Neu in der Weltbühne: Jack Black

Meine heutige Empfehlung:
Jack Black – Im Knast und auf der Flucht. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Axel Monte und Jerk Götterwind, Illustrationen von Horst Kirstein. TRIKONT Verlag Edition Dialog, Duisburg 2016. 156 Seiten. 15 Euro.

jackblacktrikont
Der Verlag stellt sein Buch vor:
Jack Black (1871-1933) war ein amerikanischer Eisenbahntramp und berüchtigter Einbrecher, der durch seine autobiographischen Schriften zu Berühmtheit gelangte. Der belesene und eloquente Black war ein literarischer Glücksfall, weil er dem Leben im kriminellen Milieu authentisch Ausdruck zu geben vermochte. So wurde er zu einem Pionier und Vorläufer des True-Crime- und Hard-Boiled-Genres.
Nachdem die anfängliche Hobo- und Ganovenromantik des Jugendlichen verflogen ist, versucht Black dem immer brutaler werdenden Teufelskreis aus Knast, Ausbrüchen und Flucht zu entkommen. Mit Hilfe des Philanthropen Fremont Older kommt er schließlich frei. Diese Zeit zwischen Verzweiflung und Hoffnung schildert er eindringlich in „Im Knast und auf der Flucht“.
Da er selbst die unmenschlichen Haftbedingungen in Folsom und anderen Gefängnissen erlebt hat, engagiert er sich in Vorträgen und Essays für Reformen im Strafvollzug. Im Jahr 1933 verschwindet Jack Black, der unter gesundheitlichen und finanziellen Problemen litt, spurlos aus seiner Wohnung in New York. Es wird vermutet, daß er Selbstmord begangen hat.

Jack Black

Jack Black

Siehe auch: „Ehrenwerte Langfinger“ von Marvin Chlada in DER METZGER 98 (2011).

Bitte bestellen Sie das Buch aus einem der progressivsten Verlage, und zwar nicht am Amazonas, sondern in einer der progressivsten Buchhandlungen: Weltbühne Duisburg, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg (Neudorf). Telefon 0203-375121.
E-mail: bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de
www.buchhandlung-weltbuehne.de
WELTBUEHNE MUSZ BLEIBEN !

Rechtsterrorismus vor der eigenen Haustür?

Freitag (25.11., 19 Uhr): Veranstaltung im Syntopia:

Rechtsterrorismus vor der eigenen Haustür? Der Fall „Legion47“.
November 2016, der Terror von rechts scheint mehr denn je präsent zu sein:
Vor genau fünf Jahren war die Selbstenttarnung des NSU, seit 2015 gab es einen rasanten Anstieg von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, allein in den ersten 9 Monaten dieses Jahres gab
es nach Auskunft der Bundesregierung mindestens 12 versuchte Tötungsdelikte, im September 2016 explodierte eine Bombe vor der Wohnung eines Imams in Dresden, in München stehen Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppierung „Oldschool Society“ vor Gericht, die Anschläge u.a. in Bochum geplant haben sollen.
Doch in Duisburg gibt es so etwas nicht! Diesen Einschätzung vermitteln jedenfalls die Kriminalinspektion Staatsschutz der Duisburger Polizei und die lokalen Medien.
Ende 2012 bis August 2014 agierte die NPD-nahe Kameradschaft „Legion 47“ im Duisburger Süden. Ihre Mitglieder verfügten über scharfe Waffen und Munition und über Sprengstoff. Drei der Anführer standen 2015 vor Gericht. Ihnen wurden Brandanschläge, Körperverletzungen und zahlreiche
Einbrüche nachgewiesen. Doch die politische Dimension des Falles wurde weitgehend ausgeblendet. Staatsanwälte, Verteidigung und Gericht waren sich einig: Das Trio sei lediglich eine nicht politisch motivierte Diebesbande.
Der Vortrag wird die Taten der „Legion 47“ und den Prozess beleuchten. Anschließend möchten wir mit euch diskutieren, wie wir als Antifaschisten mit solchen Fällen umgehen können.

Zum Thema siehe auch: DER METZGER Nr. 117.

syntopiavoninnenStadtteil- und Projektladen in Duisburg-Hochfeld
Syntopia / Mustermensch e.V.
Gerokstr. 2
47053 Duisburg
Haltestelle: Pauluskirche

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 120.
m120
Und das steht drin:

Trump und Erdogan. (Nur) ein Witz für Doofe?

Ulrich Sander: Degussa vergoldet wieder die ganz Rechten. Während die NSDAP als Kriegstreiber für die Schwerindustrie willkommen war, so ist die AfD für bestimmte Kapitalkreise heute als „Angstmacher“ interessant.

Jakop Heinn: Das wäre doch nicht nötig gewesen. Der Nahost-Konflikt findet zwei mal statt: an seinem Schauplatz als Tragödie, und im Paralleluniversum der Deutschlinken als Farce. Der neueste Klops: Konkret druckt eine Rede von Netanjahu, eingeleitet mit einem kindischen Vorwort. Realitätsverlust.

„Reichsbürger“ nicht mehr zum Lachen.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal u.a.: Bob Dylan und die Stasi (und der Biermann guckt wieder in die Röhre); Je keiner die Ahnung desto rümpfer die Nase; „Nein, nein, das ist nicht der Feminismus“ – Und was stattdessen?; Mao: tse-tung oder Zedong?; Realitätsverlust: Eine Feministin redet über Verschleierung als Männerphantasie. (und ein Verbot kommt selten allein).

Detlef Stamm: Ein Essener in Duisburg. Eine sehr genaue Beobachtung.

Weltnachrichten: Die Breite ist tiefer geworden (Muckefuck).

Anna Driba: So lebendig baumelt man in der Schlinge. Der Seidenspinner ist auch nur ein Mensch.

Les pères de la libelle. Darin: Lothar Röse über den Kapitalismus-Astrologen Paul Mason.

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: „Ich bin zu gar nichts zu gebrauchen“ und Facebook ist prüde, ergo dumm.

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 119.
m119
Und das steht drin:

Jakop Heinn: Topas für das Trumpeltier. Gewiß wäre die Übergabe der US-Präsidentschaft von Obama zu Hillary Clinton ein Rückschritt. Aber daß aus Reihen der deutschen Linken Sympathie für den rechtspopulistischen Demagogen Donald Trump zu hören ist – das muß doch nun wirklich nicht sein!

