Veranstaltungen der FAU

Von der FAU Duisburg (faudu@fau.org) bekam ich diese Veranstaltungshinweise, die ich mit Empfehlung weiterreiche:

Wir möchten euch auf die folgenden zwei Veranstaltungen am kommenden Freitag (13. Juni) im AZ Mülheim aufmerksam machen. Beide Veranstaltungen werden von der FAU Duisburg mitorganisiert.

Vortrag: Tayfun Guttstadt „Capulcu – Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei“
Tayfun Guttstadt, in Hamburg geboren, lebt seit drei Jahren in der Türkei und ist dort in der linken und der Umweltbewegung aktiv. Zu Besuch in Deutschland, stellt er sein Buch „Capulcu“ vor und schildert Beginn, Verlauf und Hintergründe der Proteste, an denen er selbst aktiv teilgenommen hat. Vor allem aber gibt er den Beteiligten Gesicht und Stimme und zeigt so die Vielfalt, aber auch die Gespaltenheit der Bewegung.
Abschließend werden die Ereignisse gesellschaftspolitisch analysiert und eingeordnet, wobei aktuelle Geschehnisse in der Türkei mit in den Vortrag einfließen.
Eintritt ist frei.
13. Juni / 20 Uhr / AZ Mülheim / Auerstr. 51, 45468 Mülheim an der Ruhr

Und im Anschluss (ebenfalls im AZ Mülheim): Indie/Wave Soli Party für die kommende LiMesse (http://www.limesse.de)
limesse_sidebar2014Was ist die Limesse?
In einem der größten europäischen Ballungsgebiete mit mehr als acht Millionen Menschen, werden vom 29. bis 31. August 2014 libertäre und anarchistische Verlage, Zeitschriften, Radio-, Video- und
Internetprojekte ihr Programm vorstellen. Drei Tage Messe, Projektvorstellungen, Lesungen, Kultur, Veranstaltungen, Infos, Leute treffen und Pläne schmieden für eine Welt jenseits von Krise und Ausbeutung.
Warum Soli Party?
Die LiMesse möchte einen freien Zugang für alle gewähren, die Interesse haben an einem libertären Austausch und nichthierarchischer Zusammenarbeit. Da die Messe dieses Jahr in der Zeche Carl stattfindet, schmeissen wir vorher paar Parties, damit auch der freie Eintritt bei der LiMesse garantiert bleibt.
Die zweite Party ist diesmal Freunden von Indie/Wave Musik aus allen Dekaden gewidmet.
Eintritt 3 Euro
13. Juni / 22 Uhr / AZ Mülheim / Auerstr. 51, 45468 Mülheim an der Ruhr

P.S.:
Wie bereits angekündigt wird die Situationspresse (der Verlag) und der Fliegende Koffer (die Künstler- und Autorenclique) bei der Limesse mit einem Stand präsent sein.
cover_capulcu_braun.inddDas Buch von Tayfun Guttstadt: Capulcu. Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei (Unrast Verlag. 326 S. 18 Euro) kann in der Buchhandlung Weltbühne bestellt werden.

Signal fatal oder Letzte Mahnung

1972 kandidierte erstmals die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) für den Bundestag. Und erstmals konnte ich bei einer Bundestagswahl eine Stimme abgeben. Ich stand vor der Entscheidung: Wähle ich DKP oder wähle ich Willy Brandt?
Ich und Willy Brandt (vulgo: SPD) wählen? Wie konnte ich sowas überhaupt in Betracht ziehen?
Die Sozialliberale Koalition, die doch ein bißchen mehr Demokratie wagen wollte und den Begriff „Lebensqualität“ aufbrachte – von der haben wir uns allzuviel auch nicht versprochen. Aber, wenn man „alles“ will, aber „alles“ nicht (sofort) geht, nimmt man, was man (erstmal) kriegen kann (wenn man klug ist). Aber das war nicht Grund genug. Entscheidend war: Die Sozialliberale Koalition wurde von rechts unter Druck gesetzt. Das Mißtrauensvotum war knapp abgewehrt. Eine stark nach rechts gerückte, aggressive CSU/CDU stand Gewehr bei Fuß. Also habe ich „Willy gewählt“. Gegen Strauß zu stimmen erschien mir vorrangig.
Heute finde ich meine Entscheidung von damals nicht mehr richtig. Ich hätte DKP wählen sollen. Es geht bei einer Wahl ja weniger darum, wer regiert und wer nicht regiert. Es ging damals ja auch darum, die wieder zur Legalität gelangte Kommunistische Partei als Größe in die politische Auseinandersetzung einzufügen. Bei Wahlen darf Taktik wohl eine Rolle spielen, aber nicht Überhand nehmen. Wer links ist in einer bürgerlichen Gesellschaft, sollte sich weniger um eine nicht ganz so schlechte Regierung, sondern mehr um eine halbwegs gute Opposition sorgen.

Bei der Wahl zum Europäischen Parlament kandidieren die Linkspartei und die DKP. Ich weiß nach dem, was ich in den letzten Tagen gehört habe, daß manche hin und her überlegen: DKP ist ja eigentlich schöner, aber die Linkspartei ist sowas wie der Spatz in der Hand.
Dazu fällt mir nur ein: An ihrer Verzagtheit werden die Linken nochmal zugrunde gehen (wenn sie nicht sowieso schon zugrunde gegangen sind, und wir haben es nur noch nicht gemerkt).
Wer für einen Spatz in der Hand die weitere Marginalisierung des Marxismus in Deutschland in Kauf nimmt, sendet ein Signal aus mit fatalen Langzeitfolgen.

Es gibt viele gute Gründe, der Linkspartei die Stimme zu entziehen. (Und denk ich an Duisburg in der Nacht, dann fallen mir auch noch ganz persönliche Gründe ein). Aber eine Stimme für „Die Linke“ ist auch immer eine Stimme gegen rechts.
Ein Wahlergebnis bildet nicht nur eine Stimmung ab. Es stellt auch eine Stimmung her. Wenn „Die Linke“ auf den absteigenden Ast gerät, dann ist das schlecht für uns alle – und mögen wir noch so sehr Gründe haben, diese Partei NICHT ins Herz zu schließen. Verluste für die Linkspartei werden in der allgemeinen Wahrnehmung eben nicht als Quittung für fragwürdige Entscheidungen, Abgehobenheit und Hochnäsigkeit und unsolidarisches Verhalten gewertet, sondern als ein fatales Signal, daß „links“ überhaupt nur noch ein Rudiment der Vergangenheit ist. Wenn einem sonst nichts übrigbleibt, soll man „Die Linke“ wählen.

Aber wo man die Wahl hat zwischen Linkspartei und DKP (bei der Europawahl und in einigen Städten auch bei der Kommunalwahl), sollte man sich doch für das Konzentrat und nicht für die Verdünnung entscheiden. Die Entscheidung zwischen Linkspartei und DKP kommt einer Entscheidung zwischen der Mayerschen und der Weltbühne gleich.

Und jetzt werde ich mal pötisch:
Die DKP ist wie eine Orange.
Die Linkspartei ist wie Sinalco.

