Morgen: Es ist zwar „theoretisch möglich“, aber doch sehr unwahrscheinlich, daß Deutschland ausscheidet. Ein Unentschieden würde auf jeden Fall reichen. Auch bei einer knappen Niederlage würde es wahrscheinlich gut gehen.
England ist ausgeschieden. Spanien ist ausgeschieden. Italien ist ausgeschieden.
Warum kann nicht auch mal Deutschland in der Vorrunde ausscheiden?
Immer dieser Dusel! Immer diese günstigen Zufälle! Immer diese durch nichts verdiente Gunst des Schicksals! Immer mit mehr Glück als Verstand!
Das könnte das Motto dieser Nation sein:
Mehr Glück als Verstand.
Kategoriearchiv: Das Spektakel
Was ist das denn für eine blöde Reklame!
Dieses fotografische Unvermögen! Oben alles dunkel in dunkel. Kontrast: Glückssache. Unscharf. Farbe: bräunliche Lichtsauce.
Natürlich ist das alles so „beabsichtigt“. Damit das alles so „spontan“ erscheint in seiner „Unfertigkeit“. Inkompetenz ist auch dann, wenn sie mit Absicht vorgetragen wird, immer noch Inkompetenz. Und „spontan“ ist in den meisten Fällen nur eine Beschönigungsformel für „unüberlegt“.
Aber diese höchstpräzise plazierten Kleckse! Genial! Bin beeindruckt.
„Meine“ Lebensphilosophie. Von wem? Wer ist das? Die da, die die Kühnheit, mit der sie ins Leben glitscht, durch eine verkehrt rum aufgesetzte Schirmmütze symbolisiert – so wie das alle tun, die „irgendwie“ anders zu sein scheinen wollen. Jedenfalls „irgendwie“.
Wieso „Philosophie“ – gar noch „Lebens“-Philosophie? Dem einfachen Gedanken wird mit solcher Umschreibung Monstrosität angeklebt. Er wird als Zumutung beschrieben. Wem die Lust am Denken abhanden gekommen ist, macht hinter jeden Tag ein Plus. Gegen das, was als „positives Denken“ euphemisiert wird, kämpfen selbst die Götter vergebens.
„Ich denke nicht, also bin ich nix, sondern trinke stattdessen irgendso’n Zeug.“ Sie hat sich sagen lassen, daß es ihr schmeckt.
Gegen die Unlust am Denken helfen keine Pillen und keine Essigsaure Tonerde. Oh, wäre deren Manifestation doch gebührenpflichtig!
Wenn von der Philosophie der Gedanke weggenommen ist, bleibt sowas übrig: Man soll sich immer auf das „Bauchgefühl“ verlassen. Oder: Man soll „nach vorne schauen“ (wahrscheinlich deshalb die verkehrtrume Mütze). Die ganze Banalität des mißlungenen Daseins hat einen Grund: „Ist nur so’n Bauchgefühl.“
Das Produkt, für das hier geworben wird, ist der austauschbare Vorwand. Reklame gemacht wird weniger für das Produkt selbst, sondern für die Blödheit, mit der man sich als idealer Konsument qualifiziert (ist nur so’n Kopfgedanke).
Ein nur sehr sparsam umhülltes Hinterteil mag zwar a priori zu einer erfreulichen Betrachtung einladen. (Übrigens: mit nicht viel Liebe fotografiert). Aber wenn sich der Eindruck aufdrängt, daß hier nur die Natur klug war und die schönste aller Formen über die Banalität des Bewußtseins hinwegtäuschen soll, bin ich nicht interessiert. Was sollte ich von einer erwarten, deren Verstand dem Hintern nicht gerecht wird!
Wann werden endlich diese Rollbretter durch die Straßenverkehrszulassungsordnung untersagt?
Muß Frollein Lohmeier ins Gefängnis?
Wie kommt es nur, daß ich in letzter Zeit (genau: seit dem 2. Februar) dieses Gesicht so gern sehe?
Wegen der seit vier Monaten umgedrehten Präsenz in den Medien eingeschnappt zu sein hat sie eigentlich wenig Grund. In der WAZ von heute wird sie immer noch als „Journalistin“ bezeichnet – und als „Frauenrechtlerin“. Das Bundesverdienstkreuz trägt sie zurecht, den Titel „Frauenrechtlerin“ nicht („Feministin“ würde ich gelten lassen). Und in dem WAZ-Artikel heißt sie mehrmals „Steuersünderin“. Sünden beichtet man in der Kirche (sofern kathoolsch). Ermittelt wird wegen des Verdachts strafbarer Handlungen.
