Neu in der WeltbĂŒhne: Über verbotene Lieder


Moddi: Verbotene Lieder. 10 Geschichten von 5 Kontinenten. Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und GĂŒnther Frauenlob. Deutsche Erstausgabe. Edition Nautilus 2019. 240 S. mit zahlrechen Fotos. Großformat. 20,00 Euro
Verlagstext:
Warum werden Lieder verboten oder zensiert? Der norwegische Musiker Moddi macht sich auf die Suche – und auf eine Reise ĂŒber fĂŒnf Kontinente.
Im Laufe der Jahrhunderte haben Tausende von Musikern Zensur, Verfolgung und gewalttĂ€tige UnterdrĂŒckung erlebt. Oft bleiben ihre Geschichten unerzĂ€hlt. Wer waren sie? Wer sind sie? Was können wir von ihnen lernen?
Nachdem er aufgrund einer Einladung nach Israel gewissermaßen zwischen die Fronten des Nahostkonflikts geraten war, machte sich der norwegische Musiker Moddi auf die Suche nach verbotenen Liedern in der ganzen Welt, trug auf fĂŒnf Kontinenten Songs zusammen und besuchte Musiker und Zeitzeugen, um die Lieder mit ihnen zusammen oder mit seiner Band aufzunehmen. Als Ergebnis dieser Reise in die Welt zensierter Musik gab Moddi 2016 das international gelobte Album Unsongs heraus, mit Klassikern wie „Strange Fruit“ von Billie Holiday und „Army Dreamers“ von Kate Bush; aber auch einem samischen Volkslied und dem „Punk Gebet“ von Pussy Riot.
In diesem Buch erzĂ€hlt er die Geschichten hinter diesem Projekt: zehn Schicksale von Gewalterfahrung und UnterdrĂŒckung. Auf seinen Reisen wurde er begleitet von dem Fotografen JĂžrgen Nordby, dessen Bilder das Buch illustrieren.
Die verbotenen Lieder und Stationen der Reise:
Norwegen/Israel – Birgitte Grimstad, Eli Geva (1982)
Chile – Víctor Jara, Our Worker (1971)
Mexiko – Los Tucanes de Tijuana, Parrot, Goat and Rooster (1995)
Sápmi/Norwegen – The Shaman and the Thief (ca. 1830)
Libanon –Marcel Khalife / Mahmoud Darwish, Oh My Father, I am Joseph (1999)
Israel – Izhar Ashdot, A Matter of Habit (2012)
Vietnam – ViĂȘt Khang, Where is my Vietnam? (2011)
England – Kate Bush, Army Dreamers (1980)
Russland – Pussy Riot, Punk Prayer (2012)
USA – Billie Holiday, Strange Fruit (1939)

Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung WeltbĂŒhne – auch im Versand (Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg(-Neudorf) Tel. 0203 – 375121
e-mail bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de.
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN.

Zeichen der Zeit

Fiesbuck mal wieder.
Doch das ist nicht einfach ein Versehen,
das ist ein Zeit-Zeichen.

Weil in unserer Zeit die Vertuer die Richtlinien bestimmen.
Kann man das so sagen? Ja, das kann man so sagen.

Was halten Sie ĂŒbrigens von der Wortschöpfung „barbusig“?

..

Nicht zum Spaß

In diesen Tagen erscheint:
Deniz YĂŒcel: Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Reportagen, Satiren und andere Gebrauchstexte. Edition Nautilus. 224 Seiten. 16 Euro.
Der Verlag ĂŒber das Buch und den Autor:
„Dieser Ort“, schreibt Deniz YĂŒcel im Februar 2017 aus dem Polizeigewahrsam in Istanbul, „hat keine Erinnerung. Alle, die ich hier kennengelernt habe – kurdische Aktivisten, Makler, Katasterbeamte, festgenommene Richter und Polizisten, Gangster – alle haben mir gesagt: ‚Du musst das aufschreiben, Deniz Abi.‘ Ich habe gesagt: ‚Logisch, mach ich. Ist schließlich mein Job. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.'“
İlker Deniz YĂŒcel, 1973 als Kind tĂŒrkischer Einwanderer in Flörsheim am Main geboren und seit Mai 2015 TĂŒrkei-Korrespondent der Welt. Hat in Berlin Politikwissenschaft studiert und vor seinem Wechsel zur Welt als Redakteur der tageszeitung und zuvor der Wochenzeitung Jungle World sowie als freier Autor fĂŒr verschiedene Medien gearbeitet. MitgrĂŒnder der preisgekrönten antirassistischen Leseshow Hate Poetry. 2014 erschien in der Edition Nautilus sein erstes Buch „Taksim ist ĂŒberall – Die Gezi-Bewegung und die Zukunft der TĂŒrkei“ (erweiterte Neuausgabe April 2017). Wurde 2011 mit dem Kurt-Tucholsky-Preis fĂŒr literarische Publizistik und 2017 mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.

