Unterwegs zu freundlichen Menschen

UZFest14-01So fÀngt es vielversprechend an (Duisburg Hauptbahnhof).

UZFest14-02Wir sind eingestiegen. Der Zug könnte also losfahren.

UZFest14-03Oberhausen durchqueren wir kĂŒhn (und beschauen uns das Ruhrgebiet im Vorbeifahren).

UZFest14-04Die Wolken verfinstern sich ĂŒber der Energie. Das heißt: Wir fahren in Dortmund ein.

UZFest14-05Ausgestiegen in Wischlingen. Weiterfahren lohnt sich nicht.

UZFest14-06Noch vor wenigen Jahren war rechts von der Straße eine schöne Auenlandschaft mit meterhohem Gras. Inzwischen ist alles mit BĂ€umen bewachsen – irgendwie schade.

UZFest14-07UZFest14-08Das ist der Eingang.

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UZFest14-11Was ist das? Was ist das?
Die CDU auf einem Festival der DKP?
Richtig! Es handelt sich um die portugiesische Coligacao Democratica Unitaria, das WahlbĂŒndnis aus Kommunisten (Partido Comunista Portugues (PCP)) und GrĂŒnen (Partido Ecologista Os Verdes (PEV)).
Ich wĂŒrde sogar CDU wĂ€hlen – aber nur, wenn ich Portugiese wĂ€re.
Ich erzĂ€hle jetzt jedem, daß ich mir an einem Infostand der CDU eine Tasse Kaffee und ein StĂŒck Kuchen bestellt habe.

UZFest14-12Zwischendurch mal kann man durch den schönen Wald gehen und das Fest von Weitem anschauen. FrĂŒher, als wir noch mit einem eigenen BĂŒchertisch drei Tage lang beim UZ-Fest waren, brauchte ich ab und zu eine solche Ruhepause.
Daß es am Samstag, dem 28. Juni 2014 in Dortmund regnen wird, hatte ich schon vor einem halben Jahr vorhergesagt.
Wo sind eigentlich die vielen Wasservögel hin, die frĂŒher den schönen See bevölkerten?

UZFest14-13Klaus der Geiger, auf der Gitarre begleitet von seiner Tochter.

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UZFest14-16„Hier stehe ich, du kannst nicht anders.“
„Man wollte mich trennen von meiner Partei. Es ist ihnen nicht gelungen.“

UZFest14-17Es spricht Patrick Köbele, Vorsitzender der DKP.

UZFest14-18Ulrich Sander spricht fĂŒr die VVN.

UZFest14-19UZFest14-20Esther Bejarano (89) war Mitglied im MĂ€dchenorchester von Auschwitz. Ihr Auftritt mit der deutsch-tĂŒrkisch-italienischen Rapgruppe Microphone Mafia ist fester Bestandteil des UZ-Festes.

Fotos (c) Hafenstaedter (6), H.L. (13)

Fotos (c) Hafenstaedter (6), H.L. (13)

Konstantin Wecker hÀlt dem Fest unserer kleinen Partei seit vielen Jahren die Treue.
Es war ein schöner verregneter Tag unter freundlichen Menschen, unter Menschenfreunden.

Informationen ĂŒber Kuba

Die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba kĂŒndigt weitere Informationsveranstaltungen an.
Zum Beispiel:

Wo steht das sozialistische Kuba heute?
Sonntag, 15. Juni 2014, 11 – 16 Uhr
Die Linke Altona, Am Felde 2, 22765 Hamburg
Im 55. Jahr seiner Revolution: Wo steht das sozialistische Kuba heute?
Unser Kuba-Seminar mit folgenden Schwerpunkten:
Kubas Alltag: Wirtschaft zwischen Sozialismus und Kapitalismus?
Kuba auf dem Weg zurĂŒck in den Kapitalismus – RealitĂ€t oder Wunschdenken? Wie leben die Menschen in Kuba und wohin geht die Entwicklung?
Freiheit fĂŒr die Cuban Five
cuban5Terror gegen Kuba: der Fall der Cuban 5 nach der Anhörung von London
Die HintergrĂŒnde des US-Terrrors gegen Kuba und die Verurteilung der 5 kubanischen Patrioten. Wie geht der Kampf um ihre Freilassung weiter?
Alphabetisierungskampagne 1961
Das kubanische Bildungssystem im Vergleich
Von der Alphabetisierungskampagne 1961 zum internationalistischen Bildungsexport:
Wie wird „Bildung“ in Kuba definiert? Wo steht das kubanische Bildungswesen?
Teamer: Brigitte Schiffler und Wolfgang Mix (beide Cuba SĂ­ Hamburg); Volker Hermsdorf, Journalist, pendelt zwischen Hamburg und Havanna und schreibt u.a. in der Tageszeitung Junge Welt ĂŒber Kuba.
Mittagsimbiss gegen Spende und zum Abschluss ein Mojito
Anmeldung erbeten an: hi.heinemann@gmx.de oder unter Die Linke Altona, Am Felde 2, 22765 Hamburg