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Diesmal u.a.: Am FKK-Strand ganz köstlich amüsiert – über fidelen Entrüstungstourismus; Verschleierungszwang oder Verschleierungsverbot oder Wieviel Differenz ist noch erträglich; Matriarchat als Märchenstunde; Die Idioten sind unter uns.

Les pères de la libelle. Darin: Axel Monte über Marvin Chlada; Eine Wiederentdeclung wert: Ronald D. Laing.

Konrad Knurrhahn: Tropfen. Ein Gedanke.

Yasmeenas Choice. Die Eroberung der eigenen Lüste.

God only knows. Bilder eines Entstehens (hat nichts mit Religion zu tun).

Lina Ganowski: La Notte. Zwei Betrachtungen über Kinder, die der Macht zum Opfer fallen.

Dokument: Bürgerliche Gesellschaft, Krieg und die Niederlage der Arbeiterbewegung. Von Rosa Luxemburg (1916).

Herbert Laschet-Toussaint: Keun am Rhing. An die „unordentliche“ Irmgard Keun sollte man sich erinnern!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Erdenwunder

Heute, am 13. August, wurden in Berlin wieder Kränze niedergelegt und lange Gesichter gezogen: „Im Gedenken“.
Gedenken ist ja gut. Gedanken wären besser.
2011, vor 5 Jahren, anläßlich des 50. Jahrestages ihrer Grundsteinlegung, erschien in DER METZGER Nr. 94 der Aufsatz über die Berliner Mauer „Der Erdenwunder schönstes“.

M094Ein paar Zitate:

Die Bundesrepublik befand sich in keinem normalen Zustand. Es ist ohnehin fraglich, ob deutsche Zustände jemals das Prädikat der Normalität verdient haben.

Die Brandredner wollten (…) die „Ostgebiete“ zurück, sie wollten die Grenzen verschieben. Sie wollten Vertreibung. Sie wollten das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges revidieren. Sie wollten Atomwaffen für die Bundeswehr. Sie hatten keine Skrupel, die Flammen, die von deutschen Kriegsverbrechern angezündet worden waren und in denen das Deutsche Reich verbrannt war, wieder auflodern zu lassen. Der Springer-Kolumnist William S. Schlamm schlug gar vor, Westberlin zu evakuieren, um die DDR mit Atombomben auszulöschen. Berlin sei einen Krieg wert. Wer so etwas schreibt, ist ein Verbrecher.
Der NDR zitierte in einer Rundfunkreportage am 10. Oktober 1961 einen DDR-Bürger: „Was ist denn mit eurer Politik der Stärke? Warum habt ihr denn aufgerüstet, wenn ihr nicht mit der Armee von Ulbricht fertig werdet? Lieber im Atomkrieg zugrunde gehen als unter Ulbricht weiterleben.“ Wer so etwas sagt, ist ein Idiot.
Wer sich erinnert, wird nicht ruhigen Gemütes von der Hand weisen können, daß im Sommer 1961 der Frieden in Europa in Gefahr war.

„Unsere Staatsmänner in Bonn haben die Sowjets nicht für Menschen, sondern für entartete Teufel eingeschätzt. So waren sie nicht imstande, sich selbst in Gedanken an die Stelle des Gegners zu versetzen und sich zu fragen, was sie an seiner Stelle wohl tun würden… Das erste Erfordernis aber, um richtige Politik zu machen, besteht darin, in die Haut des Feindes zu schlüpfen“, schrieb Rudolf Augstein 1961 im Spiegel, und er fügte hinzu: „Spätestens 1965 würde die Bundeswehr potent genug sein, um bei fortdauernd umstrittenen Grenzen die westliche Koalition in spontane oder provozierte Konflikte zu verwickeln… Die Sowjets glauben nicht daran, daß den Deutschen die Verfügungsgewalt über Atomwaffen auf Dauer vorenthalten wird. Sie glauben nicht an Beteuerungen, solange sich das Potential auf deutschem Boden häuft. Sie haben, um ehrlich zu sein, auch wenig Grund, deutschen Beteuerungen zu glauben. Es drohte also eine Situation, in der die Sowjets von den Deutschen um die Früchte ihres Sieges über Hitler gebracht werden könnten. Es drohte eine gewaltsame Revision des Sieges von 1945, und zwar von Seiten des Besiegten.“

Durch die Berliner Mauer wurde zunächst eine brandgefährliche Situation entschärft, auf die Dauer zwang sie zu einer Mäßigung der westlichen Zurückdrängungspolitik. Die Phase der Entspannungspolitik war ohne die Berliner Mauer nicht denkbar. (…) Auch für die Menschen in der Bundesrepublik verbesserte sich die Lage. Sie konnten ruhiger schlafen, weil die Gefahr, daß von deutschem Boden Krieg ausgeht und auf deutschem Boden Krieg beginnt, verringert war. (…) Die, denen der Frieden den Schlaf raubte, waren in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Willy Brandt hätte nicht „mehr Demokratie wagen“ können, wenn die Ostlandreiter weiterhin so hätten wüten können wie bis zum 13. August 1961.

Anders als die BRD hat die DDR niemals Gebietsansprüche gestellt, keine faschistischen Organisationen geduldet, nie versucht, ein anderes Land zu regieren und zu annektieren, nie den Frieden gefährdet und nie Soldaten zum Kriegseinsatz in fremde Länder geschickt. Anders als die DDR hat die BRD dem Hauptfeind des Nazireiches weiterhin feindselig gegenübergestanden – die Regierung, mehr noch die Bevölkerung. Die Bundesrepublik und ihre Prokuristen hatten und haben keinen Grund, sich gegenüber der repressiven DDR dicke zu tun. Die Geschichte staatlicher und nichtstaatlicher Repression in der BRD ist noch aufzuarbeiten. Die haßerfüllte, vernichtungsgierige Hysterie, mit der der deutsche Untertan auf jede ihm fremde Lebensregung reagiert, ist die Perpetuierung des deutschen Faschismus in den Alltag.