Nach einem Jahr Haft wurde Deniz YĂŒcel am 16. Februar endlich aus dem GefĂ€ngnis entlassen! Dass seine Stimme sich nicht wegsperren ließ, beweist das Buch, das wĂ€hrend seiner Haft entstand: Wir sind ja nicht zum Spaß hier, herausgegeben von Doris Akrap (taz), mit einer Auswahl seiner journalistischen Texte sowie aktuellen BeitrĂ€gen aus dem GefĂ€ngnis.

Maximilian Popp in Spiegel online: „‚Wir sind ja nicht zum Spaß hier‘ ist kein Buch ausschließlich ĂŒber die TĂŒrkei, auch wenn sich etwa ein Drittel der Texte mit der TĂŒrkei beschĂ€ftigen. YĂŒcel schreibt ĂŒber Pegida, Islamismus, Literatur, Fußball, Drogen, die FDP. Die Sammlung verdeutlicht seine StĂ€rken als Journalist: Seine PrĂ€zision, seinen Humor, seine Neugier. (
) Mit seinen Texten aus der TĂŒrkei beweist er, dass er ein großartiger Reporter ist.“

Um Vorbestellung wird gebeten.
Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung WeltbĂŒhne (LadengeschĂ€ft ebenso wie Versandbuchhandlung), Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg,
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

WeltbĂŒhne muß bleiben.

Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern


Das Bild „Hylas und die Nymphen“ (1896) von John William Waterhouse (1849-1917) hĂ€ngt nicht mehr in der Manchester Art Gallery. Es wurde zwar noch nicht verbrannt (so weit, immerhin, sind wir jetzt noch nicht), aber dem öffentlichen Anblick entzogen.. Die Kunstpostkarten mit der Abbildung wurden aus dem Museums-Laden ebenfalls entfernt.
Warum? Warum wohl.
Es handle sich um eine „erotische Phantasie“ aus der „victorianischen Zeit“, in der der „weibliche Körper“ als „passiv-dekorativ“ oder als „femme fatale“ dargestellt werde.
Weder aus dem Bild selbst, noch aus der griechischen Argonauten-Sage, die in diesem Bild aufgegriffen wird, ergibt sich „passive“ Dargestelltheit. Aber weibliche Nacktheit lĂ€ĂŸt die SaubermĂ€nner und Sauberfrauen der bigotten Sittlichkeit eingehĂ€mmerte Klischees runterrasseln.
„Femme fatale“ (prĂ€ziser: „femmes fatales“) wĂŒrde dem Thema des Bildes mehr entsprechen. Es ist zwar schon vorgekommen, daß die Begegnung mit einer Frau (oder mehreren) fatale Folgen nach sich zog. Aber es darf nicht geduldet werden, daß soetwas schon mal vorgekommen ist. Daß die Frau einen erfreulichen Anblick bietet, darf erst recht nicht wahr sein.
Woher kommt diese erneute Stimmung im Westen?
Sie wollen uns weismachen, daß sie gegen den „Sexismus“ vorgehen. Aber sie meinen den Sex, besonders in seiner schlimmsten, unberechenbarsten, teuflischsten Form, der erotischen Phantasie.
Phantasie ist des Teufels. Phantasie ist Anarchie. Phantasie ist der Untergang ihres ganz speziellen Abendlandes. Wo die Phantasie zugrunde geht, wird die Frau in der WĂ€chtersprache zum „weiblichen Körper“ reduziert.
NatĂŒrlich handeln die Aufpasser (nebst -*_Innen) auf der Schleimspur des VulgĂ€r-Feminismus nicht aus Überzeugung (das ist sowieso keine Überzeugung, das ist Saublödheit), sondern aus vorauseilendem Gehorsam, damit sie mit dabei sein dĂŒrfen, wenn mit dem Finger auf andere gezeigt wird.
Was nĂŒtzt das den Frauen, die mit ihrem Leiden unter sexualisierter DemĂŒtigung sich an die Öffentlichkeit wandten? Ignoriert von den Ignoranten und ausgenutzt von den Fanatikern.

Daß das Bild des Malers, dessen Verbrechen es war, an die Phantasie zu appellieren, nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dafĂŒr habe ich gesorgt in diesem Weblog.
Fortsetzung (contraire) Montag.

Bild (C) wikimedia commons

Ja, was ist denn DAS?

NeuProgrammCoverJa, was ist das denn, möchte man wieder fragen.
Also: Es handelt sich um eine BroschĂŒre (36 Seiten), urgehoben von meiner Kollegin und mir 1991, lange Zeit vergriffen, jetzt (nach 25 Jahren) in zweiter, nur leicht verĂ€nderter Auflage fĂŒr 5 Euro wieder erhĂ€ltlich (ISBN 978-3-935673-06-8).

