Bekennerschreiben ist ein Hinweis, nicht ein tatsĂ€chlicher Beweis der wahren TĂ€terschaft. Wenn dieser Vorbehalt in „linken Kreisen“ beziehungsweise unter Verschwörungsparanoikern nicht als Beweis des Gegenteils gedeutet wird, fresse ich noch einen Besen.

4.
Es kann einem angst und bange werden
– angesichts eines asymmetrischen Krieges, der nicht gewonnen werden kann, angesichts von Angreifern, gegen die es keinen Schutz gibt.
– angesichts der zu erwartenden und nicht weniger gefĂ€hrlichen Reaktionen aus dieser Gesellschaft. Islamistische Fanatiker und Pegida-Fanatiker glauben nur, daß sie gegeneinander stehen. Werden den Idioten, die von hier nach Syrien ziehen, um den IS zu unterstĂŒtzen, antiislamische Söldner folgen?
– angesichts eines schwachen französischen PrĂ€sidenten und angesichts der Weigerung der Bundeskanzlerin, einzugestehen, daß „wir“, die Bundesrepublik und die EU, die Haupt-Fluchtursache sind.
– angesichts sich verschĂ€rfender GefĂ€hrdung des Weltfriedens. Wenn jetzt Erdogan Truppen nach Syrien schicken will und dann Soldaten einer NATO-Armee in Gefechte mit russischen Truppen geraten, dann hat das was von Weltkrieg.
– angesichts einer Friedensbewegung, deren Diskurs immer mehr von törichtem Wunschdenken und realitĂ€tsfernen Stellungnahmen geprĂ€gt wird.

BĂŒrgergefĂŒhle

Dieser Text erschien hier schon einmal – als Kommentar zur Kommunalwahl 2014. Damals, im Mai 2014, war es auch schon eine Wiederverwendung. Zu allererst erschien der Text in DER METZGER Nr. 87 (2009). „Inzwischen hat sich natĂŒrlich alles von Grund auf geĂ€ndert“, lautete der ironische Kommentar fĂŒnf Jahre spĂ€ter.
Nicht viel geĂ€ndert habe ich an dem Text. Wie das weitergeht, wenn der (Spieß-)BĂŒrger mit seinen GefĂŒhlen lauter wird und wenn zwischen „Untertan“ und „Obrigkeit“ Disharmonie einkehrt, erleben wir gerade. Auch wenn alles sich Ă€ndert, Ă€ndert sich nichts.
Hier also der Text von damals / von heute:

„Als das BĂŒrgertum seine FĂ€higkeiten erkannte, war es entsetzt
– und flĂŒchtete in die Restauration.“
Friedrich Engels