Mit ihren Verhältnis zur Blödzeitung macht sie nun die wertvolle Erfahrung, daß die Wölfe, mit denen man heult, manchmal über einen herfallen. (Wertvoll für mich).
Wer sich ins Spektakel drängt, fällt selbst hinein.
Aus welchem Topf?
Promi Big
Schkan-DAAAL!
Das müssen Fotografen von der Konkurrenz gewesen sein.
Darum: Skandal. (Nur darum).
P.S.: Wer am Samstag-Vormittag für die Nation es zum Thema macht, welche 25jährige* mit welchem 25jährigen* herumgeknutscht hat, würde auch vor einem Krankenbett keine Zurückhaltung sich auferlegen.
* Wobei es denen auch recht geschieht.
Aus der Geschichte der Musik: „People try to put us down“
1965 wurde der Song „My Generation“ von The Who veröffentlicht, der zur Hymne der nach dem Krieg Geborenen wurde. Darin heißt es: „People try to put us down talking ‘bout my generation“.
Das beste Beispiel für das, was in dem Song von The Who angeklagt wird, ist ein deutsches Schlager-Lied, das im selben Jahr veröffentlicht wurde und als Gegenteil von „My Generation“ gelten darf: „Mit 17 hat man noch Träume“. Wenn hinter diesem Kulturgut wohl auch kaum eine andere Ambition steckte als die, damit Profit zu machen, so handelt es sich gleichwohl um Propaganda der Eindimensionalität. Da wurde „about my generation“ gesprochen – nicht mit schäumender Wut wie so oft, dafür aber mit klebriger Selbstgefälligkeit. Das Establishment schlug zurück – nein, es schmierte.
Die US-amerikanische Sängerin Peggy March, damals tatsächlich 17 Jahre alt, sang das:
„Mit 17 hat man noch Träume,
da wachsen noch alle Bäume
in den Himmel der Liebe.
Mit 17 kann man noch hoffen,
da sind die Wege noch offen
in den Himmel der Liebe.
Doch mit den Jahren wird man erfahren,
daß mancher der Träume zerrann.
Doch wenn man jung ist, so herrlich jung ist,
wer denkt, ja wer denkt schon daran!
Junge Leute fragen nicht, was man darf und kann.
Junge Leute seh‘n die Welt mit and‘ren Augen an.
Und ist diese Welt auch oft fern der Wirklichkeit,
wo ist der, der ihnen nicht lächelnd das verzeiht?“
Die Gewalt, die des Reimes willen der Grammatik angetan wurde (es hätte doch heißen müssen: man wird erfahren, daß mancher Traum zerronnen sein wird), soll mal übergangen sein. Was will der Künstler damit sagen?
Der Mann, der diesen Text fabriziert hat, hat sich wohl selbst nicht mehr daran erinnern können, das er selbst auch mal 17 Jahre alt gewesen ist. Stattdessen breitet er ein Klischee aus über das Leben und Empfinden 17jähriger, das nun tatsächlich fern der Wirklichkeit ist. Amnesie ist ein Kennzeichen des eindimensionalen Menschen. Die Wunschvorstellung vom 17jährigen Mädchen als etwas dümmliche, realitätsferne Person war eine Beleidigung aller, die im Jahre 1965 17 Jahre alt waren. Sie stand im krassen Gegensatz zur Realität, in der sich die nach dem Krieg geborene Generation angewidert oder gleichgültig von den Wertvorstellungen und Lebensvorstellungen der Generation abwandte, die ihre Erziehung in der HJ, im BDM und in der Wehrmacht genossen hatte.
Kein 17jähriger hätte von sich aus im Jahre 1965 gejuchzt: „wenn man jung ist, so herrlich jung ist“. Die Jugend wird nur von denen sentimental verherrlicht, die sie verplempert und, wie überhaupt das ganze Leben, durch die Finger haben rinnen lassen. In nichts war diese sexuell verklemmte Generation, die ihre Erziehung in der HJ, im BDM und in der Wehrmacht genossen hatte, so groß, wie in ihrer Eifersucht, mit der sie die Jungendlichen daran zu hindern versuchte, ihre Jugend zu gestalten und auszufüllen, in nichts so hartnäckig wie in ihrem Werk, Seelen zu zerstören. Nur als dumme Gänse, die vor lauter Verliebtheit gegen Laternen rennen, waren die 17jährigen Mädchen für sie erträglich. Nichts ignorierten und nichts fürchteten diese autoritätsfixierten Untertanen so sehr wie die Wirklichkeit, die von Peggy March als „Wärklichkeit“ prononciert wurde.