Man sollte als KĂŒnstler / als Schriftsteller mit ErlĂ€uterungen zum Werk sich zurĂŒckhalten. Wird eine Pointe erklĂ€rt, ist sie hin.
Nur mal so viel:
Vor 25 Jahren wollte die geltungssĂŒchtige Generalaufpasserin Alieze Schwarzer (auch „Frollein Lohmeier“ genannt) Porno gesetzlich verbieten lassen.
Das war der Anlaß fĂŒr diese Kampfschrift, deren Text allerdings nicht von den Verfassern verfaßt, sondern zusammengeklebt und mit aufschlußrerichen Bildern zu einem montiert wurde. Es sollte dem Ansinnen der penetranten Anstandsdame nicht mit Argumenten begegnet, sondern Tatsachen geschaffen werden. Wo (kalkuliert oder unkalkuliert) mit Reizvokabeln IrrationalitĂ€t geschĂŒrt wird, helfen keine Pillen und keine essigsaure Tonerde, wohl aber die Satire, die sich die „normative Kraft des Faktischen“ zunutze macht.
„Schwarzers Begabung war nie die Analyse, eher die action im Einklang mit einem gesunden Volksempfinden“, meinte Katharina Rutschky.

Mit Fleiß verbringe ich meine Zeit damit, die SpießbĂŒrgerlichkeit und PrĂŒderie, eben jenes „Volksempfinden“ in Mißkredit zu bringen. Froh war ich stets, wenn ich zu solchem Behufe einfallsreiche Partnerinnen fand.
Hier geht es um: die Ästhetisierung des Sexuellen. Oder man könnte auch poetisch sagen: Es geht um die Erotisierung der SexualitĂ€t.
Im Verzeichnis lieferbarer BĂŒcher (VLB) steht unter der Rubrik „Hauptbeschreibung“: „Text-Bild-Collage ĂŒber die VerschlĂŒsselung von SexualitĂ€t, Macht, BedĂŒrfnis, Manipulation.“ Irgendwas muß man ja reinschreiben, damit der moderne Mensch „aha“ sagen kann.
Mit dem wieder erhĂ€ltlichen Heftchen wird auf dem Stand der Situationspresse / Buchhandlung WeltbĂŒhne auf dem Ruhrorter Kunstmarkt erstmals die Öffentlichgkeit konfrontiert.
GEGEN ALLES, WAS LANGWEILIG, SPIESSIG UND PRÜDE IST.

NeuProgrammImmerDabeiHier zwei Seiten, auf denen man erkennt, daß wir es wirklich ernst meinen, selbst dann, wenn wir nicht ernst bleiben können.

lg3Die Mit-Autorin Lina Ganowski war an der (zurĂŒckhaltenden) Überarbeitung nicht beteiligt. Sie sagte (am Telefon): „Jaja, du machst das schon, ich verlaß mich auf dich“, und auf ausdrĂŒckliche Nachfrage: „Jaja, mach ruhig!“
Die Verbrecher (in diesem Fall: die Verbrecherin) zieht es an den Ort des Verbrechens. Die Essenerin, die lĂ€ngere Zeit in Erfurt, und dann fĂŒr einige Zeit in den Niederlanden ansĂ€ssig war, wohnt jetzt wieder in Essen.
Ich fragte sie: „Bleibst du denn jetzt da fĂŒr immer?“ Daraufhin sie: „Ja, was soll ich denn darauf antworten???“

Satire ist das, was Satiriker machen

„Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine.“ Kurt Tucholsky

In den Kommentar- und Leserbriefspalten der Zeitungen werden derzeit Gutachten und Regelwerke verkĂŒndet, was Satire darf/soll/darf/kann, und mir gefĂ€llt das nicht.
Reicht es nicht, wenn 20, 30, 40 Millionen Leute dem Fußball-Bundestrainer RatschlĂ€ge geben? Ist das nicht genug BetĂ€tigungsmöglichkeit fĂŒr Leute, die immer unbedingt was meinen zu mĂŒssen glauben?
SatirikerDarfAlles2Auch Leute vom Fach werden interviewt. Mich hat keiner gefragt, und das ist gut so. Ich wĂ€re um eine Antwort verlegen. Ich bin kein Satire-Experte. Ich bin Satiriker. Fragen Sie mich also nicht, was Satire ist. Ich kann Ihnen höchstens sagen, daß die hĂ€ufig gehörten Definitionen mich verwundern. „Satire ĂŒbertreibt“, „Satire ĂŒberzeichnet“. Ach. Ja? Nun gut, das kommt gelegentlich vor. Aber ebenso aufschlußreich wĂ€re die Definition „Satire benutzt den Buchstaben E“.
Ich könnte mich mit der Gegenfrage rausreden: Wer hat den Artikel von Ignatz Wrobel (i.e. Kurt Tucholsky) von 1919 im Berliner Tageblatt, in dem dieser Satz vorkommt, daß Satire alles darf, mal ganz gelesen? Ich wĂŒrde leichten Herzens bekennen, daß ich den Namen von dem, den jetzt jeder kennt, vorher noch nie gehört hatte, und ich weiß auch nicht, ob ich den richtig behalten habe. Böhmermann?
Um es kurz zu machen, könnte ich also sagen: Satire ist das, was Satiriker machen. Und selbst damit bin ich mir nicht ganz sicher.
Um nicht fĂŒr unhöflich gehalten zu werden, sage ich dann noch: Das Privileg, alles zu dĂŒrfen, muß mit hohen handwerklichen, kreativen, intellektuellen und charakterlichen QualitĂ€ten erworben werden.
Es wurde schon mal gesagt: Satire, die der Zensor versteht, wird zurecht verboten. Das muß sich nicht auf den Zensor beschrĂ€nken. Wenn ein SpießbĂŒrger etwas verstanden hat, dann hat er es falsch verstanden.
Im letzten METZGER (Nr. 117) steht der Satz „Nicht ĂŒberall, wo Dada drin ist, steht auch Dada drauf“. Mit der Satire sollte man es ebenso handhaben. Sie sollte sich nicht immer als solche zu erkennen geben – damit die, die keine Ahnung haben, nicht gleich wieder alle bescheidwissen.
KunstDerSatire..