Darf man, kann man, soll man, muß man (…) im Atomzeitalter der Unvernunft Freiheit gewähren? Dazu möge jeder sein Gewissen befragen.

Das Heft bestellen: hier klicken.

Den ganzen Aufsatz lesen: hier klicken.

Dem Volke nicht dienen

„Wozu braucht der Mensch ein Volk?“
Lina Ganowski

WirSindDasVolkDiesen Nachbarn kennen wir: Ohne Idee, ohne Einsicht, ohne Fantasie, ohne Empathie, ohne Mitgefühl (außer für sich selbst), dafür aber voller Hass und zügelloser Aggression gegen alles Fremde und alles Unverstandene: den Wut-Bürger, den Haß-Bürger, den Spieß-Bürger, den Pegida-Bürger.
Die Parole lautet: „Wir sind das Volk“.

Diese Bild-Text-Montage (mit einem Bild-Zitat aus einer Halbritter-Karikatur) wurde allerdings schon 1990 montiert, erschien als Intro (Seite 3) von DER METZGER Nr. 43, und es klebte als Plakat der DFG-VK (Duisburg!) an vielen Bauzäunen, während die „Friedliche Revolution“ tobte.
Auch damals lautete die Parole „Wir sind das Volk“.

Man glaube nur nicht, daß das Volk von damals ein anderes war als das von heute.

Da sollen die Engländer ruhig mal gucken

KrummeGurkeWie Sie diesem Bild entnehmen können, sind wir hier für Lebensgenüsse empfänglich. Dafür lassen wir die Fünfe gerade und die Gurke krumm sein. Wir widersetzen uns der (in Wirklichkeit gar nicht existierenden) EU-Gurkengeradheitsverordnung. Also auch nix mit Brexit (Plexit, Knexit, Quexit, Trexit). Auch die Stachelbeeren sind uns willkommen.
Die Gurke (ja, das ist wirklich eine) spendete noch am selben Tag ihre Freude kombiniert mit Schafskäse, Oliven und Tomaten. Also auch für Grexit sind wir nicht zu haben. Und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die für diesen Salato das Innere der Gurke entfernen. Der Salato hat dadurch wohl mehr Flüssigkeit, aber „schließlich warum nicht“? Die wird mit dem schönen Französischen Landbrot aufgetunkt.
Was fängt man an mit solchen kratzsauren Stachelbeeren?
Da überlegt man sich was. Rezept wird vielleicht mal in einer neuen METZGER-Rubrik bekanntgegeben.

Bild: Merkfoto

Kommt und holt euch den neuen Metzger!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 118.
M118Und das steht drin:

Intro: Die bekloppte Schlagersängerin Retätnetta Tsoredab.

Ulrich Sander: Nun auch alle Kraft gegen die AfD. Erfahrungen aus 50 Jahren Kampf gegen die NPD. Die AfD-Führung wies nach den jüngsten Landtagswahlen vieldeutig darauf hin, daß es wieder eine bürgerliche Mehrheit gäbe.

Jakop Heinn: England ohne Europa. „Brexit“: Der kleinbürgerliche Untertan hat den Mächtigen nur seine eigene Torheit entgegenzusetzen.

Lina Ganowski: Zustände wie in Deutschland. In einem arabischen Land wurde eine Frau vergewaltigt und darum vor Gericht angeklagt. Sowas ist auch in Deutschland möglich. Der eigentümliche Umgang der deutschen justiz mit dem Gewaltopfer Gina-Lisa Lohfink.

Anton Maegerle: Gefährlicher Quatsch. Der AfD-Landtagsabgeordnete Gedeon schätzt die weltweit verbreitete Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Das Machwerk, das zum Kernbestand antisemitischer Propaganda gehört, will Gedeon an Schulen verbreiten.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Können Spaltungen und Blamagen der AfD überhaupt noch schaden? Mit Aufklärung und Argumenten wird man bei der Anhängerschaft kaum etwas bewirken können, denn für das Gesunde Volksempfinden ist das Argumentative schlechthin intellektualistische Sabotage gegen die klare Ansage (wo Befehl noch Befehl ist). Außerdem: Die Reformation kam ein Jahr zu spät. Komische Häuser, komische Schilder, komische Parkplätze.

Die „Jazz-Legende“ Carla Bley hat ihren 80. Geburtstag „weitgehend ignoriert“.

Gibson Girls. Aus der Geschichte der Karikatur. Um das Jahr 1900 entdeckte der Zeichner Charles Dana Gibson einen neuen, modernen Frauentyp.

Weltnachrichten. Sexyness is enormously intelligent.

Detlef Stamm: Bleiben wie man ist. Gedicht.

In memoriam Horst Schimanski.

Tagebuch. Hier tut sich was.

Pegida und der Innere Schweinehund. Plakativ.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Sarah Gregory verleiht ihrer Auffassung, daß man den METZGER abonnieren sollte, Nachdruck!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

War schön: UZ-Pressefest 2016 (1-9)

UZFest2016-01
UZFest2016-02Ungewohntes Bild! Blauer Himmel über dem Revierpark (Dortmund-)Wischlingen, WÄHREND das UZ-Pressefest stattfindet? Stimmt das? Sind wir wirklich auf dem Fest der DKP? Kann doch irgendwie nicht sein.

UZFest2016-03Rotes Bayern! Da legst di nieder!

UZFest2016-04In der zur Buchmesse umfunktionierten Eishalle:
Der Sozialistische Realismus im Wandel der Zeiten.
(Fotoshopping).

UZFest2016-05In DER METZGER 114 und 116 wurde über das Alptraumpaar Andreas (eigentlich: Alfred G.) Neumann und Anneliese Fikentscher berichtet („Links-rechts-Vermischungen“, „paranoide Verwirrtheit“). METZGER-Leser erfuhren, daß die Unzertrennlichen den Neofaschismus (NPD, NSU) für ein von Geheimdiensten inszeniertes Ablenkungsmanöver halten und sich gern mit Elsässer verbünden. Zum Ventilieren wirrer Botschaften haben sie den „Bundesverband Arbeiterfotografie“ gekapert.
„Querfront“ breitet sich in linken Kreisen wie eine unheilbare Krankheit aus – von den einen nicht wahrgenommen, von anderen für eine Arznei gehalten.
„Bundesverband Arbeiterfotografie“ auf dem UZ-Pressefest. Das muß doch nicht sein, sowas!