Die SPD ist leere Flasche.
Und die Grünen sind wie Tritop – auch verdünnt ungenießbar.

Was will die CDU damit sagen?

Was will die CDU damit sagen?

Da gehen wir hin: UZ-Pressefest

UZ-Pressefest-2014-Header-3Dieses Jahr gibt es wieder ein UZ-Pressefest. Es findet statt vom 27. bis 29. Juni (Freitag bis Sonntag) in Dortmund im Revierpark Wischlingen. Der Ort ist schön, die Umgebung ist schön, und auch der Weg von der S-Bahn-Station Dortmund Wischlingen zum Festivalgelände ist ein schöner Weg.
Nicht nur interessant, sondern auch schön sind die Ausstellungen und Infostände fortschrittlicher Organisationen und Gruppen. Für Essen & Trinken ist gesorgt (reichlich). Schön.
Wer kommt alles und singt und spielt uns liest vor und erzählt?
Achim Bigus, Bandista, Bernd Köhler & Blandine, Compania Bataclan, Dirk Wilke und Peter Schenzer, Einhart Klucke, Erich Schaffner, Esther Bejarano, Frank Viehweg, Fred Ape, Friedenshaus, Gruppe Gutzeit, Grobylin Marlowe, Haake Bluesband, Huggy Borghardt, Jane Zahn, Jazz-Polizei, Johan Meijer & Jos Koning (NL), Mapato, Michail Iwanow (RU), Kai Degenhardt, Klaus der Geiger, Konstantin Wecker, Leander Sukov, Le Blech, Luis Galtario und Antonio Hilario, MC Albino, Microphone Mafia, Musikandes, Quijote, Ruam, Sonja Gottlieb, VEB-Chor, Jutta Ditfurth, Dietmar Dath, Georg Fülberth, Ellen Schernikau, Christiane Schnura, Werner Seppmann u.a. Schön.
Das Konzert mit Konstantin Wecker, Esther Bejarano und der Microphone Mafia ist am Samstag Abend auf der Hauptbühne.
Es könnte alles noch schöner sein, wenn die Partei auf ihrer Homepage eine Wegbeschreibung veröffentlichen würde.
Kontakt: DKP, Hoffnungstraße 18, 45127 Essen, Tel.: 0201/1778890
uz-pressefest@dkp.de
Zeltplatzanfrage: pressefest-camping@dkp.de

Wer was auf der Weste hat, darf eine Spende lockermachen:
DKP-Parteivorstand
Konto-Nr.: 4002487500 GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67
IBAN DE90 4306 0967 4002 4875 00 BIC GENODEM1GLS
Stichwort: „UZ-Pressefest“

UZ-Pressefest-2014-SolibuttonDie schöne Anstecknadel („Soli-Button“ nennt man das heutztage) berechtigt zum Eintritt für jede Einzelveranstaltung. Sie ist für 5 Euro erhältlich bei der DKP-Gruppe Ihres Vertrauens. In der Buchhandlung Weltbühne gibt es auch noch welche. (Da kann man auch die UZ kaufen).
Bei der Europawahl kann man übrigens DKP wählen. Sollte man tun.

Die Projektgruppe Pudding und gestern hat wieder zugeschlagen

pgpg01pgpg02pgpg03Die Europawahl 2014 und die gleichzeitigen Kommunalwahlen in NRW waren der Projektgruppe Pudding und gestern (PGPG) Anlaß genug, im westlichen, östlichen und mittleren Ruhrgebiet ein paar tausend Miniflugblätter unter Scheibenwischer zu klemmen und in Hausbriefkästen landen zu lassen.
„Da es den Parteien nicht gelingt, ihre Ziele authentisch zu formulieren, helfen wir gern nach“, erklärte Projektgruppensprecherin Chantal Könkels.
Wer die Hilfsbereitschaft der Gruppe mit Spenden unterstützen möchte, kann es tun:
Situationistischer Studentenbund e.V.
DE76 3601 0043 0403 9564 32.
BIC: PBNKDEFF
Kennwort: PGPG

Noch ein Jubiläum: 50 Jahre Kunst & Politik

Am 1. Mai 1964, also vor 50 Jahren, begann meine künstlerische Arbeit. Ich war 14 Jahre alt und im Begriff, Künstler zu werden. Man kann das Datum als Stichtag und damit das heutige Datum als 50jähriges Jubiläum werten. Ich werte dieses Datum als den Beginn der künstlerischen und politischen Arbeit, weil ich zwischen beidem keinen Unterschied mache. Damals ahnte ich allerdings noch nicht, daß künstlerisches und politisches Eingreifen eine unauflösliche Einheit bilden würden.
Es begann nicht, wie angenommen werden kann, mit Schreiben (obwohl mir sowas auch schon vorschwebte), sondern mit: Musik. (Später habe ich es zu meinem Grundsatz gemacht, mich nicht auf ein einzelnes Ausdrucksmedium zu beschränken).
Gemeinsam mit zwei Schulkameraden wurde eine Band gegründet. Wir versuchten vorerst, Beatles-Songs nachzuspielen. Ich hatte im Februar 1964 zum ersten Mal Musik von den Beatles gehört, und mir war dabei klar geworden, daß das Leben anders gestaltet werden könnte als es den Erwartungen an mich entsprechen würde – und daß man dabei nicht tatenlos bleiben kann!
Die beiden anderen waren besser als ich auf der Gitarre. Ich konnte nur auf der E-Saite Bass-Läufe spielen. Aber ich war der Sänger („I shoult habe known better with a girl like you … what a kiss could be. This could only happen to me“, oder so ähnlich).
Mit der Instrumentierung unserer Band mußten wir uns in Bescheidenheit üben. Einer von denen beiden hat aus Pappkartons maßstabsgetreu ein Schlagzeug und mit dem Märklin-Baukasten ein funktionsfähiges Pedal für die Bass-Drum gebastelt. Man konnte darauf wirklich Schlagzeug spielen, aber ohne Becken. Wenigstens ein Becken zu kaufen war zu teuer für uns. Das machte aber nichts. Wir hatten und fanden sowieso keinen Schlagzeuger.
Elektrische Gitarren hatten wir natürlich auch nicht. Aber auf allen möglichen Kleiderschränken verstaubten noch irgendwelche Klampfen aus der Wandervogelzeit. Aus dieser Not, die viele junge Musikmacher betraf, ist vielleicht die Entwicklung der Folkmusik begünstigt worden. Tatsächlich haben wir Liederbücher nach englischen und amerikanischen Traditionals durchsucht.
Unsere Band bestand ein knappes Jahr, in dem wir wirklich sehr ernsthaft gearbeitet haben. Aufgetreten sind wir nie. Darum brauchte die Band auch keinen Namen. Wir hatten allerdings nicht den geringsten Zweifel daran, daß man sich – ob Beat oder Folk – als Musiker die Haare lang wachsen lassen muß.
Es ist eine Ironie der Kulturgeschichte, daß die beiden anderen Bandmitglieder, die viel besser Musik machen konnten als ich, als Musiker danach keine Rolle mehr spielten, während ich ein knappes Jahrzehnt später einer der erfolgreichsten Folkrock-Bands des Landes angehörte.
Darum wollte ich eigentlich an dieser Stelle das einzige vollständige Gruppenfoto der Bröselmaschine hier hineinstellen. Aber zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß ich das Foto verkramt habe.
Wenn ich es wiederfinde, zeige ich es.
Schwarz..