Das Mafia Paradies – Kuba vor der Revolution von 1959
Donnerstag, 3. Juli 2013, 19:30 Uhr
Waldheim Gaisburg, Obere Neue Halde 1, 70186 Stuttgart-Ost
Zum 60. Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne, dem Beginn der kubanischen Revolution, zeigen wir den Dokumentarfilm:
DAS MAFIA-PARADIES – Kuba vor der Revolution von 1959.
Mit Kuba verbinden die meisten Menschen Fidel Castro, Che Guevara, die sozialistische Revolution von 1959 und vielleicht noch die Kubakrise von 1962. Aber was geschah davor auf der Karibikinsel? Vor 60 Jahren, im MĂ€rz 1952, riss dort General Fulgencio Batista durch einen MilitĂ€rputsch die Macht an sich – mithilfe der CIA. Kuba hĂ€tte eine der vielen, von Washington kontrollierten MilitĂ€rdiktaturen im karibischen Hinterhof der USA werden können, aber unter Batista wurde es mehr: ein Mafia-Staat. Bosse der italoamerikanischen ‚Cosa Nostra‘ wie Lucky Luciano oder Santo Trafficante sowie der Chef der jĂŒdischamerikanischen ‚Kosher Nostra‘, Meyer Lansky, konnten sich unter Batista im kubanischen Staatsapparat einnisten und Havanna in die Weltstadt des GlĂŒckspiels, des Drogen- und Waffenhandels, der GeldwĂ€sche und der Prostitution verwandeln.
Kuba wurde, sagt der US-amerikanische Politologe Karl E. Meyer, ‚zum Bordell der USA‘: Hunderttausende Amerikaner wurden mit BilligflĂŒgen in die Spielcasinos, Cabarets, Porno-Kinos und in die mit Drogen und Prostituierten versorgten Nobelhotels geschleust und dort ausgenommen. Die Millionengewinne verschwanden in den Taschen der US-Mafia und des Batista-Clans, die Landbevölkerung dagegen hungerte. Widerstand gegen das Regime und seine Mafia-Komplizen wurde vom staatlichen Repressionsapparat brutal bekĂ€mpft.
Trotzdem gelang es den RevolutionĂ€ren schließlich, mit dem wachsenden RĂŒckhalt der Kubaner zum Jahreswechsel 1958/59 die Macht auf der Insel zu ĂŒbernehmen. Auf Kuba hatte die Mafia ihren Traum vom eigenen Staat fast verwirklicht – und nirgendwo ist sie tiefer gestĂŒrzt und entschiedener davon gejagt worden als auf Kuba.
Durch außergewöhnliches Filmmaterial und Erlebnisberichte von Zeitzeugen aus den 50er Jahren lĂ€sst die Dokumentation die gleichermaßen schillernde und brutale Zeit wiederaufleben – und zeigt damit, vor welchem Hintergrund die kubanische Revolution stattfand.
Veranstalter: Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba / Stuttgart

Kuba auf dem UZ-Pressefest
27.- 29. Juni. Revierpark Wischlingen, Dortmund
18. UZ-Pressefest – Volksfest der DKP –
Seit 1974 lassen es sich die Kommunistinnen und Kommunisten nicht nehmen, mit dem Pressefest der DKP-Wochenzeitung „Unsere Zeit“ einen politischen und kulturellen Gegenpunkt zu Entsolidarisierung, Kommerz und Kapitalismus zu setzen. 40 Jahre lĂ€dt die DKP Ende Juni 2014 wieder ein zum großen Volksfest der SolidaritĂ€t.
UZ-Pressefest-2014-SolibuttonEin besonderer Anziehungspunkt ist unsere Casa Cuba. Dort gibt es neben Live-Musik und Mojito vor allem Informationen aus erster Hand von der Roten Insel. Wir kĂ€mpfen fĂŒr die Befreiung der Cuban Five!
Freitag, 27.6., ab 16:00 Uhr:
In der Casa Cuba eröffnet am Freitag abend der Liedermacher Frank Viehweg aus Berlin eine Ausstellung mit Bildern von Antonio Guerrero, einem der in Miami inhaftierten Cuban Five.
Samstag, 28.6., 16:00 Uhr:
Veranstaltung: 40 Jahre SolidaritÀt mit Kuba
Vor der Casa Cuba erwartet Euch der Infostand der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba

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Da gehen wir hin: UZ-Pressefest

UZ-Pressefest-2014-Header-3Dieses Jahr gibt es wieder ein UZ-Pressefest. Es findet statt vom 27. bis 29. Juni (Freitag bis Sonntag) in Dortmund im Revierpark Wischlingen. Der Ort ist schön, die Umgebung ist schön, und auch der Weg von der S-Bahn-Station Dortmund Wischlingen zum FestivalgelÀnde ist ein schöner Weg.
Nicht nur interessant, sondern auch schön sind die Ausstellungen und InfostĂ€nde fortschrittlicher Organisationen und Gruppen. FĂŒr Essen & Trinken ist gesorgt (reichlich). Schön.
Wer kommt alles und singt und spielt uns liest vor und erzÀhlt?
Achim Bigus, Bandista, Bernd Köhler & Blandine, Compania Bataclan, Dirk Wilke und Peter Schenzer, Einhart Klucke, Erich Schaffner, Esther Bejarano, Frank Viehweg, Fred Ape, Friedenshaus, Gruppe Gutzeit, Grobylin Marlowe, Haake Bluesband, Huggy Borghardt, Jane Zahn, Jazz-Polizei, Johan Meijer & Jos Koning (NL), Mapato, Michail Iwanow (RU), Kai Degenhardt, Klaus der Geiger, Konstantin Wecker, Leander Sukov, Le Blech, Luis Galtario und Antonio Hilario, MC Albino, Microphone Mafia, Musikandes, Quijote, Ruam, Sonja Gottlieb, VEB-Chor, Jutta Ditfurth, Dietmar Dath, Georg FĂŒlberth, Ellen Schernikau, Christiane Schnura, Werner Seppmann u.a. Schön.
Das Konzert mit Konstantin Wecker, Esther Bejarano und der Microphone Mafia ist am Samstag Abend auf der HauptbĂŒhne.
Es könnte alles noch schöner sein, wenn die Partei auf ihrer Homepage eine Wegbeschreibung veröffentlichen wĂŒrde.
Kontakt: DKP, Hoffnungstraße 18, 45127 Essen, Tel.: 0201/1778890
uz-pressefest@dkp.de
Zeltplatzanfrage: pressefest-camping@dkp.de

Wer was auf der Weste hat, darf eine Spende lockermachen:
DKP-Parteivorstand
Konto-Nr.: 4002487500 GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67
IBAN DE90 4306 0967 4002 4875 00 BIC GENODEM1GLS
Stichwort: „UZ-Pressefest“

UZ-Pressefest-2014-SolibuttonDie schöne Anstecknadel („Soli-Button“ nennt man das heutztage) berechtigt zum Eintritt fĂŒr jede Einzelveranstaltung. Sie ist fĂŒr 5 Euro erhĂ€ltlich bei der DKP-Gruppe Ihres Vertrauens. In der Buchhandlung WeltbĂŒhne gibt es auch noch welche. (Da kann man auch die UZ kaufen).
Bei der Europawahl kann man ĂŒbrigens DKP wĂ€hlen. Sollte man tun.

Mit der Eisenbahn durch das Ruhrgebiet

Heimfahrt vom UZ-Pressefest in Dortmund nach Duisburg. Das ist nicht die sĂŒdliche Linie ĂŒber Bochum und Essen, sondern die nördliche. Wir unterhalten uns ĂŒber dieses & jenes. Aus einem Lautsprecher kommt alle paar Minuten die Stationsansage.
„NĂ€chster Halt: Dortmund Mengede.”
Ich sage: „Dortmund Mengede? Warum nicht?”
„NĂ€chster Halt: Castrop-Rauxel Hauptbahnhof.”
„Wat? Dat nennen die ‚Hauptbahnhof‘?”
„NĂ€chster Halt: Herne.”
„Ach, sind wir schon in Herne?”
„NĂ€chster Halt: Wanne-Eickel.”
„Wanne-Eickel? Ich dachte, wir wĂ€ren schon in Gelsenkirchen.”
„NĂ€chster Halt: Gelsenkirchen.”
„Gelsenkirchen? Ich dachte, wir wĂ€ren schon in Katernberg.”
Einem jungen Kerl, zwei Meter, zwei Zentner, der sich durch sein Äußeres als Schake-Nullvier-Verehrer zu erkennen gibt, wird es zu viel:
„Also, paß ma auf: Jetz kommt Gelsenkirchen, dann Katernberg, dann Altenessen, dann Bergeborbeck, dann Dellwig, dann Oberhausen, und dann Duisburg. Klar?”
Er lehnt sich zurĂŒck, mustert mich von oben bis unten und sagt: „Besoffen bisse ja nich, nĂ€? Wohl eh‘r bekifft, wa?”
UZ-Pressefest-2014-Solibutton..