UZFest2016-06Wir brauchen: Berufsrevolutionäre (ich schaff das ja alles nicht allein).

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ist DAS? Was ist DAS? Die Wolken des Himmels senken sich auf mich nieder? Chemtrails? Mein Haupt umwölkt? Das ist der Beweis.
Sagen Sie das den beiden vom Bundesverband Arbeiterfotografie, damit die das weitererzählen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich sag‘s ja: Die Pappbecher sind wieder im Kommen. Auch die Plastikbecher kommen wieder.
Auch das ist der Beweis: Kaffee von einem Stand von Palästinensern! Sagen Sie das dem Herrn Feuerherdt oder dem Herrn Pohrt, damit die das weitererzählen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Und noch‘n Beweis! Ja, man sieht es deutlich. Das war wirklich das UZ-Pressefest.

Fortsetzung folgt.
Fotos © Merkfoto

L‘art pour l‘art

Begrifflichkeiten der Kunst(-Geschichte): L‘art pour l‘art
Buelles
Die Formel „l‘art pour l‘art“ brachte einst (60er Jahre, 70er Jahre) die Leute zur Weißglut, die eine politische, eine engagierte, eine eingreifende Kunst forderten. Sie hielten diesen Slogan für eine Absage an diesen Anspruch, für den Slogan einer „reinen“, „unpolitischen“ Kunst.
Dies aber war und ist ein Mißverständnis. In dieser Formel ist nämlich vielmehr die Autonomie, die Unabhängigkeit der Kunst proklamiert.
Seit dem Mittelalter war die (bildende) Kunst als Handwerk stringenten Zunftregeln unterworfen. Später wurde sie akademisch gelehrt. Im Zuge der Bürgerlichen Revolution strebte die Kunst nach Unabhängigkeit von feudalen und klerikalen Auftraggebern, nach Selbstbestimmung. Das kommt in dem Slogan zum Ausdruck. Für die Kunst sollen die Maßstäbe von den Künstlern festgelegt werden.
Das oben gezeigte Bild (eine Collage aus dem Jahre 1995, erstmals zu sehen als Illustration in DER METZGER Nr. 48), aus diesem Umfeld decollagiert, Laserdruck im Din A-4 Format, gestempelt, in Klarsichtfolie, ist ein Paradebeispiel für diese fortschrittliche und emanzipatorische Kunst-Produktion. Es wird (in geringer Stückzahl) auf dem Stand der Buchhandlung Weltbühne beim diesjährigen Ruhrorter Kunstmarkt (Sonntag, 5. Juni) angeboten und bei Verkauf von mir signiert (aber nicht nummeriert).
Die Käufer sollen sich überlegen, was sie damit machen: Aus der Klarsichtfolie rausnehmen oder drinlassen, einrahmen (lassen), zu Hause oder sonstwo aufhängen (tunlichst an Orten, wo diese Mitteilung Irritation, Rätselraten, Volkszorn, Trost, (Un-)Gewißheit auslösen könnte).
Mit dem Zitat unten sind die Leute, die vom Kunstwerk ein politisches Bekenntnis fordern, ruhiggstellt.
Das Werk wird für mindestens1 Euro erhältlich sein. Mit diesem für den Käufer zumutbaren, für den Künstler immer noch einträglichen Tarif wird die Kontinuität progressiver Kunst-Produktion in unserem Hause gefördert und gesichert. Darum darf der Käufer (resp. Die Käuferin) auch den Preis erhöhen.

P.S.: Als kommunistischer Künstler möchte ich mal anmerken, daß die Kunst ihren Autonomieanspruch auch gegenüber den Linken aufrechterhalten sollte, bei denen es so eine Mentalität gibt, die Künstler am liebsten zu Pausenclowns zu degradieren.

Satire ist das, was Satiriker machen

„Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine.“ Kurt Tucholsky

In den Kommentar- und Leserbriefspalten der Zeitungen werden derzeit Gutachten und Regelwerke verkündet, was Satire darf/soll/darf/kann, und mir gefällt das nicht.
Reicht es nicht, wenn 20, 30, 40 Millionen Leute dem Fußball-Bundestrainer Ratschläge geben? Ist das nicht genug Betätigungsmöglichkeit für Leute, die immer unbedingt was meinen zu müssen glauben?
SatirikerDarfAlles2Auch Leute vom Fach werden interviewt. Mich hat keiner gefragt, und das ist gut so. Ich wäre um eine Antwort verlegen. Ich bin kein Satire-Experte. Ich bin Satiriker. Fragen Sie mich also nicht, was Satire ist. Ich kann Ihnen höchstens sagen, daß die häufig gehörten Definitionen mich verwundern. „Satire übertreibt“, „Satire überzeichnet“. Ach. Ja? Nun gut, das kommt gelegentlich vor. Aber ebenso aufschlußreich wäre die Definition „Satire benutzt den Buchstaben E“.
Ich könnte mich mit der Gegenfrage rausreden: Wer hat den Artikel von Ignatz Wrobel (i.e. Kurt Tucholsky) von 1919 im Berliner Tageblatt, in dem dieser Satz vorkommt, daß Satire alles darf, mal ganz gelesen? Ich würde leichten Herzens bekennen, daß ich den Namen von dem, den jetzt jeder kennt, vorher noch nie gehört hatte, und ich weiß auch nicht, ob ich den richtig behalten habe. Böhmermann?
Um es kurz zu machen, könnte ich also sagen: Satire ist das, was Satiriker machen. Und selbst damit bin ich mir nicht ganz sicher.
Um nicht für unhöflich gehalten zu werden, sage ich dann noch: Das Privileg, alles zu dürfen, muß mit hohen handwerklichen, kreativen, intellektuellen und charakterlichen Qualitäten erworben werden.
Es wurde schon mal gesagt: Satire, die der Zensor versteht, wird zurecht verboten. Das muß sich nicht auf den Zensor beschränken. Wenn ein Spießbürger etwas verstanden hat, dann hat er es falsch verstanden.
Im letzten METZGER (Nr. 117) steht der Satz „Nicht überall, wo Dada drin ist, steht auch Dada drauf“. Mit der Satire sollte man es ebenso handhaben. Sie sollte sich nicht immer als solche zu erkennen geben – damit die, die keine Ahnung haben, nicht gleich wieder alle bescheidwissen.
KunstDerSatire..