Ostermarsch 2014 in Duisburg. Die Reportage.

OM2014-01Ostersamstag, früher Morgen. Es tut sich was auf dem Asphalt.
OM2014-02Große Ostermärsche werfen ihre Schatten voraus.
OM2014-03Die Leute, die früher immer riefen „…raus aus Afghanistan“ (um à la longue in die Regierung zu kommen), rufen das jetzt nicht mehr, obwohl (bzw. weil) es dafür jetzt Gründe gäbe.
OM2014-04
OM2014-05
Felix, alter Kämpe! Ich wollte, wir hätten mehr von der Sorte.
OM2014-06Die DFG-VK in Duisburg hat die Nähe zur Partei nie gescheut.
OM2014-07Es war eine gute Idee, die Band Orkestar Varbista einzuladen. Wirkliche Könner auf ihren Instrumenten, die populäre und revolutionäre Melodien verjazzten.
OM2014-08In der Samstag-Morgen-Sonne in Frühling haben auch die schönsten Männer weiße Haare.
Drauf geachtet, rechts im Bild? Konstantin Wecker kommt dieses Jahr wieder zum UZ-Pressefest.
OM2014-09Diese Partei ist auch da und wahrscheinlich wieder dafür & dagegen. Für mich sind das Analphabeten. (Die kaufen keine Bücher). Die meinen, sie hätten genug Papier.
OM2014-10Eberhard, der geduldige Aufklärer.
Asian Beauty.
OM2014-11Rote Fahnen, graue Haare.
OM2014-12Sevim Dagdelen (MdB Die Linke) hielt eine Rede. Sie attestierte der SPD, nicht reif für eine rotrotgrüne Koalition zu sein (sehr richtig!) und kritisierte auch ihre eigene Fraktion wegen aufweichender Haltung in der Frage von Auslandseinsätzen.
OM2014-13Nicht mehr das Tauben-Blau, sondern Rot ist die Farbe dieses Ostermarsches. Gefällt mir.
OM2014-14Buch gekauft. Gut.
OM2014-15Seltsam! Auch in diesem Jahr keine Beschwerde und (hörbare) Aufregung über unsere Make-Love-Not-War-Plakatbotschaft mit Erikas Merkspruch zum Merken. Emanzen erschrecken klappt anscheinend nicht mehr so richtig. Oder werden jetzt hinter verschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen Boykott-Beschlüsse gefaßt? Bedarf es solcher Beschlüsse eigentlich?
Gut dazu passend: „Worum es geht“.
OM2014-16Hört zu, wenn Bernd Funke spricht.
OM2014-17-Die Partei zeigt endlich auch mal wieder Farbe.
OM2014-18Und hinterher wieder alles schön einpacken.

Fotos: DFG-VK

1. Mai – diesmal etwas anders

FuckProNRWAm 1. Mai werden in Duisburg die Faschisten und Rechtspopulisten aufmarschieren. Sowohl die NPD als auch „Pro NRW“ haben Kundgebungen angekündigt, die als Provokation gegen die Gewerkschaftsbewegung aufgefasst werden müssen. Der DGB will sich jedoch nicht von seinem Konzept abbringen lassen, wie jedes Jahr im Landschaftspark Nord sein „Familienfest“ abzuhalten.

So ganz und gar ignorieren wird der DGB die rechten Provokationen allerdings nicht:
Am Dienstag, 29. April um 18 Uhr im Julius-Birck-Saal im DGB-Haus am Stapeltor findrt eine Veranstaltung statt:
Am 1. Mai 2014 wollen NPD und Pro NRW in Duisburg aufmarschieren. Warum haben sie sich gerade diese Stadt ausgesucht? Wie konnten extrem rechte und rechtspopulistische Parteien bei der Bundestagswahl im September 2013 überdurchschnittliche Ergebnisse in Duisburg erzielen? Und wie kommt es, dass die rechtspopulistische Splitterpartei Pro NRW im Oktober 2013 von 200 jubelnden Menschen in Duisburg-Neumühl empfangen wurde?
Alexandra Graevskaia (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung) wird in ihrem Vortrag auf die Akteure im Diskurs eingehen und aufzeigen was den Rechtspopulismus in Duisburg bestärkt hat.

Die Duisburger Studentenzeitung akduell kündigt dür den 1. Mai einen Liveticker an:
http://akduell.de/2014/04/ankuendigung-akduell-liveticker-zum-1-mai/
Für den 1. Mai hat die Weiterlesen

1914 in der Literatur (2)

Zum hundertsten Jahrestag des Kriegsausbruchs von 1914 hat der Aufbau-Verlag drei Klassiker der Anti-Kriegs-Literatur als Sonderausgaben vorgelegt:
KischRennZweigEgon Erwin Kisch: Schreib das auf, Kisch! Ein Kriegstagebuch. 320 S. Gebundene Ausgabe
Die Geburtsstunde des „Rasenden Reporters“: „Jeden Tag stenographiere ich meine Lebensweise und meine Gedanken, die Lebensweise und Gedanken von Hunderttausenden … Die Kameraden spotten: ‚Schreib das auf, Kisch!‘ Der Satz wird zur ständigen Redensart … Kisch schreibt auf, wenn der letzte Hosenknopf abreißt, wenn das einzige Stück Seife in den Brunnen fällt, wenn Blut in den Essnapf spritzt. Manches schreibe ich auf, was ich als Journalist nicht gewusst hätte. Manches hätte ich als Journalist auch dann nicht geschrieben, wenn ich es gewusst hätte, denn es wäre mir zu belanglos erschienen. Manches schreibe ich auf, was ich als Journalist nicht hätte schreiben dürfen, die Zeitung nicht gedruckt hätte. Mein Tagebuch weiß und darf. Welch ein Unterschied zwischen … einem Tag, den die Zeitung spiegelt, und einem Tag, im Schützengraben überlebt.“ Egon Erwin Kisch.
Von einem unbezwinglichen Drang des Beobachtens und Berichtens getrieben, geleitet von einem unvergleichlichen Gespür für die skurrilen wie die entlarvenden Momente im Kriegsalltag, schrieb Egon Erwin Kisch seine Erlebnisse als Soldat 1914/15 unmittelbar an der Front nieder, im Feldlager, im Schützengraben. Dieses unverhüllte, direkt dem Leben entnommene Bild des Krieges ist nicht zuletzt ein beeindruckendes Stück Literatur.
„Das Tagebuch eines bedeutenden Schriftstellers.“ Hans Mayer.
Mit dem Bericht „Ein Reporter wird Soldat“.