Es ist nicht unbedenklich, wenn die Demokratie dargestellt wird als eine Verpflichtung, die der Einzelne der Allgemeinheit gegenĂŒber zu erfĂŒllen hat. Man sollte doch besser nicht danach fragen, was du fĂŒr das Land tun kannst, sondern was das Land fĂŒr dich tut.
FĂŒr die Konservativen ist die Demokratie ohnehin nichts anderes als der Preis der Macht.
Und wer – allein schon durch fundamentale Unkenntnis – den Wahlschein ausfĂŒllt wie einen Lottoschein, der hat durch das Lotto jahrelang die Schule der Niederlage besucht; bloß mit dem Unterschied, daß die erwartete Erkenntnis „Widder nix“ sich bei der Bundestagswahl nicht schon am nĂ€chsten Samstagabend einstellt.
Der Versuch von einst, mit der „Anti-Parteien-Partei“ das politische Spektrum umzugestalten, ist gescheitert. Eine Stimme fĂŒr die GrĂŒnen ist eine Stimme fĂŒr das, wofĂŒr auch die anderen etablierten Parteien stehen: Marktwirtschaft, NATO, BundeswehreinsĂ€tze. Neben den LinkswĂ€hlern sind es doch gerade die NichtwĂ€hler, die die politische Landschaft verĂ€ndern. Der NichtwĂ€hler kann sagen: „Seitdem ich nicht mehr wĂ€hle, werde ich wahrgenommen.“ Die NichtwĂ€hler haben ihren Teil dazu beigetragen, die „Volksparteien“, dieses PubertĂ€tsphĂ€nomen einer Demokratie, die sich nicht traut, eine zu sein, zu demontieren, und dafĂŒr sei ihnen gedankt. Daß davon die SPD mehr betroffen ist als die CDU, mag manchem fatal vorkommen. Ungerecht ist es nicht.
Auf den Ratschlag, daß die, denen „es nicht paßt“ doch selbst eine Partei grĂŒnden könnten, möchte man antworten: „Haa haa haa!“ Allerdings ist das GrĂŒnden von Parteien derzeit ein weitverbreitetes Hobby, besonders in Duisburg, wo es ja bekanntlich noch mehr VerrĂŒckte gibt als anderswo. Bei der Kommunalwahl traten sie dutzendweise an mit Namen wie „BĂŒrgerunion“, „Freie BĂŒrger“, „BĂŒrgerliche Liberale“, „BĂŒrgerliche Mitte“ etc. pp., um „es“ „denen da oben“ „mal zu zeigen“. Und was haben die, die sich durch die etablierten Parteien nicht mehr vertreten fĂŒhlen, zu bieten? „BĂŒrgernĂ€he“, „BĂŒrgerwille“, „Leistung“, „gegen Verschwendung“, „BĂŒrgerwille statt Bevormundung“, „gegen Korruption“, „fĂŒr unsere Kinder“, „gegen BĂŒrokratie“, „Zukunft“ – kurzum: dieselben Phrasen wie die Parteien, von denen sie sich enttĂ€uscht abgewendet haben. „FĂŒr das Gute, gegen das Schlechte“ lautet ihr gemeinsames Programm. Daß bei ihnen der „Mittelstand“ stets hervorgehoben wird, drĂŒckt nicht ein wirtschaftspolitisches Konzept aus, sondern ihren Hang zur MittelmĂ€ĂŸigkeit. Zur Rede gestellt, was sich denn nun Ă€ndern mĂŒsse, lautet die Antwort, daß „die Politiker“ sich nicht nur dauernd die Taschen vollstopfen, sondern sich endlich mal um die wirklichen Probleme kĂŒmmern sollen, zum Beispiel, daß die Arbeitslosen nicht mehr dauernd ihre Kippen auf den BĂŒrgersteig werfen.
Das Aufwallen solcher BĂŒrgergefĂŒhle ist von Grund auf antidemokratisch. Dem BĂŒrger graust es vor den Errungenschaften des bĂŒrgerlichen Zeitalters, vor AufklĂ€rung und Gleichheit. Die Freiheit erfĂŒllt ihn mit Angst, die BrĂŒderlichkeit paßt nicht in sein steinernes Herz. Der BĂŒrger mag den bĂŒrgerlichen Staat nicht leiden, weil das – seinem Empfinden nach – eben ein Staat der Beamten, der BĂŒrokraten, der milden Richter, der Psychologen und PĂ€dagogen, der Wissenschaftler, der Intellektuellen, der EgalitĂ€ren, der Weicheier ist, ein Staat ohne Kraft und Herrlichkeit, ohne wirkliche AutoritĂ€t.
Die BĂŒrokratie ist ein Charakteristikum des bĂŒrgerlichen Staates. Sie ist ein Übel, das ein grĂ¶ĂŸeres Übel ablöste. Der Stempel und die Bewilligung traten an die Stelle feudaler Gunst und Gnade. Das will dem bĂŒrgerlichen Sozialisationstypen aber nicht einleuchten. Es paßt ihm nicht, daß er fĂŒr den bĂŒrokratischen EntscheidungstrĂ€ger Nachweise erbringen muß, wohingegen eingeĂŒbte UnterwĂŒrfigkeit ihm nichts nutzt. Der Gunst und Gnade des Feudalherrn wĂ€hnt er sich hingegen sicher, weil er ja brav und fleißig ist.
Der BĂŒrger, dessen BĂŒrgerlichkeit nicht bloß ein rechtlicher Status ist, sondern eine Weltanschauung, nimmt dem bĂŒrgerlichen Staat ĂŒbel, was er einem absolutistischen Monarchen nicht ĂŒbel nehmen wĂŒrde. Der bĂŒrgerliche Staat zieht ihm das Geld aus der Tasche und wirft es zum Fenster hinaus, findet er. Einem König Ludwig II wĂŒrde er bereitwillig den letzten Groschen hinterherwerfen, damit er Prachtschlösser zum Sich-drin-Langweilen bauen kann.
„BĂŒrgerwille statt Bevormundung“ lautet der Slogan. Was aber will der BĂŒrger denn? Eigentlich gar nichts anderes als bevormundet zu werden – dann aber bitte richtig und von den Richtigen. Er will einen starken Staat, der durchgreift, kontrolliert, vollstreckt, herrscht, befehligt, lenkt. Dazu sind unsere Politiker heutzutage eben nicht mehr imstande.