Äpfel, Pflaumen, Birnen (Zweiter Teil)

Sie hat mich in das Zimmer gefĂŒhrt, das einstmals das Wohnzimmer ihrer Eltern war. Die ganzen alten Möbel stehen noch hier, nur jeglicher Zierrat ist entfernt. In der Vitrine des Wohnzimmerschranks liegen Stapel von Zeitungen. Ich sitze auf einem durchgesessenen Sofa, sie sitzt mir gegenĂŒber auf einem Sessel mit durchgewetzten Armlehnen.
Sie hat zwei GlĂ€ser auf den Tisch gestellt und gießt aus einer Flasche ohne Etikett ein.
„Das ist unser klassischer Birnenwein. Der ganze Keller ist davon voll, und jedes Jahr kommen neue Flaschen hinzu.“
„Du machst immer noch Wein aus Birnen?“
„Ich hab‘s mir von meinem Vater zeigen lassen. Nur das Schnapsbrennen hab ich nicht kapiert. Der Schnaps geht irgendwann zur Neige. Aber alles andere, die Gelees, den Kompott mache ich immer noch selbst. Das habe ich an den Wochenenden gemacht. Jetzt hab ich mehr Zeit dafĂŒr, seitdem ich arbeitslos bin.“
„Ach!“
„Ja. Komm, laß uns anstoßen! Auf die neue Zeit! Und auf die gute alte!“
Kling!
Kling!