Ludwig Renn: Krieg. 352 S. Gebundene Ausgabe.
Unter dem Namen Ludwig Renn veröffentlichte der frühere kaiserliche Offizier Arnold Vieth von Golßenau das Buch „Krieg“, das Weltruhm erlangte: Ein einfacher Soldat wird am Tag der Mobilmachung Gefreiter und noch im August 1914 an die Westfront kommandiert. Er führt beflissen Befehle aus, bis er zu ahnen beginnt, dass das Grauen nicht nur ohne höheren, sondern völlig ohne Sinn ist.
„Die Bücher von Remarque und Ludwig Renn bieten qualitativ keine Unterschiede; beide wuchsen aus Anschauung und Erlebnis, beide hat die Erinnerung in langen Jahren geformt. Sie sind ganz und gar das feierliche Verdikt, das dem Krieg die Ehre aberkennt und ihn vor versammelter Menschheit degradiert.“ Carl von Ossietzky.

Arnold Zweig: Junge Frau von 1914. Roman. 432 S. Gebundene Ausgabe.
In der Liebe und im Krieg. In diesem Roman einer Liebe im Ersten Weltkrieg steht das Schicksal der jungen Lenore Wahl im Mittelpunkt, womit Zweig auf das Unverständnis seiner Zeitgenossen stieß: Man empfand dies als befremdlich privat, wo doch die Männer an der Front gekämpft und ihr Leben riskiert hatten. Der Autor aber wusste, dass der Krieg bis in die Heimat vordringt und nicht zuletzt dort seine Opfer fordert. Zudem legte er mit diesem Werk ein aufsehenerregendes Bekenntnis zur weiblichen Selbstbestimmung vor, das seiner Zeit weit voraus war.
„Der Krieg zwingt die Helden Zweigs, leidenschaftlicher zu lieben, tiefer zu hassen, schneller zu lernen, mehr zu leiden, intensiver zu leben. Er beschleunigt ihre Entwicklung und ihren Untergang, er steigert ihren Ehrgeiz und ihr Machtbedürfnis, ihren Wissensdurst und ihre Resignation, ihr Mitleid, ihren Neid und ihre Sehnsucht nach Glück. Der Krieg macht sie klüger, härter und grausamer, er ist eine große Anstandsprobe, eine moralische Prüfung. Zweig … berückt das Leben, er beobachtet, liebt und genießt es. Seine epische Welt ist diesseitig und rational, taghell und übersichtlich.“ Marcel Reich-Ranicki.

Die Bücher sind je zum Preis von 15 Euro erhältlich. Sie werden auf unserem Büchertisch, dem antimilitaristischen Buch-Basar beim Ostermarsch liegen. Sie können in der Buchhandlung Weltbühne – auch im Versand – bestellt werden.
Wir würden uns freuen, wenn Sie der Buchhandlung helfen, deren vornehmes Anliegen ist, den Krieg zu ächten, den Krieg zu verdammen!

Hermann Theisen weiterhin im Visier der Justiz

Die DFG-VK Duisburg wird beim Ostermarsch dieses Flugblatt verteilen:
Hermann Theisen weiterhin im Visier der Justiz
Hermann Theisen ist ein (gerichts-)notorischer Kriegsgegner.
Vor einem Jahr wurde er vom Amtsgericht München zu 60 Tagessätzen verurteilt, weil er zu Sabotageaktionen gegen den Rüstungskonzern Krauss-Maffei-Wegmann aufgerufen hatte […].
Wenn es um zivilen Ungehorsam gegen Krieg und Kriegsvorbereitung geht, kommt eine Anklage selten allein. Neue Vorwürfe gegen Hermann Theisen:
Er hat Flugblätter verteilt, mit denen zu einer 24stündgen Sitzblockade des Atomwaffenlagers Büchel aufgerufen wurde (sie fand am 11. und 12. August 2013 statt). Die Stadtverwaltung Koblenz untersagte das Verteilen der Blätter. Begründung: Darin würde zu Nötigung aufgerufen. Dagegen geht Hermann Theisen gerichtlich vor.
Wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten“ erging gegen ihn ein Strafbefehl über 600 Euro. Weil er dagegen Einspruch einlegte, findet am 30. April 2014 vor dem Amtsgericht Koblenz eine Verhandlung statt.
Inzwischen haben sich 30 Personen (darunter Ärzte, Theologen, eine Bundestagsabgeordnete) selbst angezeigt. Mit den Selbstanzeigen tut die Staatsanwaltschaft sich schwer. Auf keine der Selbstanzeigen folgte bisher eine Anklage.

Weitere Informationen können abgefragt werden bei der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen www.gaaa.org.
Die DFG-VK Duisburg bittet um Spenden:
[…]*
Verwendungszweck: Hermann Theisen.
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner
Gruppe Duisburg
c/o Buchhandlung Weltbühne. Gneisenaustraße 226 – 47057 Duisburg
www.dfg-vk-duisburg.de
plakat14pur*Die Bankverbindung der DFG-VK Duisburg bitte per E-.mail erfragen:
situationspresse@gmx.de

„Zum Verwechseln ähnlich“

„Das absurde Theater ist eine Richtung des Theaters des 20. Jahrhunderts, die die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen will.“ (Wikipedia). Einige der eindrucksvollsten Aufführungen fanden nicht auf Theaterbühnen, sondern in Gerichtssälen statt, wo die Sinnfreiheit von Anklageschriften orientierungsloser Staatsanwälte dargestellt wurde. So auch dieser Tage in Berlin.
Vor dem Amtsgericht Tiergarten sind seit dem 2. April Michael W. (39) und German L. (29) angeklagt, am 13. August 2012 bei einer Gedenkveranstaltung zum Tag des Mauerbaus in der Bernauer Straße mit FDJ-Hemden demonstriert zu haben. Das Emblem auf diesen Hemden war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dem Wappen der „FDJ in Westdeutschland“ zum Verwechseln ähnlich. Und diese Organisation sei 1951 als verfassungswidrige Organisation verboten worden.
Doch die Sache ist komplizierter.
Die Freie Deutsche Jugend, 1938 im Exil in Prag und Paris gegründet, dann bis 1946 in Großbritannien aktiv, war nach Zerschlagung des Hitler-Faschismus in den vier Besatzungszonen tätig – also vor der Gründung der beiden deutschen Staaten. In der DDR wurde die FDJ dann zur „Staatsjugend“ (wo sie mit einer eigenen Fraktion in der Volkskammer vertreten war), während sie in der BRD 1951 verboten wurde. Das Verbot wurde durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts 1954 rechtskräftig. An dieser Entscheidung waren – wie kann es anders sein – ehemalige Nazirichter beteiligt. Grund des Verbotes war der Widerstand der FDJ gegen die Remilitarisierung.
Im Neuen Deutschland wurde die komplizierte Lage so zusammengefaßt:
„Und dann gibt es da noch den feinen Unterschied zwischen FDJ-West und FDJ-Ost. Das FDJ-Verbot West gilt auch nach der Einheit bis ans Ende der Menschheit weiter, gilt aber nur für die alten Bundesländer, nicht für die hinzugekommenen. Was also zeigten die Angeklagten: das Emblem Ost oder das Emblem West, beide zum Verwechseln ähnlich. Das eine nicht erlaubt, das andere nicht verboten. Wo befanden sich die FDJler bei ihrer Aktion? In Ost oder West? Traten sie der verbotenen FDJ-West bei oder der nicht verbotenen FDJ-Ost? So richtig klar mit diesem bundesdeutschen Paragrafenwirrwarr schienen weder Staatsanwalt noch Richter zu kommen.“
Die Anwältin von Michael W. legte dem Richter drei FDJ-Symbole vor. Der Richter sollte sagen, welches Symbol zu der 1951 verbotenen westdeutschen FDJ, welches zu den nicht verbotenen Organisationen in Ostdeutschland und Westberlin gehören. Der Richter konnte das Rätsel auch nicht lösen. Denn alle drei Symbole ähneln sich nicht nur. Sie sind identisch.
Der Prozeß wird am 15.4. fortgesetzt.
Bei aller Komik sollte der ernste Hintergrund nicht unterschätzt werden. Michael W. und German L. erklärten dem Gericht, warum sie zur FDJ fanden und radikale Friedenspositionen einnehmen. Sie sehen die Gefahr, daß sich die Bundesrepublik immer tiefer in Kriegsabenteuer verstrickt und demokratische Strukturen immer weiter abgebaut werden. „Man mag ihre Auffassung teilen oder nicht, auf jeden Fall ist sie durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt.“ (Neues Deutschland). Der Staatsanwalt hat die bösen Geister des Kalten Krieges geweckt. Es ist – wieder einmal – sichtbar, daß die Schande der deutschen Justiz 1945 nicht endete.

