Kommt und holt euch den neuen Metzger!

Geschrieben, gestaltet, gedruckt und geheftet:
DER METZGER, das satirische Magazin. Nr. 110. Preis: 3 €.
So sieht das Heft von außen aus:
M110Und das steht drin (Überblick):

Jakop Heinn: Neues von der Schmalspur (Finale?). FĂŒr die Band Die Bandbreite wird es immer schmaler. Jetzt will auch die MLPD nichts mehr von ihr wissen.

Max Reinhardt: Königlicher militĂ€r-industrieller Komplex. Vor hundert Jahren: Wie der Weltkrieg dem Volke mit Bildern nahegebracht wurde. FĂŒr die Industrie war das Völkergemetzel ein GlĂŒcksfall.

Helmut Loeven: „Zuerst werden wir alle Subversiven töten“. 1977 fiel die Theologiestudentin Elisabeth KĂ€semann in Argentinien der Geheimpolizei in die HĂ€nde. Nach wochenlanger Folter wurde sie ermordet. Das AuswĂ€rtige Amt unter Minister Genscher tat nichts, um sie zu retten. Im Gegenteil: Die MilitĂ€rdiktatur fand in der sozialliberalen Bundesregierung einen verstĂ€ndnisvollen Partner.

Tagebuch. U.a.: Die Partei „Die Linke“ und der Buchhandel. Der Weg nach oben als Niedergang.

Carl Korte: Apfelbisse. Mottes Abenteuer als Reporter.

A.S.H. Pelikan: Menschenalter (tabellarisch).

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: „Ich will es nicht – mach’s, aber ohne mich; Frauenbewegung als K-Gruppe?; Muß Frollein Lohmeier ins GefĂ€ngnis?; Die Iditiotx sind unter uns (Frau Professor Hornscheidt und ihr Geisteszustand); Komische HĂ€user: Schuhhaus Pesch; Rousseau und die Wandparole bei Edeka u.a.

Marvin Chlada: Objekte der Begierde. Über die Museumsorgie in Fouriers neuer Welt der Liebe.

Herbert Laschet-Toussaint: MĂŒtter nach Grosny. Gedicht.

Thomas RĂŒger: Mit CordmĂŒtze und Gitarre. Neu: Die Musikkolumne.

Chantal Könkels: Die Projektgruppe Pudding und gestern hat wieder zugeschlagen.

Helmut Loeven: Konstruktive Tonlage. Komposition fĂŒr Singstimme und Clavier. Mit Noten.

Sie können das neue Heft nicht abholen, weil Sie dazu ĂŒberland reisen mĂŒĂŸten? Das macht nichts. Sie können sich das Heft auch portofrei zuschicken lassen (das Wort „zuschicken“ anklicken um zu erfahren, wie es geht).
Und ĂŒberhaupt: WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

Iso und Deso

„Wenn DER METZGER die doppelte Auflage hĂ€tte, dann wĂ€re die Linke in Deutschland nicht mehr in so einem desolaten Zustand.“
Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D.

Das hat er gar nicht gesagt. Aber wenn er es gesagt hÀtte, hÀtte er was Richtiges gesagt.
Lest, kauft, verschenkt und abonniert den METZGER (gegen Deso- und Isolation).
M109M037Metzger107-Covermetzger-titel-101-klGerhard Schröder wÀre heute 70 Jahre als geworden, wenn er einen Tag spÀter Geburtstag hÀtte.

Kommt und holt Euch den METZGER!

Es ist zwar noch MÄRZ, aber die APRIL-Ausgabe liegt schon hier. Schließlich wollen wir ja auch mal der Zeit voraus sein (kommt ja selten vor).
M109
DER METZGER, das satirische Magazin. Nr. 109. Preis: 3 €.
Aus dem Inhalt:

Helmut Loeven: Rechnung ohne den Putin. Zur Krim-Krise: Der Westen hat den Russen nichts voraus, was zu einer moralischen AttitĂŒde berechtigen wĂŒrde.

Renate König: Verfolgung Homosexueller in Afrika.

Jakop Heinn: Zeigt mir, wen ihr ausschließt. Die SPD hat viele ihrer Mitglieder ausgeschlossen wegen „parteischĂ€digenden Verhaltens“ – bloß nicht die, die der Partei tatsĂ€chlich geschadet haben.

„Zweite und dritte Opfergeneration schweigt nicht lĂ€nger“. Ulrich Sander sprach mit Alice Czyborra ĂŒber „Kindes des Widerstandes“.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: „Critical Whiteness“ als neue Plemplem-Variante links-alternativen Sektenwesens; Warum ist Steuersenkung noch schlimmer als Steuerhinterziehung?; unverstĂ€ndliche Wandmalerei; Bernd; neue Wojna-Schoten; komische HĂ€user, komische Schilder u.a.

Der KĂŒhlschrank-Ficker oder Man will ja auch nicht nochmal zwanzig sein. Marvin Chlada interviewte wieder Florian GĂŒnther.

Carl Korte: Reporterwahn. Mottes Erlebnisse in der Lokalredaktion. Diesmal: Scharfmacher.

Max Reinhardt: „Verstehst du das?“ „Da mußt du die Leute fragen, die geschossen haben.“

Herbert Laschet-Toussaint: Syrischer FrĂŒhling. Ein Gedicht.

Sie können das neue Heft nicht abholen, weil Sie dazu ĂŒberland reisen mĂŒĂŸten? Oder weil Sie sich grundsĂ€tzlich einen Zeh brechen, wenn Sie auch nur in die NĂ€he der Gneisenaustraße kommen? Das macht nichts. Sie können sich das Heft auch portofrei zuschicken lassen (das Wort „zuschicken“ anklicken um zu erfahren, wie es geht).
Und ĂŒberhaupt: WER ABONNIERT, HAT MEHR VOM METZGER.

Frollein Lohmeier

Frollein Lohmeier hat einen Fehler gemacht. Aber den hat sie sich schnell verziehen.

Den Finger hoch! Frollein Lohmeier belehrt uns gern.

Den Finger hoch! Frollein Lohmeier belehrt uns gern.

Erfahren Sie mehr ĂŒber Frollein Lohmeier:

Lina Ganowski: Die große Egomanin kann nicht „ich“ sagen (DER METZGER 54)
Helmut Loeven: In allen Gassen Dampf (DER METZGER 54)
Erika Birth: Madame Schwarzer (DER METZGER 54)
Lina Ganowski: Romy und die Geier (DER METZGER 56)
Lina Ganowski: Warum nicht? Darum nicht! (DER METZGER 62)
Lina Ganowski: Heftig Schwarzer Filter (DER METZGER 69)
Lina Ganowski: Folter als feministisches Projekt (DER METZGER 70)
Lina Ganowski: GlĂŒckliche KĂŒhe (DER METZGER 71)
Lina Ganowski: Das eindimensionale Parallel-Universum (DER METZGER 75)
Helmut Loeven: Der Aufstand (DER METZGER 90)
Lina Ganowski: Sie mĂŒssen nicht was sie tun (DER METZGER 90)
Helmut Loeven: Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung spottet (DER METZGER 93)

UnglĂŒckliches Land

Heute hat die Bundeskanzlerin im Bundestag lobende Worte fĂŒr die Opposition in der Ukraine gefunden. Die Demonstranten wĂŒrden fĂŒr Werte eintreten, die auch die Werte der EuropĂ€ischen Union seien.
Die Demonstranten genießen viel Sympathie in der hiesigen Öffentlichkeit. Darum will die hiesige Öffentlichkeit auch Genaues nicht wissen.
Ich zitiere aus der taz vom 22. Januar:

Rechtsradikale wollen kÀmpfen
Die Eskalation in der Ukraine geht vor allem von rechten Gruppierungen und Extremisten aus. Viele haben sich in Wehrsportgruppen auf den Kampf vorbereitet. Nach den ersten Toten auf dem Maidan steckt das Land entweder in einer Sackgasse oder steht vor einem BĂŒrgerkrieg. […] Dass es so schnell zu Blutvergießen auf dem Maidan kommen werde, damit hatte man im traditionellen und eher gemĂ€ĂŸigten FlĂŒgel der Opposition nicht gerechnet. Doch der „rechte Sektor“ wird immer stĂ€rker und immer radikaler. In diesem BĂŒndnis finden sich zahlreiche rechte Gruppierungen, auch Rechtsextremisten, die sich seit Langem auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereitet, diese geradezu einstudiert haben.
Den zunehmend gewalttĂ€tig agierenden Polizisten stehen mit dem „rechten Sektor“ Personen gegenĂŒber, die sich nichts sehnlicher wĂŒnschen, als endlich Dampf abzulassen. Einen bekannten AnfĂŒhrer hat diese Gruppierung nicht, man mobilisiert ĂŒber das Internet.
Hatte die Gruppe noch vor kurzer Zeit im russischen (!) sozialen Netzwerk „VKontakte“ 10.000 Follower, wuchs diese Zahl in wenigen Tagen auf 20.000 an. Sie wollen gar nicht in die EuropĂ€ische Union. Ihr Herzensanliegen ist die nationale Revolution. […] Seit Jahren bereiten sie sich in Wehrsportgruppen auf den gewalttĂ€tigen Kampf vor. Und sie wissen, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. Gemeinsam agieren sie mit „Ultras“ der Fußballfanszene. […] Dem immer aggressiveren Auftreten von Angehörigen des „rechten Sektors“ steht ein Vertrauensschwund der traditionellen Opposition mit ihren AnfĂŒhrern Klitschko, Jazenjuk und Tjagnibok gegenĂŒber, denen man immer lauter eine heimliche Zusammenarbeit mit den Machthabern vorwirft. Vielfach wird auch gemutmaßt, dass diese Oppositionellen mit Geldern westlicher Regierungen, vor allem der US-amerikanischen und deutschen, finanziert wĂŒrden. Wie der „rechte Sektor“ seine AktivitĂ€ten finanziert, wird wenig thematisiert.

Dadurch, daß die ukrainische Regierung eine engere Kooperation mit Rußland sucht, verstĂ¶ĂŸt sie nicht gegen die Interessen des Landes, wohl aber gegen die Interessen der EU. Darum hat die Opposition nebst ihrer faschistischen Speerspitze die hiesigen „Menschenrechtler“ auf ihrer Seite.
„Menschenrechtler“ heißen „Menschenrechtler“, weil sie glauben, die Menschenrechte zu verteidigen.
Ich verweise auf den Artikel „Mandela oder Putin oder Zeigt eure Helden“ von Jakop Heinn in DER METZGER Nr. 108.

Anarchie ist jetzt farbig

Heute Vormittag, Ecke Gneisenau-/Oststraße:
AnarchieGneisenau1Das erinnert mich an die Wandparole auf der Friedrich-Wilhelm-Straße, damals in Blau, aber in der guten alten Zeit nur in Schwarzweiß dokumentiert:
MCover18Angebracht wurde die Parole, 40 Meter von unserer damaligen Wohnung entfernt, am 15. Juni 1972, dem Tag, an dem Ulrike Meinhof festgenommen wurde. Das Haus wurde daraufhin abgerissen.
Es gibt Leute, die die Aussage, daß Anarchie kein Chaos sei, durch die Art ihrer Verbreitung konterkariert sehen. Aber das braucht uns nicht zu stören.
Übrigens:
Wie sich die Zeiten Àndern!
AnarchieGneisenau2Ecke Gneisenau-/Oststraße, heute Nachmittag.

DER METZGER 108

Soeben erschienen ist die Ausgabe Nr. 108 des satirischen Magazins DER METZGER.
MCover108Das steht drin:

Helmut Loeven: Bundestagswahl: Daß ich das noch erleben durfte. Die FDP ist draußen! Manche sind sauer auf die FDP, weil sie sich von ihr mehr Ungerechtigkeit versprochen hatten. Man soll keinen Idioten daran hindern, aus den falschen GrĂŒnden das Richtige zu tun.

Jakop Heinn: Mandela oder Putin oder Zeigt eure Helden. Gegen die Vereinnahmung von Nelson Manfdela fĂŒr das Spektakel der Westlichen Wertegemeinschaft.

Ulrich Sander: Nazis hatten stets Vorrang vor ihren Opfern. „Staatsschutz“ in Westdeutschland. Von der Entnazifizierung zur „Extremistenabwehr“.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Die Lieblingsmelodien einer grĂŒnen Ministerin; Eloge auf einen Terroristen; Holy Flip oder Holy Fick (Neues vom Transformationscoach); Mercatorstraße muß bleiben!

Lina Ganowski: La Notte – Themen der Nacht. Diesmal: Zwei oder drei Dinge, die kaum jemand ĂŒber sie wissen will oder Warum ich den Aufruf fĂŒr Prostitution unterschrieben habe.

Carl Korte: Reporterrausch. Volle Pulle bis zum Abwinken.

Bundes-Barbara. Kinder sollen ohne Deutschland aufwachsen. Wir haben unsere Damen und Herren ĂŒberarbeitet. Der Hammermeister bittet Sie, die Bundes-Barbara zu nutzen.

Herbert Laschet Toussaint (HEL): Das Lever von Voltaire in Ferney. Bildbetrachtung.

Das Heft kostet 3 Euro. Es ist in der Buchhandlung WeltbĂŒhne erhĂ€ltlich (auch im Versand. Es wird sofort geliefert).
Wer schlau ist, hat abonniert und kriegt das Heft in den nÀchsten Tagen zugeschickt.
Ein Abonnement von DER METZGER kostet 30 Euro fĂŒr die nĂ€chsten 10 Ausgaben oder 50 Euro fĂŒr alle zukĂŒnftigen Ausgaben.
Die Ausgaben ab Nr. 18 (1972) sind noch erhÀltlich (komplett im Sammelpaket oder einzeln). Die Ausgaben Nr. 1-17 (1968-1972) sind vergriffen.

Wechselstrom oder Die Liebe in den Zeiten des Telefons (3)

Es hatte einen Skandal gegeben. Peter Dietz vom Eschhaus hatte fĂŒr eine Veranstaltung der GrĂŒnen ein Plakat entworfen, das in der „Szene“ als „sexistisch“ identifiziert wurde, natĂŒrlich erst, nachdem das Plakat in Umlauf gebracht worden war, sonst wĂ€r‘s ja nur ein kleiner Skandal gewesen, und man empört sich eben lieber ĂŒber große Skandale. (Das Plakat zeigte ein Rock‘n‘Roll-Tanzpaar). Jedenfalls beschloß ich, daß dieser „sexistische“ KĂŒnstler das Cover fĂŒr die nĂ€chste METZGER-Ausgabe (Nr. 37) gestalten sollte. Bei dieser Gelegenheit erzĂ€hlte er mir:
„Du hast ja in der Szene ein sehr negatives Image.“
„TatsĂ€chlich? Ich dachte eher, man wĂŒrde mich tunlichst ignorieren.“
„Weit gefehlt. Man munkelt. Man sucht nach GrĂŒnden und findet welche. ‚Kennst du schon die neueste Schote vom Loeven und seinen zwei Frauen?‘ Und jetzt auch noch ein Buch mit Sex-Geschichten!“
Na, dachte ich, jetzt fĂ€ngt‘s an, Spaß zu machen. Übrigens war Christina nur ein einziges mal im Eschhaus.