Unsere Volksschule

Unsere Volksschule

„Hmm!“
„Schmeckt dir, was? Ja, die haben mich wegrationalisiert. Ich war bei Bayer, erst in Uedringen, dann in Wuppertal. Ich hab ja Betriebswirtschaft studiert mit Doktor.“
„Frau Doktor Ulmer!“
„Hör auf! Ich bin froh, daß ich nicht mehr jeden Morgen nach Wuppertal brausen muß und nicht mehr jeden Nachmittag im Stau stehen muß.“
Jetzt reden wir ĂŒber unsere LebenslĂ€ufe. Wir beide sind fast auf den Tag genau aus unseren KPD/MLen rausgeflogen. „Ausgeschlossen! Um mich loszuwerden, mußten die mich rausschmeißen.“ (Gilt fĂŒr sie und fĂŒr mich). „Schade um die vergeudeten anderthalb Jahre! HĂ€tten wir mehr draus machen können.“
„Die BĂŒcher da draußen“, sagt sie, „habe ich fĂŒr dich da hingestellt.“
„Ach was!“
„Dochdochdoch! Ich wußte, daß du irgendwann mal kommst, daß du dich irgendwann mal traust.“
„Und was bedeutet das? RĂ€umst du auf mit deiner revolutionĂ€ren Vergangenheit?“
„Beleidige mich nicht! FĂŒr was hĂ€ltst du mich? Neinnein. Das sind die BĂŒcher, die ich doppelt habe.“
„BĂŒcher doppelt?“
„Sowas passiert. Einmal hab ich zum Geburtstag drei mal das gleiche Buch geschenkt gekriegt. Neenee, ich bin nicht vom Glauben abgefallen, falls du das meinst. Besser gesagt: Ich bin nicht ĂŒbergelaufen. Aber ich bin in keinem Verein mehr drin. In keinem. Nie wieder! Nach der ML war ich beim Sozialistischen BĂŒro. Aber das hat sich ja auch in Wohlgefallen aufgelöst. Immerhin war ich zehn Jahre lang im Betriebsrat, bis die von der IG Chemie mich nicht mehr sehen wollten.“
Sie erzĂ€hlt, daß sie kaum ein Konzert verpaßt, ob Rockkonzerte oder Jazz oder Chanson. Sie erzĂ€hlt von ihrer Plattensammlung (fast tausend LPs), von ihren BĂŒchern, ihren LektĂŒren und ihren Zeitungen: „Die Taz hab ich abbestellt, das KĂ€seblatt. Stattdessen lese ich die SĂŒddeutsche. Die Junge Welt kaufe ich nur einmal im Monat, obwohl ich in der Genossenschaft bin – eine Genossenschaft ist ja kein Verein. Die UZ vergesse ich immer abzubestellen. Aber man braucht ja auch was, um den Rhabarber darin einzuwickeln.“
Sie erzĂ€hlt von ihren Jobs. „Ich habe immer in diesem Haus gewohnt, nie woanders. Ich habe immer gependelt, zur Uni nach Bochum, dann zu meinen Jobs zuerst in Köln, zuletzt in Wuppertal. Jetzt habe ich mein Auto verkauft, weil ich niiie mehr pendeln will. Hier in Buchholz kann man ganz gut einkaufen, ich brauche kaum raus aus dem Viertel. Es gibt ja auch noch die Straßenbahn.“
„Du kriegst jetzt ALG 1?“
„Ja.“
„Und wenn du ALG 2 bekommen willst, nehmen die dir dann nicht das Haus weg und verfrachten dich nach Marxloh oder Bruckhausen?“
„Mich kriegt hier keiner weg. Dann sollen die doch ihr ALG Hartz einszwodreivier behalten und mich am Arsch lecken. Ich hab gut verdient, sehr gut verdient und gespart. Und viel brauch ich nicht. Das Haus gehört mir, ich bezahle keine Miete. Und einiges hole ich mir aus dem Garten. GemĂŒse, sogar Kartoffeln, und Obst natĂŒrlich. Ich hab noch nie Marmelade gekauft. Und ‘n HĂŒhnerstall hab ich auch noch.“
Sie erzĂ€hlt: „Ich hab nie mit einem Mann zusammengelebt. Ich war immer Single.“ Sie erzĂ€hlt: „Einige Zeit habe ich – wie soll ich sagen – die MĂ€nner verschlissen. Aber sei mir nicht böse. UnglĂŒcklich gemacht hab ich sie nicht. Schon deshalb nicht, weil ich nie mit einem zusammengezogen bin. FrĂŒher hatte ich öfter was mit Frauen, mit MĂ€dchen besser gesagt. Das hat mir mehr Spaß gemacht.“
„Ein bißchen bi schadet nie.“
„Ein bißchen bi, hihihi! FĂŒnf Jahre war ich mit einer Frau zusammen, hier unter diesem Dach, mit allem drum und dran – wenn du weißt, was ich meine. Bis die sich ein anderes Modell gesucht hat“, sagt sie mit etwas Wehmut und etwas Zorn. „Wir sind gerade mal einen Monat auseinander. Prost!“
Sie erzĂ€hlt, daß sie frĂŒher ein- oder zweimal in der Woche im Finkenkrug war.
„Im Finkenkrug? Das ist keine hundert Meter von meiner Wohnung entfernt.“
„Du wohnst in Neudorf?“
„Ja, auf der Finkenstraße. Das war immer mein Traum. Neudorf!“
„Das Intellektuellenviertel.“
„Ist auch nicht mehr das, was es mal war.“
„Aber Neudorf paßt zu dir.“
Sie hat, nun schon zum dritten Mal, von dem Birnenwein nachgeschenkt.
„Du mußt doch nicht noch gleich fahren, oder?“
„Neinnein. Ich bin auch ein Straßenbahnbenutzer. Aber transportiert die DVG auch Besoffene?“
„Soweit muß es ja nicht kommen. Hör mal, ich erzĂ€hl dir alles von mir, jetzt red du mal, du Rechtsabweichler oder Linksabweichler! Ich weiß gar nicht mehr, was fĂŒr‘n Abweichler wir dich damals genannt haben. Bist du noch bei der Fahne? Bist du in einem Verein? Los! Rechenschaftsbericht! ErzĂ€hle!“
„Jaaa. Ich bin in einem Verein. Ich bin in der DKP.“
„Waas? Duu? In der DekapĂ©e? Hahaha! Nee, is‘n Scherz, oder?“
„Kein Scherz.“
„In‘ner DekapĂ©e! Ausgerechnet du! Du bist wohl auch nicht aus Schaden klug geworden. Aber beruhig dich. Ich hab euch immer gewĂ€hlt. Die UZ werde ich jetzt doch nicht abbestellen, versprochen. Vielleicht lese ich die sogar mal dir zuliebe, du – Abweichler du!“
Sie hat wieder nachgegossen und hebt ihr Glas: „Auf die Genossen! Auf die Standhaften und ihre Gesichter!“
Kling!
Kling!
„Aber deine Party, deine Par! Tei! ist doch nicht dein ganzes Leben.“
„Also: Ich habe mir einiges vorgenommen: Einmal im Leben…“
„…Einmal im Leben ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und einen Mann erschießen?“
„…Und in ein fremdes Land einmarschieren? Nichts davon! Einmal im Leben ein Buch schreiben. Einmal im Leben eine Schallplatte machen. Einmal im Leben einen Beitrag in Konkret unterbringen. Einmal im Leben in einer Rock-and-Roll-Band sein. Einmal im Leben einen Film machen. Einmal im Leben als Kabarettist vor Publikum auftreten. Das hab ich alles gemacht. Ich mußte es einmal machen und durfte es öfter machen. Ich habe ein paar BĂŒcher geschrieben, ein paar Schallplatten gemacht – CDs, ein paar Filme gemacht – DVDs, bin unzĂ€hlige Male als Kabarettist aufgetreten.“
„Hör mal, du hast doch auch mal so ein BlĂ€ttchen herausgegeben mit so einem komischen Namen: Fritz oder Karl oder Otto.“
„Nein: ‚Der Metzger‘ heißt das.“
„Ach ja! ‚Der Metzger‘! So hieß das.“
„Das mache ich immer noch.“
„Immer noch? Immer noch ‚Der Metzger‘?“ Sie beugt sich zu mir vor und tippt mir auf die Nase. „Ich habe dich unterschĂ€tzt!“ Sie plumpst wieder in ihren Sessel. „Und du schreibst?“
„FrĂŒher schrieb ich lange AufsĂ€tze. Heute schreibe ich eher Glossen und Geschichten.“
„Zum Beispiel ĂŒber sowas wie die Begegnung mit einer alten Freundin?“
„Jjjjjjja, das könnte ich mir vorstellen, so eine Geschichte zu schreiben.“
Sie will einiges mehr wissen ĂŒber meine Arbeit, und auch ĂŒber meine Ökonomie.
„Wir haben beide diese Stadt nicht verlassen“, sage ich, „da wundert es mich, daß wir uns nie begegnet sind. Warst du eigentlich nie im Eschhaus?“
„Doch, ein paar mal.“
„Und wir sind uns nie begegnet?“
„Da war so‘n kleiner Buchladen drin. Hattest du damit was zu tun?“
„Das kann man wohl sagen. Das war mein Laden.“
„Ach! Da hab ich mir ab und zu mal einen Arm voll BĂŒcher gekauft.“
„Dann verdanke ich also dir meinen Reichtum.“
„Da war immer so‘n großer Dicker in den Laden.“
„Das war der Eppler.“
„Eppler. Aha.“
„Und jetzt habe ich immer noch einen Buchladen. In Neudorf auf der Gneisenaustraße.“
„Ach, davon habe ich gehört. Das ist dein Laden? Ich muß wohl mal vorbeikommen.“
„Es wird die höchste Zeit.“
„Na hör mal! Du hast dir auch nicht wenig Zeit gelassen, du Abweichler!“