P.S.: Der Mann, der sich am 13. August 2012 über das FDJ-Symbol echauffierte, die Polizei alarmierte und die ganze Posse in Gang setzte, trug übrigens einen „Schwerter-zu-Pflugscharen“-Button.
Freie_Deutsche_Jugend.svg
Wie auf den ersten Blick zu erkennen ist, handelt es sich bei diesem bei Amore e Rabbia sichtbar gemachten Emblem nicht um das Emblem der 1951 verbotenen FDJ.

„Eine Vertreibung ist inakzeptabel.“

Presseinformation des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung

Mit großer Beunruhigung nimmt das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) die aktuellen Entwicklungen rund um die Häuser In den Peschen 3-5 in Duisburg-Rheinhausen zur Kenntnis. Prof. Dr. Siegfried Jäger fordert die Stadt Duisburg auf, ihrer sozialen Verantwortung endlich gerecht zu werden.
Obwohl die rechtliche Grundlage fragwürdig ist, will Vermieter Branko Barisic die Häuser räumen lassen. Die dort aktuell bereits unter sehr schlechten Bedingungen lebenden Menschen sind von Wohnungslosigkeit und weiterer sozialer Ausgrenzung bedroht. Einige haben die Häuser bereits verlassen. Entgegen eines Ratsbeschlusses aus dem vergangenen Herbst existiert bisher kein Unterbringungskonzept, mit dem die städtische Wohnungsbaufirma Gebag den Mieterinnen und Mietern Alternativwohnungen anbieten sollte.
„Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Häuser handelt es sich um Duisburger Bürgerinnen und Bürger“, sagt Prof. Dr. Siegfried Jäger. „Es sind Familien mit Kindern, die hier zur Schule gehen und die sich hier eine Zukunft aufbauen wollen. Menschen, die nach Duisburg eingewandert sind, haben die gleichen Rechte wie alle anderen auch. Eine Vertreibung ist inakzeptabel. Die Stadt muss den Betroffenen dabei helfen, eine menschenwürdige Unterkunft in Duisburg zu finden.”
Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung forscht seit 27 Jahren zu den Themen soziale Ausgrenzung, Rassismus und Einwanderung in Deutschland. Im Jahr 2012 gründete sich im DISS der Arbeitskreis Antiziganismus, der seitdem zur Diskriminierung vonm Menschen forscht, die als Roma oder Sinti identifiziert werden. Vor diesem Hintergrund bewertet das DISS Äußerungen des Duisburger Sozialdezernenten Reinhold Spaniel kritisch. Spaniel hatte im Dezember erklärt, die Stadt müsse die von der Räumung bedrohten Menschen nicht bei der Suche von Ersatzwohnungen unterstützen. Vielmehr setze man darauf, dass sie wegen ihrer „hohen Mobilität“ die Stadt verlassen.
„Seit Jahrhunderten leiden Menschen, die als Roma identifiziert werden, unter Vertreibung“, sagt DISS-Mitarbeiterin Alexandra Graevskaia. „Durch diese Geschichte der Vertreibungen entstanden die rassistischen Vorurteile vom Nomadentum und von der Heimatlosigkeit und wurden zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Es ist Aufgabe einer Sozialbehörde, diesen Kreislauf der Diskriminierung zu durchbrechen und den Menschen hier eine Perspektive zu geben. Keinesfalls sollte sie die Vorurteile und die besonders prekäre soziale Situation der Betroffenen auch noch als Argument dafür in Stellung bringen, um eine erneute Vertreibung zu rechtfertigen“, so Graevskaia weiter.
Auch in anderer Hinsicht sieht das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung die Stadt Duisburg in der Pflicht: Seit vielen Monaten tauchen im Internet unter anderem auf Facebook rassistische Beschimpfungen und Bedrohungen auf, bis hin zu der Forderung nach Pogromen. „Die Stadt muss deutlich machen, dass sie keine Form von Rassismus toleriert, auch nicht, wenn sie sich als Wut besorgter Anwohnerinnen und Anwohner äußert“, sagt Prof. Dr. Siegfried Jäger. „So lange die städtischen Institutionen nicht offensiv das Recht aller Bürgerinnen und Bürger verteidigen, hier unter menschenwürdigen Bedingungen leben zu können, fühlen sich diejenigen bestärkt, die hetzen und Vertreibung fordern.“ Eine solch unheilvolle Entwicklung habe das DISS bereits bei den Analysen im Zusammenhang mit den rassistischen Pogromen der 1990er Jahre ausmachen können.

Weitere Informationen über das DISS finden Sie auf der Website des
Instituts http://www.diss-duisburg.de.

Der Ostermarsch ist eine gute Sache

Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm!

plakat14purDer schönste Teil von Deutschland ist das Ruhrgebiet.
Das Schönste am Ruhrgebiet ist der Ostermarsch Ruhr.
Hier der Ablauf von Ostersamstag bis Ostermontag von Duisburg nach Dortmund (Bild anklicken zum Vergrößern):

OM-Programm2014Es fängt also am Samstag um 10.30 Uhr an. Aber man kann auch schon früher kommen und Kaffee bestellen, weil wir mit unserem ANTIMILITARISCHISCHEN BUCH-BASAR auch schon früher da sind und Kaffee anbieten.
(Der Antimilitaristische Buch-Basar ist ein Angebot der DFG-VK Duisburg in Kooperation mit der Buchhandlung Weltbühne).

Das Schönste am Ostermarsch Ruhr ist unser Büchertisch.

Schöne Grüße vom Ostermarsch!