Wenn man 17 Jahre alt ist, dann „wachsen noch alle Bäume in den Himmel“, und zwar „in den Himmel der Liebe“. Das wirft allerdings die Frage auf, was die Ehepaare eigentlich zusammengehalten haben könnte. Die Langeweile ihres Daseins hielten sie für unabwendbare, alterungsbedingte Naturgesetzlichkeit, und die Inhaltsleere ihres Kopfes hielten sie für Lebenweisheit. Dabei war es doch nur Feigheit, die sie davon abhielt, über das Gegebene hinauszudenken.
Sich etwas mehr vom Leben zu erhoffen als Leere kostete den Preis, für dämlich gehalten zu werden. Dem Jugendlichen wurde Existenzberechtigung nur zugebilligt als Dorftrottel des Wirtschaftswunders. „Mit 17 kann man noch hoffen.“ Und wenn man nicht mehr 17 ist, dann breitet sich die ganze Hoffnungslosigkeit aus, was?
Dem Weltkrieg folgte als Echo eine alltagskulturelle Idiotie, die in dieser Hymne der Hoffnungslosigkeit manifestiert wurde. Da war es ebenso wohltuend wie wichtig, sie mit elektrischen Gitarren zu zerfetzen.
Sich etwas mehr vom Leben zu erhoffen als Leere war etwas, was lächelnd verziehen wurde. Wie gütig! In dem Verzeihen ist die anmaßende Anschuldigung enthalten. Ich habe es versäumt, dafür um Verzeihung zu bitten, daß ich die verachte, die die Resignation predigen. Was sie sich da lächelnd-verzeihend angemaßt haben, verzeihe ich nicht. Das läßt die Erfahrung eines Jahrhunderts nicht zu.
Auch die Resignation ist eine Utopie. Das ist die Utopie der Reaktionäre.
..
Verfolgende Unschuld
Eine Freundin erzählte mir, was ihre 9jährige Tochter ihr berichtet hatte: Sie war mit einer Schulfreundin auf dem Weg von der Schule nach Hause. „Und da kam so‘n Mann, der hat sein Pimmelchen gezeigt. Der war vielleicht doof!“ Damit war für das Kind die Sache erledigt. Der Mann war für das Kind nicht ein Verbrecher, nicht ein „Unhold“, sondern schlicht ein Blödmann. Fertig.
„Wenn ich mich ‚korrekt‘ verhalten hätte, hätte ich meine Tochter zu so einer Emanzengruppe schleppen müssen, und die hätten sie doch erst richtig traumatisiert.“ Ich sagte: „Die hätten deine Tochter so lange in die Mangel genommen, bis sie gestanden hätte, schockiert gewesen zu sein.“
Zitat:
„Die Deutschen sind besessen, jede Sache so weit zu treiben, daß etwas Schlimmes daraus wird.“
(George Bernard Shaw)
Zitat:
„Woher weiß die verfolgende Unschuld eigentlich, daß der Mißbrauch ein Mißbrauch war? Das ‚Opfer‘ von Polanskis Übergriff, heute eine 40jährige Mutter von drei Kindern, hat mehrmals darum gebeten, den Fall ruhen zu lassen, sie hege gegen den Beschuldigten keinen Groll. Und sie gab bekannt: Nicht so sehr der Übergriff von Polanski habe ihr zugesetzt, dafür aber viel mehr die Verhöre, denen sie danach unterzogen wurde.“
(Lina Ganowski: „Verfolgende Unschuld“ in DER METZGER 87)
Frollein Lohmeier
Frollein Lohmeier hat einen Fehler gemacht. Aber den hat sie sich schnell verziehen.
Erfahren Sie mehr über Frollein Lohmeier:
Lina Ganowski: Die große Egomanin kann nicht „ich“ sagen (DER METZGER 54)
Helmut Loeven: In allen Gassen Dampf (DER METZGER 54)
Erika Birth: Madame Schwarzer (DER METZGER 54)
Lina Ganowski: Romy und die Geier (DER METZGER 56)
Lina Ganowski: Warum nicht? Darum nicht! (DER METZGER 62)
Lina Ganowski: Heftig Schwarzer Filter (DER METZGER 69)
Lina Ganowski: Folter als feministisches Projekt (DER METZGER 70)
Lina Ganowski: Glückliche Kühe (DER METZGER 71)
Lina Ganowski: Das eindimensionale Parallel-Universum (DER METZGER 75)
Helmut Loeven: Der Aufstand (DER METZGER 90)
Lina Ganowski: Sie müssen nicht was sie tun (DER METZGER 90)
Helmut Loeven: Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung spottet (DER METZGER 93)
Der häßliche Deutsche
Peace will come …
…when the false idols fall.