Kommt und holt euch den neuen METZGER!

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 117.
MCover117Und das steht drin:

Helmut Loeven: Wendepunkt und Wundertüte. Drei Landtagswahlen an einem Tag verkraftet die SPD kaum noch. Volkspartei passé? Durch den Erfolg der Rechtspopulisten droht aber auch der Linkspartei die Marginalisierung: Ihr gehen die „Protestwähler“ flöten. Denen aber sollte sie keine Träne nachweinen.

„…wandeln aber müssen sich die USA“. Der Besuch von Barack Obama in Havana, kommentiert von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba.

Stefan Jacoby: „Die Tatmotivation ist damit ungeklärt“. Der Prozeß gegen die Anführer der „Legion 47“. Drei führende Mitglieder dieser neonazistischen Kameradschaft wurden vom Duisburger Landgericht zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. In dem Verfahren wurde der politische Hintergrund weitgehend ausgeblendet.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Die Verehrung der Grünen für Helmut Schmidt ist so groß, daß sie sich zu einer typographischen Dummheit hinreißen lassen; Der Feminismus der FR-Chefredakteurin Bascha Mika ist so vulgär, daß man Bekanntes wiederholen muß; Der Lehnkering-Getreidespeicher in Duisburger Hafen ist so imposant, daß man sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sieht; außerdem: Warum hat die RAF keinen eigenen Stand auf dem Trödelmarkt?

Lina Ganowski: La Notte. Diesmal: Warum man die AfD-Wähler als Rassisten und Faschisten beschimpfen und sie in die rechte Ecke stellen muß. Außerdem: Das Gegrabsche an Silvester zeigt, daß mit der „Überfremdung“ nichts ins Land gekommen ist, was nicht vorher auch schon da war.

Galerie der Buhmänner: Günter Saree. Hundert Jahre Dada. Aber nicht überall, wo Dada drin ist, steht auch Dada drauf. Nochmalige Erinnerung an einen Veranlasser.

Tagebuch. Darin die Fortsetzung der never ending Story „Müssen Pazifistinnen doof sein?“ Oder anders gefragt: Ist Uta Binz noch gescheit?

Thomas Rüger: Eine bairische Ich-AG. In der Musik-Kolumne wird Mathias Kellner vorgestellt.

Verboten W. Über das unerlaubte Aufstellen von Verbotsschildern und sonstigen Verbotsirrtum.

Weltnachrichten. Intelligent, sexy, rätselhaft.

HEL Laschet-Toussaint: Satellitenüberwachungsgedicht. Zentrale – Interkoninentale, nicht – Streiflicht, gefangen – gegangen.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Auch Sarah Gregory meint, daß man den METZGER abonnieren sollte!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Der häßliche Deutsche

„Schande über die Verfasser dieses Artikels. Dieser Artikel ist eine Schande und wird es wohl auch bleiben. Da ist nur Lobhudelei, kein Wort über Genschers Unterstützung der argentinischen Militärdiktatur, seine rückhaltlose Unterstützung jedes Verbrechens dieser Diktatur. Er steht sicher nicht alleine da, aber kein anderer deutscher Außenminister ist für den Tod so vieler Deutscher verantwortlich.“
So steht es auf der Diskussionsseite zum Wikipedia-Artikel über Hans-Dietrich Genscher, eingesandt am 2. August 2013. Seither ist die Schande des Hans-Dietrich Genscher ans Tageslicht gekommen. Der Wikipedia-Artikel wurde um diesen Passus ergänzt: „Hans-Dietrich Genscher wird vorgeworfen, nicht genug getan zu haben, um den Tod von Elisabeth Käsemann zu verhindern. Hans-Dietrich Genscher unternahm keine Anstrengungen, um Folterhaft und den Mord an Elisabeth Käsemann zu verhindern, obwohl dies mit geringem Druck auf die argentinische Regierung höchst wahrscheinlich möglich gewesen wäre.“ Der Dokumentarfilm „Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?“ von Eric Friedler, in der ARD gesendet am 5. Mai 2014, zeigt, daß dem Auswärtigen Amt nicht nur Untätigkeit vorzuwerfen ist.
Elisabeth Käsemann, geboren 1947, war die Tochter des Theologen und Nazigegners Prof. Ernst Käsemann. Seit 1971 lebte sie in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Sie engagierte sich in einem Sozialprojekt in den Slums. In einem Brief an ihre Eltern schrieb sie: „Ich bin dabei, mich mit dem Schicksal dieses Kontinents zu identifizieren.“ Argentinien war geprägt von extremen sozialen Konflikten. Die berüchtigten Todesschwadronen wüteten. Als die faschistoide Regierung unter Präsidentin Isabel Peron der Lage nicht Herr werden konnte, putschte im März 1976 das Militär. Unter der Diktatur, die bis 1983 dauerte, wurden etwa 30.000 Menschen ermordet.
Elisabeth Käsemann wollte das Land nicht verlassen. In der gefährlichen Situation ihre Freunde und Mitarbeiter zu verlassen, sah sie als Verrat an.
Sie wurde als „Mitglied einer politischen oppositionellen Gruppe“ in der Nacht vom 8. auf den 9. März 1977 verhaftet. In den folgenden Wochen wurde sie ständig gefoltert und vergewaltigt. Sie starb am 24. Mai in der Haft. Vom Regime wurde verbreitet, sie sei bei einem Feuergefecht zwischen dem Militär und Guerilleros ums Leben gekommen. Nach der Überführung ihrer Leiche nach Deutschland ergab die Obduktion, daß sie durch einen aufgesetzten Schuß zu Tode gekommen war. Die Obduktion hatte ihr Vater gegen den Widerstand der deutschen Behörden durchgesetzt.
Elisabeth Käsemann war eine von etwa 100 Deutschen und Deutschstämmigen, die unter dem faschistischen Regime in Argentinien spurlos verschwanden. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Schmidt (SPD) und Außenminister Genscher (FDP) rührte keinen Finger, um diese Menschen zu retten.