M037Christina bekam Besuch aus ihrer mittelrheinischen Heimat. Das war Össi, so ‘ne Art Jugendfreund.
„Der Össi wĂŒrde gern mit mir was anfangen. Aber ich will das nicht. Der will mich heiraten. Aber der setzt nichts bei mir in Gang, verstehst du? Sexuell regt sich da nichts bei mir.“
Sie hatte mir ein Klassenfoto gezeigt. Da stand sie neben ihrem damaligen Freund. „Und sieh mal: Der Typ, der da hinter uns steht, das ist der Össi. Der stand immer in der NĂ€he und hat immer aufgepaßt und immer gewartet, daß ich mit meinem jeweiligen Freund Schluß mache, damit er dann drankommt.“
Und jetzt war dieser Össi eine Woche lang zu Besuch bei ihr. Der Einfachheit halber ĂŒbernachtete er auch bei ihr, und zwar zusammen mit ihr in ihrem Bett, „ohne daß etwas passiert“. Ich wußte ja, daß sie im Bett nichts anhat. Sie schlĂ€ft nackt. Ich fragte vorsichtig, ob sie, solange sie ihr Nachtlager mit dem teilt, dann doch einen Pyjama trĂ€gt oder sowas. „Nein. Du weißt doch: Ich schlafe immer nackt.“
Jetzt werde ich aber mal moralisch: zusammen in einem Bett, und dann auch noch nackt, „ohne daß etwas passiert“. DafĂŒr habe ich wenig VerstĂ€ndnis.
Und nun sollte ich Össi kennenlernen, in Christinas Dachwohnung auf der St.-Johann-Straße. Er war ein etwas dicklicher, linkischer Typ, der nicht so recht wußte, ob er mir die Hand geben und ob er mich mit „Sie“ anreden mußte. Er war mir schon deshalb unsympathisch, weil er bei der Bundeswehr den Grundwehrdienst abgeleistet hatte. Der war zu doof gewesen, sich davor zu drĂŒcken. Und wie kann man nur Össi heißen? Als er mich sah, dachte er bestimmt: „Also schon wieder einer! Na ja, dann warte ich den eben auch noch ab.“ WĂ€hrend dieser festklebende Reservist schweigend dabei saß, redete Christina ĂŒber unser Buchprojekt, und sie breitete wieder mit allen Details ihre sexuellen Phantasien vor mir aus, ĂŒber die er nicht mitzureden hatte. DafĂŒr durfte er, nachdem ich gegangen war, seine Göttin nackt sehen und neben ihr liegend sich MĂŒhe geben, BerĂŒhrungen zu vermeiden.
Als ich ging, wußte ich nicht, ĂŒber wen von den beiden ich mich mehr Ă€rgern sollte. Über sie, daß die das mit dem macht? Oder ĂŒber ihn, daß der das mit sich machen lĂ€ĂŸt? So ging ich zu Fuß von Hochfeld nach Neudorf, denn wenn man schlecht gelaunt ist, muß man zu Fuß gehen.
Als der Reservist endlich wieder weg war, spazierte ich mit Christina die Lotharstraße entlang.
„Also mit dem Össi wird das nichts“, sagte sie. „Das hab ich ihm auch diesmal wieder gesagt, daß das nichts mit uns gibt und daß sexuell nie was zwischen uns laufen wird. Der wĂŒrde ja gerne, und wartet, bis ich fĂŒr ihn frei bin. Aber ich will den nicht. Zum Beispiel: Der wĂŒrde mir nie den Hintern versohlen.“
„Weiß der denn ĂŒberhaupt, daß du auf Spanking stehst?“

Das hĂ€tte der Herr Össi NIE getan! Und Christina hĂ€tte man auch wohl kaum je mit High Heels gesehen.

Das hĂ€tte der Herr Össi NIE getan! Und Christina hĂ€tte man auch wohl kaum je mit High Heels gesehen.

„NatĂŒrlich weiß der das!“ rief sie entgeistert. „Das habe ich ihm selbstverstĂ€ndlich gesagt, daß ich darauf stehe und daß ich mich danach sehne und daß ich das brauche und daß ich das von einem Mann erwarte. Aber das kann der nicht. Der ist eben ein Schlappschwanz wie die meisten MĂ€nner. FĂŒr den bin ich doch eine Göttin. Der himmelt mich an. Aber das reicht mir nun mal nicht.“

An einem Abend rief sie mich an. Ich erkannte ihre Stimme kaum. Sie war verheult, ihre Stimme vor Verzweiflung verzerrt.
„Helmut, kann ich zu dir kommen? Ich weiß sonst nicht, was ich machen soll. Es ist Weiterlesen

Wechselstrom oder Die Liebe in den Zeiten des Telefons (2)

Unseretwegen hatte sie darauf verzichtet, nach ihrem ersten Semester sich in ihr mittelrheinisches Herkunftsgebiet zu begeben, sondern sie blieb in der Stadt, die sie nicht zuletzt mittels unserer Mitwirkung als ihre Heimat angenommen hatte. Ihr erster Besuch bei uns war ĂŒbrigens an Rosenmontag. Jeglicher karnevalistischen Anwandlung war sie ebenso abgeneigt wie wir, und so war dieser Tag, den wir in kontemplativer ZurĂŒckgezogenheit zu begehen pflegten, die ideale Gelegenheit gewesen, uns fern von der Außenwelt unserer Verschworenheit zu versichern.