Ja, was ist das denn?

NeuProgrammWasIstDasDenn
Der Bundesjustizminister beabsichtigt, gesetzliche Mittel gegen „sexualisierte Werbung“ einzufĂŒhren.
FĂŒr meine Produktionen und Leistungen setze ich gelegentlich Werbung ein, die durch ein solches Gesetz tangiert wĂŒrde.
Ich werde mich in zivilem Ungehorsam ĂŒber solcherlei BeschrĂ€nkungen hinwegsetzen. Ich verweise darauf, daß Werbung sich nicht auf einen kommerziellen Zweck beschrĂ€nken muß, sondern auch eine sozialhygienische Funktion erfĂŒllen kann.
Gesetze und sonstige Normen, mit denen die Enterotisierung privater und öffentlicher Lebensbereiche betrieben wird, mĂŒssen verhindert, notfalls verletzt werden.

Die obige Abbildung (anklicken zum VergrĂ¶ĂŸern) ist eine Doppelseite aus „Das neue Programm der Opposition – eine Polit-Pornografie von Helmut Loeven und Lina Ganowski“, Situationspresse 1991. Bei dieser Collage handelte es sich um eine satirisch-polemische Antwort auf Tante Emmas Anti-Porno-Hysterie-Kampagne. Zum 25jĂ€hrigen JubilĂ€um erscheint in diesem Jahr eine (nur wenig geĂ€nderte) Neuauflage (36 Seiten). Um Vorbestellungen (5 Euro einschließlich Versand) wird gebeten:
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

http://www.buchhandlung-weltbuehne.de/boudoir.htm

Ein juristisches Vorgehen gegen die Buchhandlung WeltbĂŒhne wegen Verbreitung angeblich jugendgefĂ€hrdender Schriften im Jahre 2007 konnte mit juristischen Mitteln abgewehrt werden (siehe DER METZGER 81). Um besser auf Angriffe vorbereitet zu sein, empfehle ich die „Programm“-BroschĂŒre. Auch Spenden wĂ€ren hilfreich:
SSB e.V.
IBAN DE76 3601 0043 0403 9564 32
BIC PBNKDEFF
Verwendungszweck: Gegen alles

GEGEN ANGRIFFE DER BUNDESREGIERUNG AUF DIE MEINUNGS- UND KUNSTFREIHEIT.
GEGEN VERDÄCHTIGUNG DES EROS.
GEGEN ALLES, WAS LANGWEILIG, SPIESSIG UND PRÜDE IST.

Heilige Allianz?

FacebPruedeDas Experiment des Fotografen Olli Waldhauer hatte das erwartete Ergebnis.
(Daß ein paar Leute die Ironie nicht verstanden haben und die rassistische Phrase fĂŒr bare MĂŒnze hielten – und feierten, sollte ebenfalls nicht ĂŒberraschen).
Angeregt wurde die Probe aufs Exempel so:
„Zum einen hat ein befreundeter Fotograf vor ein paar Wochen ein Foto bei Facebook hochgeladen, das ein Platte zeigte. Das war ein Ă€sthtisches, ganz natĂŒrliches Foto. Trotzzdem hat es Facebook gelöscht [
]. Zum anderen tauchte am vergangenen Wochenende in meiner Timeline bei Facebook ein rassistischer Kommentar auf. [
] Ich habe mich gefragt, warum wird ein schönes, Ă€sthetisches Nacktfoto gelöscht, rassistischer Dreck aber darf stehenbleiben.“
Man bedenke: Facebook kommt aus den USA. Das macht die Sache nicht besser, aber erklÀrlich.
1. Schonzeit fĂŒr Rassimus ist trotz gegenteiliger Beteuerungen Teil des gesellschaftlichen SelbstverstĂ€ndnisses.
2. Daß Nacktfotos, gar noch schöne, Ă€sthetische unter Bann gestellt werden, ist so neu natĂŒrlich nicht.
Vielleicht bahnt sich hier eine Allianz von Facebook, Pegida und Emma an?