(B.D.)
aliceschwarzer.de:
„Rufschädigung? Klar. Zu viele haben in meinem Fall ein Interesse daran. Ein politisches Interesse. Und ich frage mich, ob es ein Zufall ist, dass manche bei ihrer Berichterstattung über mich gerade jetzt auf Recht und Gesetz pfeifen?“
Auf Recht und Gesetz pfeifen. Das sagt DIE!
„Jetzt mitten in der von EMMA angezettelten Kampagne gegen Prostitution […]. Oder auch nach so scharfen öffentlichen Kontroversen, wie im Fall Kachelmann.“
Finstere Mächte! Dunkle Verschwörung! Die könnte sich mit Wojna zusammentun. Da wären die Richtigen beisammen.
„Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.“
Ulrike Herrmann in taz.de:
„Alice Schwarzer ist also eine Täterin […]. Dennoch wäre sie nicht Alice Schwarzer, wenn sie sich nicht zum Opfer stilisieren würde. ‚In eigener Sache‘ hat sie sich in ihrem Blog geäußert, und dieser Eintrag ist bisweilen schmerzhaft peinlich.
Besonders schlimm: Schwarzer dichtet ihre Steuerflucht in eine Flucht aus politischen Gründen um. Die ‚Hatz‘ gegen sie hätte damals ’solche Ausmaße‘ angenommen, dass sie ‚ernsthaft‘ dachte, dass sie vielleicht ins Ausland gehen ‚muss‘. Daher hätte sie ihr Geld vorsorglich über die Grenze geschafft.
Schwarzer schreckt also nicht davor zurück, sich als politisch Verfolgte aufzuplustern – und sich damit implizit mit den Opfern im Dritten Reich zu vergleichen.“
titanic-magazin.de:
„als kritische Feministin macht man sich Feinde. So wollte ich im Kachelmann-Prozeß die Unschuldsvermutung abschaffen. Denkbar, daß es vielleicht Jörg Kachelmann war, der mir heimlich nachreiste, Fotos machte, wann immer ich mit den Plastiktüten voller Geld über die grüne Grenze gelaufen bin. Das wäre nicht nur illegal, es wäre menschlich zutiefst widerlich. Ich hoffe, daß Kachelmann auch für diesen Verdacht hart bestraft wird.
Anständige Redaktionen haben das Material des Informanten abgelehnt. Meine lieben Freunde bei der Bild-Zeitung wollten es zunächst drucken, bis ich sie, nach stundenlangem Heulen am Telefon, mit dem Versprechen locken konnte, für eine neue Kolumne betrunken durchs Bahnhofsviertel zu laufen und Prostituierte anzupöbeln. Der Spiegel war nicht so ethisch.
Noch einmal zu den Gründen für dieses Konto: Einerseits habe ich darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, daß ich ernsthaft dachte, vielleicht muß ich ins Ausland gehen, mich auf einem Dachboden verstecken. Schon einmal hat man in Deutschland Jagd auf superreiche dicke Medientanten gemacht.“
Christian Bommarius in der Frankfurter Rundschau:
„die schon lange zur Feminismusikonenkarikatur erstarrte Alice Schwarzer […]
Was aber den Delinquenten-Typus des Steuerbetrügers so schwer erträglich macht, das ist die in seiner Tat sich manifestierende Haltung, nicht Täter zu sein, sondern Opfer des Staates, dessen undurchdringliches/ungerechtes/wucherndes/sozialistisches Umverteilungs-, vulgo: Steuerrecht die Hinterziehung beziehungsweise die Flucht des Kapitals ins Ausland geradezu erzwinge.
Mit anderen Worten: Abstoßend macht den Steuerbetrüger nicht der Betrug, sondern das Selbstbild, in dem sich der Täter zum Opfer und damit zugleich das Opfer (Staat und Gesellschaft) zum Täter erklärt.“
Mehr über den häßlichen Deutschen hier.
Und mehr bestimmt in DER METZGER 109 (erscheint 2014). Lina, übernehmen Sie!