Christina saß am liebsten bei uns in der KĂŒche

Christina saß am liebsten bei uns in der KĂŒche

Nun wurde ich allerdings von ihr zum Duell herausgefordert. Diese Sportkanone, die im Judo schon manchen Kerl aufs Kreuz gelegt hatte, wollte mir ihre Kraft demonstrieren und forderte mich zum ArmdrĂŒcken heraus. Was fĂŒr einen Quatsch man mitmacht, wenn man bezirzt wird! Wir brachen den Zweikampf ab, als es nach zehn Minuten noch keinem gelungen war, den Arm des anderen auch nur um einen Millimeter wegzuschieben. Ich bot ihr remis an.
Als sie sich verabschiedete, bat sie mich noch um einen Gefallen. Ich wĂŒrde mich doch bestimmt mit erotischer Literatur auskennen und hĂ€tte doch bestimmt „solche BĂŒcher“. Hatte ich.
„Ich hab jetzt ein paar Tage frei. Da will ich was Schönes lesen. Ein gutes Buch, aber eins, daß es bei mir kribbelt, verstehst du?“ Verstand ich.
„Kannst du mir was leihen?“ Konnte ich.
Ich zog ein paar BĂŒcher aus dem Regal, zum Beispiel Maud Sacquard de Belleroches „Memoiren einer Frau von vierzig Jahren“ (beide BĂ€nde), Jakobsens „Memoiren eines Apfelessers“ und noch ein paar Sachen.
Zwei Tage spĂ€ter am frĂŒhen Nachmittag kreuzte sie unerwartet bei mir auf, stĂŒrmte herein, warf ihre Tasche auf einen KĂŒchenstuhl und setze sich.
„Also, Helmut, du hast mir da vielleicht ein paar BĂŒcher gegeben! Die haben mich ja ganz schön in Erregung versetzt. Ganz toll! Ich hab den ganzen Tag gelesen, ich konnte das gar nicht mehr aus der Hand legen. Das war ein Genuß! Wie hast du das bloß aufgetrieben? Weißt du, was ich am besten fand? Da war so eine ganz lange Geschichte, da erzĂ€hlt einer, wie er als Student ein ganz junges MĂ€dchen kennenlernt und was der mit dem MĂ€dchen erlebt.“
„Ach, diese Geschichte. Ja, die kenne ich.“
„Kennst du? Das ist wirklich hervorragend geschrieben, das ist richtige Literatur. Aber zugleich auch – hmm. Das hat gewirkt. Du weißt, was ich meine. Die Geschichte habe ich immer wieder gelesen. Ich hab mir vorgestellt, ich wĂ€re das MĂ€dchen in der Geschichte, und der Mann wĂŒrde das alles mit mir machen.“
„Das hast du dir vorgestellt? Daß du das MĂ€dchen bist?“
„Jaja!“
„Und daß der Mann das alles mit dir macht?“
„Ja.“
„Das ist bemerkenswert.“
„Wieso?“
„Jetzt verrate ich dir ein schockierendes Geheimnis.“
„Sag!“
„Also, der Name des Verfassers ist ein Pseudonym.“
„Ist anzunehmen.“
„Diese Geschichte habe ich geschrieben.“
„Waaas? Die hast duuu geschrieben? Wirklich? Das ist ja – Ehrlich?“
„Ja.“
„Du? Das ist ja phantastisch! Mensch! Wenn ich das gewußt hĂ€tte! Ich gratuliere dir! Und das ist alles so passiert?“
„Die reine Wahrheit! Nichts erfunden!“
„Die GlĂŒckliche!“
Christina war nunmehr davon ĂŒberzeugt: „Du bist ein phantastischer Liebhaber.“
„Aber Christina! Sowas sagt man doch nicht einfach so ungeprĂŒft. Bevor man sowas sagt, muß man das doch erst mal in der Wirklichkeit erproben.“
Sie schĂŒttelte den Kopf. „Nicht nötig! Wer sowas schreiben kann, der ist ein phantastischer Liebhaber.“
(Es gibt Momente, da möchte man in einen Tisch beißen).
Sie sagte mir zum Abschied noch, die LektĂŒre erotischer Texte habe sie zu dem Entschluß gebracht, selbst solche Texte zu schreiben. Wir könnten uns ja dann unsere Geschichten am Telefon gegenseitig vorlesen. So geschah es dann auch. Sie rief mich an einem der nĂ€chsten Abende an. Sie rief frohgemut, sie habe jetzt ihre ersten zwei erotischen Geschichten geschrieben, und sie las sie mir vor. Bei der ersten handelte es sich um eine verschwĂ€rmte Huldigung an einen ihrer aus der Ferne bewunderten Kommilitonen, einen genĂŒĂŸlichen Lobpreis seiner vorteilhaften Erscheinung und eine Handlung, bei der heiße WĂŒnsche Vater des Gedankens waren. In der zweiten Geschichte berichtete sie, wie ein Teenager (also sie) den Liebhaber ihrer Mutter so lange triezt, bis ihm der Kragen platzt („Weißt du, was du verdienst?“). Den „Liebhaber“ hatte sie mit meinen WesenszĂŒgen ausgestattet und ihm auch meinen Namen gegeben. Dann aber wartete sie mit dem Entwurf eines Artikels auf, den sie fĂŒr den METZGER schreiben wollte, in dem sie sich kritisch mit dem Feminismus auseinanderzusetzten gedachte. Christina wetterte leidenschaftlich gegen Zickigkeit und PrĂŒderie der Emanzen und wies sie als Versuch, Frauen in ihrer Selbstbestimmung zu beschneiden, zurĂŒck. Daß durch einen Artikel im METZGER nicht sogleich das gesamte europĂ€ische Geistesleben von Grund auf umgekrempelt wird, darauf mußte ich sie vorsichtig aufmerksam machen.

UniCampusChristina rief mich an. Sie sei in der Uni gewesen und nun nach Hause gefahren. Aber ihre Tasche sei noch in der Mensa. Die solle ich ihr doch bitte nach Hause bringen.
Weil ihr die hundert Meter vom FahrradstĂ€nder zur Mensa zu weit waren, durfte ich ihr die Tasche von Neudorf nach Hochfeld nachtragen. Das habe ich auch getan. FĂŒr ein Dankeschön.
Ich hielt es daraufhin fĂŒr erforderlich, eine Fotografie von ihr anzufertigen. Sie stellte sich in Cat-Balou-Pose vor die Kamera, die ich auf dem Stativ in 50 Zentimeter Höhe aufgestellt hatte.
Mit dieser Fotografie sollte zum Ausdruck kommen, wie vollkommen ich von ihr beherrscht wurde.
Diese energisch in die HĂŒften gestemmten Arme! Dieser ĂŒber die Schulter geworfene herausforderne Iswas?-Blick!
Und dieser Arsch!

ChristinaLHOOQChristina sah das Foto und rief: „Bo! Was habe ich da fĂŒr einen dicken Arsch! Du hast mich aber auch so fotografiert, daß mein Hintern so richtig plastisch hervorgehoben wird! So richtig zum Draufhauen! Nicht schlecht eigentlich.“
„Ich wollte nicht nur zeigen, daß du mich beherrschst, sondern auch: wie.“
„Und was bedeutet ‚LHOOQ‘?“
„Das mußt du französisch aussprechen. Dann klingt es: ‚Elle a chaud au cul‘. Das heißt auf deutsch: Sie hat Weiterlesen

Willy Brandt hundert Jahre

„… An dieser Stelle, vor vier Jahren, eröffnete Willy Brandt den ersten gesamtdeutschen Bundestag. Ich habe zur Vorbereitung der meinen seine Rede vor kurzem noch einmal gelesen und mit Bedauern festgestellt, daß sich nicht alles von dem, was ihm vorschwebte, erfĂŒllt hat. Willy Brandt hat uns verlassen; doch wir stehen, meine ich, immer noch in seiner Pflicht…“
Stefan Heym als AltersprÀsident des Deutschen Bundestages am 10. November.1994.

Sicherlich wĂŒrde man Willy Brandt nicht gerecht, wenn man in ihm einen Schurken sĂ€he (was manche taten). FĂŒr das linke Lager in der Bundesrepublik war es seinerzeit geboten, Brandts Reformpolitik und Ostpolitik gegen seine Gegner, die rechts standen, in Schutz zu nehmen, ohne daran Illusionen zu knĂŒpfen. Was fĂŒr Willy Brandt spricht, ist am wenigsten das, was ihm „vorschwebte“. Brandts Ostpolitik war von der Einsicht geleitet, daß das Lager der sozialistischen Staaten zu sehr konsolidiert war, um ihm gegenĂŒber mit einer starren, aggressiven Stahlhelmpolitik etwas zu gewinnen. Er war und blieb ein Gegner der DDR, wußte aber einzuschĂ€tzen, daß eine Ostpolitik ohne gewisse Konzessionen nicht auskommen konnte. Er erkannte die Fesseln, die der Ostpolitik der BRD angelegt waren. Seine Politik konnte nur so lange nĂŒtzlich sein, solange es diese Fesseln gab, solange die DDR sich konsolidieren konnte. Brandts Politik konnte nur so lange vernĂŒnftig sein, solange er daran gehindert war, zu verwirklichen, was ihm vorschwebte. Man kann sagen: Willy Brandt war so lange eine positive Gestalt der Zeitgeschichte, solange er unter dem Zwang handelte, der durch die Existenz und StĂ€rke der DDR und der sozialistischen Staatengemeinschaft gegeben war. Als dieser Zwang entfiel, blieb von der Entspannungspolitik nichts mehr ĂŒbrig. Der Kalte Krieg wurde innenpolitisch fortgesetzt.