FORTSETZUNG FOLGT.

Breites Band oder schmale Spur?

Man stelle sich mal folgendes vor:
Ich schreibe ein Buch. Dann reiche ich das Manuskript bei Suhrkamp ein. Denn Suhrkamp ist ein großer Name, und ich will ja reĂŒssieren. Aber der Suhrkamp-Verlag bescheidet mir: Nein, wir wollen Ihr Buch nicht verlegen, anbei erhalten Sie Ihr Manuskript zurĂŒck.
Wie wĂŒrde ich in einem solchen Fall reagieren? Ich wĂŒrde wohl sagen: Schade! Dann versuche ich es eben woanders. Außerdem wĂŒrde ich nicht daran zweifeln, daß es das gute Recht eines Verlages ist, ein Manuskript von mir nicht anzunehmen.
Aber stellen Sie sich vor, ich wĂŒrde ganz anders reagieren, nĂ€mlich so:
„Ich habe in meinem Buch nur die Wahrheit geschrieben, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit! Der Suhrkamp-Verlag nimmt mein Buch nicht an! Also: Der Suhrkamp-Verlag unterdrĂŒckt die Wahrheit! Damit ist bewiesen: Der Suhrkamp-Verlag ist ein Teil des weltweiten LĂŒgen-Kartells! Irgendwelche finsteren MĂ€chte sind es (wahlweise: Freimaurer, Zionisten, Illuminaten, Bilderberger), die auf den Verlag Druck ausĂŒben.“
Dann wĂŒrde doch jeder sagen: Der ist plemplem.
Und man wĂŒrde mir vielleicht noch attestieren, daß ich mich aus gekrĂ€nkter Eitelkeit zu abstrusen Anschuldigungen versteige.