Bilder, die für sich was sagen: Bilder vom Ostermarsch 1987 (Duisburg, Essen, Dortmund), aus dem Bildarchiv der DFG-VK (Gruppe Duisburg).
Diese 9 Bilder sind als POSTKARTENSERIE erschienen.
Gibt es noch Leute, die wissen, was eine Postkarte ist? Eine Bildpostkarte? Man nannte sie auch „Ansichtskarte“.
Postkarten werden von der Post immer noch befördert, und manche Leute freuen sich, wenn sie eine Postkarte bekommen – als schönen Gruß aus der materiellen Welt. Man muß sie nicht verschicken. Man kann sie auch an die Wand hängen oder sonstwie aufbewahren.
Es gibt Leute, die Postkarten sammeln, und es gibt Leute, denen man empfehlen sollte, damit anzufangen. Denn die Postkarte ist ein universelles und mitunter subversives Medium: in der Form stringent (DIN-A6, Hoch- oder Querformat), in der Thematik geradezu unbegrenzt.

OM87-Karte01Der meistens unvermeidliche Infostand der DFG-VK.

OM87-Karte02Wer genau hinguckt, erkennt den Zweimetermann mit Schlips: Henning Scherf.

OM87-Karte03OM87-Karte04Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime begrüßen den Ostermarsch. Bruno Bachler spricht.
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OM87-Karte06Wer genau hinguckt, erkennt Dietmar Schönherr (am Mikrophon).

OM87-Karte07OM87-Karte08
OM87-Karte09

Die Postkartenserie Ostermarsch 1987 (1 bis 9) ist für 10 Euro erhältlich (einschließlich Porto).
Die Motive sind auch einzeln erhältlich (Stückpreis: 1 Euro).
Bestelladresse: DFG-VK c/o Buchh. Weltbühne, Gneisenaustraße 226, 47057 Duisburg.
bestellungen@buchhandlung-weltbuehne.de

DFG-VK heißt: Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner.
Und: Es gibt aus unserer Werkstatt noch viele andere Postkarten.
Und: Dran denken: Ostermarsch 2014!

Ulrike Heider ist jetzt da (genauer gesagt: ihr Buch)

Vor ein paar Tagen habe ich es hier angekündigt, und jetzt ist es eingetroffen, das bemerkens- und empfehlenswerte Buch von Ulrike Heider – eine rationale (Gegen-)Stimme in dem Kontext, den die guten Geister verlassen, wenn das Neo-Establishment sich von seinen „68er“-Sünden sauberwaschen will – und erst recht, wenn’s um’s Geschlechtliche geht.
v_gelnWomit kriegt man es zu tun?
Dazu zwei Zitate aus einem Interview mit Ulrike Heider in der Taz: vom 5.12.2013:

„Freuds Lehre von der kindlichen Sexualität war ja nach der Nazizeit gerade erst wieder rehabilitiert worden. Kinderladengründer und Eltern bemühten sich, alle Äußerungen kindlicher Sexualität zu akzeptieren. Man erlaubte Masturbation und Doktorspiele. Und wenn Kinder dem Cohn-Bendit an den Schwanz gegriffen haben, hat er ihnen nicht auf die Finger gehauen. Später hat er gesagt, er hätte das nur erfunden. Ich kann mir aber vorstellen, dass es so passiert ist. Das fände ich nicht schlimm. Und wenn er ein Kind auch unter der Gürtellinie gestreichelt hat, finde ich auch das nicht schlimm. Das hat nichts mit Pädophilie zu tun. […]
Man dachte damals anders. Der Sexualforscher Alfred Kinsey zum Beispiel meinte, dass ein Kind von einer gewaltfreien sexuellen Annäherung durch einen Erwachsenen nicht verstört wird. Erst die hysterischen Reaktionen von Eltern, Polizisten und Richtern auf so einen Fall schadeten Kindern im Nachhinein. Fast alle Sexualwissenschaftler waren damals ähnlicher Meinung. Deshalb finde ich es idiotisch, wenn Leute, die wegen ihrer Meinung von vor 30 Jahren der Aufforderung zum Missbrauch bezichtigt werden, jetzt mit Zwecklügen und Rationalisierungen reagieren. Wenn die Diskussion nicht so unhistorisch und moralistisch geführt würde, könnte Cohn-Bendit sagen: Die haben sich an mir zu schaffen gemacht, und ich habe es ihnen nicht verboten. Jürgen Trittin könnte sagen: Ich war presserechtlich verantwortlich für ein Arbeitspapier, das die Aufhebung von Schutzaltersgrenzen forderte, aber das hätte jeder andere sein können. Volker Beck, der in einem Sammelband zum Thema Pädophilie einen Artikel geschrieben hat, könnte sagen: Ja, ich habe das geschrieben, weil ich damals so dachte. Ich habe meine Meinung inzwischen geändert.“

„Ich habe mich in der ganzen 68er Zeit nie von einem Mann unter Druck gesetzt gefühlt. Nie hat einer etwas gesagt wie: „Wenn du jetzt nicht mit mir schläfst, bist du nicht emanzipiert.“ Viele Frauen, darunter ich, begriffen das Recht auf freie Liebe als ein Frauenrecht. In den 70ern kam eine Stimmung auf, in der Feministinnen die Sexrevolte als reine Männerangelegenheit abgetan haben. Es hieß, nur die Männer hätten profitiert. Sie hätten Frauen zum Sex gezwungen. Ich habe das so nicht erlebt.“

Ulrike Heider: Vögeln ist schön. Die Sexrevolte von 1968 und was von ihr bleibt. Rotbuch Verlag 2014. 320 S. 14,95 Euro.

Das Buch ist in der Buchhandlung Weltbühne erhältlich und sollte auch dort bestellt werden (auch für den portofreien Versand).
Buchhandlung Weltbühne ist auch schön.

Was ist ein 68er?

Wat is en 68er? Ich bin kein 68er. Wenn Sie mich so nennen wollen, tun Sie’s. Wenn Sie das anerkennend meinen: gut. Wenn Sie das abwertend meinen: auch gut. Ich bezeichne mich nicht so. Ich kenne 68er. Mir sind viele über den Weg gelaufen, aber ich habe immer das Gefühl, denen über den Weg gelaufen zu sein.
Was ist ein richtiger 68er? Das ist einer, der mir im Februar 1968 gesagt hat: „Mensch, geh mir doch weg mit deinem Vietnam! Dat will doch keiner hören. Du bist ein unverbesserlicher Idealist! Bleib mir vom Leib mit Politik. Politik ist was für Proleten.“ – um mir dann im April 1968 zu attestieren, daß ich vom Widerstand des vietnamesischen Volkes gegen den US-Imperialismus nichts begriffen hätte, ich sei ein unverbesserlicher Pazifist, dem für die Strategie des antiautoritären Lagers gegen die Repression durch das Establishment vollends der Durchblick fehlt. Im Januar 1969 zeigte der richtige 68er mir einen Vogel, als er mich beim Lesen einer maoistischen Zeitung antraf, und im März 1969 erklärte er mir, daß ich, als typischer Kleinbürger, eine antiautoritaristische Macke hätte, aus mir würde nie ein anständiger Marxist-Leninist, weil mir für die proletarische Strategie vollends der Durchblick fehlt.
1971 erklärte mir der richtige 68er, daß ein unverbesserlicher 68er bin, der nur Politik im Kopf hat, anstatt im inneren Raum nach dem inneren Licht zu suchen. Für die psychedelische Katharsis fehlte mir einfach der Durchblick. 1973 erklärte mir der richtige 68er, daß ich ein unverbesserlicher Hippie und ständig bekifft bin. 1976 riet er mir, Dieter Duhm und das Neue Lote Folum zu lesen, ich sei nämlich 30 Jahre zurück. In den letzten Jahren habe ich vom richtigen 68er immer öfter gehört, daß Widerstand und Opposition Kinderkram ist, mit dem man nichts bewirkt.
Der richtige 68er hat mir attestiert, daß ich Reformist, Anarchist, Revisionist, unpolitisch, politisch, Dogmatiker, Abweichler, Sexist, Mitläufer, Außenseiter, Individualist, Stalinist und Pornograf bin, und zwar alles „unverbesserlich“. Der richtige 68er war immer schon „weiter“. Aber dahin wollte ich nie.