Aus DER METZGER 48 (1995), hier ĂŒberarbeitet. Der ganze Text, in dem es um den Kalten Krieg im Kulturleben der 90er Jahre geht, ist auch nachzulesen in „Streiten Sie nicht mit einem Deutschen, wenn Sie mĂŒde sind“.

kaffeemann
Noch ein Zitat ĂŒber Willy Brandt:
„Der Willy Brandt ist ein Versager. Aber als Versager ist der eine Kanone.“
Wolfgang Neuss

Die besten Geschenkideen haben wir

Reden wir nicht lange drumrum: Die besten Geschenkideen haben wir.
BahnhofCoverSpinatCD-HLLĂŒtfiyeTristOle
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hl-cd-heinecover-fluecht1Kommen Sie doch mal gucken und achten Sie auf unsere Eigenproduktionen.
Oder gucken Sie ins Netz. Wir empfangen ODER wir beliefern Sie gern.
Wir haben auch so schöne Neujahrs-Postkarten selbst gemacht.
Ist es in diesem I-Mehl-Zeitalter nicht ein fast schon vergessenes GefĂŒhl, eine richtige Postkarte aus dem Hausbriefkasten zu nehmen?
Zum Beispiel:
Postkarten (und auch Kunstdrucke) nach Aquarellen von Magda Gorny
pk54-gorny-sonne
Postkarten aus dem WeltbĂŒhne-Universum:
pk64-kater
Heimat-Postkarten von Hafenstaedter (Duisburg zer- und gefÀllt):
pk73-hafen-blumensprayer-2
FĂŒr das schaurig-schöne WohlgefĂŒhl der Moraltanten jedes Alters und Geschlechts haben wir auch was Schönes:
pk66-stefanie
Die ganze Postkartenherrlichkeit finden Sie hier.

Der vor anderthalb Jahren schier aussichtslos scheinende Überlebenskampf der Buchhandlung WeltbĂŒhne scheint heute gar nicht mehr so aussichtslos. DENN: Wir haben uns angestrengt. UND: Einige haben sich darauf besonnen, daß sie dem Unverdruß auf der Gneisenaustraße etwas Aufmerksamkeit und Liebe schulden. Wenn das so weitergeht, ĂŒberleben wir. (Aber nur, wenn das so weitergeht).

M102CoverHaben Sie schon mal daran gedacht, ein METZGER-Abonnment zu verschenken? Das kostet 30 Euro (fĂŒr die nĂ€chsten 10 Hefte) oder 50 Euro (fĂŒr alle zukĂŒnftigen Hefte).
Schenken Sie Ihrem Freund ein ewiges METZGER-Abonnement. Wenn er Sie verlĂ€ĂŸt, wird er Sie trotzdem nie ganz los.
Beziehungsweise:
Schenken Sie Ihrer Freundin ein ewiges METZGER-Abonnement. Wenn sie Sie verlĂ€ĂŸt, wird sie Sie trotzdem nie ganz los. (So ging es mir ja auch mit meinen Freundinnen).

Wir mĂŒssen die Feste feiern, wie sie uns gefallen.

(Bitte den Link auf diese Seite als Rundmail verschicken).

1. Dezember Geburtstag: 45 Jahre DER METZGER

Am 1. Dezember 1968 (Sonntag) wurde die erste Ausgabe von DER METZGER hergestellt (und somit ist das auch der Geburtstag der Situationspresse).
Ich weiß nicht mehr, wann ich mich entschlossen hatte, diese Zeitschrift zu grĂŒnden. Es war vielleicht gerade mal eine Woche vorher gewesen. (FrĂŒher, als wir noch Latein in der Schule hatten, nannte man sowas: Ad-hoc-Entscheidung). Ich zweifelte allerdings nicht daran, daß ich mit 64 Jahren immer noch mit der Herausgabe dieser Zeitschrift beschĂ€ftigt sein werde. (FrĂŒher nannte man sowas: Lebenswerk).
Die erste Ausgabe umfaßte 12 Seiten und enthielt eine Kurzgeschichte, einige Gedichte (auch welche von mir, oh je oh je!) und ein paar Buchhinweise. Die 12 Wachsmatrizen hatte ich am Samstagabend in einem Schwung auf meiner Reiseschreibmaschine getippt und die Überschriften und die eine Strichzeichnung mit einem Spezialstift in die Wachsmatrizen geritzt.
M01CoverIch begab mich am Sonntagnachmittag zu Fuß nach Hochfeld zu Siegfried Baumeister (hab ich den schon mal hier erwĂ€hnt?). Der hatte eine Vorkriegs-Hektografiermaschine mit Kurbelbetrieb. Da war ein MĂ€dchen zu Besuch, eine dunkelhaarige Schönheit, die mir schon öfters bei Demonstrationen und Apo-AktivitĂ€ten aufgefallen war und die ich unbedingt mal kennenlernen wollte. Und die half mir fleißig, die BlĂ€tter zu sortieren und zusammenzuheften, damit die Hefte am Montag Vormittag auwm Schullow verkauft werden konnten (Preis: 40 Fennich).
Das war der Anfang einer intensiven, lang(wierig)en, mehrmals von vorn beginnenden, höhepunktreichen und unbeschreiblich lustvollen Liebesbeziehung. Es lohnt sich also, Zeitschriften zu grĂŒnden.
AnneHalf2AnneHalf4AnneHalf3

Alle half

Anne half

Mehr ĂŒber die abenteuerliche Geschichte dieser verdienstvollen Zeitschrift kann man nachlesen in dem GesprĂ€ch anlĂ€ĂŸlich der hundertsten Ausgabe 2012 auf Gasolin-Connection.

Vor der Wahl ist nach der Wahl (2003)

In ein paar Tagen wird der Bundestag gewĂ€hlt. Diesem Ereignis gingen frĂŒhere Wahlen voraus, und die Parteien, die um Aufmerksamkeit werben, geben uns nicht erst in diesen Tagen zu denken. Um die bevorstehende Wahl in die Zeitgeschichte einzuordnen, werden an dieser Stelle einige Kommentare zu Parteien und frĂŒheren Wahlen in loser Folge dokumentiert, heute ein Kommentar aus dem Jahre 2003 (aus DER METZGER 66):