Land der Geheimnisse
Ein Fernsehbericht aus dem Land der Geheimnisse: Der Kommentator erzählt: Ein Verkehrspolizist steht auf einer leeren Kreuzung und regelt den Verkehr, der nicht stattfindet. Im Bild zu sehen ist aber eine belebte Kreuzung, die von einigen Fahrzeugen passiert wird. Ob die Fahrzeuge am Ende der Straße kehrt machen, um erneut die Kreuzung zu passieren, um dem deutschen Fernsehen ein Bild zeigen zu können, das es dann doch nicht sieht? Wahrnehmungsstörungen stellen sich ein, wenn die Gelbe Gefahr mal wieder aktiviert werden soll.
Doch wie nimmt das Land Nordkorea, das Demokratische Volksrepublik Korea genannt werden will, sich selbst wahr? Wie stellt es sich dar? Wie will es gesehen werden? Plakate aus der DVRK mögen Aufschluß geben.
Der Soldat, der Bergmann mit entschlossen geschultertem Abbaugerät, der Architekt mit gebügeltem Hemd und die Ernteaktivistin haben sich vereint, und sie gucken. Die Dame hat die gemeldete Rekordernte gleich mitgebracht.
Text oben: „Laßt uns entschlossen im Geist der Juche-Idee, auf den Spuren des geliebten Führers und Opernkomponisten Kim Jong Il wandelnd den Feinden des Volkes unsere Schiffsbauproduktion vor den Latz knallen!“
Text unten: „Juche! Das ist überhaupt DIE Idee! Das ist eine Ideologie, sowas gab es noch nie!“
Mit Entschlossenheit demonstrieren die Bauarbeiter, daß sie entschlossen sind, mit Entschlossenheit entschlossen zu sein. Ausrufezeichen. Möchten Sie einen Spaten?
Luftschlangen! Konfetti! Nelke im Knopfloch! Er geht als Soldat, sie als Matrose. Pjönjang Alaaf!
Zeigt mir eure Helden!
Vor der Wahl ist nach der Wahl


Es scheint eine Absprache zwischen CDU und SPD zu geben, daß beide Parteien darauf verzichten, auf ihre Plöakate die Namen ihrer Spitzenkandidaten zu schreiben.
Bei der SPD hat man sich wahrscheinlich gedacht:
Seit Monaten wird mit vereinten Kräften das Image unseres Kanzlerkandidaten ramponiert, und jetzt haben wir den Salat. Wenn die Leute „Peer Steinbrück“ hören, sagen die „Och näh!“ oder „Wat? Steinbrück??“ oder „Hu äh!“ Dann wird’s das beste sein, im Wahlkampf den Namen gar nicht zu erwähnen.
Am 6. April war hier zu lesen:
„Wenn die SPD vor der Bundestagswahl auch noch Plakate aufhängt, wird sie das wieder ein paar Prozentpunkte kosten.“
P.S.: „Plöakate“. Ich habe mich vertippt. Aber das lasse ich so stehn. Wahl-Plöakate.
Steinbart-Gymnasium: Fragwürdige Traditionspflege (2)
Samstags nach der zweiten Stunde versammelte sich die „Schulgemeinde“ nebst stolzen Eltern, Ehemaligen, Löbenichtern, Jubilaren in der Aula zu einem würdevollen Spektakel mit Schulorchester.
Bei der traditionellen Abiturfeier fanden sich neben den Abiturienten und deren Eltern, dem Lehrerkollegium, den Schülern (ab Untertertia), den 25- und 50jährigen Abiturjubilaren und einigen Honoratioren auch die Löbenichter ein. Das Steinbart-Gymnasium unterhielt eine Schulpartnerschaft mit dem Löbenichter Realgymnasium in Königsberg.
Dieses Realgymnasium war eines allerdings nicht: real. Es war ein Erinnerungsposten. Aber die Verbundenheit wurde bei feierlichen Anlässen beschworen bzw. bekräftigt. In der Redaktion der Schulzeitung Steinbart-Blätter gab es ein Ressort „Löbenichter“. Der zuständige Redakteur hatte nichts zu tun. Was soll man schon über ein Irreal-Gymnasium berichten? Im Schulgebäude gab es sogar ein Löbenichter-Zimmer. Vielleicht gibt es das heute noch, und es wurde nur vergessen, wer den Schlüssel dafür hat. Vielleicht denkt man heute, das wäre früher das Extra-Lehrerzimmer für die Herren des Kollegiums gewesen, die nie gelobt haben.