Aber genau das ist die Methode „Bandbreite“.

Die Anderthalb-Mann-Band „Bandbreite“ sollte beim UZ-Pressefest der DKP 2011 nicht auftreten. Bandbreite-SĂ€nger Wojna sagte nicht etwa „schade“, sondern fuhr trotzdem hin, veranstaltete einen Aufstand, redete von Zensur und Meinungsterror etc. pp, verlangte, auftreten zu dĂŒrfen und fand auch Zuspruch bei Teilen des Publikums, die sich von der Zensur- und Meinungsterror-Schwadroniererei beeindrucken ließen (siehe DER METZGER 96).
Die „Bandbreite“ sollte beim Christopher-Street-Day in Duisburg 2012 nicht auftreten. Bandbreite-SĂ€nger Wojna sagte nicht etwa „schade“, sondern fuhr trotzdem hin, veranstaltete einen Aufstand, redete von Zensur und Meinungsterror etc. pp, verlangte, auftreten zu dĂŒrfen, klebte sich ein Pflaster auf den Mund und stellte sich so auf der BĂŒhne in Pose (siehe DER METZGER 101). Hier sucht sich nicht ein Veranstalter seine KĂŒnstler, sondern hier sucht sich ein KĂŒnstler seine Veranstalter aus, und sie sollen sich nach seiner Entscheidung richten, sonst…
Hier ist allerdings noch eine Kleinigkeit hinzuzufĂŒgen: Sowohl beim UZ-Pressefest der DKP, als auch beim Christopher-Street-Day war ein Auftritt von „Bandbreite“ ursprĂŒnglich vorgesehen gewesen. Sie wurde in beiden FĂ€llen nachtrĂ€glich wieder ausgeladen. Den Veranstaltern war erst nachtrĂ€glich klargeworden, welches Kuckucksei sie sich da selbst ins Nest gelegt hatten.
Bandbreite-Wojna lebt von dem MißverstĂ€ndnis, bei ihm wĂŒrde es sich um einen linken KĂŒnstler handeln. Schließlich kann er darauf verweisen, fĂŒr einige linke Veranstalter fĂŒr einige linke Veranstaltungen engagiert worden zu sein.
Solchen Veranstaltern, namentlich der MLPD samt ihrem Umfeld, aber auch dem Friedensforum ist vorzuwerfen, daß sie, allen Hinweisen zum Trotz, Bandbreite-Wojna fĂŒr seinen Etikettenschwindel Beihilfe geleistet haben.

 

Happening (1969)

Im MĂ€rz 1969, zwei Tage vor dem Ostermarsch, weilte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de MaiziĂšre, in Duisburg. Der Unternehmerverband Ruhr-Niederrhein hatte ihn eingeladen, im vornehmen Duisburger Hof einen Vortrag zu halten.
Wir fanden uns mit etwa 10 Leuten vor dem Duisburger Hof ein und veranstalteten ein Happening, mit dem wir gegen die Anwesenheit des Generals und gegen die Bundeswehr ĂŒberhaupt unseren Protest zum Ausdruck zu bringen gedachten. Wir verteilten FlugblĂ€tter, trugen Papptafeln mit Slogans herum, einer trug einen Stahlhelm und eine Gasmaske. Bernhard Klaas trug ebenfalls einen Stahlhelm, an dem er zwei Haken angebracht hatte, mittels derer er ein Holzbrett an dem Helm befestigen konnte. Das war das „Brett vor dem Kopf des Bundeswehrsoldaten“.

APO-Happening 1969. 2. v.l.: ich. 3.v.l.: Anne! 4. v.l.: Baumeister. 2. v.r.: Hans Raßmes (mit Gasmaske). Rechts: Klaas (mit Brett vor’m Kopp).