9. November!

„Armseliger können die Gewerkschaften, kann die Duisburger Zivilgesellschaft ihre Ignoranz nicht verbrĂ€men.“
So endet ein Bericht im Weblog „Ruhrbarone“ mit der Überschrift: „Immer wieder Montags: Pegida in Duisburg“ (Verfasser: Thomas Meiser).
„Könnte aber nicht ganz Duisburg, nĂ€chsten Montag, am 9. November, am Gedenktag der Pogromnacht auf die Strasse gehen gegen Rechts, also auch gegen Pegida?“ heißt es in dem zitierten Bericht. Und armselig findet der Kommentator, was er vom DGB hörte: „Aus FĂŒhrungskreisen des Duisburger DGB heisst es [
] ‚Es gibt keinen Aufruf zu einer Gegenveranstaltung, Ende der Woche werden die VorstĂ€nde die Situation einschĂ€tzen, wir lassen uns das Drehbuch nicht von rechten Hetzern vorschreiben.’“
Was so ein richtiger deutscher Gewerkschaftssprecher ist, der lĂ€ĂŸt sich auch nicht von einem kaputten Fernseher vorschreiben, wann er ins Bett zu gehen hat.

Heilige Allianz?

FacebPruedeDas Experiment des Fotografen Olli Waldhauer hatte das erwartete Ergebnis.
(Daß ein paar Leute die Ironie nicht verstanden haben und die rassistische Phrase fĂŒr bare MĂŒnze hielten – und feierten, sollte ebenfalls nicht ĂŒberraschen).
Angeregt wurde die Probe aufs Exempel so:
„Zum einen hat ein befreundeter Fotograf vor ein paar Wochen ein Foto bei Facebook hochgeladen, das ein Platte zeigte. Das war ein Ă€sthtisches, ganz natĂŒrliches Foto. Trotzzdem hat es Facebook gelöscht [
]. Zum anderen tauchte am vergangenen Wochenende in meiner Timeline bei Facebook ein rassistischer Kommentar auf. [
] Ich habe mich gefragt, warum wird ein schönes, Ă€sthetisches Nacktfoto gelöscht, rassistischer Dreck aber darf stehenbleiben.“
Man bedenke: Facebook kommt aus den USA. Das macht die Sache nicht besser, aber erklÀrlich.
1. Schonzeit fĂŒr Rassimus ist trotz gegenteiliger Beteuerungen Teil des gesellschaftlichen SelbstverstĂ€ndnisses.
2. Daß Nacktfotos, gar noch schöne, Ă€sthetische unter Bann gestellt werden, ist so neu natĂŒrlich nicht.
Vielleicht bahnt sich hier eine Allianz von Facebook, Pegida und Emma an?

Was ist der Akif Pirincci eigentlich fĂŒr einer?

Auf dem großen Jahrestags-Aufmarsch der faschistischen Pegida-Bewegung in Dresden Ă€ußerte er sein Bedauern darĂŒber, daß die Konzentrationslager nicht mehr in Betrieb sind.