NSDAP-Mitglied Nummer 10123636

NSDAP-Mitglied Nummer 10123636

Nicht nur in Argentinien, auch in anderen lateinamerikanischen Ländern wütete der staatliche Terror. Zahlreiche Militärs hatten die „Schule der Amerikas“ in der (von den USA gepachteten) Kanalzone Panamas durchlaufen, wo sie von US-amerikanischen Schlächtern im Kampf gegen die „marxistische Gefahr“ trainiert worden waren. Junta-Chef General Videla erklärte öffentlich: „In Argentinien werden so viele Menschen sterben wie nötig, um die Sicherheit im Lande wieder herzustellen.“ Acht Wochen nach dem Putsch, im Mai 1976, verkündete General Ibérico Saint-Jean auf einer Pressekonferenz: „Zuerst werden wir alle Subversiven töten, dann ihre Kollaborateure, danach ihre Sympathisanten, dann die Gleichgültigen, und am Schluß töten wir die Ängstlichen.“
Botschafter der Bundesrepublik in Argentinien war damals Weiterlesen

Datum von heute

WittHeirat1Das ist der Vorteil, wenn man eine eigene Zeitung rausgibt.
Dann braucht man für solche Anzeigen nichts zu bezahlen.

WittHeirat2Warum nimmt man für sowas eigentlich immer den Ersten April? Dann merkt das doch jeder sofort.

Die Anzeige vom 1. Dezember 1988 erschien in DER METZGER Nr 40 im JANUAR 1988. Ich hätte also noch 11 Monate Zeit gehabt, um sie rumzukriegen.

Eine Ausstellung über Josef Wintjes

WAZWintjesEine Ausstellung über Josef Wintjes kündigt die WAZ also an (siehe Faksimile, anklicken zum Vergrößern). Dazu:
„Anarcho-Papst“ ist unpassend. „Kulturrocker“ ist Quatsch. Klischee! „Schillernde Figur der Gegenkultur“ und „Neckermann der Subkultur“ trifft aber zu.
Von Selbstzweifeln geplagt hörte Josef Wintjes früh damit auf, seine lyrischen Ambitionen in Verse umzusetzen. (Dabei war der wortgewandte und sprachgewaltige Mann gewiß begabter als die meisten Dichter, die er förderte). Er resignierte nicht einfach, sondern fand eine andere und wirksamere Methode literarischen Engagements: Er wurde Zeitschriftenhändler.
Er stellte ein Sortiment der verschiedensten und verschiedenartigsten Zeitschriften des Underground und der Avantgarde zusammen. Das war 1969. (Bücher, auch selbst produzierte, kamen erst später ins Angebot).
Das Ulcus-Molle-Info (ein absichtlich unsinniger Name) war ursprünglich eine knapp kommentierte Angebotsliste opponierender Zeitschriften, die an keinem Kiosk hätten gefunden werden können. Die später das Sortiment erweiternden Bücher wurden mit dem treffenden Slogan „Bücher, die man sonst nicht findet“ angeboten.
Sein enormes Verdienst war es nicht allein, daß er vielen Editionen und Ideenträgern Wege zum Publikum öffnete, sondern unterschiedliche Strömungen – vom „ultracosmischen Törn“ über radikallinke Verweigerung bis zum avantgardistischen Experiment – auf einem Markt der (Un-)Möglichkeiten zusammenwirken ließ.
Kommune- und Landkommunebewegung, Beat und Cut-up fanden sich da in erstaunlichen Nachbartschaften wieder. Die Frauenbewegung nahm in diesem Forum zum Glück nur geringen Platz in Anspruch, Esoterik (und andere reaktionäre Rückzüge, wie die spießbürgerliche Neue Innerlichkeit) leider umso mehr. Josef Wintjes ließ sich ausnutzen und – so hatte man den Eindruck – von jedem beschwatzen. Das Ulcus-Molle-Info, in den späteren Jahrgängen oft mit über 100 Seiten, wurde auf seine (Druck-)Kosten gefüllt von talentlosen Vielschreibern, fragwürdigen Missionaren, wortreichen Besserwissern, Selbstdarstellern und komischen Heiligen.
Ich konnte Josef Wintjes einiges verdanken. Er mir allerdings auch.
Wenn eine neue METZGER-Ausgabe erschien, habe ich die 60 Exemplare nicht mit der Post nach Bottrop geschickt. Ich bin hingefahren. Der wußte viel und konnte mir viel wertvolle Informationen geben: wer ist pleite, wer hat sich mit wem verkracht, wer hat mit wem was Neues vor.
UMAnzeigeM

UMAnzeigeM29UMAnzeigeM30UMAnzeigeM7
Zwischen Wintjes und mir wurde eine besonders langlebige und intensive und beidseitig wirksame Zusammenarbeit gepflegt. In jeder METZGER-Ausgabe und in jedem Titel der Situationspresse erschien ein Ulcus-Molle-Inserat (Beispiele siehe oben) mit entsprechender Gegen-Anzeige, was meinen Produkten einen soliden Absatz (und ihm einen soliden Umsatz) verschaffte. Ich (als der wohl raffiniertere Geschäftsmann) gab ihm unzählige Hinweise, wie man Kosten reduzieren, Werbung wirksamer gestalten kann, die er alle toll fand, aber nur selten umsetzte – aus einer für ihn typischen Fahrigkeit. Immerhin konnte ich ihn davon überzeugen, das Beschaffungsgeschäft über den Barsortimentsanschluß der Buchhandlung Weltbühne abwickeln zu lassen. Dadurch konnte er seine Leistungspalette erweitern.
Daß Spuren dieses Zusammenwirkens in der Ausstellung zu sehen sein werden, kann ich mir kaum vorstellen. Das ist wohl nix für Leute, denen Wortschöpfungen wie „Anarcho-Papst“ und „Kulturrocker“ etwas sagen. Wir haben nie zusammen gesoffen.Wir haben nur praktisch zusammen gearbeitet.
Über Josef Wintjes hätte ich viel erzählen können. Wenn mich mal jemand fragen würde.

Der Nachruf erschien in DER METZGER 50

Der Nachruf erschien in DER METZGER 50

..