Aber zu meiner Zeit durften die Löbenichter noch aufmarschieren. Jeder Abiturient wurde nach Überreichung des Abiturzeugnisses weitergereicht an den Löbenichter Ehrenpräsidenten, einen schon etwas hinfällig wirkenden Herrn, der den Abiturienten eine goldene Nadel, die sogenannte Alberte, an die Brust heftete. Der Mann war berüchtigt, weil er das An-die-Brust-Heften wohl wörtlich nahm.
Als ich zur Entgegennahme des Abiturzeugnisses schritt (1969), blieb mir das Erlebnis der unter die Haut gehenden Verbundenheit erspart. Das Zeugnis steckte in einer Klarsichthülle, und die Alberte war dem beigelegt. Ich war nur eine halbe Stunde lang Besitzer einer Alberte, von der ich mich leicht trennte, weil ich in ihr ein Symbol des Revanchismus sah. Beim anschließenden Empfang merkte mein Klassenkamerad Hartmut Pawlik, daß ihm die Alberte wohl aus der Hülle gefallen war, und ich sagte: „Da! Kannz meine haben.“
Wat’n Ding!
Vor der Wahl ist nach der Wahl (2004)
In ein paar Wochen wird der Bundestag gewählt. Diesem Ereignis gingen frühere Wahlen voraus, und die Parteien, die um Aufmerksamkeit werben, geben uns nicht erst in diesen Tagen zu denken. Um die bevorstehende Wahl in die Zeitgeschichte einzuordnen, werden an dieser Stelle einige Kommentare zu Parteien und früheren Wahlen in loser Folge dokumentiert, Heute ein Kommentar aus dem Jahre 2004:
Wählt uns, ihr Knallköppe!
Die großen Politiker sind nicht so dumm für wie sie gehalten werden. Horst Köhler, Bundespräsident, sagte (in Formulierungswatte verpackt nichts anderes als): die Ossis sollen mal endlich die Klappe halten und sich ihre Illusion, sie könnten an den westlichen Wohlstand Anschluß finden, abschminken. (Denn schließlich wird der westliche Wohlstand gerade wegreformiert). Schröder, Bundeskanzler, erzählt ein paar Stunden vor der nächsten Landtagswahl, die Habgier der kleinen Leute gehe ihm auf den Wecker. Sinngemäß: Beanspruchung staatlicher Leistungen sei doch sowieso nichts anderes als Mißbrauch derselben. Er hätte auch gleich sagen können: Ihr Wähler seid alle Arschlöcher.
Ungeschickt? Keineswegs! Wer freundlich zu dem Volk, dem deutschen, redet, gilt gleich als „Populist“. Die ruppige Masche kommt gut an. In der grummeligen Stimmung im Lande ist der salbungsvoll redende Politiker abgemeldet. Das Volk will keine schönen Versprechungen hören, sondern Machtworte. Von Schröders Zorn gegen die Sozialklimbimbeansprucher fühlt sich keiner selbst angesprochen. Gemeint sind ja immer die „anderen“, denen man gern selbst mal bescheidstoßen würde.
Der Begriff „Ein-Euro-Job“ klingt nicht gerade wie ein toller Markenname. Aber gerade darum wird er verwendet. Das Ding ist fies und wird euch jetzt vor die Nase gesetzt, und wem das nicht paßt, der ist ein Störenfried.
Was wollt ihr denn? Seid doch froh, wenn ihr für einen Euro pro Stunde euch etwas zum Arbeitslosengeld 2 dazuverdienen könnt. – Wer da nicht mitmacht, kriegt die Stütze nicht gekürzt, sondern gestrichen. Das steht im Kleingedruckten.
Die Städte und Gemeinden sind froh. Laubzusammenfegen im Park erledigen die Arbeitslosen für einen Euro pro Stunde. Die städtischen Bediensteten, die diese Arbeit bisher verrichteten, können entlassen werden. Wozu braucht man sie noch, wenn man auf die Zwangsarbeiter zurückgreifen kann. Sagte ich Zwangsarbeiter? Aber sicher doch: Zwangsarbeiter!
Und die Entlassenen? Die sind dann arbeitslos und kriegen einen Ein-Euro-Job. Die Arbeit, die sie vorher zum Tariflohn getan haben, tun sie dann für einen Euro pro Stunde. Und damit ist alles, wie es sein soll.
Denn wisse: Hartz-vier-Agenda-2010 sind nicht dazu da, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, sondern auszunutzen.
Aus: DER METZGER 71
Das Hier schiebt im Jetzt das Prob- auf ein anderes -blem (oder sowas in der Art)
Vorgestern. Tag der Oststraße.
Schönschön.