Hermann Theisen weiterhin im Visier der Justiz

Die DFG-VK Duisburg wird beim Ostermarsch dieses Flugblatt verteilen:
Hermann Theisen weiterhin im Visier der Justiz
Hermann Theisen ist ein (gerichts-)notorischer Kriegsgegner.
Vor einem Jahr wurde er vom Amtsgericht MĂŒnchen zu 60 TagessĂ€tzen verurteilt, weil er zu Sabotageaktionen gegen den RĂŒstungskonzern Krauss-Maffei-Wegmann aufgerufen hatte […].
Wenn es um zivilen Ungehorsam gegen Krieg und Kriegsvorbereitung geht, kommt eine Anklage selten allein. Neue VorwĂŒrfe gegen Hermann Theisen:
Er hat FlugblĂ€tter verteilt, mit denen zu einer 24stĂŒndgen Sitzblockade des Atomwaffenlagers BĂŒchel aufgerufen wurde (sie fand am 11. und 12. August 2013 statt). Die Stadtverwaltung Koblenz untersagte das Verteilen der BlĂ€tter. BegrĂŒndung: Darin wĂŒrde zu Nötigung aufgerufen. Dagegen geht Hermann Theisen gerichtlich vor.
Wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten“ erging gegen ihn ein Strafbefehl ĂŒber 600 Euro. Weil er dagegen Einspruch einlegte, findet am 30. April 2014 vor dem Amtsgericht Koblenz eine Verhandlung statt.
Inzwischen haben sich 30 Personen (darunter Ärzte, Theologen, eine Bundestagsabgeordnete) selbst angezeigt. Mit den Selbstanzeigen tut die Staatsanwaltschaft sich schwer. Auf keine der Selbstanzeigen folgte bisher eine Anklage.

Weitere Informationen können abgefragt werden bei der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen www.gaaa.org.
Die DFG-VK Duisburg bittet um Spenden:
[…]*
Verwendungszweck: Hermann Theisen.
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner
Gruppe Duisburg
c/o Buchhandlung WeltbĂŒhne. Gneisenaustraße 226 – 47057 Duisburg
www.dfg-vk-duisburg.de
plakat14pur*Die Bankverbindung der DFG-VK Duisburg bitte per E-.mail erfragen:
situationspresse@gmx.de

Sittlichkeit und KreativitÀt

In frĂŒheren Zeiten, als es noch sittlicher zuging als heute, waren die Erschwernisse, Filme in einem Lichtspieltheater zu sehen, entsprechend grĂ¶ĂŸer.

FSK_ab_18Filme waren damals schon, wie heute, ab 6, 12, 16 und 18 Jahren freigegeben. Manche Filme aber waren „freigegeben ab 21 Jahre“ (das war der Fall bei „nackter Busen sichtbar fĂŒr eine Sekunde“).
FĂŒr scharfe Filme gab es eine Freigabe ab 35 Jahre.
Die besonders scharfen Filme waren erst ab 65 Jahre freigegeben.
Und in die ganz besonders scharfen Filme durfte nur noch Tilla Durieux reingehen.
Aber nur in Begleitung von Adenauer.

Blinde Empörung

BlindFaithHad To Cry Today; Can’t Find My Way Home; Well All Right; Presence Of The Lord; Sea Of Joy; Do What You Like. Eric Clapton (Gitarre), Ginger Baker (Schlagzeug), Steve Winwood (Orgel, Klavier und Gesang), Ric Grech (Bass, Violine). Blind Faith 1969
„FĂŒr das Cover der amerikanischen Ausgabe wurde daher stattdessen ein neutrales Foto verwendet.“

P.S.: Ist es nicht erstaunlich, daß Frau Alieze S. zum Edathy-Skandal ihren Senf nicht hat erschallen lassen? Was Steuerangelegenheiten doch manchmal fĂŒr angenehme Wirkungen nach sich ziehen!

Das Schweigen wurde gebrochen

FĂŒr heute Abend (20.15 Uhr, ZDF) ist das Fernsehspiel „Und alle haben geschwiegen“ angekĂŒndigt. Thema ist die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in „Heimen“ kirchlicher TrĂ€gerschaft, wo sie sadistischen „Erzieherinnen und Erziehern“ ausgeliefert waren.
Über die Menschenschinderei in den Kinderlagern der BRD wurde jahrzehntelang der Mantel des Verschweigens ausgebreitet. Erst seit etwa zehn Jahren finden da und dort die Opfer der QuĂ€lereien im Namen Gottes Gehör – oft erst Jahrzehnte nach ihren Erlebnissen.
Das Land hĂ€tte frĂŒher schon hellhörig werden können, denn das Schweigen war nicht lĂŒckenlos. 1969 wurde die Rundfunkreportage „MĂ€dchen in FĂŒrsorgeerziehung“ von Ulrike Meinhof von mehreren ARD-Sendern ausgestrahlt. Aufgrund ihrer Recherchen erarbeitete Ulrike Meinhof das Drehbuch zu dem Fernsehspiel „Bambule“, das am 24. Mai 1970 in der ARD gesendet werden sollte, dann aber abgesetzt wurde. Erst 1994 wurde in in den Dritten Programmen gesendet.
Das Drehbuch erschien 1971 in Buchform im Verlag Klaus Wagenbach (136 S., 9.90 Euro) und ist weiterhin erhĂ€ltlich. (Es kann und sollte, wie alle hier empfohlenen BĂŒcher, in der Buchhandlung WeltbĂŒhne bestellt werden).
MeinhofBambuleDie Entscheidung von Ulrike Meinhof fĂŒr den „bewaffneten Kampf“ stieß bei vielen ihrer Freunde auf UnverstĂ€ndnis und Ablehnung – auch deshalb, weil sie sich dadurch ihrer Wirksamkeit selbst beraubte. Jedoch ist UIrike Meinhof besser als alles, wogegen sie – mit welchen Methoden auch immer – kĂ€mpfte.