Kannten Sie den vorher?
Geboren 1959 in Istanbul.
Was? 1959? Und dann will der schon mitreden?
Ein sauberer Herr, wie man sieht:
Schrieb in der neurechten Jungen Freiheit und dem rechtslibertĂ€ren Blatt eigentĂŒmlich frei, im Online-Portal der Sezession und war sich auch nicht fies dafĂŒr, in dem neokonservativen Weblog „Achse des Guten“ sich in der NĂ€he von Henryk M. Broder herumzutreiben. Lesungen bei der AfD, bei der Danubia und anderen Burschenschaften, beim Witikobund etc.
Dem breiten Publikum ist er wohl durch Kriminalromane bekannt, in denen Katzen, Ă€hnlich wie zuvor das Pferd Fury und der Hund Lassie, selbstĂ€ndig kriminalpolizeiliche Ermittlungen durchfĂŒhren (wurde mir gesagt, hab ich so verstanden). Nach seiner Dresdner KZ-Rede, in der er nicht zum ersten mal besonders unflĂ€tig daherschwadronierte, haben nun die zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlage seine Werke aus dem Programm gestrichen.
Die Manuskriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG steht fest & treu zu ihrem Autor.
„Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ war der erste Titel, den der Verlag im VLB so vorstellt:
„Akif Pirinçci rechnet ab mit Gutmenschen und vaterlandslosen Gesellen, die von Familie und Heimat nichts wissen wollen, mit einer verwirrten Öffentlichkeit, die jede sexuelle Abseitigkeit vergottet, mit Feminismus und Gender Mainstreaming, mit dem sich immer aggressiver ausbreitenden Islam und seinen deutschen UnterstĂŒtzern, mit FunktionĂ€ren und Politikern, die unsere Steuern wie Spielgeld verbrennen.“ Und endlich ist der Satz zu Ende.
Wie ist es um ein Land bestellt, in dessen Sprache der gute Mensch ein Schimpfwort ist! Die „vaterlandslosen Gesellen“ sind das einzige geistige Erbe, das Kaiser Wilhelm hinterlassen hat (dabei wurde die Monarchie hier doch schon 1918 abgeschafft). Wenn Geld nicht mehr, wie bisher, zum Fenster hinausgeworfen, sondern neuerdings verbrannt wird, dann geht es dem Ende entgegen!
Im Ernst: Wer sich ĂŒber feministische Gender-Sperenzkes nicht mehr lustig machen kann, sondern den Untergang des Kontinents darin herbeiahnt, dem lĂ€uft der Mund ĂŒber. Politiker (!), FunktionĂ€re (!!), UnterstĂŒtzer gar (!!!) stecken unter einer Decke. Mit wem? Mit dem Islam! Sieht man doch! Und der breitet sich immer aggressiver aus. (Das Wort „zunehmend“ hĂ€tte hier gut hingepaßt).
Wer dann andere verwirrt nennt, fÀllt selbst hinein.
Die gottvolle Abseitigkeit des Sexuellen lasse ich mal unkommentiert. Aber nicht ĂŒbersehen soll sein, daß die Frau, der Fremde und der Eros die Dreifaltigkeit des Schreckens bilden fĂŒr den, der eine Familie braucht, um sich an SchwĂ€cheren abzureagieren (damit das Vaterland wieder richtig funktioniert).
„Dabei richtet sich Pirinçcis Kritik nicht gegen Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer,“ beteuert der Verlag, „sondern gegen deren kultische Verehrung durch Politiker und Journalisten.“ Klar doch. Wer ein richtiger deutscher Haßprediger werden will, muß (eigentlich gleich am Anfang) sagen, daß er nichts gegen AuslĂ€nder (Schwule, FlĂŒchtlinge etc.) hat beziehungsweise daß er doch nun wirklich kein Rassist (Moralapostel etc.) ist, aaaber…
Das neue Machwerk, gewissermaßen das Buch zum Pedida-JubilĂ€um, hat den Titel „Die große Verschwulung“.
Ob es dem Eiferer in seinem Eifer schwant, daß er sich von dem eifernden Islamisten gar nicht so sehr unterscheidet?

Bitte bestellen Sie meine CD.

Bitte bestellen Sie meine CD.

Meine (allerdings, was er nicht weiß, ironisch gemeinte) „Anleitung fĂŒr RundumschlĂ€ger“ beherzigt er, indem er uns mit „DemnĂ€chst“-Visionen unterhĂ€lt:
„Der nĂ€chste BundesprĂ€sident wird ein Travestiestar sein, der im Falsett auf Schlagerparaden die Nationalhymne singt.“ Ach! Ich dachte immer, das hĂ€tten wir schon lĂ€ngst gehabt.
„SchĂ€men Sie sich, noch normal zu sein? Das Chaos wĂ€chst, im Dickicht der Geschlechter gibt es kein Halten mehr. Gewißheiten werden abgerĂ€umt.“ So wurde zum Beispiel den Pegida-AnhĂ€ngern der Abschied von der Gewißheit zugemutet, daß die Scheibe keine Erde ist. Aber nicht nur das: „Bienchen und BlĂŒmchen weichen den AufklĂ€rungsmethoden aus den Laboren Dr. Frankensteins.“
Also sagen Sie doch mal selbst: Der ist doch plemplem.
Aber man soll sich nicht tĂ€uschen. Komisch ist das, aber nicht lustig, wenn einer mit seinem Haß auf alles, was fĂŒr ihn den Anschein von AufklĂ€rung und ModernitĂ€t erzeugt, seinen geistigen Bankrott vorfĂŒhrt – und dafĂŒr den Massenjubel des Abschaums erntet.