Es hat gewÀhlt: Der Untertan

In Deutschland wird das Parlament in geheimer Wahl gewĂ€hlt. Aber die Leute wĂ€hlen, als wĂŒrde ihnen dabei jemand ĂŒber die Schulter schauen. In einer Demokratie, deren auffĂ€lligstes Merkmal ein eklatanter Mangel an demokratischem Bewußtsein ist, sind Wahlen eine Veranstaltung zur BestĂ€tigung der MĂ€chtigen: Ja, wir sind einverstanden. Eigentlich hĂ€tte die EinfĂŒhrung des allgemeinen Wahlrechts die Abschaffung des Untertanen bedeuten mĂŒssen. Das ist nicht eingetreten, und darum gewinnt die CDU. Die CDU paßt zur Demokratie wie Straßenteer in ein Rezept fĂŒr Pudding. Der Erfolg dieser Partei der Engherzigkeit, der Engstirnigkeit kommt daher, daß der WĂ€hler, der SouverĂ€n, ein Untertan geblieben ist. Teer im Pudding ist wie ein Untertan in der Wahlkabine.
Man soll nicht verallgemeinern. Nicht jeder wĂ€hlt CDU. Nicht jeder ist vom Charakter her ein Untertan. Und nicht jeder, der von Politik nichts versteht und dem infolgedessen falsche Entscheidungen unterlaufen, muß deshalb ein doofer Mensch sein. Bei gutem Wetter oder nach einem guten Essen könnte man vielleicht sogar sagen: Die Menschen sind nicht wirklich so schlecht, wie das, was sie tun, wenn sie einem Stimmzettel ausfĂŒllen. Oder doch?
Manche wĂ€hlen die SPD. Wer SPD wĂ€hlt, ist, tendenziell, ein bißchen moderner und aufgeklĂ€rter als jemand, der CDU wĂ€hlt. Darum verliert die SPD meistens. Überzeugte Sozialdemokraten gibt es nur wenige. Die meisten, die SPD wĂ€hlen, halten sie fĂŒr das „kleinere Übel“. Sie wĂ€hlen die SPD, weil sie die CDU nicht wollen. Das sind auch nicht viele.
Trotzdem hat die SPD die Bundestagswahl gewonnen, und zwar zum zweiten Mal hintereinander. Was war los?
Der Untertan ist ein sehr komplizierter Charakter. Seine Entscheidungen folgen nicht den Gesetzen der Logik und der Einsicht. Man kann sich noch nicht einmal darauf verlassen, daß das Marmeladenbrot, das auf die Erde fĂ€llt, auf der Marmeladenseite landet. Darum ist jetzt Schröder Bundeskanzler und nicht Stoiber. Aber eigentlich ist die CDU doch die Staatspartei, sie ist die eigentliche Obrigkeit, und der SPD haftet immer noch der Umsturz an. Es fĂ€llt schwer, es zu glauben, aber es ist so. Vielleicht liegt es daran, daß Sozialdemokraten sonntags lĂ€nger schlafen.
Manche Untertanen haben einen kleinen AttentĂ€ter im Ohr. Darum haben viele Untertanen diesmal SPD gewĂ€hlt, obwohl sie sich eigentlich verpflichtet fĂŒhlen, CDU zu wĂ€hlen. Die sind am 22. September nach Hause gegangen und haben sich gesagt: „Bo! Jetzt haben wir uns aber was getraut!“
Aber dann meldet sich das Gewissen (sonst zustĂ€ndig dafĂŒr, daß die HandtĂŒcher nicht kratzen). Was haben wir getan! SPD! Die Opposition regieren lassen! Wenn er es einmal tut, verzeiht der Untertan es sich nochmal. Aber zweimal! Dann kommt so eine Stimmung auf wie Weiterlesen

DER METZGER 107

Soeben erschienen ist die Ausgabe Nr. 107 des satirischen Magazins DER METZGER
Metzger107-CoverDas steht drin:

Ulrich Sander: Gedanken zur GedenkstĂ€ttenpolitik in NRW. „Der Kapitalismus muss nicht zum Faschismus fĂŒhren, aber bei uns ist es geschehen. Und es kann wieder geschehen.“

„Ein gesellschaftliches Gesamtproblem“ „Die Ereignisse erinnern fatal an die rassistische Pogromstimmung von Anfang der 1990er Jahre.“ PresseerklĂ€rung des Duisburger Instituts fĂŒr Sprach- und Sozialforschung (DISS) zur Zuspitzung des Antiziganismus in Duisburg.

Helmut Loeven: Steinbart-Schote zu Duisburg 2013. Als Abschiedsgeschenk an die Abiturientinnen und Abiturienten verteilte das Steinbart-Gymnasium eine „Festschrift“ aus dem Jahre 1956, in der der Sieg der Alliierten ĂŒber Hitler bedauert wird und der WiderstandskĂ€mpfer Harro Schulze-Boysen als „LandesverrĂ€ter“ diffamiert wird.

Lina Ganowski: La Notte – Themen der Nacht. Diesmal: Frauen im besten Karrierealter. Das „Projekt ICH“ scheitert am Ego. Der Markt fĂŒr die Selbstvermarkter. Und: Der Versuch, die SexualitĂ€t zu entkriminalisieren, wird kriminaklisiert.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal: Heldengedenken (Es gibt keine Helden im Krieg); Ein Besuch bei Hanns Dieter HĂŒsch (1969); Deutsche als AuslĂ€nder; Kopf & Kragen oder Grass mit ss; „Der Wurzel auf den Grund gehen“: Die „richtige Denkweise“ schĂŒtzt vor Torheit nicht – die MĂŒllPD kennt sich in ihrer Geschichte nicht so richtig aus; Die FĂŒĂŸe der Gans oder Koch doch selber Kaffee (Wie Erika die Frau Schwarzer Ă€rgerte); komische HĂ€user; komische Schilder.

Carl Korte: Reporterrausch. Mottes Reporter-Kolumne. Diesmal: Baby-Buuuh.

Konrad Knurrhahn: Briefe an Arthur (12). Wie gut, daß sich in der Zeit der sauren Gurken immer ein mediales Aufregerthema findet. Und schnell wird aus dem Land der meteorologischen Paralyse ein Land der geistigen Paranoia.

Allen Ginsberg: Ruhr-Gebiet. Nachdichtung von Marvin Chlada. Zu viel alter Mord, zu viel weiße Folter, Ein Stammheim zu viel, Zu viele zufriedene Nazis.

Deutsche Bondesstöftung Omwelt. Katrin Bauerfeind: „SpĂ€ter vermisse ich eine Dose. Fisch beeindrucken Industrie da auch Industrie.“

Das Heft kostet 3 Euro. Es ist in der Buchhandlung WeltbĂŒhne erhĂ€ltlich (auch im Versand. Es wird sofort geliefert).
Wer schlau ist, hat abonniert und kriegt das Heft in den nÀchsten Tagen zugeschickt.
Ein Abonnement von DER METZGER kostet 30 Euro fĂŒr die nĂ€chsten 10 Ausgaben oder 50 Euro fĂŒr alle zukĂŒnftigen Ausgaben.
Die Ausgaben ab Nr. 18 (1972) sind noch erhÀltlich (komplett im Sammelpaket oder einzeln). Die Ausgaben Nr. 1-17 (1968-1972) sind vergriffen.

Der Erdenwunder schönstes?

Die KrokodilstrĂ€nentage werden ĂŒber das Jahr verteilt: 17. Juni, 13. August, 3. Oktober, 9. November (die letzteren beiden fĂŒr die KrokodilsfreudentrĂ€nen).
Hier mein Kommentar zum morgigen 13. August (geschrieben 2011, zum 50jÀhrigen).