(Bitte lesen Sie auch den Aufsatz „Sie mĂŒssen nicht was sie tun“ von Lina Ganowski in DER METZGER Nr. 90).

Das Bild von der „kalten Terroristin“ ist falsch

Der Röhl-Clan konnte es nicht verhindern. Das Buch von Anja Röhl „Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike“ (Edition Nautilus, 160 Seiten, 18 Euro) ist ausgeliefert worden (und in der Buchhandlung WeltbĂŒhne eingetroffen). Wie angekĂŒndigt, sind einige Passagen des Buches geschwĂ€rzt. Siehe dazu den Eintrag vom 18. Februar.
CC_Roehl_Frau_75Auf Spiegel-online kommentiert Sebastian Hammelehle: „Bei Anja Röhl ist die RAF nur im Hintergrund prĂ€sent. Hier geht es um Meinhof als die einzige Erwachsene, die sich fĂŒr das MĂ€dchen Anja interessiert, mit ihr spielt, ihr alles erklĂ€rt, sie versteht und derart viel Geduld aufbringt, dass Klaus Rainer Röhl sie anherrscht: ‚Du lĂ€sst dich von den Kindern tyrannisieren.‘ Die Kinder, das sind auch Anjas Halbschwestern Regina und Bettina, die ihre Sicht auf ihre Eltern bereits öffentlich gemacht hat. Die sie betreffenden Passagen sind im Buch geschwĂ€rzt – Ergebnis einer juristischen Auseinandersetzung, die dem Buch einen Anschein von Skandal verleiht.
Ein Skandalbuch ist ‚Die Frau meines Vaters‘ deshalb nicht. Anja Röhls Tonfall ist leise, ihr Stil klar, auf eine literarisch stilisierte Weise fast kindlich. Sie beschrĂ€nkt sich auf eine Darstellung der Ereignisse aus ihrer Sicht, verzichtet auf schrille Anklage oder Überhöhung – und zeigt, wie Meinhofs Opposition gegen die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse in der jungen Bundesrepublik, die mit der RAF so brutal eskalierte, mit kleinen, feinfĂŒhligen Gesten begann: zum Beispiel, indem sie ein Kind anlĂ€chelte.“
Jörg Magenau im Deutschlandradio: „Erlebbar wird die bedrĂŒckende Enge der autoritĂ€ren, postfaschistischen Bundesrepublik. Das ist die eigentliche Leistung dieses leisen, zurĂŒckhaltenden Textes, der sich in einem einfachen, fast kindlichen Nominalstil auf die Perspektive des MĂ€dchens beschrĂ€nkt. Ulrike Meinhof taucht in dieser Welt auf als die erste Person, die das Kind ernst nimmt und ihm einen eigenen Willen und Verstand zubilligt.
Anja Röhl beschreibt, aus welchem gesellschaftlichen VerĂ€nderungsdruck heraus Meinhof sich radikalisierte. Sie verehrt ihre Stiefmutter, auch wenn sie die zum Terrorismus fĂŒhrende Konsequenz ihres Handelns ablehnt. Doch sie hat Meinhof als Emanzipatorin und fĂŒrsorgliche Freundin erlebt. Diese Erfahrung ist geeignet, das Bild der kalten Terroristin zu ergĂ€nzen.
Hauptfigur des Buches ist dennoch der Vater mit seiner klebrigen Zuneigung. Er hĂ€tte sehr viel mehr Grund, sich gegen diese Publikation zu wehren, als die um Deutungshoheit (…) kĂ€mpfende Halbschwester Bettina.
Jenseits von all dem ist eine zarte, empfindsame Kindheitsgeschichte entstanden, die ĂŒber die konkrete, komplizierte Familie hinaus eine FrĂŒhgeschichte der Bundesrepublik zu erzĂ€hlen vermag. Es ist ein Text, der sich freimachen möchte von ZwĂ€ngen und Wertung, der durch die Ă€ußeren UmstĂ€nde aber dorthin zurĂŒckgezwungen wird.“
Bitte bestellen Sie dieses Buch in der Buchhandlung WeltbĂŒhne (die, wie man wissen sollte, auch eine VERSANDbuchhandlung ist).
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bĂŒcher IN der BUCHHANDLUNG weltbĂŒhne UND sonst NIRGENDS.“
WeltbĂŒhne muß bleiben.