Ah! Da sind Sie ja, Herr Schröder!

SuelzkoppSchroederDieser „Kasten“, enthaltend Zitate aus Dialogen in dem Tatort-Film „Moltke“ von 1988 (mit Götz George als Schimanski, Grimmepreis) erschien in DER METZGER Nr. 56 (Februar 1999) auf Seite 3 (als sogenanntes Intro).
In diesem überaus gelungenen und komikgeladenen Schimanski-Film fand ich den running gag lustig. Daß der geniale Überblicker Schimanski sich den Allerwelts-Namen „Schröder“ partout nicht merken kann, daß Hänschen wie immer sanft-korrigierend eingreifen muß, und daß sogar auf den stets korrekten Königsberg Schimanskis brachiale Namensgebung abfärbt – zum Lachen.
Schimanskis Fähigkeit, einen Menschen sehr schnell einschätzen zu können, versagt in diesem Fall ebenso wie sein Namensgedächtnis. Denn dieser „Sülzkopp“ genannte Schröder „hängt“ keineswegs „da mit drin“, sondern ist bloß irgendson Lackaffe, der da rumsteht.

Kurz vor Ausgabe Nr. 56 hatte eine Bundestagswahl stattgefunden, aufgrund derer Helmut K. als Bundeskanzler von Gerhard S. abgelöst wurde.
Hansjürgen Bott wunderete sich, daß in dem Heft die neue Regierung gar nicht kommentiert wurde.
Ich sagte: „Doch! Guck ma Seite 3.“
Aber das war nur eine Ausrede.

Die Flüchtlinge und unsere Aktien

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) lag Deutschland am Boden, das Land war verheert, die Bevölkerung dezimiert, die Wirtschaft zerstört. Der Wiederaufbau der Wirtschaft wollte nicht in Gang kommen.
Da kam die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV von Frankreich im Jahre 1685 den deutschen Fürsten gerade recht. Mit dem Edikt von Nantes hatte Heinrich IV 1598 den Hugenottenkrieg beendet. Die Aufhebung des Edikts, das Ende des Religionsfriedens in Frankreich setzte eine neue Massenflucht in Gang. Die französischen Protestanten wurden vor die Wahl gestellt, zum katholischen Gauben überzutreten oder ihr Vermögen an den Staat abzutreten. Etwa 50.000 französische Protestanten suchten Schutz in deutschen Fürstentümern, die meisten im Kurfürstentum Brandenburg (dem späteren Königreich Preußen).
Bei der Bevölkerung waren die Flüchtlinge nicht sehr willkommen. Sie waren Reformierte Christen, ebenso wie das Herrscherhaus. Die meisten Brandenburger waren Lutheraner, die argwöhnten, die Hohenzollern würden sich reformierte Verstärkung heranschaffen. Vor allem wurden den Franzosen die großzügigen Steuerprivileien geneidet, mit denen ihnen der Start in ihrer neuen Heimat erleichtert wurde. Um diese Starthilfe zu finanzieren, wurden die Alteingesessenen mit Sondersteuern belastet.
Das Wort „Integration“ kannte man noch nicht. Die französischen Einwanderer lebten in abgetrennten Siedlungen, errichteten französische Schulen, behielten ihre Sprache und ihre Lebensgewohnheiten. Französisch war die Sprache der Höfe, der gebildeten Eliten. Die Franzosen hatten durchweg einen höheren Bildungsstand als die Urbevölkerung, viele waren Ärzte, Gelehrte oder hochqualifizierte Handwerker. Eine Angleichung an die Einheimischen hätte den Absichten nicht entsprochen, mit denen ihre Aufnahme verbunden war. Gerade das, was sie von der einheimischen Bevölkerung unterschied, machte die Flüchtlinge für das Herrscherhaus interessant. Der Anbau von Rüben und Hirse konnte gerade die Bevölkerung halbwegs gut ernähren. Wer Handwerke beherrschte, deren Produkte sich exportieren ließen, leistete einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg.
Es ist oft genug daran erinnert worden: Seit der Römerzeit gab es permanent Zuwanderung in die mitteleuropäische Gegend, in der die deutsche Zunge klingt und aus der erst 1871 der deutsche Nationalstaat entstand. In der Regel war die Zuwanderung für dieses Land und seine Menschen ein Segen. Deutsches Ausschwärmen war in der Regel für die betroffenen Länder ein Fluch. Den „Toleranzedikten“, mit denen zum Beispiel der Alte Fritz verfügte, daß in Preußen „jeder nach seiner eigenen Façon selig werden“ könne, lagen ökonomische Erwägungen zugrunde. Das muß ihren Wert als Fortschritt gar nicht schmälern, sollte aber die Nüchternheit über die Glorifizierung setzen. Man sollte dann auch nicht vergessen, daß Deutschland im Zwanzigsten Jahrhundert Bevölkerungen eroberter Länder versklavte und Menschen zur Sklavenarbeit verschleppte.
In der jungen Bundesrepublik mit ihrem Nachkriegs-Wiederaufbauboom herrschte Arbeitskräftemangel für den Aufstieg zu einer Wirtschaftsmacht, wie es das Deutsche Reich vormals noch nicht war. Aus dem mediterranen Raum kamen die „Gastarbeiter“, was besser klingt als „Fremdarbeiter“.
Heute ist die Bundesrepublik kein Weiterlesen

Kommt und holt euch den neuen METZGER, oder laßt ihn euch schicken

DER METZGER, das satirische Magazin. Neu: Nr. 116.
MTitel116Und das steht drin:

Jakop Heinn: Randfront. Stell dir vor, es ist Friedensbewegung, und kaum noch einer geht hin. Dann fällt auf, daß dort Querfrontler und Paranoiker immer mehr den Ton angeben. Beispiel: die Verirrungen und Verwirrungen in der „Arbeiterfotografie“.

Helmut Loeven: Das philosophische Kabarett. Darin: Die Dreifaltigkeit des Schreckens (die Frau, der Fremde, der Eros) oder Was ist der Akif Pirincci eigentlich für einer?; „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“; „Da geht euch der Bart hoch, da geht euch der Hut ab“: Musik im Radio; Kamele & Elefanten; Deutsches Sprache: wenn Journalisten ebenso wie Linguisten in Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik versagen, was dann?