Die SPD war auch da mit einem Infostand. „Info“ ist die Kurzform von „Information“. Wenn man Informationen verkürzt, kommt „Info“ heraus. Komischerweise sah ich kein Bild von Steinbrück.
Die Parole lautete: „Das Wir entscheidet“.
WIR kenne ich als Personalpronomen (erste Person Plural, Nominativ). Was entscheidet denn da, wenn „das Wir“ entscheidet? Richtig müßte der Satz doch lauten: „Wir entscheiden.“ Ja, dann entscheidet euch doch mal für richtiges Deutsch. „Das Wir“ ist der Singular vom Plural. Quatsch!
Ich wähle doch keine Partei, die keine Pronomina deklinieren kann.
Ist das sprachliche Spitzfindigkeit? Neinnein. Wir haben es hier mit der Schaumsprache der Werbung zu tun. Die Partei stellt sich nicht selbst dar, sondern läßt sich von einer Werbeagentur darstellen. Sie informiert nicht, sie argumentiert nicht, sondern sie drischt Phrasen. Wo „das Wir entscheidet“, wird Agenda-Politik als das wohlige Gefühl für die armen Schlucker euphemisiert. Wo „das Wir entscheidet“, haben wir nichts zu entscheiden.
Siehe auch hier!
Vor der Wahl ist nach der Wahl (2013)
In ein paar Wochen wird der Bundestag gewählt. Diesem Ereignis gingen frühere Wahlen voraus, und die Parteien, die um Aufmerksamkeit werben, geben uns nicht erst in diesen Tagen zu denken. Um die bevorstehende Wahl in die Zeitgeschichte einzuordnen, werden an dieser Stelle einige Kommentare zu Parteien und früheren Wahlen in loser Folge dokumentiert, Doch heute beginnen wir mit heute:
Merkel soll nicht bleiben, bleibt aber
In Italien gab es zwei große Parteien (Christdemokraten und Kommunisten), eine mittlere Partei (Sozialisten) und ein paar kleine Parteien (Sozialdemokraten, Liberale und Republikaner), außerdem die Neofaschisten. Die Parlamentswahlen hatten immer dasselbe Ergebnis: Eine stabile Regierungsmehrheit kam nie zustande. Von dem Parteiengefüge ist nichts übriggeblieben. Nur eins hat sich nicht verändert: Eine stabile Regierungsmehrheit kommt nicht zustande.
Man stelle sich das mal für Deutschland vor: CDU/CSU, SPD, FDP und Linke sind nicht mehr auffindbar, stattdessen sitzen im Bundestag Piraten, Europahasser, Rechtspopulisten und Fernsehkomiker. Und vielleicht noch die Grünen unter ihrem neuen Parteinamen „Rauchen verboten“.
Nein, bei uns ist das anders. Die alten Bekannten werden uns erhalten bleiben (auch die FDP, fürchte ich). Im nächsten Bundestag werden vielleicht nicht alle vertrauten Parteien vertreten sein (auch nicht die Linken, halte ich für möglich), aber keine neuen. Und wenn sich da etwas auflöst, dann das Wahlvolk.
Eins kann man jetzt schon abhaken: Merkel wird die Wahl gewinnen und Bundeskanzlerin bleiben. Die Frage ist nur: mit welchem Koalitionspartner? Die CDU wird stärkste Partei, aber für die absolute Mehrheit wird es nicht reichen. Das will die CDU vielleicht auch gar nicht. Denn ein Koalitionspartner ist nicht nur als Mehrheitsbeschaffer nützlich, sondern auch als Sündenbock, dem man in die Schuhe schieben kann, daß die Wahlversprechen nicht gehalten werden.
Wird es also mit der FDP weitergehen? Obwohl die – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr en vogue ist? Auch wenn dem Brüderle seine Tief-Blicke am Ende vielleicht mehr nützen als schaden, schafft sie es nicht aus eigener Kraft, verschafft sich aber vielleicht bei den Stimmenverleihern genug Zweitstimmen und ist wieder drin. Aber ob das dann für eine Mehrheit reicht? Vielleicht wählt die Merkel heimlich die Linken, damit eine Mehrheit nur mit der SPD zusammen erreicht werden kann. Von den Linken braucht die Merkel außer bösen Worten nichts zu befürchten, denn die SPD würde nie mit den Linken koalieren. Wenn die SPD die Linken in die Regierung aufnehmen würde, das wäre ja so, als würde ein Geldfälscher versuchen, echte Banknoten in Umlauf zu bringen. Außerdem würden die Grünen das nicht mitmachen. Und die Merkel würde viel lieber mit der SPD regieren, weil: leichter handhabbar. Eine (noch relativ) große Partei zu neutralisieren wäre ihr Meisterstück.