Die spinnen, die Röhls

Ende Februar soll erscheinen:
Anja Röhl: Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike. Edition Nautilus, ca. 160 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, fĂŒr ca. 18 Euro.
Die Edition Nautilus teilte den BuchhÀndlern mit:
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, am 27. Februar 2013 erscheinen in der Edition Nautilus unter dem Titel ‚Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike‘ Anja Röhls Kindheits- und Jugenderinnerungen, insbesondere an ihre Stiefmutter Ulrike Meinhof.
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine Fassung handelt, die geschwĂ€rzte Textstellen enthĂ€lt. Leider konnten wir trotz intensiver BemĂŒhungen im Vorfeld keine einvernehmliche Einigung mit den Halbschwestern Anja Röhls erreichen, die unter Berufung auf ihr Persönlichkeitsschutzrecht der Autorin und dem Verlag mit juristischen Schritten gedroht hatten.
Wir haben uns dazu entschieden, die von den Halbschwestern geforderten Streichungen durch SchwĂ€rzungen zu kennzeichnen, was als Zeichen des Protests verstanden werden darf. Aus dieser Variante ergibt sich fĂŒr uns die Möglichkeit zur planmĂ€ĂŸigen Veröffentlichung und Auslieferung des Buches am 27. Februar 2013. […]
Wir wissen jedoch nicht, ob mit juristischen Interventionen seitens der Halbschwestern und mit einer einstweiligen VerfĂŒgung zu rechnen ist. [
] Wir empfehlen Ihnen daher, Ihr Sortiment mit diesem Titel gut zu bestĂŒcken.“

CC_Roehl_Frau_75Im Vorwort des Verlages heißt es:
„Die Mutter meiner Schwestern sollte der Roman ursprĂŒnglich heißen, und obwohl die Verbundenheit zu ihren Halbschwestern nicht geleugnet werde kann, so ist sie im Vorfeld der Veröffentlichung des vorliegenden Buches doch wieder Anlass fĂŒr das UnglĂŒck der Familie Röhl: Unter Berufung auf ihr Persönlichkeitsschutzrecht wurden Anja Röhl und dem Verlag durch eine der Halbschwestern juristische Schritte angedroht, wenn nicht alle Passagen – auch Schilderungen solcher Sachverhalte, die bereits mehrfach öffentlich gemacht wurden, zum großen Teil sogar durch Bettina Röhl – aus dem Manuskript entfernt wĂŒrden, in denen Anja Röhls Beziehung zu ihren Halbschwestern geschildert werden. Das BemĂŒhen um einvernehmliche Einigung ging vom Verlag aus, mit dieser Absicht hat der Verlag der Mutter und den Schwestern vorab das Manuskript zukommen lassen.
Mit Anja Röhls Mutter wurde so eine Einigung erreicht, fĂŒr die wir uns an dieser Stelle ausdrĂŒcklich bedanken möchten. Und eine solche Einigung schien zunĂ€chst auch mit Anjas Halbschwestern auf gutem Wege. Zahlreiche Passagen wurden auf deren Bitte gestrichen, ebenso wurde der Titel geĂ€ndert – doch unter Umkehr aller Gepflogenheiten bei der Kompromissfindung wurden die Forderungen immer grĂ¶ĂŸer, bis zum Ansinnen, in Anja Röhls autobiografischem Buch mĂŒssten die Halbschwestern gĂ€nzlich unerwĂ€hnt bleiben.
Da unsere BemĂŒhungen um einen fairen Ausgleich mit den Halbschwestern scheiterten, sieht sich der Verlag nun, um unfruchtbaren juristischen Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen, gezwungen, diesen Streichungsforderungen nachzukommen, sie aber durch SchwĂ€rzungen zu kennzeichnen. Das darf als Zeichen des Protests verstanden werden. Wir bedauern, dass diesen Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend und an den großen Einfluss, den ein einziger verstĂ€ndnisvoller, zugewandter Mensch hier haben kann, so nun ein Ruch von Skandal anhaften wird und die Aufmerksamkeit nicht auf das kurze GlĂŒck der Autorin, sondern wieder einmal auf das UnglĂŒck der Familie gelenkt wird. Wir haben versucht, es zu vermeiden, es ist uns nicht gelungen.
Edition Nautilus, Hamburg im Januar 2013“
Bettina Röhl zieht das Persönlichkeitsschutzrecht an den Haaren herbei, nachdem sie selbst vor 7 Jahren in ihrem 700 Seiten umfassenden Buch „So macht Kommunismus Spaß“ ihre Mutter und ihre Familie ausgeschlachtet hat. Das Buch, das vor Dummheit nur so strotzt, hat immerhin den  Vorteil, daß es nicht 800 Seiten geworden sind.
Die Buchhandlung WeltbĂŒhne ist dem Rat, sich mit Exemplaren von Anja Röhls Erinnerungen zu bestĂŒcken, gefolgt und gibt den Rat weiter, hier vorzubestellen (bitte das Wörtchen „hier“ anklicken und dann alles weitere).
Erinnern Sie sich stets an den Slogan:
„LIEBE leute BESTELLT bĂŒcher IN der BUCHHANDLUNG weltbĂŒhne UND sonst NIRGENDS.“
WeltbĂŒhne muß bleiben.