Als der General im Mercedes vorgefahren kam, salutierte Klaas formvollendet. Der General – das muß man sagen – hatte Humor und lachte sich kaputt. Bernhard Klaas marschierte auf dem BĂŒrgersteig hin und her, blieb vor dem Mercedes stehen, knallte die Hacken zusammen und salutierte, bis ich ihn darauf aufmerksam machte, daß der General lĂ€ngst ausgestiegen und ins GebĂ€ude gegangen war.
„Wat?“ Klaas hob das Brett an und sah. „Ach so!“
Die Presse kam auch. Es gab damals noch die rasenden Reporter, die Happenings witterten. Der erste war ein Fotograf der UZ.
Auch einige Passanten blieben stehen und schauten sich das Treiben belustigt an. Mit der Zeit bildete sich das, was man eine „Menschentraube“ nennt. Diskutiert wurde auch. Die meisten Leute waren skeptisch, aber nicht ablehnend. Und wir versĂ€umten es nicht, den Krieg der USA in Vietnam zu erwĂ€hnen.
Aus der Ansammlung der Zuschauer rief einer uns zu: „Warum geht ihr denn nicht bei Ulbricht demonstrieren?“
„Der Walter Ulbricht, ne“, rief ich zurĂŒck, „der ist nĂ€mlich auch gegen den Vietnamkrieg.“
Siegfried Baumeister, der bei uns als eine Art WortfĂŒhrer galt, stand neben mir. Ihm war es eiskalt den RĂŒcken runtergelaufen. „Bist du verrĂŒckt?“ zischelte er mir zu. „Das kannst du doch so nicht sagen!“
Aber das Publikum reagierte alles andere als „abgestoßen“. Heiterkeit breitete sich aus. „Wo er recht hat, da hat er recht“, rief einer. Die einen lachten, die anderen schmunzelten. Die Schlagfertigkeit meiner Antwort, die mir just eingefallen war, hatte beeindruckt.
Gewiß, das war nicht political correct gewesen. Ich hĂ€tte natĂŒrlich wortreich versichern mĂŒssen, daß wir ja auch was gegen Ulbricht haben, und ich hĂ€tte geflissentlich bekennen mĂŒssen, daß wir sowjetische MilitĂ€rposten in Prag mindestens ebenso fĂŒrchterlich finden wie den Völkermord in Vietnam, und daß wir fĂŒr AbrĂŒstung in West uuund Ost sind, und ich hĂ€tte dieses Uuund uuunĂŒberhörbar dem öffentlichen Bewußtsein zu FĂŒĂŸen legen mĂŒssen.
Das hatte ich aber nicht getan. Ich war 19 Jahre alt und von Politik, von Klassenkampf verstand ich noch sehr wenig. Mir fehlten noch viele Erfahrungen. Aber so viel verstand ich schon, daß ich – wenngleich auch uncorrect –, so doch – wie ich finde – richtig gehandelt habe.
Ich hatte die Lacher auf meiner Seite und habe somit Pluspunkte eingeheimst, und das hÀtte ich nicht geschafft, wenn ich gesagt hÀtte, was man von mir hören wollte.
Was hĂ€tte es denn gebracht, wenn ich mich wortreich in Beschwichtigungsritualen ergangen wĂ€re? Das hĂ€tte man mir doch sowieso nicht abgenommen. Wer auf einen „wunden Punkt“ hingewiesen wird und sich dann windet wie ein Aal, ĂŒberzeugt niemanden. Er steht dann da als einer, der sich ertappt fĂŒhlt und durch Distanzierung sich reinzuwaschen versucht. Dann doch lieber die Etiketten, die die Herrschenden uns ans Hemd kleben, stolz vorzeigen. Das imponiert mehr. Wer die Lacher auf seiner Seite hat, hat mehr erreicht als einer, der bei den Meinungsbegutachtern gerade noch eine Vierminus herausschindet.
„Seht her! So schlecht wie unser Ruf, so sind wir auch!“ Das ist das bessere Motto. Ich war 19 Jahre alt und von Politik, von Klassenkampf verstand ich noch sehr wenig. Mir fehlten noch viele Erfahrungen. Aber soviel verstand ich schon: Daß wir als „Everybody‘s Darling“ nichts gewinnen können, weil wir niemals „Everybody‘s Darling“ sein werden. Als kleine radikale Minderheit aber, als die stets unwillkommenen Störenfriede, als harter Kern haben wir vielleicht eine Chance. Als Alptraum der Spießer sind wir unĂŒbertroffen.
Und außerdem, das sollten Sie auch noch wissen: Die Aussage „Der Walter Ulbricht, ne, der ist nĂ€mlich auch gegen den Vietnamkrieg“ entsprach durchaus meiner Meinung. So sah ich die Dinge. In Walter Ulbricht und „seiner“ DDR sah ich einen VerbĂŒndeten unserer Sache. Wem hĂ€tte es genĂŒtzt, wenn ich es verschĂ€mt verschwiegen hĂ€tte?
Bleibt noch zu erwĂ€hnen, daß Bernhard Klaas zwei Tage danach mit Stahlhelm auf dem Kopf als „Bundeswehrsoldat mit dem Brett vor dem Kopf“ den ganzen Ostermarsch mitgegangen ist.

aus Der Gartenoffizier. 124 komische Geschichten. Situationspresse 2008. 268 S. 16,50 Euro. ISBN 978-3-935673-24-2