VerschwulungWirNichtTreffer-Anzeige beim Barsortiment, an das die WeltbĂŒhne angeschlossen ist. „FĂŒhren wir nicht“. Da sieht man, wie weit der Islamimus uns schon im Griff hat. Denn auch die anderen Buch-ZwischenhĂ€ndler boykottieren das Schwulenhasser-Buch.

Was ist das eigentlich fĂŒr ein Verlag, diese „Manuskriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG“?
Harry Nutt schrieb in der Frankfurter Rundschau (22. Oktober 2015): „VerlagsgrĂŒnder Thomas Hoof (Jahrgang 1948) [
] hatte seit jeher ein Faible fĂŒr grĂŒblerisches Geraune mit deutschnationalen Untertönen.“ Vor 1989 war er LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der GrĂŒnen in Nordrhein-Westfalen.
Da wÀchst ja mal wieder was zusammen.

Das Problem heißt Rassismus

DISS PresseerklÀrung:
An jedem Tag ereignen sich in Deutschland AnschlÀge gegen
FlĂŒchtlingsunterkĂŒnfte: Das Problem heißt Rassismus
Über 200 Angriffe auf GeflĂŒchtete und ihre UnterkĂŒnfte wurden allein im ersten Halbjahr 2015 vom bundesdeutschen Innenministerium gezĂ€hlt. Das bedeutet, dass in diesem Jahr in Deutschland jeden Tag AnschlĂ€ge gegen FlĂŒchtlingsunterkĂŒnfte verĂŒbt wurden.
Mit großer Sorge beobachten wir, dass die weit verbreitete öffentliche Stimmung gegen GeflĂŒchtete auch durch Äußerungen bundesdeutscher Politiker begĂŒnstigt wird. Hier ist zum Beispiel Horst Seehofer zu nennen, der unlĂ€ngst von „massenhaftem Asylmissbrauch“ sprach. Mit dem Vorschlag separater „Auffanglager“, mit den Forderungen, weitere Balkanstaaten zu „sicheren DrittlĂ€ndern“ zu erklĂ€ren, Personenkontrollen an innereuropĂ€ischen Grenzen wieder einzufĂŒhren und „Einreisesperren fĂŒr Ausgewiesene“ zu erzwingen und mit der Sachleistungsdiskussion wird der Auffassung Vorschub geleistet, es seien die FlĂŒchtlinge selbst, die eine rassistisch aufgeladene Stimmung provozierten. All dies erinnert uns fatal an die ZustĂ€nde in Deutschland in den frĂŒhen 1990er Jahren – auch wenn wir durchaus Unterschiede bemerken.
Damals schlossen sich die bundesdeutschen Medien nahezu durchgĂ€ngig an einen rassistisch aufgeladenen Diskurs an und befeuerten diesen. Dies ist heute in dieser Breite nicht der Fall. Jedoch ist in den Medien auch derzeit von „Ansturm“ und „FlĂŒchtlingsströmen“ die Rede. Nahezu ein Konsens ist die angebliche „Überschreitung der Belastungsgrenze“. Die hohe Zahl der FlĂŒchtlinge erzeuge einen Staatsnotstand. Die Bilder, die damit hervorgerufen werden, sind dazu geeignet, die Situation zu verschĂ€rfen und Menschen als bedrohliche Massen wahrzunehmen. Auch ist es eine unverantwortliche Verharmlosung, wenn rassistische Protagonistinnen als „Asylgegner“ oder „Asylkritiker“ und rassistische Angriffe als „Protest“ bezeichnet werden. Mehrheitlich schließen sich die Medien auch heute den Vorstellungen der Politik an, wenn sie z.B. eine Beschleunigung der Asylverfahren fordern, da andernfalls die Stimmung in der Bevölkerung zu „kippen“ drohe, wobei mit „Beschleunigung“ oftmals euphemistisch ein weiterer Abbau von Rechtsstaatlichkeit in Asylverfahren bezeichnet wird. Nicht zu ĂŒbersehen ist aber auch, dass sich viele Medien bemĂŒhen, einer eskalierenden rassistischen Aufladung des Diskurses entgegenzusteuern, indem offen rassistische Äußerungen kritisiert und zurĂŒckgewiesen werden.
Im Hinblick auf die deutsche Wirtschaft  Weiterlesen