Wer kann die Pyramiden ĂŒberstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken TĂŒrmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.
Peter Hacks

Am 6. Oktober 1961 war in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen: „Noch in ihrem bisher krĂ€ftigsten Unternehmen haben diese Schriftsteller nachdrĂŒcklich bewiesen, daß fĂŒr viele von ihnen die BeschĂ€ftigung mit dem Zustand unserer Republik nichts anderes ist als der Drang, um sich zu schlagen und den Krieg ZustĂ€nden zu erklĂ€ren, die sie selber so dĂ€monisieren, daß man sich fragt, was fĂŒr Vorteile diese Republik gegenĂŒber der Ulbrichts noch habe. Wir sehen bei ihnen unsere Republik nicht mit den Augen der Kritik, sondern mit denen des Hasses betrachtet.“
Was war das bis dahin krĂ€ftigste Unternehmen dieser Schriftsteller gewesen, wodurch hatten sie sich das Attest eingehandelt, „unsere Republik“ mit den Augen des Hasses zu betrachten?
Zwanzig Autoren hatten in einem gemeinsamen Aufruf den BĂŒrgern der Bundesrepublik empfohlen, bei der Bundestagswahl am 17. September 1961 ihre Stimme fĂŒr die SPD abzugeben. Das war ein krĂ€ftiges Unternehmen. Ein starkes StĂŒck! Sie konnten sich einen besseren „Zustand unserer Republik“ vorstellen als daß Adenauer Bundeskanzler bleibt. Ein Jahrzehnt nach der EinfĂŒhrung der zweiten bĂŒrgerlich-demokratischen Verfassung hatte diese Demokratie gerade das Niveau erreicht, daß die Aufforderung, eine nicht regierende Partei zu wĂ€hlen, als Symptom des Hasses auf „unsere Republik“ gewertet wurde.
TatsĂ€chlich ist dieser Kommentar der FAZ ein Symptom dafĂŒr, daß die Bundesrepublik sich in keinem normalen Zustand befand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche ZustĂ€nde jemals das PrĂ€dikat der NormalitĂ€t verdient haben. Deutschland hat das Niveau einer normalen bĂŒrgerlich-liberalen Demokratie westlichen Zuschnitts nie erreicht. Stattdessen waren immer Gesellschaftskonzepte mehrheitsfĂ€hig, die gegen Freiheit und Gleichheit gerichtet waren.

M094Die AbnormalitĂ€t war besonders gesteigert in dem Jahr, in dem die Berliner Mauer gebaut wurde. Wer sich erinnert, der weiß noch, daß der 13. August nicht in eine stille Beschaulichkeit hineinplatzte. Es herrschte eine erhitzte, eine ĂŒberhitzte Stimmung im Westen. Es war eine Saison der Brandreden. Die von „Wiedervereinigung“ sprachen, vom „unteilbaren Deutschland“ und von den BrĂŒdernundschwestern, waren von dem Empfinden angetrieben, die Entscheidungsschlacht um die DDR wĂ€re nun im Gange, die DDR wĂ€re sturmreif, es wĂ€re eine Sache von Wochen, bis die DDR der Bundesrepublik als Beute in die HĂ€nde fiele. Die Brandredner wollten mehr. Sie wollten die „Ostgebiete“ zurĂŒck, sie wollten die Grenzen verschieben. Sie wollten Vertreibung. Sie wollten das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges revidieren. Sie wollten Atomwaffen fĂŒr die Bundeswehr. Sie hatten keine Skrupel, die Flammen, die von deutschen Kriegsverbrechern angezĂŒndet worden waren und in denen das Deutsche Reich verbrannt war, wieder auflodern zu lassen. Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug gar vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-BĂŒrger: „Was ist denn mit eurer Politik der StĂ€rke? Warum habt ihr denn aufgerĂŒstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.“ Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.
Wer sich erinnert, wird nicht ruhigen GemĂŒtes von der Hand weisen können, daß im Sommer 1961 der Frieden in Europa in Gefahr war.
Auch daran ist zu erinnern: Nach dem 13. August prangerte die Bildzeitung in Riesenlettern „den Westen“ an: de Gaulle und MacMillan hatten am 13. August keinen Anlaß gesehen, ihren Sommerurlaub zu unterbrechen. Kennedy schickte seinen VizeprĂ€sidenten Johnson, der auch nicht viel mehr von sich gab als Worte der Betroffenheit. Die Amerikaner ließen Panzer durch Berlin rollen, aber die stoppten vor der (nunmehr befestigten) Grenze zum sowjetischen Sektor.
Das hĂ€tte man mitkriegen können: Die USA hatten der Sowjetunion signalisiert, sie wĂŒrden stillhalten, wenn Westberlin vom sowjetischen Sektor abgeriegelt wĂŒrde. Der US-Außenpolitiker Senator Fulbright hatte in einem Interview Moskau geradezu gedrĂ€ngt, die gefĂ€hrliche Lage in Berlin doch endlich zu beenden. Er könne es gar nicht verstehen, daß Moskau da nicht einen Riegel vorschiebt. Ja, es stimmt, wenn gesagt wird: An der Berliner Mauer hat der Westen mitgebaut.
Zwar hat der Westen, wie sich erwiesen hat, Weiterlesen

DemnĂ€chst in der WeltbĂŒhne: „Vom Obersalzberg bis zum NSU“

Ich empfehle:
Anton Maegerle: Vom Obersalzberg bis zum NSU. Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988 – 2013. NS-Verherrlichung, rassistische Morde an Migranten, Antisemitismus und Holocaustleugnung. Edition Critic 2013. 412 Seiten. 20 Euro. Erscheint am 14. August.
maegerle_front_600rgbmaegerle_back_600rgbAnton Maegerle, von METZGER-Lesern geschĂ€tzter kenntnisreicher Autor, stellt den aufsehenerregenden NSU-Prozeß in die ZusammenhĂ€nge.
Das Buch soll in knapp zwei Wochen vorliegen. Um Vorbestellung wird gebeten.
Bestellen Sie dieses Buch in der (Versand-)Buchhandlung WeltbĂŒhne, denn die Buchhandlung WeltbĂŒhne will & muß ĂŒberleben. Lassen Sie sich nicht einreden, daß man das genauso gut woanders bestellen kann. Das kann man zwar auch woanders bestellen, aber nicht genauso gut.

Vor der Wahl ist nach der Wahl (2008)

In ein paar Wochen wird der Bundestag gewĂ€hlt. Diesem Ereignis gingen frĂŒhere Wahlen voraus, und die Parteien, die um Aufmerksamkeit werben, geben uns nicht erst in diesen Tagen zu denken. Um die bevorstehende Wahl in die Zeitgeschichte einzuordnen, werden an dieser Stelle einige Kommentare zu Parteien und frĂŒheren Wahlen in loser Folge dokumentiert, heute ein Kommentar aus dem Jahre 2008:

Hier können Familien Kaffee kochen
Da gibt es einen, der wurde mit allen Karnevalsorden behĂ€ngt, die die SPD zu vergeben hat, mit seinem Gesicht auf Wahlplakaten abgebildet, auf Parteitagen bebeifallt und bejubelt, zum MinisterprĂ€sidenten und zum Bundesminister gemacht – und dann sowas!
Wolfgang Clement hatte, bevor in Hessen der Landtag gewĂ€hlt wurde, erklĂ€rt, er wĂŒrde dort seine Partei, die SPD, nicht wĂ€hlen. Dies als Aufforderung an die Hessischen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler, auch das nicht zu tun was er an ihrer Stelle nicht tĂ€te, aufzufassen, ist keine Fehlinterpretation. Da geht einer hin, der mal stellvertretender Parteivorsitzender war, und sagt den Leuten: WĂ€hlt nicht SPD. Das wĂ€re innerhalb dieser Partei eigentlich kein Grund, darauf zu reagieren. Die sind so. Aber die SPD ist eine Partei. Sie existiert also nicht um ihrer selbst willen, sondern als ein Produkt, das öffentlich prĂ€sentiert wird. Immerhin, das weiß sie noch, jedenfalls noch ein paar von ihren verbliebenen Mitgliedern. Und so geschah etwas zum Entsetzen der Parteioberen: Es wurde ein Parteiordnungsverfahren eröffnet mit dem Ziel, diesen komischen Vogel aus der Partei auszuschließen.
Das wĂ€re ein ganz folgerichtiger Vorgang, wenn die SPD nicht die SPD wĂ€re. WĂ€re die SPD ein Kaufhaus, dann bekĂ€me ein Mitarbeiter, der den Leuten sagt „Kauft nichts bei uns“, eine Gehaltserhöhung, vorausgesetzt, daß er Direktor ist oder sowas. In der SPD hat man nĂ€mlich alles richtig zu finden, was von oben kommt.
Da sollte man doch die Gelegenheit nutzen, den loszuwerden, der den Niedergang dieser Partei eifrig vorangetrieben hatte, der sich bei jeder Gelegenheit als inkompetenter Quatschredner ins Spiel bringt, der sich vor allen Leuten immer wieder als arroganter Pinsel, als unerzogener RĂŒpel auffĂŒhrt. Da sollte man doch die Gelegenheit nutzen, das ramponierte Image ein bißchen aufzubessern, indem man den Eindruck erweckt, die SPD hĂ€tte wenigstens noch so viel Schneid, so einen hochkantig rauszuwerfen. Aber bei der SPD klappt sowas nicht, weil die SPD die SPD ist.
Um die SPD zu verstehen, reichen die Kategorien der Politologie nicht aus. Man muß die Psychologie und die Chaosforschung hinzuziehen. Er hat es nach oben geschafft, also gilt er, der sich an die Industrielobby verkauft hat, als unabhĂ€ngig, also gilt er, aus dessen Mund nur dummes Zeug kommt, als Querdenker.
Es wĂ€re ja auch komisch, wenn der Clement aus der SPD fliegen wĂŒrde. Das wĂ€re ein Novum. Seit langem ist es in der SPD ĂŒblich, solche Mitglieder als Störenfriede zu erkennen, die sich auf das Programm und auf die ParteitagsbeschlĂŒsse berufen. Unter Schmidt wurde das auf die Spitze getrieben. Wer da etwa auf ParteitagsbeschlĂŒsse hinwies, den traf der Bannfluch des allerhabenen, unfehlbaren Bundeskanzlers. (Eigentlich mĂŒĂŸte der Bundeswahlleiter mal untersuchen, ob die SPD eigentlich noch als Partei bezeichnet werden kann). Soll der Clement doch in der SPD bleiben. Das schadet ihr zwar, aber das Gegenteil schadet ihr nicht weniger. „WĂ€hlt nicht SPD“ – das ist in Worte gefaßt das, was die SPD ohnehin tut, es ist das Motto ihres Handelns.
Der Beck mußte abtreten, weil er „keine gute Figur machte“. Ach! War dieser ungelenke Provinzialist nicht gerade noch als jovialer, bodenstĂ€ndiger Volks-Typ ins Rennen geschickt worden? Die SPD traut sich nicht, wahrzunehmen, daß nicht ein ungeeigneter Vorsitzender, sondern sie selbst fĂŒr ihr ungĂŒnstiges Image ursĂ€chlich ist. Die SPD verschleißt einen Vorsitzenden nach dem anderen, was zwar gar nicht gut ankommt. Aber bei jedem FĂŒhrungswechsel glaubt sie, ihr sei ein Befreiungsschlag gelungen. Mittlerweile geht das in einem Tempo vonstatten, daß abgetretene Vorsitzende zwecks Zweitverwertung antreten mĂŒssen. Der neuen Lichtgestalt, dem Steinmeier, diesem Weltmann, wird es nicht anders ergehen als dem Beck. Ich wette, daß noch vor der nĂ€chsten Bundestagswahl in der SPD gegrĂŒbelt wird, wie sie ihren Spitzenkandidaten, diesen volksfernen Notar-Typen schnell wieder loswird.
Als der Beck abgesĂ€gt wurde und die neue Spitze mit MĂŒntefering und Steinmeier als StrahlemĂ€nner vor die Kameras treten sollten, da war das der Tag der langen Gesicher.
Die SPD ist ein Apparat, der dermaßen kaputt ist, daß man mit einer Reparatur nur noch grĂ¶ĂŸeren Schaden anrichtet.
Der grĂ¶ĂŸte Dachschaden der SPD Weiterlesen

Vor der Wahl ist nach der Wahl (2004)

In ein paar Wochen wird der Bundestag gewĂ€hlt. Diesem Ereignis gingen frĂŒhere Wahlen voraus, und die Parteien, die um Aufmerksamkeit werben, geben uns nicht erst in diesen Tagen zu denken. Um die bevorstehende Wahl in die Zeitgeschichte einzuordnen, werden an dieser Stelle einige Kommentare zu Parteien und frĂŒheren Wahlen in loser Folge dokumentiert, Heute ein Kommentar aus dem Jahre 2004:

WÀhlt uns, ihr Knallköppe!
Die großen Politiker sind nicht so dumm fĂŒr wie sie gehalten werden. Horst Köhler, BundesprĂ€sident, sagte (in Formulierungswatte verpackt nichts anderes als): die Ossis sollen mal endlich die Klappe halten und sich ihre Illusion, sie könnten an den westlichen Wohlstand Anschluß finden, abschminken. (Denn schließlich wird der westliche Wohlstand gerade wegreformiert). Schröder, Bundeskanzler, erzĂ€hlt ein paar Stunden vor der nĂ€chsten Landtagswahl, die Habgier der kleinen Leute gehe ihm auf den Wecker. SinngemĂ€ĂŸ: Beanspruchung staatlicher Leistungen sei doch sowieso nichts anderes als Mißbrauch derselben. Er hĂ€tte auch gleich sagen können: Ihr WĂ€hler seid alle Arschlöcher.
Ungeschickt? Keineswegs! Wer freundlich zu dem Volk, dem deutschen, redet, gilt gleich als „Populist“. Die ruppige Masche kommt gut an. In der grummeligen Stimmung im Lande ist der salbungsvoll redende Politiker abgemeldet. Das Volk will keine schönen Versprechungen hören, sondern Machtworte. Von Schröders Zorn gegen die Sozialklimbimbeansprucher fĂŒhlt sich keiner selbst angesprochen. Gemeint sind ja immer die „anderen“, denen man gern selbst mal bescheidstoßen wĂŒrde.
Der Begriff „Ein-Euro-Job“ klingt nicht gerade wie ein toller Markenname. Aber gerade darum wird er verwendet. Das Ding ist fies und wird euch jetzt vor die Nase gesetzt, und wem das nicht paßt, der ist ein Störenfried.
Was wollt ihr denn? Seid doch froh, wenn ihr fĂŒr einen Euro pro Stunde euch etwas zum Arbeitslosengeld 2 dazuverdienen könnt. – Wer da nicht mitmacht, kriegt die StĂŒtze nicht gekĂŒrzt, sondern gestrichen. Das steht im Kleingedruckten.
Die StĂ€dte und Gemeinden sind froh. Laubzusammenfegen im Park erledigen die Arbeitslosen fĂŒr einen Euro pro Stunde. Die stĂ€dtischen Bediensteten, die diese Arbeit bisher verrichteten, können entlassen werden. Wozu braucht man sie noch, wenn man auf die Zwangsarbeiter zurĂŒckgreifen kann. Sagte ich Zwangsarbeiter? Aber sicher doch: Zwangsarbeiter!
Und die Entlassenen? Die sind dann arbeitslos und kriegen einen Ein-Euro-Job. Die Arbeit, die sie vorher zum Tariflohn getan haben, tun sie dann fĂŒr einen Euro pro Stunde. Und damit ist alles, wie es sein soll.
Denn wisse: Hartz-vier-Agenda-2010 sind nicht dazu da, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, sondern auszunutzen.

Aus: DER METZGER 71