Wie kommt denn dieser Text hierher? Geschrieben habe ich ihn am 25. Februar 2001.
Das ist nämlich so: Mit Windows xp ist Schluß. Jetzt kommt Windows 7. Also muß ich unzählige Uralt-Text-Dateien, die noch in Uralt-Formaten gespeichert sind (TXT, sdw) hervorkramen und in einem neuen Format speichern, damit sie in Windows 7 überhaupt noch sichtbar gemacht werden können. Da tauchen im Keller die längst vergessenen Fragmente und Entwürfe auf, so auch dieses Dokument einer allgemeinen Verärgerung, das immerhin zwar zu Ende geschrieben, aber dann doch liegengelassen wurde – wohl für nicht gut genug gehalten. Naja, zum Besten, was ich geschrieben habe, gehört das ja auch nicht.
Ich zitiere es als Dokument meines beharrlichen Bemühens, dem Klischee von „68“ entgegenzuwirken. Das ist mir besser gelungen in dem Aufsatz „Es gibt keine 68er-Bewegung“, abgedruckt im Katalog der Ausstellung zur Jugendkultur des Kultur- und stadthistorischen Museums. Denn die Ziffer „68“ ist ein feindseliges Gerücht, weil damit eine Epoche zur Saison verkleinert wird. Wer sich selbst als „68er“ bezeichnet, ist keiner.
Die Verdikte Reformist, Anarchist, Revisionist, … Stalinist“ et cetera pepé (er)trage ich gelassen, vermisse es aber sehr, daß ich immer noch nicht als Trotzkist entlarvt worden bin. Besonders gefällt mir „Pornograf“.

Ich kann Ihnen übrigens versichern, daß es sich bei dem zitierten „echten 68er“ tatsächlich immer um ein- und dieselbe Person handelt – der einmal einem über mich erzählte, ich würde ja ständig meine Meinung ändern.

Barbara-1„Was haben Sie 1968 gemacht?“
Barbara-2
Wir haben uns die Freiheit genommen.
Barbara-HFP(Bild aus „Nummer 4“, Hut-Film).

Aus den befreiten Ländern

Eine Information, die ich von der VVN bekommen habe, gebe ich weiter:

Liebe Freundinnen und Freunde,
ja, wir fahren nach Riga!
Besonders in vielen osteuropäischen Ländern gibt es beunruhigende geschichtspolitische Entwicklungen, die oft auf eine Rehabilitierung von NS-Tätern hinauslaufen. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass es in Europa nie und nirgendwo Ehrungen für die Waffen-SS, Kollaborateure und NS-Täter gibt.
Unser Protest richtet sich insbesondere gegen die Ehrung der Waffen-SS am 16. März im Riga.
Nach einer sehr erfolgreichen Veranstaltung mit unseren lettischen Freunden Josef Koren und Aleksey Sharipov von „Latvia without Nazism“, die wir am 20. Februar in Berlin durchgeführt haben, können wir jetzt die konkreten Informationen für die Fahrt nach Riga vorstellen:
Wir werden am Freitag, 15. Februar nachmittags in Berlin losfahren. Am Samstag wird es für uns ein kleines Programm in Riga geben, u.a. einen Besuch des Ghetto-Museums. Am Sonntag werden wir an mehreren Aktivitäten teilnehmen. Diese beinhalten eine Gegen-Ehrung für lettische Opfer des Nazi-Regimes und Protestveranstaltungen gegen die Waffen-SS-Ehrung. Die genauen Abläufe sind Gegenstand von Verhandlungen unserer lettischen Freunde mit Behörden und Gerichten wie wir das von hiesigen Verhältnissen auch kennen.
Da wir zum 70. Jahrestag des Gedenktages anreisen, ist mit einer großen Beteiligung der Gegenseite zu rechnen. Außerdem wird es mit Sicherheit ein sehr großes internationales Presseecho geben. Unsere Delegation wird vom Präsidenten der „Fédération Internationale des Résistants (FIR)“
Vilmos Hanti aus Ungarn angeführt. Parlamentarier aus EU-Ländern und den USA werden unsere Seite unterstützen. Efraim Zuroff, Leiter des des Simon Wiesenthal-Zentrums Jerusalem hat seine Teilnahme ebenfalls zugesagt.
Die Rückreise treten wir am Montag, dem 17. März an.
Die Teilnahmegebühr beträgt 100,00 € für die Fahrt und Unterkunft im Zentrum von Riga.
Bitte meldet euch an und überweist den Teilnahmebeitrag. Bei Überweisungen bitte den Namen und das Stichwort „Teilnahmebetrag Riga“
angeben.
Informiert uns bitte auch, wenn ihr privat mit dem Flugzeug anreist, damit wir einen Überblick über die Teilnehmenden haben.
Wir benötigen Spenden zur Finanzierung der Expedition. Wenn ihr z.B.
selbst nicht fahren könnt, aber das Projekt unterstützen möchtet, spendet bitte mit dem Stichwort „Spende Riga“ auf das Konto der VVN-BdA Bundesvereinigung, Konto-Nr: 190037270, bei der Berliner Sparkasse, BLZ 10050000
Zur allgemeinen Information haben wir noch einmal den Flyer zur Veranstaltung beigefügt. Außerdem kann man sich hier informieren:
http://www.vvn-bda.de/am-tag-der-legionare-blumen-fur-die-waffen-ss/
Also:
– anmelden!
– weitersagen!
– spenden!
Bis dahin viele Grüße
für die Organisierenden:
Thomas Willms
Markus Tervooren

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V.
Bundesvereinigung
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
Tel.: +49 (0)30-29784174, Fax: +49 (0)-29784179
E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de
www.vvn-bda.de