Abgehakt wäre also auch: Die SPD wird die Wahl verlieren, und Steinbrück wird nicht Bundeskanzler. Daß die SPD mit ihrer Entscheidung für Steinbrück einen ungeeigneten Kandidaten ins Rennen geschickt hat, ist nur insofern richtig, daß die SPD gar keinen geeigneten Kandidaten hat. Wen hätte sie denn stattdessen aufstellen sollen?
Da die SPD zu einer Unter-25-Prozent-Partei zusammengeschrumpft ist, wird jedem ihrer Kandidaten das Verlierer-Image anhaften. Die SPD verliert nicht, weil der Steinbrück dauernd in irgendwelche Fettnäpfchen hineintritt, sondern: weil die SPD verliert, ist alles, wo der Steinbrück hineintritt, ein Fettnäpfchen.
Eine Chance hätte die SPD: mit Weiterlesen
Aktion Mensch. Offener Brief.
Sie werben mit dem Slogan „Das Wir gewinnt“.
„Wir“ ist kein Substantiv, sondern ein Personalpronomen, und zwar: erste Person Plural. Auf Deutsch würde der Satz richtig lauten: „Wir gewinnen“.
Ich erinnere mich noch mit Grauen an den Slogan „Der Friseur gibt dem Ich neuen Schwung“. Der Dativ von „ich“ ist nicht „dem Ich“, sondern: „mir“.
Man sagt ja auch nicht: „Können Sie dem Ich sagen, wie spät es ist?“, sondern: „Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“. Man sagt: „Morgen komme ich dich besuchen“, und nicht „Morgen besuche ich das Du“.
Hier will ich Ihnen jetzt mal sagen, daß man auch nicht „im Hier und Jetzt“ ganz entspannt sein kann. Man kann sich hier entspannen, man kann sich jetzt entspannen, aber „im Hier und Jetzt“ kann man sich nur verkrampfen.
Ich verstehe schon, was Sie sagen wollen. Irgendwas mit „Wir-Gefühl“ und so. Aber versuchen Sie das doch mal so auszudrücken, daß von der Grammatik noch etwas übrigbleibt. Sonst ich schmeißen in der Wasser du.
P.S.: Jetzt kommt auch noch der Steinbrück mit „Das Wir entscheidet“!
„Wir machen es uns extra schwer…
…denn unser Kandidat heißt Peer.“
Jetzt hat der Steinbrück die Idee geäußert (WAZ 6.4.2013), Jungens und Mädchens sollten getrennten Sportunterricht bekommen, wenn „muslimische Eltern“ das wünschen.
Prompt erscheint auf Seite 1 ein Kommentar (vom Chefredakteur Ulrich Reitz höchstpersönlich) mit der Überschrift „Peer Steinbrücks seltsame Fehler“, und der beginnt mit dem Satz „Wahrscheinlich verfolgt Peer Steinbrück für diesen Herbst einen anderen Plan als Bundeskanzler zu werden.“
Was hat der Steinbrück getan? Er hat etwas vorgeschlagen. Das sollte er nicht tun! Ja, wenn die von der Leyen oder der Seehofer oder der Olaf Henkel das vorgeschlagen hätte, dann wäre das ein Vorschlag gewesen – den man ablehnen, gutheißen oder ignorieren kann. Aber wenn der Steinbrück sowas sagt, dann ist das ein „seltsamer Fehler“.
Das Problem der SPD ist weniger ihr Kandidat. Der ist nur der Ausdruck ihres Problems. Das Problem der SPD ist sie selbst. Die deutsche Sozialdemokratie ist nämlich zugleich ihr eigenes Gegenteil. Das muß irgendwie mit 1914 zusammenhängen.
P.S.: Ulrich Reitz in seinem Kommentar: „Wie wäre es stattdessen, muslimischen Mädchen die Chance zu geben, sich von ihren vordemokratischen Erzeugern zu emanzipieren?“ Donnerwetter! Kinder, emanzipiert euch von euren Eltern! Erinnert mich an die Zeiten unserer Jugend! Wir waren wirklich die beste Jugendvonheute aller Zeiten! Einer unserer Slogans lautete „Wer hat uns verraten …“.
P.P.S.: Wenn die SPD vor der Bundestagswahl auch noch Plakate aufhängt, wird sie das wieder ein paar Prozentpunkte kosten.