Wer nichts zu verbergen hat ist ein Idiot

In der Sendung von Anne Will ist immer einer dabei, der fĂŒr das Quatschreden zustĂ€ndig ist. Meistens nimmt man dafĂŒr Arnulf Baring. Der erfĂŒllt diese Rolle zuverlĂ€ssig, und nach spĂ€testens 40 Minuten flippt er aus. Letztens, beim Thema Terrorgefahr, war es Don Jordan, Deutschlandkorrespondent, Deutschlandkenner, US-Amerikaner und Patriot. Als solcher hat er fĂŒr den patriot act was ĂŒbrig. Die Deutschen, so meinte er, brĂ€uchten den patriot act ja nicht wortwörtlich zu ĂŒbernehmen. Aber, so sagte er, „zu sozial ist unsozial und zu liberal ist auch unsozial“. Es wĂ€re doch besser, mal auf ein paar Grundrechte zu verzichten als in die Luft zu fliegen. Und wer nichts zu verbergen hat…
Der Argwohn, daß Freiheit unsicher mache, begleitet die Patrioten ebenso durchs Leben wie die Idee, daß Sicherheit durch den Verzicht auf so ein paar lumpige Grundrechte zu erreichen sei und daß die Nation einem so viel wert sein mĂŒĂŸte, daß man ihr seine persönliche Freiheit gern in den Rachen schmeißt. Es will mir allerdings nicht einleuchten, daß ich die Gefahr, in die Luft zu fliegen, dadurch heraufbeschwöre, daß ich in meinen vier WĂ€nden mache was ich will, und daß die Gefahr, in die Luft zu fliegen, dadurch gebannt werden könnte, daß die Regierung weiß, mit wem ich wann und wie oft und wie lange telefoniert habe. Die Formel je-mehr-Freiheit -desto-weniger-Sicherheit-und-je-weniger-Freiheit-desto-mehr-Sicherheit ist nicht nur unsympathisch, sondern auch illusionĂ€r. Und wer nichts zu verbergen hat ist ein Idiot.
Freiheit und Demokratie sind nicht sehr beliebt beim deutschen Menschendurchschnitt. Denn die Freiheit stellt AnsprĂŒche. Freiheit strengt beim Denken mehr an als Unfreiheit. Die Freiheit der Meinung schĂŒtzt zwar vor der Zensur, aber nicht vor der Kritik. Die Freiheit der Meinung ist die Freiheit der Intelligenz, die als störend oft empfunden.
Der legendĂ€re Kleine Mann hat an der Freiheit der Meinung keine rechte Freude, weil sie mir die Freiheit gibt, ihm das Herumschwadronieren seiner GehĂ€ssigkeiten ĂŒbel zu nehmen. Dann mault er: „Das wird man doch wohl noch sagen dĂŒrfen!“ Soll heißen: „Das wird man doch nicht kritisieren dĂŒrfen“.
Eine bestimmte Sorte Mensch, die im Inneren des Landes keineswegs eine kleine Randgruppe bildet, kann sich mangels besserer Einsicht unter der Freiheit der Meinung nichts anderes vorstellen als das Recht, Sauereien von sich zu lassen. Und dann wird dauernd gefragt, ob die Menschen, die den schnauzbĂ€rtigen Haßprediger verachten, sein Machwerk ĂŒberhaupt gelesen haben. Nein. Ich habe das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen. Ich muß es auch nicht lesen. Es ist viel daraus zitiert worden, und ich kann mich nicht entsinnen, daß der Autor jemals reklamiert hĂ€tte, seine Kernthesen seien falsch dargestellt worden. Darum bin ich befugt, das, was ich ĂŒber das Buch von Hörensagen kenne, beim Wort zu nehmen.
Es ist auch Quatsch, wenn der Duisburger Museumsdirektor Raimund Stecker erzĂ€hlt, man dĂŒrfe „diese Themen nicht totschweigen“ und dem Sarrazin im Lehmbruck-Museum ein Forum bietet (WAZ: „BĂŒhne fĂŒr Haß“). Über das Indiskutable nicht zu diskutieren hat nichts mit Totschweigen zu tun. Ich diskutiere auch nicht mit einem HandtaschenrĂ€uber darĂŒber, wem die Handtasche gehört.
Die Phrasen des Stammtisches und solche Ansichten wie der Herr Sarrazin von sich gibt waren noch nie der Zensur unterworfen. Darum hat der legendÀre Kleine Mann gegen Zensur nichts einzuwenden.
Viele sind bereit, auf Freiheit zu verzichten. Nicht weil sie mehr Sicherheit wollen, sondern weil sie weniger Freiheit wollen.

aus DER METZGER 93 (2011)