Die Annäherung zwischen den USA und Kuba vom ästhetischen Aspekt her betrachtet.

Switch on Summer / Sehreise. 30 von 100 Stills. Hut-Film ist nicht kaputtzukriegen.

Tagebuch. Darin: Die Frankfurter Allgemeine beim Umgang mit der Medienguerilla erwischt.

Lütfiye Güzel: Freiheit & Fabrik & mehr.

Weltnachrichten: Intelligence is enormously sexy.

Lothar Röse: Hochverrat ist eine Frage des Datums.

Marvin Chlada, A.S.H. Pelikan: Schnuller und Schiller, Julius und Filius. Wenn Schriftsteller Kinder haben, werden Kollegen gleich mit einbezogen.

Wie ist das denn jetzt mit dem Abonnement? Auch Pandola Brake meint, daß man den METZGER abonnieren sollte!

Das Heft kostet 3 Euro.
Besorgen! Bestellen! Schicken lassen! Oder in der Buchhandlung Weltbühne kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Draus zitieren! Und schließlich: Abonnieren! Denn: Wer abonniert, hat mehr von Metzger.

Summer in the City (5)

Aus gegebenem Anlaß wird die Serie „Summer in the City“ heute fortgesetzt.
SummerCity15-11Diese Burg urbanen Selbstwertgefühls mit ausgeprägtem Fassadenbewußtsein enthält (immer noch?) Praxen, Niederlassungen, Agenturen, Notariate et cetera pepé in großer Zahl. Einmal war ich da bei einem Notar und erlebte den nervösesten Bürovorsteher der deutschen Rechtsgeschichte. Dort kaufte ich auch bei der Firma Walter König die Letrasetbuchstaben für die METZGER-Überschriften. Die Firma gibt’s nicht mehr, und ich benötige ja auch nicht mehr Letrasetbuchstaben. Ich könnte also wieder „Alles war, nix is mehr“ drüberschreiben.
Ich begann dann mal, aus den übriggebliebenen Letrasetbuchstaben ein Gedicht zu schreiben: „Unbeat Poem to be continued“. Der erste Teil erschien in DER METZGER Nr. 54 (August 1998). Wird mal Zeit für die nächste Fortsetzung!

SummerCity15-12Na, dann laßt es euch mal gutgehen auf der Königstraße!

SummerCity15-13Mit der Krönung der „Brunnenmeile“, dem „Lifesaver“ von Niki de Saint Phalle konnten sich so schnell nicht alle anfreunden, wie das mit Denkmälern in öffentlichen Raume nun mal so ist. Sockel von Jean Tinguely.

SummerCity15-14Die Persil-Danke-Tour. Verstehe ich nicht. Wer bedankt sich bei wem für was? „Deutschland sagt danke mit Persil“. Wer nimmt Deutschlands Dank in Gestalt von Persil in Empfang? Oder spricht Henkel im Namen Deutschlands? Und bedankt sich bei sich selbst mit sich selbst? Für was? Für sich?
Früher hieß es „Persil bleibt Persil“. Dabei hätte man es belassen können.
Wolfgang Borchert wollte einen Roman schreiben, der den Titel „Persil bleibt Persil“ haben sollte.
Später: Willy Brandt holte tief Luft und preßte hervor: „Berlin bleibt Berlin!“
Als ich mir das anschaute wurde ich von einem jungen Mann angesprochen: „Du bist doch der Genosse aus der Weltbühne, ne?“
Ja. Bin ich.
„Genosse aus der Weltbühne“!
Es gibt noch Menschen, die an mich glauben.

SummerCity15-15Über das Lehnkering-Gebäude muß ich auch noch eine Geschichte erzählen (kommt in der METZGER-Serie „Komische Häuser“).

SummerCity15-16Und dann ham’se gesagt: Die Schwanentorbrücke (Hubbrücke) muß auch noch in’n Schimanski rein. Und so geschah es. (Ich weiß nicht mehr in welchen).
Die Haltestelle heißt jetzt nicht mehr „Schwanentor“, sondern „Landesarchiv NRW“.
Ja welches Landesarchiv denn sonst? Es wird ja wohl kaum jemand annehmen, daß in Duisburg das Landesarchiv von Schleswig-Holstein untergebracht ist.

SummerCity15-17Das wäre was für eine Serie „Schornsteine, die nicht mehr rauchen“.

SummerCity15-18Hier hat man verdienstvollerweise die in ihrer früheren Funktion nicht mehr benötigten Industriegebäude nicht abgerissen, sondern praktischer- und ästhetischerweise einfach einer neuen Funktion zugeführt. In den stillgelegten Hafen-Faktureien sind jetzt Büros, Ateliers, Museen und Restaurants drin. Wenn Ihnen der Sinn für die Schönheit alter Industie-Architektur fatalerweise fehlt (Sie armer Mensch), dann folgen Sie mir wenigstens insofern, daß die Architekten von heute an der Stelle ganz bestimmt nix Schöneres hingekriegt hätten.
Der nicht mehr rauchende Schornstein symbolisiert dann etwas, und zwar das, was Sie wollen.

SoS (69-78)

SoS069Am 29. Dezember 1975 wurde im Eschhaus der Film „Switch on Summer“ zum ersten Mal gezeigt. Anläßlich des 40. Jahrestages der Welturaufführung werden hier in loser Folge 100 Stills aus dem Film zu sehen sein.
Bis zum 29. Dezember 2015 sollte das eigentlich durch sein, und jetzt sind wir immer noch dran.
Bild oben: Helmut Ernst (rechts) kauft den METZGER (gestellte Szene). Die Szene entstand auf dem allerallerersten Flohmarkt in Duisburg, Bahnhofsvorplatz 1973.
SoS070SoS071SoS072SoS073SoS074SoS075SoS076Strähler sitzt an meinem Schreibtisch.
SoS077Ich sitze an meinem Schreibtisch.
SoS078Ich sitze an meinem zweiten Schreibtisch.
Habt Ihr gesehen? An der Wand, links, hängt ein Plakat der Bröselmaschine. Ja, auch ich war mal in ’ner Band.