Von Adorno bis Porno – Lesung mit Ulrike Heider

Am Samstag, 15 März um 20 Uhr liest Ulrike Heider im Lokal Harmonie in Ruhrort aus ihrem Buch VÖGELN IST SCHÖN, das in den nächsten Tagen erscheint.
Der Verlag stellt sein Buch vor:
1968 das Jahr, das die Bundesrepublik veränderte wie wenig andere: Die junge Generation begehrte gegen das Establishment und den „Muff von tausend Jahren“ auf, propagierte freie Liebe und wollte Ehe und Familie abschaffen. Zugleich schwappte mit Oswalt Kolle die erste Sexwelle über Deutschland, und die Kommerzialisierung von Liebe und Sexualität begann. Heute scheinen die Kämpfe ausgefochten, aber der Schein trügt. Der Erfolg von Büchern wie „Feuchtgebiete“ oder „Fifty Shades of Grey“, die anhaltende Diskussion um die „Homoehe“ oder das von der Regierung vertretene Frauenbild beweisen: die Entwicklung geht wieder zurück und ein sexueller Neokonservatismus ist auf dem Vormarsch. In „Vögeln ist schön“ blickt Ulrike Heider auf die Sexualdiskurse der letzten 50 Jahre zurück. Von der späten Adenauer-Ära und der Studentenrevolte über die Frauen- und Schwulenbewegung bis zu den aktuellen Debatten über Pornographie, Sadomasochismus oder der Pädophilie-Debatte bei den Grünen geht sie der Frage nach, wie sich Sexualität zur historischen und politischen Entwicklung verhält. Sie vergleicht die Ideale von damals mit heutigen Normen, Tabus und Moralvorstellungen, benennt Auswirkungen, Erfolge und Versagen der Sexrevolte.
v_gelnUlrike Heider: Vögeln ist schön. Die Sexrevolte von 1968 und was von ihr bleibt. Rotbuch Verlag 2014. ca. 256 S. ca. 14,95 Euro.

Lokal Harmonie e.V., Harmoniestr. 41, 47119 Duisburg (Ruhrort). Eintritt 10 bzw. 5 Euro.

Das Buch erscheint in den nächsten Tagen und ist in der Buchhandlung Weltbühne dann erhältlich und sollte auch dort bestellt werden (auch für den portofreien Versand).
Buchhandlung Weltbühne ist auch schön.

Blinde Empörung

BlindFaithHad To Cry Today; Can’t Find My Way Home; Well All Right; Presence Of The Lord; Sea Of Joy; Do What You Like. Eric Clapton (Gitarre), Ginger Baker (Schlagzeug), Steve Winwood (Orgel, Klavier und Gesang), Ric Grech (Bass, Violine). Blind Faith 1969
„Für das Cover der amerikanischen Ausgabe wurde daher stattdessen ein neutrales Foto verwendet.“

P.S.: Ist es nicht erstaunlich, daß Frau Alieze S. zum Edathy-Skandal ihren Senf nicht hat erschallen lassen? Was Steuerangelegenheiten doch manchmal für angenehme Wirkungen nach sich ziehen!

Transit

Einmal habe ich das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik betreten. Das war 1972. Die Bröselmaschine hatte ein paar Auftritte in Westberlin. Also mußten wir, von Süddeutschland kommend, über die Transitautobahn die DDR durchqueren. Ich hatte aber keinen Reisepaß. Also mußte ich mir im Büro der DDR-Grenzadministration ein Ersatzdokument ausstellen lassen, das mich zur Benutzung des Transitweges durch die DDR berechtigte.
An der Wand hing ein Bild von Erich Honecker. Hinter dem Schreibtisch saß ein Uniformierter. Daß ich, von ihm als typischer West-Langhaariger wahrgenommen, begehrte, ohne Reisepaß die DDR zu durchqueren, konnte er nicht so recht verstehen: Da kommt doch tatsächlich jemand hier in der DDR an und hat keinen Reisepaß! Ich hingegen sah da gar kein Problem. Wenn man keinen Reisepaß hat, läßt man sich eben ein Ersatzdokument ausstellen.
In welcher Absicht ich denn die Transitstrecke benutzen wolle, wollte der Beamte wissen. Ich klärte ihn auf: Ich bin Musiker, und unsere Band hat in den nächsten Tagen drei Konzerte in Westberlin (ich sagte: Westberlin). Ob ich das nicht schon längst gewußt hätte und mir entsprechend rechtzeitig einen Paß hätte besorgen können? Ich sagte ihm natürlich nicht, daß ich die Paß-Angelegenheit nicht für so wichtig genommen hatte, sondern redete mich damit heraus, ich hätte im letzten Moment für einen anderen einspringen müssen und daher leider keine Gelegenheit mehr gehabt, das Besorgen eines Reisepasses zur Vorlage in der DDR in den Mittelpunkt all meines Sinnens und Trachtens zu stellen.
Welche Art von Musik wir denn machten, wollte er auch noch wissen. Es war nicht ganz einfach, dem Beamten der Deutschen Demokratischen Republik eine Ahnung davon zu vermitteln, was unter Folkrock zu verstehen sei.
Daß ich dem Beamten weder mit angstvoller Unterwürfigkeit entgegentrat, als fürchtete ich, bei einem falschen Wort nach Sibirien deportiert zu werden, noch mit beleidigtem Wessi-Trotz, daß mich der Aufenthalt in einem Dienstraum der Deutschen Demokratischen Republik in keinster Weise irritierte, daß ich nicht nur höflich, sondern geradezu freundlich mit ihm sprach, machte ihn sichtlich mißtrauisch. Daß ich mich mit der DDR innerlich mehr verbunden fühlte als mit dem Land meiner Herkunft, brachte ich zwar nicht explizit zum Ausdruck, ließ es aber durch meine Unbefangenheit erahnen. Der Beamte muß gedacht haben: Der ist so freundlich zu mir. Will der mich eigentlich verhohnepiepeln?
739px-Stamps_of_Germany_(DDR)_1964,_MiNr_1016Für das Ersatzdokument mußte ich zehn D-Mark bezahlen, das wußte ich. Für einen Reisepaß hätte ich bei „meinem“ Einwohnermeldeamt auch zehn D-Mark bezahlen müssen. Ich dachte: Wenn ich schon zehn Mark loswerde, dann gebe ich das doch lieber der DDR! Das ist sowas Ähnliches, als hätte ich zehn Mark für Kuba oder für Vietnam gespendet.
Wenn ich dem das erzählt hätte, dann hätte der gar nichts mehr verstanden.
Man hatte mich gewarnt: Erzähl denen an der Grenze bloß nicht, daß du Kommunist bist! In ‘ner Delegation, ja, da wird man da willkommengeheißen. Aber ein einzeln reisender Kommunist aus dem Westen, da denken die: „Das geht doch gar nicht! Im Westen Kommunist? Das ist doch gegen die Vorschrift! Hier muß man das ja! Aber wer im Westen Kommunist ist, freiwillig, der muß ja verrückt sein. Das ist ja ein Aufrührer, ein Umstürzler!“
Ich war auch mal Delegierter bei der Bezirksdelegiertenkonferenz der DKP. Da hielt einer eine Rede, der war Professor in der DDR gewesen. Er sagte: „An der Karl-Marx-Universität in Leipzig lehrte ich Marxismus-Leninismus. Ich dachte: Die richtigen Kommunisten, die für ihre Überzeugung Nachteile auf sich nehmen, das sind die im Westen. Und die anderen – die sitzen vor mir in meinen Seminaren.“
Wenn der das da erzählen durfte, dann darf ich das hier auch erzählen.